Erich von Manstein

Erich von Manstein – deutscher General

Fritz Erich von Lewinski genannt von Manstein wurde 1887 geboren und verstarb im Jahr 1973. Er war ein deutscher Generalfeldmarschall während des 2. Weltkrieges und gilt als einer der größten Strategen des 20. Jahrhunderts.

„Mein Gott, ist das ein Idiot!“ (Erich von Manstein über Adolf Hitler)

Von ihm stammt auch das Konzept für den Sichelschnitt – für den Angriff auf Frankreich. Bis 1944 wurde Erich von Manstein an zahlreichen Fronten eingesetzt. Im Deutschland der Nachkriegszeit wurde von Manstein neben Graf von Stauffenberg als einziger hoher Offizier der Wehrmacht sowohl von der Bundeswehr wie auch von seiten der Politik gewürdigt.

Militärische Laufbahn des Generals von Manstein

Erich von Manstein war mehr als ein halbes Jahrhundert lang für deutsche Armeen aktiv. Er begann als junger Offizier unter Kaiser Wilhelm II., wurde zum Meister-Strategen des Dritten Reiches und sprach noch zu Zeiten von Konrad Adenauer im Deutschen Bundestag über Sicherheitspolitik.

Kaiserzeit

  • 1903 trat er als Fähnrich in die preußische Armee ein.
  • 1914 – beim Ausbruch des 1. Weltkrieges – war er bereits Oberleutnant und wurde schon am 17. November diesen Jahres schwer verwundet.
  • 1915 folgte die Beförderung zum Hauptmann und die Versetzung in einen Generalstab.
  • 1918 wurde Erich von Manstein nach dem Untergang des Kaiserreiches in die auf 100.000 Mann reduzierte Reichswehr übernommen. Während der Zeit der Weimarer Republik diente er in verschiedenen (infanteristischen) Einheiten.
  • 1927 wurde er zum Major befördert.
  • 1932 kommandierte er ein Jägerbataillon.

Drittes Reich

  • 1933 – in dem Jahr als Hitler legal die Macht ergreifen konnte – wurde er zum Oberst befördert. In dieser Zeit begann er militärische Denkschriften zu verfassen.
  • 1936 wurde er wegen seiner großen Talente zum Generalmajor und Oberquatiermeister ernannt. Dieses Amt war äußerst wichtig. Er wurde der wichtigste Mitarbeiter und planmäßige Nachfolger für den Generalstabschef des Heeres, Ludwig Beck. Dieser war jedoch angeblich schwul und wurde von Hitler entlassen. Von der Entlassung war auch Erich von Manstein betroffen. Er wurde erstmal „weg befördert“.
  • 1939 nahm Erich von Manstein als Generalleutnant und Chef der Heeresgruppe Süd am Überfall auf Polen teil.
  • 1940 erhielt er den Befehl über ein (Armee-)Korps im Feldzug gegen Frankreich. Für seine Leistungen wurde er zum General der Infanterie befördert. Auch erhielt er erstmalig das Ritterkreuz.
  • 1941/42 wurde Erich von Manstein in den Feldzügen gegen Osten eingesetzt. Er kämpfte auf der Krim und eroberte Sewastopol. Diese Stadt galt damals als stärkste Festung der Welt. Hierfür wurde er zum Generalfeldmarshall befördert. Nach der Niederlage des Deutschen Reichs bei Stalingrad, zeigte er seine Talente in der strategischen Verteidigung.
  • 1944 trat der intellektuelle Konflikt zwischen Erich von Manstein und Hitler immer deutlicher hervor. Der letzte Erfolg des Offiziers im Zweiten Weltkrieg war, den Diktator von einem spezifischen Rückzug zu überzeugen. So konnte er 220.000 Mann aus einer Einkesselung durch die Rote Armee zu befreien. Wenig später wurde Erich von Manstein außer Dienst gestellt und in die Führerreserve versetzt.
  • 1945 wurde Erich von Manstein von britischen Truppen inhaftiert.

