Alfred der Große

Alfred der Große – König von Wessex

Alfred der Große (altenglisch Ælfred) wurde 848 n. Christus in Wantage in Berkshire geboren. Er war der jüngste Sohn von König Æthelwulf, der im Süden von England über die Westsachsen herrschte.

Die Zeit war geprägt von Einfällen des Großen Heidnischen Heeres. Das waren dänische Wikinger, die über die Nordsee kamen und im Jahr 865 zunächst East Anglia eroberten. Das war eines von sieben angelsächsischen Königreichen, der Heptarchie, und befand sich in den heutigen Grafschaften Suffolk und Norfolk.

Die Wikinger eroberten in den folgenden Jahren den größten Teil des heutigen England. Schließlich war nur noch Wessex als letztes Königreich, als Last Kingdom, ein angelsächsisches Gebiet. Aber sogar dort wurden sie bedroht.

Alfred der Große Statue Winchester
Alfred der Große – Statue in Winchester (gemeinfreies Bild)

Nach dem Tod seines letzten Bruders in der Schlacht von Merton wurde Alfred im Jahr 871 zum König von Wessex erhoben. Damit überging man zwei seiner minderjährigen Neffen.

Aber auch Alfred musste zunächst schwere Niederlagen hinnehmen. Er wurde selbst beinahe aus Wessex vertrieben. Doch im Mai 878 gelang ihm schließlich der entscheidende Sieg gegen den dänischen König Guthrum in der Schlacht bei Edington.

Nach der Schlacht zogen sich die Dänen in eine Festung zurück. Dort konnte Alfred der Große seine Feinde aushungern und sie so zu Verhandlungen zwingen.

Dieser Sieg in der Schlacht bei Edington war die Grundlage, um dem Dänen-König Guthrum im Frieden von Wedmore Bedingungen stellen zu können. Der Kern war, dass der heidnische Guthrum getauft wurde. Alfred der Große fungierte dabei als sein Pate. Dies sollte wohl zu einem friedlichen Zusammenleben unter dem Dach des Christentums beitragen.

Im Vertrag von Alfred und Guthrum wurden weitere Einzelheiten ausgehandelt. Das Datum der Vereinbarung kann nicht genau bestimmt werden. Die Inhalte des Dokumentes sind jedoch bis heute überliefert. Besonders bekannt ist der erste Satz:

„Zuerst betreffend unsere Grenzen: Die Themse hinauf, und sodann den Lea hinauf, und den Lea entlang bis zu seiner Quelle, dann in einer geraden Linie nach Bedford, dann die Ouse hinauf bis nach Watling Street.“

Den Beinnamen als Alfred „der Große“ erhielt der angelsächsische König jedoch erst im nachhinein und auch nicht nur für seine militärischen Erfolge. Nach dem Sieg über die Dänen führte er die verbliebenen Territorien der Angelsachsen politisch zusammen und prägte die Idee von einem gemeinsamen Königreich der Engländer.

Alfred der Große Kupfermünze
Alfred der Große auf einer Münze von 880 (gemeinfreies Bild)

Zur kulturellen Konsolidierung des Königreiches England gründete Alfred der Große außerdem Klöster und baute Schulen. Die primäre Sprache des Unterrichts wurde Englisch. Für diese Bildungsreform ließ der König zahlreiche Texte aus dem Lateinischen übersetzen.

Für das entstehende England erweiterte Alfred der Große die Zahl der angelsächsischen Burgen auf mehr als 30 Stück. Diese wurden dauerhaft bemannt und über jeweils zugewiesene Ländereien versorgt, um die Landesverteidigung zu professionalisieren.

Alfred der Große war damit so erfolgreich, dass die Nordmännern zeitweise sehr viel lieber im fränkischen Reich plünderten. Vor allem Kaiser Karl der Dicke war ihnen überhaupt nicht gewachsen, was entscheidend zu seinem Sturz im Herbst 887 beitrug.

