Kaiser Hadrian

Kaiser Hadrian – 117 bis 138 n. Christus

Das Leben von Hadrian

Reste des Walls von Kaiser Hadrian finden sich noch heute in England.
Überreste des Hadrianswalls (pixabay)

Kaiser Hadrian wurde als Publius Aelius Hadrianus im Jahr 76 n. Christus geboren. Sein Vater verstarb früh, so dass der junge Hadrian mit nur 10 Jahren zum Mündel eines aufsteigenden Offiziers wurde – des späteren Kaisers Trajan. Deshalb kam er früh aus seiner spanischen Heimat nach Rom.

Mit 14 Jahren sollte er die Verwaltung der familiären Besitzungen in der Heimat übernehmen. Dort angelangt, nutzt er die Zeit jedoch vor allem zur Jagd, so dass ihn sein Vormund wieder nach Rom rief. Auf ihn wartete hartes Training und er bekam eine militärische Grundausbildung.

Im Jahr 94 n. Chr. begann Hadrian im Alter von 18 Jahren seine Karriere im öffentlichen Dienst. Seine erste Stelle war als Decemvir an einem zivilen Schwurgericht. In den folgenden Jahren sind zwei Dienstzeiten als Militärtribun in Budapest und Niedermösien belegt.

Er bewährte sich als junger Offizier an der Donau – sowohl durch Tapferkeit wie durch militärisches Verständnis. Schnell kam die erste Beförderung und eine Versetzung in ein Kampfgebiet, wo er weitere Verdienste sammeln konnte. Während dieser Jahre braute sich in Rom jedoch finsteres Unheil zusammen.

Der Vormund wird Kaiser

Der amtierende Kaiser Domitian (81 bis 96 n. Christus) war zum Tyrannen geworden. Schließlich wurde er von engsten Vertrauten ermordet. Als Nachfolger einigten sich die Verschwörer auf einen liberalen Juristen – den alten Senator Nerva. Dieser war kinderlos, so dass er sich als Übergangslösung anbot.

Doch die Legionen hatten immer treu zu Domitian gestanden und Kaiser Nerva fiel auch schnell bei den Prätorianern – der kaiserlichen Garde – in Ungnade. Es kam zur Meuterei und Nerva wurde gezwungen, Trajan, den angesehenen Kommandeur der Legionen in Germanien zu adoptieren.

Der Vormund von Hadrian rückte damit an die erste Stelle der Thronfolge. Bereits ein Jahr später erlag Nerva einem Schlaganfall und das Prinzipat von Trajan (98 bis 117 n. Christus) begann. So war der Junge durch Zufall in die unmittelbare Nähe der Macht gekommen.

Hadrian selbst sollte im hohen Alter ebenfalls durch Adoption seine Nachfolge regeln. Gleich zwei Kaiser konnte er so inthronisieren: Antoninus Pius und Mark Aurel.

Hadrian erklimmt die Leiter

Nachdem sich Hadrian bereits auf ersten Posten im militärischen und zivilen Bereich gedient hatte, wurden seine Verwendungen während der Regierungszeit seines Vormunds immer bedeutsamer. Vor allem in den Dakerkriegen konnte er sich weiter auszeichnen:

  • 101 n. Christus saß er im kaiserlichen Kriegsrat.
  • 105 n. Christus führte er als Legat die Legio I Flavia Minervia.

Für seine militärischen Leistungen in den Dakerkriegen (heutiges Rumänien) wurde er mit einem Diamenten ausgezeichnet und zum Statthalter von Nieder-Pannonien ernannt (heutiges Ungarn).

Darüber hinaus absolvierte er auch zahlreiche öffentliche Dienste. Dabei wurde er zwar vom Kaiser finanziell unterstützt. Aber Hadrian musste dennoch die Karriere-Leiter selbst erklimmen und bewies sich dabei immer wieder:

  • 100 n. Christus war er Quaestor.
  • 102 n. Christus war er Volkstribun.
  • 105 n. Christus war er Prätor.
  • 108 n. Christus war er Konsul.

Doch Hadrian hatte auch persönlich zu kämpfen – als spanischer „Ausländer“ behandelte ihn der alte römische Adel mit Hochmut. Wegen seines Akzents wurde er bei Reden im Senat ausgelacht. Aber er begegnete dem Spott mit Ehrgeiz und investierte in seine Ausbildung, bis er mit perfekter Rhetorik glänzte.

