Cornelius Vanderbilt – „Eisenbahnkönig“

Cornelius Vanderbilt wurde am 27. Mai 1794 auf Staten Island geboren. Er kaufte sich mit 16 Jahren ein kleines Boot, wurde später ein Reeder und dann der „Eisenbahnkönig“.

Cornelius Vanderbilt 1877
Cornelius Vanderbilt vor 1877 (gemeinfrei)

Im „Gilded Age“, dem Goldenen Zeitalter nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg, brachte es Cornelius Vanderbilt nach John D. Rockefeller zum zweitreichsten Unternehmer dieser wirtschaftlichen Blütezeit.

„Das Vergnügen Geld zu verdienen, ist mit dem Vergnügen Geld zu besitzen nicht zu vergleichen.“

Dabei ging „Commodore Vanderbilt“ wie auch die anderen Tycoone seiner Zeit mit rabiaten Methoden vor. Er drängte die Konkurrenz mit ruinösen Preiskämpfen aus dem Geschäft oder strebte über die Börse feindliche Übernahmen an.

Im Gegensatz zu Rockefeller oder Andrew Carnegie war Cornelius Vanderbilt in seinem Leben nach der Karriere jedoch weniger als Philanthrop tätig. Er vererbte sein Vermögen fast vollständig an einen Sohn. Selbst seine anderen Kinder gingen fast leer aus.

Häufige Fragen zu Cornelius Vanderbilt (FAQs)

  • Wie reich war Cornelius Vanderbilt? Hochgerechnet auf die Kaufkraft von 2007 hatte der Tycoon ein Vermögen von 143 Milliarden Dollar.
  • Wer erbte das Vermögen von Cornelius Vanderbilt? Der Eisenbahnkönig vererbte etwa 95 % seines Vermögens an seinen Sohn William Henry Vanderbilt. Ein weiterer Sohn und neun Töchter durften sich den Rest teilen.

Cornelius Vanderbilt und die Schifffahrt

Die Vorfahren von Cornelius Vanderbilt stammten aus „De Bilt“ bei Utrecht in den Niederlanden. Sie waren bereits 1650 in die Vereinigten Staaten ausgewandert.

Er selbst war das vierte Kind eines armen Bauers, der nebenbei als Fährmann in und um den Hafen von New York arbeitete. So lernte Cornelius Vanderbilt bereits als Kind das Handwerk eines Binnenschiffers.

Eigener Fährdienst mit 16 Jahren

Mit 16 Jahren kaufte Cornelius Vanderbilt sein erstes Boot und bekam dabei einen Zuschuss von den Eltern. Damit konnte er einen Fährdienst zwischen Staten Island und New York anbieten und eigenständig werden.

Während des Britisch-Amerikanischen Krieges von 1812 half er dann bei der Versorgung von Forts der United States Army. Cornelius Vanderbilt transportierte vor allem Lebensmitteln zu den Soldaten.

Dampfschiffkapitän mit 26 Jahren

Mit 20 Jahren heiratete Cornelius Vanderbilt seine Cousine Sophia Johnson. Zusammen mit seinem Schwager investierte er schließlich in einen Schoner.

Mit der „Charlotte“ baute er für weitere vier Jahre seine Einkünfte aus. 1818 lernte Cornelius Vanderbilt mit Thomas Gibbons einen bedeutenden und vor allem auch sehr wohlhabenden Politiker kennen.

Thomas Gibbons war neben anderen Branchen ebenfalls in der Schifffahrt tätig. Er machte den jungen Cornelius Vanderbilt mit nur 26 Jahren zum Kapitän eines Dampfers im Linienverkehr von New Brunswick über New York bis nach Philadelphia und zurück.

Cornelius Vanderbilt erhielt dafür ein Jahresgehalt von 1.000 Dollar und zeigte große Talente als Organisator. Außerdem war er ein begabter Konstrukteur und entwickelte sich so zu einem sehr wichtigen Angestellten von Thomas Gibbons.

Gründung einer Dampfschiffgesellschaft

Cornelius Vanderbilt
Cornelius Vanderbilt um 1850 (gemeinfrei)

Nach zwölf Jahren im Dienst seines Förderers strebte Cornelius Vanderbilt erneut die Selbständigkeit an. Thomas Gibbons versuchte ihn mit einem Jahresgehalt von 5.000 Dollar in seinen Diensten zu halten.