Des Weiteren führte Alfred der Große eine bedeutende Gesetzesreform durch. Im Code of Alfred wurden mehrere angelsächsische Werke sowie die Zehn Gebote von Mose zu einem neuen Werk zusammengefasst.

Schließlich wird Alfred dem Großen auch die Gründung der Royal Navy im Jahr 896 zugeschrieben. Das ist historisch nicht korrekt, aber dennoch wurde er zum Wegbereiter für den Aufstieg Englands als Seemacht.

Alfred der Große starb am 26. Oktober 899 an einer unbekannten Ursache. Seine sterblichen Überreste wurden im Old Minster von Winchester begraben, dem Vorläufer der heutigen Kathedrale. Das Grab ging jedoch verloren. Gerüchte über Funde seiner Gebeine können nicht belegt werden.

Schon bald nach seinem Tod wurde Alfred der Große als Heiliger verehrt. Er wurde jedoch nie offiziell heiliggesprochen.

Ælfred – jüngster Sohn von Æthelwulf

Haus Wessex – Geschichte und Hintergründe

Der Stammvater des Hauses Wessex war Cedric. Dieser war der Überlieferung nach im Jahr 495 n. Christus mit fünf Schiffen an der Kanalküste gelandet und konnte sich dort mit seinem Clan festsetzen. In den folgenden Jahrhunderten etablierten sich diese Westsachsen als angesehene Machthaber.

Wyvern of Wessex
Wyvern of Wessex – das Wappentier von Alfred dem Großen und seines Hauses (Zeichner: Hogweard / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Egbert von Wessex wurde zu Beginn des 9. Jahrhunderts dann zur Schlüsselfigur des Königshauses. Er hatte ursprünglich am Hof von Karl dem Großen gelebt. Er kehrte 802 auf die Insel zurück und eroberte Cornwall im Jahr 815.

Zehn Jahre später gelang ihm ein entscheidender Sieg in der Schlacht bei Ellandun gegen den König von Mercien im Zentrum der Hauptinsel. In der Folge unterwarfen sich auch East Anglia und Sussex seiner Führungsrolle.

Die Stammtafel der englischen Könige zählt deshalb bereits Egbert von Wessex als ersten Herrscher von England. Während seiner Regierungszeit ab dem Jahr 802 wurde sein Kleinkönigtum die führende Macht in der angelsächsischen Heptarchie, der Herrschaft der sieben Königreiche:

  1. Essex
  2. Sussex
  3. Wessex
  4. Kent
  5. East Anglia
  6. Mercia
  7. Northumbria

Im Jahr 829 gelang ihm ein weiterer Sieg gegen Mercien. Anschließend entwickelte sich der Einflussbereich des Egbert von Wessex bis zum Fluss Humber im Norden des heutigen England.

Ein Jahrzehnt später starb Egbert von Wessex und wurde in der Kathedrale von Winchester bestattet. Sein Sohn Æthelwulf wurde vom Witan, der Versammlung der Ealdormänner (= Grafen), zum König ernannt.

Æthelwulf – König von Wessex

Æthelwulf bestieg 839 den Thron von Wessex. Er war bereits im darauffolgenden Jahr von den zunehmenden Wikinger-Einfällen bedroht. Die Angriffe hatten zunächst ihren Schwerpunkt an der Kanalküste.

Nach zahlreichen Kämpfen und auch Niederlagen gelang Æthelwulf im Jahr 851 jedoch ein bedeutender Sieg in der Schlacht bei Aclea. Die Angelsächsische Chronik berichtet dazu:

„350 [Viking] ships came into the Thames and stormed Canterbury and London and put to flight Beorhtwulf, King of Mercia with his army, and then went south over the Thames to Surrey and King Aethelwulf and his son Aethelbald with the West Saxon army fought against them at Oak Field [Aclea], and there made the greatest slaughter of a heathen raiding-army that we have heard tell of up to the present day, and there took the victory.“

Im Jahr 853 n. Christus zeigte Æthelwulf seine große Frömmigkeit. Nach dem Sieg über die Heiden verschenkte er 10 % seines Reiches an die Kirche. Anschließend begab sich der König mit seinem jüngsten Sohn Ælfred auf eine Pilgerreise nach Rom.

