Apostel Jakobus der Ältere

Jakobus der Ältere – Apostel und Heiliger

Jakobus der Ältere gehörte zu den ersten Anhängern des Jesus von Nazaret, dem jüdischen Propheten und späteren Stifter des Christentums. Nach den Evangelien flickten er und sein Bruder Johannes einige Fischernetze am See Genezareth, als ihr Messias sie aufrief, ihm zu folgen.

Kathedrale von Santiago de Compostela über dem Grab von Apostel Jakobus dem Älteren
Die heutige Kathedrale über dem vermeintlichen Grab von Apostel Jakobus dem Älteren (pixabay)

Als einer der Erstberufenen wurde Jakobus der Ältere zu einem ständigen Begleiter seines Heilands. Er war Zeuge von dessen wundertätigen Reisen durch Galiläa und Judäa. In dieser Zeit wurde der Jünger auch in den Kreis der zwölf Apostel berufen.

Für viele Gläubige ist Jakobus der Ältere bis heute einer der wichtigsten Heiligen. Eine ganz besondere Verehrung wird ihm auf der iberischen Halbinsel zuteil. Dort soll er auf einer Missionsreise gewirkt haben.

Nachdem man ihn wohl im Jahr 44 n. Christus hingerichtet hatte, wurden seine sterbliche Überreste angeblich nach Santiago de Compostela in den hohen Nordwesten von Spanien überführt. Dort wurde sein Grab im 9. Jahrhundert n. Christus wieder entdeckt.

Über dieser Stelle errichtete man zunächst eine Kapelle. Diese wurde später zu einer Kirche erweitert. Im Jahr 1075 begann schließlich der Bau einer prunkvollen Kathedrale. Die Türme erheben sich 75 Meter in die Höhe. Noch imposanter ist das Mittelschiff:

  • 100 Meter lang
  • 8,5 Meter breit
  • fast 20 Meter hoch

Unabhängig von der historischen Strittigkeit wird Jakobus der Ältere deshalb in Spanien als nationaler Schutzheiliger verehrt. Er gilt als Patron im Kampf gegen Muslime. Darüber hinaus entwickelte sich die Kathedrale von Santiago de Compostela zu einem der wichtigsten Wahlfahrtsorte der Christenheit.

Über den Jakobsweg pilgern jedes Jahr viele Gläubige zu Fuß über hunderte oder gar tausende Kilometer in die entlegene Stadt in Galicien. Im Jahr 2017 erreichte die Statistik einen neue Rekordmarke mit 300.000 angekommenen Pilgern.

Jakobus – ein ungestümer Jünger Jesu

Der Name „Jakobus“ ist die latinisierte Form vom hebräischen Jakob. Diesen Namen trug schon der Erzvater Israels wie auch viele weitere Personen aus den biblischen Texten. Der Beiname „der Ältere“ hingegen dient der Unterscheidung zu einem weiteren der zwölf Apostel mit dem Namen Jakobus der Jüngere.

In den Evangelien wird darüber hinaus ein zusätzlicher, eher umgangssprachlicher Beiname überliefert. Jesus selbst titulierte sowohl Jakobus wie auch seinen Bruder für ihre ungestüme Art als die „Donnersöhne“:

„Und er setzte die Zwölf ein: Simon – ihm gab er den Namen Petrus – und Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, den Bruder des Jakobus – ihnen gab er den Namen Boanerges, das heißt: Donnersöhne“ Mk 3,16-17

Der Hintergrund für diese Bezeichnung liegt der Interpretation nach im stürmischen Wesen der beiden Brüder. Beide griffen wohl schon zu Lebzeiten ihres Messias zu drastischen Worten, wie auch Hinweise im Evangelium des Lukas andeuten.

Offenbar zeigten sie großen Kampfgeist in der Auseinandersetzung mit Gegnern der jungen Glaubensströmung. Mit der Offenbarung des Johannes schuf der jüngere der beiden Brüder schließlich auch eine wortgewaltige Darstellung der christlichen Apokalypse.

Zeuge der Auferstehung von Christus

Neben seinem bereits hervorgehobenen Rang als einer der erstberufenen Jünger nahm Jakobus der Ältere eine weitere sehr wichtige Rolle ein. Nachdem Jesus am Kreuz hingerichtet wurde, zeigte er sich als auferstandener Christus einem engsten Kreis von Anhängern.

