Alarich I.

Alarich I. – König der Westgoten

Alarich wurde um 370 n. Christus im heutigen Rumänien geboren. Er war ein Anführer der Westgoten und plünderte Rom im Jahr 410 n. Christus.

Nach über 800 Jahren war er der erste Feldherr, der wieder erfolgreich eine feindliche Armee gegen die ewige Stadt in Italien führte. Nach der Plünderung führte er seine Leute weiter in Richtung der italienischen Stiefelspitze (Kalabrien).

„Und den Fluß hinauf, hinunter, zieh’n die Schatten tapfrer Gothen,
Die den Alarich beweinen, ihres Volkes besten Todten.“

Doch noch im selben Jahr verstarb Alarich I. und wurde der Sage nach in einem Flussbett bei Cosenza bestattet. Dieses Grab im Busento wurde zwar besungen, jedoch nie gefunden.

Visigoten auf dem Rückzug vor den Hunnen

Die Hunnen kamen von jenseits des Schwarzen Meeres stürmten unter der Führung von Attila bis nach Frankreich und Italien.
Wanderung der Hunnen ab 375 n. Chr. sowie der Angriff von Attila (ODbL).

Im Laufe des 4. Jahrhunderts n. Christus hatten sich viele Goten vor den Hunnen in die römische Provinz Thrakien zurückgezogen. Das war eine Region südlich der Donau im heutigen Rumänien.

Diesen Goten gefiel es auf römischem Boden sehr. Sie nahmen schnell die Sitten an und romanisierten sich. In Abgrenzung zu ihren alten Stammesbrüdern bildete sich deshalb die Bezeichnung als Visigoten, als Westgoten heraus.

Das ursprüngliche Gebiet der Goten lag nämlich wahrscheinlich sehr viel weiter östlich und zwar im Schwarzmeer-Raum. Im Gegenzug für den Siedlungsraum leisteten die Westgoten dem römischen Kaiser Gefolgschaft.

Alarich und seine Westgoten waren Bundesgenossen (foederati) des Reiches. Das hieß, sie mussten militärische Folge leisten oder beispielsweise auch Grenzen sichern.

Alarich als Heerfüher der Römer

Alarich I. war gleich mehrfach als Bundesgenosse von Rom in militärische Aktionen involviert. Die Westgoten hatten einen sehr guten Ruf als kampfstarke und loyale Truppen, so dass die Germanen vom Römischen Reich häufig eingesetzt wurden.

Im Jahr 394 n. Christus gab es dann zu Kämpfen im römischen Imperium. Kaiser Theodosius I. musste sich militärisch gegen Flavius Eugenius behaupten. Dieser hatte sich bereits zwei Jahre zuvor erhoben.

Es kam zur entscheidenden Schlacht am Frigidus im heutigen Slowenien. Der Kampf dauerte zwei Tage und Alarich führte wohl etwa 20.000 Westgoten in das Gefecht. Diese leisteten dann auch noch einen besonders hohen Blutzoll bei dem Sieg über den Usurpator.

Doch auch die weströmischen Kerntruppen wurden in der blutigen Schlacht stark dezimiert. Dies sollte sich noch rächen.

Zerfall des römischen Reiches (395 n. Chr.)

Nur ein Jahr nach der Entscheidung am Frigidus verstarb Kaiser Theodosius I. in Mailand. Daraufhin zerfiel das Römische Reich in eine westliche und in eine östliche Hälfte. Bereits seit langem ging das Imperium an seiner eigenen Größe zu Grunde.

Es war bereits mehrfach zur Bildung weiterer Kaiserhöfe im Reich gekommen. Zeitweise hatten es die Römer zur besseren Verwaltung sogar mit einem 4-Kaiser-System versucht.

Doch nun übernahmen im östlichen Teil und im westlichen Teil zwei Konkurrenten die Kontrolle:

  • Flavius Honorius wurde der weströmische Kaiser. Er hatte bis zum Jahr 423 n. Christus dieses Amt inne.
  • Flavius Arcadius übernahm im östlichen Teil des Reiches die Herrschaft. Er war der erste oströmische Kaiser und regierte bis zu seinem Tod im Jahr 408 n. Christus.

Schon bald kam es zu Konflikten zwischen Honorius und Arcadius. Diese sollten auch erst kurz vor dem Tod von Arcadius enden. Doch Alarich und seine Vandalen wurden von Beginn an in die Streitigkeiten hineingezogen.

Völkerwanderung der kriegerischen Westgoten ab 395 n. Chr.

Alarich I, führte die Westgoten von Rumänien bis nach Italien.
Alarich I. und die Völkerwanderung der Westgoten (ODbL)

Schon bald sahen sich die Westgoten von Arcadius, dem oströmischen Herrscher, betrogen. Dieser betrachtete den Bündnisstatus als nichtig. Die versprochene finanzielle Kompensation für den Kampf gegen Eugenius wurde ebenfalls verweigert.

