Papst Paul III.

Papst Paul III. – Alessandro Farnese

Papst Paul III. wurde am 29. Februar 1468 als Alessandro Farnese geboren. Er war der Bruder der berühmten Giulia Farnese, die ihn als Geliebte von Papst Alexander VI. besonders förderte.

Papst Paul III.
Papst Paul III. (Maler: Tizian / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Die Familie Farnese gehörte bereits seit dem 11. Jahrhundert zum italienischen Adel. Sie stammten aus der heutigen Provinz Viterbo im Latium im Umland von Rom.

Das Pontifikat von Paul III. war geprägt von Nepotismus. Darüber hinaus entwickelte er sich als römischer Papst zu einem bedeutenden Vorbereiter der Gegenreformation.

Papst Paul III. gründete am 21. Juli 1542 die Kongregation für die Glaubenslehre. Dabei handelt es sich bis heute um eine zentrale Behörde der römisch-katholischen Kirche zur Förderung der Glaubens- und Sittenlehre. Sie ist besser bekannt als Heilige Inquisition. Die Verfolgung von Andersdenkenden hatte im Christentum jedoch auch damals schon eine lange Tradition, die sogar bis zurück in die Antike reicht.

Nach der Institutionalisierung der Kongregation für die Glaubenslehre setzte Papst Paul III. sechs Generalinquisitoren ein. Häufig spricht man auch von Großinquisitoren. Deren Aufgabe war die Bekämpfung von Häretikern und abweichenden Glaubenssätzen.

Die neue Behörde stellte neben anderen Maßnahmen umgehend eine Liste mit verbotenen Schriften zusammen, um unerwünschtes Gedankengut zu unterdrücken. Das Buch „Der Fürst“ von Niccolo Machiavelli gehörte dann beispielsweise zu den ersten Werken in dem Index Librorum Prohibitorum.

Besonders in Erinnerung blieb auch, dass Heinrich VIII. von Papst Paul III. im Jahr 1534 exkommuniziert wurde. Damit war die Abspaltung der englischen Kirche und die anglikanische Reformation verbunden.

Farnese – italienische Ritter-Familie

Wurzeln und Aufstieg der Adelsfamilie

Die Wurzeln der Familie Farnese können bis ins Jahr 984 zurückverfolgt werden. Der Clan war damals schon eine Ritter-Familie. Ihnen gehörte das alte Gut Castrum Farneti, die heutige Stadt Farnese nord-westlich von Rom.

Wappen Haus Farnese
Wappen des Hauses Farnese (Urheber: Sodacan / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Im 12. Jahrhundert kamen weitere Güter in den Städten Orvieto und Tuscania hinzu. Später waren die Farnese an den Konflikten zwischen Ghibellinen (= Staufer) und Guelfen (= Welfen) um die Macht im deutschen Reich beteiligt.

Dabei errangen Angehörige der Familie Farnese militärische Siege gegen Ghibellinen. Darüber hinaus kämpften sie in mehreren Schlachten gegen Normannen aus Sizilien.

Im 14. Jahrhundert waren die Farnese dann bedeutende Streiter für die päpstlichen Interessen. Diese Loyalität gegenüber der Kirche wurde mit weiteren Gütern und Privilegien belohnt. Damit stiegen sie in den Hochadel ihrer Zeit auf.

Kardinal Alessandro Farnese

Alessandro Farnese war ein zweitgeborener Sohn. Er wurde deshalb auf eine Karriere in der Kirche vorbereitet. Dafür kaufte ihm seine Familie im Alter von 25 Jahren ein niedriges Amt in der Kurie.

Er wurde im Jahr 1491 zum Apostolischen Protonotar ernannt. Ein Jahr später wurde mit Rodrigo Borgia der Geliebte seiner Schwester Giulia Farnese als Papst Alexander VI. zu Gottes Stellvertreter auf Erden gemacht.

Kardinal Alessandro Farnese
Kardinal Alessandro Farnese (Maler: Raffael / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Der lüsterne Borgia-Papst konnte seiner Liebhaberin, der schönen Giulia, bis etwa 1500 keinen Wunsch abschlagen. Erst dann suchte er sich wieder einmal eine jüngere Bettgenossin.

Doch Alessandro Farnese war bereits 1493 zum Kardinal aufgestiegen. Anschließend folgte die Beförderung zum Generalschatzmeister der römischen Kirche.