Bundesrepublik

  • 1946 musste er sich als Kriegsverbrecher in den Nürnberger Prozessen verantworten. Wegen einer Verurteilung wurde er gleich im Anschluss ins Gefängnis gesperrt. Seine ursprüngliche Strafe wurde jedoch mehrfach verkürzt.
  • 1953 entließ man Erich von Manstein auf Bestreben von Winston Churchill aus der Haft.
  • 1960 half er als inoffizieller Berater beim Aufbau der Bundeswehr.

Der General wurde zwar nicht juristisch, aber faktisch rehabilitiert. Zu seinen Geburtstagen im hohen Alter wurde ihn persönlich von der Führung der jungen Bundeswehr gratuliert und zu seiner Beerdigung gab es ebenfalls Ehrenbezeigungen durch die deutsche Armee.

Neben Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg war er der einzige deutsche Offizier des Dritten Reichs, der in dieser öffentlichen Form von der Bundeswehr anerkannt wurde.

Die Kriegstheorie – Infanterie und Sturmartillerie

Erich von Manstein erdachte die „Sturmartillerie“. Das sind Artillerie-Kräfte, die zur Panzertruppe gezählt wurden, um einen infanteristischen Angriff zu begleiten. Diese Artillerie leistete unmittelbare Unterstützung mit direktem Feuer. Der Gedanke entsprang Erfahrungen aus dem 1. Weltkrieg.

Reine Infanterie-Verbände hatten große Probleme befestigte Stellungen zu erobern. Vor allem gegnerische MG-Stellungen forderten einen sehr hohen Blutzoll. Steilfeuer durch normale Artillerie hatte oft keine ausreichende Wirkung. Erich von Manstein erdachte eine bewegliche Artillerie, die durch das Gelände fahren konnte, um (Sturm-)Angriffe der Infanterie zu begleiten.

Die Sturmgeschütze wurden während des gesamten 2. Weltkrieges sehr intensiv von der Wehrmacht und der Waffen-SS eingesetzt. Ein prominentes Beispiel ist Michael Wittmann, der während des Feldzuges auf dem Balkan eines der ersten sechs Sturmgeschütze führte. 

General von Manstein im 2. Weltkrieg

Der Sichelschnitt und der GröFaZ

Erich von Manstein und sein Sichelschnitt gegen die französischen Armee im Zweiten Weltkrieg. Fall Gelb.
Erich von Manstein: Der Sichelschnitt (ODbL)

Der ursprüngliche Plan des Angriffs auf Frankreich durch Nazi-Deutschland ähnelte sehr dem Schlieffen-Plan aus dem 1. Weltkrieg. Ein schneller Angriff durch Belgien sollte Frankreich von Nordwesten aus bedrohen. Dann sollte sich die deutsche Armee bis nach Paris vorkämpfen und die Hauptstadt der Franzosen einnehmen. Hitler rechnete ursprünglich mit einem mehrjährigen Krieg gegen Frankreich.

„Mein Führer, Sie sind der größte Feldherr aller Zeiten.“ – Wilhelm Keitel

Erich von Manstein war der geistige Schöpfer einer alternativen Strategie. Diese sah vor, dass parallel zum Vormarsch durch Belgien ein Überraschungsangriff mit Panzern durch die Ardennen durchgeführt werden soll. Die Panzer sollten die Maas bei Sedan überschreiten und dann schnell durch (Nord-)Frankreich bis zur Kanalküste vorstoßen.

Das strategische Ziel des Sichelschnitts war ein Durchtrennen der Versorgungslinien der französischen Armee in Belgien und Nordfrankreich. Erich von Manstein wollte eine komplette Armee kampfunfähig machen, damit der Hauptstoß der deutschen Wehrmacht ohne Widerstand durch Belgien und die Niederlande nach Frankreich einmarschieren konnte.

Die deutsche Wehrmacht hatte schon beim Aufmarsch für den Sichelschnitt den Vorteil, dass sie Panzer in einem Gebiet zusammenziehen konnten, dass von den Alliierten für ungefährlich gehalten wurde. Außerdem waren die Panzer der Deutschen zwar schneller aber schwächer als die Panzer der Franzosen, weswegen diese Bedrohung grundsätzlich unterschätzt wurde.

Aber der Sichelschnittplan von Erich von Manstein war auch sehr riskant, weil sich die Franzosen erwartbar verhalten mussten. Aber der Erfolg gab ihm Recht und Winston Churchill, der damalige britische Premierminister, prägte die Rede vom „Sichelschnitt“.

