Karl III. der Dicke

Kaiser Karl III. der Dicke – Karolinger

Karl III. der Dicke wurde 839 geboren. Er war ein Sohn von Ludwig II. dem Deutschen und der Welfin Hemma. Nach dem Tod des Vaters im Jahr 876 regierte er zunächst als einer von drei Nachfolgern im Ostfrankenreich.

Darüber hinaus erlangte Karl III. der Dicke ab 879 auch die Königswürde über Italien. Zwei Jahre später wurde er dank seiner Kontakte zur Kirche von Papst Johannes VIII. auch zum römisch-deutschen Kaiser erhoben.

Karl der Dicke
Karl der Dicke (Urheber: unbekannt / Lizenz: gemeinfreies Bild)

„Der 12. Februar ist in der deutschen Geschichte immer wieder ein Tag der Inthronisation gewesen, an dem bereits früher Staatsoberhäupter in Amt und Würden gekommen sind: 881, heute vor 1 135 Jahren [sic] – kein Mensch kann sich mehr daran erinnern – wurde in Rom Karl der Dicke zum Kaiser gekrönt, der über große Teile eines Territoriums herrschte, aus dem sich sehr viel später Deutschland entwickeln sollte.“

(Norbert Lammert zur Eröffnung der 16. Bundesversammlung am 12. Februar 2017)

Von 885 bis 887 wurde ihm auch die Herrschaft über das Westfränkische Reich übertragen. Das alte Großreich der Karolinger konnte damit ein letztes Mal wieder vereint werden.

Karl III. war jedoch ein schwacher Herrscher. Den Beinamen „der Dicke“ verlieh man ihm zwar erst nachträglich. Er litt jedoch vermutlich an einer Epilepsie. Diese galt im Mittelalter nicht mehr wie in der Antike als göttliche Erkrankung, sondern als Schwäche.

Im November 887 verlor Karl III. der Dicke dann auch seinen politischen Einfluss an seinen Neffen Arnolf von Kärnten. Er verstarb nur wenig später am 13. Januar 888 in Neudingen und fand seine letzte Ruhe in der Abteikirche St. Maria und Markus in Reichenau.

Jüngster Sohn von Ludwig dem Deutschen

Im Jahr 843 wurde das Frankenreich durch den Vertrag von Verdun in einen östlichen, einen mittleren und einen westlichen Teil gespalten.

Vertrag von Verdun
Aufteilung des Reiches im Vertrag von Verdun (Urheber: Furfur / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Formal wurde nur von einer Aufteilung der Gewalt innerhalb der karolingischen Königsfamilie gesprochen wurde. Aber tatsächlich kam es damit zur substantiellen Teilung des früheren Großreiches.

Die Enkel von Karl dem Großen hatten damit das einstige Imperium zerschlagen und blieben auch weiterhin sehr verstritten.

Es kam zu wiederholten Attacken aufeinander. Diese waren im Jahr 870 erfolgreich und führten sogar zur Auflösung des Mittelreiches durch den Vertrag von Meerssen.

Die ursprüngliche Teilung nach dem Tod von Ludwig I. dem Frommen durch seine drei Söhne im Jahr 843 sah zunächst folgende Trennung vor:

  1. Lothar I. erhielt als zentraler Nachfolger die Kaiserwürde sowie das Mittelreich von der Nordsee bis nach Italien. Nach dem Tod seines Sohnes und Nachfolgers Lothar II. wurde dieses „Lothringen“ im Vertrag von Meerssen 870 zwischen dem Ostfränkischen und dem Westfränkischen Reich weitgehend aufgeteilt.
  2. Ludwig II. der Deutsche erhielt das Ostfränkische Reich aus dem das heutige Deutschland entstand. Er war der Vater von Karl dem Dicken und gilt je nach Lesart als erster König der Deutschen. Die moderne Geschichtswissenschaft betrachtet die Entstehung Deutschlands jedoch als einen langen Prozess mit vielen Zwischenschritten.
  3. Karl der Kahle erhielt das Westfränkische Reich aus dem das heutige Frankreich hervorging. Seine Nachfolger waren Ludwig der Stammler, dann Ludwig III. und schließlich Karlmann II. bis Karl der Dicke auch dieses Erbe übernehmen konnte.

Thronfolge im Ostfränkischen Reich

Nach dem Tod von Ludwig II. dem Deutschen am 28. August 876 versuchte umgehend der westfränkische Herrscher Karl der Kahle, das Ostfrankenreich zu erobern. Zu diesem Zeitpunkt hatte Karl III. der Dicke mit Karlmann und Ludwig dem Jüngeren noch zwei ältere Brüder, die ebenfalls ihren Erbteil verteidigen wollten.

