Kaiser Mark Aurel

Mark Aurel – Kaiser und Philosoph

Mark Aurel wurde am 26. April 121 n. Christus als Sohn einer Verwandten von Hadrian geboren. Bereits als Junge fiel er dem amtierenden Kaiser durch seine besondere Ernsthaftigkeit auf. Dieser gab ihm sogar einen Spitznamen – Verrissimus – der Wahrhaftigste.

Büste des jungen Kaiser Mark Aurel
Kaiser Mark Aurel (pixabay)

In dieser Ära der Adpotivkaiser wurden talentierte Köpfe in den höchsten Familien besonders gefördert. Dank dieser Fürsprache wurde Mark Aurel bereits als Knabe in ein Priesterkollegium aufgenommen.

Wegen seiner Fähigkeiten wurde der junge Mann schließlich durch Adoptionen und Eheschließungen in der Nachfolge positioniert. So war Mark Aurel bei seiner Ernennung zum Kaiser im Jahr 161 n. Christus bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten in die Regierungsarbeit involviert.

Als Persönlichkeit entwickelte sich Mark Aurel zum letzten großen Philosophen der Stoa. Für seine Regierung formulierte er deshalb politische Leitsätze von Freiheit, Gerechtigkeit und Bürgerrechten.

„Severus war mir ein Beispiel […], durch ihn bekam ich einen Begriff, was zu einem freien Staate gehört, wo vollkommene Rechtsgleichheit für alle ohne Unterschied herrscht und nichts höher geachtet wird als die Freiheit der Bürger.“ (Mark Aurel I, 14)

Die Innenpolitik von Kaiser Mark Aurel zielte auf Strukturreformen zu Gunsten der Schwachen in der römischen Gesellschaft. Dabei bediente er sich des Rechsstaates und stärkte die Stellung von Frauen, Kindern und Sklaven.

In den Markomannenkriegen stellte sich Mark Aurel seiner Rolle als militärischer Führer. Gegen den Ansturm der germanischen Krieger ließ der Kaiser unter anderen auch das Legionslager Castra Regina an der Donau errichten, die heutige Stadt Regensburg.

Bis nach China kamen römische Kaufleute während der Regierungszeit des weitsichtigen Potentaten. Doch in der Religionspolitik zeigte Mark Aurel eine andere Linie. Große Christenverfolgungen in Gallien wurde zumindest abgesegnet.

Die letzten Jahre dieses römischen Kaisers waren jedoch von Usurpationen geprägt. Darüber hinaus musste er einen zweiten Krieg gegen die Markomannen führen. Kaiser Mark Aurel verstarb dann am 17. März 180 n. Christus wohl im Legionslager von Vindobona.

Familiärer Hintergrund und Aufstieg

Marcus Annius Catilius Severus lautet der Geburtsname des späteren Kaisers Mark Aurel. Seine Familie stammte aus den spanischen Provinzen des Imperium Romanum. Im Zuge der Bildung von neuen Eliten nach der Machtübernahme durch Kaiser Augustus waren viele „Fremde“ in der Hauptstadt zu Einfluss gekommen.

Bereits der Großvater war dreimal Konsul, so dass die Familie einen festen Platz im römischen Senat hatte. Der Vater des jungen Mark Aurel heiratete die außerordentlich reiche und mit dem amtierenden Kaiserhaus verwandte Domitia Lucilla.

Doch erst mit dem unglücklichen Tod von Lucius Aelius, dem eigentlich vorgesehenen Nachfolger für Kaiser Hadrian, wurde aus Mark Aurel ein Anwärter. Doch er war mit 17 Jahren noch viel zu jung für das Amt.

Adoption und Regelung der Nachfolge

Hilfsweise wurde der Senator Antoninus Pius unter einer Auflage des schwer kranken Hadrian adoptiert und zum Nachfolger ernannt: dieser hatte den jungen Mark Aurel zu adoptieren und dessen Thronbesteigung vorzubereiten.

Antoninus Pius nahm diese Rolle an und adoptierte den Knaben. Er selbst wurde nach dem Tod seines legendären Vorgängers dann im Sommer 138 n. Christus zum römischen Kaiser erhoben. Zusammen mit seinem neuen Adoptivsohn bezog er daraufhin den kaiserlichen Palast.

