Frankenreich

Das Frankenreich – 486 bis 1328 n. Chr.

Das Frankenreich entstand im Jahr 486 n. Christus, als der Merowinger Chlodwig I. von seinen Territorien im heutigen Belgien aus die letzte römische Provinz in Gallien – im Norden des heutigen Frankreich – eroberte.

Karte Frankenreich um 737
Karte des Fränkischen Reiches zur Zeit von Karl Martell. (Urheber: Richard Ishida / Lizenz: CC-BY-SA 4.0)

Der Stammesfürst schuf damit nicht nur das Kernland des Fränkischen Reiches. Er bestimmte auch Paris als neue Hauptstadt seines Herrschaftsgebietes und trat die Nachfolge des Römischen Reiches an.

Für einige Jahrhunderte entwickelte sich das Frankenreich unter der Führung mächtiger Dynastien zur dominierenden Großmacht in Zentraleuropa. Die fränkischen Könige prägten das frühe Mittelalter.

In der historischen und territorialen Tradition von Westrom überdauerten dabei auch einige kulturelle Entwicklungen der Spätantike wie beispielsweise das Christentum. Doch schon mit dem Vertrag von Verdun von 843 zerfiel das fränkische Großreich. Die Fragmente wurden jedoch zum Nährboden für die Entstehung der heutigen Länder Deutschland und Frankreich.

Reichsteilung im 9. Jahrhundert

Es gab einen sehr wichtigen Unterschied zwischen der Herrschaft im Frankenreich und der Herrschaft eines römischen Kaisers. Im Gegensatz zur antiken Tradition, dem ältesten Sohn den Großteil der Güter sowie die gebündelte politische Macht zu vererben, wurden im fränkischen Erbrecht alle Söhne bedacht.

Deshalb wurde das Frankenreich wiederholt durch schmerzhafte Teilungen geschwächt. Bereits unter den frühen Merowingern zersplitterte das Reich mehrfach.

Vertrag von Verdun Karte
Teilung des Frankenreiches durch den Vertrag von Verdun im Jahr 843 (Urheber: Furfur / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Trotz seiner militärischen, wirtschaftlichen und kulturellen Errungenschaften wurde das Frankenreich in seiner Entwicklung deshalb immer wieder zurückgeworfen.

Diese unselige Tradition setzte sich unter den Karolingern fort. Außerdem zeigte sich, dass die einzelnen Splitter des Fränkischen Reiches einander häufig sehr feindlich gegenüberstanden. Aber dank glücklicher Zufälle konnte das Frankenreich bis zur Mitte des 9. Jahrhunderts immer wieder vereint werden.

817 erließ Ludwig der Fromme dann zwar noch ein Dekret zur Reichseinheit – die Ordinatio Imperii. Diese Bestimmung konnte sich im Spiel der Mächte aber nicht mehr behaupten.

Schon die Enkel von Karl dem Großen führten die letztlich dauerhafte Reichsteilung herbei. Das bereits vereinte Europa wurde im Vertrag von Verdun im Jahr 843 in drei Teile zerbrochen:

  • Das Ostfränkische Reich wurde zur Keimzelle des Heiligen Römischen Reiches, woraus vor allem Deutschland entstand.
  • Das Mittelreich Lothringen wurde im Laufe der Jahrhunderte von den beiden großen Nachbarn teilweise geschluckt, aber umfasste auch die Gebiete der heutigen Benelux-Staaten sowie von Italien.
  • Das Westfränkische Reich wandelte sich schon ab dem 10. Jahrhundert zum heutigen Frankreich.

Unter Karl III. dem Dicken stand das gesamte Frankenreich von 885 bis 887 aufgrund von dynastischen Zufällen noch einmal kurz unter der formalen Herrschaft von nur einer Person. Er war jedoch ein schwacher Kaiser, praktisch nicht regierungsfähig und wurde von seinem Neffen Arnolf von Kärnten abgesetzt.

Königshäuser des Frankenreichs

Das Frankenreich entwickelte sich sowohl durch die Einflüsse der germanischen Stämme wie auch der romanisierten Gallier zu einer Erb-Monarchie. In seiner ganzen Geschichte waren es jedoch nur drei Dynastien an fränkischen Königen – die Merowinger, die Karolinger und schließlich die Kapetinger – die die Geschicke des Reiches bestimmen würden.

Pippin der Jüngere
Pippin der Jüngere auf der Alten Mainbrücke in Würzburg (Foto: Andreas Faessler / Lizenz: CC-BY-SA 4.0)

Der Übergang der Herrschaft im Fränkischen Reich von den Merowingern zu den Karolingern zog sich dabei über mehr als einhundert Jahre hin. Erst 751 konnte Pippin der Jüngere den letzten merowingischen König ins Kloster schicken und sich zum ersten König der Karolinger erklären lassen.

Das dritte fränkische Königsgeschlecht – die Kapetinger – regierten ab 987 nur noch über ein Fragment im Westen des ursprünglichen Großreiches. Die Nachfolger des Stammvaters Hugo Capet spielten aber bereits eine zentrale Rolle bei der Herausbildung des heutigen Frankreich.

