Florian Geyer

Florian Geyer – fränkischer Ritter

Im Deutschen Bauernkrieg machte der fränkische Reichsritter Florian Geyer von sich reden. Er ging in die Geschichte als großmütiger Edelmann ein, der in den stürmischen Jahren der Reformation für die Sache der Bauern im Heiligen Römischen Reich kämpfte.

Die Festung Marienberg oberhalb von Würzburg wurde von Florian Geyer und dem 'Schwarzen Haufen' belagert.
Florian Geyer scheiterte an der Festung Marienberg in Würzburg. (pixabay)

Florian Geyer verzichtete auf ein standesgemäßes und komfortables Leben. Dafür stellte er sich im Deutschen Bauernkrieg von 1524/25 an die Spitze einer Gruppe von Aufständischen. Damit zeichnete er einen starken Kontrast zum hohen Adel und der dekadenten Geistlichkeit seiner Zeit mit Päpsten wie Leo X.

Sein „Schwarzer Haufen“ zog plündernd durch den Süden von Deutschland. In Würzburg vereinigten sie sich schließlich im Mai 1525 mit anderen Gruppen. Ein gesammeltes Heer von wohl etwa 15.000 Bauern versuchte dort die Festung Marienberg einzunehmen. Diese stellte zugleich auch die letzte Bastion des Fürstbischofs Konrad II. von Thüngen in seinem Hochstift dar.

Nachdem Florian Geyer schon zahlreiche kleine Burgen eingenommen hatte, blieb die Belagerung des Marienbergs jedoch vergeblich. Sebastian von Rotenhan konnte mit nur etwa 250 Mann die Festung erfolgreich verteidigen. Dabei wehrten sie beispielsweise auch einen nächtlichen Großangriff ab.

Florian Geyer floh nach der gescheiterten Belagerung im Sommer 1525. Doch bereits wenige Tage später wurde er im Alter von nur 35 Jahren im Gramschatzer Wald ermordet.

Florian Geyer erfuhr posthum die zweifelhafte Ehre, als Symbolfigur instrumentalisiert zu werden. Kurz nach dem Ersten Weltkrieg entstand im völkischen Umfeld der Bündischen Jugend das Fahrten- und Kampflied: Wir sind des Geyers schwarzer Haufen

Wir sind des Geyers schwarzer Haufen, heia hoho,
und wollen mit Tyrannen raufen, heia hoho.

Sowohl im Dritten Reich wie auch in der DDR wurden Truppenverbände nach ihm benannt. Dazu zählte beispielsweise die 8. SS-Kavallerie-Division „Florian Geyer“. Diese wurde ausgerechnet zur Bekämpfung von Partisanen eingesetzt und verübte zahlreiche Kriegsverbrechen.

Doch heutzutage wird der Reichsritter aus Unterfranken mit den Florian Geyer-Festspielen geehrt. Alljährlich werden in Giebelstadt bei Würzburg wechselnde Theaterstücke aufgeführt, die Szenen aus seinem Leben nachzeichnen.

Florian Geyer – junger Edelmann aus Unterfranken

Spross der „Geyer von Giebelstadt“

Im Jahr 1490 wurde Florian Geyer als jüngster Sohn des Adelsgeschlechts der „Geyer von Giebelstadt“ im Landkreis Würzburg geboren. Er war ein junger Graf mit zwei älteren Brüdern. Diese verstarben jedoch früh und auch der Vater wurde nicht alt.

Florian Geyer erbte deshalb schon in jungen Jahren ein erhebliches Vermögen sowie die Ländereien der Familie. In diesen Zeiten des aufkommenden Buchdrucks, der Reformation und der Söldnerheere widmete sich der Reichsritter dann bereits früh einer militärischen Karriere.

Hauptmann und Diplomat

Ab 1519 war Florian Geyer als Hauptmann und Berater im Dienste des Herren von Ansbach aktiv. In diesem Jahr war er auch schon als Landsknechtsführer an einer Strafexpedition gegen den Herzog von Württemberg beteiligt.

Dabei kämpfte er auch gegen den legendären Götz von Berlichingen. Einige Jahre später würden sich die beiden Ritter noch einmal begegnen und dann Seite an Seite stehen.