Die Adoption durch Trajan

Es bestehen jedoch Zweifel, ob Trajan wirklich wollte, dass Hadrian Kaiser wird. Er hatte zwar die Vormundschaft für seinen Großneffen, für eine Erbfolge als Princeps musste er diesen jedoch auch adoptieren. Diesen Schritt hatte der Vormund aber 19 Jahre lang nicht gemacht.

In der offiziellen Version erhielt Hadrian die Nachricht über seine Adoption durch Trajan nur zwei Tage vor der Botschaft über dessen Tod. Die ursprüngliche Verlesung dieses letzten Willens soll durch die Witwe sowie den Kommandanten der Prätorianer erfolgt sein. Zu diesem Zeitpunkt weilte Hadrian als Gouverneur des Ostens bei seinen Truppen in Syrien und ließ sich umgehend per Heeresakklamation zum römischen Kaiser ausrufen.

Der römische Senat war damit bei der Machtergreifung übergangen worden. Trotz der Anerkennung durch die Armee schickte Kaiser Hadrian jedoch umgehend ein Schreiben an den Senat und machte politische Zugeständnisse gegenüber dieser Institution und seinen Mitgliedern. Dafür erhielt er im Gegenzug die umgehende Anerkennung sowie die Verleihung aller Ehrentitel wie Augustus oder Pater Patriae.

Kaiser Hadrian und das „Goldene Zeitalter“

Kaiser Hadrian ließ die Engelsburg errichten (Foto bei Nacht).
Kaiser Hadrian ließ die Engelsburg als Mausoleum errichten. (pixabay)

Kaiser Hadrian war es mit seinem diplomatischen Auftreten gelungen, den inneren Frieden im Reich zu erhalten. Es kam zwar zu auch zu einigen Exekutionen, diese konnten aber sehr geschickt herunter gespielt werden. Seine Herrschaft war geprägt von einer Erneuerung der Pax Augusta sowie der Sicherung und Stabilisierung von Reichsgrenzen.

Dabei legte Kaiser Hadrian sehr respektvolles Verhalten gegenüber den Senatoren an den Tag. Aber dennoch war seine Herrschaft von Realpolitik gekennzeichnet. Der Rückhalt bei den Legionen war ihm stets wichtiger als die Zufriedenheit des Adels, denn die politische Macht des Imperiums hatte sich zunehmend in die Provinzen verlagert.

Außerdem zeigte er ein besonderes Gespür für die Bedürfnisse seiner Untertanen und gute Stimmung. Demonstrativ ließ er einmal öffentlich und unter dem Beifall der Anwesenden Steuer-Akten von Bürgern verbrennen. Auch wurde Kaiser Hadrian im Gegensatz zu Vorgängern und Nachfolgern nicht durch eine Verschwörung der Prätorianer getötet, sondern wurde von eben diesen gegen ein solches Attentat geschützt.

Darüber hinaus ließ er zahlreiche Prachtbauten in vielen Städten des Reiches errichten – darunter die Engelsburg in Rom als sein persönliches Mausoleum. Nur eine schwere militärische Auseinandersetzung warf einen Schatten auf die Regierungszeit von Kaiser Hadrian – der jüdische Bar-Kochba-Aufstand von 132 bis 136 n. Christus mit 580.000 Toten.

Das Ende der römischen Expansion

Nach dem Ende der großen Expanion des römischen Reiches kam es zu einer Zeit der neuen Politik. Das Reich erstreckte sich vom heutigen Schottland quer über Europa und den nahen Osten bis nach Kuweit. Mehr als 4.000 Städte umfasste die römische Zivilisation und eine weitere Expansion war praktisch nicht mehr umzusetzen.

Deshalb vollführte Kaiser Hadrian eine 180-Grad-Kehre in der römischen Außenpolitik. Er beendete das Zeitalter der römischen Expansion und führte eine neue Strategie ein. Diese zielte auf die Konsolidierung des Imperiums. Der Kern seiner Politik kann dabei gut umrissen werden:

  • das Ziehen von sinnvollen Grenzlinien
  • die Romanisierung unterworfener Völker
  • den Ausgleich von politischen Interessen
  • die Reformen der Rechtssprechung
  • die Pflege militärischer Stärke.

