Erzengel Raphael

Erzengel Raphael – „Gott hat geheilt“

Raphael ist einer der Erzengel aus dem Alten Testament. Ihm wird eine besondere Rolle als Heiler und Schutzengel zugeschrieben, weshalb er in esoterischen Kreisen sehr verehrt wird.

Erzengel Raphael mit Tobias
Die drei Erzengel: Michael (links) und Gabriel (rechts) flankieren Raphael und Tobias (Maler: Francesco Botticini / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Neben Erzengel Michael und Erzengel Gabriel ist Raphael im Christentum auch von der kanonischen Lehre anerkannt. Im Alten Testament ist er vor allem durch sein Erscheinen im Buch Tobit bekannt.

Dort tritt er zunächst in der Gestalt des Israeliten „Asarja“ auf. Er wird zum Begleiter des jungen Tobias und hilft diesem bei der Vertreibung eines Dämons und später bei der Heilung seines Vaters.

Schließlich offenbart Raphael dem Jungen sein Wesen und steigt anschließend zum Himmel auf.

Der Erzengel Raphael ist der Schutzpatron der Apotheker und Ärzte. Er wird besonders bei Augenleiden und Seuchen angerufen.

Raphael als Begleiter von Tobias im Buch Tobit

Entstehung und Einordnung des Buches

Das Buch Tobit (Tob) ist wohl um 200 v. Christus auf aramäisch und wahrscheinlich in Palästina oder der Diaspora in Ägypten geschrieben worden. Fragmente des Buches Tobit wurden auch bei dem spektakulären Fund von Schriften in den Qumran-Höhlen gefunden.

Es ist jedoch nur eine griechische Übersetzung des Buches Tobit vollständig erhalten, die allerdings nicht in den jüdischen Kanon aufgenommen wurde. Die römisch-katholische und die orthodoxen Kirchen zählen das deuterokanonische Buch Tobit jedoch zum Alten Testament.

Der Erzählstil des Buches Tobit entspricht einem antiken Roman mit lehrreichen Inhalten. Die Einleitung verschafft zunächst einen kurzen Überblick über das wechselhafte Leben der Hauptfigur.

Einleitung und Geburt von Tobias

Der Erzähler Tobit berichtet zu Beginn des Buches wie sich sein Clan vom Stamm Israel und Jerusalem und dem rechten Glauben lossagt. Während seine Familie einen Götzen anbetet, folgte er den wahren Geboten und entrichtet den Zehnt.

„Als ich das Mannesalter erreicht hatte, nahm ich eine Frau aus dem Geschlecht unserer Familie und zeugte mit ihr einen Sohn und gab ihm den Namen Tobias.“ (Tob 1,10)

Flucht vor Heiden und Verspottung der Sara

Schließlich geriet Tobit mit seiner Familie in Verbannung und war mit gottlosen Heiden konfrontiert. Aufgrund seiner ablehnenden Haltung musste er schließlich erneut die Flucht vor dem Machthaber des mesopotamischen Ninive ergreifen:

„Alles, was ich besaß, wurde weggenommen. Nichts wurde mir gelassen, was nicht für den königlichen Schatz beschlagnahmt wurde, außer Hanna, meiner Frau, und Tobias, meinem Sohn.“ (Tob 1,20)

Nach diesem schon sehr schlechten Start wird die persönliche Lage von Tobit mit jedem Abschnitt immer unangenehmer:

„Ich wusste aber nicht, dass Spatzen über mir in der Mauer waren. Ihr warmer Kot fiel mir in die Augen und führte zu weißen Flecken. Ich ging zu den Ärzten, um mich behandeln zu lassen, aber je mehr Arzneien sie mir daraufstrichen, desto mehr erblindeten meine Augen an den weißen Flecken, bis sie ganz blind waren.“ (Tob 2,10)

In seinem tiefen Fall betete Tobit zu Gott. In der Geschichte wird dann ein weiterer Erzählstrang um eine Frau namens Sara eröffnet. Sie hatte bereits sieben Männer verloren und wurde von Mägden ihres Vaters Raguël verspottet.

