Papst Urban II.

Urban II. – römisch-katholischer Papst

Papst Urban II. hieß ursprünglich Odo de Châtillon und wurde um das Jahr 1035 geboren. Nach einer klerikalen Karriere wurde er im Jahr 1088 zum römisch-katholischen Papst erhoben. Der Nachwelt ist er bis heute für seinen Aufruf zum Ersten Kreuzzug bekannt.

Deus lo vult; Gott will es!

Am 27. November 1095 rief Urban II. zur Befreiung von Jerusalem und der damit verbundenen Vertreibung der Muslime auf. Dafür inszenierte der Papst während einer Synode eine dramatische Rede. Diese hielt er aber nicht nur vor Bischöfen, sondern vor einer großen Menschenmenge auf freiem Feld vor der Kathedrale von Clermont.

Denkmal für Papst Urban II. vor der Kathedrale von Clermont
Denkmal für Papst Urban II. vor der Kathedrale von Clermont (pixabay)

In einem abgesprochenen Manöver trat unmittelbar nach dem Aufruf Adhemar de Monteil, der Bischof von Le Puy, vor und bat als erster Kreuzritter um die Erlaubnis in das Heilige Land zu ziehen. In der Folge wurde der Aufruf zum Kreuzzug noch auf Synoden in Rouen und Tours verbreitet.

Der Aufruf zum Kreuzzug stieß unter den Christen jedoch nicht nur aus religiösen Gründen auf großen Anklang, denn zugleich wurde der „Gottesfriede“ verkündet. Unter diesem Schlagwort forderte Papst Urban II. das Ende aller Fehden und Kriegen zwischen Christen.

Für das damals stark gebeutelte Europa ergab sich damit eine Chance, kostenintensive Konflikte ohne einen Verlust des Ansehens einfach zu beenden. Dafür eröffnete sich insbesondere für den Adel die Möglichkeit, in der Fremde gemeinsam Beute zu machen.

Das Primärziel des Ersten Kreuzzuges von 1096 bis 1099, die Eroberung von Jerusalem, wurde dann auch tatsächlich erreicht. Die Verluste zeichnen jedoch bis heute ein schockierendes Bild von der Brutalität und Grausamkeit dieses Konfliktes, zu dem Papst Urban II. aufgerufen hatte. Alleine auf der christlichen Seite starben deutlich mehr als 100.000 Menschen. Dies entsprach einer Todesrate von mehr als 90 %. Opferzahlen der Muslime sind nicht überliefert.

Besonders bedauerlich war dabei, dass interne Machtkämpfe sehr stark in die Motivation von Papst Urban II. zu diesem Aufruf hinein spielten. Die mittelalterlichen Anhänger des Jesus von Nazareth waren jedoch keinesfalls in der Lage, ihre internen Streitigkeiten mit Hilfe eines äußeren Feindes tatsächlich beizulegen.

Auch die militärischen Siege im Nahen Osten waren nur von kurzer Dauer. Doch die Lernfähigkeit der europäischen Fürsten und Kleriker hatte enge Grenzen. Schon im 12. Jahrhundert kam es deshalb unter dem alten Schlachtruf: „Gott will es!“ zu weiteren Kreuzzügen, die letztlich noch weniger erfolgreich waren.

Besonders einprägsam war ein Zitat des Bernhard von Clairvaux, dem wichtigsten Agitator für den Zweiten Kreuzzug von 1147 bis 1149:

„Ein Ritter Christi tötet mit gutem Gewissen und stirbt dann noch ruhiger!“

Odo de Châtillon und die Reformbewegung

Schüler des Bruno von Köln

Odo de Châtillon gehörte zu einem Geschlecht des niederen Adels in Frankreich. Er stammte vom Rittergut Lagery im Département Marne und war der einzige Angehörige seiner Familie mit einer besonderen historischen Bedeutung.

Als junger Mann besuchte der spätere Papst Urban II. die Kathedralschule in Reims. Dort war er ein Schüler des Bruno von Köln. Dieser ist bis heute für seine Gründung des Kartäuserordens bekannt.

Die Kartäuser existieren nach wie vor. Der Orden zeichnet sich durch einen kollektiven (=zönobitisch) Rückzug (=eremitisch) der Mönche und Nonnen aus. Ihr Wahlspruch lautet:

„Das Kreuz steht fest, während die Welt sich dreht.“

Odo de Châtillon selbst machte dann bereits in Reims Karriere. Er wurde sowohl Domherr wie auch Erzdiakon der Kathedrale.

Mönch im Kloster Cluny

Im Jahr 1070 oder 1071 wurde der spätere Papst Urban II. von Abt Hugo im Kloster von Cluny aufgenommen. Diese Einrichtung war bereits seit der Mitte des 10. Jahrhunderts der Ausgangspunkt der nach ihr benannten Cluniazensischen Reform.

Die Abtei von Cluny
Kloster von Cluny – Zentrum einer monastischen Reformbewegung des Mittelalters (pixabay)

Dabei handelte es sich um eine Reformbewegung, die das Dunkle Jahrhundert der Kirche beenden wollte. Damit war der vorläufige moralische Tiefpunkt der christlichen Kirche während des Niedergangs des Frankenreiches gemeint.