In der Apostelgeschichte wird schließlich auch die Himmelfahrt des Sohnes von Gott beschrieben. So gehörte Jakobus der Ältere zu jenem kleinsten Kreis der Jünger, die vom Anfang bis zum Ende das Wirken von Jesus auf Erden als Zeugen erlebten.

„Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat; aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde. Und als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, weg vor ihren Augen.“ Apg 1,7-9

In der Folge nahm Jakobus der Ältere seinen Auftrag als einer der unmittelbar berufenen zwölf Apostel an. Er trug die Botschaft seines Heilands zu den Menschen. Gemäß der Priorisierung konzentrierten sich die Anhänger von Jesus zunächst auf den Aufbau einer Ur-Gemeinde in der Stadt Jerusalem.

Von dort aus trugen sie die neue Heilslehre in die umliegenden Provinzen, die damals unter der Kontrolle der römischen Kaiser standen. Dort gründeten sie neue Gemeinden. Im dritten Schritt sollte das Wort Gottes bis an das Ende der Welt getragen werden. Der Überlieferung nach begab sich Jakobus der Ältere zu diesem Zweck auf die iberische Halbinsel.

Missionsreise nach Spanien

Jakobus der Ältere soll zunächst voller Tatendrang nach Spanien aufgebrochen sein. Angeblich predigte er an „an westlichen Orten“, wie eine Quelle aus dem frühen 7. Jahrhundert berichtet. Aber im Gegensatz beispielsweise zu Apostel Paulus verlief seine Missionsreise relativ erfolglos.

Marienerscheinung am Ebro

Seine fehlenden Erfolge als Missionar setzte ihm schließlich sehr zu. Wie viele andere Jünger von Jesu musste sich Jakobus der Ältere deshalb ebenfalls durch eine ganz persönliche Krise kämpfen.

Als er eines Tages den Fluss Ebro erreichte, war der Apostel an seinem Tiefpunkt angekommen. Dort ließ sich Jakobus der Ältere voller Verzweifelung nieder und wollte seine Reise bereits abbrechen. Doch die Jungfrau Maria erschien ihm und sicherte Unterstützung zu.

Neue Kraft erfasste Jakobus den Älteren und er setzte schließlich erfolgreich seine Missionsreise fort. Die besondere Verehrung dieses Apostels auf der iberischen Halbinsel geht jedoch auch auf viele Legenden zurück, die erst nach seinem Tod entstanden.

Hinrichtung unter Herodes

Zur historischen Person von Jakobus dem Älteren existieren keine Quellen. Auch in der Apostelgeschichte in der Bibel finden sich nur wenige Spuren. Doch er wurde der Überlieferung nach als Märtyrer im Zuge einer Christenverfolgung unter Herodes Agrippa I. getötet.

Dieser regierte als ein regionaler Stellvertreter für Kaiser Claudius in den römischen Provinzen Judäa und Samaria. Die Zeitspanne des Todes kann deshalb auf einen Zeitraum von 41 bis 44 n. Christus eingeengt werden.

„Um diese Zeit legte der König Herodes Hand an einige von der Gemeinde, sie zu misshandeln. Er tötete aber Jakobus, den Bruder des Johannes, mit dem Schwert. Und als er sah, dass es den Juden gefiel, fuhr er fort und nahm auch Petrus gefangen.“ Apg 12,1-3

Bei der näheren zeitlichen Verordnung der Hinrichtung geht man vom Jahr 44 n. Christus aus. Auffällig ist jedoch der Hinweis auf den Tod durch das Schwert. Dabei handelte es sich in den damaligen Zeiten um eine Methode der Exekution, die römischen Bürgern vorbehalten war.

Im Gegensatz zum sehr langsamen und extrem qualvollen Tod am Kreuz war die Enthauptung ein relativ mildes Schicksal für einen Märtyrer. Trotz der fehlenden Belege begann die Nachwelt zahlreiche Legenden zu spinnen.

Jakobuslegende und Grab

Nachdem Apostel Jakobus der Ältere hingerichtet worden war, wurde sein Körper und sein Kopf der Legende nach wie Müll weggeworfen. Wilde Tiere sollten seine sterblichen Überreste verzerren. Doch andere Jünger Jesu retteten die Gebeine.