Noch im selben Jahr wechselte Florian Geyer als Offizier in den Dienst des Hochmeisters von Ansbach. Dort wandelte sich seine Rolle vom Hauptmann hinzu einem Verbindungsoffizier in diplomatischer Mission.

Der fränkische Ritter bereiste dabei nicht einfach nur die Höfe Europas. Schon 1520 führte er auch erfolgreiche Verhandlungen über einen Waffenstillstand mit dem König von Polen.

Anführer im Deutschen Bauernkrieg 1524/25

Die religiösen und ständischen Spannungen nahmen in diesen Jahren immer weiter zu. Martin Luther hatte mit seinen Thesen und der Bibelübersetzung nicht nur die Reformation ausgelöst.

Luther hatte ohne Absicht auch die einfache Bevölkerung in Aufruhr versetzt. 1524 brach der Aufstand des Gemeinen Mannes los. Der Deutsche Bauernkrieg hatte begonnen.

Florian Geyer identifizierte sich wie manch anderer Graf aus dem niederen Adel mit der Sache der Bauern. Er wurde zunächst eine Art militärischer Berater sowie Verhandlungsführer des „Schwarzen Haufens“.

Ein „Haufen“ war die damalige Bezeichnung einer Gruppe von aufständischen Bauern. Ein solcher bestand aus einigen hundert oder sogar vielen tausend Mann.

Die Bauern konnten zwar bereits in der Frühphase des Aufstandes viele Waffen erbeuten. Sie waren jedoch miserabel organisiert und benötigten dringend erfahrene Anführer.

Florian Geyer hatte diese Qualitäten und erarbeitete Leitlinien für die Bauernarmee. In diesem Zug nahm er dann auch eine immer aktivere Rolle ein.

Niederlagen bei Würzburg, Königshofen und Giebelstadt

Als Unterhändler gelang es Florian Geyer noch dazu, einige Städte von der bäuerlichen Sache zu überzeugen. Fast der gesamte fränkische Hochstift Würzburg war Ende April 1525 in den Händen der Bauern.

Es waren nur noch etwa 250 Mann an fürstbischöflichen Truppen auf der Festung Marienberg übrig. Diese verteidigten den Berg als letzte Stellung gegen die etwa 15.000 aufständischen Bauern.

Sogar die Stadt Würzburg schloss sich mit ihren Truppen und Waffen dem Aufstand an. Mit Tilman Riemenschneider hatte die Stadt zu diesem Zeitpunkt einen bis heute bekannten Künstler als Ratsherrn. Dieser sollte für seine Beteiligung später noch inhaftiert und wochenlang gefoltert werden.

Auch Götz von Berlichingen, inzwischen ebenfalls ein Hauptmann der Bauern, war mit seinem Haufen vor Ort. Die Belagerung der Festung auf Berg über der Stadt endete jedoch in einem Desaster. Ein nächtlicher Sturm führte nur zu einem blutigen Chaos und herbei geschafftes Belagerungsgerät konnte nicht erfolgreich eingesetzt werden.

Ende Mai zogen die Bauern ab und wurden von einem fürstlichen Entsatzheer erst bei Königshofen und dann bei Giebelstadt geschlagen. Jeweils richtete vor allem die schwere Kavallerie die entscheidenden Verluste unter den leicht bewaffneten Bauern an.

Es waren die Truppen des Truchseß Georg von Waldburg-Zeil, auch Bauernjörg genannt. Nur wenige Tage zuvor hatte diese Söldnerarmee bereits die Männer unter dem Befehl von Thomas Müntzer bei Frankenhausen in Thüringen ebenfalls vernichtend geschlagen.

Gewaltsamer Tod im Gramschatzer Wald

Florian Geyer sollte die Niederlagen der Bauern nur um wenige Tage überleben. Schon am 10. Juni 1525 wurde der fränkische Ritter im Gramschatzer Wald überfallen und getötet.

Die Täter sollen Knechte des Wilhelm von Grumbach gewesen sein. Es hat jedoch nie Belege für die gängige Version gegeben.

Rezeption durch die Nachwelt

Florian Geyer – Drama von Gerhart Hauptmann

Der Nobelpreisträger für Literatur Gerhart Hauptmann verfasste um 1895 das historische Revolutionsdrama Florian Geyer. Auf über 1.000 Seiten verfasste der Autor ein Stück mit Vorspiel und fünf Akten.

