Vo Nguyen Giap

Vo Nguyen Giap – General der Guerillas

Võ Nguyên Giáp war führender Stratege der nord-vietnamesischen Guerillas. In seiner Rolle als General schlug Giap sowohl Japaner, wie auch Franzosen und U.S.-Amerikaner.

Karte der Tet-Offensive von General Giap
Tet-Offensive von General Giap und den Viet Cong (©OpenStreetMap-Mitwirkende – OdbL)

Giap wurde am 25. August 1911 in Quảng Bình geboren und gehörte zu den erfolgreichsten, aber auch blutigsten Generälen der Geschichte. Im Jahr 1968 schrieb General Giap das Buch: Volkskrieg, Volksarmee und wird deshalb auch zu den großen östlichen Kriegstheoretikern gezählt wie Sunzi und Mao Zedong.

Bereits 1954 beendete Vo Nguyen Giap zunächst die knapp 100-jährige französische Kolonialherrschaft in Indochina. In der entscheidenden Schlacht von Dien Bien Phu gelang es ihm mit einer Bauernarmee, eine vermeintlich uneinnehmbare Festung zu besiegen.

Wenige Jahre später kämpfte Vo Nguyen Giap im Vietnamkrieg gegen die USA und das Militär Süd-Vietnams (ARVN). Das Ziel war eine kommunistische Befreiung des Südens und die nationale Wiedervereinigung des geteilten Landes.

Giap war schließlich auch der militärische Stratege hinter der Tet-Offensive im Jahr 1968. Persönlich soll er jedoch ein interner Gegner dieses verlustreichen Angriffs gewesen sein.

Die Tet-Offensive scheiterte aber mit großer Symbolkraft. Verheerende Bilder wie von der Exekution eines Viet Cong-Offiziers förderten die Anti-Kriegsbewegung in den USA. Die Bomben der Supermacht konnte weder im Dschungelkrieg noch an der Heimatfront einen Sieg für die Hardliner erzielen.

General Giap fügte so den Vereinigten Staaten ihre ersten großen militärischen Niederlagen zu. Nach den langen Kriegen war ihm noch ein langes Leben beschieden. Er starb am 4. Oktober 2013 im Alter von 102 Jahren in Hanoi. Sein Tod fand internationale Beachtung.

Entstehung der nord-vietnamesischen Guerilla

Kampf gegen Japan im 2. Weltkrieg

Vo Nguyen Giap schloss sich bereits als junger Mann den Aufständischen im Norden von Vietnam beziehungsweise dem damaligen Indochina an.

Dort gehörte er zu den Schlüsselfiguren, die mit Hilfe des amerikanischen OSS den Widerstand gegen die japanische und vichy-französische Besatzung organisierten.

Gründung der Viet Minh

Idealisierte Darstellung von Ho Chi Minh, im Volksmund auch Onkel Ho genannt.
Ho Chi Minh (pixabay)

Die kommunistische Bewegung wurde zu diesem Zeitpunkt von Hồ Chí Minh geführt. Giap gehörte dann zu dem Führungszirkel, der die Việt Minh„Der Liga für die Unabhängigkeit Vietnams“ gründete.

Als General Giap befehligte der militärische Denker die damals etwa 5.000 bis 7.000 bewaffneten Kämpfer der Bewegung. Ihr Ziel war die Befreiung Vietnams von der Fremdherrschaft.

Nach der Kapitulation Japans im 2. Weltkrieg erklärten die Viet Minh dann die Unabhängigkeit Vietnams von Frankreich. Die vom Weltkrieg geschwächte Kolonialmacht erkannte diese Erklärung zunächst an. Die nord-vietnamesischen Kommunisten sahen aufgrund der Arbeit des OSS sowie gemeinsamer politischer Ideale auch die USA zu diesem Zeitpunkt als natürliche Verbündete.

Erneutes Erstarken der Franzosen

Aber die französische Fremdenlegion erhielt in den Monaten nach der deutschen Kapitulation im 2. Weltkrieg einen starken Zulauf an erfahrenen Veteranen. Darunter befanden sich auch sehr viele ehemalige Soldaten der Wehrmacht und der Waffen-SS, die im Deutschland der unmittelbaren Nachkriegszeit keine Verwendung für sich fanden.

Außerdem hatte die Fremdenlegion in den Kriegsgefangenenlagern auch Büros zur Rekrutierung eingerichtet. Dieser Einsatz zahlte sich aus. Punktuell liefen ganze Einheiten zur Legion über und wurden dann auch umgehend nach Indochina an die neue Front geschickt.

