Abu Bakr

Abu Bakr – erster Kalif der Muslime

Abū Bakr ʿAbdallāh ibn Abī Quhāfa as-Siddīq oder einfach nur kurz Abu Bakr war einer der ersten Anhänger von Mohammed und auch dessen Schwiegervater. Er wurde um 573 n. Christus in Mekka geboren und war vom Juni 632 bis zu seinem Tod zwei Jahre später der Anführer des islamischen Gemeinschaft.

Wappen Abu Bakr
Wappen von Abu Bakr als erster Kalif an der Spitze der islamischen Gemeinschaft (Urheber: Petermaleh / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Obwohl Abu Bakr selbst schon im August 634 starb, spielte er aufgrund von zwei Leistungen eine sehr wichtige Rolle für die frühe Expansion des Islam. Zunächst konnte er die nach dem Tod des Propheten zerbrechende Gemeinschaft unter seiner Führung gegen erhebliche Widerstände einigen.

„Wer immer Mohammed verehrt, möge wissen, dass Mohammed tot ist. Wer immer aber Gott verehrt, möge wissen, dass Gott lebt und nicht stirbt.“

Außerdem trieb Abu Bakr die Expansion der Muslime weit über die bisherigen Grenzen hinaus. Er entsandte den sehr talentierten General Chālid ibn al-Walīd, das „Schwert Gottes“, aus dem heutigen Saudi Arabien in den Irak.

Nach seinen Siegen gegen die Sassaniden im Zweistromland schickte Abu Bakr den General weiter nach Syrien. Dort kämpften die Muslime gegen ost-römische Heere und deren Vasallen.

In der jüngeren Vergangenheit wurde der legendäre Name von Abu Bakr dann wieder aufgegriffen. Der damalige Anführer des Islamischen Staats Ibrahim Awad Ibrahim al-Badri knüpfte an die historische Figur an.

Er bezeichnete sich als Abu Bakr al-Baghdadi und rief am 29. Juni 2014 in einer Moschee in Mossul ein neues Kalifat aus. Im darauf folgenden Jahr gelangen dem Islamischen Staat große Geländegewinne.

Dieser Islamische Staat des frühen 21. Jahrhunderts wurde jedoch relativ schnell vor allem von amerikanischen Truppen geschlagen. Abu Bakr al-Baghdadi selbst wurde in der Nacht vom 26. auf den 27. Oktober 2019 von einem Spezialkommando aufgespürt und sprengte sich daraufhin in die Luft.

Schwiegervater und Nachfolger des Propheten

Abu Bakr gehörte ursprünglich einem unbedeutenden Clan aus dem allerdings sehr wichtigen arabischen Stamm der Quraisch an. Die Beduinen handelten vor allem Gewürze mit dem Römischen Reich und den Sassniden. Es war ursprünglich eine heidnische Kultur, die sich religiös um Götzen organisierte.

Wappen Quarisch
Falke der Quraisch – Wappentier der Föderation der arabischen Republiken (Urheber: unbekannt / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Das Wappentier der Quraisch ist ein Falke, der heutzutage sogar die Flagge der Föderation der Arabischen Republiken ziert. Aus diesem Stamm gingen zwar auch sehr viele der frühen Anhänger des islamischen Propheten hervor.

Doch Mohammed provozierte bei den Quraisch mit seiner Kritik am Götzenkult auch viel Widerstand. Vor allem seine Ansagen, dass die Ahnen des Stammes als Ungläubige gestorben und damit ewig verdammt sind, führte zu Spannungen.

Später sollte der Streit mit den Quraisch sogar zur Vertreibung der frühen Muslime aus Mekka nach Medina führen.

Abu Bakr als Stoffhändler in Mekka

Abu Bakr war ursprünglich ein Stoffhändler in Mekka. Damit brachte er es zu einem gewissen Reichtum und Einfluss in seinem Clan.

Nach dem der auch im Christentum bekannte Erzengel Gabriel wohl im Jahr 610 dem islamischen Propheten erschien, begann dieser in Mekka zu predigen.

