Frankenreich

Das Frankenreich – 486 bis 1328 n. Chr.

Das Frankenreich entstand im Jahr 486 n. Christus als der Merowinger Chlodwig I. von seinen Territorien im heutigen Beligien aus die letzte römische Provinz in Gallien – im Norden des heutigen Frankreich – eroberte. Der Stammesfürst schuf damit nicht nur das Kernland des fränkischen Reiches. Er bestimmte auch Paris als neue Hauptstadt seines Herrschaftsgebietes und trat in Roms Fußstapfen.

Für einige Jahrhunderte entwickelte sich das Frankenreich unter der Führung mächtiger Dynastien zur dominierenden Großmacht in Zentraleuropa. Die fränkischen Könige prägten das frühe Mittelalter. In der historischen und territorialen Tradition des römischen Reichs überdauerten dabei auch einige kulturelle Errungenschaften der Spätantike wie beispielsweise das Christentum.

Die Reichsteilung im 9. Jhd. n. Christus

Es gab jedoch einen sehr wichtigen Unterschied zwischen der Herrschaft im Frankenreich und der Herrschaft eines römischen Kaisers. Im Gegensatz zur antiken Tradition, dem ersten Sohn den Großteil der Güter sowie die gebündelte politische Macht zu hinterlassen, wurden im fränkischen Erbrecht alle Söhne bedacht. Deshalb wurde das Frankenreich wiederholt durch schmerzhafte Spaltungen geschwächt.

Bereits unter den frühen Merowingern zersplitterte das Reich mehrfach. Aber es konnte immer wieder zusammengeführt werden. Diese unselige Tradition setzte sich jedoch unter den Karolingern fort. Außerdem zeigte sich, dass die einzelnen Splitter des Frankenreichs einander häufig sehr feindlich gegenüberstanden. Oftmals kam es zu militärischen Auseinandersetzungen.

817 n. Christus erließ König Ludwig der Fromme zwar noch ein Dekret zur Reichseinheit – die Ordinatio Imperii. Diese Bestimmung konnte sich aber im Spiel der Mächte nicht behaupten. Trotz seiner großen militärischen, wirtschaftlichen und kulturellen Errungenschaften wurde das Frankenreich in seiner Entwicklung deshalb immer wieder zurückgeworfen. Dies sollte schließlich auch den Zerfall der mittelalterlichen Großmacht bestimmen.

Im Jahrhundert nach Karl dem Großen kam es zur endgültigen Reichsteilung. Das vereinte Europa des Jahres 800 n. Christus zerbrach in drei Teile – das Ostfränkische Reich, das Westfränkische Reich und das Mittelreich Lothringen. Auch hier setzte sich die unselige Tradition des konfrontativen Umgangs miteinander fort.

Das ostfränkische Reich wurde zur Keimzelle des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation. Aus dem westfränkischen Reich ging das heutige Frankreich hervor. Der dritte Teil – Lothringen – wurde im Laufe der Jahrhunderte von den beiden großen Nachbarn teilweise geschluckt. Teile des Territoriums bilden die Staatsgebiete der heutigen Benelux-Staaten.

Die Könige des Frankenreichs

Das Frankenreich entwickelte sich sowohl durch die Einflüsse der germanischen Stämme wie auch der romanisierten Gallier zu einer Erb-Monarchie. In seiner ganzen Geschichte waren es jedoch nur drei Dynastien an fränkischen Königen – die Merowinger, die Karolinger und schließlich die Kapetinger – die die Geschicke des Reiches bestimmen würden.

Das dritte fränkische Königsgeschlecht – die Kapetinger – regierten jedoch nur noch ein westfränkisches Teilreich. Die Nachfolger des Stammvaters Hugo Capet spielten aber bereits eine zentrale Rolle bei der Herausbildung des heutigen Frankreich.

Ab dem 13. Jahrhundert wandelte sich auch schon der Titel des Monarchen im Frankenreich. Ursprünglich wurde als König der Franken (rex francorum) tituliert. Dies änderte sich in König von Frankreich (rex franciae).