Die Regierungsgeschäfte überließ er seinem ältesten noch lebenden Sohn Æthelbald. Doch während Æthelwulf in Rom verweilte kam es zu einer Verschwörung. Der bereits zum Mitkönig ernannte Sohn erhob sich nun zum neuen König von Wessex.

Æthelbald, Æthelberht und Æthelred

Nachdem Æthelwulf und sein jüngster Sohn Ælfred aus Rom zurückkehrten, wurden die neuen Verhältnisse jedoch um des Friedens Willen vom Vater anerkannt. Doch der Usurpator sollte letztlich im Jahr 860 ohne eigene Erben sterben:

  • Æthelbald herrschte von 855 bis 860 mit dem Einverständnis seines Vaters über Wessex, während dieser die Kontrolle über Kent und Sussex behielt. Das Reich der Westsachsen blieb deshalb bis zu seinem Tod gespalten. Weil er jedoch selbst keine Erben hatte, kam es anschließend wieder zur Vereinigung unter seinem dann folgenden Bruder.
  • Æthelberht regierte von 860 bis 865. Unter seiner Herrschaft fanden die Gebiete der Westsachsen wieder zusammen. Die Zeit war jedoch von großen Plünderungen durch die Dänen unter Ragnar Lodbrok in Kent und Northumbria geprägt.
  • Æthelred I. wurde nach dem Tod des ehe- und kinderlosen Vorgängers im Jahr 865 als Thronfolger erhoben und erbte damit die Führungsrolle im Kampf gegen die Wikinger. Das große heidnische Heer wurde inzwischen von Bagsecg und Halfdan Ragnarsson geführt und konnte auch in Wessex plündern.

Das Jahr 871 sollte sich schließlich als Schicksalsjahr für das Haus Wessex erweisen. Noch am 31. Dezember 870 kam es in der Schlacht von Englefield zu einem blutigen Sieg gegen ein Vorauskommando der Wikinger. Die Angelsächsische Chronik berichtet von der Schlacht und dem Tod eines dänischen Jarls mit dem Namen Sidrac:

„This year came the army to Reading in Wessex; and in the course of three nights after rode two earls up, who were met by Alderman Ethelwulf at Englefield; where he fought with them, and obtained the victory. There one of them was slain, whose name was Sidrac.“

Schon der folgende Januar brachte drei große Schlachten und im April sollte König Æthelred dann sogar fallen. Ælfred, der später als Alfred der Große bekannt wurde, diente dabei seinem älteren Bruder bereits als Heerführer und Mitkönig. So konnte er wichtige militärische Erfahrungen sammeln:

  • In der Schlacht von Reading am 4. Januar 871 führten Æthelred und Ælfred die Angelsachsen in eine schwere Niederlage gegen die dänischen Truppen unter der Führung von Bagsecg und Halfdan Ragnarsson. Angeblich konnten sie dem Tod nur durch bessere Geländekenntnisse entrinnen.
  • In der Schlacht von Ashdown am 8. Januar 871 konnten die Westsachsen dann einen bedeutenden und vor allem auch sehr überraschenden Sieg erringen. Laut dem Chronisten Symeon von Durham aus dem 11. Jahrhundert soll sich Alfred besonders hervorgetan haben. Wahrscheinlich handelt es sich dabei jedoch auch um eine nachträgliche Verklärung von Alfred dem Großen. Insbesondere die Angaben zu Zahlen der Getöteten sind höchst zweifelhaft.
  • In der Schlacht von Basing am 22. Januar 871 erlitten Æthelred und sein Bruder, der künftige König Alfred der Große, jedoch erneut eine Niederlage auf heimatlichem Boden im heutigen Hampshire.
  • In der Schlacht von Merton kam es am 22. März 871 erneut zum blutigen Gefecht. Nach anfänglichen Erfolgen wurden die Angelsachsen von den Dänen zurückgedrängt. Während des Kampfes erlitt auch König Æthelred eine schwere Verletzung. Etwa einen Monat später erlag er dieser Verwundung.

