Cesare Borgia

Cesare Borgia – Fürst der Renaissance

Cesare Borgia war ein Sohn von Papst Alexander VI. und wurde am 13. September 1475 geboren. Sein Vater zwang ihn zunächst zu einer Laufbahn in der Kirche. Aber dann wurde er ein gefürchteter Feldherr der Renaissance.

„Cum nomine Cesaris omen – iacta est alea – aut Caesar aut nihil“

„Mit Caesars Namen als Omen – Der Würfel ist gefallen – Entweder Cäsar oder gar nichts“

Nach der Erhebung seines Vaters zum römischen Papst musste Cesare Borgia ab dem Jahr 1492 dessen Stelle als Erzbischof von Valencia übernehmen. Nach und nach kamen zahlreiche, sehr einträgliche Funktionen hinzu.

Cesare Borgia
Cesare Borgia – Fürst der italienischen Renaissance (Maler: Altobello Melone / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Doch ab 1498 konnte Cesare Borgia seine Wunschrolle als weltlicher Fürst einnehmen. Der grandiose Aufstieg begann mit dem Bündnis seiner Familie mit Frankreich.

Seine militärischen Ziele waren die Festigung der Macht im Kirchenstaat und weitere Eroberungen. Anschließend kam es zur Umwandlung der päpstlichen Ländereien in ein erbliches Fürstentum der Borgias.

Cesare Borgia führte für diese Zwecke mehrere Feldzüge in Italien. Die Familie schuf sich mit ihren großen Erfolgen jedoch auch viele Feinde.

Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1503 bröckelte die Macht dann sehr schnell. Cesare Borgia verlor schließlich alle Titel, wurde verhaftet und gefoltert.

Ihm gelang zwar später noch die Flucht. Doch am 12. März 1507 wurde Cesare Borgia in einem erkannten Hinterhalt niedergemetzelt.

Doch bis heute kennt man Cesare Borgia als Vorbild für Fürsten im gleichnamigen Werk des florentinischen Politikers Niccolo Machiavelli. Darüber hinaus wurde er in Serien als sehr attraktiver, aber auch skrupelloser Mann inszeniert, für den Mord, Korruption und Verrat zum Tagesgeschäft gehörte.

Frühe Jahre und Ausbildung

Über die Jugend von Cesare Borgia ist wenig bekannt, weil er der Bastard eines hohen Kirchenmannes war. Die öffentliche Anerkennung erfolgte erst im Erwachsenenalter.

Man weiß nur, dass er ein sehr guter Schüler war. Ihm wurde sogar ein Lehrbuch gewidmet. Darin wurde Cesare als „Zierde und Hoffnung“ des Hauses Borgia gepriesen.

An den Haushofmeister Lorenz Beheim seines Vaters richtete Cesare Borgia einen überlieferten Fragenkatalog. Darin zeigte sich der weitsichtige Blick eines aufgeweckten Kindes des 15. Jahrhunderts:

  • Gifte
  • Chiffrierung
  • Festungsbau
  • Künstliches Gedächtnis
  • Unter Wasser atmen
  • Sprechende Totenköpfe
  • Fernsprech-Anlagen

Erste Pfründe in der Kirche

Bereits im Alter von sieben Jahren erhielt Cesare Borgia von Papst Sixtus IV. seine ersten Pfründe. Das Wort bedeutete ursprünglich „Schenkung“ und bezeichnet Einnahmen aus kirchlichen oder weltlichen Ämtern.

Cesare Borgia wurde im März 1482 zunächst zum Apostolischen Protonotar ernannt. Noch im selben Jahr erhielt er eine Stelle als Stiftsherr an der Kathedrale von Valencia.

Am 12. September 1491 erhielt Cesare Borgia das Bistum Pamplona in Spanien. Dies führte zu großem Widerstand in der Bevölkerung, da er noch nicht einmal zum Priester geweiht war.