Gemäß der Jakobslegende legten sie daraufhin die Leiche von Jakob dem Älteren in ein Schiff ohne Mannschaft. Dieses Schiff fuhr den toten Körper sowie einige Jünger bis nach Iria Flavia im spanischen Galicien.

Nach einer Landung an einem Strand brachte man die sterblichen Überreste von Jakobus dem Älteren ins Landesinnere. Dort wurden die Gebeine schließlich bestattet. In den folgenden Jahrhunderten geriet das Grab jedoch in Vergessenheit. Erst im 9. Jahrhundert wurde der Ort wieder entdeckt.

Im Laufe der Zeit haben sich zahlreiche Personen sehr kritisch zu dieser Geschichte geäußert. Schon Martin Luther saß keinen Grund, die Grablege von Jakobus dem Älteren in Santiago de Compostela zu vermuten.

Die Behauptungen des örtlichen Erzbistums spielten sich auch stets vor dem Hintergrund von machtpolitischen und wirtschaftlichen Interessen ab. Jedoch erhielt die Behauptung zum Ende des 20. Jahrhunderts eine ganz neue Popularität.

Es wurden zwar keine Belege vorgezeigt, dennoch wurde verkündet, es sei eine Grabinschrift aus dem 1. Jahrhundert entdeckt worden. Diese gehörte zu einem Schüler von Jakobus dem Älteren mit dem Namen Athanasios.

Der Schüler soll ebenfalls den Märtyrer-Tod gestorben und zusammen mit seinem Lehrer bestattet worden sein. Gläubige sehen darin einen Beleg für die Legende um das Grab.

Bedeutung als Heiliger

Spanien wurde zu Beginn des 5. Jahrhunderts von Vandalen unter Geiserich erobert. Das westgotische Reich fiel jedoch 711 n. Christus in islamische Hand. Die Mauren wurden der zentrale Machtfaktor auf der iberischen Halbinsel.

Reconquista von 722 bis 1492

Noch im 8. Jahrhundert stießen sie bis ins Frankenreich vor. Erst tief im heutigen Frankreich könnten sie von einem christlichen Heer gestoppt werden. In der Schlacht von Tour und Portier konnte der fränkische Hausmeier Karl Martell den Vormarsch im Jahr 732 n. Christus stoppen.

Bild eines Jacobuskreuzes
Jakobuskreuz

Während dieser Zeit wurden die Christen in Spanien zwar nicht verfolgt. Aber dennoch mussten sie unter der Herrschaft einer fremden Religion leben. Doch bereits im Jahr 722 n. Christus hatte sich an der spanischen Nordküste ein kleines christliches Heer gegen Mauren behauptet.

Es begann die Reconquista, die Rückeroberung Spaniens von den Mauren. Wegen des regionalen Bezuges in der Jakobslegende wurde Jakobus der Ältere zum wichtigsten Schutzheiligen der christlichen Truppen gegen den Islam.

Unter dem Jakobuskreuz drängten sie über 750 Jahre lang den islamischen Einfluss in den Süden der Halbinsel. Apostel Jakobus der Ältere wird seitdem nicht mehr nur als Pilger, sondern auch zu Pferd, in Rüstung und mit Schwert dargestellt.

Erst mit dem Fall der Hafenstadt Grenada im Jahr 1492 ging der Konflikt zu Ende. Der Katholizismus wurde nun endgültig zur vorherrschenden Religion auf der iberischen Halbinsel.

Mit der Expansion der Spanier und Portugiesen über die Weltmeere breitete sich dann auch die Popularität von Jakobus dem Älteren aus. Damit ging, wenn auch mit großer Verzögerung, die Prophezeiung über den Erfolg seiner Missionsreise in Erfüllung.

Jakobsweg in Nordspanien

Als den „Jakobsweg“ bezeichnet man umgangssprachlich eine ganze Reihe von Pilgernpfaden quer durch Europa bis zur Kathedrale von Santiago de Compostela. Diese Wege verfügen mit der Darstellung einer Muschel über ein spezielles Symbol.

Die erste urkundliche Erwähnung des Camino de Santiago stammt aus dem Jahr 1047 n. Christus. Eigentlich darf nur diese Route entlang der nordspanischen Verkehrsachse den Namen tragen. Andere Routen werden hingegen als Wege der Jakobspilger bezeichnet.