Cato der Ältere

Cato der Ältere – Antike Rhetorik

Marcus Porcius Cato Censorius, besser bekannt als Cato der Ältere, wurde im Jahr 234 v. Christus geboren. Er war ein römischer Feldherr und bedeutender Staatsmann der Antike. Darüber hinaus ist er für seine wortgewaltige Rhetorik bis heute bekannt.

Archäologische Funde im zerstörten Karthago
Überreste des zerstörten Karthago (pixabay)

Dabei handelte es sich bei Cato dem Älteren ursprünglich gar nicht um einen Angehörigen des senatorischen Standes, der von Geburt an für höchste Aufgaben in der Gesellschaft prädestiniert war. Vielmehr war der talentierte Mann aus dem Stand der römischen Ritter bis an die Spitze der römischen Republik aufgestiegen.

Aber sein junges Leben war vom Zweiten Punischen Krieg geprägt. Im Schicksalsjahr 217 v. Christus trat Cato der Ältere in die Armee ein. Just in dem Jahr als Quintus Fabius Maximus die römische Republik nach den Niederlagen an der Trebia und an den Trasimenischen Seen nur noch mit einer ausgeklügelten Defensivstrategie vor der Vernichtung retten konnte.

Cato der Ältere machte in der römischen Armee dann schnell Karriere, als Hannibal Barkas eben dieser in der Schlacht von Cannae die bis dato schwerste Niederlage ihrer Geschichte zufügte. Diese Eindrücke begleiteten ihn für den Rest seines Lebens und führten nach Plutarch zu seinem legendären Ausspruch:

„Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Karthago zerstört werden muss.“ – Cato der Ältere

Doch Cato der Ältere präsentierte sich selbst auch als einen Inbegriff des Republikaners. Beispielsweise erhielt sich die Legende, dass er in seiner Jugend besonders hart auf dem Feld gearbeitet hätte. In konservativen Kreisen des Römischen Reiches konnte er damit beeindrucken.

Insgesamt ist Cato der Ältere deshalb eine Symbolfigur für den römischen Brauch, sich an den Sitten der Vorfahren zu orientieren, den mos maiorum. Dabei handelte es sich um mehr oder minder explizite Konventionen der höheren Gesellschaft:

  • labor: Die mühevolle Arbeit des Einzelnen für die Gesellschaft.
  • iustitia: Gerechtigkeit gegenüber Freunden, aber auch Feinden.
  • pietas: Die aufrichtige und redliche Frömmigkeit gegenüber Göttern und Sitten.
  • fortitudo: Militärisches Vermögen und Tapferkeit im Angesicht der Gefahr.
  • res publica: Das Primat des republikanischen Staates über dem individuellen Wohl.

Deswegen war Cato der Ältere auch aufgrund seines persönlichen Auftretens für eine Karriere in der konservativen Gesellschaft sehr gut geeignet. Als Politiker war er schließlich so erfolgreich, dass er im Jahr 195 v. Christus zum Konsul gewählt wurde. Doch vor allem machte er in der Rolle des Zensoren von sich reden. Dies bescherte ihm den späteren Beinamen Censorius.

Im hohen Alter sollte sich schließlich sogar noch sein angeblicher Herzenswunsch erfüllen. Kurz vor seinem Tod im Jahr 149 v. Christus brach der Dritte Punische Krieg aus. Karthago wurde dann tatsächlich zerstört.

Karriere von Cato dem Älteren (Maior)

Die Karriere von Marcus Portius Cato dem Älteren begann mit seinem Eintritt in die Armee. Zu seiner Zeit war es noch üblich, dass zunächst zehn Jahre lang Militärdienst geleistet wurde, bevor der zivile Cursus Honorum beschritten werden konnte.

Freundschaft mit Lucius Valerius Flaccus

Bereits in den frühen Jahren seines militärischen Dienstes knüpfte Cato der Ältere eine enge Beziehung zu Lucius Valerius Flaccus. Dabei handelte es sich um einen Patrizier aus dem senatorischen Stand. Dessen Bruder hatte als Flamen Dialis, als Hoher Priester des Jupiter, bereits eine hervorgehobene Position erreicht.

Lucius Valerius Flaccus protegierte schon sehr früh die Karriere des Aufsteigers. Der Hintergrund dürfte sein, dass beide Charaktere ein gemeinsame, zutiefst republikanische Weltanschauung teilten. Es ist wohl dessen Fürsprache zu verdanken, dass Cato der Ältere im Jahr 214 v. Christus zum Tribunus Militum, zum Militärtribun, ernannt wurde.

Normalerweise erfolgte eine solche Beförderung zu dieser Zeit frühstens nach fünf Jahren Militärdienst. Cato der Ältere wurde jedoch bereits im dritten Jahr zu einem solchen Stabsoffizier der Legion befördert. Jedoch dürfte der junge Aufsteiger auch vom hohen Blutzoll der römischen Armee sowie den zahlreichen Neuaufstellungen von Einheiten profitiert haben.

