Elisabeth I. von England

Elisabeth I. – Königin von England

Königin Elisabeth I. war eine Tochter von Heinrich VIII. und seiner zweiten Ehefrau Anne Boleyn. Sie wurde am 7. September 1533 in Greenwich geboren und entwickelte England als letzte Vertreterin des Hauses Tudor zur Großmacht.

„Ich werde Sie um einen Kopf kürzer machen.“

Elisabeth I. war während ihrer 44-jährigen Herrschaft eine sehr innovative Regentin und den anderen Monarchen ihrer Epoche gedanklich weit voraus. Dank ihrer Einflussnahme setzten sich die Engländer in der Karibik, in Nord-Amerika und in Indien fest.

Königin Elisabeth I. von England
Krönungsporträt von Elisabeth I. (Maler: unbekannt / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Dabei muss man besonders betonen, dass Elisabeth I. nur selten aus einer Position der Stärke handelte. Vielmehr gelang es ihr mit geringen Mitteln, die strategische Lage an den bedeutenden Schauplätzen der frühen Neuzeit zu Gunsten von England zu drehen.

Beispielsweise stattete Königin Elisabeth I. den Freibeuter Francis Drake mit Kaperbriefen aus. Dieser störte in der Folge ganz empfindlich die einseitige Dominanz der Spanier in Süd-Amerika. Mit nur fünf Schiffen trieb El Draque die katholische Großmacht an den Rand der Zahlungsunfähigkeit.

In zähen Seeschlachten konnten die erfahrenen Kapitäne ihrer königlichen Hoheit schließlich sogar zweimal eine drohende Invasion der britischen Inseln durch die Spanier abwenden. Die englische Marine entwickelte erstmals eine große Überlegenheit bei der Bewaffnung und der Ausbildung der Seeleute. Nur zahlenmäßig waren sie noch unterlegen.

Elisabeth I. protegierte darüber hinaus die Entwicklung der Londoner Börse und später auch die Gründung der Ostindien Kompanie. Die ehrgeizigen Kaufleute erhielten hierfür einen Freibrief. Auf dieser Basis gelang die langfristige Unterwerfung des indischen Subkontinents mit einem Minimum an eigenem Personal.

Fer aut feri; ne feriaris, feri!“

„Trag oder schlag! Damit du nicht geschlagen wirst, schlag selbst!“

Königin Elisabeth I. erwies sich darüber hinaus als geschickte Reformerin. Sie förderte nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Kultur ihres Landes und bot großen Künstlern wie William Shakespeare eine gesellschaftliche Bühne.

Dabei war sie selbst sehr eloquent und auch persönlich den Künsten zugeneigt. Elisabeth I. beherrschte sechs Sprachen. Sie konnte sehr charmant sein, aber auch kräftig fluchen. Ihr äußeres Erscheinen war dabei von einem dicken, weißen Make Up geprägt. Damit wollte sie möglicherweise die Narben von Pocken überdecken.

Königin Elisabeth I. blieb zeitlebens sowohl ehe- wie auch kinderlos. Sie wurde deshalb in der breiten Bevölkerung als Virgin Queen, als die jungfräuliche Königin, verehrt und befeuerte sehr bewusst dieses positive Image. In Anlehnung an das öffentliche Bild tauften englische Siedler in Nord-Amerika die erste Kolonie auf den Namen Virginia.

Elisabeth I. verstarb im Frühjahr 1603 und hinterließ keine eigene Nachkommen. Deshalb gilt sie als letzte Vertreterin der Tudors. Ihr Thronfolger war Jakob VI. von Schottland aus dem Haus Stuart.

Elisabeth – Tochter von Anne Boleyn

Königsgeschlecht der Tudors

Königin Elisabeth I. von England hieß ursprünglich Elisabeth Tudor. Sie war eine Enkelin von Henry Tudor, der als König Heinrich VII. die Rosenkriege zwischen den Häusern Lancaster und York beendete.

Tudor-Rose
Die weiß-rote Tudor-Rose (Urheber: Sodacan / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Bei den Häusern Lancaster und York handelte es sich um Nebenlinien der vormals regierenden Plantagenêts. Diese waren wiederum eine Nebenlinie der skandinavischen Rolloniden, die in Person von Wilhelm dem Eroberer das Königreich England nach der Schlacht bei Hastings im Jahr 1066 unterwarfen.

Elisabeth Tudor gehörte über diese Verbindungen deshalb ebenfalls zu den Nachfahren des skandinavischen Jarl Rollo. Dieser hatte 911 an der französischen Kanalküste das Herzogtum Normandie gegründet und damit eine der größten Dynastien des Mittelalters etabliert. Außer England nahmen die Rolloniden beispielsweise auch Sizilien ein.