Vorbereitung auf die Herrschaft

Die Regelung der Nachfolge ermöglichte es, den jungen Mark Aurel auf die Regierungstätigkeit vorzubereiten. Er lernte die Strukturen sowie alle wichtigen Funktionsträger des Römischen Reiches kennen.

Darüber hinaus setzte sich der angehende Kaiser auch intensiv mit Bewerbern für Ämter auseinander. Gerade bei Personalentscheidungen entwickelte der junge Mann bereits früh einen großen Einfluss auf den tatsächlichen Machthaber Antoninus Pius.

Nur die militärische Ausbildung blieb der Mentor ihm schuldig. Dies sollte tatsächlich zu negativen Konsequenzen während der Herrschaft von Mark Aurel führen. Doch über 20 Jahre lang war Mark Aurel der stete Begleiter an der Seite seines künftigen Vorgängers.

In dieser Zeit heiratete er auch dessen Tochter. Aus der Verbindung ging Commodus hervor. Dieser sollte auch Nachfolger werden und damit den erneuten Übergang zur Erb-Monarchie darstellen.

Herrschaft von Kaiser Mark Aurel

Reiterstatue von Kaiser Mark Aurel in Rom
Kaiser Mark Aurel Statue (pixabay)

Antoninus Pius verstarb am 07. März 161 n. Christus. Einer unzuverlässigen Überlieferung nach, sah der alte Mann seine letzten Stunden kommen und hinterließ Anweisungen. So konnte er noch eine reibungslose Übergabe der Macht an den neuen Kaiser Mark Aurel gewährleisten.

Der neue Machthaber übernahm ein Imperium, dass sich über Jahrzehnte sehr positiv entwickelt hatte. Bereits unter früheren Vorgängern wie Trajan, dem Optimus Princeps, dem besten Kaiser, war das Reich im Inneren wie an den Außengrenzen konsolidiert worden.

Lucius Verus – Mitkaiser

Mark Aurel erhob bereits bei seiner Machtübernahme einen Adoptiv-Bruder zum Mitkaiser. Das war eine Regelung, in der der nachrangige Mitkaiser zwar über die Autorität, jedoch über weniger Auctoritas verfügte.

Die Unterscheidung entspricht in etwa der heutigen Trennung zwischen legaler und legitimer Macht. Im Gegensatz zu Kaiser Mark Aurel war Lucius Verus auch in militärischen Dingen bewandert.

Deshalb übernahm Lucius Verus schon früh das Kommando über den Partherkrieg im Osten des Reiches. Dies hatte den Vorteil, dass sich Mark Aurel mehr auf die inneren Angelegenheiten wie auch die Donau-Regionen konzentrieren konnte.

Antoninische Pest

Unter Kaiser Mark Aurel brach jedoch eine Pandemie im römischen Reich aus. Im Jahr 165 n. Christus brachten römische Legionäre einen sehr virulenten Stamm der Pocken oder Masern aus dem Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris zurück ins Reich.

Das Verständnis der antiken Mediziner reichte bei weitem noch nicht, um diese Krankheit verstehen oder gar bekämpfen zu können. Doch die infektiösen Viren verbreiteten sich sehr schnell aus dem Nahen Osten sogar bis nach Britannien.

Der Verlauf dieser Antoninischen Pest war für die Betroffenen dann fast immer tödlich. Im gesamten Reich kam es zu einem Massensterben und es dauerte mindestens 24 Jahre, bis diese Pandemie wieder abflaute.

Weitere 100 Jahre später brachen erneut Seuchen mit vergleichbaren Symptomen aus. Scheinbar wurde wohl sogar Kaiser Diokletian ein Opfer dieser Krankheitswellen. Cedrenus von Caesarea beschrieb dessen Tod:

„Er wurde von heftigen Schmerzen in allen Teilen seines Körpers ergriffen; große Hitze verzehrte sein Inneres, und sein Fleisch schmolz wie Wachs. Im Verlaufe der Krankheit wurde er langsam vollkommen blind; die Zunge und das Innere des Halses gingen in Fäulnis über, sodass der noch lebende Körper schon den Geruch einer Leiche ausstieß.“

Schon bald nach dem Ausbruch dieser Erkrankung entwickelte sich dafür eine zeitgemäße Erklärung. Die Krankheit trat unter den Legionären erstmals nach der Erstürmung der Stadt Seleukia-Ktesiphon am Tigris auf.

