Ludwig I. der Fromme

Ludwig I. der Fromme – König und Kaiser

Kaiser Ludwig I. der Fromme wurde im Sommer 778 in Chasseneuil bei Poitiers geboren. Er war ein Sohn und der Nachfolger von Karl dem Großen.

König Ludwig I. der Fromme
Kaiser Ludwig I. der Fromme in romantisierter Darstellung (Maler: unbekannt / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Als Kaiser des Frankenreiches stand Ludwig der Fromme zeitlebens im Schatten seines Vaters. Er führte dessen Reformpolitik zwar erfolgreich fort. Aber er wurde zwischenzeitlich sogar zweimal von den eigenen Söhnen abgesetzt.

In der heutigen Bewertung gilt die Regentschaft von Kaiser Ludwig I. dem Frommen jedoch eher als tragisch, denn als unfähig. Das Kernproblem waren die unvereinbaren Interessen der Adels-Cliquen seiner Zeit.

Während die „Reichseinheitspartei“ jegliche Spaltungen kategorisch ablehnte, konnten die Unterstützer seiner nachgeborenen Söhne durch Zugeständnisse ebenso wenig zufrieden gestellt werden. Letztlich scheiterte Kaiser Ludwig I. der Fromme dann an der Übergabe eines überlebensfähigen Staates an seine Nachkommen. Nur drei Jahre nach seinem Tod wurde das Reich am 10. August 843 im Vertrag von Verdun aufgeteilt:

  1. Lothar I. erhielt als zentraler Nachfolger die Kaiserwürde sowie das Mittelreich von der Nordsee bis nach Italien.
  2. Ludwig II. der Deutsche erhielt das Ostfränkische Reich aus dem das heutige Deutschland entstand.
  3. Karl der Kahle erhielt das Westfränkische Reich aus dem das heutige Frankreich hervorging.

Der Form halber sei aber erwähnt, dass das Reich unter Karl III. dem Dicken aufgrund von dynastischen Zufällen von 885 bis 887 noch einmal kurz unter der Herrschaft von nur einer Person stand. Karl war jedoch ein schwacher Kaiser, praktisch nicht regierungsfähig und wurde von seinem ostfränkischen Neffen Arnolf von Kärnten gestürzt.

Dritter Sohn von Karl dem Großen

Der spätere Kaiser Ludwig I. der Fromme kam im Sommer 778 auf die Welt, als sein Vater auf einem wenig erfolgreichen Feldzug in Spanien war. Er war ursprünglich ein Zwilling, der andere starb jedoch bereits im Kindesalter.

Der Name Ludwig hatte in der Familie damals schon einen historischen Beiklang. Man bezog sich damit auf den Merowinger Chlodwig I., der im Jahr 486 n. Christus das Reich gegründet hatte.

Unterkönig in Aquitanien (ab 781)

Am Ostersonntag des Jahres 781 wurden Ludwig I. zum Unterkönig von Aquitanien und sein älterer Bruder Pippin zum Unterkönig von Italien gesalbt. Die Zeremonie leitete Papst Hadrian I., der bereits seit 774 mit den Karolingern verbündet war.

Ludwig I. der Fromme wie auch Pippin wurden trotz des Kindesalters anschließend in ihre jeweiligen Herrschaftsgebiete entsandt. Die Erziehung übernahmen Hofmeister und Lehrer.

Irmingard von Hespengau
Ludwig der Fromme heiratete 784 seine erste Frau Irmingard. (Urheber: François-Séraphin Delpech / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Die Einrichtung eines Unterkönigtums in Aquitanien hatte jedoch auch strategische Zwecke. Von dort aus konnte beispielsweise in den Jahren 812/13 ein Aufstand von Basken niedergeschlagen werden.

Eine weitere zentrale Aufgabe war der Ausbau von kirchlichen Strukturen und die Kultivierung des Landes. Die Etablierung des Michaelstags zu Ehren des Erzengels Michael anstelle eines Feiertages für den heidnischen Gott Wotan ging beispielsweise ebenso von dort aus.

