Politik

Politik – Polity, Politics und Policy

Wortherkunft und Verwendung des Begriffs

Der Begriff Politik entwickelte sich bereits im alten Griechenland als Politika. Damit bezeichnete man alle Tätigkeiten, die das Gemeinwesen eines Stadtstaates, einer Polis, betrafen. Ein solcher Mini-Staat der Antike verfügte in aller Regel über einen Siedlungskern sowie ein weiteres Umland.

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Aristoteles und die Staatsformen

Die territorialen Grenzen einer Polis waren zwar diffus. Die persönliche Zugehörigkeit zu einem solchen Stadtstaat war hingegen klar geregelt. Unterschieden wurden zwischen den Vollbürgern, den Abhängigen wie Fremden oder Frauen sowie den Sklaven.

Jedoch entwickelte sich bereits unter den frühen politischen Philosophen die Erkenntnis, dass die Herrschaft in Staaten ganz unterschiedlich ausgeprägt sein konnte. Jedoch sahen die Denker der Antike drei Grundtypen der politischen Herrschaft.

Der nächste Entwicklungsschritt dieses Basismodells war die Ausdifferenzierung in Herrschaftsformen der positiven und der negativen Ausprägung. Das bedeutete, dass es beispielsweise bei Staatsformen mit einer Person an der Spitze des Staates den guten König aber auch den bösen Tyrannen geben konnte.

Außerdem wurde den alten Griechen zumindest in Teilen bereits klar, dass politische Systeme auch für Demagogen anfällig waren. In den Prozessen der kollektiven Meinungsbildung konnten rhetorisch begabte und charismatische Persönlichkeiten mit politischen Ambitionen unverhältnismäßig großen Einfluss gewinnen.

Strukturen, Prozesse und Inhalte der Politik

Der heutige Politik-Begriff orientiert sich zumindest im wissenschaftlichen Diskurs am angelsächsischen Vorbild. Der grundlegende Ansatz, Politik näher zu begreifen, wird mit der Dreiteilung in Strukturen (polity), Prozesse (politics) und Inhalte (policy) vollzogen.

Das bedeutet, dass beispielsweise zur weiteren Unterscheidungen der Politik von einzelnen Demokratien ein Blick auf die institutionelle Ordnung beziehungsweise die politischen Strukturen geworfen werden kann.

Eine andere Ebene sind die Prozesse. Damit sind beispielsweise Wahlverfahren oder Lobbyismus gemeint. Als inhaltliche Ebene werden hingegen politische Forderungen wie eine Abkehr vom Atomstrom bezeichnet.

Natürlicher Zerfall der politischen Systeme

Antiker Kreislauf der Verfassungen

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Marcus Tullius Cicero – De Re Publica

Bereits in der Antike wurde jedoch erkannt, dass politische Systeme eine ganz grundsätzlich Tendenz zum Verfall haben. In einem Königtum kann auf einen guten König der despotische Sohn folgen.

Eine adlige Oberschicht kann aufgrund von ökonomischen Verführungen zumindest in Teilen selbstsüchtig und korrupt werden. Die breite Bevölkerung hingegen neigt zu den Diktaturen der Mehrheit.

Durch Beobachtungen kamen Denker wie Polybios zu der Erkenntnis, dass es sogar einen Kreislauf dieser Verfassungen gibt. Deshalb stellte bereits er im 2. Jahrhundert v. Christus Überlegungen an, wie man dem zyklischen Charakter der Politik mit Hilfe von Mischsystemen entgegenwirken kann.

Zum zentralen Fallbeispiel der antiken Verfassungstheorie und Politik-Diskussion entwickelte sich das dominierende römische Imperium. Der intensiven Schriftarbeit von Cicero ist es zu verdanken, dass die Definitionen des Staates an Komplexität gewannen:

„Der Staat ist also die Sache des Volkes; das Volk aber ist nicht jede Vereinigung von Menschen, welche auf irgendeine Weise geschlossen wurde, sondern es ist diejenige Vereinigung einer Menschenmenge, welche basierend auf ihrer Übereinstimmung in den Rechtsvorstellungen und auf ihrer Gemeinsamkeit des Vereinigungsnutzens zusammengeschlossen wurde.“

Klerikale Herrschaft im Mittelalter

Im Mittelalter hingegen bewegten sich die politischen Theorien hinzu einem Dualismus aus weltlicher und geistlicher Herrschaft. In diesem Zuge entwickelte sich das Papsttum zu einem zentralen Machtfaktor in Europa.

Doch zugleich begann der oberflächliche, absolutistische Anspruch der Herrscher durch ein erstarkendes Bürgertum an der Substanz zu erodieren. Das ausgehende Mittelalter war geprägt von Aufständen und mächtiger werdenden Städten.

Wehrhafte Institutionen der Gegenwart

Durch das Ende der Sowjetunion und der post-kommunistischen Systemtransformationen zu Beginn der 1990er Jahre hat die Vorstellung vom Zerfall beziehungsweise vom Wandel der politischen Systeme wieder einen zeitgenössischen Charakter erhalten.

Darüber hinaus ist es inzwischen mit Hilfe von spieltheoretischen Instrumenten der Politikwissenschaft ebenfalls möglich, auch für die mikro-politische Ebene eine Beweiskette für die Instabilität von Herrschaftsformen zu ermöglichen.

Das Problem ist nämlich, dass jede Art der staatlichen Organisation unter einem konstanten Leistungsdruck steht und noch dazu anpassungsfähig sein muss. Eine solche Agilität erfordert, dass relevante gesellschaftliche Kräfte ihre Beziehungen stetig neu aushandeln.

Solche Verhandlungen, beispielsweise zwischen politischen Parteien, werden jedoch überhaupt erst aus Eigeninteressen angestoßen. Deshalb liegt die eigentliche Kunst der Politik darin, wehrhafte Institutionen zu schaffen, die die individuellen Akteure dahin bringen, dass kooperatives Verhalten die klügere Strategie ist.

Entstehung der Politikwissenschaft

In der frühen Neuzeit wurde die Theorie des ewigen Zerfalls der politischen Systeme und der Lösungsansatz mit Hilfe von Mischsystemen wieder aufgenommen. Der leitende Gedanke ist bis heute, dass man eine fein-abgestimmte Verschränkung von Herrschaftstypen findet, die eine insgesamt beständige Politik mit positiver Ausprägung ermöglicht.

„Eine Veränderung bewirkt stets eine weitere Veränderung.“

niccolo-machiavelli-staat-verfassung-modell-eigene-grafik-nicht-kommerzielle-nutzung-gestattetGeprägt von Erfahrungen mit politischen Umstürzen in seiner Heimat sowie einer aufziehenden Reformation verfasste Niccolo Machiavelli seine Discorsi. Dabei handelt es sich um ein theoretisches Grundlagenwerk zu politischen Systemen.

Mit diesem Werk begründete Machiavelli zu Beginn des 16. Jahrhunderts die neuzeitliche Politikwissenschaft und markierte damit auch eine bedeutende, ideengeschichtliche Grenze. Dem Florentiner ging es vor allem um eine systematische Reproduzierbarkeit seiner Ergebnisse.

Über die bisherigen Differenzierungen hinaus wurde ein weiteres Begriffspaar von immer größerer Bedeutung. Die theoretische Abgrenzung des politischen Handelns in Bezug auf die innere Verfassung gegenüber dem Themenbereich der äußeren Beziehungen eines Staates rückte in den Fokus der Überlegungen.