Als König Æthelred am 23. April 871 verstarb, waren seine beiden Söhne noch minderjährig. Aufgrund der akuten Bedrohung durch die Dänen wurden sie deshalb in der Thronfolge übergangen. Der inzwischen kampferprobte Ælfred hatte schon eine Befehlsgewalt als Mitkönig und wurde nun mit dem Rückhalt der Ealdormänner im Witan zum Monarchen erhoben.

Das Übergehen der minderjährigen Erben von König Æthelred sollte sich jedoch als eine tickende Zeitbombe für das Reich von Wessex erweisen. Nach dem Tod von Alfred dem Großen zettelte einer seiner Neffen eine Rebellion an.

  • Æthelhelm war der ältere Sohn. Seine Existenz ist nur durch eine Nennung im Testament von seinem Onkel Alfred dem Großen bekannt. Die weitere Rolle von ihm ist jedoch nicht überliefert. Eine unbelegte Theorie ist, dass er Ealdorman von Wiltshire wurde. Damit hätte er als Graf einen Platz in der angelsächsischen Herrschaftsordnung und auch im Witan gehabt.
  • Æthelwold war der zweite Sohn von König Æthelred. Nach dem Tod von Alfred dem Großen versuchte er in Æthelwold’s Revolt von 899 bis 902 den Sohn seines Onkels und nun regierenden Edward den Älteren zu verdrängen. Zu diesem Zweck verbündete er sich sogar mit den Dänen. Æthelwold wurde jedoch am 13. Dezember 902 in der Schlacht von Holme getötet.

Alfred der Große und das Königreich England

Nordische Invasion im Süden von England

Nachdem Alfred der Große in Folge des Todes seines Bruders zum König wurde, gingen die Angriffe der Dänen mit steigender Intensität weiter. Im Jahr 874 kollabierte das Königreich Mercia im Zentrum der Hauptinsel.

Karte Britannien um 886
Verteilung der Gebiete von Alfred dem Großen und Guthrum dem Dänen (Zeichner: Lotroo von Wikimedia Commons / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Unter der Führung von Guthrum kam es ab 875 zunächst zu zahlreichen kleineren Angriffen auf das südlicher gelegene Königreich von Wessex. Die Strategie der Dänen war meist, eine Stadt zu besetzen und dann Lösegeld zu fordern.

Die Dänen stießen sogar bis Wareham und dann bis Exeter an der Kanalküste vor. Nach der Zahlung von Lösegeld schlossen sie einen „festen Frieden“ mit Alfred dem Großen.

Doch im Winter diesen Jahres kam es zu einem dänischen Überraschungsangriff auf das Winterlager der Westsachsen bei Chippenham. Alfred der Große geriet dabei selbst fast in Gefangenschaft und konnte nur mit einer kleinen Schar entkommen.

Dies wäre beinahe das Ende der angelsächsischen Herrschaft in England gewesen. Den restlichen Winter vor der entscheidenden Schlacht bei Edington verbrachte Alfred der Große deshalb in den unwegsamen Sümpfen von Somerset bei Athelney.

In diese Zeit fällt eine wichtige Legende aus dem Leben von Alfred dem Großen. Er soll inkognito bei einer Bäuerin Unterschlupf gefunden haben. Sie bat ihn der Erzählung nach, auf Brot im Ofen zu achten. Doch der König war so in Gedanken, dass das Brot verbrannte.

Schlacht von Cynwit Anfang 878

Zu Beginn des Jahres 878 landete Ubba mit 23 Schiffen und 1.200 Mann an der Küste der Grafschaft Devon. Das war der Sohn von Ragnar Lodbrok sowie dritter Bruder von Ivar und Halfdan Ragnarsson.