Abu Bakr gehörte dann zu seinen ersten Anhängern. Er sollte eine besondere Rolle nach dem Ausbruch der Konflikte mit heidnischen Arabern bekommen.

Ehe von Aischa mit Mohammed

Abu Bakr hatte zu dieser Zeit zwei Frauen und aus den Ehen je einen Sohn und eine Tochter. Besonders wichtig war die 613 oder 614 geborene Aischa.

Sie wurde die dritte von zehn und zugleich jüngste Frau von Mohammed. Das Alter von Aischa bei der Eheschließung wird meist zwischen sechs und sieben Jahren angegeben.

Hidschra – Flucht nach Medina

Bereits ab 615 kam es zu einer ersten Fluchtbewegung von Muslimen aus Mekka. Abu Bakr blieb jedoch als einer der letzten Gefährten an der Seite Mohammed.

Die Glaubenskonflikte unter den Arabern spitzten sich bis zum Ende des Jahrzehnts immer weiter zu. Im Sommer 622 planten die Quraisch schließlich sogar die Ermordung des Propheten.

Daraufhin versteckte er sich mit Abu Bakr für drei Tage in einer Höhle am Berg Thaur im Süden von Mekka. Dort wurden sie von Asmā, der Stiefschwester von Aischa mit Nahrung versorgt.

„Wenn ihr ihm nicht helft, so hat Allah ihm (schon damals) geholfen, als diejenigen, die ungläubig waren, ihn als einen von Zweien vertrieben; als sie beide in der Höhle waren …“ (Sure 9:40)

Anschließend flohen sie nach Medina im Nordosten von Mekka. Die Auswanderer dieser zweiten Welle werden als Muhādschirūn bezeichnet.

Sie bildeten dann auch später eine eigene Gruppe innerhalb der muslimischen Gemeinschaft und hatten aufgrund der frühen, persönlichen Kontakte zum Propheten eine hervorgehobene Stellung. Vergleichbares gilt auch im Christentum für die ersten Gefährten im unmittelbaren Umfeld des Jesus von Nazareth.

In Medina nutzte Abu Bakr dann sein Vermögen. Er kaufte ein Grundstück für den Bau einer Moschee für die junge Gemeinde.

Schlachten von Badr und Uhud

Die Konflikte mit den Quraisch setzte sich jedoch gewaltsam fort. Zunächst kam es zu einer Reihe von kleineren Scharmützeln. Am 17. März 624 entwickelte sich jedoch eine größere Schlacht, die als Schlüsselereignis der frühen islamischen Expansion gilt.

Mohammed führte einen kleinen Verband während eines Raubzuges gegen eine Karawane. Dabei wurden sie von einer größeren Truppe der Quraisch überrascht.

Trotz ihrer deutlichen Unterzahl errangen die Muslime einen wichtigen Sieg. Der Überlieferung nach hatten sie nur 14 Tote zu beklagen. Auf der anderen Seite fielen jedoch etwa 70 Kämpfer. Außerdem wurden ebenso viele Gefangene gemacht.

Die gesamte Armee der Quraisch war vorher wohl grob 1.000 Mann stark. Insofern handelte es sich um erhebliche Verluste an Streitkraft. Manche konvertierten daraufhin zum Islam.

Nach dieser sogenannten Schlacht von Badr keimte laut der Überlieferung die Hoffnung auf eine Rückkehr nach Mekka auf. Abu Bakr überzeugte dabei Mohammed, die Gefangenen nicht zu töten, sondern gegen ein Lösegeld freizulassen.

Die Ereignisse stärkten aber vor allem die politische Stellung von Mohammed. Im darauf folgenden Jahr erlitt er am Berg Uhud mit 700 Mann jedoch eine taktische Niederlage gegen 3.000 Angreifer vom Stamm der Quraisch.

Bei Uhud hatte Chālid ibn al-Walīd noch gegen die Muslime gekämpft. Der äußerst talentierte Krieger konvertierte später jedoch zum Islam. Er wurde dann einer der wichtigsten Heerführer der frühen Expansion und erhielt für seine Erfolge den Beinamen „Schwert Gottes“.