Studium der Rechtswissenschaft

Ab etwa 1489 begann Cesare Borgia ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität von Perugia. Zwei Jahre später wechselte er an die Universität von Pisa in Italien. Dort lernte er Giovanni de’ Medici, den späteren Papst Leo X., kennen.

Cesare Borgia soll laut Zeitgenossen ein außerordentlich intelligenter Student gewesen sein. Sowohl im kanonischen wie auch im zivilen Recht zeigte er große Talente und erlangte problemlos die Doktorwürde.

Bereits als Student fiel Cesare Borgia jedoch auch durch sein Luxusleben auf. Er gab das Geld mit beiden Händen aus und kleidete sich gerne in feinste Seide.

Kardinal und päpstlicher Verwalter

Am 23. September 1493 wurde Cesare Borgia zusammen mit zwölf weiteren Günstlingen von seinem Vater zum Kardinal erhoben. Auch diese Entscheidung führte zu großem Widerspruch bei Gegnern der Familie.

Papst Alexander VI.
Papst Alexander VI. – Vater von Cesare Borgia (Maler: Cristofano dell’Altissimo / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Der mächtige Kardinal Giuliano della Rovere, der spätere Papst Julius II., soll einen Wutanfall bekommen haben. Er weigerte sich zumindest, seine zeremonielle Rolle bei der Investitur wahrzunehmen.

Am 17. Oktober 1493 zog Cesare Borgia dann als Kardinal von Valencia in Rom ein. Auch zu diesem Zeitpunkt war er kein geweihter Priester.

Cesare Borgia hat immer nur das Geld aus seinen Ämtern kassiert und die damit verbundene Macht ausgeübt. Er hat nie einen Gottesdienst gefeiert oder sich um die Seelsorge bemüht.

In der folgenden Zeit war Cesare Borgia dann als päpstlicher Verwalter von zahlreichen Institutionen tätig:

  • Zisterzienser-Kloster Santa Maria de la Valldigna in Spanien
  • Benediktiner-Kloster von Abondance in Frankreich
  • Diözese von Genf in der Schweiz
  • Diözese von Szent Márton in Pannonien
  • Diözese von Győr in Ungarn
  • Diözese von San Vittore in Mailand
  • Diözese von Nantes in Frankreich
  • Diözese von Elne in Frankreich
  • Diözese von Coria in Spanien

Geisel des französischen Königs

Die einseitige Machtpolitik von Papst Alexander VI. erzeugte viele Feindschaften. Bereits 1494 bildete sich ein starkes Bündnis gegen die Borgias.

Engelsburg im Vatikan
Cesare Borgia flüchtete in die von Kaiser Hadrian als Mausoleum errichtete Engelsburg. (pixabay)

Schließlich marschierte sogar der französische König Karl VIII. mit einer Armee nach Rom. Cesare Borgia zog sich daraufhin mit seinem Vater in die Engelsburg zurück.

Nach langen Verhandlungen einigten sich der Papst und seine Gegner auf einen Deal. Im Gegenzug für eine hohe Summe kam es zu einem Friedensschluss und Cesare Borgia wurde als Geisel gestellt.

Doch bereits zwei Tage nach der Abreise entkam Cesare Borgia als Stallknecht verkleidet. Darüber hinaus hatte er die Truhen auf siebzehn Maultieren lediglich mit Sand und Steinen füllen lassen. Die Franzosen wurden so auch um das Geld betrogen.

Diese dreiste Flucht begründete seinen späteren Ruf als brillanter Taktiker. Während dessen hatte sein Vater ein italienisches Bündnis zur Verteidigung gegen die Franzosen schmieden können.

Die Invasoren wurden anschließend vertrieben. Bei seiner Rückkehr nach Rom zeigten sich bei Cesare Borgia jedoch erstmals sichtbare Folgen seiner Syphilis, wie Zeitgenossen bemerkten.

Cesare Borgia – der Feldherr

Cesare Borgia wollte nie den Weg eines Klerikers gehen. Nach der Ermordung seines Bruders Juan im Sommer 1497 konnte er den Vater endlich überzeugen.