Heinrich VIII. und seine sechs Ehefrauen

Nach dem Tod von Henry Tudor wurde sein Sohn als Heinrich VIII. der neue König von England. Er regierte von 1509 bis 1547 und ist vor allem für seine sechs Ehefrauen bekannt:

  1. Katharina von Aragon (1509 – 1533)
  2. Anne Boleyn (1533 – 1536)
  3. Jane Seymour (1536 – 1537)
  4. Anna von Kleve (1540 – 1540)
  5. Catherine Howard (1540 – 1542)
  6. Catherine Parr (1543 – 1547)

Von besonderer Bedeutung sollte Anne Boleyn werden. Sie war wohl sagenhaft attraktiv und verdrehte noch als einfache Hofdame dem lüsternen König völlig den Kopf. Dieser wollte sich dann von seiner ersten Ehefrau Katharina von Aragon scheiden lassen.

Heinrich VIII. Tudor
König Heinrich VIII. Tudor von England (Maler: Hans Holbein der Jüngere / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Der Papst verweigerte dem verliebten König jedoch die Scheidung. Heinrich befahl dem Erzbischof von Canterbury Thomas Cranmer daraufhin die Auflösung der Ehe.

Papst Paul III. exkommunizierte daraufhin Anne, Heinrich und den Erzbischof. Der König wechselte jedoch einfach seine Konfession und auch die der englischen Kirche.

In diesem Zuge machte er sich dann selbst zum Oberhaupt der neuen Glaubensrichtung, die als „anglikanische Kirche“ bekannt wurde. Um Anne Boleyn den Ehe-Wunsch zu erfüllen, wurde ganz England nur wenige Jahre nach dem Thesenanschlag von Martin Luther nun ebenfalls protestantisch.

Doch Heinrich riss mit diesem Schritt einen tiefen konfessionellen Graben in England auf. Viele Katholiken im Land hielten dem Papsttum die Treue. Es wurde immer wieder versucht, eine gewaltsame Gegenreformation in Gang zu setzen.

Aber aus der Verbindung ging Elisabeth hervor. Ihr Leben war jedoch von den religiösen Konflikten geprägt. Das war auch einer der zentralen Gründe, aus denen es später zu mehreren Verschwörungen gegen sie kam.

Thronfolge von Königin Elisabeth I.

Die junge Prinzessin Elisabeth wurde am 7. September 1533 in Greenwich von Anne Boleyn geboren. Sie soll ein sehr lebhaftes Kind gewesen sein und wurde bereits ab dem dritten Monat von eigenen Dienern aufgezogen. Zu ihrer Mutter konnte sie deshalb nie ein persönliches Verhältnis aufbauen.

Anne Boleyn
Anne Boleyn war die Mutter von Elisabeth I. (Maler: unbekannt / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Der König hatte jedoch ein Problem mit dem Geschlecht seiner Tochter, was in der Folge wohl auch für die Mutter Anne Boleyn zum Verhängnis wurde. Das Schicksal nahm dann eine dramatische Wende, als Heinrich VIII. sein Interesse für Jane Seymour entdeckte.

Um den Weg für die neue Beziehung frei zu machen, wurde Anklage gegen Anne Boleyn erhoben. Man warf ihr Hochverrat vor. Sie soll mehrfachen Ehebruch, darunter Inzest mit dem Bruder, begangen und sich gegen den König verschworen haben. Historiker halten diese Vorwürfe für wenig glaubhaft.

Der Erzbischof von Canterbury erklärte nun jedoch auch diese Ehe für ungültig. Damit hatte Elisabeth Tudor nur noch den rechtlichen Status eines Bastards. Wenige Tage später wurde Anne Boleyn am 17. Mai 1536 hingerichtet. Zu diesem Zweck reiste ein besonders talentierter Henker aus Frankreich an. Dieser schlug im Tower of London der knienden Frau mit einem Streich den erhobenen Kopf ab.

