Horatio Nelson

Horatio Nelson – Britischer Admiral

Horatio Nelson wurde am 29. September 1758 in England geboren. Er machte Karriere in der Royal Navy und führte mehrere wichtige Gefechte in den Kriegen gegen Napoleon Bonaparte.

Foto der Statue von Horatio Nelson am Trafalgar Square in London
Statue von Horatio Nelson am Trafalgar Square in London (pixabay)

Vor allem gelang es ihm, eine drohende Invasion der britischen Hauptinsel durch den Sieg in der Schlacht von Trafalgar abzuwehren. Er selbst wurde während der Kämpfe tödlich verwundet. Aber für seine Taten ist er bis heute ein britischer Nationalheld.

„England erwartet, dass jedermann seine Pflicht tun wird.“

Horatio Nelson segelte mit seinem Flagschiff, der HMS Victory, an der Spitze einer englischen Formation direkt in die Breitseiten eines zahlenmäßig überlegenen Feindes. Neben dem Admiral starben bei diesem Gefecht weitere 448 britische Seeleute und -soldaten.

Die französisch-spanische Armada hingegen hatte etwa das zehnfache an Toten zu beklagen und wurde weitgehend aufgerieben. Darüber hinaus hatte dieser See-Sieg zwei bedeutsame Folgen. Eine bestehende Blockade des französischen Festlandes durch die Royal Navy konnte aufrecht erhalten werden.

In diesem maritimen Machtvakuum wiederum konnte sich die englische Marine in den folgenden Jahren und Jahrzehnten fast ungehindert entfalten. Der Sieg in der Schlacht von Trafalgar durch Admiral Nelson wurde deshalb auch zur bedeutsamen Wegmarke für das aufstrebende britische Empire.

Erste Dienstjahre

Horatio Nelson war der Sohn eines Predigers, aber mütterlicherseits mit der englischen Oberschicht und einflussreichen Leuten verwandt. Deshalb genoss er als Junge eine schulische Ausbildung. Mit zwölf Jahren heuerte er als Fähnrich zur See bei der Royal Navy an.

Der junge Nelson hatte den Vorteil, einen sehr einflussreichen Onkel in der Marine zu haben, der seine frühe Karriere stark förderte. Im Jahr 1777 erhielt er dann schließlich sein Patent als Offizier.

Als Leutnant wurde Horatio Nelson zunächst auf verschiedenen Schiffen in der Karibik eingesetzt. Bereits nach einem Jahr dürfte er selbst zunächst einen Schoner und dann eine Brigg kommandieren.

Im Jahr 1779 wurde er zum Kapitän befördert und erhielt den Befehl über seine erste Fregatte. In den folgenden Jahren kamen noch diverse weitere Kommandos über andere Fregatten hinzu, die ihn von der Südsee bis zur Ostsee trugen.

Doch im Jahr 1787 heiratete Horatio Nelson seine Ehefrau. Der Marineoffizier nahm seinen Abschied aus dem aktiven Dienst und lebte für fünf Jahre auf Halbsold an Land.

Flagoffizier der Royal Navy

HMS Agamemnon

Ab 1789 tobte die Französische Revolution. Nachdem sich diese Verschiebung der politischen Macht in Frankreich immer weiter in Europa ausbreitete, bildete sich eine Kriegskoalition von anderen europäischen Monarchien, darunter auch die englische Krone.

Horatio Nelson meldete sich daraufhin zurück zum aktiven Dienst und erhielt das Kommando über die nagelneue HMS Agamemnon mit etwa 500 Mann Besatzung. Es war ein Linienschiff mit 64 Kanonen des dritten Ranges:

  • 26x 18-Pfünder auf dem oberen Batteriedeck
  • 26x 24-Pfünder auf dem unteren Batteriedeck
  • 10x 4-Pfünder am Quarterdeck
  • 2x 9-Pfünder am Bugkastell

Am 1. Februar 1793 kam es zur Kriegserklärung von Frankreich gegen Großbritannien. Horatio Nelson segelte daraufhin mit seinem Linienschiff in das Mittelmeer und beteiligte sich an der Blockade französischer Häfen.

In den Wirren des Konfliktes kam es zu ersten Gefechten mit den Franzosen. Bei einem Angriff auf Korsika wurde Nelson erstmals schwer verwundet. Kleine Splitter von dem Einschlag einer Kanonenkugel trafen sein rechtes Auge, dessen Sehkraft daraufhin stark eingeschränkt war.

Aufgrund seiner überragenden taktischen Fähigkeiten wurde Horatio Nelson während seiner Zeit im Mittelmeer zum Commodore befördert. Daraufhin wurde ihm ein weiteres Linienschiff unterstellt.