Am 17. August 1498 wurde Cesare Borgia von Papst Alexander VI. und dem Kollegium der Kardinäle aus seinen kirchlichen Pflichten entlassen. In der Folge wurde zunächst die Rückeroberung von abtrünnigen Gebieten des Kirchenstaates zur Aufgabe.

Herzog von Valentinois 1498

Am 07. April 1498 verstarb der französische König. Unter seinem Nachfolger Ludwig XII. änderte sich auch das Verhältnis zwischen den Borgias und Frankreich. Diese Entwicklung hatte zwei Gründe:

  • Man hatte das gemeinsame Interesse, eine Allianz gegen das Herzogtum Mailand der Familie Sforza zu bilden. Besonders delikat war daran, dass Ludovico Sforza die Papstwahl von Cesares Vater Rodrigo Borgia finanziert und so überhaupt erst ermöglicht hatte.
  • Der französische König benötigte die Erlaubnis des Papstes für eine Scheidung seiner kinderlosen Ehe.

Im Gegenzug für die Auflösung der Ehe erhielt Cesare Borgia das Herzogtum Valentinois in der Provence. Des Weiteren wurde er zum Grafen von Diois und Herren von Issoudun ernannt. Damit waren nicht nur erhebliche Einkünfte verbunden.

Cesare Borgia
Cesare Borgia – Herzog von Valentinois (Maler: Bartolommeo Veneto / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Cesare Borgia wurde auch in den Michaelsorden aufgenommen und erhielt einen Rang in der französischen Armee. Darüber hinaus sicherte man ihm eine Truppe von etwa 400 Mann zu.

Zur Stärkung des Bündnisses wurde Cesare Borgia auch eine französische Edelfrau versprochen. Er hatte die Wahl und entschied sich für Charlotte d’Albret. Mit ihr zeugte er seine legitime Tochter Luisa.

Bereits 1499 zogen Ludwig XII. und Cesare Borgia nach Italien. Nach und nach schlossen sich weitere Akteure dem Bündnis an, bis Ludovico Sforza und Mailand völlig isoliert waren. Der florentinische Politiker Niccolo Machiavelli schrieb hierzu:

„Genua ergab sich; die Florentiner wurden seine Freunde, der Marchese von Mantua, der Herzog von Ferrara, Bentivoglio, die Herrin von Forlì, die Herren von Faenza, von Pesaro, von Rimini, Camerino, Piombino, die Republiken Lucca, Pisa, Siena, sie alle richteten sich auf, um seine Freundschaft zu erwerben.“

Am 06. Oktober 1499 zogen die Verbündeten kampflos in Mailand ein. Der französische König Ludwig XII. kehrte anschließend in die Heimat zurück. Cesare Borgia erhielt den Befehl über eine kleine Streitmacht, um sich in der Romagna ein eigenes kleines Reich zu erobern.

Erster Romagnafeldzug 1499

Am 21. November 1499 begann Cesare Borgia an der Spitze von 10.000 Mann seinen ersten Feldzug in der Romagna. Das Kontingent setzte sich französischen und aus päpstlichen Truppen zusammen.

Kirchenstaat Karte 1494
Karte des Kirchenstaats im Jahr 1494 (Urheber: MapMaster / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Das Ziel war die Schaffung eines geeinten Königreiches in Mittel-Italien. Dafür griff er zunächst die beiden Städte Forlì und Imola an.

Diese gehörten zwar bereits zum Kirchenstaat. Sie verweigerten den Borgias jedoch die untertänige Gefolgschaft.

Imola ergab sich noch im November 1499 kampflos. Forlì leistete unter Caterina Sforza aber Widerstand. Die Stadt wurde allerdings nach zwei Monaten Belagerung erobert.

Anfang 1500 zog Cesare Borgia triumphal in Rom ein. Sein Vater ernannte ihn zum Gonfaloniere und zum Oberbefehlshaber aller päpstlichen Truppen. Damit hatte er einen hohen formalen Rang innerhalb der militärischen Ordnung von Italien inne.

