Rob Roy MacGregor

Rob Roy MacGregor – schottischer Outlaw

Rob Roy MacGregor wurde am 07. März 1671 in Glengyle am Loch Katrine geboren, wie aus dem Taufregister des Ortes Buchanan Parish hervorgeht.

Rob Roy MacGregor
Rob Roy MacGregor von W.H. Worthington um 1820 (gemeinfrei)

Der Name Rob Roy ist eine anglisierte Form des gälischen „Raibert Ruadh“. Das bedeutet soviel wie der rote Robert und war eine Anspielung auf seine Haarfarbe.

Rob Roy MacGregor war ursprünglich ein Viehhändler und kämpfte als Soldat in einer Reihe von Konflikten. Der schottische Clan der MacGregors wurde seinerzeit jedoch massiv durch Nachbarn bedrängt und verlor wichtige Ländereien.

Rob Roy MacGregor wurde deshalb ganz in der Tradition seines Clans zu einem Rinderdieb. Schließlich betätigte sich der Schotte jedoch in der hohen Kunst der Schutzgelderpressung unter seines Gleichen. Er hatte prägenden Einfluss auf den bis heutigen gängigen Begriff vom „Blackmailing“.

Letztlich scheiterte seine kriminelle Karriere jedoch am Widerstand von John Graham, dem 1. Duke of Montrose. Rob Roy MacGregor wurde wegen Betruges verurteilt, geächtet und eingesperrt.

Wenige Jahre vor seinem Tod wurde der Outlaw von König Georg I. begnadigt und lebte fortan in Balquhidder in der Nähe von Stirling. Dort findet sich heute eine prächtige Grablege.

Der berühmte schottische Schriftsteller Sir Walter Scott schuf dann über hundert Jahre nach seinem Tod mit „Rob Roy“ ein literarisches Denkmal. Er verlieh dem Gangster das Image von einem neuzeitlichen Robin Hood.

1995 wurde das Stück mit Liam Neeson in der Hauptrolle verfilmt. Rob Roy MacGregor wurde damit einer noch größeren Öffentlichkeit als Nationalheld präsentiert.

Clan MacGregor – „Königlich ist meine Rasse“

Legendäre Abstammung von Kenneth I.

Die MacGregors führen ihre Abstammung auf den ersten schottischen König Kenneth I. MacAlpin zurück. Das war ursprünglich ein Anführer gälischer Skoten, der Schottland im Jahr 843 einigte.

Der Auslöser für diese Reichseinigung war ein Wikingereinfall, den Pikten und Skoten nur gemeinsam zurückschlagen konnten. Anschließend regierte das Haus MacAlpin noch bis 1058 und brachte so legendäre Figuren wie Macbeth hervor.

Diese angebliche Abstammung der MacGregors von der ersten Königslinie ist jedoch nicht belegbar. Nichts desto trotz lautet das Motto des Clans: „Königlich ist meine Rasse“.

Raubzug gegen die Colquhouns

Die tatsächliche Geschichte des Clans von Rob Roy ist weit weniger glamourös als die angebliche Abstammung. Die MacGregors gerieten bereits relativ früh in einen Konflikt mit dem weit mächtigeren Clan Campbell.

Dabei verloren die MacGregors erstmals große Teile ihre Ländereien. Bereits im 16. Jahrhundert waren sie ein verarmter Clan, der sich wiederum gegen Schwächere wandte.

Legendär ist ihr Raubzug gegen den benachbarten Clan Colquhoun von 1603. Die MacGregors wurden bei diesem groß angelegten Raubzug nämlich entdeckt.

Es kam zu einem Kampf, zu einer regelrechten Schlacht: Dabei wurden 200 Colquhouns erschlagen, während nur zwei MacGregors ihr Leben ließen.

Zerschlagung durch Jakob I. Stuart

Der Sieg gegen die Colquhouns hatte jedoch fatale Konsequenzen. Die politische Großwetterlage in Britannien wurde für den Clan von Rob Roy zum Verhängnis, denn Königin Elisabeth I. war kurz zuvor kinderlos verstorben.

Jakob I. Stuart
König Jakob I. von England (Maler: John de Critz / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Die Nachfolge trat Jakob I. Stuart an. Erstmals wurden die Königreiche von England und Schottland in Personalunion regiert.

Der Monarch hatte jedoch in seiner persönlichen Geschichte extrem negative Erfahrungen mit der rebellischen Kultur der Schotten gesammelt.

In einem breit angelegten Programm versuchte dieser Jakob I. beziehungsweise James I. die Kultur der Highlander auszurotten.

Bräuche und gälische Dialekte wurden verboten. Den Nachwuchs des schottischen Adels brachte man zur Erziehung nach England.

Besonders hart traf es jedoch die MacGregors. Ihr Clan wurde verboten und der gesellschaftliche Niedergang beschleunigte sich. Angehörige des Familienverbandes mussten in der Folge massive Übergriffe und Enteignungen hinnehmen.