Rückkehr nach Mekka im Jahr 630

Anfang des Jahres 630 gelang dem Propheten schließlich die erfolgreiche Rückkehr nach Mekka. Da er den Bewohnern eine Amnestie versprochen hatte, verlief die Einnahme relativ einfach.

Mohammed nutzte die ersten Wochen zunächst um die Kaaba zu reinigen. Das würfelförmige Gebäude wurde nach dem islamischen Glauben von Adam errichtet, den auch die Christen aus dem 1. Buch Mose kennen:

  • Höhe: 13,10 Meter
  • Breite: 11,03 Meter
  • Tiefe: 12,62 Meter

Entscheidend ist jedoch der Schwarze Stein innerhalb der Kaaba. Die Muslime glauben, dass Adam auf Gottes Weisung hin bei der Vertreibung aus dem Paradies einen weißen Saphir mitnehmen sollte, der in der Nacht hell leuchtete. Entweder die Tränen Adams, menstruierende Frauen oder andere unreine Menschen färbten den Stein in seine heutige Farbe.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass es sich bei diesem Stein um das Relikt eines heidnischen Kultes handelt. Im Vergleich dazu haben die Christen beispielsweise den Weihnachtsbaum aus der Verehrung des germanischen Lebensbaumes übernommen.

Umma – Gemeinschaft der Muslime

Der Prophet forderte nach seiner Rückkehr nach Mekka die arabischen Stämme zur Konvertierung auf und gewann so weitere Anhänger. Als Gesandter Gottes verstand er sich als Führer der islamischen Gemeinschaft – der „Umma“.

Abu Bakr wiederum war die Nummer 2 an der Spitze der Glaubensgemeinschaft. Doch als Staat handelte es sich dabei nur um ein sehr zerbrechliches Gebilde.

Ein Teil der Regeln entlehnte sich aus der „Gemeindeordnung von Medina“. Dabei handelte es sich um den Bündnisvertrag von 622 zwischen seinen anfänglichen Gefolgsleuten wie Abu Bakr aus Mekka und den neuen Anhängern aus Medina.

Bis zum Tod des Propheten hatte sich die islamische Gemeinschaft zwar über den größten Teil der arabischen Halbinsel ausgedehnt. Doch das Regelwerk sah auch weiterhin die Gliederung der Muslime in Stämme vor.

Der § 23 der Gemeindeordnung verlieh dem Propheten lediglich die Rolle als oberster Richter. Es war aber keine moderne Verfassung, die ihn zum Regierungschef eines selbständigen Gefüges gemacht hätte. Doch gerade diese institutionelle Schwäche der Umma machte Abu Bakr zu einer so wichtigen Figur des frühen Islam.

Tod von Mohammed am 08. Juni 632

Der Prophet Mohammed starb am 08. Juni 632 gegen Mittag. Seine Lieblingsfrau Aischa war bis zuletzt bei ihm und auch Abu Bakr eilte umgehend herbei.

Der Überlieferung nach küsste Abu Bakr das Gesicht des Toten. Anschließend sprach er im Innenhof des Hauses zu einer Versammlung von Gläubigen:

„Wer immer Mohammed verehrt, möge wissen, dass Mohammed tot ist. Wer immer aber Gott verehrt, möge wissen, dass Gott lebt und nicht stirbt.“

Doch in die Szene platzte ein Bote mit der Nachricht, dass die Ansār, die Muslime aus Medina, nun einen eigenen Anführer wählen wollten. Eine automatische Thronfolge durch Abu Bakr würden es nicht geben.

Abu Bakr – „Zweiter von Zweien“

Nachdem Abu Bakr von der Eigenmächtigkeit der Muslime aus Medina erfuhr, suchte er sie an ihrem Versammlungsplatz auf. Dort war Saʿd ibn ʿUbāda bereits als neuer Führer der islamischen Gemeinschaft vorgeschlagen worden. Sehr deutlich betonte Abu Bakr jedoch seinen Führungsanspruch:

„Wir sind die Befehlshaber, und ihr seid die Wesire!“

Abu Bakr war dabei in Begleitung von zwei weiteren Gefährten Mohammeds. Diese sprachen sich ebenso mit großem Nachdruck gegen eine Teilung der muslimischen Gemeinschaft aus.