Aber Cornelius Vanderbilt schlug das Angebot aus und gründete 1829 eine Dampfschiffgesellschaft. Innerhalb von zwei Jahrzehnten baute der schließlich als „Commodore Vanderbilt“ bekannte Reeder eine Flotte von mehr als hundert Schiffen auf.

Wie beispielsweise auch John D. Rockefeller setzte Cornelius Vanderbilt bei seiner unternehmerischen Expansion auf gezielte Preiskämpfe. Er unterbot die Konkurrenten wie beispielsweise die Collins Line, drängte sie aus dem Geschäft und konnte die Preise dann anschließend auf dem jeweiligen Geschäftsfeld wieder erhöhen.

Soweit möglich sicherte er sich auch gleich Transitrechte wie beispielsweise für eine Passage zwischen der Karibik und dem Pazifik durch Nicaragua.

Diese Route von San Juan del Norte bis nach San Juan del Sur war sogar einige Tage kürzer als durch Panama und natürlich einige Monate kürzer als um das Kap Hoorn. Einen kleinen Landweg auf der Strecke wurde mit Kutschen seiner Accessory Transit Company bedient.

Vom „Räuberbaron“ zum „Eisenbahnkönig“

Kooperation mit Söldnern in Nicaragua

Bei seinem Aufstieg als Reeder hatte Cornelius Vanderbilt aber nicht nur geschäftlich mit harten Bandagen gekämpft. Zur Absicherung seiner Route durch Nicaragua unterstützte er den Söldnerführer William Walker.

Willam Walker
Foto von William Walker zwischen 1855 und 1860 (Mathew B. Brady / gemeinfrei)

Der übernahm 1855 die Kontrolle über Nicaragua und entzog Cornelius Vanderbilt nach dem erfolgreichen Putsch die Konzessionen. Die Accessory Transit Company verlor ihre Geschäftsgrundlage.

Doch Commodore Vanderbilt ließ sich nicht so einfach abschütteln. Er wandte sich an die amerikanische Regierung. Die zog daraufhin ihre bereits erfolgte Anerkennung des Regimes von William Walker zurück.

Dann baute Cornelius Vanderbilt einen Kontakt zur Regierung von Costa Rica auf, die den Söldnern in Nicaragua den Krieg erklärt hatte. Es kam dann tatsächlich zu einem Raid, der die Nachschublinie von William Walker kappte.

Der Söldnerführer musste schließlich in Begleitung eines US-Offiziers das Land verlassen. William Walker wurde letztlich an Honduras ausgeliefert und dort im Jahr 1860 hingerichtet.

Doch Cornelius Vanderbilt sollte die Transitrechte dennoch nie wieder erlangen. Er wurde am Ende von den Geschäftsleuten Charles Morgan und Cornelius Kingsland Garrison selbst ausgebootet und schrieb daraufhin einen legendären Brief:

„Meine Herren! Sie haben es gewagt, mich zu betrügen. Ich werde Sie nicht verklagen, denn die Justiz ist zu langsam. Ich werde Sie ruinieren. Hochachtungsvoll, Cornelius Vanderbilt“

Die „USS Vanderbilt“ im Bürgerkrieg

Vanderbilt Flaggschiff
Die „Vanderbilt“ im Jahr 1855 (gemeinfrei)

Mit dem Beginn des Amerikanischen Bürgerkrieges zeigte sich die patriotische Seite von Cornelius Vanderbilt. Als Personifikation eines modernen Kapitalisten war er ein natürlicher Gegner der Konföderation und bot der US-Navy sein Flaggschiff an.

Die „Vanderbilt“ wurde am 24. März 1862 in den militärischen Dienst übernommen und mit 15 Kanonen ausgestattet. Aufgrund der ersten Erfolge der Marine der Südstaaten wandten sich Abraham Lincoln und sein Kriegsminister sogar direkt an Cornelius Vanderbilt.

Der Reeder schenkte die USS Vanderbilt schließlich sogar Marine der Nordstaaten. Sie wurden mit einem Rammsporn ausgestattet und zu einem Kreuzer hochgerüstet. Dafür erhielt Cornelius Vanderbilt mit der Congressional Gold Medal eine der beiden höchsten Auszeichnung für Zivilisten in den Vereinigten Staaten.

Die USS Vanderbilt wurde dann von Commodore Charles Wilkes als Flaggschiff verwendet. Der setzte den Kreuzer für Suchmissionen und für die Abwehr von Blockadebrechern vor der Ostküste ein.

