Deutsche Könige

Deutsche Könige und Kaiser (843 – 1918)

Das heutige Deutschland formte sich erstmals aus einem Bruchstück des Frankenreiches. Um 800 n. Christus bedeckte dieses Gebilde weite Teile von Mittel-Europa. Doch das fränkische Erbrecht zerteilte die Großmacht.

Seit Konrad II. wurden römisch-deutsche Kaiser meist mit Reichskrone gekrönt.
Die Reichskrone der römisch-deutschen Kaiser (pixabay)

Bereits Karl der Große hatte in seinem Testament eine solche Reichsteilung vorgesehen. Jedoch verstarben seine beiden älteren Söhne früh. Nach dem Tod des epochalen Herrschers im Jahr 814 n. Christus ging das gesamte Reich an den dritten Sohn.

Dieser – Ludwig der Fromme – sollte jedoch sehr viel weniger Glück haben. Er stürzte früh über familiäre Probleme und wurde von den eigenen Söhnen sogar zweimal abgesetzt. Nach seinem Tod kam es im Jahr 843 n. Christus schließlich zum Vertrag von Verdun und zur Teilung des fränkischen Reiches. Der östliche Teil erstreckte sich dabei über Gebiete der heutigen Bundesrepublik Deutschland.

Seit Otto dem Großen knüpften die deutschen Könige dann auch wieder an die Tradition der Kaiserkrönung an. Damit wollten die Herrscher vor allem von der Legitimität der römischen Kaiser profitieren. Darüber hinaus kam ihnen in dieser Position für lange Zeit auch die Rolle des Beschützers des Christentums zu.

Territoriales Erbe des fränkischen Reiches

König Ludwig der Deutsche – 843 bis 876

Nach der Reichsteilung bestand das fränkische Reich aus drei Teilen. Der östliche Teil, das ost-fränkische Reich, erstreckte sich auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland.

Der erste König des ost-fränkischen Reiches erhielt deshalb auch einen entsprechenden Beinamen – Ludwig der Deutsche.

Ende der fränkischen Karolinger

Doch die Kraft und der Einfluss der Karolinger ließ immer weiter nach. Im Jahr 911 verstarb mit Ludwig dem Kind der letzte ost-fränkische Herrscher aus dieser Königslinie. So wie sie einst selbst ihre Vorgänger verdrängt hatten, griffen nun neue Dynastien nach der Macht.

Mit dem Ende von Ludwig dem Kind verschoben sich in den deutschen Gebieten auch die Machtverhältnisse. Von nun an sollte nicht mehr die biologische Abstammung sondern eine Wahl durch die „Großen des Reiches“ den deutschen König bestimmen. Von besonderem Einfluss war beispielsweise der Erzbischof von Köln.

Deutsche Königswahl von Konrad I.

Konrad I. stammte aus einem fränkischen Geschlecht, deren Linie man bis in das 9. Jahrhundert zurückverfolgen kann. Unter seinem Vorgänger hatte er sich bereits eine machtvolle Position erarbeitet.

Sechs Wochen nach dem Tod von Ludwig dem Kind trafen sich dann am 10. November 911 die Vertreter von Alemannen, Bayern und Sachsen im fränkischen Forchheim. Mit der Entscheidung für diesen Ort stellten sie sich noch bewusst in die Tradition des Frankenreiches.

Konrad I. war es jedoch nicht vergönnt, ein eigenes Königshaus aufzubauen. Aber neben der Königswahl etablierte er eine weitere zentrale Tradition des deutschen Königtums. Er war ein Reise-König, der sich beispielsweise persönlich nach Sachsen begab, um seine Stellung dort zu stärken.

Allerdings sollte sich die Wahl-Monarchie in Deutschland erst mit dem Tod des letzten Staufers endgültig durchsetzen. In der Zwischenzeit gelang es den verschiedenen Dynastien immer wieder, eine erbliche Thronfolge zu realisieren.

Deutsche Königshäuser seit dem Mittelalter

Die Ottonen – 919 bis 1024

Die Liudolfinger waren ein sächsisches Adelsgeschlecht. Sie tauchten im 9. Jahrhundert auf und stellten mit Heinrich I. erstmals einen König aus den deutschen Landen. Dieser schuf nicht nur die Grundlage für eine neue Königslinie. Er konnte durch einen Tausch auch die Heilige Lanze erwerben.

Mit dieser Heiligen Lanze des Longinus hatte der Sachse ein einendes Symbol für den Kampf der Christen gegen die damalige Bedrohung durch ungarische Reiter gefunden. Seitdem gehörte sie zu den wichtigsten Reichsinsignien. Heute wird die Lanze in der Wiener Hofburg verwahrt.