Als Bastard hatte Elisabeth Tudor eigentlich keine Aussicht auf den Thron. Darüber hinaus wurde sie von ihrem Vater zeitweise explizit von der Thronfolge ausgeschlossen. Aber ihre weiteren Vorgänger konnten keine eigenen Nachkommen zeugen:

  • Heinrich VIII. starb am 28. Januar 1547. Sein unmündiger Sohn Eduard folgte auf den Thron, weil die älteste Tochter Maria aus erster Ehe mit Katharina von Aragon von ihm testamentarisch als nachrangige Thronfolgerin eingestuft wurde.
  • Eduard VI. war König bis zu seinem Tod am 6. Juli 1553. Da er noch im Kindesalter verstarb wurde seine Herrschaft von den beiden Lordprotektoren Edward Seymour und später John Dudley ausgeübt.
  • Jane Grey, eine Nichte von Heinrich VIII., wurde am 10. Juli 1553 zur Königin proklamiert. Sie verlor jedoch interne Machtkämpfe und wurde bereits nach neun Tagen wieder abgesetzt. Ein halbes Jahr später wurde auch sie im Tower of London geköpft.
  • Maria I., besser bekannt als Bloody Mary, war ein Kind aus der ersten Ehe ihres Vaters mit Katharina von Aragon. Sie war die ältere Schwester von Elisabeth Tudor und eine überzeugte Katholikin. Obwohl sie zunächst in der Thronfolge übergangen wurde, kam Maria aufgrund der innenpolitischen Situation und fehlender Alternativen schließlich doch zum Zuge. Während ihrer Herrschaft von 1553 bis 1558 initiierte sie eine blutige Gegenreformation und ließ knapp 300 Protestanten brennen.

Ursprünglich verstanden sich Maria I. Tudor und Elisabeth Tudor gut. Doch zwischen den beiden Stiefschwestern kam es zum Zerwürfnis, dass auch durch die unterschiedlichen Konfessionen ausgelöst wurde.

Die spätere Königin Elisabeth I. von England wurde sogar des Verrats verdächtigt. Zeitweise hielt man sie deshalb im Tower of London fest. Als sich der Verdacht nicht erhärtete, wurde Elisabeth Tudor nach Woodstock in Oxfordshire gebracht und dort unter Hausarrest gestellt.

Doch Maria I. Tudor starb am 17. November 1558. Wahrscheinliche Todesursache war ein Krebs im Unterleib. Nur wenige Tage zuvor hatte sie ihre Schwester Elisabeth Tudor rehabilitiert und testamentarisch als Nachfolgerin eingesetzt. Der Hintergrund war, dass sie und ihre Macht-Clique eine Regierungsübernahme durch Maria Stuart von Schottland fürchteten.

Elisabethanisches Zeitalter von 1558 bis 1603

Elisabeth I. wurde am 17. November 1558 als Elisabeth I. von England gekrönt. Sie regierte bis zu ihrem Tod im Frühjahr 1603 und brachte dem Königreich mit ihrer Herrschaft Wachstum und Stabilität. Aufgrund der zahlreichen Erfolge und der kulturellen Blüte des Landes wird diese Phase auch als Elisabethanisches Zeitalter bezeichnet.

Beziehung zu Robert Dudley

Elisabeth I. hatte bereits aus ihrer Jugendzeit einen wichtigen Vertrauten, Robert Dudley, den 1. Earl of Leicester. Beide waren während der Regentschaft von Maria I. Tudor zeitlich parallel im Tower of London in Haft und sollen auch dort schon eine enge Beziehung gehabt haben.

Robert Dudley
Robert Dudley war Favorit von Königin Elisabeth I. von England (Maler: Steven van der Meulen / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Bereits bei ihrem Regierungsantritt hatte Elisabeth I. ihren Robert Dudley zum Oberstallmeister ernannt. Ein solcher Master of Horse war eine wichtige Person am königlichen Hof und gehörte dem Kabinett im Rang eines Ministers an.

Robert Dudley erwies sich in diesem Amt als besonders einflussreich. Es soll offensichtlich gewesen, dass Königin Elisabeth I. in ihn verliebt war. Eine Ehe war aus politischen Gründen jedoch ausgeschlossen.

Bis zu seinem Tod am 4. September 1588 war Robert Dudley jedoch der Favorit der Königin. Bis zuletzt betraute sie ihn mit wichtigen Aufgaben. Er hatte in seinem letzten Sommer beispielsweise den Befehl über die Landstreitkräfte, als England unter dem Eindruck einer möglichen Invasion durch die Spanier stand.

Möglicherweise war es diese unerfüllte Liebe zu Robert Dudley, die Elisabeth I. zu einem Leben ohne Ehe und ohne Kinder verleitete. Die zu damaligen Zeiten unübliche Lebensweise brachte ihr die Bezeichnung als „jungfräuliche Königin“ ein. An Bewerbern hatte es ihr nämlich ganz sicher nicht gemangelt:

  • Erik, späterer König von Schweden
  • Franz, späterer Herzog von Anjou
  • Karl, Erzherzog von Österreich
  • Philipp, König von Spanien
  • u.v.m.