Zweiter Romagnafeldzug 1500

Das Jahr 1500 stand zunächst im Zeichen eines Familienkonfliktes. Der Papst und Cesare Borgia hatten sich nämlich mit Frankreich gegen Spanien und Neapel verbündet, um die Expansion in Italien voranzutreiben.

Dadurch litt jedoch das Verhältnis zu Alonso von Aragon, dem zweiten Ehemann von Cesares Schwester Lucrezia Borgia. Er wurde deshalb in der Nähe des Petersplatzes in Rom erdrosselt.

Der Mörder war wahrscheinlich Micheletto Corella. Das war ein Auftragskiller im Dienste von Cesare Borgia, der mehrfach aktiv war.

Am 01. Oktober 1500 brach Cesare Borgia erneut mit 10.000 Mann zu seinem zweiten Feldzug in der Romagna auf. Er vertrieb Giovanni Sforza aus Pesaro und besetzte anschließend Rimini.

Daraufhin konnte Cesare Borgia eine Allianz mit der Familie di Naldo schließen und brachte so elf Burgen kampflos unter seine Kontrolle. Dann zog er weiter nach Faenza.

Cesare Borgia musste Faenza belagern. Dabei wurde er von Leonardo da Vinci beraten, der den Einsatz eines Rampenturms empfahl. Die Stadt kapitulierte am 25. April 1501.

Sofort im Anschluss marschierte die Armee von Cesare Borgia nach Norden. Dort konnte er Castel Bolognese dank einer vertraglichen Regelung für sich in Besitz nehmen. Damit hatte er den wesentlichen Teil des Kirchenstaates unter seiner realen Kontrolle.

Am 15. Mai wurde Cesare Borgia vom Papst zum Herzog der Romagna ernannt. Damit begann die Umwandlung des Kirchenstaates in ein erbliches Fürstentum.

Wenige Wochen später wurden französische Truppen in Capua vom neapolitanischen König angegriffen. Der korrupte Papst ächtete daraufhin weitere Adelshäuser, zog ihre Güter ein und verteilte sie innerhalb seiner Familie.

Dritter Romagnafeldzug 1502

Die Borgias steuerten 1502 auf ihren Zenit zu. Innerhalb von nur drei Jahren waren praktisch alle Adelsfamilien, außer den Orsini, entmachtet worden.

Im Juni 1502 zog Cesare Borgia erneut mit 10.000 Mann los, um weitere Gebiete in sein inzwischen erbliches Fürstentum einzugliedern. Ihm gelang die Eroberung von Camerino und Urbino.

Darüber hinaus konnte Cesare Borgia nun Leonardo da Vinci für zehn Monate als Architekt und Generalingenieur fest engagieren. Zu dieser Zeit gehörte auch Niccolo Machiavelli als Gesandter von Florenz zu seinem Umfeld.

Die Condottieri von Cesare Borgia, das waren hoch gerüstete Söldner, versetzten jedoch die Toskana in Angst und Schrecken. Das Gebiet stand nur leider unter der Protektion des französischen Königs.

Nach zahlreichen Beschwerden intervenierte der König schließlich persönlich. Die Verhandlungen zwischen den alten Partnern verliefen im Ton sehr freundschaftlich. Aber Cesare Borgia und seine Condottieri mussten sich aus der Toskana zurückziehen.

Aufstand der Condottieri 1503

Die großen Erfolge von Cesare Borgia stärkten jedoch schließlich den Zusammenhalt seiner Gegner. Auch die Anführer seiner Condottieri verschworen sich gegen ihn.

Condottiere
Il Condottiere (Maler: Leonardo da Vinci / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Doch zunächst blieb das Glück dem Feldherrn treu. Seine übrigen Truppen blieben erfolgreich gegen die Condottieri. Er konnte die Rädelsführer verhaften oder ermorden.