Quästor in Spanien unter Scipio Africanus

Nach weiteren zehn Jahren Militärdienst stellte sich Cato der Ältere zur Wahl als Quästor. Dabei handelte es sich um das niedrigste zivile Amt einer senatorischen Ämterlaufbahn. Erneut war es die Unterstützung von Lucius Valerius Flaccus, die ihm Erfolg bescherte.

Ein Quästor hatte vor allem die Aufgabe, einen Konsul beziehungsweise einen Prokonsul bei seinen Amtsgeschäften als Gehilfe zu unterstützen. Dabei hatte Cato der Ältere das ganz besondere Glück, an den entscheidenden Brennpunkt dieser Tage versetzt zu werden.

Im Jahr 204 v. Christus wurde Cato nach Spanien geschickt, um dort Scipio Africanus zu unterstützen. Dieser baute im Auftrag des Senats eine Entsatz-Armee auf. Diese sollte später entlang der Küste von Nord-Afrika gegen Karthago marschieren.

Im Jahr 202 v. Christus war es dann soweit. Der lange Arm der römischen Republik bedrohte nun die feindliche Hauptstadt. Dank dieses geo-strategischen Manövers wurde Hannibal schließlich gezwungen, Italien zu verlassen. In der Schlacht von Zama kassierte er dann die entscheidende Niederlage und der Zweite Punische Krieg war für die Römer gewonnen.

Ädilat, Prätur und Statthalterschaft auf Sardinien

Nach dem Ende des Zweiten Punischen Krieges konzentrierte sich Cato der Ältere auf seine zivile Karriere. Im Jahr 199 v. Christus wurde er zum Ädil gewählt und trug damit erstmals Verantwortung innerhalb von Rom. Seine Amtszeit nutze er wie viele Zeitgenossen für das Abhalten von Spielen, um Bonuspunkte bei der Bevölkerung zu sammeln.

Bereits im darauffolgenden Jahr 198 v. Christus erklomm Cato der Ältere die nächste Stufe der Ämterlaufbahn. Er wurde zum Prätor ernannt und gehörte damit zu den hohen Magistraten der römischen Republik. Direkt im Anschluss wurde er zum Statthalter von Sardinien ernannt.

Konsulat mit Lucius Valerius Flaccus

Parallel zur Karriere von Marcus Porcius Cato hatte auch sein alter Freund Lucius Valerius Flaccus Fortschritte gemacht. Er war in denselben Jahren ebenfalls Ädil und dann Prätor (von Sizilien) geworden.

Das erfolgreiche Duo trat deshalb im Jahr 195 v. Christus gemeinsam zur Wahl als Konsul an. Sie wurden auch gewählt und konnten während ihrer Amtszeit erfolgreich Krieg gegen aufständische Stämme in Spanien führen.

Cato der Ältere wurde für die Siege in Spanien sogar mit einem Triumphzug geehrt. Erst im Jahr 191 v. Christus sollte es zu seiner letzten militärischen Verwendung kommen. Bis dahin kämpfte er noch im Krieg gegen Antiochos III. und sein Seleukidenreich.

Marcus Porcius Cato – der Zensor

In der römischen Ämterlaufbahn stellte das Konsulat die höchste Stufe dar. Häufig wurden verdiente Konsuln jedoch Jahre später wieder für den öffentlichen Dienst reaktiviert und als Zensoren berufen.

Der Begriff kommt von Censur. Aus dem Lateinischen übersetzt bedeutet dies „Schätzung“ oder „Begutachtung“. Im Prinzip waren die Zensoren deshalb so etwas wie die höchsten Steuerbeamten im Staat. Die Aufgaben der römischen Zensoren waren:

  • Zählung der Bevölkerung
  • Schätzung von Vermögen
  • Besetzung des Senats
  • Aufsicht über die Sitten

Diese vermeintlich einfachen Aufgaben hatten jedoch einen hochgradig politischen Charakter. Deshalb wurden auch nur sehr verdiente Staatsmänner am Ende ihrer politischen Karriere in diese Ämter berufen.

Das Besondere war nämlich, dass die Zensoren mittels der Vermögensschätzung einem römischen Ritter oder auch einem Senator den adeligen Stand entziehen konnten. Auch Bürger konnten regelrecht degradiert werden. Bei weniger schweren Vergehen stand den Zensoren der förmlichen Tadel zur Verfügung.

Cato der Ältere wurde schließlich im Jahr 184 v. Christus in dieses bedeutende Amt gewählt und zeigte dabei eine sehr strenge Amtsführung. Auf sein Bestreben hin wurden sechs Senatoren entlassen. Außerdem legte er strenge Regeln bei der Musterung der Ritter an.