Über diese Achse wurde der Erzengel Michael später zum Patron des Heiligen Römischen Reiches und schließlich von Deutschland.

Im Jahr 794 wurde Ludwig der Fromme mit Irmingard von Hespengau verheiratet. Aus der Ehe gingen mehrere Söhne hervor, die noch viel Ärger machen würden. Sie verstarb 818.

Ernennung zum Mitkaiser (813)

Der Reichsteilungsplan (Divisio Regnorum) von Karl dem Großen von 806 sah für Ludwig den Frommen lediglich eine Erweiterung seines Unterkönigtums über Aquitanien vor. Er hätte noch auf Septimanien und die Provence an der französischen Mittelmeerküste sowie Burgund hoffen können.

Doch die beiden älteren Brüder Pippin und Karl der Jüngere verstarben überraschend in den Jahren 810 beziehungsweise 811. Damit verblieb Ludwig der Fromme als einziger legitimer Erbe des Frankenreiches.

Karte Frankenreich bis 814
Expansion des fränkischen Reiches von 486 bis zum Tod von Karl dem Großen im Jahr 814 (Urheber: Sémhur / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Es scheint allerdings Vorbehalte gegen seine Person gegeben zu haben. Für Italien wurde nämlich zunächst Bernhard, der Sohn von Pippin, zum Unterkönig bestellt.

Erst am 11. September 813 wurde Ludwig der Fromme von einer extra anberaumten Reichsversammlung zum Mitkaiser seines Vaters erhoben. Das Mitkaisertum war eine Regelung zur Thronfolge, die erstmals von Kaiser Diokletian um 300 n. Christus eingeführt wurde.

Mit dem Segen des Reichsadels konnte so ein (relativ) reibungsloser Übergang der Macht vorab gewährleistet werden. Dennoch erhielt Ludwig der Fromme zu diesem Zeitpunkt noch nicht die volle Herrschaftsgewalt.

Bis zum Tod seines Vaters am 28. Januar 814 fungierte Ludwig der Fromme auch weiterhin nur als Unterkönig von Aquitanien. Doch anschließend zog er umgehend nach Aachen und trat die Nachfolge als Herrscher über das gesamte Reich an.

Ludwig der Fromme – Kaiser der Franken

Da Ludwig I. der Fromme durch die Erhebung zum Mitkaiser von 813 bereits in Amt und Würden war, benötigte es keine weitere konstituierende Krönung. Wohl am 05. Oktober 816 machte sich Papst Stephan IV. dennoch die Mühe einer Salbung in Reims. Damit wurde jedoch lediglich der sakrale Charakter der Kaiserwürde betont.

Neutralisierung der Familie (ab 816)

Ludwig I. der Fromme konnte problemlos die Macht übernehmen. Er nutzte den Beginn seiner Herrschaft als Kaiser der Franken jedoch für einen personellen Umbau des Apparates.

Zunächst brachte er vor allem eigene Berater und Funktionäre an den Kaiserhof. Aber vor allem schaltete er große Teile seiner Familie als mögliche Konkurrenten aus.

Kaiser Ludwig I. der Fromme
Ludwig I. der Fromme als Miles Christi (Foto: Wolpertinger / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Seine Schwestern ließ Ludwig I. der Fromme umgehend vom Hof verweisen. Die drei unehelichen Halbbrüder Hugo, Drogo und Theoderich durften zunächst bleiben.

Den ältesten Sohn Lothar I. aus erster Ehe mit Irmingard von Hespengau ernannte Ludwig der Fromme hingegen schon 817 zum Mitkaiser. Das sollte er später noch bereuen.

Doch 818 kam es erstmal zu einer Rebellion des Neffen Bernhard in Italien. Dieser Sohn des Pippin besetzte die Pässe über die Alpen, gab jedoch noch im selben Jahr ohne Kampf auf.

Bernhard ließ sich in Chalon-sur-Saône gefangen nehmen und wurde zunächst von einem fürstlichen Gericht zum Tode verurteilt. Ludwig I. der Fromme reduzierte die Todesstrafe jedoch voller Gnade in eine Blendung.