Einen großen Teil seiner Regierungszeit verbrachte Kaiser Hadrian deshalb als „Reise-König“. Er inspizierte sein Reich und informierte sich über regionale Besonderheiten wie die Anliegen der germanischen und britischen Legionen. Darüber hinaus investierte er intensiv in die Konsolidierung der Reichsgrenzen.

Befestigung der Grenzen des Reichs

Kaiser Hadrian erkannte auf seinen Inspektionsreisen, dass das römische Reich eine kritische Ausdehnung erreicht hatte. Wie er es von seinem Vormund in Dakien gelernt hatte, bemüht er sich deshalb um klar definierte, vorteilhafte Verläufe der Außengrenzen des Imperiums.

Die römischen Legionäre zogen sich vor allem in Germanien, Britannien und Syrien hinter strategische Linien zurück, die einerseits ergiebige Ländereien umschlossen, aber andererseits leicht zu verteidigen waren:

  • Obergermanisch-Raetischer Limes: Bereits seit den vergeblichen Kämpfen gegen Arminius hatten sich die Römer hinter Donau und Rhein zurückgezogen. Kaiser Hadrian bekräftigte dieses Ende der Expansionspolitik und ließ den römischen Limes ausbauen.
  • Hadrianswall: Auch im römischen Britannien zog Kaiser Hadrian eine Linie. Während das heutige England bereits lange von Römer besetzt war, wehrten sich die Schotten erfolgreich gegen die Eindringlinge aus dem Süden. In der Nähe der heutige Grenze zwischen Schottland und England ließ er deshalb den Hadrianswall errichten. Dieser wurde mit einer 15.000 Mann starken Hilfstruppe dauerhaft besetzt und erst 407 n. Christus – fast 300 Jahre später – von den letzten regulären Truppen geräumt.
  • Syrien: Im Osten hatten die Legionen den Irak eingenommen und den persischen Golf erreicht. Kaiser Hadrian verkürzt die Linien dramatisch und ließ die Soldaten sich hinter den Euphrat zurückziehen. Damit schuf er eine Pufferzone gegenüber östlichen Völkern wie den Parthern. Die Gebiete wurden verbündeten Stämmen überlassen.

Der große und entscheidende Vorteil der neuen Grenzen war, dass die geografische Überdehnung des Imperiums ein Stück weit reduziert wurde. Das hatte den Effekt, dass die gesicherten Territorium deutlich konzentrierter verteidigt werden konnten

Der Bar-Kochba-Aufstand von 132 bis 136 n. Christus

Bereits im 1. Jhd. n. Christus hatte es schwere Auseinandersetzungen zwischen Juden und Römern gegeben. Erst unter Trajan, dem Vorgänger von Kaiser Hadrian, hatte es den letzten großen Krieg gegeben. Dann im Jahr 132 wurde ein jüdischer Rebell namens Bar Kochba („Sohn der Sterne“) von einem Rabbi zum prophezeiten Messias erklärt. Über die weitere Herkunft des Mannes ist nichts bekannt.

„Wehe den Besiegten.“Römisches Sprichwort

Unter der Führung von Bar Kochba konnten rebellische Juden zunächst große Erfolge gegen Kaiser Hadrian erzielen. Aber das Blatt wendete sich gegen sie. Die Römer holten zu einem brutalen Gegenschlag aus und zerstörten auf ihrem Feldzug mehr als 50 Städte und hunderte Dörfer.

Die Rebellen lieferten sich erbitterte Gefechte auf dem Rückzug und verschanzten sich in Bergfestungen. Aber die römische Belagerungstechnik war dem Willen der Aufständischen überlegen. Kaiser Hadrian zerschlug im Anschluss an den Aufstand die letzten großen Siedlungsgebiete der Juden und löste die antike Diaspora aus (bis 1948).

Bautätigkeiten von Kaiser Hadrian

Kaiser Hadrian hinterließ auch als Bauherr ein Fußabdruck in der Geschichte. Neben den militärischen Befestigungen ließ er beispielsweise auch das Pantheon in Rom sowie zahlreiche Prachtbauten in Provinzstädten errichten. Außerdem errichtete man in seinem Auftrag die Engelsburg. Sie war ursprünglich als Mausoleum gedacht und wurde erst im Laufe der Zeit zur Fluchtburg der Päpste.