Entsendung von Raphael durch Gott

Sara war von dem männer-mordenden Dämon Aschmedai besessen. Deshalb haderte sie im Gebet mit ihrer Existenz und stand kurz vor dem Selbstmord durch Erhängen:

„Zu diesem Zeitpunkt wurde beider Gebet vor Gottes Herrlichkeit erhört. Rafaël wurde gesandt, beide zu heilen: die weißen Flecken von Tobits Augen abzulösen und Sara, die Tochter Raguëls, Tobias, dem Sohn Tobits, zur Frau zu geben und den bösen Dämon Aschmodai von ihr zu lösen. […]“ (Tob 3,16-17)

In dem anderen Erzählstrang erinnerte sich Tobit zu Beginn des vierten Abschnitts an das „Vermächtnis für seinen Sohn“. Es handelt sich dabei um Geld, dass der Vater vor langer Zeit bei einem Gabaël in Rages hinterlegt hatte. Der Ort liegt im heutigen Iran südlich von Teheran:

„Nun also, Kind, lass mich dir mitteilen: Ich habe zehn Talente Silbergeld bei Gabaël, dem Sohn des Gabrija, in Rages in Medien hinterlegt.“ (Tob 4,20)

Der Vater gab Tobias neben dem Schuldschein des Gabaël auch zahlreiche Weisheiten mit wie beispielsweise seine langen Ausführungen zum Thema Almosen. Hier nur ein Auszug:

„Wie es dir möglich ist: Aus dem Vollen schöpfend – gib davon Almosen! Wenn dir wenig möglich ist, fürchte dich nicht, aus dem Wenigen Almosen zu geben! So sammelst du dir einen guten Schatz für den Tag der Not. Denn Almosen retten aus dem Tod und lassen nicht in die Finsternis geraten.“ (Tob 4,8-10)

Erzengel Raphael als Reisegefährte

Tobit wies zuletzt seinen Sohn Tobias an, sich einen zuverlässigen Begleiter für die Reise nach Rages zu suchen. Er würde dafür auch einen Lohn zahlen.

Der junge Tobias traf daraufhin auf den Erzengel Raphael. Er wusste zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht um dessen Wesen.

„Tobias ging hinaus, um jemanden zu suchen, der mit ihm nach Medien reisen könnte und dem der Weg vertraut war. Er ging also hinaus und fand Rafaël, den Engel, vor sich stehen. Er wusste aber nicht, dass es ein Engel Gottes ist.“ (Tob 5,4)

Erzengel Raphael und Tobias
Erzengel Raphael und Tobias auf ihrer Reise (Maler: Filippino Lippi / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Raphael gab sich als junger Israelit aus und kannte nicht nur den Weg nach Rages. Er gab auch an, bereits mit Gabaël bekannt zu sein.

„Er sagte zu ihm: Gewiss! Ich bin vielmals dort gewesen und ich bin erfahren und weiß alle Wege. Ich bin mehrmals nach Medien gegangen und habe bei Gabaël, unserem Bruder, der in Rages in Medien wohnt, übernachtet. Zwei volle Tagesreisen ist Ekbatana von Rages entfernt; denn es liegt im Bergland, Ekbatana hingegen in der Ebene.“ (Tob 5,6)

Der Vater nutzte jedoch seine Gelegenheit, um den Erzengel Raphael genauer auszufragen. Dieser gab sich als „Asarja, der Sohn des großen Hananja“ aus.

Tobit freute sich angesichts dieses Namens, denn er erinnerte sich an zwei alte Freunde aus diesem „edlen Geschlecht“. Daraufhin bot er dem Erzengel Raphael eine Drachme pro Tag sowie Verpflegung als Entlohnung für seine Dienste als Begleiter von Tobias an.

Nach dem Versprechen eines zusätzlichen Bonus, versprach der Erzengel Raphael die wohlbehaltene Wiederkehr von Tobias.

Tobias und der Fisch im Tigris

Als Tobias und der Erzengel Raphael aufbrachen, begleitete sie auch der Hund. In der ersten Nacht schlugen sie ein Lager am Fluss Tigris auf.