Ludwig dem Jüngeren gelang dann auch der entscheidende militärische Sieg gegen die Westfranken am 08. Oktober 876 in der Schlacht bei Andernach. Das Ostfrankenreich blieb damit erhalten und konnte wie geplant unter den drei Brüdern aufgeteilt werden:

  • Karlmann war der Älteste und erbte 876 das Königreich Baiern und bekam ein Jahr später das Königreich Italien. Er starb jedoch bereits am 29. September 880 in Altötting.
  • Ludwig der Jüngere erhielt Franken, Sachsen, Thüringen sowie jene linksrheinischen Gebiete, die das Ostfrankenreich im Vertrag von Meerssen erhalten hatte. Damit verfügte er von Anfang an über das größte territoriale Erbe. Nach dem Tod von Karlmann erhielt Ludwig der Jüngere darüber hinaus auch dessen Gebiete. Er starb jedoch selbst bereits am 20. Januar 882.
  • Karl der Dicke regierte anfangs nur über Alemannien. Nach dem Tod von Ludwig dem Jüngeren erhielt er jedoch die gesammelte Erbmasse und wurde zum alleinigen König über das Ostfrankenreich. Außerdem war bereits seit dem 12. Februar 881 der Kaiser.

Kaiserkrönung von Karl dem Dicken

Obwohl Karl III. der Dicke anfangs nur über ein geringes Erbe verfügte, hatte er jedoch offenbar sehr gute Kontakte zur Kirche. Außerdem profitierte er wieder einmal vom Tod eines Verwandten.

Nachdem Karl der Kahle bereits am 06. Oktober 877 verstorben war, erhielt nicht einer von dessen Nachkommen die Kaiserwürde. Vielmehr einigte sich Papst Johannes VIII. eben mit Karl dem Dicken.

Bei diesem Papst handelte es sich übrigens um jene Figur, die ab dem 13. Jahrhundert im Verdacht stand, eine Frau gewesen zu sein. Die Legende von Päpstin Johanna gilt in der heutigen Forschung jedoch als nicht belegbar.

„Ain weib ward pabst nach Christi gepürd achthundert siben und vierczig jare und besazz den stul drew jar und fümf mened und het sich Johannes genennet. Si cham in mans chlaid gen Athen und lert grozz chünste. Darnach cham si gen Röm und lazz da manige grosse chunst. Ander maister, schuler und phaffen horten ir leczen, und was ze Röm die weil dhain maister, der alz maisterleich hiet gelesen. Darumb ward si zu ainem pabst erwelet und ward darnach swanger. Do si in ainer processen gen solt, do vieng si weibleich chranchait und geperte ain chind.“

(Aus der Österreichischen Chronik von den 95 Herrschaften von etwa 1384/85)

Gesichert ist jedoch, dass Karl der Dicke am 12. Februar 881 zum Kaiser gekrönt wurde, als er selbst noch über relativ wenig Macht verfügte. Der römische Papst versprach sich wohl seine tatkräftige Unterstützung, die er letztlich aber nie erhalten sollte.

Vielmehr starb Papst Johannes VIII. schon im darauffolgenden Jahr eines gewaltsamen Todes. Die Quellen sind sich jedoch uneins. Entweder wurde er im Kampf gegen Sarazenen oder von seinen Verwandten getötet. Letztere sollen ihn angeblich erst vergiftet und dann sicherheitshalber noch mit einem Hammer erschlagen haben.

Karl III. als fränkischer König und Kaiser

Karl III. der Dicke kam vor allem deshalb zu Macht, weil er ein dynastischer Glückspilz war. Sein Vater Ludwig II. der Deutsche hatte sehr lange regiert, so dass seine ältesten Söhne selber erst im hohen Alter zu Königen wurden.

Karl konnte dann als jüngster Sohn nach und nach die gesamte Erbmasse einstreichen. Ab 882 regierte er als einzig verbliebener Sohn im Ostfrankenreich.

Vertrag von Meerssen Karte
Das Ostfrankenreich, das Westfrankenreich und das Königreich Italien nach dem Vertrag von Meerssen (Urheber: Furfur / Lizenz: CC-BY-SA 4.0)

Im Dezember 884 verstarb mit Karlmann II. auch der westfränkische König. Karl der Dicke kassierte wenig später dann auch dessen Erbe, so dass das fränkische Großreich ein letztes mal unter der Führung einer Person vereint war.

Aber Karl III. der Dicke war dennoch ein schwacher Herrscher. Er wurde schon früh von Wikingern gedemütigt. Diese stießen auf dem Rhein bis tief ins Reich vor.

Auch sein engster Berater Liutward von Vercelli hatte kein glückliches Händchen. Er wurde durch eine Intrige gestürzt.