Im Jahr 1499 wurde er zum Bischof von Corneto-Montefiascone ernannt. Papst Julius II. ernannte Alessandro Farnese schließlich 1509 noch zum Bischof von Parma.

In all diesen Jahren führte Kardinal Farnese ein exzessives Leben. Er veranstaltete zahlreiche Gelage, zu denen auch Frauen eingeladen wurden. Der Volksmund bezeichnete ihn sogar als „Cardinal Fregnese“, als „Kardinal Möse“.

Die Geliebte Silvia Ruffini spielte jedoch wohl eine besondere Rolle im Leben von Kardinal Alessandro Farnese. Mit ihr zeugte er vier Kinder, die er später päpstlich legitimieren ließ:

  • Costanza Farnese (1500 – 1545)
  • Pier Luigi II. Farnese (1503 – 1547)
  • Paolo Farnese (1504 – 1512)
  • Ranuccio Farnese (1509 – 1528)

Erst im Jahr 1519 folgte die Weihe zum Priester und zum Bischof. Anschließend wurde Alessandro Farnese zusätzlich noch zum Kardinalbischof von Ostia ernannt.

Pontifikat von Papst Paul III. (1534 – 1549)

Kardinal Alessandro Farnese stellte sich im Laufe seines Lebens mehrfach zur Wahl als Papst. Zunächst war er jedoch jeweils gegen Leo X. und Hadrian VI. gescheitert.

Nach dem Tod seines Vorgängers Papst Clemens VII. wurde Alessandro Farnese am 13. Oktober 1534 dann schon am zweiten Tag des Konklaves gewählt. Damit handelte es sich um eine der schnellsten Papstwahlen der Neuzeit.

Paul III. und seine Nepoten

Papst Paul III. pflegte wie die meisten Kirchenfürsten der Renaissance eine ausgeprägte Vetternwirtschaft. Bereits am 18. Dezember 1534 beförderte er zwei Enkel zu Kardinälen.

Papst Paul III. und seine Nepoten
Papst Paul III. und seine Nepoten (Maler: Tizian / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Diese Entwicklung war so bezeichnend, dass der berühmte Papst-Maler Tizian dazu ein berühmtes Gemälde schuf: „Papst Paul III. und seine Nepoten“.

Mittig sitzt der greise Papst. Links steht Alessandro Farnese der Jüngere, der Sohn seines Sohnes Pier Luigi II. Farnese. Rechts beugt sich Guido Ascanio Sforza, der Sohn seiner Tochter Costanza Farnese etwas herab.

Für Pier Luigi II. Farnese schuf Papst Paul III. aus Territorien des Herzogtums Mailand das neue Herzogtum Parma. Dessen Enkel trug ebenfalls den Namen Alessandro Farnese und vollbrachte eine historische Meisterleistung. Er führte die spanische Armada gegen Sir Francis Drake in eine vernichtende Niederlage. Das Fürstentum Parma blieb dennoch bis zum Aussterben der Familie 1731 in der Hand der Farnese.

Aber auch weitere Verwandte durften sich der Herrschaft von Papst Paul III. erfreuen. Er verteilte beispielsweise Pfründe und Ländereien, die eigentlich dem Kirchenstaat gehörten.

Abspaltung der Anglikaner

Bereits in den ersten Wochen des Pontifikats von Papst Paul III. kam es zu einer schweren Niederlage der römischen Kirche. Denn Heinrich VIII. hatte genug von seiner Ehe mit Katharina von Aragon.

Heinrich VIII.
Heinrich VIII. (Maler: Hans Holbein der Jüngere / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Der Vorgänger von Papst Paul III. war Heinrich grundsätzlich noch durchaus zugewandt. Der Monarch war nämlich bis dato ein treuer Unterstützer päpstlicher Interessen.

Aber wohl bereits seit 1526 hatte der König ein Verhältnis mit Anne Boleyn. Aus dieser Verbindung war bereits eine Tochter hervorgegangen. Am 07. September 1533 wurde die spätere Königin Elisabeth I. von England geboren.

Gegen den expliziten Wunsch des damaligen Papstes ließ Heinrich die Ehe dann einfach vom Erzbischof von Canterbury Thomas Cranmer für ungültig erklären. Damit wollte er Anne Boleyn gefallen und seine Tochter Maria I. Tudor aus erster Ehe von der Thronfolge ausschließen.

Die eigenmächtige Scheidung war jedoch ein Akt der Häresie. Noch von Clemens VII. wurde am 23. Mai 1534 der Kirchenbann über Heinrich, Anne und den Erzbischof ausgesprochen. Damit brachen nun im Inselreich religiöse Konflikte auf.

