Heinrich I.

Heinrich I. – deutscher König im 10. Jhd.

Der spätere König Heinrich I. wurde um 876 geboren. Im 12. Jahrhundert kam die Bezeichnung als Heinrich der Vogler auf. Er gehörte zum Geschlecht der Liudolfinger, den damaligen Herzögen von Sachsen.

Das Siegel von Heinrich I. zeigt ihn als König in der ostfränkischen Tradition mit Schild und Speer. (Foto: unbekannt / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Die schwache Zentralgewalt zu Beginn des 10. Jahrhunderts bot Heinrich I. viel Raum zur machtvollen Entfaltung in seinem Stammesgebiet und darüber hinaus. Für König Konrad I. war er als Herzog von Sachsen eine große Herausforderung.

Heinrich I. erwies sich in den Machtkämpfen als ein sehr geschickter Politiker, der vor allem auch ein besonderes Gefühl für Gesten und Symbole hatte. Dank seiner Fähigkeiten gelangte er dann als erster Sachse auf den ostfränkischen beziehungsweise deutschen Königsthron.

Mit seinem Griff zur Macht begründete Heinrich I. eine neue Dynastie von Herrschern. Die einstmals so mächtigen Karolinger existierten zwar noch.

Doch die Nachkommen von Karl Martell hatten ihre politische Macht im ostfränkischen Reich verloren. Nachdem Heinrich I. im Jahr 936 starb, führten vier weitere Generationen das Reich für insgesamt mehr als einhundert Jahre.

Sein Sohn und Nachfolger Otto der Große wurde später nicht nur zum König, sondern schließlich auch zum Kaiser gekrönt. Damit hatten die Liudolfinger endgültig die herrschaftliche Tradition von Karl dem Großen übernommen.

In der Nachwelt ist die Dynastie von Heinrich I. deshalb besser als „Ottonen“ bekannt. Sie zeigten eine große Nähe zum Christentum und schlugen in zahlreichen Schlachten die einfallenden Ungarn zurück. Damit waren sie entscheidende Begleiter der Metamorphose des Ostfränkischen Reiches zum werdenden Heiligen Römischen Reich (HRR).

Geschlecht der sächsischen Liudolfinger

Der Ahnherr und Großvater von Heinrich I. hieß Liudolf. Der lebte wohl von 806 bis 866 und war ein Graf. Das war ein niederer Stand des deutschen Adels. Solche Amtsträger übten in dieser Zeit königliche Rechte in einem bestimmten Gebiet, in einer Grafschaft, aus.

Dafür hatten die Grafen aber auch Pflichten gegenüber ihren Monarchen. Die gräflichen Ländereien von Liudolf lagen vor allem im Harzvorland. Wahrscheinlich waren sie bereits im Besitz seiner Vorfahren.

Profiteure der Sachsenkriege

Die Liudolfinger hatten sich in den Sachsenkriegen von 772 bis 804 wahrscheinlich nicht gegen Karl den Großen gestellt. Im Anschluss profitierten sie dann von den blutigen Säuberungen und konnten so ihre Stellung verbessern.

Frankenreich Sachsenkriege Karte
Expansion des fränkischen Reiches von 486 bis zum Tod von Karl dem Großen im Jahr 814. (Urheber: Sémhur / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Liudolf zeigte sich gegenüber den Franken stets kooperativ und erlangte so auch zahlreiche Vorteile. Er heiratete Oda, die Tochter eines fränkischen Aristokraten.

Damit stieg er in der Rangordnung des Adels vom Grafen zum Herzog auf. In den kommenden Jahrzehnten schlossen die Liudolfinger dann noch weitere politische Ehen.

Liudolf hatte mit Oda zwölf Kinder. Eine der Töchter heiratete mit Ludwig dem Jüngeren einen Sohn von Ludwig dem Deutschen. Damit waren die Liudolfinger nicht nur Herzöge von Sachsen, sondern nun auch mit dem karolingischen Königshaus verschwägert.

Darüber hinaus investierte der Clan intensiv in seine Kontakte zum Klerus. Sie stifteten zahlreiche Klöster und versorgten ihren Nachwuchs mit einflussreichen Posten. Alleine aus dem Kreis der zwölf Kinder von Liudolf gingen ein Abt und drei Äbtissinnen hervor.

Heinrich – der Herzog von Sachsen

Jahre von Ludwig dem Kind

Im Laufe des 9. Jahrhunderts ging es mit dem Reich der Franken immer weiter bergab. Die inneren Konflikte zwischen den Regionen und den Adligen sowie eine Reihe von schwachen Königen ergaben eine fatale Kombination.

