Arminius

Arminius und die Varusschlacht

Arminius war ein Fürst der germanischen Cherusker und vernichtete drei römische Legionen in der Varusschlacht (9 n. Chr.). Sein Sieg hatte historische Auswirkungen. Er verhinderte eine weitere Ausbreitung des Römischen Reiches nach Germanien.

„Quintilus Varus, gib die Legionen zurück!!!“

(Kaiser Augustus, nachdem er von der Niederlage erfuhr.)

Der Cherusker vernichtete 9 n. Chr die 17., 18. und 19. römische Legion (ca. 20.000 Mann) unter Publius Quinctilius Varus in einem Hinterhalt. Nach der Varusschlacht schickte er den abgeschlagenen Kopf des Varus als Präsent an Marbod, den König der Markomannen.

Einige Jahre nach der Varusschlacht kam es zu einer weiteren Offensive der Römer in Germanien. Dieses mal kamen acht römische Legionen unter Nero Claudius Germanicus. Die Germanen konnten unter Führung von Arminius jedoch auch dieses mal erfolgreich aus den Kämpfen hervorgehen.

Allein bei der Schlacht von Pontes longi im Jahr 15 n. Chr. verloren das Reich weitere 10.000 – 15.000 römische Legionäre. Arminius war jedoch innerhalb der germanischen Führung umstritten.

Er musste gegen viel Widerspruch ankämpfen und wurde schließlich im Jahr 21 n. Christus vergiftet. Wahrscheinlich steckten Verwandete hinter dem Attentat.

Das Leben des Cheruskers

Geiselhaft und Dienst in der römischen Armee

Arminius war von adeliger Abstammung. Er war ein germanischer Cherusker und wurde wahrscheinlich 17 v. Chr. geboren. Sein Stamm hatte ein Friedensabkommen mit den Römern, aber  sie mussten Ehrengeiseln stellen.

Arminius und sein Bruder Flavus waren betroffen. Sie wurden schon als junge Knaben, wahrscheinlich im Alter von 11 Jahren, nach Rom gebracht. Dort wuchsen sie aber frei und standesgemäß als junge Adlige auf.

Mit 17 oder 18 Jahren wurde Arminius ein Offizier für germanische Verbände in der römischen Armee. Der junge Cherusker war ein sehr fähiger und verlässlicher Kavallerie- und Stabsoffizier. Er galt als absolut vertrauenswürdiger Bundesgenosse und machte Karriere.

Der Sinneswandel setzte bei Arminius möglicherweise in den Jahren von 4 bis 7 n. Chr. ein. In dieser Zeit war er als Kavallerie-Offizier einer berittenen Auxiliar-Einheit in Pannonien (= Westungarn) an der Bekämpfung eines dortigen Aufstandes beteiligt.

Arminius galt als außerordenliche begabt. Er erhielt für seine Verdienste auf dem Balkan das römische Bürgerrecht und wurde vom Kaiser in den Ritterstand erhoben.

Arminius lernte schnell und war spätestens ab 7 n. Chr. bestens ausgebildet, um die spätere Varusschlacht vorzubereiten. Aber er hatte nicht nur im taktischen Bereich die römischen Legionen mit all ihren Stärken und Schwächen kennen gelernt. Vor allem konnte er auch die geopolitische Vulnerabilität des römischen Imperiums in dieser Jahren sehr gut beobachten.

Die Aufstände in Pannonien hatten die Römer zuvor gezwungen, ihr Engagement gegen die Markomannen unter Marbod im Raum der Elbe einzustellen. Die Markomannen erhielten einen vorteilhaften Friedensvertrag und konnten sich so ihre Freiheit und Unabhängigkeit vorerst sichern.

Es wäre naheliegend, wenn Arminius bereits in dieser Zeit begonnen hat, Vergleiche zu der Situation der Cherusker zu ziehen. Später sollte es auch Kontakte zwischen Arminius und Marbod geben.