Die Stadt wurde geplündert. Man schändete dabei auch den Tempel des Apollo, des Gottes der Gesundheit. In der antiken Wahrnehmung wurde diese Pest zu einer Rache der Götter.

Folgen für die Außenpolitik

Der Verlust an Menschen durch diese Seuche war so groß, dass sich das Römische Reiche vor allem an den Außengrenzen destabilisierte. Die Legionen hatten so hohe Ausfälle, dass Kaiser Mark Aurel das römische Imperium nicht mehr ausreichend sichern konnte.

Vor allem die Parther und die Germanen übten einen steigenden Druck auf das Reich aus. Schon ein Jahr nach dem Beginn der Pandemie brachen die Markomannenkriege aus. Diese banden Kaiser Mark Aurel von da an auch persönlich.

Philosoph der jüngeren Stoa

Bereits als junger Knabe hatte sich Mark Aurel mit seinem besonders scharfen Geist hervor getan. Als erwachsener Mann entwickelte er sich zum bedeutenden Philosophen der jüngeren Stoa. Zugleich hatte er als römischer Kaiser auch die Möglichkeiten, seine Ideale zu verfolgen.

Vor allem das letzte Jahrzehnt zwischen 170 und 180 n. Christus waren von geistiger Schaffenskraft geprägt. Im späten Mittelalter wurden seine Schriften dann vervielfältigt. Zu seinen Anhängern gehören bedeutende Persönlichkeiten wie Friedrich der Große oder Helmut Schmidt.

Grundlagen des Stoizismus

Der Begriff „Stoa“ bezeichnete eine Säulenhalle auf der Agora (Marktplatz) von Athen. Dort begann einer der Begründer dieser Denkrichtung im Jahr 300 v. Christus mit seiner Lehrtätigkeit.

Die Stoiker betonten den Wert der ganzheitlichen Betrachtung der Dinge. Außerdem verknüpften sie Logik und Ethik. Stoische Ideale sind:

  • Gelassenheit
  • Seelenfrieden
  • Weisheit

„Selbstbetrachtungen“

Für den eigenen Gebrauch schrieb Kaiser Markel seine Selbstbetrachtungen. Darin bündelte er fast 500 Jahre der Entwicklung der Stoa, die ihre gesellschaftliche Bedeutung erst mit dem Aufstieg des Christentums unter Kaiser Konstantin I. verlieren sollte.

Die politische Philosophie des Mark Aurel sah die Rolle des Herrscher als schicksalshafte Last. Diese müsse ins Positive gewendet werden. Die Aufgabe des Kaisers liege nämlich darin, dem Staat möglichst gut zu dienen.

Seine Überlegungen baute Kaiser Mark Aurel auf einen sehr bodenständigen Realismus auf. Als Philosoph sah er vor allem die Zwänge des politischen Handelns und distanzierte sich von utopischen Gedanken.

„Hoffe nicht auf Platons Staat, sondern gib dich zufrieden, wenn es auch nur den kleinsten Fortschritt gibt, und denke daran, dass dieses Resultat eben keine Kleinigkeit ist. Denn wer kann die Prinzipien ändern, nach denen die Menschen ihr Leben regeln?“ (Mark Aurel IX, 29)

Neben dem vernünftigen Handeln war vor allem die Orientierung am Gemeinwohl eine zentrale Säule des Stoizismus von Kaiser Mark Aurel.

Solidarität war für ihn die wichtigste Eigenschaft des Menschen. Politische Aktivität wie auch die Pflege der Strukturen der Herrschaft sind die zentralen Mittel dieser Philosophie.

Markomannen-Kriege und Nachfolge

Erster Markomannen-Krieg

Schon 166 n. Christus fielen erstmals etwa 6000 Langobarden in Pannonien ein, dem heutigen West-Ungarn. Auch die Vandalen erhoben sich. Sie griffen in Dakien an, dem heutigen Rumänien. Diese erste Welle konnte von kleineren römischen Kontingenten vor Ort zurückgeschlagen werden.