Vertrag von Verdun Karte
Ludwig der Deutsche erhielt im Vertrag von Verdun von 843 das Ostfränkische Reich. (Urheber: Furfur / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Das Frankenreich hatte seit Anbeginn bereits zahlreiche Spaltungen und  anschließende Vereinigungen durchmachen müssen. Mit der Teilung durch den Vertrag von Verdun aus dem Jahr 843 wurde das endgültige Ende des Großreiches eingeläutet.

Aber auch die Fragmente erwiesen sich als anfällig gegen die Stürme der Zeit. Im ostfränkischen Reich endete die karolingische Herrschaft mit dem Tod von Ludwig dem Kind im Jahr 911.

Bereits in dieser Phase waren zentrale Aufgaben des Staates faktisch in andere Hände übergegangen. Vor allem die Verteidigung gegen einfallende Ungarn fiel spätestens mit dem Jahr 906 in die Verantwortung von lokalen Fürsten wie Heinrich I., der in diesen Tagen noch der Herzog von Sachsen war.

Heirat mit der Heiligen Mathilde

Ganz wie seine Vorfahren wollte auch Heinrich I. seine Stellung mit einer guten Heirat verbessern. Doch er beendete die Tradition der Liudolfinger, sich Gatten bei den Franken zu suchen. Stattdessen konzentriert er sich ganz auf sein sächsisches Stammgebiet.

Er fand mit Mathilde eine ideale Partie. Sie war die Tochter eines sächsischen Grafen aus seiner Region. Mathilde war in einem Kloster erzogen worden und sehr religiös. Dank dieser Allianz konnte Heinrich I. seine etwas verstreuten Ländereien nicht nur insgesamt vergrößern, sondern vor allem auch territorial verschmelzen.

Im Jahre des Herrn 909 heiratete Heinrich I. deshalb auch das damals wohl erst 13-jährige Mädchen. Aus der Verbindung gingen fünf Kinder hervor, drei Söhne und zwei Töchter. Darunter auch der spätere Thronfolger Otto.

Stift Quedlinburg Foto
Die Heilige Mathilde stiftete als Witwe von König Heinrich I. das Kloster Quedlinburg. (Foto: A.Savin / Lizenz: gemeinfrei)

Mathilde nutzte ihre Position und gründete zahlreiche Stifte. Sie engagierte sich besonders für die Armenhilfe, was zu ihrer späteren Heiligsprechung beitrug. Sie wusste wie ihr Mann jedoch vor allem zu kommunizieren.

Die Heilige Mathilde investierte nämlich ganz massiv in ihre Klöster. Für viel Geld kaufte sie prunkvolle Ausstattungen und Reliquien, um konkurrierende Klöster und Bistümer auszustechen.

Auch nach dem Tod von Heinrich I. im Jahr 936 gründete sie ein weiteres Kloster in Quedlinburg. Die dortigen Nonnen sollten das Gedenken an den verstorbenen König erhalten. Sie selbst machte sich zur Äbtissin und leitete die Einrichtung noch für 30 Jahre.

Regierung von König Konrad I.

Mit dem Tod von Ludwig dem Kind im Jahr 911 n. Christus endete auch die Linie der ostfränkischen Karolinger. Normalerweise wäre nun ein Erbfolger aus dem westfränkischen Zweig inthronisiert worden. Doch es kam zu einem erfolgreichen Coup.

Siegel König Konrad I.
Siegel von Konrad I. dem Jüngeren als König der Ostfranken mit Schild und Speer (Foto: unbekannt / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Noch zu Lebzeiten von Ludwig dem Kind hatte Konrad der Jüngere, ein Herzog der Franken, nicht nur mit voller Prokura im Namen des Königs gehandelt. Er wurde in Urkunden bereits als „nepos“ bezeichnet. Das Wort kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Neffe.

So ähnlich wie bei den römischen Adoptivkaisern konnte man so eine nicht blutsverwandte Person in die Herrschaftslinie einschleusen. Statt einer erbrechtlichen Thronfolge kam es zu einem Novum in der deutschen Geschichte. Die Fürsten des Reiches wählten ihn einfach als Konrad I. zum König.

Konrad war aber nicht besonders erfolgreich und starb kinderlos schon im Jahr 918. Das Reich zerfiel immer weiter. Die innere und äußere Sicherheit schwanden genauso dahin wie der einstige Wohlstand.

König Heinrich I. – der erste Ottone

Erhebung von Heinrich I.