Die Rückkehr nach Germanien

Im Jahr 7 n. Chr. ernannte Augustus einen neuen Statthalter für Germanien, seinen Verwandten Publius Quinctilius Varus. Dieser Varus war ein sehr erfahrener Spitzen-Beamter und sollte nun eine neue Provinz entwickeln.

Zuvor war Quinctilius Varus der Statthalter in Syrien gewesen. Dabei hatte er sich bereichert, aber auch politisch bewährt, in dem er einen jüdischen Aufstand blutig niederschlagen ließ. Nun sollte er das brodelnde Germanien befrieden.

Nach seinem Einsatz in Pannonien wurde Arminius von der römischen Armee nun ebenfalls nach Germanien geschickt. Er sollte Quinctilius Varus als Kavallerie-Offizier und Verbindungsmann zur regionalen Aristokratie unterstützen.

Arminius – Architekt der Varusschlacht

Karten von der Varusschlacht - Die Römer folgten der Lippe bevor es zur Varusschlacht nördlich von Osnabrück kam.
Karte der Varusschlacht: Der römische Marschweg in den Hinterhalt von Arminius (ODbL)

Im Herbst des Jahres 9 n. Chr. war Varus auf dem Weg von einem vorgelagerten Feldquartier für den Sommer an der Lippe in die Winterquartiere entlang der römischen Hauptlinie am Rhein. Es sollte der letzte Marsch der 17., 18. und 19. römischen Legion werden. Nur einzelne Männer erreichten ihr Ziel.

Arminius kannte das Fähigkeitsprofil der römischen Legionen sehr genau. Diese hatte sich seit der Heeresreform des Gaius Marius zur schlagkräftigsten Armee der Antike entwickelt. Arminius vermied deshalb das symmetrische Gefecht im offenen Gelände.

Stattdessen wollte er die Varusschlacht in unwegsamen Gelände führen. Dort würden sich die römischen Formationen im Gefecht nicht entfalten können.

Arminius gab dafür aus seiner offiziellen Rolle heraus gezielt falsche Informationen über einen vermeintlichen Aufstand an Varus weiter. Dieser wollte die Chance nutzen und den nicht-existierenden Aufstand während des Marsches in die Winterquartiere im Vorbeigehen noch niederschlagen.

So gelang es Arminius, die arglosen Römer tiefer und tiefer in die germanischen Ur-Wälder zu locken. Varus bog mit seiner Armee auf dem Weg nach Westen von der bekannten Marschroute (nach Norden) ab.

Die drei Legionen mussten kaum passierbare Wege nehmen. Der Heerzug dehnte sich zu einem kilometerlangen Wurm aus. Durch die lockere und zerpflückte Marschordnung wurde die sonst so gut organisierte römische Armee sehr verwundbar.

Hinterhalt & Guerillataktik im Teutoburger Wald

Varus entsandte einen Teil seiner Kavallerie unter der Führung von Arminius, um das Gelände aufzuklären. Sie sollten auch nach Spuren des vermeintlichen Aufstandes suchen. Tatsächlich hatte Arminius längst seinen germanischen Reiter überzeugt, gegen die Römer zu kämpfen.

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Arminius´ Taktik in der Varusschlacht

Währenddessen waren bereits unzählige germanische Krieger in den Wäldern zusammen gekommen, um die römischen Legionen in einem Hinterhalt anzugreifen und schließlich zu vernichten. Es begann mit der frühzeitigen Vernichtung der regulären römischen Legionskavallarie durch die übergelaufenen germanischen Reiter.

Dann rannten Germanen zu Fuß mit voller Wucht in einer Keilformation, Eberkopf genannt, in die Mitte der gegnerischen Linien. Diese rissen auf und es wurde Mann gegen Mann gekämpft.

Arminius führte seinen ersten Streich in der Varusschlacht wahrscheinlich gegen die Mitte des völlig überraschten römischen Heerzuges. Damit kappte er zugleich auch die Verbindung zwischen der Vorhut und der Nachhut der Römer.

