Pyrrhussiege – strategische Niederlagen

Pyrrhussiege – strategische Niederlagen

Ein „Pyrrhussieg“ ist ein taktischer Sieg, bei dem es sich aufgrund von zu hohen Verlusten gleichzeitig auch um eine strategische Niederlage handelt. Auslöser war ein angeblicher Ausspruch von König Pyrrhos I. nach der Schlacht bei Asculum (279 v. Chr.):

„Noch so ein Sieg, und wir sind verloren!“

Der „Pyrrhussieg“ ist ein zentraler Begriff der Militärgeschichte. Er bezieht sich historisch auf zwei Schlachten während des Pyrrhischen Krieges in den Jahren von 280 bis 275 v. Chr. und beleuchtet insbesondere die Hoheit der strategischen über die taktische Ebene.

Zugleich handelt es sich bei den tatsächlichen, historischen Pyrrhussiegen um sehr gute Praxisbeispiele für den abstrakten Verlauf einer idealtypischen Verteidigung. Das Ziel einer solchen Verteidigung ist die Abnutzung des Gegners, bis diesem die Kraft fehlt, seine Angriffe fortzuführen.

Der eine große Unterschied ist lediglich, dass man den Gegner, in diesem Fall aus römischer Sicht, nicht mit Hilfe von taktischen Siegen, sondern mit taktischen Niederlagen bezwingt. Wobei es sich bei den beiden historischen Pyrrhussiegen wohl aller Wahrscheinlichkeit nach nicht um intendierte Niederlagen handelte.

Aber vor allem die räumlichen Parallelen zur Ermattung von Pyrrhos I. im Pyrrhischen Krieg (280 bis 275 v. Chr.) und von Hannibal Barkas im 2. Punischen Krieg (218 v. Chr. bis 201 v. Chr.) in Süd-Italien sind deutlich erkennbar.

Das Römische Reich stand zwar nie geschlossen hinter solchen Strategien, aber dennoch gehörte Verlieren für Fortgeschrittene zweifellos zum Repertoire der antiken Großmacht.

Quintus Fabius Maximus – der Zauderer hat sich dann später ebenfalls als ein Großmeister in dieser Disziplin erwiesen.

Zwei Siege und ein verlorener Krieg

Zu den historischen Pyrrhussiegen kam es im Rahmen des Pyrrhischen Krieges (280 bis 275 v. Chr.). Dieser Krieg war eine Auseinandersetzung im Süden des italienischen Stiefels und auf Sizilien. Die beiden Haupt-Parteien waren Rom und das historische Epirus.

Der Auftakt des Pyrrhischen Krieges

Karte von Süditalien mit den Orten der beiden historischen Pyrrhussiege
Karte der historischen Pyrrhussiege (pixabay)

Rom hatte sich in Mittelitalien als dominierende Macht etabliert. Nun wollte die aufsteigende Stadt in den südlichen Teil des italienischen Stiefels expandieren. Dieser Teil wurde zum damaligen Zeitpunkt nur von einigen griechischen Städten kontrolliert. Leichte Beute.

Epirus lag hingegen auf der Balkan-Halbinsel und war von Süd-Italien nur einen Katzensprung weit über das Adriatische Meer hinweg entfernt. Nachdem die Römer erste Städte in Süd-Italien eingenommen hatten, ersuchte die Stadt Tarent den König Pyrrhos I. um Hilfe. Dieser hatte ebenfalls vor, sein Königreich zu erweitern und kam gerne mit ca. 25.000 Mann rüber nach Süd-Italien.

Die Schlacht bei Heraclea (280 v. Chr.)

Die Schlacht bei Heraclea im Jahr 280 v. Chr. in der Nähe von Tarent war der erste Pyrrhussieg. Es war ein hartes Gefecht mit drei großen Treffen. Pyrrhos verlor ca. 4.000 Mann. Die Verluste der Römer lagen mit ca. 7.000 Toten und einigen tausend Gefangenen deutlich höher. Dennoch hatten sie massiven Widerstand geleistet.

Pyrrhos I. erhielt nach seinem Sieg in der Schlacht bei Heraclea einige Verstärkungen. Auch konnte er nach der ersten Schlacht einige kleinere Städte erobern. Seine Soldaten ließ er in der Region Latium plündern. Zwei Tagesmärsche vor Rom wurde er jedoch schließlich von einer römischen Armee gestellt.

Er ließ sich aber nicht auf eine Entscheidungsschlacht ein, weil er fürchtete, nicht stark genug zu sein. Pyrrhos I. zog sich zurück und wurde auch nicht verfolgt. Die Römer waren für einen echten Gegenschlag ebenfalls zu schwach.

Die Schlacht bei Asculum (279 v. Chr.)

Die Schlacht bei Asculum im Jahr 279 v. Chr. war der zweite historische Pyrrhussieg. Die beiden Konfliktparteien waren in den Monaten davor umeinander getänzelt wie zwei Boxer. Dabei hatten beide Parteien Kräfte gesammelt. Bei dieser zweiten großen Schlacht des Pyrrhischen Krieges trafen bereits Armeen von je ca. 40.000 Mann aufeinander.

Diese Schlacht gewann Pyrrhos I. erneut unter schweren Verlusten. Dieser zweite Pyrrhussieg war schließlich Anlass für den berühmten Ausspruch des Königs aus Epirus. Die strategische Perspektive war dahin. Rom würde er in nächster Zeit nicht einnehmen können.

Die nutzlose Eroberung Siziliens

Nachdem Pyrrhos I. keine unmittelbare Chance mehr hatte, wandte er sich nach Sizilien. Die Insel stand damals unter der Kontrolle von Karthago, war jedoch ebenfalls von Griechen bevölkert. Diese wollte er befreien und sich Verbündete schaffen.

Der König aus Epirus konnte zwischen 279 und 275 v. Chr. auch fast die gesamte sizilianische Insel erobern. Jedoch einigten sich die befreiten Sizilianer hinter dem Rücken von Pyrrhos I. mit den Karthagern. Bei der ersten Gelegenheit wechselten sie wieder die Seiten.

Der Feldzug nach Sizilien kostete Pyrrhos I. viele Männer. Von seinen ursprünglichen Zielen hatte er er sich sogar entfernt. Dafür hat er wieder Beispiele für Pyrrhussiege geliefert.

Die Schlacht bei Beneventum (275 v. Chr.)

Die Schlacht bei Beneventum im Jahr 275 v. Chr. brachte Pyhrros I. keinen Pyrrhussieg mehr ein, sondern eine Niederlage und das endgültige Aus für seine Ambitionen in Süd-Italien. Vier römische Legionen stellten sich der wieder auf ca. 25.000 Mann geschrumpften Armee von Pyrrhos I. bei Beneventum, südlich von Rom und westlich von Neapel, in den Weg.

Die Römer hatten sich gut auf die epirischen Kampftaktiken eingestellt. Außerdem waren sie mit ca. 27.000 Mann leicht in der Überzahl. Den Römern gelang es mit Hilfe von Feuer, die Kriegselefanten ihrer Feinde in Panik zu versetzen. Diese rissen die epirischen Linien auf und Pyrrhos I. verlor ca. 9.000 Mann. Er zog sich daraufhin über das Adriatische Meer in seine Heimat zurück. Als tatsächlicher Sieger der beiden Pyrrhussiege eroberte Rom daraufhin Süd-Italien.