Noch im Herbst 1945 war die Kolonialmacht für den nächsten Krieg bereit. Nach einem Streit um die Zollhoheit griff Frankreich die drittgrößte Stadt Vietnams an.

Dabei gab es 6.000 Tote. Der Indochina-Krieg brach aus und sollte bis 1954 toben.

General Giap – der Stratege des Volkskrieges

Vo Nguyen Giap und die Schlacht von Dien Bien Phu

Karte von der Schlacht von Dien Bien Phu mit Vo Nguyen Giap im Indochinakrieg
Vo Nguyen Giap kam 1954 im Indochinakrieg von Norden aus durch den Dschungel nach Dien Bien Phu (©OpenStreetMap-Mitwirkende – ODbL)

Điện Biên Phủ ist eine Stadt im Norden des damaligen Indochina und im Nord-Westen des heutigen Vietnam. Die Stadt befindet sich in einem 20 km langen und 6 km breiten, herzförmigen Tal.

Die Lage des Tals war im Indochina-Krieg strategisch sehr bedeutsam, weil die nord-vietnamesischen Guerillas über diese Achse auch in das westlich gelegene und ebenfalls von Frankreich besetzte Laos einsickerten.

Die französische Generalität wollte diese Bewegungen der Viet Minh unterbinden. Es wurden deshalb eine Reihe von Befestigungen im Nord-Westen von Vietnam errichtet. Die Festung von Dien Bien Phu sollte in diesem Vorhaben als zentrale Anlage und als Drehscheibe für Einsätze dienen.

Anfang November 1953 sprangen zwei Fallschirmjäger-Bataillone als Voraus-Kommando über dem Tal ab. Sie begannen, erste Stellungen zu errichten. Es gab kaum Widerstand und nach nur 48 Stunden waren bereits 4.000 Franzosen und 240 Tonnen Material gelandet.

Ende November 1953 konnte die Logistik bereits über Transportflugzeuge abgewickelt werden. Über den Landweg war die Festung jedoch nach wie vor fast nicht zu erreichen. Dies sollte sich noch als fatal erweisen.

Die Lage von Dien Bien Phu hielt man für sehr vorteilhaft. Das Tal war von steilen, dicht bewaldeten Berghängen umschlossen. Die Franzosen sahen es als unmöglich an, dass man feindliche Artillerie gegen die Festung in Stellung bringen könnte.

Außerdem hatten sie als Besatzer natürlich die Lufthoheit über die Region. Ergänzend stellte man Eliteeinheiten der Fremdenlegion zur Verteidigung der Festung von Dien Bien Phu ab. Darüber hinaus hielt man die örtlichen Mohn-Bauern für loyal, da die französische Armee deren Ernten aufkaufte.

Anfang des Jahres 1954 wurde Dien Bien Phu weiter ausgebaut. Es wurden vorgelagerte Stellungen errichtet. Die Festung sollte schließlich auch als Stützpunkt für die Luftwaffe dienen. Damit ergab sich für Vo Nguyen Giap jedoch die Chance, den verhassten Besatzern eine beschämende Niederlage beizufügen.

Die kommunistischen Viet Minh wurden nämlich von der angrenzenden Volkrepublik China militärisch unterstützt. Noch dazu hatten Zwischenhändler die lokalen Bauern betrogen. Sie waren den Franzosen keinesfalls zugeneigt, sondern stellten wichtige Verbündete der Guerillas dar.

Eine besondere Rolle spielten jedoch auch die vielen Deserteure der Fremdenlegion. Diese liefen häufig zunächst aus persönlichen Gründen zum Viet Minh über. Sie brachten dann aber nicht nur ihre militärischen Fähigkeiten, sondern vor allem auch ihr Wissen ein. Dies galt beispielsweise für die Entwicklung von Waffenfabriken im Dschungel. General Giap hatte während des Indochina-Krieges deshalb auch deutsche Offiziere als Berater in seinem unmittelbaren Umfeld.

Doch solche Veteranen führten auch selbst Einheiten ins Gefecht wie beispielsweise Willy Deckers, Chef der Kompanie Anh Manh. Er nutzte dann auch seine Kenntnisse als Überläufer. In feindlichen Uniformen drang er mit seiner Kompanie in einen Stützpunkt der Fremdenlegion ein.