Schlacht am Kap St. Vincent

In der Seeschlacht am Kap St. Vincent, am süd-westlichsten Punkt Portugals, konnten die Engländer den spanisch-französischen Feinden schließlich eine schwere und entscheidende Niederlage zufügen.

Horatio Nelson glänzte während des Gefechtes mit einer Befehlsverweigerung. Daraufhin wurde für sein mitdenkendes Handeln vom englischen König zum Knight of Bath erhoben.

Landung auf Teneriffa

Im Jahr 1797 wurde Horatio Nelson in den neunthöchsten Rang der Royal Navy befördert. Als Rear Admiral of the Blue erhielt er im Sommer diesen Jahres den Auftrag, die Stadt Santa Cruz auf Teneriffa mit einem Landungsmanöver einzunehmen.

Der Versuch scheiterte und Admiral Nelson wurde von einer Kugel im rechten Arm getroffen. Dieser musste bis zur Schulter amputiert werden. Insgesamt fielen etwa 150 Briten bei dem Angriff auf Santa Cruz.

Seeschlacht bei Abukir

Das Jahr 1798 hielt einen überragenden Sieg für Admiral Nelson bereit. In einer zentralen Schlacht der Koalitionskriege konnte er mit seiner Flotte die französische Mittelmeerflotte nordöstlich von Alexandria stellen.

Die Kräfte waren in etwa ausgeglichen. Doch es gelang Nelson, die französische Flotte gegen 18 Uhr am 1. August 1798 im nachlassenden Tageslicht zu überraschen.

„Indem ich die Vorhut und das Zentrum des Gegners angriff, und weil der Wind genau in Richtung seiner Linie wehte, konnte ich jede beliebige Stärke gegenüber wenigen Schiffe zur Geltung bringen.“

Die Franzosen liefen mit 13 Linienschiffen und 4 Fregatten in einer Linie sehr langsam gegen den Wind. Die Briten hingegen liefen sehr gut vor dem Wind und attackierten im Rudel die gegnerische Linie aus deren Sicht von rechts vorne. In Europa war eine solche Attacke zu diesen Zeiten völlig unüblich in der Seekriegsführung.

Das französische Führungsschiff wurde beispielsweise direkt nacheinander von fünf britischen Schiffen attackiert und war binnen kürzester Zeit kampfunfähig. Darüber hinaus gelang es der englischen Vorhut, nachdem sie an den ersten feindlichen Schiffen vorbei gelaufen waren, in einem schneidenden Wendemanöver, die französische Linie zu durchbrechen.

Die französische Formation war nun an den Brennpunkten der Schlacht völlig aufgesprengt worden. Die einzelnen Schiffe wurden dann endgültig zum leichten Opfer. Bei dieser Schlacht ließen 208 Briten ihr Leben.

Die Franzosen hingegen verloren nicht nur ihre Mittelmeerflotte, sondern hatten auch mehr als 5.000 Tote zu beklagen. Für seine Leistungen in diesem Gefecht wurde Horatio Nelson zum Baron erhoben.

Im Jahr 1799 erhielt Lord Nelson dann auch ein neues Flagschiff. Darüber hinaus erfolgte die Beförderung zum Rear Admiral of the Red, dem siebthöchsten Rang der britischen Royal Navy.

Schlacht von Kopenhagen

Zum 1. Januar 1801 wurde Lord Nelson zum Vice Admiral of the Blue befördert und nahm damit den sechsthöchsten Rang in der britischen Marine ein. Im April diesen Jahres beteiligte er sich unter dem Befehl eines anderen Admirals am Kampf gegen die Dänen.

In einem verfahrenen Moment wollte sich der befehlende Admiral zurückziehen. Doch Nelson sah dieses Manöver vor den Batterien der dänischen Hauptstadt als großen Fehler an.

Er ignorierte auch in diesem Gefecht die Befehle eines Vorgesetzten und behielt Recht. Dank seines Durchhaltewillens konnte die Schlacht von Kopenhagen noch gewendet werden. Die dänische Flotte wurde vernichtet.

Auch das übergeordnete Flottenkommando gab ihm Recht. Der kommandierende Admiral wurde abgesetzt und Horatio Nelson erhielt den Oberbefehl über die Ostsee.

Wenige Monate später wurde er für seine Leistungen zum Earl erhoben. Außerdem wurde ihm der Oberbefehl über den Ärmelkanal übertragen.

HMS Victory

Im Jahr 1803 erhielt Lord Horatio Nelson wieder ein neues Flagschiff. Dieses würde ihn später auch in die Schlacht von Trafalgar tragen. Aus traditionellen Gründen wird die HMS Victory bis heute als Museumsschiff erhalten und ist damit das älteste noch in Dienst stehende Kriegsschiff der Welt.

