Dämonen

Dämonen und Dämonologie

Dämonen sind mystische Wesen, die die Menschen bereits im alten Ägypten heimsuchten, zumindest in den Gedanken. Als böse Geister kennt man sie in praktisch allen Natur- wie auch den abrahamitischen Religionen. Der Begriff „Daimon“ stammt aus der griechischen Mythologie und bezeichnet den Geist einer verstorbenen Person.

Burney Relief
Das Burney-Relief aus babylonischer Zeit zeigt wahrscheinlich Lilith. (gemeinfrei)

Dämonen gelten gerne als Handlanger des Teufels. Dabei treten sie als tierköpfige Chimären oder in menschlicher Gestalt wie Lilith.

Darüber hinaus sind viele Dämonen ursprünglich gefallene Engel wie der jüdische Samael, der christliche Luzifer oder der islamische Iblis.

Im Rahmen der Dämonologie von durchaus prominenten Personen wie Jakob I. Stuart wurden Theorien zu diesen negativen Mächten aufgestellt. In der christlichen Theologie war dies lange Zeit eine Subdisziplin der Angelologie, der Kunde von den Engeln.

Häufig wurden dann zugleich Abwehrzauber und andere Schutzmaßnahmen gegen Dämonen aufgelistet. Der Exorzismus ist die wohl bekannteste Form.

Bereits der Kirchenvater Origenes gab für die Austreibung von Dämonen praktische Empfehlungen. Vor allem größere christliche Gemeinden hatten schon in der Spätantike eine Planstelle für Exorzisten.

  • Nennung des Namen Jesu Christi
  • Zeigen des Taufsiegels
  • Anblasen und Ausspucken
  • Räuchern und andere starke Gerüche
  • Erze, Eisen und Feuer
  • Knoblauch und Zwiebeln
  • Läuten von Glocken

Spannenderweise bieten selbst moderne Wissenschaftler eine plausible Erklärung für Erfolge bei solchen Zeremonien zur Vertreibung von Dämonen: In einem solchen Kontext kommt es zur sozialen Interaktion zwischen der „bessenenen“ Person und dem Exorzisten. Das führt zu einer unterbewussten Erfüllung von Erwartungshaltungen.

Dämonen – das personifizierte Böse

In der Archäologie wird bei Darstellungen zwischen Dämonen mit mindestens menschlichen Beinen und Monstern mit den Körpern von Tieren unterschieden.

Mantikore, die Sphinx oder auch Zentauren werden mit ihren menschlichen Köpfen entsprechend als Monster eingeordnet.

Dunkle Götter im alten Ägypten

Die ägyptische Mythologie kannte eine Vielzahl an Göttern, die teils auch sehr zerstörerische Kräfte hatten. In der langen Geschichte des Reiches kann man außerdem viele Entwicklungen der jeweils zugeschriebenen Rollen nachvollziehen, was den Facettenreichtum dieser Charaktere noch deutlich erhöht.

Die Dämonen im alten Ägypten sortierten sich vor allem entlang ihrer Wohnstätten in den vier Elementen: Erde und Wasser sowie Feuer und Luft. Darüber hinaus gab es Vertreter aus der Unterwelt.

Böse Geister der Babylonier

In der Hierarchie unterhalb der Götterfamilie der Babylonier gab es Mischwesen, die häufig böse waren. Sie handelten teils im Auftrag, jedoch auch immer wieder auf eigene Faust.

Lilith
„Lilith“ von John Collier im Jahr 1887 (gemeinfrei)

Ein besonders bekanntes Beispiel ist Lilith. Das war ursprünglich eine junge Göttin, die in einem Baum lebte. Dieser wurde jedoch von einer höherrangigen Göttin gefällt.

Daraufhin floh Lilith in die iranische Wüste und entwickelte sich zu einer negativen Macht. Als attraktiver Succubus fand sie schließlich Eingang in die Vorstellungen von jüdischen und christlichen Mystikern.

„Es ist verboten im Haus allein zu schlafen, und jeder, der im Haus allein schläft, ergreift die Lilith.“ (Shabbat 151b)

Die Dämonin gilt als erste Frau von Adam und soll vor seinen patriarchalischen Ansprüchen aus dem Paradies geflohen sein. Deshalb ist sie heutzutage ein Vorbild im Feminismus.

Später entwickelte sich Lilith zur Dämonin des Kindstodes. Sie lauert gerne auf Türschwellen, um den Nachwuchs zu Ersticken. Darüber hinaus gilt sie wahlweise als Gefährtin der Dämonen Luzifer, Samael oder auch Asmodeus. Letzteren kennt man aus dem Buch Tobit, in dem er mit der Hilfe von Erzengel Raphael vertrieben wird.