Entsprechend schwer war die taktische Reorganisation der Römer nach dem ersten großen Angriff des Hinterhalts. Arminius trieb die römischen Legionen drei Tage lang mit Angriffen vor sich her.

„Das tüchtigste aller Heere wurde durch die Treulosigkeit des Feindes und die Missgunst des Schicksals hintergangen, da man ihm nicht einmal Gelegenheit bot zu kämpfen oder vorzurücken.“ – Cassius Dio

Die mächtigste Armee der Welt war wehrlos. In den germanischen Urwäldern hätte der wohl ca. 15 km lange römische Heerzug auch nicht einfach wenden können. Dagegen konnten sich die leicht bewaffneten Germanen auf Pfaden relativ schnell durch das Schlachtgebiet bewegen.

Mit dieser Guerilla-Taktik stellten die Germanen immer wieder punktelle Überzahl her. Arminius zermürbte die römischen Legionen mit zahllosen Angriffen bei Tag und Nacht. Angeblich regnete es auch noch in Strömen.

Das letzte Gefecht bei Kalkriese

Arminius trieb die erschöpften Römer immer weiter und weiter. Die Varusschlacht entwickelte sich zu drei Tagen Dschungelkrieg, der langsam auf seinen Höhepunkt zu steuerte. Insgesamt konnten auf Länge von 10 km eindeutige Kampfspuren nachgewiesen werden.

Aber die Legionäre mussten auf ihrer Flucht in Richtung Rhein noch ein Nadelöhr bei Kalkriese passieren. Für ein letztes Gefecht war es das ideale Gelände. Noch dazu hatte Arminius weitere Unterstützung von opportunistischen Stämmen erhalten. Diese wollte sich an der Vernichtung beteiligen.

Den Römern bot sich nur ein Schlupfloch von ca. 80 Metern Breite zwischen dem Wiehengebierge und dem Venner Moor. Archäolgen entdeckten Anfang der 1990er Jahre die Überreste von Wallanlage, die die Germanen noch vorsorglich an dieser Stelle errichtet hatte.

Arminius nutzte den Geländevorteil voll aus. Die abgekämpften Legionäre hingegen sahen sich in der Not, nun auch noch einen Wall erklimmen zu müssen. Dort fanden sie ihr Ende und die Wissenschaftler mehr als 6.000 Fundstücke in der Erde.

Quinctilius Varus selbst soll von eigener Hand gestorben sein. Angeblich stürzte er sich in sein Schwert, um der Folter und Hinrichtung zu entgehen. Gefangene Legionäre wurden den Göttern geopfert.

Die Folgen der Varusschlacht

Nach der Varusschlacht plünderten die Germanen alle der Rhein-Linie vorgelagerten römischen Lager. Auch das Legionslager in Haltern ging in Flammen auf. Rom brauchte drei Jahre Erholung, um überhaupt wieder jenseits der Hauptlinie aktiv werden zu können. Aber auch die folgende Kampagne der Römer scheiterte.

Doch sechs Jahre später soll eine römische Armee den Ort der Varusschlacht erreicht haben. Sie fanden die Gebeine der Toten und begruben diese Massengräbern, die teilweise ebenso gefunden wurden. Doch die Kriegsbilanz blieb für die Römer verheerend.

Arminius und die Varusschlacht führten zur ersten großen Spaltung in Europa in einen germanischen und einen römischen Teil. Doch die Germanen fanden nicht zur Einigkeit. Sie blieben unfähig, politische Organisationen zu bilden.

Die Allianz der Germanen zerfiel noch zu Lebzeiten von Arminius. Streitigkeiten flammten wieder auf und die Bedrohung für das Römische Reich blieb zunächst in Grenzen.

In der Neuzeit wurde die Bedeutung von Arminius und der Varusschlacht stark überhöht. Er war zweifellos ein militärisches Genie. Jedoch war der Cherusker nie die einende Figur, die das Volk der Germanen durch Führungsstärke an sich binden konnte.