Ab dem 13. Jahrhundert wandelte sich auch schon der Titel der Könige im westlichen Teil des gespaltenen Frankenreichs. Ursprünglich wurden sie als König der Franken (rex francorum) tituliert. Dies änderte sich in König von Frankreich (rex franciae).

Da sie auch die Ahnen für weitere Königslinien waren, gelten die westfränkischen Kapetinger bis heute als „das Haus Frankreichs“. Aufgrund der zahlreichen verwandschaftlichen Verflechtungen innerhalb der europäischen Königshäuser gibt es bis heute lebende Nachkommen wie beispielsweise:

  • Felipe VI. – König von Spanien
  • Henri von Nassau – Großherzog von Luxemburg

Die Merowinger (486 bis 751)

Merowech und sein göttliches Erbe

Die Merowinger waren bereits seit Anfang des 4. Jahrhunderts n. Christus fränkische Kleinkönige im Süden des heutigen Belgien. Ihr Name geht jedoch auf König Merowech aus der Mitte des 5. Jahrhunderts zurück.

Karte Hunnen Völkerwanderung
Die Merowinger kämpften in der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern. (Schöpfung: MapMaster / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Merowech war ein Kriegsherr in römischen Diensten. Zur Legitimation seiner Herrschaft behauptete er, von einem Wassergott abzustammen. Die Legende erinnert jedoch sehr an die Minotaurus-Sage aus dem Mittelmeerraum.

Die starke Stellung der Merowinger ergab sich jedoch auch aus einem glücklichen Zufall. Während der Regierungszeit von Merowech fiel Attila in Gallien ein. Damit bot sich ihm die gute Chance, sich wichtig zu machen.

In der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern im Jahr 451 war es angeblich der entscheidende Beitrag der Franken, der zu einem Sieg über die Hunnen führte. Die Römer sollen entsprechend dankbar gewesen sein und die fränkischen Krieger dann mit besseren Waffen ausgestattet haben. Dieser Gefallen sollte sich dann jedoch umgehend rächen.

Chlodwig und die Reichsgründung

Die Merowinger und ihre salischen Franken (= Westfranken) ergriffen unter der Führung von Chlodwig I. – einem Enkel von Merowech – die nächste historische Chance, aus dem Untergang des römischen Imperiums Kapital zu schlagen.

Im Jahr 486 fielen die Franken in Belgica Secunda ein. Das war die letzte römische Provinz in Gallien, nachdem Rom selbst bereits gefallen war. Sie übernahmen das praktisch schutzlose Gebiet sowie Bevölkerung und verbliebene Truppen. Bereits in dieser Phase wurde das Fränkische Reich auch christlich.

Expansion Fränkisches Reich ab 507 Karte
Chlodwig I. attackierte ab 507 den Süden von Frankreich (Zeichner: Furfur / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Zusammen mit seinem Stammgebiet konnte der Merowinger so den territorialen Kern für das Frankenreich legen. Außerdem begann noch unter Chlodwig die Expansion nach Süden.

Das Frankenreich verfügte über fruchtbare Ländereien und konnte sich sehr gut entwickeln.

Doch die Könige zeugten zu viele Söhne. Das Reich wurde wegen des fränkischen Erbrechts dann regelmäßig bei Generationswechseln zersplitterte.

Dies führte auch dazu, dass die einzelnen Könige innerhalb der Gesellschaft immer schwächer wurden. Dafür erhoben sich in der Hierarchie des Frankenreichs ganz neue Machtfiguren. Entscheidend war letztlich ein Bündnis von Pippin dem Älteren und dem Bischof Arnulf von Metz.

Gemeinsam gelang es ihnen, das sehr einflussreiche Amt des „Hausmeiers“ im Fränkischen Reich nicht nur mit einer neu geschaffenen Dynastie dauerhaft zu besetzen. Auch die Befugnisse dieser Position als „Verwalter“ wurden immer weiter ausgebaut.

Nach und nach zermürbten die Hausmeier die traditionelle Herrschaftspraxis. Der letzte König aus dem Geschlecht der Merowinger endete schließlich im Kloster.

Die Karolinger (751 bis 987)

Im Laufe des 7. Jahrhunderts verloren die Merowinger ihre Macht an die Hausmeier und die Rollen drehten sich langsam um. Der Merowingerkönig Theuderich IV. (721 bis 737) wurde beispielsweise vom Hausmeier Karl Martell als Marionette auf den Thron gesetzt.

Grabmal Karl Martell
Grabmal von Karl Martell in St. Denis (Foto: Patrick Fischer / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

All dies geschah vor dem Hintergrund wachsender Bedrohungen. Die muslimischen Araber waren von Afrika aus durch Spanien hindurch bis in das heutige Frankreich vorgestoßen. Sie expandierten immer weiter. Das christliche Abendland sah sich bedroht.

Als es einen fähigen Anführer brauchte, schlug die Stunde Martells, der als „Hammer der Franken“ im Oktober 732 die christliche Streitmacht in die siegreiche Schlacht bei Tours und Poitiers führte.