Volksarmee gegen Fremdenlegion

Es gelang Vo Nguyen Giap bis zum Jahr 1954 seine Volksarmee massiv auszubauen. Mit diesen Kräften suchte er nicht nur einen militärischen Sieg, sondern auch einen propagandistischen Triumph über Frankreich:

  • 125.000 reguläre Soldaten
  • 75.000 regionale Kräfte
  • 200.000 Milizionäre

Die Festung von Dien Bien Phu war zwar von Fremdenlegionären besetzt und verfügte über umfassende Verteidigungsstellungen. Aber die Franzosen planten keine Entscheidungsschlacht in diesem Tal. Sie wollten den Standort nur als Operationsbasis nutzen. Man wollte die Nachschubwege der Viet Minh stören.

Vo Nguyen Giap hatte jedoch ganz andere Vorstellungen und er schaffte es, seine Absichten zu verschleiern. Der General entsandte seine Streitkraft zunächst in Form von zwei Armeen. In einer geheimen Operation sickerten Anfang Januar 1954 fünf leichte Divisionen der Viet Minh in den Westen Nordvietnams ein. Die zweite Armee bestand aus 20.000 Bauern.

Diese Volksarmee aus Bauern organisierte – nachts – die Logistik. Dschungelpfade wurden angelegt. Geschütze zerlegten die Viet Minh in Einzelteile und schleppten sie über eine Distanz von 400 km bis nach Dien Bien Phu. Weiteres Material zur Versorgung wurde auf dem Rücken getragen oder mit Fahrrädern transportiert. Die Aufklärung der französischen Armee bekam nichts mit.

Es gelang den Truppen von Vo Nguyen Giap, unerkannt die Berge rund um die Festung von Dien Bien Phu zu besetzen und die Artillerie-Geschütze wieder zu montieren. General Giap hatte ursprünglich den Angriff auf die Festung für Ende Januar angesetzt. Aber kurzfristig entschied er, seine ca. 150 Geschütze in Höhlen und Schützengraben aufzustellen, damit seine Artillerie gut vor französischen Luftangriffen geschützt war.

Gegen Sturmangriffe durch französische Legionäre aus dem Tal hingegen setzte Giap unter anderen auf einen besonderen Trick. Die Viet Minh versteckten Benzinfässer auf den Hügeln, die bei Bodenangriffen gezündet werden konnten. Nach der Erzählung eines Fremdenlegionärs ergoß sich nach der Zündung eine abwärts strömende „Lava-Welle“ und das Tal füllte sich mit dem stechenden Geruch von verbranntem Menschenfleisch.

Belagerung der Festung

Die Franzosen hatten nach und nach die Anzeichen für eine Konzentration von feindlichen Kräften dann doch wahrgenommen. Kurzfristig traf noch Verstärkung in der Festung von Dien Bien Phu ein. Frankreich hatte schließlich etwa 16.000 Fremdenlegionäre vor Ort. Man dachte, die Festung sei sehr gut gesichert.

Doch am 13. März 1954 schloss Vo Nguyen Giap die Falle. Er riegelte am späten Nachmittag die Festung der französischen Fremdenlegionäre ab und liess die versteckte Artillerie das Feuer eröffnen. Seine Kanoniere hatten noch letztes Licht, um ihre Ziele anvisieren zu können. Die Franzosen hatte nach ihrer Reaktionszeit jedoch keine Chance mehr, die feindlichen Stellungen zu identifizieren.

In diesem Moment kollabierte auf einen Schlag auch die hochmütige militärische Strategie der Franzosen. Da sie nun belagert wurden, könnten sie erst recht nicht mehr die Nachschubwege der Guerillas stören. Sie hatten sich in eine Sackgasse manövriert.

General Giap hingegen konnte den Auftakt der Schlacht um Dien Bien Phu planmäßig gestalten. In den ersten 12 Stunden der Belagerung verschoss die nord-vietnamesische Artillerie mehr als 9.000 Granaten. Es folgte ein Sturmangriff der Infanterie. Die erste Bastion der Festung fiel bereits nach wenigen Stunden.

  • Am ersten Morgen nach dem Beginn der Schlacht um Dien Bien Phu sprangen weitere französische Fallschirmjäger über dem Tal ab und verstärkten die Besatzung.
  • Am späten Nachmittag begann die Artillerie von Vo Nguyen Giap wieder dasselbe Spiel wie am Vortag.
  • Gegenangriffe der Fremdenlegionäre am dritten Tag der Schlacht konnten von den Viet Minh abgewiesen werden.
  • Giap versuchte, die Festung im Sturmangriff zu nehmen. Aber dies scheiterte. Dafür hatte er 2.000 Tote und 7.000 Verletzte zu beklagen.