„Von mir aus sei es jedem erlaubt, was er hat zu nutzen und zu genießen.“ – Cato der Ältere

Marcus Porcius Cato scheute sich dabei nicht vor persönlichen Fehden und wurde dafür teils massiv angefeindet. Dies führte zu insgesamt 44 politisch motivierten Anklagen, die jedoch alle mit einem Freispruch endeten. Gleichzeitig genoss Cato der Ältere unter Gesinnungsgenossen höchste Anerkennung.

Dennoch war das Amt des Zensoren die letzte Station seiner Karriere im öffentlichen Dienst. Danach nahm er einen Sitz im römischen Senat ein und wurde Sprecher der Konservativen in diesem höchsten Gremium der Republik.

Cato der Ältere und seine Eigenheiten

Marcus Porcius Cato ist bis heute auch deshalb eine so markante Figur, weil er immer wieder provozierte und polarisierte. Der wortgewaltige Republikaner stellte dabei gerne seine Prinzipien über das Ansehen von anderen Personen.

Marcus Porcius Cato dem Älteren wurde von seinen Gegnern permanente Selbstbeweihräucherung vorgeworfen. Er scheute dann aber nicht davor zurück, öffentlich zu proklamieren, dass Selbstlob abzulehnen sei. Er selber sei auch ganz besonders gut darin, sich nicht selbst zu loben.

Selbstvermarktung gehörte offensichtlich zu den ganz großen Stärken des Republikaners. Dabei handelte es sich bei Cato dem Älteren wohl dennoch um eine sehr überlegte Person. Immerhin wurde er 44x angeklagt und jedesmal freigesprochen.

Rhetorische Techniken des Censorius

Cato der Ältere verfolgte ein einfaches aber sehr effektives Prinzip: „rem tene, verba sequentur“  – „Halte an deinem Anliegen fest, dann werden die Worte schon folgen.“

Aber das Schwergewicht beherrschte noch mehr rhetorische Tricksereien. Er galt als wortgewaltig und soll eine sehr hohe Präsenz gehabt haben. Marcus Tullius Cicero kannte noch 150 Reden von Cato dem Älteren. Dieser glänzte vor allem mit:

  • Umfangreicher Sachkenntnis
  • Knappen Formulierungen
  • Spitzen Bemerkungen

„Ceterum censeo Carthaginem esse delendam“

Marcus Porcius Cato der Ältere ist bis heute bekannt für sein: „…ceterum censeo carthaginem esse delendam.“ – „Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Karthago zerstört werden muss.“

Diesen Satz verwendete er nach Plutarch als eine obligatorische Schlussfloskel bei jeder seiner Reden im Senat zu egal welchem Thema. Der tatsächliche Wahrheitsgehalt dieser Legende ist also höchst zweifelhaft, weil Plutarch erst etwa 300 Jahre später lebte.

Dennoch dürfte Cato der Ältere tatsächlich ein vehementer Verfechter eines dritten Krieges gegen Karthago gewesen sein. Die dann tatsächlich folgende Auseinandersetzung ab dem Jahr 149 v. Christus wurde auch zum gesellschaftlichen Großereignis der damaligen Zeit mit zahlreichen prominenten Zeugen wie:

Die Römer gingen dann wirklich soweit, Karthago regelrecht zu vernichten. Nach ihrem Sieg verstreuten sie sogar Salz auf den Feldern, um eine landwirtschaftliche Nutzung dieser Flächen längerfristig zu problematisieren.

Marcus Porcius Cato der Jüngere (Minor)

Aus der Familie des Marcus Porcius Cato stammte auch Cato der Jüngere. Das war ein Ur-Enkel des legendären Censorius. Der Jüngere war wie sein legendärer Ahne auch ein Senator und Feldherr.

Cato der Jüngere war ebenfalls stramm konservativ sowie eindeutig republikanisch orientiert. Er ging als prominenter Gegner von Gaius Julius Caesar in die Geschichte ein. Nachdem dieser den Rubikon im Jahre 49 v. Chr. überschritten hatte, konnte die italienische Halbinsel militärisch nicht verteidigt werden.

Da erhielt Cato der Jüngere den Oberbefehl über Sizilien. Er tat sich als kommandierender Offizier immer wieder durch Besonnenheit und seine Rücksicht auf Zivilisten hervor.

Cato der Jüngere war sehr beliebt bei seinen Truppen. Unter seinem Kommando wurden ethische Richtlinien zum Umgang mit der Bevölkerung in besetzten Gebieten durchgesetzt. Den Soldaten waren sogar Beleidigungen beziehungsweise jede Form von ehrverletzendem Verhalten verboten.

Nach dem militärischen Niedergang der Opposition gegen Cäsar beging oder vielmehr zelebrierte Cato der Jüngere dann Selbstmord. Der Republikaner erfüllte seine letzten militärischen Pflichten. Dann las er noch einmal Platons Phaidon. Schließlich nahm er sich das Leben.

Cato der Jüngere erhielt zur Unterscheidung von seinem Ur-Großvater posthum den Beinamen: Uticensis. Diese zusätzliche Namensgebung bezieht sich auf den Ort seines Todes.