„Tobias entsann sich der Anweisungen Rafaëls. Er nahm die Leber des Fisches und sein Herz aus dem Reisesack, den er bei sich trug, und legte sie auf die Räucherkohle. Da hielt der Geruch des Fisches den Dämon fern und er entwich bis hinauf in die Gegenden Ägyptens und Rafaël ging hin, nahm ihn dort fest und fesselte ihn sofort.“ (Tobit 8,2-3)

Germanische Dunkelelfen

Die germanische Mythologie kennt drei Typen an Dämonen: Elfen, Riesen und Wichtel. Diesen waren jedoch nicht zwangsläufig negativ besetzt, wie aus der relativ spät entstandenen Snorra-Edda aus dem 13. Jahrhundert hervorgeht. Vielmehr wurde nach nutzbringendem und schädlichem Wirken unterschieden.

Mit den Dunkelelfen gibt es jedoch eine dezidiert schadensorientierte Unterklasse. Sie vertauschen Kinder, entführen Frauen, verursachen Alpträume und können Magie wirken.

Zur Abwehr von Dunkelelfen helfen vor allem Feuer und Sonnenlicht. Darüber hinaus können sie durch Stahl gebannt werden.

Aber auch die Riesen sind interessant. Sie stehen für Naturgewalten, repräsentieren damit das Chaos und stellen so die göttliche Ordnung der Asen in Frage.

Islamische Dschinn & Satane

Bevor Allah mit Adam den ersten Menschen schuf, wurde die Welt von Geistwesen aus Rauch und Feuer bewohnt. Aus der mystischen Zeit dieser Dschinns sollen beispielsweise die Pyramiden von Gizeh stammen.

Azrael
Azrael – Erzengel des Todes (Künstlerin: Evelyn De Morgan / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Ihr Stammvater Al-Dschann hauste tief in der Erde und erhob sich dort gegen den Allmächtigen. Daraufhin wurde zunächst der Engel Iblis geschickt, der den Aufstand erfolgreich brechen konnte.

Iblis inthronisierte sich als neuer Machthaber über die Erde und lehnte sich letztlich selbst gegen Allah auf. Unter all den Engeln im Himmel hatte daraufhin nur noch Azrael den Mut, sich gegen diesen größten aller Dämonen zu stellen.

Als Erzengel des Todes begab sich Azrael auf die Erde und strich die Namen der Rebellen aus dem Buch des Lebens.

So konnte er die relative Unsterblichkeit der Dschinn und Satane aushebeln. Seine Widersacher wurden dadurch in den Barzach verbannt, eine Art von Transitraum zwischen diesseitiger und jenseitiger Welt.

Dämonologie – Typisierung negativer Mächte

Böse Geister der vorchristlichen Antike

Im Mittelmeerraum der Antike war der Glaube an schädigende Geister weit verbreitet. Die Typisierung sortierte sich in der Regel entlang der verursachten Übel.

Orestes und die drei Furien
Orestes wird nach dem Mord an Klytaimestra von den drei Furien verfolgt: Gemalt von William Bouguereau im Jahr 1862. (gemeinfrei)

Beispielsweise gab es Sexualdämonen, die Unfruchtbarkeit bewirkten. Die drei griechischen Erinnyen beziehungsweise römischen Furien waren dagegen das personifizierte schlechte Gewissen.

Damit waren die Furien jedoch nicht rein negativ besetzt. Sie fungierten durch ihre Rollen auch als Schutzgöttinnen einer sittlichen Ordnung. Über diesen Zusammenhang waren sie Helferinnen der Nemesis, der Göttin des gerechten Zorns.

Vor allem der Mord an Frauen führte in der griechisch-römischen Mythologie zum Erscheinen der drei Furien, die den Tätern dann für seine Taten quälten. Exemplarisch gilt dies für die Sage von Orestes, der auf Wunsch der Schwester Elektra die gemeinsame Mutter Klytaimestra ermordete, weil sie den Vater Agamemnon getötet hatte.

  • Alekto – die unaufhörlich Jagende
  • Megaira – der neidische Zorn
  • Tisiphone – die Rächende

„Ich bin Legion“ – das Neue Testament

Im Alten Testament sind die unscharfen Begriffe für Dämonen eine große Herausforderung für die Erhebung von Befunden. Mit dem Neuen Testament ändert sich dies.