Ihre tatsächlichen Motive bleiben jedoch im Dunkeln. Dafür konzentrierte sich Elisabeth I. umso mehr auf die realpolitische Führung des Königreiches.

Geheimdienst des Francis Walsingham

Francis Walsingham wurde 1532 geboren und machte unter der Herrschaft von Elisabeth I. zunächst eine politische Karriere. Doch dank seiner zahlreichen Kontakte ins Ausland, entwickelte sich Francis Walsingham zum ersten englischen Spymaster.

Er baute einen schlagkräftigen Nachrichtendienst mit mindestens 50 Agenten auf. Zu diesem Kreis gehörte beispielsweise der bekannte Dichter und Schriftsteller Christopher Marlowe.

Seine Organisation hatte im Wesentlichen zwei Aufgaben. Die Agenten bekämpften innere Feinde von Königin Elisabeth I. und klärten militärische Bedrohungen im Ausland auf. So konnten beispielsweise mehrere Verschwörungen um Maria Stuart aufgedeckt werden:

  • Die Ridolfi-Verschwörung war ein Komplott englischer Katholiken in den Jahren 1570/71. Die Schlüsselfigur war ein florentinischer Bankier namens Roberto Ridolfi, der als Agent des Papstes nach London entsandt worden war. Trotz oder gerade wegen seiner großen Versprechungen galt der Italiener aber als ein Schwätzer. Er hätte wohl nie die angekündigte internationale Unterstützung für die englischen Katholiken mobilisieren können. Es ist auch nicht bekannt, in wie weit Maria Stuart in das Komplott involviert war. Jedoch wurde ein Schotte mit belastenden Briefen im Sommer 1571 in Dover verhaftet. Die Briefe waren verschlüsselt, aber die Agenten von Francis Walsingham konnten die Codierung schnell knacken. Die übrigen Verschwörer flogen auf. Aber Königin Elisabeth I. war schockiert über die hohe Beteiligung durch englische Adelige. In der Folge schloss sie eine Rückkehr der damals schon gefangenen Maria Stuart nach Schottland grundsätzlich aus.
  • Die Throckmorton-Verschwörung aus dem Jahr 1583 hatte eine parallele Ermordung der Königin, Befreiung von Maria Stuart sowie die Unterstützung von katholischen Invasionstruppen zum Ziel. Zentrale Figur war Francis Throckmorton, der als Sekretär in den Diensten von Maria Stuart stand. Francis Walsingham kam ihm durch seine Kontakte zum spanischen Botschafter auf die Schliche.
  • Die Babington-Verschwörung aus dem Jahr 1586 wurde nach dem späteren Hauptangeklagten Anthony Babington benannt. Der tatsächliche Drahtzieher war jedoch ein Jesuit namens John Ballard. Francis Walsingham konnte aber bereits früh den verschlüsselten Briefverkehr mit Maria Stuart abfangen. Diese Schreiben schmuggelte man in einem hohlen, aber wasserdichten Spund eines Bierfasses. Die Briefe wurden heimlich kopiert und anschließend wieder versteckt, um die Verschwörer in Sicherheit zu wiegen. Dem Linguisten und Code-Knacker Thomas Phelippes gelang es dann, die Texte mit einer Häufigkeitsanalyse zu decodieren. Nach diesem Erfolg versuchte Walsingham sogar, die Texte gezielt zu manipulieren. Im August 1586 ließ er die Verschwörer dann verhaften.

Wirtschaftspolitik von Elisabeth I.

Als Königin Elisabeth I. im Jahr 1558 den Thron bestieg, war England in wirtschaftlicher Hinsicht ein schwaches Land und hatte darüber hinaus große Schulden. Zunächst beendete sie deshalb einen teuren Krieg mit Frankreich.

Königin Elisabeth I. von England
Königin Elisabeth I. von England um 1580 (Maler: Nicholas Hilliard / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Mit Calais war bereits unter Maria I. Tudor die letzte englische Bastion auf dem Festland gefallen. Im Frieden von Cateau-Cambrésis von 1559 verzichtete Königin Elisabeth I. gegen eine finanzielle Entschädigung auf weitere Ansprüche. Mit diesen Einnahmen wurden Staatsschulden abbezahlt und die Grundlage für eine Sanierung des Haushalts gelegt.

Zur Stabilisierung der Preise erließ sie mehrere Gesetze. Darüber hinaus protegierte Königin Elisabeth I. im Jahr 1566 die Eröffnung der ersten Londoner Börse. Außerdem erließ sie Regeln, die die heimische Industrie schützten. Es durften beispielsweise nur noch Filzhütte aus England verkauft werden.