Dieses Dunkle Jahrhundert begann mit der Ermordung von Papst Johannes VIII. im Jahr 882 und endete mit der Absetzung von drei konkurrierenden Päpsten im Jahr 1046. Insofern handelte es sich eigentlich um einen Zeitraum der insgesamt 164 Jahre dauerte.

In seinem klerikalen Werdegang war Odo de Châtillon deshalb stark von den damaligen Reformbewegungen innerhalb der Kirche geprägt. Diese orientierten sich vor allem an den Regeln des Heiligen Benedikt, den Regula Benedicti. Sein Aufenthalt in Cluny war jedoch nur von kurzer Dauer, denn er wurde schon bald als Prior nach Rom entsandt.

Kardinalbischof von Ostia

Als Odo de Châtillon nach Rom kam, war Gregor VII. der damals amtierende Papst. Das war ebenfalls ein Reformer.

Insofern waren der amtierende Papst in Rom sowie der spätere Papst Urban II. in theologischer Hinsicht auf einer Wellenlänge. Im Jahr 1078 folgte dann eine wichtige Beförderung.

Odo wurde von Gregor VII. zum Kardinalbischof von Ostia ernannt. Damit gehörte er nun zur obersten Riege im Klerus.

Papst Urban II. – der Gotteskrieger

Schwierige Nachfolge von Gregor VII.

Der spätere Papst Urban II. galt ursprünglich als überlegter Theologe, der auch für seine Konzilianz geschätzt wurde. Darüber hinaus bewährte er sich noch unter dem Namen Odo de Châtillon immer wieder als eine diplomatische Person, die in Diskussionen auch verhärtete Front auflockern konnte.

Doch nach dem Tod seines Vor-Vorgängers Papst Gregor VII. im Jahr 1086 trat Urban II. ab 1088 ein immer noch herausforderndes Erbe an. Die reformatorische Bewegung im Klerus war unter Druck geraten.

Die inneren Machtkämpfe und äußeren Einflüsse wie durch Heinrich IV. hatten zu einer Spaltung der Kirche geführt. Bereits im Jahr 1080 war es deshalb auf der Synode von Brixen zur Wahl eines Gegenpapstes gekommen.

Gegenpapstum von Clemens III. in Ravenna

König Heinrich, der für seinen „Gang nach Canossa“ berühmt wurde, tat alles, um das Papsttum zu schwächen. Ein idealer Kandidat für diese Ambitionen war der bereits früh protegierte Erzbischof Wibert von Ravenna.

Dieser Wibert war 1072 von Heinrich IV. als Erzbischof von Ravenna eingesetzt und im darauf folgenden Jahr von der Kirche anerkannt worden. Anfangs verhielt er sich auch noch sehr versöhnlich gegenüber Rom.

Doch im Zuge des Investiturstreites hatte sich Wibert von Ravenna ab 1074 auf die Seite des deutschen Königs geschlagen. Im Jahr 1080 kam es während der Synode von Brixen schließlich zur Eskalation der inneren Spannungen.

Es hatten sich 30 Bischöfe des Heiligen Römischen Reiches versammelt. Sie wählten Wibert als Gegenpapst und stellten Autorität des bisherigen Oberhirten damit grundsätzlich in Frage.

Wibert gab sich den Namen Clemens III. und blieb bis zu seinem Tod am 08. September 1100 der Gegenpapst des Kaisers im Konflikt mit Rom. In dieser Zeit entwickelte er sich zu einem einflussreichen Widersacher, der auch vor persönlichen Auftritten in der ewigen Stadt nicht zurückschreckte.

Clemens III. wurde nämlich nicht nur von deutschen Bischöfe gestützt. Er konnte nach und nach auch den Klerus in Nord-Italien auf seine Seite ziehen. Urban II. befand sich deshalb während seiner ganzen Zeit als Papst in einer tiefen legitimatorischen Krise.

Aufruf zum Ersten Kreuzzug 1095

Während sich die internen Konflikte der Kirche zuspitzten, erschienen im Jahr 1095 bei Papst Urban II. einige Gesandte des byzantischen Kaisers. Dieser bat um christliche Waffenhilfe im Kampf gegen die muslimischen Seldschuken.

Damit bot sich für Papst Urban II. eine ideale Chance, von den Machtkämpfen im Klerus abzulenken und die Christenheit auf breiter Front zu adressieren. Daraufhin rief er eine Synode von Bischöfen im französischen Clermont zusammen.

Außer den Klerikern erschien der Überlieferung nach jedoch auch eine große Menschenmenge. Weil die vielen Zuhörer in der Kathedrale von Clermont keinen Platz fanden, entschied sich Papst Urban II. für eine Rede unter freiem Himmel.

In dieser Rede am 27. November 1095 beschrieb Papst Urban II. die Not der Christen im Nahen Osten. Er dramatisierte die Lage und erzählte den versammelten Menschen etwas von Misshandlungen und Verfolgungen.