Erst 1775, also lange nach dem Tod von Rob Roy, wurde das Tragen des Familiennamens wieder gestattet. Zu diesem Zeitpunkt meldeten sich nur noch 826 Angehörige des Clans MacGregor.

Robert Roy MacGregor im Widerstand

Rob Roy MacGregor wurde etwa 70 Jahre nach dem offiziellen Verbot seines Clans durch Jakob I. Stuart am Loch Katrine geboren. Der See ist reich an Forellen und dient heutzutage der Wasserversorgung des Großraumes von Glasgow.

Seit dem Anfang des 17. Jahrhunderts hatten sich die Verhältnisse in England und Schottland jedoch mehrfach gewendet. Besondere Zäsuren waren die englische Bürgerkriege sowie die Herrschaft des Oliver Cromwell als Lordprotektor von 1653 bis 1658.

Nach der Schreckensherrschaft des Militärdiktators erhielten die Stuarts wieder vermehrte Unterstützung. Als in Folge der „Glorious Revolution“ die Krone an Wilhelm III. von Oranien-Nassau ging, erhoben sich dann wiederholt die Anhänger des alten Königshauses.

Jakobitischer Aufstand von 1689

Rob Roy MacGregor war erst 18 Jahre alt, als er am folgenden Aufstand der Schotten von 1689 teilnahm. Der als „Bonnie Dundee“ bekannte John Graham, 1. Viscount of Montrose, führte die Rebellion an.

Rob Roy MacGregor kämpfte zusammen mit seinem Vater für die Interessen des schottischen Thronwärters Jakob II. in diesem ersten „Jakobitenaufstand“. Zu Beginn konnte die Bewegung einige Erfolge erzielen.

Bemerkenswert war die etwa 10-minütige Schlacht von Killiecrankie am 27. Juli 1689. Die Jakobiten waren zwar grob 1:2 unterlegen und verloren etwa ein Drittel ihrer Streitkraft in dem Blutbad, insgesamt etwa 800 Verwundete und Tote.

Anne Stuart
Anne Stuart um 1685 (Maler: William Wissing / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Die Engländer verloren jedoch zwei Drittel, grob etwa 2.000 Mann. Sie trollten sich dann wie geprügelte Hunde davon. Der taktische Sieg führte dennoch zu einer strategischen Niederlage.

Denn unter den jakobitischen Opfern war eben auch Bonnie Dundee, der niedergeschossen wurde, als er mit empor gerecktem Schwert nach vorne stürmte.

Der charismatische Anführer des Aufstandes verblutete wenig später und die Bewegung verlor ihre Zugkraft. Auch die Zeit des Königreiches Schottland ging nun zu Ende.

Im Act of Union von 1707 wurden die bereits in Personalunion regierten Königreiche von England und Schottland vereinigt. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits alle katholischen Thronfolger kategorisch ausgeschlossen worden. Dies führte nach dem Tod von Königin Anne Stuart am 01. August 1714 zu weiteren Konflikten.

Als Erbe des Vereinigten Königreiches wurde Herzog Georg Ludwig von Braunschweig-Lüneburg bestimmt. Der spätere Premierminister Winston Churchill zeichnete ein eindrückliches Bild der damaligen Stimmung:

„Man traf wirksame Maßnahmen zur Sicherung der hannoverschen Thronfolge. Man entsandte Boten in alle Himmelsrichtungen, um jeden Beamten und jeden Offizier auf seinen Posten zu rufen. Die Flotte wurde unter dem Kommando eines Whigs, des Earl of Berkeley, mobilisiert und erhielt den Befehl, im Kanal zu patrouillieren und die französischen Häfen zu beobachten. Zehn Bataillone wurden aus Flandern zurückgerufen. Die Garnisonen wurden bewaffnet, und die Miliz alarmiert. Man erinnerte die Holländer an ihre Vertragspflichten. Alles war gerüstet, um die Thronbesteigung des Kurfürsten von Hannover als Georg zu sichern. […] Als Königin Anne am 1. August um halb acht Uhr ihren letzten Atemzug tat, stand fest, dass es keinen Papismus, keine umstrittene Thronfolge, keine französischen Bajonette und keinen Bürgerkrieg geben würde.“

Jakobitischer Aufstand von 1715

Wie Churchill im 20. Jahrhundert ganz richtig schrieb, kam es im Zuge des dynastischen Wechsels von den Stuarts zum welfischen Haus Hannover zu keinem Bürgerkrieg. Die Schotten taten jedoch ihr Bestes, um es wenigstens zu versuchen.

Rob Roy MacGregor war wieder mitten drin statt nur dabei: Im Jahr 1715 sammelte dann John Erskine, 23. Earl of Mar, eine Streitmacht für einen erneuten Aufstand der Jakobiten.

Für James Francis Edward Stuart erhoben sich 12.000 Highlander gegen das neue, weil protestantische Königshaus von England und Schottland.

Der Anführer John Erskine war 1715 jedoch überfordert und konnte die schnelle Mobilisierung der schottischen Clans nicht in eine schlagkräftige Initiative verwandeln. Nach langem Zögern zog er gegen Stirling.