Anfang 1503 beherrschten die Borgia die Romagna, Umbrien und das Latium. Doch sie waren umzingelt von Florenz, Mailand, Venedig und Neapel.

Außerdem geriet das strategische Bündnis zwischen den Borgias und Frankreich immer mehr unter Spannung. Cesare Borgia konnte in der ersten Hälfte des Jahres 1503 zwar noch Landgewinne verbuchen. Aber eine Zerschlagung seiner Gegner sollte ihm nicht mehr gelingen.

Am 31. Mai 1503 erhob Papst Alexander VI. mehrere spanische Kardinäle. Dies sorgte zwar für neuen Rückhalt in der alten Heimat der Borgias, stellte jedoch bisherige Bündnisse in Frage.

Entmachtung, Verbannung, Tod

Tod von Rodrigo Borgia

Am 12. August 1503 erkrankten Papst Alexander VI. und Cesare Borgia schwer. Die parallele Entwicklung führte zu dem Gerücht, dass die beiden Borgias zusammen bei einem Festmahl vergiftet wurden.

Inzwischen geht man jedoch eher von einer Malaria-Erkrankung aus. Doch während sich Cesare Borgia wieder erholte, starb sein Vater wenige Tage später am 18. August 1503.

Damit schwand die Macht der Borgias. Obwohl Cesare noch Ende August vom Heiligen Kollegium der Kardinäle als Generalkapitän bestätigt wurde, besaß die Familie keine Mehrheit mehr.

Papstwahl von Julius II.

Als Nachfolger auf dem Stuhl des Petrus wurde zunächst Pius III. ernannt. Er starb jedoch nach etwa vier Wochen an den Folgen der Gicht.

Daraufhin wurde mit Giuliano della Rovere als Papst Julius II. ein erklärter Feind der Borgias zum Stellvertreter Gottes auf Erden. Dabei hatte Cesare Borgia sogar noch den naiven Fehler gemacht, seine spanischen Kardinäle bei der Papstwahl für eben diesen stimmen zu lassen.

Niccolo Machiavelli
Niccolo Machiavelli (Maler: Santi di Tito / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Der florentinische Politiker Niccolo Machiavelli war in dieser Zeit in Rom und beobachtete die Ereignisse rundum das Konklave. Es kam erneut zu einer persönlichen Begegnung mit Cesare Borgia, dessen Handeln Machiavelli jedoch später kritisiert:

„Nur hinsichtlich der Wahl von Papst Julius II. kann man ihm [Cesare Borgia] den Vorwurf machen, dass er eine falsche Entscheidung getroffen hat. So beging der Herzog bei dieser Wahl einen Irrtum und verursachte dadurch seinen Untergang.“

Bis Anfang 1504 verlor Cesare Borgia alle Ämter und Befugnisse. Zeitweise hielt man ihn sogar im Vatikan gefangen. Im April diesen Jahres gelang ihm jedoch die Flucht nach Neapel.

Dort wurde Cesare Borgia zunächst als Gast empfangen, dann wieder eingesperrt und gefoltert. Nach der Auslieferung an Spanien gelang ihm eine erneute Flucht.

Er stellte sich in den Dienst seines Schwagers, des Königs von Navarra in Spanien. Bei der Belagerung von Viana geriet Cesare Borgia in einen erkannten Hinterhalt. Er ignorierte die Gefahr und wurde am 11. März 1507 in einem aussichtslosen Kampf getötet.

„Der Fürst“ bei Machiavelli

Machiavelli erlebte wenige Jahre nach Tod von Cesare Borgia seinen eigenen Sturz. Nachdem die de’ Medici sich in Florenz wieder etabliert hatten, wurde er selbst aus der Stadt verbannt.

Lorenzo di Piero de’ Medici
Lorenzo di Piero de’ Medici (Maler: unbekannt / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Anschließend musste Niccolo Machiavelli in ärmlichen Verhältnissen auf seinem Landsitz leben. Dort wurde der frühere Politiker als Schriftsteller tätig.