Aber Elisabeth I. war dennoch die Königin eines relativ armen Landes. Vor allem mit der katholischen Großmacht Spanien konnte man noch lange nicht konkurrieren. Ein Hintergrund war, dass diese über reiche Kolonien in Süd-Amerika verfügten.

Kooperation mit englischen Freibeutern

Elisabeth I. erkannte als erste Königin ihrer Epoche die Potentiale der Privatisierung von militärischen Aufgaben. Dabei griff sie auf ein altes Mittel des See- und Handelskrieges zurück: den Kaperbrief.

Ein Kaperbrief ist ein Schreiben, dass dem Inhaber gestattet, fremde Handelsschiffe aufzubringen. Die ältesten Exemplare von solchen Kaperbriefen stammen aus dem 12. Jahrhundert. Ursprünglich stellten solche Dokumente sogar eine Regulierung des damals noch grenzenlosen Seekrieges dar.

Golden Hind
Replikat der Golden Hind (pixabay)

Mit solchen Briefen konnte Elisabeth I. Kapitäne wie Francis Drake anwerben. Diese finanzierten und organisierten Kaperfahrten dann auf eigenes Risiko.

Wenn sie erfolgreich waren, mussten sie jedoch die Königin an der Beute beteiligen. Dafür waren sie vor Strafverfolgung in der Heimat geschützt.

Elisabeth I. verließ sich dabei jedoch nicht nur auf den Geschäftssinn der jeweiligen Kapitäne. Sie steuerte aus der Staatskasse auch selbst Gelder bei, um ihren Anteil entsprechend zu vergrößern.

Als besonders gewinnbringend erwies sich die Investition in die Kaperfahrt von Drake mit der Golden Hind. Dabei gelang den Engländern sogar ihre erste Weltumsegelung.

Es dauerte zwar mehr als zwei Jahre, bis der Freibeuter zurückkehrte. Die Investoren fuhren jedoch einen sagenhaften Gewinn von 4.700 % ein.

Die Unterstützung der englischen Freibeuter mit solchen halb-offiziellen Aufträgen spülte aber nicht nur Geld in die klamme Staatskasse. Vor allem wurden nun die spanischen Kolonien und Handelswege bedroht. Die waren bis dato ungeschützt und deshalb auch so rentabel.

In der Folge geriet Spanien in eine prekäre Situation. Einerseits wurde der Cashflow der Großmacht gestört, was sogar zum Bankrott einiger Banken führte. Andererseits musste nun in teure Schutzmaßnahmen für die überseeischen Besitzungen investiert werden.

Das einst so lukrative Geschäft der Ausbeutung Süd-Amerikas führte so zu einer imperialen Überdehnung des spanischen Kolonialreiches. Mit nur wenigen Schiffen und minimalem Einsatz von Kapital konnte Elisabeth I. so die strategische Lage in der Karibik und Süd-Amerika zu Gunsten von England drehen.

Gründung von Virginia durch Walter Raleigh

Hoch in der Gunst von Königin Elisabeth I. stand mit Sir Walter Raleigh ein weiterer Entdecker und Seefahrer. Er gehörte zu ihrem engsten Beraterkreis und wurde mit besonderen Handelsprivilegien ausgestattet.

Raleigh organisierte Expeditionen nach Nord-Amerika. Diese führten zur Gründung einer Siedlung auf Roanoke Island im heutigen Bundesstaat North Carolina.

Sir Walter Raleigh 1598
Sir Walter Raleigh diente Königin Elisabeth I. von England (Maler: William Segar / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Diese ersten englischen Siedlungsversuche waren zwar nicht besonders erfolgreich. Aber dennoch wurde bereits im Jahr 1584 die Kolonie „Virginia“ ausgerufen.

Das Gebiet der damaligen Kolonie Virginia entsprach jedoch nicht dem gegenwärtigen Bundesstaat Virgina. Vielmehr handelte es sich um eine Region, die sich über die heutigen Staaten Virginia, West Virginia, North Carolina, Kentucky, Tennesse und Ohio erstreckte.

Königin Elisabeth I. selbst interessierte sich aber nicht einmal besonders für Nord-Amerika. Erst unter ihrem Nachfolger wurde im Jahr 1607 mit Jamestown die erste dauerhafte Siedlung der Engländer errichtet. Sie konnte wohl nicht ahnen, was für eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte nach ihrem Tod von diesen Niederlassungen ausgehen sollte.