Kaiser Mark Aurel verlegte daraufhin jedoch seinen Sitz von Rom nach Aquileia in Nord-Italien. Von dort aus hatte er kürzere Linien der Kommunikation in die Richtung der bedrohten Gebiete. Außerdem ließ zwei neue Donau-Legionen ausheben, die Legio II Italica und die Legio III Italica.

Im Jahr 168 n. Christus konnte sich auch Lucius Verus zu Kaiser Mark Aurel nach Germanien begeben. Dort führte der erfahrene Feldherr zunächst eine Inspektion der Truppen durch. Doch nur wenig später fiel auch der wichtige Mitkaiser der Antoninischen Pest zum Opfer.

Seines wichtigsten Strategen beraubt, startete Kaiser Mark Aurel im Jahr 170 n. Christus eine Gegenoffensive. Doch bei den Angriffen auf die Germanen starben über 20.000 Legionäre. In der Folge fielen die Stämme in den Donau-Provinzen ein.

Es gelang den germanischen Kriegern bis nach Aquileia vorzudringen und die Stadt zu belagern. Erst im darauffolgenden Jahr konnten römische Truppen die Provinzen befreien. Der politische Kollateralschaden war jedoch enorm.

Die Basis für die spätere Dominanz der Donau-Legionen wurde spätestens in diesen Markomannenkriegen geschaffen. Aus deren Reihen würden noch zahllose Usurpatoren hervorgehen, die das Imperium immer wieder ins Chaos stürzten.

Die Jahre 172 bis 175 n. Christus brachten jedoch entscheidende Erfolge. Die römischen Legionäre operierten zunächst erfolgreich gegen die Markomannen. Dann erweiterten sie ihre Offensive noch gegen weitere Stämme.

Rolle des Commodus

Nach dem Tod von Lucius Verus wurde dessen Rolle zunehmend von Commodus ausgefüllt, dem Sohn von Kaiser Mark Aurel. Dieser blieb während des ersten Krieges gegen die Markomannen stets an der Seite seines Vaters.

Bereits im Alter von fünf Jahren hatte man ihm zum Caesar ernannt. Das war die offizielle Bezeichnung für einen „Junior-Kaiser“. Somit war er auch mit Befehlsgewalt ausgestattet und konnte seinen Vater bei der Ausübung der kaiserlichen Herrschaft unterstützen.

Doch Kaiser Mark Aurel brach mit diesem Vorgehen die Tradition der Adpotivkaiser. Mit seinem Tod würde deren Ära zu Ende gehen.

Zweiter Markomannen-Krieg

Bereits 177 n. Christus begann der zweite Krieg gegen die Markomannen. Erneut wurde die Donau zu einer Kampflinie. Kaiser Mark Aurel und Commodus zogen hierfür riesige Kontingente zusammen.

Ein Foto der Engelsburg bei Nacht (pixabay)
Hadrian ließ die Engelsburg als Mausoleum errichten. (pixabay)

Nach erfolgreichen Schlachten errichteten die Römer zahlreiche halb befestigte Heerlager, um die umkämpften Gebieten zu stabilisieren. Insgesamt 40.000 Mann wurde so in den Regionen stationiert.

Eines dieser Heerlager war Castra Regina. Dieses wurde von der Legio III Italica bemannt wurde. Aus diesem Standort ging die heutige Stadt Regensburg in der bayerischen Oberpfalz hervor. An solchen Lagern wurde dann auch zahlreiche Patrouillenboote stationiert, die solche Abschnitte des römischen Limes bewachten.

Dieser zweite Krieg gegen die Markomannen dauerte bis zum Tod von Kaiser Mark Aurel am 17. März 180 n. Christus. Er verstarb vermutlich im Legionslager von Vindobona. Man beerdigte seine sterblichen Überresten im Hadriansmausoleum, der späteren Engelsburg im heutigen Vatikanstaat.

Sein Sohn Commodus wurde zum neuen Kaiser erhoben. Er schloss daraufhin gegen den Rat seiner Offiziere einen Frieden mit den Markomannen.