Machiavelli verfasste Dramen, Komödien und sein Hauptwerk „Discorsi“ zur politischen Theorie. Deshalb gilt er heute als Vater der Politikwissenschaft.

Dort verfasste Machiavelli auch sein berühmtestes Buch: „Il Principe – Der Fürst“. Dabei handelte es sich um eine Art Bewerbungsschreiben an Lorenzo di Piero de’ Medici zur Wiederaufnahme in den Dienst.

Darin bezog sich Machiavelli immer wieder auf Cesare Borgia. Es stellt sich jedoch die Frage, ob das wirklich eine kluge Wahl war. Die Borgias und die de’ Medicis hatten nämlich auch ihre Konflikte miteinander.

Deshalb kann man eigentlich davon ausgehen, dass Lorenzo di Piero de’ Medici sich Cesare Borgia eher nicht als Vorbild vorstellen wollte. Wahrscheinlich hat er das Werk von Machiavelli nie gelesen.

Cesare Borgia als Vorbild für Fürsten

Das Buch „Der Fürst“ ist eine Art Anleitung für machtpolitisches Handeln von Fürsten. Inhaltlich nahm Machiavelli dabei immer wieder Bezug auf Cesare Borgia, den er vor allem für seine „virtu“ lobte.

Der „virtu“-Begriff wird allgemein mit „Tüchtigkeit“ übersetzt. Der Begriff ist jedoch sehr facettenreich. Er steht für kraftvolle Eigeninitiative und ergebnisorientiertes, sowie im Zweifel auch rücksichtsloses Handeln.

Cesare Borgia ist deshalb beispielsweise im VII. Kapitel von besonderer Bedeutung: „Von neuen Herrschaften, die man mit fremden Waffen und durch Glück erobert hat“.

Kirchliches Verbot von „Der Fürst“

Das Buch „Der Fürst“ wurde erst nach dem Tod von Machiavelli von seiner Familie veröffentlicht. Aber der Autor stellte sich mit dieser Schrift gegen den pseudo-moralischen Anspruch seiner Zeit.

Die zu diesem Zeitpunkt jüngst von Papst Paul III. gegründete Glaubenskongregation setzte das Werk umgehend auf den Index der verbotenen Schriften. Ein Grund dürfte das XI. Kapitel gewesen sein: „Von geistlichen Herrschaften“.

Darin hält sich Machiavelli überraschend kurz und verzichtet auf eine Analyse. Er wollte den Konflikt mit der römischen Kirche wohl eigentlich vermeiden.

Dies beförderte die gängige Unterstellung, dass Machiavelli ein skrupelloser Machtmensch gewesen sein. Bei der Lektüre wird jedoch klar, dass bei ihm mit dem Gemeinwohl ein kollektives Interesse über dem persönlichen Vorteil steht.

Er selbst hatte auch den begründeten Ruf als unbestechlicher Diener des Staates. Im Dienste des Gemeinwohls, insbesondere zur Vermeidung von gewaltsamen Umstürzen, sind dann aber sehr viele Mittel zulässig. Carlo Schmid schrieb hierzu:

„Wer glaubt, Machiavelli sage, Politik könne man nur mit Gift und Dolch, Lüge und Verbrechen machen, hat ihn gründlich missverstanden. Wo es ohne diese Dinge geht, darf man diese Mittel gar nicht anwenden, nicht aus moralischen Gründen, sondern weil es unpolitisch wäre, es zu tun. Wo aber, gewissermaßen von der Technik des Machtkampfes her, in einer bestimmten Lage Gift und Dolch, Lüge und Verbrechen nicht entbehrt werden können, um den Gegner zu überwinden, wenn es wirklich um Sein oder Nichtsein geht, dann ist einer als Staatsmann nur dann richtig am Platze, wenn er es über sich bringt, sich dieser Mittel zu bedienen.“

Neben Cesare Borgia präsentierte Machiavelli in Kapitel VI. noch weitere Fürsten, die sich als Vorbilder eignen: Moses, Romulus, Kyros und Theseus.