Dänisches Rabenbanner
Die Dänen kämpften unter dem Rabenbanner mit Bezug auf Odins Raben: Hugin und Mugin (Zeichner: Skydrake von Wikimedia Commons / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Nach der Landung belagerten die Dänen eine Gruppe von Angelsachsen in einem Hügel-Fort. Dies wird im Bericht des Mönches Asser als „Cynwit“ bezeichnet wurde.

Der Ort kann heutzutage nicht mehr genau bestimmt werden. Zwei nahe liegende Möglichkeiten sind der Cannigton Hill in Somerset oder der Countisbury Hill in Devon.

Aber die Wikinger rechneten wohl mit einer Kapitulation der Angelsachsen aufgrund von Wassermangel auf dem jeweiligen Hügel. Doch Odda, der Ealdorman von Devon, führte seine Truppen zu einem überraschenden Sieg.

Dabei gelang es, Ubba zu töten. Auch das dänische Rabenbanner wurde erbeutet. Die Angelsachsen konnten so das Schicksalsjahr 878 mit einem Sieg beginnen, der sowohl militärisch wie auch symbolisch sehr wertvoll für ihre Sache machte.

Schlacht von Edington im Mai 878

Denkmal der Schlacht von Edington
Denkmal der Schlacht von Edington unter Alfred dem Großen (Urheber: Trish Steel / Lizenz: CC-BY-SA 2.0)

Alfred der Große befand sich zu Beginn des Jahres noch in den Sümpfen von Somerset bei Athelney. Im Frühjahr 878 trommelte er von dort aus die angelsächsischen Truppen zusammen.

Alfred der Große rief die Banner zu Egbert’s Stone. Der vermutete Ort ist bei Brewham in Somerset. Dort versammelten sich zahlreiche Kämpfer aus den umliegenden Regionen, die angelsächsische Fyrd.

Zwischen dem 6. und dem 12. Mai 878 kam es dann zur Schlacht bei Edington. Der Mönch Asser berichtete in seiner Chronik des Lebens von Alfred dem Großen:

„Fighting ferociously, forming a dense shield-wall against the whole army of the Pagans, and striving long and bravely…at last he [Alfred] gained the victory. He overthrew the Pagans with great slaughter, and smiting the fugitives, he pursued them as far as the fortress.“

Nach dem Rückzug der Dänen wurde die Burg von den Angelsachsen belagert. Aufgrund fehlender Vorräte mussten sich die Wikinger dann nach zwei Wochen an den Verhandlungstisch begeben.

Vertrag von Alfred und Guthrum

Alfred der Große war nach seinem Sieg bei Edington in einer einmaligen Position für Verhandlungen. Vorherige Abmachungen mit den Dänen waren stets gebrochen worden. Doch nun hatte er Guthrum eine zwingende Niederlage zugefügt.

Zunächst musste der heidnische Guthrum zum christlichen Glauben konvertieren. Dabei fungierte Alfred der Große als Taufpate. Der gemeinsame Glauben sollte wohl fortan für eine friedlichere Koexistenz von Angelsachsen und Dänen führen.

  1. Des Weiteren wurden die Grenzen zwischen den Reichen von König Alfred und König Guthrum definiert. Damit war auch eine territoriale Abgrenzung von angelsächsischem und dänischem Recht, dem Danelaw, verbunden.
  2. Das Wergeld wurde im zweiten Artikel bestimmt. Dabei handelte es sich um eine Geldstrafe für Totschlag. Damit sollte die Blutrache verhindert werden. Die Höhe dieses Wergeldes wird von Historiker als sehr ausgewogen beurteilt, was wohl eine tatsächliche Anerkennung des Vertrages durch die Parteien erhöhen sollte.
  3. Die Zahl der notwendigen Eide für Ankläger und Verteidiger bei einem Prozess wegen Totschlages wurde bestimmt.
  4. Im vierten Abschnitt wurde festgelegt, dass beim Kauf von Sklaven, Pferden oder Ochsen ein Bürge genannt werden musste.
  5. Im letzten Abschnitt wurde geregelt, dass Angelsachsen nicht bei Dänen und umgekehrt Kriegsdienst leisten durften. Des Weiteren vereinbarten Alfred der Große und Guthrum, dass notwendiger Handel erlaubt sei. Die guten Absichten eines solchen Kontaktes mussten jedoch mit dem Austausch von Geiseln abgesichert werden.