Abu Bakr schlug deshalb zunächst eine Wahl zwischen diesen beiden Gefährten des Propheten als politischen Kompromiss vor. Einer von ihnen war Omar, der später noch ab 634 zum zweiten Kalifen werden sollte.

Dagegen wehrten sich Omar und der andere jedoch selbst mit der Begründung, man könne keinen Eid von einer Gemeinschaft annehmen, denen der „Zweite von Zweien“ (aus der Höhle am Berg Thaur) angehöre.

Am nächsten Tag hielt Abu Bakr eine Antrittsrede als neuer Führer der Muslime. Doch er provozierte damit scharfe Kritik. Außerdem trennten die Konfliktlinien in der muslimischen Gemeinschaft nicht nur die Anhänger aus Mekka und Medina.

Auch Vertreter anderer Stämme fühlten sich übergangen. Dafür konnte Abu Bakr viele Einzelpersonen und darunter auch Chālid ibn al-Walīd, das „Schwert Gottes“, von sich überzeugen. Er wurde damit zum ersten Kalifen der Muslime.

Ridda-Kriege um die Nachfolge

Doch an vielen Orten verweigerten frühere Anhänger des Propheten nun Abu Bakr die Gefolgschaft. Dies drückte sich häufig in er Verweigerung aus, den Zakāt zu zahlen.

Ridda-Kriege Karte
Abu Bakr gewann die Ridda-Krieg auf der arabischen Halbinsel im Jahr 632 (Urheber: Mohammad Adil / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Dabei handelt es sich nach islamischen Recht um eine Art Vermögenssteuer von 2,5 % pro Jahr auf Vieh, Feldfrüchte, Edelmetalle und Handelsgüter. Die Abgabe wird jedoch erst oberhalb eines Schwellwertes fällig.

Der Zakāt dient der Versorgung von Armen, der Finanzierung von sozialem Engagement sowie der Gewinnung von Gläubigen und der Unterstützung von Dschihad-Kämpfern oder auch Reisenden.

Als Almosensteuer ist der Zakāt eine religiöse Pflicht und gehört sogar zu den sogenannten „Fünf Säulen des Islam“. Eine Verweigerung dieser Pflicht ist ein Frevel und gilt als Abfall vom Glauben, was im Arabischen als „Ridda“ bezeichnet wird.

Doch Abu Bakr erwies sich in den Ridda-Kriegen als gewiefter Feldherr. Er entschied sich bereits sehr früh für eine riskante, aber letztlich dann genau richtige Strategie.

Normalerweise konzentriert man Streitkräfte und führt dann geballte Schläge. Doch Abu Bakr ließ von Mekka aus in viele Richtungen gleichzeitig gegen die Rebellionen agieren. Damit verhinderte er wiederum, dass sie sich nicht geschlossen gegen seine Muslime stellen konnten.

Chālid ibn al-Walīd – „SayfAllāh“

Der Krieger Chālid ibn al-Walīd entstammte den Quraisch und gehörte ursprünglich zu den heidnischen Feinden des Islam. Er konvertierte 629 und wurde noch vom Prophet selbst mit dem Beinamen „Schwert Gottes“ geadelt.

Chālid ibn al-Walīd brachte es dann auf eine stolze Liste an Kämpfen und Schlachten für die muslimische Bewegung. Ab 632 hatte er ein Feldkommando während der Ridda-Kriege und dann später auch beim Einmarsch in den Irak. Beim Angriff der Muslime zwei Jahre später auf Syrien war er bereits der Oberbefehlshaber:

  • Schlacht von Uhud (625)
  • Schlacht von Mu’tah (629)
  • Eroberung von Mekka (630)
  • Schlacht von Hunayn (630)
  • Schlacht von Buzakha (632)
  • Schlacht von Yamama (632)
  • Schlacht von Marj Rahit (634)
  • Schlacht von Bosra (634)
  • Schlacht von Ajnadayn (634)
  • Schlacht von Fahl (634)
  • Belagerung von Damascus (634)
  • Belagerung von Emesa (635/36)
  • Schlacht von Yarmouk (636)
  • Schlacht von Hazir (637)

Obwohl Chālid ibn al-Walīd sich schon bis 632 einen legendären Ruf erarbeitet hatte, zeigte er vor allem mit dem Beginn der Ridda-Kriege sein überragenden wert für die Sache von Abu Bakr. Häufig trat das Schwert Gottes gegen eine doppelte oder gar dreifache Überzahl an Feinden an und verließ dann als Sieger das Feld.