Das große Finale der demagogischen Ansprache war ein Aufruf zur Befreiung Jerusalems von den Heiden. Angeblich soll die Menge begeistert reagiert haben.

Darüber hinaus hatte Papst Urban II. einen Claquer im Publikum positioniert. Der Bischof von Le Puy trat demonstrativ vor, um als erster Kreuzritter den Segen für einen Zug in das Heilige Land zu erhalten.

Verlauf des Kreuzzuges und Folgen

Der Erste Kreuzzug begann dann im Jahr 1096 zunächst als eine bewaffnete Pilgerfahrt, der sich nach und nach auch Ritterheere anschlossen. Insgesamt zogen nach heutigen Schätzungen etwa 130.000 Kreuzfahrer in Richtung Jerusalem.

Diese marschierten jedoch nicht in einem einheitlichen Heerwurm, sondern in zahllosen Kolonnen in den Nahen Osten. Die Kämpfer des Ersten Kreuzzuges standen dabei unter dem Befehl einer Reihe von Kommandeuren wie:

  • Hugo Magnus von Vermandois, Sohn des französischen Königs sowie Graf von Valois und Vermandois
  • Gottfried von Bouillon, Herzog von Niederlothringen
  • Bohemund von Tarent, Fürst von Tarent
  • Raimund IV. von Toulouse, Graf von Toulouse und Markgraf der Provence
  • Robert Kurzhose, ältester Sohn von Wilhelm dem Eroberer und Herzog der Normandie
  • Peter der Einsiedler, französischer Prediger

Die ersten Kreuzfahrer wurden auf ihrem Zug mit zahlreichen Problemen konfrontiert. Besonders pikant war, dass das byzantinische Reich nur um etwas Hilfe, aber nicht um ein marodierendes Heer von mehr als hunderttausend Mann gebeten hatte. Die Unterstützung der Byzantiner blieb deshalb in wohl dosierten Grenzen.

Darüber hinaus hatten sich zahlreiche Personen aus der breiten Bevölkerung dem Marsch nach Jerusalem angeschlossen. Die einfachen Leute waren jedoch weder adäquat ausgerüstet noch im Kampf erfahren. Sie prägten allerdings die Bezeichnung des Ersten Kreuzzuges als „Volkskreuzzug“.

Dennoch gelang den Christen die Eroberung von Jerusalem im Jahr 1099. Bis dahin kam es jedoch alleine auf ihrer Seite zu 115.000 bis 120.000 Verluste. Die Zahl der Toten und Verwundeten auf der muslimischen Seite sind unbekannt. Neben den militärischen Ausfällen musste jedoch auch die Bevölkerung schockierendes Leid ertragen. Dies galt insbesondere bei den Gemetzeln nach erfolgreichen Eroberungen von Städten durch die Christen.

Auf dem Weg nach Jerusalem eroberten die Kreuzfahrer jedoch auch weitere Gebiete. In der Folge gründeten sie vier Kreuzfahrerstaaten, um die Präsenz der Christenheit im Heiligen Land zu perpetuieren:

  • Königreich von Jerusalem
  • Fürstentum von Antiochia
  • Grafschaft Edessa
  • Grafschaft Tripolis

Doch weder Papst Urban II. noch seine Soldaten Christi hatten sich tragfähige Gedanken zu den Folgen des Ersten Kreuzzuges gemacht. Es verblieben zwar einige der überlebenden Kreuzfahrer im Heiligen Land. Der Großteil kehrte nach der Eroberung von Jerusalem aber wieder in die Heimat zurück.

Es entstanden zwar christliche Ritterorden, die lukrative Geschäfte mit folgenden Pilgern machten. Aber die Kreuzfahrerstaaten waren wirtschaftlich und militärisch nicht dauerhaft zu halten. Nachdem die Muslime im Laufe des 12. Jahrhunderts die Christen wieder verdrängten, wurden deshalb noch weitere Kreuzzüge ausgerufen:

  • Erster Kreuzzug (1096 bis 1099)
  • Zweiter Kreuzzug (1147 bis 1149)
  • Dritter Kreuzzug (1189 bis 1192)
  • Vierter Kreuzzug (1202 bis 1204)
  • Fünfter Kreuzzug (1217 bis 1221)
  • Sechster Kreuzzug (1228 bis 1229)

Tod von Urban II. und Nachfolge

Papst Urban II. hatte selbst jedoch nichts von den vielen Toten, die er mit seinem Aufruf verursacht hatte. Er erlebte zwar noch die Mobilisierung der Heere und erfuhr wahrscheinlich von der Besetzung von Antiochia im Juni 1098. Von der Eroberung Jerusalems am 15. Juli 1099 erhielt Papst Urban II. jedoch keine Kenntnis mehr.

Er verstarb zwei Wochen später am 29. Juli 1099 bevor ihn die Nachricht erreichen konnte. Zum Nachfolger von Urban II. wurde Raniero di Bieda ernannt.

Dieser gab sich den Namen Paschalis II. und regierte als Oberhirte bis 1118. Seine Zeit als Papst war jedoch wieder wesentlich von Konflikten mit den deutschen Königen geprägt.