Dabei gingen die Engländer nach bewährtem Schema vor und ließen ein privates Unternehmen das Risiko tragen. In der Namenstradition mit Bezug auf Königin Elisabeth I. erhielt diese Organisation den Namen „Virgina Company“.

Ab dem Jahr 1612 sollte dann die boomende Entwicklung der Kolonie einsetzen. Ein englischer Siedler namens John Rolfe, der spätere Ehemann der Indianer-Prinzessin Pocahontas, hatte wohl von Trinidad einige Tabakpflanzen mitgebracht. Das Kraut gedieh bestens im Klima von Virginia und entwickelte sich schnell zu einem sehr wertvollen Handelsgut.

  • Im Jahr 1618 wurde Virginia-Tabak im Wert von 20.000 Pfund exportiert.
  • Im Jahr 1638 betrug der Wert der Exporte bereits drei Millionen Pfund.

Angesichts des damaligen Wertes eines englischen Pfunds waren das enorme Summen. Im Vergleich dazu hatte die Ladung eines Handelsschiffes mit den spanischen Einnahmen aus Malaysia, dass 1587 vom Freibeuter Drake vor den Azoren aufgebracht wurde, einen Wert von 115.000 Pfund.

Hinrichtung der Maria Stuart

Maria Stuart wurde am 8. Dezember 1542 geboren. Sie war die Königin von Schottland und durch eine Ehe auch vorübergehend die Königin von Frankreich. Die Stuarts, oder auch Stewarts, waren ein sehr altes, bretonisches Adelsgeschlecht, dass bereits in den Diensten von Robert the Bruce stand.

In der Schlacht von Bannockburn im Jahr 1314 hatte Walter Stuart den linken Flügel der schottischen Rebellen geführt. Damit trug er wesentlich zum Sieg im Unabhängigkeitskrieg bei und heiratete anschließend die Tochter des Königs.

Loch Leven Castle
Maria Stuart war Gefangene in Loch Leven Castle. (pixabay)

In dieser Erbfolge stellten die Stuarts mit Robert II. bereits ab 1371 den König von Schottland. Zweihundert Jahre später folgte in dieser Rolle dann Maria als die Queen of Scots.

Doch Maria Stuart verscherzte es sich mit großen Teilen des schottischen Adels. Es kam zu einer Revolte und sie wurde ein Jahr lang in Loch Leven Castle gefangen gehalten. Von dort aus gelang ihr mit Hilfe eines jungen Wärters die Flucht.

Anschließend wandte sich Maria Stuart mit einem Hilfegesuch an die englische Königin. Diese Bitte war klang ziemlich absurd: Die katholische Maria Stuart hatte den Anspruch von Elisabeth I. auf den Thron als ein Kind aus zweiter Ehe nie anerkannt. Vielmehr sah sie sich selbst als legitime Erbin der englischen Krone und führte diese nach einer Proklamation im Jahr 1558 auch in ihrem Wappen.

Elisabeth I. war dem Anliegen von Maria Stuart dennoch grundsätzlich zugeneigt, wohl weil die beiden Frauen denselben Stand hatten. Die englische Königin griff dann zu einem sehr geschickten Manöver, um sich alle Optionen zunächst offen zu halten. Sie befahl im Herbst 1568 die Untersuchung einer alten Mordanklage gegen Maria Stuart und ließ sie in Haft nehmen.

Dieses Zeitspiel von Königin Elisabeth I. sollte am Ende ganze 18 Jahre lang dauern. Maria Stuart verbrachte ihre Haft jedoch unter sehr komfortablen Bedingungen in diversen Schlössern.

William Cecil, ein enger Berater von Elisabeth I., verhandelte in der Zeit auch über die Anerkennung des Thronanspruches. Doch jegliche Gespräche scheiterten letztlich an der vermeintlichen oder auch tatsächlichen Beteiligung von Maria Stuart an Verschwörungen gegen die Königin.

Die Verschwörungen führten zu einem Sinneswandel bei Elisabeth I. gegenüber Maria Stuart. Die alte Mordanklage wurde um einen Vorwurf erweitert: Hochverrat.

Man verurteilte die Königin der Schotten zum Tode durch das Schwert. Verglichen mit der üblichen Strafe (Hängen, Ausweiden und Vierteilen) war das normalerweise ein relativ humaner Tod. Maria Stuart erhielt jedoch nicht die Gnade eines erfahrenen Henkers.