Dieser Vertrag von Alfred und Guthrum ist eines der wenigen Dokumente aus dieser Zeit, die bis heute existieren. Es gibt eine Version in Alt-Englisch und eine Fassung auf Latein. Die Texte wurden von Dorothy Whitelock an der Cambrigde University übersetzt und ab dem Jahr 1953 publiziert.

Burghal Hidage – Liste der angelsächsischen Burgen

Nach dem Sieg von Alfred dem Großen in der Schlacht bei Edington unterblieben weitere Angriffe in den Jahren von 878 bis 892. In dieser Zeit wuchs die Zahl der befestigte Anlagen (burhs) auf 33. Diese sind in insgesamt sieben Dokumenten aus der angelsächsischen Zeit aufgelistet, dem Burghal Hidage.

Karte angelsächsischer Burgen
Karte der Burgen aus der angelsächsischen Zeit (Zeichner: Hel-hama von Wikimedia Commons / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Zur Errichtung dieser angelsächsischen Burgen wurde eine Kriegssteuer genutzt. Man rechnete für je 1,25 Meter Wallanlage einer Burg je einen Kämpfer. Dessen Unterhalt wurde von je einem Stück Land (hide) gesichert.

Die drei größten dieser Burghs waren in Winchester, Wallingford und Warwick. Ihnen standen beispielsweise je 2.400 Hides zur Verfügung, was etwa einer Fläche von 96.000 Hektar entsprach. Die tatsächliche Größe unterschiedlicher Hides konnte jedoch auch stark variieren.

Laut dem Burghal Hidage war die kleinste Burg von Alfred dem Großen in Lyng im heutigen Somerset. Ihr standen gerade einmal 100 Hides beziehungsweise 4000 Hektar zu. Mit diesen Fortifikationen schuf er deshalb nicht nur eine langfristige Verteidigungsstrategie.

Alfred der Große legte auch den Grundstein für einen Mechanismus zur wirtschaftlichen Umverteilung zwischen ziviler und wehrhafter Bevölkerung. Damit war das Burghal Hidage auch ein Vorläufer des Domesday Books von Wilhelm dem Eroberer von 1086.

Gründung von Klöstern und Schulen

Alfred der Große war ein sehr religiöser Mensch. Nach den Plünderungen vieler Klöster durch die Dänen nutzte er die Friedenszeit der 880er Jahre für die Gründung neuer Einrichtungen wie in Athelney. Möglicherweise handelte Alfred der Große dabei nach dem Vorbild der Bildungsreform von Karl dem Großen.

Er gründete nämlich auch Schulen, in welchen zunächst auf Englisch und erst im weiteren Studium auf Latein unterrichtet wurde. Zu diesem Zweck ließ Alfred der Große Übersetzungen anfertigen wie von den Dialogen von Papst Gregor dem Großen durch Werferth, den Bischof von Worchester.

Alfred der Große forderte seine Adeligen auf, ihre Kinder in diesen Schulen unterrichten zu lassen. Er bot jedoch auch talentierten Jungen aus niederen Schichten die Möglichkeit einer schulischen Ausbildung.

Doom Book – Code of Alfred

Alfred der Große führte eine Reform der angelsächsischen Gesetze durch. Zu diesem Zweck ließ er drei ältere Gesetzbücher mit den Zehn Geboten in einem neuen Werk zusammenfassen, dem Doom Book:

  • Code des Æthelberht of Kent aus dem Jahr 602
  • Code des Ine of Wessex aus dem Jahr 684
  • Code des Offa of Mercia aus dem Jahr 786

Der Begriff „Doom“ hatte bei den Angelsachsen jedoch lediglich die Bedeutung von „Urteil“ oder „Gesetz“ und nicht von „Schicksal“ wie in späteren Zeiten. Trotz der religiösen Komponenten handelte es sich beim Code of Alfred um eine Rechtsgrundlage für weltliche Fragen.