Doch Alarich musste die Versorgung seines Volkes gewährleisten. Deshalb entschied er sich, gegen das oströmische Reich zu ziehen. Die Westgoten starteten daraufhin ihre Völkerwanderung, die sie bis tief nach Italien tragen würde.

Alarich I. marschiert bis vor Konstantinopel (397 n. Chr.)

Den Westgoten gelang es, tief in das oströmische Territorium einzudringen. So gelangten sie sogar bis Konstantinopel, der Hauptstadt des Ostreiches.

Die Stadt war jüngst in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts unter Kaiser Konstantin I. als Regierungssitz etabliert worden.

Außerdem war die Stadt gut befestigt und bemannt. Alarich I. sah deshalb von einer Belagerung ab. Dafür wandte sich sein Blick in Richtung einer leichteren Beute.

Westgoten plündern Griechenland (397 bis 399 n. Chr.)

Alarich und die Westgoten marschierten weiter nach Griechenland. In einem zweijährigen Feldzug plünderten sie ganz Attika. Athen blieb verschont, weil es sich den anrückenden Germanen ergab.

Doch andere große Städte wie Argos, Korinth oder Sparta fielen unter dem Ansturm von Alarich. Es eilte eine weströmische Armee herbei, doch die Westgoten entkamen über den Golf von Korinth und fielen daraufhin in Epirus ein.

Das kurzzeitige Bündnis mit Ostrom (ab 400 n. Chr.)

Nachdem sich die Westgoten erfolgreich durch Griechenland gekämpft hatten, kam ihnen Ostrom mit einem politischen Deal entgegen. Man überließ Alarich und seinen Germanen die Präfektur Illyrien, eine Region im Bereich des heutigen Kroatiens.

Darüber hinaus erhielt Alarich den offiziellen Titel eines magister militum, eines römischen Heermeisters. Dies hatte den sehr großen Vorteil, dass die Westgoten die Infrastruktur des oströmischen Reiches für ihre militärische Ausstattung nutzen konnten.

Die Germanen erhielten bessere Waffen und Rüstungen. Schon bald wollte Arcadius die Westgoten gegen Honorius in Rom einsetzen. Doch nur ein Jahr später kam es bereits zum Bruch zwischen Alarich und Konstantinopel.

Kriegszug nach Italien (ab 401 n. Chr.)

Doch Alarich I. und seine Westgoten hatte ohnehin vor, gegen das reiche Italien zu ziehen. Bereits im Jahr 401 n. Christus kam es zum ersten großen Kriegszug.

Der Zeitpunkt war gut gewählt, da die Kräfte des weströmischen Reiches durch Kämpfe gegen Alemannen an der Nordgrenze gebunden waren.

Die Germanen hingegen waren erholt durch ihre Zeit Illyrien und noch dazu sehr gut ausgestattet. So gelang Alarich schon bei seinem ersten Kriegszug gegen Italien, einige Städte im Norden der Halbinsel zu plündern.

Die Westgoten verbreiteten Angst und Schrecken. Aber an Ostern des Jahres 402 n. Christus kam es zur Niederlage in der Schlacht bei Pollentia bei der Stadt Asti gegen den römischen General Flavius Stilicho.

Alarich hatte einen Belagerungsring um die Stadt gelegt. Dieser wurde von Stilicho attackiert und gebrochen. Danach mussten sich die Westgoten aus der Gegend zurückziehen.

Nach einer weiteren Niederlage in der Schlacht bei Verona verließ Alarich Italien im Frühjahr des Jahres 403 n. Christus. Angeblich waren die Verluste der Germanen so hoch, dass es sogar noch politische Zugeständnisse von den Westgoten gab.

Der Römer Stilicho ließ eine Re-Organisation der Truppen von Alarich I. jedoch zu. Vermutlich plante er bereits jetzt, die germanischen Verbände zu einem späteren Zeitpunkt gegen Ostrom einzusetzen.

Leben in Nord-Italien

Alarich und seine Westgoten hatten den Römern einen schweren Schrecken eingejagt. Es war zwar noch nicht gelungen, bis zur Hauptstadt vorzudringen, aber dennoch kam es zu zahlreichen, gravierenden Folgen für das Westreich:

  • Die Residenz des weströmischen Kaisers wurde von Mailand nach Ravenna verlegt.
  • Die 20. Legion wurde aus Britannien abgezogen.
  • Die Rheingrenze wurde zu Gunsten der Sicherung von Italien geschwächt.