Rob Roy MacGregors Haus in Glen Shira
Ruine des Hauses von Rob Roy MacGregor in Glen Shira (CC-BY-SA 3.0)

Rob Roy MacGregor und die anderen aufständischen Schotten erlitten am 13. November 1715 in der Schlacht von Sheriffmuir eine strategische Niederlage. Die Bewegung fiel schnell in sich zusammen.

Rob Roy zog dann 1716 nach Glen Shira. Dort stand er unter dem Schutz des Feldmarschalls John Campbell, 2. Duke of Argyll.

Im Gegenzug für eine freiwillige Entwaffnung durfte Rob Roy ein Haus bauen. Allerdings gab er nur eine Kiste an alten, verrosteten Waffen ab. Im Museum von Inveraray Castle werden bis heute einige dieser Stücke ausgestellt.

Als es aber 1717 zu einer Amnestie für Jakobiten kam, wurde der Clan MacGregor explizit ausgeschlossen. Damit hatte Rob Roy ein gutes Motiv, auch weiterhin zu rebellieren.

Jakobitischer Aufstand von 1719

Vier Jahre später versuchten die exilierten Stuarts erneut ihr Glück. Auch Rob Roy MacGregor zeigte wieder vollen Einsatz.

Eilean Donan Castle
Eilean Donan Castle am Loch Duich ist über den Seeweg erreichbar. (gemeinfrei)

Diese Aktion war jedoch letztlich nur eine Kopfgeburt von spanischen Diplomaten. Sie planten einen eigenen Angriff auf Großbritannien und wollten dafür die Schotten als Unterstützer mobilisieren.

Die Hoffnung war, dass man die britische Verteidigung so in einen Zweifrontenkrieg zwingen und damit entscheidend schwächen kann.

Letztlich kamen jedoch nur einige hundert spanische Soldaten. Die kleine Streitkraft besetzte Eilean Donan Castle. Die kleine Burg liegt in der Nähe von Skye und ist über den Seeweg erreichbar.

Die Briten schickten Unterhändler zu der isolierten Einheit. Diese wurden jedoch aus unbekannten Gründen beschossen. Das war auf jeden Fall keine gute Idee:

Das Gewehrfeuer der Spanier wurde von drei Fregatten der Royal Navy erwidert. Es überlebten nur 46 Mann. Rob Roy MacGregor führte dabei eine kleine Gruppe mit Verstärkungen herbei und wurde bei Eilean Donan Castle wohl am Arm verwundet.

Denn nächsten großen Aufstand der Jakobiten unter Bonnie Prince Charlie sollte Rob Roy MacGregor dann allerdings nicht mehr erleben. Mit dem Aufstand von 1719 ging auch sein militärischer Werdegang zu Ende.

Rob Roy und der 1. Duke of Montrose

Nach einer Zwischenstation in Monachyle Tuarach am Loch Doine zog Rob Roy MacGregor 1722 nach Balquhidder. Der Ort liegt nord-östlich von Stirling. Dort entwickelte er sich zunächst zu einem angesehenen Viehhändler.

Viehdiebstahl, Erpressung und Ächtung

Schließlich traf er jedoch eine geschäftliche Entscheidung, die sich fatal auswirken sollte. Rob Roy MacGregor lieh sich eine große Summe vom Duke of Montrose, um seinen Viehbestand zu erweitern.

Doch das erworbene Vieh ging verloren und Rob Roy MacGregor konnte den Kredit nicht bedienen. Dafür wurde er als Outlaw geächtet und der Duke of Montrose erhielt als Schadensersatz sein Land.

Das Haus von Rob Roy MacGregor wurde niedergebrannt und es begann eine Blutfehde. Diese ging jedoch nicht zu seinen Gunsten aus. Er wurde noch 1722 inhaftiert.

Rückkehr nach Balquhidder

Doch Rob Roy MacGregor hat bereits damals einen gewissen Kult-Status. Ein Hintergrund war die vorhergehende Veröffentlichung der Novelle „The Highland Rogue“.

Rob Roy MacGregor Grab Balquhidder
Grab von Rob Roy MacGregor in Balquhidder (Foto: Joe / (CC-BY-SA 3.0)

Diese Popularität bewegte König Georg I. im Jahr 1727, eine Begnadigung für Rob Roy MacGregor zu erlassen.

Dieser kehrte nach Balquhidder zurück und genoss seinen Ruf als lebende Legende. Der alte Haudegen verstarb dort im Alter von 63 Jahren am 28. Dezember 1734.

Bis heute findet sich in dem kleinen Ort ein prächtiges Grab für den schottischen Nationalhelden. Neben ihm ruhen seine Frau und ein Sohn.

Im Jahr 1817 veröffentlichte dann Sir Walter Scott seinen „Rob Roy“. Die Beliebtheit des Gauners stieg noch weiter und heutzutage setzt sich vor allem die sezessionistische Scottish National Party (SNP) sehr gerne für die Pflege seines Andenkens ein.