Da sie auch die Abstammung für weitere Königslinien waren, gelten die Kapetinger bis heute als das Haus Frankreichs. Aufgrund der zahlreichen verwandschaftlichen Verflechtungen innerhalb der europäischen Königshäuser gibt es bis heute lebende Nachkommen wie beispielsweise:

  • Felipe VI. – König von Spanien
  • Henri von Nassau – Großherzog von Luxemburg

Die Merowinger (486 bis 751 n. Chr.)

Die Merowinger waren zu Beginn des 4. Jahrhunderts n. Christus fränkische Kleinkönige im Süden des heutigen Belgien. Ihr Name geht auf den Stammvater Merowech zurück. Sie waren lokale Kriegsherren in römischen Diensten und hatten sich zur Legitimation ihrer Herrschaft eine schöne Geschichte über eine göttliche Abstammung ausgedacht.

Die starke Stellung der Merowinger ergab sich auch durch einen weiteren glücklichen Zufall. Während der Regierungszeit von Merowech fiel Attila in Gallien ein. In der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern im Jahre 451 n . Christus war es (angeblich) der entscheidende Beitrag der Franken, der zu einem Sieg über die Hunnen führte. Die Römer sollen entsprechend dankbar gewesen sein und haben die fränkischen Krieger mit besseren Waffen versorgt.

Das Geschlecht und der Stamm dieser salischen Franken (= Westfranken) ergriff jedoch unter der Führung von Chlodwig I. – einem Enkel von Merowech – die historische Chance, aus dem Untergang des römischen Imperiums Kapital zu schlagen. Sie fielen in die Provinz Belgica Secunda ein. Dies war die letzte Provinz der Römer in Gallien. Sie übernahmen das schutzlose Gebiet inkl. Bevölkerung und verbleibender Truppen.

Zusammen mit seinem Stammgebiet konnte der Merowinger so den territorialen Kern für das Frankenreich legen. Es waren fruchtbare Ländereien und das Königreich konnte sich sehr gut entwickeln. Doch die Könige zeugten zu viele Söhne. Das Reich wurde wegen des fränkischen Erbrechts regelmäßig zersplitterte.

Dies führte auch dazu, dass die einzelne Könige innerhalb der Gesellschaft immer schwächer wurden.  Dafür erhoben sich in der Hierarchie des Frankenreichs ganz neue Machtfiguren. In administrativen und politischen Fragen wurden die Könige des frühen Frankenreichs von „Hausmeiern“ unterstützt. Dies war eine Bezeichnung für hochrangige Verwalter.

Diese Ämter wurden jedoch im Laufe der Zeit immer häufiger von Aristokraten besetzt. Die Adligen nutzten ihre Chancen, um sich gegen die Macht der Könige zu positionieren. Nach und nach zermürbten sie die traditionelle Herrschaftsform. Die Frankenkönige konnten gegen ihre eigenen Verwalter nur noch wenig ausrichten und hingen schließlich sogar von deren Gnaden ab.

Die Karolinger (751 bis 987 n. Chr.)

Im Laufe des 7. Jahrhunderts n. Christus verloren die Merowinger jeglichen Einfluss auf die Besetzung ihrer Hausmeier. Tatsächlich war sogar der letzte Merowingerkönig Theuderich IV. (721 bis 737 n. Christus) bereits von einem Hausmeier – Karl Martell – in das Amt gehoben worden.

Karte von den militärischen Expeditionen von Karl dem Großen und der Expansion des Frankenreiches.
Expansionen des Frankenreiches (ODbL)

All dies geschah vor dem Hintergrund wachsender Bedrohungen. Die muslimischen Araber waren von Afrika aus durch Spanien hindurch bis in das heutige Frankreich vorgestoßen. Sie expandierten immer weiter. Das christliche Abendland sah sich bedroht.