Das Urteil wurde am 15. April 818 vollstreckt. Zwei Tage später starb Bernhard von Italien an den Verletzungen.

Sicherheitshalber wurden die Halbbrüder ab 822 in den kirchlichen Dienst gezwungen. Hugo wurde Abt von St. Quentin und Drogo der Bischof von Metz. Über den Verbleib von Theoderich gibt es keine gesicherten Erkenntnisse.

Fortsetzung der Reformpolitik des Vaters

Der Vater von Ludwig dem Frommen hatte seinen Beinnamen als „der Große“ erhalten, weil er neben den militärischen Erfolgen vor allem auch viele Reformen voran brachte. Sein Sohn knüpfte als Kaiser der Franken an diese Politik an.

Ludwig der Fromme veröffentlichte zahlreiche Kapitularien. Dabei handelte es sich um hoheitliche Anordnungen, die in Mittellatein verfasst waren und Gesetzeskraft besaßen.

Solche Vorschriften waren in Kapitel strukturiert, woraus sich dieser spezielle Name ergab. Damit adressierten vor allem die karolingischen Herrscher Fragen der Rechtssprechung, der Verwaltung, aber auch militärische, kirchliche oder kulturelle Angelegenheiten.

Darüber hinaus beauftragte Ludwig der Fromme zahlreiche Königsboten. Bei diesen Missi Dominci handelte es sich um Beauftragte, die die Umsetzung der Kapitularien überwachten und Verstößen gegen das Recht nachgingen.

Die teils erschreckenden Meldungen über Amtsmissbräuche und Rechtsbeugungen verfolgte Ludwig der Fromme sehr vehement. In diesem Zusammenhang kam es auch zu einer wesentlichen Reform des Prozessrechts. Ludwig der Fromme schaffte einige Formen des Gottesbeweises ab und etablierte dafür den Zeugenbeweis.

Entmachtungen in den Jahren 830 & 833

Schleichender Weg in die Krise

Ab dem Jahr 819 war Ludwig der Fromme mit Judith, einer Tochter des schwäbischen Grafen und Urahn seines Geschlechts Welf I., verheiratet. Ihre Schwester ehelichte seinen Sohn Ludwig den Deutschen.

Kaiserin Judith
Ludwig der Fromme heiratete Judith im Jahr 819. (Urheber: unbekannt / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Kaiserin Judith wurde jedoch immer wieder zu einem großen Problem für Ludwig den Frommen. Sie war sehr unbeliebt am Hof.

Ihr zuliebe wollte Ludwig der Fromme für den gemeinsamen Sohn Karl den Kahlen ein neues Teilreich schaffen. Das führte bereits zu großem Unmut und löste bei einigen Mächtigen offenbar Verlustängste aus.

Die Herrschaft von Kaiser Ludwig dem Frommen geriet ab den 820er Jahren dann immer weiter in die Krise. Sein hartes Vorgehen gegen Angehörige der Familie führte 822 zu einer Kirchenbuße.

Damit war ein erheblicher Verlust an Prestige verbunden. Auch mit vermehrten Reisen durch das Reich konnte Ludwig der Fromme den Niedergang seines Ansehens nicht kompensieren.

Erste Entmachtung von 830

Im Jahr 830 rief Ludwig der Fromme dann ohne Not während der Fastenzeit zu einem Feldzug gegen die Bretonen auf. Er wollte damit von innenpolitischen Schwierigkeiten ablenken, aber löste nur eine weitere Rebellion aus.

Einige Historiker beschrieben die Ereignisse als „loyale Revolution“. Bedeutende Fürsten des Reiches stellten sich gegen Ludwig den Frommen, um ihn ihren Aussagen nach vor schlechten Ratgebern zu schützen.

Der Kaiser wurde in eine Art Schutzhaft genommen. Kaiserin Judith bezichtigte man hingegen des Ehebruchs und steckte sie in ein Kloster bei Poitiers.

Lothar I. wurde aus Italien geholt und zum Mitregenten erklärt. Seine Regierung enttäuscht die Rebellen jedoch schnell, weil sie letztlich wohl doch nur ihre persönlichen Interessen im Sinn hatten.