Doch das Königshaus der Liudolfinger wurde nach seinem Sohn Otto I. benannt. Dieser ist auch als Otto der Große bekannt. Durch eine geschickte Heirat konnte er nämlich auch die italienische Krone erlangen.

Damit hatte Otto der Große ein Einflussgebiet geschaffen, mit dem er an die Tradition der antiken Kaiser anschließen konnte. Außerdem hatte er die Christenheit mit seinem Sieg in der Schlacht auf dem Lechfeld vor den heidnischen Ungarn gerettet. Die erste Kaiserkrönung eines deutschen Königs durch den Papst fand dann im Jahr 962 in Rom statt.

Darüber hinaus zeichnete sich seine Herrschaft durch eine besondere Länge aus. Außerdem setzte Otto der Große die Unteilbarkeit der Herrschaft durch. Damit wurde eine Grundlage gegen die Zerfaserung der Territorien wie bei den Franken gelegt.

Insgesamt brachte das Geschlecht der Ottonen fünf deutsche Könige und Kaiser hervor:

  1. Heinrich I. (919 bis 936)
  2. Otto I. (936 bis 973)
  3. Otto II. (973 bis 983)
  4. Otto III. (983 bis 1002)
  5. Heinrich II. (1002 bis 1024)

Die Salier – 1024 bis 1125

Die Salier waren ein ost-fränkisches Adelsgeschlecht. Ihre Geschichte reicht möglicherweise sogar zurück bis in das Umfeld von Chlodwig I. aus dem Geschlecht der Merowinger. Man darf sie jedoch nicht mit den „Salfranken“ verwechseln. Das war ein germanischer Stamm des Frankenreiches, der am Rhein siedelte.

Mit Konrad dem Roten hatten sie einen Schwiegersohn und engen Vertrauten von Otto dem Großen in ihrer Familie. Dieser wurde dann auch zum Herzog von Lothringen ernannt. Doch er fiel in der Schlacht auf dem Lechfeld im Jahr 955.

Doch sein Sohn wurde als Konrad II. bereits bei der Königswahl im Jahr 1002 in seiner Rolle als Enkel von Otto dem Großen als Kandidat gehandelt. Nach dem Tod des letzten Ottonen wurde er dann im Jahr 1024 zum ersten König aus dem Haus der Salier erwählt. Die Königslinie der Salier prägte dann ein Jahrhundert der Konflikte mit dem Papsttum.

In ihre Zeit fallen der Investiturstreit und der Gang nach Canossa. Doch sie gründeten auch den Dom von Speyer, der bis 1308 als Grablege der römisch-deutschen Kaiser diente.

Das Geschlecht der Salier brachte vier deutsche Könige und Kaiser hervor:

  1. Konrad II. (1024 bis 1039)
  2. Heinrich III. (1039 bis 1056)
  3. Heinrich IV. (1056 bis 1105)
  4. Heinrich V. (1105 bis 1125)

Die Staufer – 1138 bis 1254

Nach der zwischenzeitlichen Regierung von Lothar III. in den Jahren von 1125 bis 1137 konnten sich die Staufer als neues Königshaus etablieren. Ihr Vorteil war, dass ihr Vertreter Philipp von Schwaben die Reichsinsignien vom letzten Salier erhalten hatte. Bereits 1125 hatten sie diese formalen Zeichen der Herrschaft auf die Burg Trifels schaffen können.

Burg Trifels wurde von deutschen Königen und Kaiser als Schatzkammer genutzt.
Burg Trifels wurde von den Staufern zur sicheren Verwahrung der Reichsinsignien genutzt. (pixabay)

Das Geschlecht selbst war bereits im 10. Jahrhundert als die Grafen des Riesgaus in Erscheinung getreten. Das ist eine Region von Schwaben im heutigen Freistaat Bayern.

Der Leitname des Adelsgeschlechts lautete „Friedrich“. Im Laufe des 11. Jahrhunderts stiegen sie von Pfalzgrafen zu Herzögen von Schwaben auf. In dieser Zeit errichteten sie auf dem Berg Hohenstaufen eine Burg, die zu ihrem neuen Stammsitz wurde.

Das aufstrebende Adelsgeschlecht vergrößerte erfolgreich den Eigenbesitz und gehörte zu den Unterstützern der Salier. Heinrich IV. verheiratete seine Tochter Agnes von Waiblingen dann an diese wichtigen Verbündeten seiner Königslinie. Über diese Verbindung legitimierte sich der spätere Anspruch der Staufer auf den deutschen Thron.

Die Staufer gelten heute als idealtypische Könige des Mittelalters. Sie verbanden das Reise-Königtum mit dem entstehenden deutschen Föderalismus. Darüber hinaus pflegten sie das höfische Leben und errichteten unzählige Burgen in ihren Herrschaftsgebieten.