Die Fremdenlegionäre hatten sich zunächst behauptet. Dafür stellte sich General Giap auf eine Belagerung der Festung von Dien Bien Phu ein. Dann zog er die Schlinge langsam enger.

Die selbstmörderischen Sturmangriffe wurden eingestellt. Dafür legten die Viet Minh Schützengraben an. So näherten sie sich den feindlichen Stellungen dann Meter für Meter.

Die nord-vietnamesische Artillerie hielt den Beschuss aufrecht und konnte nicht durch französische Luftangriffe zerstört werden. Außerdem sprang noch ein weiteres Bataillon Fallschirmjäger über dem Tal ab, um die angeschlagenen Fremdenlegionäre während der Belagerung zu unterstützen.

Insgesamt kamen während der Belagerung 4.300 Fallschirmjäger als Verstärkung zur Festung von Dien Bien Phu. Dennoch wurde die Versorgung über den Luftweg immer schwieriger. Nach und nach fielen die vorgelagerten Stellungen der Franzosen.

Am 07. Mai 1954 startete Vo Nguyen Giap den letzten Angriff auf die Festung. Um 17 Uhr endete die Schlacht um Dien Bien Phu.

Am nächsten Tag bat Frankreich bei einer internationalen Friedenskonferenz in Genf um einen Waffenstillstand. Anschließend zogen sie komplett aus Indochina ab.

Teilung Vietnams und Entstehung des Viet Cong

Vo Nguyen Giap ging zwar erfolgreich aus der Schlacht von Dien Bien Phu hervor und Ho Chi Minh konnte mit einer starken Position in der dann folgenden Indochina-Konferenz auftreten.

Aber es kam trotzdem noch im Jahr 1954 zur Teilung von Vietnam entlang des 17. Breitengrades. Der Norden von Vietnam wurde kommunistisch und der Süden wurde kapitalistisch. Dazwischen wurde eine kleine de-militarisierte Zone (DMZ) angelegt. Der Samen für den Vietnamkrieg war gesät.

Die USA unterstützten dann den autokratischen Präsident Diem in Süd-Vietnam. Die Amerikaner gingen jedoch auch selbst auf Konfrontationskurs mit dem Norden. Anfang August 1964 kreuzten zwei Schiffe der U.S. Navy im Golf von Tonkin vor der Küste Nord-Vietnams. Von dort kam die Meldung, sie seien am 02. und am 04. August 1964 von Schnellbooten angegriffen worden.

Der amerikanische Präsident nutzte diesen – fingierten – Tonkin-Zwischenfall. Schon am folgenden Tag kam es zum ersten großen Bombardement des Vietnamkrieges. Die amerikanische Bevölkerung ließ sich überzeugen und befürwortete zunächst einen scheinbar gerechten Krieg gegen die kommunistische Bedrohung aus Nordvietnam.

In Südvietnam entstand der Viet Cong –  „Die Nationale Front für die Befreiung Südvietnams“ – als bewaffnete Guerilla, die von General Giap und den Viet Minh aus dem Norden im Vietnamkrieg unterstützt wurden.

General Giap und die Tet-Offensive

Karte der Tet-Offensive von General Giap
Tet-Offensive von General Giap und den Viet Cong (©OpenStreetMap-Mitwirkende – OdbL)

Nach langen Jahren eines eskalierenden Vietnam-Krieges glaubte die politische Führung und insbesondere der Generalsekretär der Viet Minh, dass man mit einer breiten Offensive einen Aufstand der Bevölkerung in Süd-Vietnam entzünden könnte.

Als passende Gelegenheit wurde das Neujahrsfest Tết Nguyên Đán kurz Tet im Jahr 1968 gewählt. Abhängig vom chinesischen Mondkalendar findet es meist zwischen Ende Januar und Ende Februar statt. Die Amerikaner rechneten nicht mit nennenswerten Feindkontakten während Tet und es war sogar ein temporärer Waffenstillstand vereinbart worden.

Viele U.S.-Soldaten und süd-vietnamesische Militärs bekamen deshalb Urlaub. Vo Nguyen Giap und die Viet Cong planten jedoch eine ganz besondere Überraschung. General Giap sollte gerade zu diesem Zeitpunkt eine Großoffensive – die Tet-Offensive – starten.