Nach dem Ableben von Konrad I. ging man genauso trickreich wie nach dem Tod von Ludwig dem Kind vor. Laut der offiziellen Geschichtsschreibung der Ottonen beschwor der sterbende König die Herzöge von Bayern, Franken, Lothringen und Schwaben doch Heinrich I. zu ihrem König zu erheben.

Darüber hinaus trat Abt Eberhard, der Bruder des Verstorbenen, als besonderer Zeuge für diesen letzten Willen auf. Gleich drei mittelalterliche Autoren liefern hierzu identische Beschreibungen. Der Wahrheitsgehalt wird von der modernen Forschung jedoch bezweifelt.

Es folgte nämlich eine Vakanz des Thrones von ganzen fünf Monaten. Dies kann als klares Zeichen gewertet werden, dass der Anspruch des Herzogs von Sachsen keinesfalls so eindeutig war. Darüber hinaus findet sich noch ein weiterer Hinweis, dass Heinrich I. wohl tatsächlich nur mit großem Geschick und rhetorischem Feingespür erfolgreich sein konnte:

„Es genügt mir […], dass ich König heiße und dazu ernannt worden bin.“

Heinrich I. verzichtete auf die traditionelle Legitimation eines Königs durch Salbung und Krönung. Angeblich wies er diese sonst erforderlichen Gesten voller Demut zurück, da solchen Ehrungen „einem Würdigeren […] vorbehalten seien“.

Die realpolitische Lage sah wohl anders aus. Auch die weiteren Fürsten des Reiches hatten dank der schwachen Könige an Selbstbewusstsein und Macht gewonnen.

Sie akzeptieren Heinrich I. wohl zunächst nur als einen Primus inter Pares, aber keinesfalls als einen absoluten Monarchen. Später sollte sogar nur ein Mönch ausreichen, um den gesamten Schriftverkehr zwischen dem neuen König und dem Adel abzuwickeln.

Zur Erhebung kam es dann im Mai des Jahres 919. Auch der Ort, die Königspfalz von Fritzlar, ist ein Zeichen für den wohl eher nüchternen Charakter dieser Ereignisse. Man traf sich in einem fränkisch-sächsischen Grenzgebiet. In diesem Kontext wirkt es wie ein neutrales Territorium zwischen den eigentlichen Machtblöcken.

Hausordnung von 929

Aus diesen negativen Erfahrungen mit dem fränkischen Erbrecht zog König Heinrich I. später Konsequenzen und entschied sich für eine Neuregelung der Thronfolge.

König Heinrich I.
Darstellung von Heinrich I. in der Chronik von Heinrich V. (gemeinfrei)

Er wollte eine neuerliche Spaltung des ostfränkischen Reiches unbedingt verhindern. Dies sollte die äußere Sicherheit verbessern, hatte aber auch dynastische Gründe.

„König Heinrich wurde von Tag zu Tag mächtiger, stärker und berühmter. Er brachte das Königreich […] zusammen, einigte und befriedete es.“

Widukind von Corvey – die Sachsengeschichte

Deshalb erließ Heinrich I. im Jahre 929 eine „Hausordnung“, die sein Nachlass regelte. Er setzte alles daran, dass sein Lieblingssohn Otto der Große den Thron erben würde.

Im selben Jahr wurde der junge Thronfolger auch mit der Prinzessin Edgitha aus dem englischen Königshaus verheiratet. Das war eine Enkelin von Alfred dem Großen. Doch diese Bevorzugung schürte auch viel Hass und warf neuen Zwist auf.

Bedrohung durch die Ungarn

Doch zunächst musste sich Heinrich I. den Einfällen der Ungarn stellen. Diese Angriffe begannen 899. Die Ungarn hatten sehr viele berittene Bogenschützen und verfügten damit über eine sehr mobile Streitkraft. Das ostfränkische Militärwesen war dagegen stark veraltet und marode.

Die Soldaten waren schlecht trainiert und falsch ausgerüstet. Sie konnten sich nur hinter Burgmauern wirksam verteidigen. Die Ungarn plünderten dagegen ungehindert und galten schon als die neuen Hunnen.

Zahlreiche Kirchen-Chroniken beziehen sich auf diese Ereignisse und schildern teils in biblischer Manier die scheinbar apokalyptischen Szenen. Die Ungarn seien wie geschorene Raubtiere, die ohne Mitgefühl das Blut ihrer Opfer trinken und deren Herzen essen.