Abu Bakr Irak Karte
Abu Bakr entsandte das „Schwert Gottes“ in den heutigen Irak. (Urheber: Mohammad Adil / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Mit nur 9.000 Mann soll Chālid ibn al-Walīd in der Schlacht von Marj Rahit in Syrien sogar einer Streitmacht von mehr als 50.000 Mann eine schwere Niederlage zugefügt haben. Aber er glänzte auch im Einzelkampf Mann gegen Mann.

Es war damals in der Region nämlich üblich, dass sich die Befehlshaber oder Champions einer Armee vor einer Schlacht einem Zweikampf stellten. Das Schwert Gottes hat solche Kämpfe dann reihenweise persönlich ausgefochten und gewonnen, was zur außerordentlichen Moral der Muslime beitrug.

So besiegten die Muslime schließlich auch Armeen des byzantinischen Kaisers. Ihr überragender Anführer wurde im Jahr 638 jedoch entlassen. Die offizielle Begründung war, dass man Angst habe, die Soldaten würde nicht mehr auf Allah, sondern auf Chālid ibn al-Walīd vertrauen.

Er starb vier Jahre später und wird bis heute in der Chalid-ibn-al-Walid-Moschee in Homs in Syrien verehrt. Während des syrischen Bürgerkrieges galt sie als Symbol der Rebellen und wurde 2011 durch Luftangriffe schwer beschädigt.

Tod, Beerdigung und Nachfolgestreit

Abu Bakr starb im August 634 während eines Aufenthalts in Medina. Er wurde an der Seite von Mohammed in der Prophetenmoschee eben dort bestattet.

Im 8. Jahrhundert entbrannte die Diskussion um die Rechtmäßigkeit der Rolle von Abu Bakr als „Nachfolger des Gesandten Gottes“. Die Schiiten bestreiten dies und verweisen auf eine andere Person, die vom Propheten als vorzüglichster Mensch bezeichnet wurde.

Die Sunniten argumentieren jedoch, dass man wegen der Treueeide und großen Erfolge von Abu Bakr nachträglich keine sinnvolle Frage nach seiner Legitimität als erster Kalif stellen kann.

Abu Bakr al-Baghdadi – Anführer des IS

Abu Bakr al-Baghdadi hingegen ist eine andere Person aus der jüngeren Vergangenheit. Er wurde am 01. Juli 1971 als Ibrahim Awad Ibrahim al-Badri in Samarra im Irak geboren. Er war der dritte Sohn einer Bauernfamilie und behauptete von sich, dem Stamm der Quraisch anzugehören.

Ausrufung eines islamischen Kalifats

Abu Bakr al-Baghdadi studierte als junger Mann zunächst islamisches Recht und dann Koranwissenschaft. Nach dem Einmarsch der westlichen Truppen im Rahmen des Dritten Golfkrieges schloss er sich der sunnitischen Miliz Ansar as-Sunnah an, die sich in einem Zeitungsartikel selbst beschrieb:

„Eine Gruppe von Mudschahidin, Leute mit Wissen, politischer Umsicht und militärischer Kenntnis, und auch solche, die lange Erfahrung … damit haben, den islamischen ideologischen Kampf mit den Ungläubigen zu führen, brachte verschiedene Gruppen und unterschiedliche Dschihad-Fraktionen zusammen.“

Abu Bakr al-Baghdadi 2004
Abu Bakr al-Baghdadi in amerikanischer Haft in Camp Bucca im Jahr 2004 (Foto: U.S. Army / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Abu Bakr al-Baghdadi wurde im Februar 2004 von amerikanischen Streitkräften festgesetzt. Zunächst wurde er im Zentralgefängnis von Abu-Ghuraib festgehalten. Wie später bekannt wurde, kam es dort zu psychischer und körperlicher Folter von Gefangenen durch US-Soldaten.