Auf der Reichsversammlung von Nimwegen kippte die Stimmung wieder zu Gunsten von Ludwig dem Frommen. Er wurde erneut als Kaiser eingesetzt und Judith aus dem Exil geholt. Man verhaftete oder verbannte hingegen die Rebellen.

Lothar I. wurde 831 zurück nach Italien geschickt. Die ebenfalls aufständischen Brüder Ludwig II. der Deutsche und Pippin wurden im darauf folgenden Jahr zur Unterwerfung gezwungen. Doch der Frieden währte nicht lange.

Zweite Entmachtung von 833

Ab 833 brach der karolingische Familienstreit erneut auf. Nun verbündeten sich die drei Söhne aus erster Ehe Lothar I., Ludwig II. der Deutsche und Pippin.

Sie hatten Angst vor einem Machtverlust zu Gunsten von Karl dem Kahlem, ihrem Halbbruder aus der zweiten Ehe des Vaters. Der Putsch an sich war auch erfolgreich.

Bei einem Treffen auf dem Rotfeld bei Colmar im Elsass fielen alle Parteigänger ihres Vaters aufgrund des hohen Drucks und falscher Versprechen von dem Kaiser ab. Im nachhinein bildete sich deshalb die Bezeichnung als Treffen auf dem „Lügenfeld“ heraus.

Ludwig der Fromme musste sich daraufhin ergeben und faktisch abdanken. In einer demütigenden Geste wurde er gezwungen, im Kloster Saint-Médard bei Soissons öffentlich Buße zu tun.

Diese unwürdige Behandlung eines fränkischen Kaisers führte jedoch erneut zu einem Umschwung der Meinungen. Nachdem zu Beginn des Jahres 834 auch das Bündnis der drei Brüder brach, wurde Ludwig der Fromme am 01. März wieder eingesetzt.

Tod und Nachfolge im Jahr 840

Im Jahr 837 erstellte Kaiser Ludwig der Fromme einen neuen Reichsteilungsplan für seine Erben. Die Regelung fiel stark zu Gunsten von Karl dem Kahlem aus, dem Sohn aus seiner zweiten Ehe. Dies führte jedoch erneut zu großer Unruhe im Reich.

838 kam es zunächst zu einem Treffen zwischen den Brüdern Lothar und Ludwig. Dies wurde vom Vater als erneuter Verrat gewertet und auf der Reichsversammlung im Sommer diesen Jahres kam es wieder zum Streit.

Reichsteilung Vertrag von Verdun 843
Teilung des Reiches durch den Vertrag von Verdun im Jahr 843 (Urheber: Furfur / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Das Ludwig zugestandene Herrschaftsgebiet wurde dramatisch verkleinert und bestand vorläufig nur noch aus Baiern. Die Regelung des Erbes wurden etwas leichter, als der Sohn Pippin aus erster Ehe im Dezember 838 überraschend verstarb.

Nun war eine relativ ausgewogene Teilung des Reiches möglich. Doch Ludwig II. der Deutsche sah sich als einen Nachkommen aus erster Ehe nach wie vor benachteiligt.

Dies veranlasste Ludwig den Frommen zu einer Strafexpedition gegen seinen Sohn. Auf seinem Rückweg verstarb der Kaiser am 20. Juni 840 in Ingelheim am Rhein.

Sein Halbbruder Drogo, der Bischof von Metz, ließ ihn in der Abtei St. Arnulf an der Seite von weiteren Karolingern bestatten. Das Grabmal wurde jedoch 1793 während der Französischen Revolution zerstört.

Kurz vor seinem Tod hatte Ludwig der Fromme an Lothar I. die Krone, ein Schwert und das Reichszepter gesandt. Damit wurde der älteste Sohn als Nachfolger mit der Oberhoheit über das Frankenreich betraut.

Doch es brach umgehend ein Bruderkrieg aus. Dieser endete erst mit der Reichsteilung durch den Vertrag von Verdun im Jahr 843. Je nach Lesart stellt dieses Ereignis den Übergang zwischen der fränkischen zur deutschen Geschichte dar.