Die Ungarn verbreiteten Angst und Schrecken in ganz Mittel-Europa. Der Papst erweiterte angeblich sogar die Liturgie, die vorgeschriebenen Texte für die Messe:

„Gott schütze uns vor den Pfeilen der Ungarn!“

Exkurs: Ungarische Reflexbogen

Eine große Herausforderung für König Heinrich I. war die unterschiedliche Bewaffnung seiner Soldaten. Die germanischen Krieger kannten nämlich nur den Langbogen, aber noch nicht den Recurve beziehungsweise Reflexbogen.

Entgegen filmischer Darstellungen handelt es sich bei Langbögen um relativ träge, unpräzise Waffen. Im 10. Jahrhundert hatten sie noch lange nicht ihren legendären Ruf.

Das Problem an einem Langbogen ist die einteilige Bauweise mit den schweren Wurfarmen. Deshalb ist ein solcher Bogen ohnehin schon völlig abhängig vom organischen Wuchs des Bogenschaftes.

Aber vor allem verkonsumieren die wuchtigen Wurfarme einen großen Teil der Zugenergie. Das geht sehr zu Lasten des Wirkungsgrades und der Beschleunigung von Projektilen. Das Tempo der Pfeile liegt dann häufig bei grob 150 bis 160 km/h.

Deshalb war selbst der Jahrhunderte später eingesetzte englische Langbogen vor allem auf den indirekten Schuss im steilen Winkel nach oben ausgelegt. Die Reichweite eines solchen Bogens konnte dann bis zu 400 Metern betragen.

Der Schwarze Prinz hat dann beispielsweise bei Crecy im Sommer 1346 wohl zwischen 20.000 und 60.000 Schüsse abgeben lassen. Der direkte Schuss mit einem Langbogen ist zwar durchaus möglich, wurde aber idealerweise nur zur Selbstverteidigung auf Distanzen von höchstens 70 Metern eingesetzt.

Der Reflexbogen der Ungarn ist dagegen etwas völlig anderes. Zum einen besteht der Bogen nicht mehr aus einem Stück Holz, sondern aus verschiedenen, leichteren Lagen. Deswegen bezeichnet man eine solche Ausführung auch als Kompositbogen.

Reflexbogen
Die Enden eines Reflexbogens haben eine bessere Energieeffizienz. (Zeichner: Korisios / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Zum anderen erhielten diese reaktionsfreudigen Wurfarme auch eine doppelte Schwingung, so ähnlich wie eine Sinus-Kurve. Das hat den Effekt, dass sich die Zugenergie nach dem Lösen des Pfeils in doppelter Richtung entladen kann.

Der ungarische Reflexbogen bot deshalb eine sehr viel höhere Anfangsbeschleunigung. Die Pfeile haben dann grob eine Geschwindigkeit von häufig etwa 190 bis 200 km/h.

Das höhere Tempo verbesserte ganz deutlich sowohl die Durchschlagskraft wie auch das Trefferbild. Bis heute sind solche Modelle im Bogensport sehr beliebt und werden als Jagdrecurve bezeichnet.

Die Ungarn verfügten damit über eine präzise Distanzwaffe mit hoher Durchschlagskraft und Feuerrate. Heinrich I. und seine Mannen kannten solche Fernwaffen zunächst überhaupt nicht und waren auch deshalb hoffnungslos unterlegen. Sie mussten sich hinter ihren Mauern verkriechen und schließlich enorme Tribute zahlen.

Reform des Militärwesens

Doch Heinrich I. gab sich keinesfalls geschlagen. Er begann das ostfränkische Militärwesen grundsätzlich umzubauen. Er bestimmte, dass in seinem Reich jeder neunte wehrfähige Mann zum Kämpfer wird.

Die anderen acht Männer mussten den Kämpfer mit Nahrung und Ausrüstung versorgen. Die erste Aufgabe des Kämpfers war es, zunächst eine (Flieh-)Burg bei ihm vor Ort anzulegen. Auch die weitere Pflege des Standortes wurde ihm übertragen.

Dieser Burgwart musste stetig seine Waffenkunst trainieren. Darüber hinaus leitete er auch Wehrübungen für die anderen acht Männer, damit man bei einem Ungarneinfall gemeinsam die Fliehburg verteidigen kann.

Alle waren verpflichtet, sich diesem System zu beugen und Heinrich I. kontrollierte die Umsetzung genau. Der Schutz für die breite Bevölkerung verbesserte sich damit ganz deutlich. Das Burgwart-System war aber noch kein Ansatz, mit dem man die Ungarn hätte dauerhaft verteidigen können.