Ihr Scharfrichter brauchte drei Hiebe, bis der Kopf abgetrennt war. Einer Legende nach endete die Hinrichtung der Queen of Scots dann in einer bizarren Szene:

Der Henker wollte seinen Zuschauern den Kopf von Maria Stuart präsentieren. Doch er hob diesen nur an den langen Haaren ihrer Perücke. Das geschorene Haupt von Maria Stuart fiel deshalb herunter, rollte anschließend über den Boden und zog eine Blutspur hinter sich her. Währenddessen sprang der erschrockenen Schoßhund aus den Kleidern der Toten hervor und wurde dabei ebenfalls von Blut überströmt.

Abwehr der spanischen Armada

König Philipp II. von Spanien war der Witwer von Maria I. Tudor. Dennoch hatte er einst um die Hand von Elisabeth I. geworben. Doch nach der Hinrichtung von Maria Stuart wollte er die Engländer unterwerfen und das Land auch wieder zum Katholizismus bekehren.

Erstmals im Jahr 1587 versuchte der spanische König eine Armada, bestehend aus einer Flotte und Landstreitkräften, in Cadiz zu versammeln. Agenten klärten diese Bedrohung jedoch sehr früh auf. Ein präventiver Gegenschlag der englischen Marine unter dem Befehl von Sir Francis Drake verhinderte den ersten Versuch einer Invasion bereits im Ansatz.

Spanische Armada
Die Marine von Elisabeth I. zerstörte 1588 eine spanische Armada (Maler: Philip James de Loutherbourg / Lizenz: gemeinfreies Bild)

1588 gelang jedoch die Mobilisierung einer spanischen Armada. Diese bestand aus sehr großen, aber dafür auch langsamen Schiffen, die nach Möglichkeit eine enge Formation hielten.

Die Royal Navy bestand dafür aus schnellen, wendigen Schiffen. Sie verfügten außerdem über Kanonen aus Bronze. Die hatten zwar weniger Durchschlagskraft, aber dafür eine deutlich höhere Reichweite als die eisernen Kanonen der Spanier. Außerdem nutzten die Engländer ihre neu entwickelte „Breitseite“. Dabei wurde mit allen Geschützen auf einer Schiffsseite parallel gefeuert.

Dank günstiger Winde konnte die Marine von Königin Elisabeth I. die spanische Armada in ein Seegefecht von zehn Tagen im Ärmelkanal verwickeln. Die englischen Schiffe hielten ihre Gegner immer soweit auf Distanz, dass sie selbst kaum Verluste erlitten.

Von besonderer Bedeutung war der Einsatz von Brandern. Dabei handelte es sich um brennende Schiffe, die man gezielt in die gegnerische Formation treiben ließ.

Die dichten Linien der Spanier konnten mit solchen Brandern aufgesprengt werden. Die englische Marine hatte dann leichtes Spiel bei den Angriffen auf einzelne Schiffe der spanischen Armada.

Ein großer Glücksfall für Königin Elisabeth I. war auch die persönliche Unfähigkeit des spanischen Admirals Alessandro Farnese, der nicht mit seinem namensgleichen Ur-Großvater Papst Paul III. verwechselt werden darf. Der spanische Kommandeur entschied sich nach den ersten Verlusten nämlich für eine Flucht der Armada um die britische Hauptinsel herum.

Auf dieser langen Route zurück in die Heimat waren die Katholiken weiteren Angriffen ausgesetzt. Dabei erlitten sie sogar noch größere Verluste als während der eigentlichen Schlacht im Ärmelkanal.

Die spanische Armada war anschließend so zerzaust, dass sich Königin Elisabeth I. sogar zu einem Gegenschlag hinreißen ließ. Unter der Führung von Sir Francis Drake landeten 1589 englischen Invasionstruppen auf der iberischen Halbinsel. Die Unternehmung entwickelte sich nach der Plünderung der Lager von A Coruña und einem anschließenden Saufgelage der Soldaten jedoch ebenfalls zum Desaster.

Gründung der Ostindien Kompanie

Zum 31. Dezember 1600 stellte Königin Elisabeth I. von England einigen Kaufleuten von der Londoner Börse einen Freibrief aus. Sie durften eine Aktiengesellschaft gründen und Kapital für eine Expedition sammeln.

Im Gegenzug durfte diese British East India Company für 15 Jahre den Handel zwischen dem Kap der Guten Hoffnung und der Magellanstraße abwickeln. Im Jahr 1602 stachen dann fünf Schiffe unter der Führung von Kapitän James Lancaster in See.