Der machtbewusste König setzte daraufhin am 03. November 1534 gegen den nun amtierenden Papst Paul III. im englischen Parlament die Suprematsakte durch:

„Albeit the king’s majesty justly and rightfully is and ought to be the supreme head of the Church of England […].“

Die Bevölkerung und der Klerus mussten unter Eid seine religiöse Oberhoheit anerkennen. Aus der englischen Kirche wurde die anglikanische Kirche.

Papst der Gegenreformation

Im Jahr 1517 hatte Martin Luther seine 95 Thesen an das Tor einer Kirche in Wittenberg geschlagen. Dieses Ereignis wurde zum Symbol für die aufkommende Reformation in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts.

Seit dem Jahr 1529 entwickelte sich der Begriff vom „Protestantismus“. So bezeichneten sich christliche Glaubensströmungen, die den Anspruch auf Allmacht und die Dekadenz der römischen Kirche ablehnten.

Papst Paul III. erkannte wegen gescheiterter Verhandlungen und vielleicht auch wegen der Abspaltung der englischen Kirche den tatsächlichen Handlungsbedarf. Als gewiefter Politiker richtete er deshalb eine Kommission zur Reform der Kirche ein.

Das Gremium wurde mit einflussreichen Männern besetzt. Der Runde gehörten gleich zwei spätere römische Päpste an:

  • Marcello Cervini (= Marcellus II. vom 09. April 1555 bis 01. Mai 1555)
  • Gian Pietro Carafa (= Paul IV. vom 23. Mai 1555 bis 18. August 1559)

Die Kommission bereitete das „Konzil von Trient“ vor. Dort tagten in drei Perioden zwischen den Jahren 1545 bis 1563 zahlreiche Bischöfe, Kardinäle und Ordensgeneräle.

Tatsächlich kam es in Reaktion auf den Protestantismus zu einigen Beschlüssen. Die wichtigsten Entscheidungen waren:

  • Abschaffung des Ablasshandels
  • Verbot der Ämterhäufung für Bischöfe
  • Einrichtung von Priesterseminaren
  • Formpflicht für Eheschließungen

Kongregation für die Glaubenslehre

Am 21. Juli 1542 veröffentlichte Papst Paul III. den Erlass Licet ab Initio. Dabei handelte es sich um das Gründungsdokument für die Kongregation für die Glaubenslehre.

Inquisition Scheiterhaufen
Zeitgenössische Darstellung der Hinrichtung von Protestanten am 21. Mai 1559 (Zeichner: Jan Luykens / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Das ist eine kirchliche Behörde, die abweichende Glaubenssätze bekämpft. Bei dieser Initiative stand Papst Paul III. keinesfalls alleine.

Vielmehr entsprach er damit den Wünschen großer Teile der römischen Kurie. Eine treibende Kraft war Gian Pietro Carafa, der später als Paul IV. selbst Papst wurde.

Papst Paul III. setzte eine Komission von sechs Kardinälen ein, die als Generalinquisitoren oder auch als Großinquisitoren bezeichnet wurden. Ihre Aufgabe war die Reorganisation der bestehenden Inquisition wie auch eine vehemente Bekämpfung insbesondere des Protestantismus:

  1. Gian Pietro Carafa
  2. Juan Álvarez y Alva de Toledo
  3. Pietro Paolo Parisio
  4. Bartolomeo Guidiccioni
  5. Dionisio Neagrus Laurerio
  6. Tommaso Badia

Diese sechs Kardinäle erhielten Sonderrechte und konnten auch weitere Inquisitoren ernennen. Außerdem erstellten sie den Index Librorum Prohibitorum, eine Liste verbotener Schriften.

Darüber hinaus etablierte die von Papst Paul III. eingerichtete Kongregation für die Glaubenslehre eine Eskalationsspirale für angebliche oder tatsächliche Verstöße gegen die Interessen der römischen Kirche.

Am Ende drohte der gewaltsame Feuertod. Alleine von Gian Pietro Carafa wurden in Spanien mehrere hundert Juden in den Kerker geworfen. 25 Menschen ließ er brennen.

Damit erhielt die Verfolgung von Häretikern durch die römische Kirche dank Papst Paul III. eine breite institutionelle Basis. Diese geistige Tradition des Christentums reicht jedoch zurück bis in die Antike.