Das schwäbische Geschlecht brachte sechs deutsche Könige und Kaiser hervor:

  1. Konrad III. (1138 bis 1152)
  2. Friedrich I. Barbarossa (1152 bis 1190)
  3. Heinrich VI. (1191 bis 1197)
  4. Philipp von Schwaben (1198 bis 1208)
  5. Friedrich II. der Staufer (1212 bis 1250)
  6. Konrad IV. (1250 bis 1254)

Die Habsburger – 1273 bis 1806

Die Habsburger sind eine Dynastie aus dem heutigen Schweizer Kanton Aargau. Aufgrund ihrer langen Herrschaft werden sie auch als das Haus Österreichs bezeichnet. Erstmals wurden sie in einer Urkunde erwähnt, die auf das Jahr 1027 datiert wurde. Das Schreiben wurde jedoch wahrscheinlich erst nach 1080 aufgesetzt und dann rückdatiert.

Die Habsburg war der Stammsitz des späteren Königshauses.
Die Habsburg – Stammsitz der Königslinie (pixabay)

Im 11. Jahrhundert errichteten sie auch ihren Stammsitz – die Habsburg. Die Anlage diente wahrscheinlich der Kontrolle des Schiffsverkehrs. Darüber hinaus verfügte das Geschlecht bereits über verstreuten Eigenbesitz (Allod). Seit dem Jahr 1108 ist mit Otto II. der erste Graf von Habsburg urkundlich nachweisbar.

Ab 1240 machte der spätere römisch-deutsche König Rudolf I. eine steile Karriere. Zunächst dehnte er die Besitzungen bis über den Schwarzwald aus. Dann konnte er durch das Kyburger Erbe den Osten der heutigen Schweiz beanspruchen. Im Jahr 1273 gewann er dann die Königswahl.

Seit der Wahl von Albrecht II. im Jahr 1438 stellten die Habsburger – abgesehen von einer drei Jahre langen Ausnahme – durchgehend die Könige und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Der Grund für diesen Erfolg war, dass sie das Kollegium zur Königswahl mit ihrer Hausmacht kontrollieren konnten.

Im Jahr 1804 kam es zur Ausrufung des „Kaiserthum Oesterreich“. Zwei Jahre später wurde in den von Napoleon besetzten deutschen Gebieten der Rheinbund gegründet.

Kaiser Franz I. erklärte daraufhin am 6. August 1806 das Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Damit endete die Zeit der Habsburger als deutsche Herrscher.

Doch bis dahin hatten die Habsburger noch zahlreiche weitere Monarchien übernehmen können. Sie stellten auch Könige von:

  • Böhmen
  • Kroatien
  • Spanien
  • Teile von Ungarn

Preußische Könige und Kaiser der Neuzeit

Die Hohenzollern – 1701 bis 1918

Die Hohenzollern sind ebenfalls deutscher Ur-Adel. Sie wurden erstmals von einem Mönch des Klosters Reichenau im Jahr 1061 erwähnt. Das Geschlecht hat eine schwäbische und eine brandenburgische Linie.

Letzteren gelang zunächst unter Friedrich I. von Preußen die Aufwertung der Mark Brandenburg zu einem Königreich in Deutschland. Damit war im Jahr 1701 eine neue europäische Mittelmacht entstanden.

Unter seinem Sohn Friedrich dem Großen führte das Königreich Preußen den Siebenjährigen Krieg. An dessen Ende war Preußen eine der führenden Großmächte in Europa.

Doch gegen Napoleon Bonaparte erlitt das Königreich zunächst schwere Niederlagen. Erst im Jahr 1815 konnte sich Preußen im Rahmen der Befreiungskriege von dieser Fremdherrschaft wieder erlösen.

Das mittlere Drittel des 19. Jahrhunderts war vom großen Antagonismus zwischen Österreich und Preußen im deutschen Bund geprägt. Diese Spannungen lösten sich in den drei Einigungskriegen des deutschen Reiches:

  1. Deutsch-Dänischer Krieg von 1864
  2. Preußisch-Österreichischer Krieg von 1866
  3. Deutsch-Französischer Krieg von 1870/71

Nach diesen Einigungskriegen fanden sich die deutschen Staaten in der kleindeutschen Lösung ohne Österreich zusammen. Diese Entwicklung gipfelte in der Krönung von König Wilhelm I. zum deutschen Kaiser am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal von Schloss Versailles.

Auf diesen Hohenzollern folgte mit kurzer Unterbrechung als Kaiser Wilhelm II. dessen Enkel. Er führte das Deutsche Reich dann in den Ersten Weltkrieg und die damit verbundene Niederlage.

Am 28. November 1918 dankte der letzte deutsche König und Kaiser offiziell ab. Bis zuletzt zeigte er damit sein anachronistisches Weltbild. Die Weimarer Republik war bereits 19 Tage zuvor ausgerufen worden.