So wie schon 1954 in der Schlacht von Dien Bien Phu sah General Vo Nguyen Giap wieder die Chance, einen symbolischen Erfolg mit besonders hoher politischer Strahlkraft zu erzielen. Persönlich war er aufgrund des hohen Material- und Personeneinsatzes jedoch gegen eine solch riskante Offensive. Die politische Führung erteilte ihm dennoch den Auftrag.

Ho Chi Minh Pfad – Straße 559

Zur Bewegung von Truppen und für deren Versorgung hatten die Guerillas ein verdecktes Straßennetz durch die Urwälder von Laos gebaut. Diese Routen wurden im Westen bekannt als der Ho Chi Minh Pfad. Intern wurde diese Trasse durch den Dschungel jedoch als Straße 559 bezeichnet.

Dieser Name bezog sich auf das verantwortliche Pionier-Korps 559. Die Einheit bestand zu mehr als der Hälfte aus Frauen, die nicht nur den versteckten Pfad geschlagen und befestigt hatten. Sie waren vor allem auch für die Instandhaltung zuständig.

Eine Besonderheit war, dass der Ho Chi Minh Pfad in einzelne Etappen mit je etwa 15 bis 20 Kilometer Länge unterteilt war. So konnten die Pioniere und auch die Fahrer ihre Abschnitte besonders gut kennen lernen. Dies ermöglichte den sicheren Transport von Menschen und Material auch bei Nacht unter minimaler Beleuchtung.

Die US-Armee startete zahlreiche Luft- und Boden-Offensiven gegen den Ho Chi Minh Pfad. Insgesamt wurden etwa 20.000 Fahrer, Pioniere und Soldaten mit einem besonders hohen Anteil an weiblichem Personal bei diesen Angriffen getötet. Für diese Gefallenen wurden 72 Friedhöfe entlang der Strecke anlegt.

Die nord-vietnamesischen Pioniere waren jedoch über den gesamten Verlauf des Vietnam-Krieges in der Lage, den Ho Chi Minh Pfad nach Beschädigungen zeitnah wieder in Stand zu setzen. General Giap stand so jederzeit eine intakte logistische Struktur für seine Angriffe zur Verfügung.

Vorbereitung der Groß-Offensive

Süd-Vietnam sollte auf breiter Front attackiert werden, um den Widerstandswillen der Guerillas zu demonstrieren. Die Truppen von General Giap durchquerten in einem geheimen Aufmarsch auch das unbeteiligte Laos und legten sich auf Lauer.

Dabei hatten sie von langer Hand versucht, die amerikanischen Truppen aus den großen Städten zu locken. Dafür waren monatelang nur Angriffe auf entfernte Außenposten gestartet worden. Aber nun war große Moment gekommen. Vo Nguyen Giap griff bei der Tet-Offensive mit 80.000 Mann an über 100 Punkten gleichzeitig an.

Darunter fanden sich auch die größten Städte des Landes. Sowohl das amerikanische wie auch das süd-vietnamesische Militär wurden damit auf dem falschen Fuß erwischt.

Vielerorts standen nur sehr wenige Truppen zur Verteidigung bereit. General Giap und die Viet Cong erzielten große Überraschungserfolge zum Auftakt der Tet-Offensive.

Angriff auf Radio-Sender und US-Botschaft

In Saigon besetzten Viet Cong den staatlichen Radiosender. Sie wollten eine revolutionäre Ansprache von Ho Chi Minh senden. Doch ein Techniker unterbrach die Rede und spielte stattdessen Wiener Walzer und Lieder von den Beatles. Dies wurde zum Soundtrack für die Häuserkämpfe in Saigon.

Ein 19-köpfiges Kommando des Viet Cong sprengte die Stahlbeton-Mauer der US-Botschaft. Das Objekt wurde von Militärpolizisten und einigen Marines geschützt. Diese mussten sich vor laufenden Kameras anwesender Journalisten in einem Feuergefecht verteidigen. Dabei wurden fünf US-Soldaten getötet.

Erst nach sechs Stunden konnte das Gelände durch Angehörige der 101. Luftlandedivision gesichert werden. Die Bilder von erschossenen Viet Cong auf dem Rasen der US-Botschaft gingen anschließend unzensiert um die Welt.