Im Dezember 2004 verlegte man Abu Bakr al-Baghdadi ins Camp Bucca. Dort soll es zu seiner entscheidenden Radikalisierung gekommen sein. Er lernte viele künftige Weggefährten kennen, bis ihn die US-Behörden als unbedenklich einstuften und entließen.

Bis 2010 verliert sich seine Spur, so dass manche mit einer längeren Haftzeit von Abu Bakr al-Baghdadi spekulieren. Dann tauchte er als Nachfolger des bisherigen Anführers des Islamischen Staates Abu Abdallah ar-Raschid al-Baghdadi auf.

Dieser wurde zusammen mit Abu Ayyub al-Masri, dem Anführer der Al-Qaida im Irak, durch eine geheime Operation von amerikanischen und irakischen Kräften am 18. April 2010 bei Tikrit getötet.

„I’m really good at killing people.“ (Barack Obama)

Daraufhin wurde Abu Bakr al-Baghdadi am 10. Mai 2010 der Nachfolger an der Spitze des Islamischen Staates. Im darauffolgenden Jahr wurde die Organisation als Islamischer Staat im Irak und Syrien oder kurz als ISIS bekannt. Parallel entstand eine große Spannung zur al-Qaida und deren neuem Anführer Ayman al-Zawahiri.

Den Dschihadisten von ISIS gelang die Eroberung von zusammenhängenden Gebieten im Nordwesten des Irak und im Osten von Syrien. Daraufhin rief Abu Bakr al-Baghdadi am 29. Juni 2014 in der an-Nuri Moschee in Mossul ein islamisches Kalifat aus und rückte sich selbst in die Nachfolge des Propheten Mohammed.

Tod von Abu Bakr al-Baghdadi (2019)

Der Islamische Staat wurde wie auch Abu Bakr al-Baghdadi selbst für seine Gewalt und bewussten Verletzungen von Menschenrechte bekannt. Die Dschihadisten verübten einen Genozid an den Yesiden. Außerdem versklavten und vergewaltigten sie Frauen sowohl systematisch wie auch massenhaft.

Islamischer Staat Karte 2015
Die größte Ausdehnung des Islamischen Staates war im Jahr 2015 und reichte fast bis Bagdad. (Urheber: Flappiefh Sémhur / Lizenz: CC-BY-SA 4.0)

Abu Bakr al-Baghdadi ließ Videomaterial der sexualisierten Gewalt produzieren, um weitere Kämpfer für seine Sache anzuwerben. Dasselbe galt für Auspeitschungen und Exekutionen beispielsweise durch Steinigung, Zerhacken oder Verbrennen.

Die CIA konnte Abu Bakr al-Baghdadi schließlich in Syrien lokalisieren. Im Nordwesten bei Barisha wurde er von Angehörigen der Delta Force und den Rangers in die Enge getrieben.

In der Nacht vom 26. auf den 27. Oktober 2019 führte ein Spezialkommando dann die Operation Kayla Mueller aus. Der Name spielte auf eine humanitäre Helferin an, die vier Jahre vorher in der Region unter ungeklärten Umständen getötet wurde.

Nach dem erfolgreichen Sturm auf sein Anwesen flüchtete Abu Bakr al-Baghdadi mit einer Sprengstoff-Weste und zwei Kindern in ein Tunnelsystem. Er wurde in einer Sackgasse von der Delta Force gestellt, die den Kriegshund „Conan“ attackieren ließ.

Abu Bakr al-Baghdadi zündete daraufhin die Selbstmord-Weste. Er tötete sich selbst, die beiden Kinder, aber konnte Conan nur verletzen. Der Kriegshund kehrte nach Angaben seines kommandierenden Generals Kenneth McKenzie später in den Einsatz zurück.

Der damalige US-Präsident Donald Trump zeichnete Conan in einer PR-Aktion mit einer Medaille aus, die an die Medal of Honor erinnern soll. In den Sozialen Netzwerken kam es daraufhin zu großem Spott und einer Flut von Memes.