Die eigentliche Erfolgsgeschichte dieser Aktiengesellschaft sollte Elisabeth I. zwar nicht mehr erleben, die Expansion der Organisation war dennoch atemberaubend:

  • 1615 wurde ein Handelsabkommen mit dem Mogulkaiser geschlossen. Dieser kontrollierte etwa 70 % des indischen Subkontinents und gestattete den Engländern exklusive Handelsrechte im Tausch für europäische Waren.
  • 1634 erweiterte der Mogulkaiser die Rechte der englischen Kaufleute, deren Kerngeschäft nun der Handel mit Baumwolle, Seide, Indigo, Salpeter und Tee war.
  • 1647 hatte die Ostindien Kompanie bereits 23 Kontore in Indien, für deren Betrieb nur 90 Angestellte benötigt wurden. Im Laufe der Zeit entwickelten sich drei besonders wichtige Standorte heraus:
    • Fort William in Bengalen (seit 1612)
    • Fort St. George in Madras (seit 1639)
    • Bombay Castle (seit 1668)
  • 1657 erneuerte Oliver Cromwell den Freibrief der Ostindien Kompanie mit geringfügigen Änderungen, so dass die Aktiengesellschaft auch den Bürgerkrieg in der Heimat überstand.
  • 1670 erhielt die Ostindien Kompanie durch fünf Erlasse von König Charles II. quasi-staatliche Rechte. Die Kaufleute konnten von da an:
    • Festungen bauen,
    • Soldaten rekrutieren,
    • Krieg erklären,
    • Bündnisse und Frieden schließen,
    • Zivil- und Strafgerichtsbarkeit durchsetzen.
  • In den 1680er Jahren erfolgte eine rasante Militarisierung der Kompanie und die Aktiengesellschaft war schließlich ein quasi souveräner Staat in Indien.

Auf Basis des Freibriefes von Königin Elisabeth I. von 1600 entwickelte sich die Ostindien Kompanie zu einem der wichtigsten Teilnehmer des Welthandels. Darüber hinaus führte die Aktiengesellschaft auch Stellvertreterkriege gegen andere Großmächte wie Frankreich und die Niederlande.

Doch die Organisation entwickelte auch maßgeblichen Einfluss auf die Willensbildung der Regierung. Ihren Status und ihre Privilegien verloren die Kaufleute erst nach der Umwandlung von Indien zur Kronkolonie durch Königin Victoria im Jahr 1858.

Goldene Rede der Virgin Queen

Am 30. November 1601 hielt Elisabeth I. eine Rede vor 140 Abgeordneten des Parlamentes. Diese hatten sich über die ungerechte Verteilung von Handelsrechten beschwert.

Die Rede gilt als letzter öffentlicher Auftritt der Königin. Sie soll die Herzen der Abgeordneten so berührt haben, dass alle 140 Männer ihr hinterher die Hand küssten. Nachträglich bildete sich die Bezeichnung als „Goldene Rede“ heraus:

„Es gibt kein Juwel, sei es noch so hoch im Preis, das ich über dieses Juwel stelle: ich meine eure Liebe. Diese achte ich mehr als alle Schätze oder Reichtümer. Diese wissen wir zu bewerten, doch Liebe und Dankbarkeit halte ich für unbezahlbar. Und hat mich Gott auch hoch erhoben, ist das, was ich als Ruhm meiner Krone zähle, dass ich mit eurer Liebe regiert habe.“

Tod und Thronfolge

Elisabeth I. wurde im Februar 1603 schwer krank und verlor ihre Energie. Sie litt unter Schlaflosigkeit und verstarb nur wenige Wochen später am 24. März 1603 im Alter von 69 Jahren.

Ihre letzten Worte soll Königin Elisabeth I. an ihren Berater Robert Cecil gerichtet haben. Dieser hatte nach dem Tod des Vaters William Cecil dessen Rolle an der Seite der Monarchin eingenommen. Er hatte sie wohl aufgefordert, sich auszuruhen:

„Kleiner Mann, kleiner Mann, das Wort »müssen« ziemt sich nicht, wenn man mit Fürsten spricht.“

Nur wenige Stunden nach dem Tod von Elisabeth I. wurde Jakob VI. von Schottland, der Sohn von Maria Stuart, als König Jakob I. von England ausgerufen. Durch diese Thronfolge wurden erstmals in der Geschichte die Königreiche England und Schottland in einer Personalunion vereinigt. Er gilt deshalb auch als Vater von Großbritannien.

Der neue König mühte sich sehr, seine Abstammung von Heinrich VII. zu betonen. Er stellte Königin Elisabeth I. in der Öffentlichkeit als letztes Mitglied der nun verstorbenen Tudor-Dynastie dar. Mit ihm begann die Herrschaft eines neuen Geschlechtes auf dem englischen Thron – dem Haus Stuart.