Deshalb investierte Heinrich I. in die Ausrüstung und Ausbildung seiner Kämpfer. Er baute sie zu einer schweren Kavallerie auf, um den berittenen Bogenschützen der Ungarn einen Strich durch die Rechnung zu machen.

Die Schlacht auf dem Lechfeld unter seinem Sohn Otto dem Großen wurde dann der lange ersehnte Tag der Abrechnung. Bis zu diesem 10. August 955 vergingen jedoch Jahrzehnte der Vorbereitung.

Heilige Lanze des Longinus

Aber König Heinrich I. musste vor dem entscheidenden Kampf gegen die Ungarn zunächst den Krieg an der Heimatfront gewinnen. Die Landesfürsten seines ostfränkisches Reiches stellten sich immer wieder quer und machten dem König das Leben schwer.

Die Lösung für sein Problem fand er im benachbarten Burgund. Das dortige Herrscherhaus war zufällig in den Besitz der Heiligen Lanze gekommen. Angeblich hatte der römische Hauptmann Longinus mit diesem Speer die Seite des Jesus von Nazareth durchbohrt, als dieser leblos am Kreuz hing.

Heilige Lanze
Die Heilige Lanze in der Schatzkammer der Wiener Hofburg (Foto: Aiwok / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Dieser Longinus konvertierte der Überlieferung nach später selbst zum Christentum und wurde dann für ein Glaubensbekenntnis getötet. Longinus gehörte damit zur ersten Garde der Märtyrer, die sowohl das Leiden von Christus wie auch eigene Qualen erlebt hatten.

Der Legende nach wurde dann sogar ein Nagel vom Kreuz in dieser Waffe verarbeitet. Heinrich I. tauschte diesen Speer des Schicksals gegen einen Teil des Herzogtums Schwaben. Er verzichtete auf Gebiete im Raum Basel. Dafür erhielt er ein kraftvolles Symbol, um die Christen in seinem Reich für den Kampf gegen die heidnischen Ungarn zu vereinen.

Die Heilige Lanze wurde später auch zum Bestandteil der Reichskleinodien. Das sind die Insignien der deutschen Könige und Kaiser. Bis heute ist das Relikt sicher in der Schatzkammer der Wiener Hofburg aufbewahrt.

Tatsächlich handelt es sich bei dem Gegenstand jedoch auf keinen Fall um eine echte Berührungsreliquie. Metallurgische Untersuchungen haben ergeben, dass es eine Fälschung aus dem 8. Jahrhundert ist.

Die Spitze dieser Heiligen Lanze sieht nicht einmal so aus, als wäre sie aus der Produktion des Römischen Reiches. Vielmehr ist sie völlig fantasielos den fränkischen Flügelblättern eines germanischen Speeres aus eben jener Zeit nachempfunden.

Schlacht bei Riade im Jahr 933

Nach und nach gelang es König Heinrich I., die militärischen Fähigkeiten seines Reiches auszubauen. In Feldzügen gegen Slawen erprobte er die Möglichkeiten und entwickelte das neue System immer weiter.

Schließlich sah er den richtigen Moment gekommen. Als die Ungarn wieder einmal Tribut einforderten, servierte Heinrich I. ihnen nur den Kadaver eines Hundes. Damit war der Krieg erklärt, was die Ungarn zunächst aber nicht besonders ernstnahmen.

Tatsächlich ließen die Ungarn erstmal auf sich warten, doch dann kam es zu einem erneuten Zug gegen das ostfränkische Reich. Schließlich traf man sich im Jahr 933 im Raum Merseburg zur Schlacht bei Riade.

Der kluge König Heinrich I. wählte den 15. März, den Tag des Heiligen Longinus. Für die tief religiösen Menschen des 10. Jahrhunderts war diese Kombination von Symbolen ein ideales Vorzeichen. Vollen Mutes stellten sie sich unter der Führung von Heinrich I. mit seiner Heiligen Lanze dem Ansturm der Ungarn.

Einem Trupp Fusssoldaten hatte Heinrich I. genau befohlen, dass sie sich beim Angriff zunächst gemäß alter Taktiken verhalten sollten. So täuschte er die Ungarn, die schon einen Sieg vor Augen hatten. Doch dann gingen seinen schweren Panzerreiter zum Gegenangriff über und fügten den berittenen Bogenschützen eine herbe Niederlage zu.

Damit konnte Heinrich I. das ostfränkische Reich von den Tributen und den Demütigungen befreien. Doch erst sein Sohn Otto der Große würde die entscheidende Schlacht gegen die Ungarn gewinnen und der Bedrohung durch die Ungarn endgültig ein Ende setzen.