In dem Werk werden zahlreiche Spannungen zwischen Bauern und deutschen Adligen thematisiert. Dabei inszenierte Gerhart Hauptmann im Drama über Florian Geyer eine Vielfalt an Figuren, um die Komplexität der Ereignisse zu beleuchten.

Der Autor griff mit dem Drama über Florian Geyer die freiheitlichen Tendenzen des 19. Jahrhunderts auf. Er wollte mit seinem Werk einen Beitrag zu Liberalisierung leisten.

Vorbild für die Bündische Jugend

Die „Bündische Jugend“ war eine Art Pfadfinder-Organisation mit völkischer Orientierung. Die ursprünglichen Anführer waren im Ersten Weltkrieg entweder gefallen, schwer verletzt oder zumindest desillusioniert worden.

Die Bündische Jugend entwickelte deshalb nach 1918 ein neues Männer-Bild. Als „Ritter“ sollten sie sich mit Selbstdisziplin den Zielen der „Volksgemeinschaft“ unterwerfen.

Auch den jugendlichen Charakter von Pfadfindern legten sie zu Gunsten eines „Lebensbundes“ ab. Florian Geyer bot sich für diese Organisation in mehrfacher Hinsicht als Vorbild an.

Zunächst hatte Florian Geyer als Ritter auf den Luxus verzichtet und sich dafür in den Dienst der einfachen Bevölkerung gestellt. Außerdem hatte er selbst schwere Niederlagen im Krieg erlebt und eignete sich damit als Bezugsfigur für die Kriegsgeneration.

8. SS-Kavallerie-Division „Florian Geyer“

Für das Dritte Reich war die Figur des Florian Geyer ebenfalls sehr dienlich. Schließlich wurde sogar die 8. SS-Kavallerie-Division am 17. März 1944 nach ihm benannt.

Die Einheit war bereits im November 1939 als Reiter-Standarte unter Hermann Fegelein aufgestellt worden. In der Stärke eines Regiments wurde sie im Polenfeldzug eingesetzt.

Beim Überfall auf die Sowjetunion wurde die Einheit zunächst der Heeresgruppe Mitte unterstellt. Dort wurden sie für das gezielte Töten vor allem von Juden und Kommunisten eingesetzt. Darüber hinaus jagten sie versprengte Rotarmisten auf dem Rückzug.

Diese Aufgabe wurde als „Säuberung“ oder „Sicherung“ des Hinterlandes bezeichnet. In der Praxis bedeutete dies vor allem Terror gegen die örtliche Zivilbevölkerung. Beispielsweise hat eine Brigade alleine vom 1. bis zum 12. August 1941 in den Prypjatsümpfen etwa 14.000 Juden ermordet.

Trotz dieser Kriegsverbrechen galt der Verband in militärischer Hinsicht als eher unzuverlässig. Im Sommer 1942 wurde die Einheit um ein drittes Reiter-Regiment aus rumänischen Volksdeutschen erweitert. Zum 9. September diesen Jahres wurde der Verband dann als 8. SS-Kavallerie-Division aufgestellt.

Im März 1944 war die Division an der Besetzung von Ungarn beteiligt. Dafür erhielt die Einheit den Ehrennamen „Florian Geyer“. Doch noch im selben Jahr wurden große Teile der Division auf dem Rückzug in Budapest eingekesselt.

Bis zum Fall von Budapest am 12. Februar 1945 wurde 8. SS-Division „Florian Geyer“ weitgehend vernichtet. Verbliebene Reste der Einheit außerhalb des Kessels wurde der 37. SS-Freiwilligen-Kavallerie-Division unterstellt. Am 5. Mai 1945 ergaben sie sich dann amerikanischen Truppen in Österreich.

Florian Geyer-Festspiele in Giebelstadt

In den Ruinen der Stammburg der Geyer von Giebelstadt werden jährlich auf einer Freilichtbühne die Florian Geyer-Festspiele gefeiert. In dieser prächtigen Kulisse wird der Rebell gegen die Feudalherrschaft in einem bunten Spektakel zelebriert.

Die Florian Geyer-Festspiele sollen dabei ein Bild von den dramatischen Ereignissen im Bauernkrieg zeichnen. Mit zahlreichen Darstellern und Pyro-Effekten bieten die Spiele eine spannende Unterhaltung.