Dieses Gesetzbuch von Alfred dem Großen entwickelte sich in der längerfristigen Folge zu einer Basis für das englische Common Law. Bis heute bietet das Dokument spannende Einblicke in den früh-mittelalterlichen Alltag wie beispielsweise:

„If a man unintentionally kills another man by letting a tree fall on him, the tree shall be given to the kinsmen of the slain.“ (Code of Alfred)

Wikinger-Angriffe von 892 bis 897

Nach der langen Friedensphase in den 880er Jahren kam es zu Beginn des neuen Jahrzehnts wieder zu Angriffen der Dänen. Im Herbst 892 (oder 893) kamen neue Wikinger mit insgesamt etwa 330 Schiffen in zwei Wellen in Kent an.

Wikingerschiff
Das Gokstad-Wikingerschiffe aus dem 9. Jahrhundert (Foto: Karamell / CC-BY-SA 3.0)

Edward der Ältere, der älteste Sohn von Alfred dem Großen, errang einen ersten großen Sieg etwa 50 Kilometer südlich von London bei Farnham. Bei Benfleet in Essex wurden die Wikinger erneut geschlagen.

Doch parallel griff nun ein Verband von Dänen aus Northumbria mehr als 300 Kilometer weiter westlich bei Exeter an. Alfred der Große konnte die Stadt jedoch befreien und den Vorstoß zurückschlagen.

In der Folge konnte Alfred der Große die Wikinger zwar nicht mit Gewalt vertreiben. Aber es gelang, Nachschubwege zu blockieren.

Im Jahr 896 (oder 897) zogen sich die letzten Dänen aus Mangel an Nahrung nach Northumbria zurück.

„Gründung“ der Royal Navy 896

Die militärischen Reformen von Alfred dem Großen hatten sich im Angesicht der neuen Bedrohungen bewährt. Im Jahr 896 befahl er dann sogar den Bau einer kleinen Flotte.

Dabei handelte es sich wohl um etwa ein Dutzend Schiffe mit je 60 Rudern. Damit waren sie etwa doppelt so groß wie die dänischen Modelle. Als Vorbild dienten möglicherweise griechische und römische Kriegsschiffe aus der Antike.

Alfred der Große hatte jedoch wohl tatsächlich die Vision von Seestreitkräften, die angreifende Wikinger bereits auf dem Meer abfangen konnten. Im viktorianischen Zeitalter galt Alfred der Große deshalb als Gründer der Royal Navy. Historisch ist dies nicht ganz korrekt.

Es hatte bereits 851 eine Seeschlacht gegeben, bei der die Angelsachsen neun Schiffe der Dänen eroberten. Die späteren Erfolge der alfredianischen Marine waren darüber hinaus auch sehr überschaubar. Die Schiffe waren zwar größer, aber auch schwerer und weniger wendig als die Wikingerschiffe.

Außerdem hatte man diese Schiffstypen aus der Zeit von Alfred dem Großen ursprünglich für den Transport von Truppen entwickelt wurden. Sie waren nicht für die Vernichtung von feindlichen Schiffen konzipiert, sondern konnten nur für das Entern genutzt werden.

Noch im Jahr 896 kam es zu einem dokumentierten Gefecht der Flotte von Alfred dem Großen. Dabei konnten zwar zwei dänische Schiffe gekapert werden. Aber die Verluste der englischen Seeleute fielen mit etwa 120 Mann fast doppelt so hoch aus wie auf gegnerischer Seite.

Bei den Kämpfen wurden außerdem zwei englische Schiffe so beschädigt, dass sie von ihren Besatzungen vor der Küste von Sussex auf Grund gesetzt wurden. Alfred der Große ließ die Seeleute dafür in Winchester hängen.