Die HMS Victory wurde 1759 Kiel gelegt. Der Name soll an die Erfolge der Briten im Siebenjährigen Krieg erinnern. Das Schiff gehört zu einer 12er Serie von Linienschiffen des ersten Ranges. Das bedeutet, dass mehr als 100 Kanonen auf dem Schiff untergebracht waren:

  • 44x 12-Pfünder
  • 30x 32-Pfünder
  • 28x 24-Pfünder
  • 2x 68-Pfünder

Insgesamt verfügte das fast 70 Meter lange Schiff über 850 Mann Besatzung und hat eine Verdrängung von 3.500 Tonnen. Unter Segeln konnte eine Geschwindigkeit von 9 Knoten erreicht werden.

Seeschlacht von Trafalgar

Horatio Nelson war in der Zwischenzeit auch wieder befördert worden. Inzwischen war er ein Vice Admiral of the White und hatte damit den fünfthöchsten Rang der Marine erreicht. In dieser Funktion brach er 1803 auf, um das von Napoleon kontrollierte Festland zu blockieren.

Nach zwei Jahren der Seeblockade hatten es die Franzosen geschafft, eine Armada mit Schiffen und Expeditionstruppen aufzustellen. Nicht nur die Blockade stand auf dem Spiel. Auch die britische Hauptinsel war nun unmittelbar durch Napoleon bedroht.

Die strategische Gesamtsituation drohte für die Royal Navy zu entgleiten. Doch Horatio Nelson konnte den überlegenen Verband schließlich unweit der Straße von Gibraltar am Kap von Trafalgar stellen.

Der französische Admiral machte jedoch gleich morgens schon seinen ersten Fehler. Aus Vorsicht ließ er seine unerfahrene Flotte nach Norden drehen. Damit wollte er sich einen Rückzugsweg offen halten.

Das Manöver dauerte jedoch sehr lange und es entstanden großen Lücken in dem Verband von 33 Schiffen. Horatio Nelson notierte die Ereignisse noch in einem letzten Tagebucheintrag:

„Montag, 21. Oktober 1805. Sichtete bei Tagesanbruch die Vereinigte Flotte des Feindes in Ost bis Ostsüdost; hielt darauf zu; setzte das Signal, Schlachtordnung einzunehmen und zum Gefecht klarzumachen; der Feind lief in südlicher Richtung: um sieben halsten die feindlichen Schiffe nacheinander. Möge der große Gott, den ich verehre, meinem Lande zum Wohle ganz Europas einen großen und glorreichen Sieg verleihen.“

Admiral Nelson ließ seine Flotte mit 27 britischen Schiffen in einer doppelten Linie im 90 Grad Winkel direkt auf das Zentrum der lockeren Formation des Feindes zu laufen. Das war ein Manöver, dass man noch aus der antiken Seekriegsführung kannte und als doppelte Dwarslinie bezeichnet wurde.

Diesen Angriff hatte er noch am Vortag mit seinen Offizieren besprochen. Das Manöver hatte zwar das Potential, die feindliche Linie zu sprengen. Doch vor allem die Führungsschiffe der doppelten Dwarslinie waren für etwa eine halbe Stunde den Breitseiten der Franzosen ausgesetzt.

Erst nachdem die britischen Linienschiffe die feindliche Formation zerschnitten hatten, konnten sie wiederum mit voller Effektivität auf die gegnerische Flotte einwirken. Die HMS Victory hatte als Führungsschiff der nördlichen Linie mit den größten Beschuss zu ertragen.

Doch die britischen Schiffe hielten stand und außerdem sollte sich der überlegene Drill in der Royal Navy auszahlen. Die Feuerrate der Engländer war fast doppelt so hoch wie bei den Franzosen. Nachdem die Ordnung der Feinde zerstoben war, folgten Enterangriffe.

Die britische Flotte konnte 17 feindliche Schiffe erbeuten und tausende Gefangene machen, darunter auch den feindlichen Admiral. Nur ein kläglicher Rest der französischen Armada konnte über den offen gelassenen Fluchtweg entkommen.

Doch Admiral Horatio Nelson war während der Schlacht von einem feindlichen Scharfschützen erwischt worden. Er hatte einen Lungenschuss erhalten und war noch während der Schlacht unter Deck gebracht worden.

Man hielt ihn über die weiteren Ereignisse auf dem Laufenden, doch gegen 16:30 Uhr erlag er seiner Verwundung. Man brachte seinen Leichnam nach London und setzte ihn in einem Staatsbegräbnis in St. Paul´s Cathedral bei.