Als es einen fähigen Anführer brauchte, war es Karl Martell – der Hausmeier des Königs – der im Oktober 732 die christliche Streitmacht in die Schlacht von Tours und Poitiers führte. Sie waren siegreich.

Nach dem Tod des letzten Merowingerkönigs erhob sich Karl Martell zum faktischen Alleinherrscher über das Frankenreich. Auf seinen Namen geht auch die dynastische Bezeichnung seines Geschlechts als Karolinger zurück.

Jedoch wurde erst im Jahr 751 n. Christus mit Pippin dem Jüngeren erstmals ein Karolinger durch eine Königswahl bestätigt. Solange hatte sich der Wechsel der Macht vom alten zum neuen Königsgeschlecht hingezogen. Die neuen Machthaber waren eben sehr politisch vorgegangen.

Der größte und bekannteste Herrscher des Frankenreichs kam bereits im darauffolgenden Jahrzehnt an die Macht – Karl der Große. Dieser führte das Frankenreich innen- wie außenpolitisch zur Blüte und erneuerte die antike Kaiserwürde. In vielen Kriegen wie gegen die Sachsen erweiterte der Karolinger die Grenzen seiner Herrschaft und festigte die Großmacht.

Der König schob drüber hinaus Verwaltungsreformen an. Er modernisierte und christianisierte das Frankenreich. In zahlreichen Klöstern und Abteien ließ er darüber hinaus die schriftlichen Schätze der Antike kopieren, um errungenes Wissen zu erhalten und auszubauen.

Die Kapetinger (987 bis 1328 n. Chr.)

Die Kapetinger sind ein Geschlecht des fränkischen Uradels. Als Stammvater und Namesgeber gilt Hugo Capet – König des Frankenreichs von 987 bis 996 n. Christus. Das Geschlecht ist jedoch noch deutlich älter und kann bis zu den Robertinern aus dem 7. Jahrhundert n. Christus zurückverfolgt werden. Ihr Familiewappen ist die Fleur de Lys – die Lilie Frankreichs.

Damit sind die Kapetinger das älteste Geschlecht des europäischen Uradels und sie existieren bis heute. Da auch weitere große Königsgeschlechter wie das Haus Valois, das Haus Bourbon und das Haus Orléans auf diesen Stamm zurückgehen, werden die Kapetinger auch als das Haus Frankreichs bezeichnet. Alle französischen Könige waren Nachkommen von Hugo Capet. Erst die Revolution von 1848 beendete diese Linie.

Bevor der Stammvater jedoch zum König des Frankenreichs wurde, hatte das Geschlecht bereits mit zwei Vertretern versucht, die schwächelnden Karolinger zu verdrängen. Sowohl der Großvater wie auch ein Großonkel hatten sich jeweils zum Gegenkönig ausrufen lassen. Dies war jedoch in beiden Fällen gescheitert und zwar wegen militärischer Niederlagen und weil jeweils Karolinger auf den Thron zurückkehren konnten.

Auch die Königswahl von Hugo Capet durch Adel und Klerus stellte einen Tabubruch dar. Überhaupt der Versuch, einen König durch Wahl zu bestimmen, war damals ein Bruch mit der Tradition der Erbfolge und verstieß somit gegen das Gesetz. Der Unterschied war jedoch, dass die Mehrheit der Mächtigen des Frankenreichs hinter diesem Vorgehen stand.

Der Kapetinger hingegen nutzte das eben noch mißachtete Erbrecht umgehend zum eigenen Vorteil. Kurz nach seiner Erhebung ließ er seinen Sohn zum Mit-König erheben. So war ein reibungsloser Übergang an der Spitze des Frankenreichs nach dem Tod von Hugo Capet gesichert. Die Thronfolge der Karolinger war damit erfolgreich und dauerhaft unterbrochen worden.

Noch bis 1328 n. Christus regierten direkte Nachfahren von Hugo Capet das ostfränkische Reich. Danach ging die Herrschaft über den französischen Thron an verwandte Linien über.