Tobias wollte sich im Wasser die Beine kühlen, da sprang ein großer Fisch aus dem Wasser und wollte sein Fuß abbeißen.

Erzengel Raphael mit Tobias und dem Fisch
Erzengel Raphael mit Tobias und dem Fisch (Maler: Giovanni Girolamo Savoldo / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Erzengel Raphael rief dem erschrockenen Jungen jedoch zu, dass er den Fisch in seine Gewalt bringen und aufschneiden soll. Dann kommt eine entscheidende Textstelle:

„Der Engel sagte ihm: Schneide den Fisch auf, nimm Galle, Herz und Leber heraus und leg sie für dich zur Seite. Die Innereien aber wirf weg! Denn seine Galle, sein Herz und seine Leber sind ein wirksames Heilmittel.“ (Tob 6,4)

Die Szene endet mit Lagerfeuer-Romantik. Tobias hat den Fisch gebraten, sie haben gegessen und anschließend die Überreste für ihre Weiterreise konserviert. Auf dem Marsch entwickelte sich ein weiteres Gespräch über die heilende Wirkung:

„Da fragte der Knabe den Engel: Asarja, mein Bruder, was für ein Heilmittel ist im Herzen und in der Leber des Fisches und in der Galle? Er antwortete ihm: Lass das Herz und die Leber des Fisches vor einem Mann oder einer Frau, die von einem Dämon oder einem bösen Geist angefallen werden, in Rauch aufgehen und jeder Anfall wird vertrieben werden. Die Dämonen werden in Ewigkeit nicht mehr bei ihm bleiben. Mit der Galle hingegen salbe die Augen eines Menschen, in denen weiße Flecken aufgetaucht sind. Danach hauche auf die weißen Flecken auf den Augen und sie werden heilen.“ (Tob 6,7-9)

Vertreibung des Dämons durch Tobias

In Ektabana angekommen, lotste Erzengel Raphael seinen Schützling zu Raguël, dem Vater von Sara. Der Engel berichtete Tobias von deren Verwandtschaft und dass er der Erbe von Raguël sei und Sara heiraten könne.

In einer langer Rede versucht Erzengel Raphael dann Tobias von der Brautwerbung zu überzeugen. Der Junge hatte jedoch bereits von Sara gehört:

„Tobias antwortete und sagte zu Rafaël: Asarja, mein Bruder, ich habe gehört, dass sie schon sieben Männern zur Frau gegeben wurde und dass sie in ihrem Brautbett in der Nacht starben. Wenn sie zu ihr hineinkamen, starben sie. Und ich hörte sagen, dass ein Dämon sie tötet.“ (Tob 6,14)

Dämon Aschmedai
Erzengel Raphael half den Dämon Aschmedai zu vertreiben. (Zeichner: Louis Le Breton / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Der Erzengel Raphael verwies jedoch auf sein Heilmittel gegen Dämonen. Er solle etwas vom Herz und von der Leber des Fisches aus dem Tigris ins Feuer werfen, wenn er das Brautgemach betritt.

Die Heirat von Tobias und Sara wurde nach einem Gespräch mit dem Vater in einer pragmatische Gesten beschlossen:

„[…] Sie sei dir nach dem Recht des Buches Mose zur Frau gegeben. Vom Himmel ist entschieden, dass sie dir gehört! Empfange deine Schwester! Von jetzt an sei du ihr Bruder und sie sei deine Schwester! […]“ (Tob 7,11)

Nachdem die Heiratsurkunde und das Brautgemach gerichtet war, legte Tobias das Herz und die Leber des Fisches auf die glühenden Kohlen in dem Raum. Der Geruch hielt den Dämon nicht nur fern, sondern vertrieb ihn bis nach Ägypten.

Tobias und Sara bedankten sich bei Gott mit einem Gebet für die Vertreibung des Dämons. Da er die Hochzeitsnacht überlebt hatte, wurde eine große Feier vorbereitet.