Nach dem Tod von Theuderich IV. wurde Karl Martell als „erwählter Hausmeier“ zum faktischen Alleinherrscher über das Frankenreich. Auf seinen Namen geht auch die dynastische Bezeichnung seines Geschlechts als Karolinger zurück.

Doch erst 751 wurde mit Pippin dem Jüngeren ein Karolinger als König im Fränkischen Reich inthronisiert. Von besonderer symbolischer Bedeutung für den dynastischen Wechsel war der Segen des römischen Papstes:

„Es ist besser, den als König zu bezeichnen, der die Macht hat.“ (Papst Zacharias)

Karte von den militärischen Expeditionen von Karl dem Großen und der Expansion des Frankenreiches.
Expansionen des Frankenreiches (ODbL)

Der größte und bekannteste Herrscher des Frankenreichs kam bereits im darauffolgenden Jahrzehnt an die Macht – Karl der Große. Dieser führte das Frankenreich innen- wie außenpolitisch zur Blüte und erneuerte die antike Kaiserwürde.

In vielen Kriegen wie gegen die Sachsen erweiterte der Karolinger die Grenzen seiner Herrschaft und festigte die Großmacht. Der König und Kaiser schob drüber hinaus Verwaltungsreformen an und legte mit der Organisation der Panzerreiter die Grundlage für den „Schwertadel“.

Karl modernisierte das Frankenreich und trieb die Christianisierung voran. In zahlreichen Klöstern ließ er die schriftlichen Schätze der Antike kopieren, um errungenes Wissen zu erhalten und auszubauen.

Doch bereits sein nachfolgender Sohn Ludwig I. der Fromme war der letzte Herrscher über ein vereintes Frankenreich. Nach seinem Tod kam es erst zum Bruderkrieg und dann zur Spaltung im Vertrag von Verdun im Jahr 843.

  1. Lothar I. erhielt als zentraler Nachfolger die Kaiserwürde sowie das Mittelreich von der Nordsee bis nach Italien.
  2. Ludwig II. der Deutsche erhielt das Ostfränkische Reich aus dem das heutige Deutschland entstand.
  3. Karl der Kahle erhielt das Westfränkische Reich aus dem das heutige Frankreich hervorging.

Im Osten starb mit Ludwig dem Kind im Jahr 911 der letzte Karolinger. Anschließend übernahm zunächst ein Konradiner, bis sich dank dem Sachsen Heinrich I. eine neue Dynastie etablieren konnte.

Die Kapetinger (987 bis 1328)

Die Kapetinger waren ein Geschlecht des fränkischen Uradels. Als Stammvater und Namensgeber gilt Hugo Capet – König des Frankenreichs von 987 bis 996.

Das Geschlecht ist jedoch noch deutlich älter und kann bis zu den Robertinern aus dem 7. Jahrhundert n. Christus zurückverfolgt werden. Ihr Familienwappen ist die Fleur de Lys – die Lilie Frankreichs.

Damit sind die Kapetinger das älteste Geschlecht des europäischen Uradels und sie existieren bis heute. Da auch weitere große Königsgeschlechter wie das Haus Valois, das Haus Bourbon und das Haus Orléans auf diesen Stamm zurückgehen, werden die Kapetinger als „das Haus Frankreichs“ bezeichnet.

Hugo Capet
Krönung von Hugo Capet zum König des Westfränkischen Reiches (Foto: unbekannt / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Alle französischen Könige waren Nachkommen von Hugo Capet. Erst die Revolution von 1848 beendete diese Linie. Bevor der Stammvater jedoch zum König des Frankenreichs wurde, hatte das Geschlecht bereits mit zwei Vertretern versucht, die schwächelnden Karolinger zu verdrängen.

Sowohl der Großvater wie auch ein Großonkel hatten sich jeweils zum Gegenkönig ausrufen lassen. Dies war jedoch in beiden Fällen gescheitert. Sie mussten militärische Niederlagen hinnehmen und jeweils konnten Karolinger auf den Thron zurückkehren.

Die schließlich gelungene Königswahl von Hugo Capet durch Adel und Klerus stellte dann zunächst auch einen Tabubruch dar. Überhaupt der Versuch, einen König durch Wahl zu bestimmen, war damals ein Bruch mit der Tradition der Erbfolge und verstieß somit gegen das Gesetz. Der Unterschied war jedoch, dass die Mehrheit der Mächtigen des Frankenreichs hinter diesem Vorgehen stand.

Der Kapetinger hingegen nutzte dann umgehend selbst das eben noch missachtete Erbrecht zum eigenen Vorteil. Kurz nach seiner Erhebung ließ er seinen Sohn zum Mit-König krönen.

So war ein reibungsloser Übergang an der Spitze des Frankenreichs nach dem Tod von Hugo Capet gesichert. Die Thronfolge der Karolinger war damit erfolgreich und dauerhaft unterbrochen worden.

Noch bis 1328 regierten direkte Nachfahren von Hugo Capet das Westfränkische Reich beziehungsweise das seit dem 9. Jahrhundert entstehende Frankreich. Danach ging der Thron an Philipp VI. von Valois über, was zu einem der Auslöser des 100-jährigen Krieges mit England wurde.