Persönlich muss man Karl III. dem Dicken jedoch zu Gute halten, dass er aufgrund einer schweren Erkrankung, wahrscheinlich Epilepsie, praktisch kaum regierungsfähig war. Sein gesundheitlicher Zustand verschlechterte sich schließlich soweit, dass er seine Herrschaft im Reich kaum durchsetzen konnte.

Letztlich erhob sich wenige Monate vor dem Tod von Karl III. dem Dicken auch noch sein Neffe Arnolf von Kärnten. Der Kaiser wurde gegen Ende des Jahres 887 abgesetzt und starb schon im darauffolgenden Januar.

Wikingereinfälle am Rhein und vor Paris

Die dänischen Wikinger waren in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts sehr aktiv. Besonders bekannt sind ihre Attacken auf die britischen Inseln und die dortigen Abwehrschlachten unter Alfred dem Großen.

Karl III. der Dicke konnte die Wikinger nicht an Raubzügen im Rheinland hindern. (Urheber: NordNordWest / Lizenz: CC-BY-SA 3.0 de)

Aber die Wikingerschiffe konnten nicht nur die Ost- und Nordsee, sondern dank des niedrigen Tiefgangs auch Flüsse befahren. Zu ersten Angriffen auf die Franken kam es bereits in den Jahren von 862 bis 864.

Darauf folgten etwa zwei Jahrzehnte des Handels auf dem Rhein. Nach den Niederlagen bei Cynwit und Edington im Jahr 878 in England wandte sich das „Große Heidnische Heer“ jedoch wieder verstärkt gegen die Franken.

Im Winter 881/882 überzogen die Wikinger das Rheinland dann mit einer Serie von Überfällen. Die alten Römerstädte Bonn, Köln, Trier, Xanten und sogar die Kaiserstadt Aachen wurden geplündert.

Karl III. der Dicke war jedoch außerstande, sich gegen diese Angriffe zu erwehren. Letztlich stimmte er der Zahlung von Tributen in einer sehr unvorteilhaften Vereinbarung zu. Damit wurden die Plünderungen jedoch auch nicht dauerhaft unterbunden.

Ab November 885 belagerte ein größeres Heer der Wikinger sogar Paris. Sie standen unter dem Befehl von Rollo, dem Ahnherr von Wilhelm dem Eroberer. Parallel plünderten sie entlang der Seine.

Als Karl III. der Dicke mit einem Heer vor Paris erschien, konnte er die normannische Armee zwar einschließen. Doch nach Verhandlungen zahlte er ihnen 350 Kilogramm Silber als Tribut und ließ sie anschließend im abtrünnigen Burgund plündern.

Karl III. der Dicke hielt diese Zahlung und vor allem den Zug der Normannen gen Burgund für ein gelungenes und cleveres Manöver seinerseits. Aber die Bevölkerung sah in ihrem Kaiser nur einen schwachen Feigling.

Aufstand von Arnolf von Kärnten

Arnolf von Kärnten war ein unehelicher Sohn von Karlmann, dem älteren Bruder von Karl dem Dicken. Nachdem sich abzeichnete, dass der Kaiser nicht in der Lage war, das wieder vereinte Frankenreich zu regieren, organisierte er ein ostfränkisches Bündnis von Alemannen, Baiern, Franken, Sachsen und Thüringern.

Karl der Dicke Grab
Grab von Karl III. dem Dicken in der Klosterkirche von St. Maria und Markus. (Foto: Joachim Specht / Lizenz: CC-BY-SA 4.0)

Im November 887 blieben dann viele Adelige der Reichsversammlung von Karl III. dem Dicken in Tribur fern. Dieser Boykott war eine faktische Aufkündigung der Loyalität sowie Verweigerung der Zustimmung zu seiner Regierung.

Arnolf von Kärnten genoss dagegen aufgrund seiner militärischen Erfahrung eine hohe Anerkennung und wurde zum König ausgerufen. Im Anschluss erhoben sich im gesamten Frankenreich sechs weitere Thronanwärter, die jedoch nicht mehr der karolingischen Dynastie entstammten.

Karl der Dicke stellte dann seine letzte Urkunde am 17. November 887 aus. Doch seine verbliebenen Anhänger wurde entweder mit Drohungen oder mit Gewalt auf die neue Linie gezwungen.

Arnolf von Kärnten wurde dann Mitte Dezember in Forchheim offiziell zum König gewählt. Er beschränkte seine Ansprüche jedoch auf das Ostfrankenreich, so dass das Großreich in der Folge wieder zerfiel.

Karl der Dicke starb schon einen Monat später alleine und verlassen am 13. Januar 888. Sein unehelicher Sohn Bernhard rebellierte zwei Jahre später von Alemannien aus, aber wurde von Arnolf besiegt und anschließend auf der Flucht von einem Markgrafen getötet.