Erzengel Raphael übernahm dabei einen wichtigen Botendienst. Er legte die restliche Strecke zu Gabaël zurück, um das Geld zu holen:

„Da rief Tobias Rafaël und bat ihn: Bruder Asarja, nimm mit dir vier Knechte und zwei Kamele und brich nach Rages auf, geh zu Gabaël und gib ihm den Schuldschein, besorge das Geld und bring ihn mit dir zur Hochzeitsfeier!“ (Tob 9,1-2)

Heilung von Tobits Augen mit Galle

Nach der Rückkehr von Tobias und dem Erzengel Raphael bewährte der Fisch erneut als Lieferant für ein Heilmittel. Tobias konnte nun die Erblindung seins Vaters Tobit heilen:

Heilung von Tobit
Heilung von Tobit mit der Hilfe von Erzengel Raphael (Maler: August Malmström / Lizenz: gemeinfreies Bild)

„Rafaël aber sagte zu Tobias, bevor er zu seinem Vater kam: Ich weiß, dass seine Augen wieder geöffnet werden. Träufle die Galle vom Fisch in seine Augen, dass das Heilmittel einzieht und es die weißen Flecken von den Augen löst! Dann wird dein Vater die Augen aufschlagen und das Licht sehen. […] Die Fischgalle in seiner Hand, blies er in Tobits Augen, hielt ihn fest und sagte: Mut, Vater! Er legte das Heilmittel auf und gab es darauf.“ (Tob 11,7-11)

Selbstoffenbarung des Erzengels

Weil sich die Dinge so positiv entwickelt hatten, sollte der treue Gefährte „Asarja“ noch den versprochenen Bonus erhalten. Tobit und Tobias besprachen, dass die Hälfte dessen, was der Erzengel gebracht hatte, ein gerechter Lohn sei.

Daraufhin beginnt Raphael sein Wesen mit einer erneuten Ausführungen über Almosen zu offenbaren, denn sie retten aus dem Tod und reinigen von der Sünde:

„Nun also: Als ihr gebetet habt, du und Sara, war ich es, der euer Gebet vor die Herrlichkeit des Herrn getragen hat und es dort in Erinnerung rief […] ich damals zu dir gesandt worden, um dich zu erproben. Zugleich hat Gott mich gesandt, dich zu heilen und Sara, deine Schwiegertochter. Ich bin Rafaël, einer von den sieben Engeln, die bereitstehen und hineingehen vor die Herrlichkeit des Herrn.“ (Tob 12,12-15)

Anschließend trug der Erzengel Raphael den Beteiligten noch auf, die Ereignisse niederzuschreiben. Dann stieg er zum Himmel empor. Das Buch Tobit hat dann noch einige Abschnitte und endete mit dem Tod von Tobias im Alter von einhundertsiebzehn Jahren.

Isrāfīl – der islamische Erzengel Raphael

Im Islam gibt es mit Isrāfīl einen von insgesamt vier Erzengeln, der dem jüdisch-christlichen Erzengel Raphael zugeordnet wird. Der Name des muslimischen Engels bedeutet soviel wie „Der Brennende“.

Erzengel Isrāfīl
Isrāfīl gilt als islamische Entsprechung des jüdisch-christlichen Erzengels Raphael. (Maler: Zakariya al-Qazwini / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Isrāfīl wird im Koran nicht explizit genannt. Einer Legende nach soll er Mohammed jedoch drei Jahre lang vorbereitet haben, bevor diesem die Worte Gottes offenbart wurden.

Isrāfīl gilt aber auch als Verkünder des jüngsten Gerichts mit einem zweimaligen Hornstoss. Beim ersten Ton sterben alle Wesen und dann beim zweiten Mal sich zu erheben und vor Gott zu treten:

„Und es wird ins Horn geblasen, und da bricht zusammen, wie vom Donnerschlag getroffen, wer in den Himmeln und wer auf der Erde ist, außer wem Allah will. Hierauf wird ein weiteres Mal hineingeblasen, da stehen sie sogleich auf und schauen hin.“ (Sure 39:68)

Weitere Legenden besagen, dass Isrāfīl die Herrlichkeit Gottes mit tausenden Stimmen in unzähligen Sprachen besiegt. Darüber hinaus soll das islamische Gegenstück zum christlichen Erzengel Raphael vier Flügel haben.