Einsatz von Todesschwadronen

Im Schatten der militärischen Tet-Offensive schwärmten auch Todesschwadronen der Viet Cong aus. Diese hatten Listen von Funktionären, Beamten, Geheimdienstlern und Offizieren des süd-vietnamesischen Regimes erstellt. Sie wurden als „Blutfeinde des Volkes“ deklariert, so dass die Attentate auch den Familien galten.

Besonders stachen die Anschläge des Kommado T4 hervor. Sie führten die Attentate auf einen führenden General, den Premier-Minister und seinen Stellvertreter aus. Den Todesschwadronen von General Giap fielen jedoch auch einfache Soldaten auf Heimaturlaub zum Opfer.

Später begannen die Viet Cong auch, ihre Gefangenen zu töten. Alleine in der Stadt Huế wurden etwa 2.800 Menschen hingerichtet.

Exekution von Nguyễn Văn Lém

Am zweiten Tag der Tet-Offensive entstanden weitere verheerende Bilder. Vor einer laufenden Kamera der NBC brachten Sicherheitskräfte den gefangenen Viet Cong-Hauptmann Nguyễn Văn Lém zu General Nguyễn Ngọc Loan. Dabei handelte es sich um den Polizeichef von Saigon.

Der Polizeichef forderte einen seiner Beamten auf, den Gefangenen zu erschießen. Nachdem der Beamte zögerte, griff der Polizeichef zu seinem 45er Colt und hat den Gefangenen dann persönlich hingerichtet. Der AP-Fotograf Eddie Adams machte dabei ein Foto, dass ihm den Pulitzer Preis einbringen sollte.

Das Bild der Exekution ging aber nicht nur um die Welt. Es wurde ein Symbol für die amerikanische Bewegung gegen den Krieg. Der politische Druck auf das Weiße Haus stieg immer weiter.

Kommunikative Ebene des Guerillakrieges

General Vo Nguyen Giap und die Viet Cong hatten aber natürlich keine Chance, im Handstreich ganz Südvietnam einzunehmen. Die Hoffnung, dass sich die örtliche Bevölkerung in einem Aufstand erheben würde, erfüllte sich nicht. Es kam auch nicht zu dem angestrebten Zusammenbruch der süd-vietnamesischen Armee.

Die USA konnten den militärischen Angriff bald zurückdrängen. Nur in der alten Kaiserstadt Huế dauerten die Kämpfe vier Wochen lang. Aber in der folgenden Zeit änderte sich die Berichterstattung. Die Amerikaner konnte nun vom Sofa aus das Leid in Vietnam sehen.

Bilder wie von der Exekution durch den Polizeichef von Saigon trugen wesentlich dazu bei, die breite Stimmung in Amerika gegen den Krieg zu wenden. Der Rückzug der Vereinigten Staaten begann sich am Horizont abzuzeichnen.

Tauben und Falken im Pentagon

Die Tet-Offensive war zwar ein militärischer Fehlschlag. Aber der Angriff war ein kommunikativer Triumph und bewirkte über diesen indirekten Ansatz schließlich doch einen für General Giap wünschenswerten Effekt.

Besonders verheerend war, dass die Regierung von Präsident Lyndon B. Johnson noch Ende 1967 versprochen hatte, dass der Vietnamkrieg bald zu Ende sei. Politiker und Militärs gerieten angesichts der drängenden Fragen von Journalisten nun schnell in die rhetorische Defensive.

Vo Nguyen Giap bewertete die Tet-Offensive dennoch sehr kritisch. Es sei eine teure Lektion gewesen, die mit Blut und Knochen bezahlt wurde. Von seinen etwa 84.000 Soldaten wurden weit mehr als die Hälfte gefangen, verwundet oder getötet.

Angesichts dieser Zahlen sahen sich jedoch auch die Falken im Pentagon animiert. Kriegsbefürworter argumentierten nun, dass die Tet-Offensive der letzte Atemzug des Viet Cong gewesen sei. Der amerikanische Oberbefehlshaber Westmoreland forderte deshalb weitere 206.000 GIs für den Einsatz in Vietnam.

Es wurden zwar nur weitere 13.500 Soldaten von Johnson entsendet und General Westmoreland wurde abberufen. Wie sich zeigen sollte, hatten weder General Giap noch die Guerillas ihren letzten Atemzug getan. Der Vietnam-Krieg endete erst am 30. April 1975 mit dem endgültigen Fall von Saigon.