Vor allem die „Schweineepisode“ zwischen Jesus und dem vielzähligen Dämon von Gadara spiegelt das Verhältnis zwischen einem monotheistischen Messias und bösen Geistern. Die Szene wird in den Evangelien von Lukas und Markus beschrieben:

„Jesus hatte nämlich dem unreinen Geist befohlen, den Mann zu verlassen. Denn schon seit Langem hatte ihn der Geist in seiner Gewalt; und er war gebunden mit Ketten und Fußfesseln und wurde gefangen gehalten. Aber immer wieder zerriss er die Fesseln und wurde von dem Dämon in menschenleere Gegenden getrieben. Jesus fragte ihn: Wie heißt du? Er antwortete: Legion. Denn er war von vielen Dämonen besessen. Und die Dämonen baten Jesus, dass er ihnen nicht befehle, in die Unterwelt hinabzufahren.“ (Lk 8,28-31)

Im weiteren Verlauf der Handlung gestattet Jesus von Nazareth dem vielzähligen Dämon in eine Herde von Schweinen zu fahren. Diese stürzen sich daraufhin in den See Genezareth und sterben.

Entscheidend an dieser Episode ist, dass der beziehungsweise die Dämonen keine souveränen Geistern mehr sind. Vielmehr sind sie dem Willen des christlichen Messias unterworfen. Sie dienen in dieser Erzählung vor allem als Nebendarsteller, um die Herrlichkeit des Heilands zu beleuchten.

Von Lucifer zu Luzifer – 312 n. Christus

Auch die Metamorphose von Lucifer zu Luzifer diente der Schärfung von Kontrasten. Ursprünglich handelte es sich bei dem „Sohn der Morgenröte“ um eine positiv konnotierte Lichtgottheit.

Michael und Luzifer
Erzengel Michael bezwingt Luzifer: Gemalt von Raffael im Jahr 1518. (gemeinfrei)

Im Römischen Reich der Spätantike war der Glaube an einen unbesiegbaren Sonnengott sehr weit verbreitet. Zu Beginn des 4. Jahrhunderts war Kaiser Maxentius ein großer Anhänger dieser Strömung.

Maxentius wurde dann aber am 28. Oktober 312 in der Schlacht an der Milvischen Brücke von dem Usurpator Konstantin I. besiegt und verlor dabei sogar noch wenig glamourös sein Leben. In der Folge kam es zur Konstantinischen Wende. Das Christentum wurde zur dominierenden Glaubenslehre im Reich.

Im Rahmen der Symbolpolitik verklärte man den römischen Lichtgott Lucifer zum obersten Widersacher der Christenheit. Seitdem ist er besser als der dämonische Luzifer bekannt.

Dieser plötzliche Wandel hinterließ dann auch einen deutlichen Niederschlag in den Schriftquellen und kann von Historikern gut nachvollzogen werden.

Dämonen in der früh-neuzeitlichen Physik

In der älteren Geschichtswissenschaft wurde der Glauben an Dämonen als ein rein spirituelles Thema interpretiert. Neuere Studien sehen die Theorien zu bösen Mächten jedoch auch als Teil des physischen Naturverständnisses.

Die den Dämonen zugeschriebenen Fähigkeiten waren ihrer Zeit plausible Erklärungsmuster für natürliche Phänomene. Deshalb erscheinen in der Rückschau die Parallelen verschiedener Vorstellungen wichtiger als die teils unterschiedlichen Grundannahmen.

Malleus Maleficarum – der „Hexenhammer“ (Druck von 1669 – gemeinfreies Bild)

Besonders pikant ist dieser Zusammenhang für das Christentum und insbesondere für die Hexenverfolgungen: Eigentlich ist der Glaube an übernatürliche Kräfte böser Mächte eine dualistische und damit verbotene Irrlehre.

„Ich glaube an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer alles Sichtbaren und Unsichtbaren.“

Im Gegensatz zu diesen fundamentalen Glaubenssätzen war es in der frühen Neuzeit jedoch gängig, den sogenannten Teufelspakt als Übertragung von magischen Fähigkeiten durch einen Dämon auf einen Menschen anzusehen. Unter dem Dach der christlichen Kirche wurde in Kombination mit dem damals noch sehr unausgegorenen Verständnis von der Natur eine juristische Prozessordnung entwickelt, um solche Pakte nachzuweisen.

Ein besonders bekanntes Beispiel dieser Phase war der Malleus Maleficarum von Heinrich Kramer. Dieser „Hexenhammer“ des Dominikaners wurde erstmals 1487 gedruckt und diente als Anleitung zur Kategorisierung von Hexen. Auf dieser Basis wurden selbst Personen, die nicht an Hexen glaubten, der Ketzerei beschuldigt.