Bereits im Jahr 405 n. Christus erwiesen sich diese Maßnahmen als unbedingt notwendig. Radagaisus, ein weiterer Anführer der Goten drang mit etwa 20.000 germanischen Kriegern sowie familiärem Anhang in Italien ein.

Dieser Zug der Goten konnte ebenfalls im Norden der Halbinsel eindringen. Es gelang Radagaisus sogar, bis Florenz in Mittel-Italien vorzustoßen und die Stadt zu belagern. Doch eine römische Armee vernichtete die Eindringlinge im letzten Moment.

Aber dem weströmischen Reich war kein Frieden mehr vergönnt. Nur ein Jahr später kam es zum Kollaps der Rheingrenze. Durch die besonders niedrigen Temperaturen zum Jahreswechsel waren die Fluten des mächtigen Flusses gefroren.

Große Verbände der Alemannen, Sueben und Vandalen nutzten ihre Chance und stürmten den römischen Limes. Im Anschluss zogen sie plündernd durch Gallien. Später stießen Teile der Eindringling noch weiter bis nach Spanien und sogar Nord-Afrika vor.

Neue Konflikte (ab 407 n. Christus)

Im Zuge der Wirrungen zu Beginn des Jahres 407 n. Christus steuerten auch die Spannungen zwischen Ost- und Westrom einem neuen Höhepunkt zu. Der weströmische General Stilicho, der Sieger der Schlachten bei Pollentia und Verona, verbündete sich nun mit Alarich.

Einerseits sollte die Provinz Illyrien wieder in das weströmische Reich integriert werden. Andererseits sollte der oströmische Einfluss in Griechenland geschwächt werden.

Deshalb fielen die Westgoten in Epirus ein, dem albanisch-griechischen Festland direkt gegenüber der italienischen Halbinsel. Die Aktion wurde jedoch abgebrochen, da sich der ost- und der weströmische Kaiser ausgesöhnt hatten.

Alarich war wieder einmal für die Spielchen der Römer instrumentalisiert worden und blieb erneut auf finanziellen Forderungen für militärische Dienste sitzen.

Die Westgoten machten großen Druck und zunächst genehmigte der römische Senat die Zahlungen von mehreren tausend Pfund Gold. Der Plan war, die germanischen Truppen von Alarich umgehend gegen einen weiteren Usurpator einzusetzen.

Doch Stilicho wurde nur drei Monate später wegen Hochverrat angeklagt und hingerichtet. Außerdem kam es zu blutigen Massakern an Angehörigen von anderen germanischen Bündnisgenossen in Italien. Die Verträge mit den Westgoten wurden von den Römern ebenfalls aufgekündigt.

Belagerungen von Rom (408 n. Chr.)

Nach dem Verrat der Römer schlossen sich weitere 30.000 Krieger dem Heerzug von Alarich an. Zusammen zogen sie gegen Rom. Die Stadt war kaum zu verteidigen und schon gar nicht im Belagerungszustand zu versorgen.

Deshalb entschieden sich die Römer, ein riesiges Lösegeld an Alarich und die Germanen zu zahlen. Doch auf weitere Forderungen ging der Kaiser nicht ein. Dieser weilte nämlich sicher in seiner Residenz in Ravenna.

Wenig später kam es deshalb erneut zu einer Belagerung von Rom. Dieses mal formulierte Alarich jedoch ein anderes Ziel. Er zwang den Senat, einen anderen Kaiser zu ernennen. Dieser neue Kaiser, Priscus Attalus, ließ die Westgoten erstmals in die Stadt und unterschrieb einen Bündnisvertrag.

Plünderung von Rom (410 n. Chr.)

Doch im Zuge des Konfliktes zwischen den beiden weströmischen Kaisern ging die getreidereiche Provinz Africa als Lieferant für die Hauptstadt Rom verloren. Da sich nun der neue Kaiser weigerte, im Sinne von Alarich zu reagieren, kam es zu einer dritten Belagerung von Rom.

Am 24. August 410 n. Christus drangen die Westgoten in die Stadt ein und plünderten drei Tage lang. Die christlichen Kirchen verschonten sie jedoch, was ihnen viel Anerkennung durch Zeitgenossen einbrachte.

Dennoch wurde die Plünderung von Rom zum Schock für die Zeitgenossen. Der Kirchenlehrer Augustinus sah sich motiviert, sein Werk über den „Gottes Staat“ zu verfassen, eine theologische Abhandlung, dass man nur in Isolation glücklich werden kann.

Tod des Westgotenkönigs (410 n. Chr.)

Der Nahrungsmangel wirkte sich auch weiterhin extrem negativ aus. Deshalb entschloss sich Alarich I. nun, in Richtung der Provinz Africa zu marschieren. Diese sollte als Getreidespeicher des Reiches reaktiviert werden. Auf dem Weg verstarb er jedoch in der Region des heutigen Kalabrien.