Einstieg bei Eisenbahngesellschaften

Cornelius Vanderbilt interessierte sich bereits seit den 1850er Jahren für die Eisenbahn. Konkret warf er eine Auge auf die Central Railroad of New Jersey, die Hartford and New Haven Railroad und die New York and Harlem Railroad.

Vanderbilt gegen Fisk
Karikatur des Duells zwischen „Commodore Vanderbilt“ und James Fisk (gemeinfrei)

Während des Amerikanischen Bürgerkrieges wurde die entscheidende Bedeutung von Bahnstrecken deutlich unterstrichen. Auch der spätere Stahl-Tycoon Andrew Carnegie war zu dieser Zeit bereits für eine Eisenbahngesellschaft tätig und sammelte dabei wertvolle Erfahrungen sowie vor allem auch Kontakte für seinen Aufstieg zum Wirtschaftsboss.

1863 erlangte Vanderbilt über die Börse eine Aktienmehrheit an der New York and Harlem Railroad und ließ sich zum Präsidenten der Gesellschaft wählen. Die galt damals als unrentabel, doch sie bot einen unschlagbaren Vorteil.

Die New York and Harlem Railroad dürfte als einzige dampfbetriebene Linie nach Manhattan fahren und dort entlang der heutigen Park Avenue. Der Sohn von Cornelius Vanderbilt wurde dann noch der Chef der Staten Island Railroad.

Vater und Sohn brachten die beiden Gesellschaften zusammen und boten ihren Fahrgästen durch die Vernetzung große Vorteile. Bis 1869 übernahm Cornelius Vanderbilt dann noch drei weitere große Eisenbahnen:

  • Hudson River Railroad
  • New York Central Railroad
  • Lake Shore and Michigan Southern Railway

Bereits ab 1870 gelang die Integration der Eisenbahngesellschaften unter einem Dach. Damit schuf Cornelius Vanderbilt einen der ersten Großkonzerne der amerikanische Geschichte.

Vanderbilt und der „Erie War“

Doch Cornelius Vanderbilt traf natürlich auch auf Widerstand. Berühmt wurde der Konflikt mit der Erie Railway beziehungsweise deren Protagonisten Jason Gould und James Fisk.

Bereits 1866 hatte Cornelius Vanderbilt erstmals mit einem „Cornering“ versucht, die Mehrheit an der Erie Railway zu übernehmen. Dabei will man ausreichend Anteile erwerben, um dann genügend Druck ausüben zu können.

Seine Kontrahenten wehrten sich mit „Watering“ gegen die feindliche Übernahme. Bei einer solchen Verwässerung von Aktien bläht man den vermeintlichen Wert eines Unternehmens auf, um die Preise in die Höhe zu treiben.

Die erste Schlacht des „Erie War“ entwickelte sich für Cornelius Vanderbilt zur Schlappe. Die gescheiterte Übernahme kostete ihn sieben Millionen Dollar.

Doch Jason Gould und James Fisk hatten sich dabei angreifbar gemacht und Gesetze gebrochen. Cornelius Vanderbilt konnte deshalb über den Rechtsweg seinen Schaden begrenzen.

Gould und Fisk wurden aber auch so nicht mehr glücklich: James Fisk wurde 1872 von einem weiteren Geschäftspartner im Streit um die Liebe eines Showgirls erschossen. Jason Gould und die Erie Railway trudelten 1878 in den Bankrott.

Zweite Ehe und Philanthropie

Den Niedergang seines Erzfeindes Jason Gould sollte Cornelius Vanderbilt jedoch nicht mehr erleben. Die letzten Jahre vor seinem Tod am 04. Januar 1877 verbrachte er in Kanada.

Auf das Bestreben seiner inzwischen zweiten Frau, ebenfalls eine Cousine, war er wie andere Tycoone seiner Zeit als Philanthrop tätig. Er spendete eine Million Dollar an einen Bischof, mit dem er verwandt war.

Darüber hinaus spendete der Eisbahnkönig an eine Reihe weiterer Kirchen im Raum New York. Außerdem gründete er die Vanderbilt University in Tennessee. Andere Tycoone seiner Zeit war jedoch sehr viel aktiver. Besonders ragte Andrew Carnegie heraus, der etwa 350 Millionen Dollar für wohltätige Zwecke ausgab.

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