Belagerung von Sewastopol (Krim)

Karte von Angriff der Wehrmacht auf der Krim 1941 gegen Sewastopol unter Erich von Manstein
Die Wehrmacht griff 1941 unter Erich von Manstein Sewastopol auf der Krim an. (ODbL)

Kontingente der Wehrmacht (ca. 350.000 Mann) erreichten Swastopol auf der Krim im Herbst 1941. Die Stadt wurde von den Russen (ca. 155.00 Mann) verteidigt. Am 30. Oktober begann eine Belagerung unter dem Motto:

„Wir machen dem Führer ein Geschenk zu Weihnachten.“

Die ersten Angriffe scheiterten jedoch. Erich von Manstein konnte nur wenige Kilometer vorstoßen und wurde dann sogar auf seiner Hauptlinie zurückgedrängt. Es begann eine Belagerung der Festung von Sewastopol, die acht Monate dauern sollte. Am 25. Dezember mussten sogar die Kräfte abgezogen werden, weil die Rote Armee auf Befehl Stalins eine große (Gegen-)Offensive auf der gesamten Krim startete.

Der zweite Großangriff auf Sewastopol erfolgte erst im Juni 1942. Erich von Manstein konnte 200.000 Mann und sehr viel Artillerie konzentrieren. Die Offensive wurde sogar von der dicken Dora begleitet, einer riesigen 80-cm-Kanone auf Eisenbahnschienen. Außerdem wurden etwa 600 Flugzeuge auf deutscher Seite eingesetzt.

In den ersten fünf Tagen konnten die Verteidiger den Ansturm aushalten. Sie verschossen dabei jedoch einen großen Teil ihrer Munition. Nach und nach konnte vorgelagerte Elemente der Festung zerstört werden. Am 30. Juni war die Festung endgültig gebrochen.

Nur wenige Angehörige der Roten Armee konnten evakuiert werden. Erich von Manstein wurde am 01. Juli 1942 zum Generalfeldmarschall befördert.  Der totalitäre Diktator stiftete den erfolgreichen Truppen den Krimschild als (Kampf-)Abzeichen.

Oberbefehl über Heeresgruppe Süd

Am 12. Februar 1943 wurde Erich von Manstein zum Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Süd befördert. Sein Vorgänger Fedor von Bock war wegen Meinungsverschiedenheiten entlassen worden. Der Russland-Feldzug steckte zu diesem Zeitpunkt in einer tiefen Krise.

Die Schlacht von Stalingrad war zehn Tage zuvor verloren gegangen. Der Verlust der gesamten 6. Armee hatte ein riesiges Loch in die deutsche Linie gerissen. Die Sowjets nutzten die Chance und stießen sogleich vor.

In den nächsten Monaten trug die Heeresgruppe Süd die Hauptlast der Kämpfe. Erich von Manstein erwies sich dabei als ein begnadeter Spezialist der Defensive. Vor allem ermöglichte er die Rettung der Truppen in der Kaukasus-Region und bewahrte damit die Heeresgruppe vor der Spaltung.

In der Folge war es seiner Führung zu verdanken, dass es zu keinen weiteren Kesselschlachten wie in Stalingrad kam. Gegen die nummerische Übermacht der Sowjetunion zeigte er überragende Fähigkeiten als Stratege einer beweglichen Verteidigung.

„Mansteins Miracle“

Schließlich gelang Erich von Manstein sogar die Organisation eines Gegenangriffs. Mit einer Rochade der 1. Panzerarmee führte er die deutsche Armee in der dritten Schlacht von Charkow zu einem letzten großen Erfolg gegen die Sowjetunion.

Der Sieg erhielt international die Bezeichnung „Mansteins Miracle“. Das Manöver gilt als eine der eindrucksvollsten Operationen des 20. Jahrhunderts. Hierfür ließ er zunächst einen tiefen russischen Vorstoß zu. Adolf Hitler war außer sich.

Erst als die Russen 60 Kilometer vor seinem Hauptquartier standen, schlug der Feldmarschall zu. Die deutschen Verbände fielen über die Flanken in die überdehnten Linien der Russen. Daraufhin konnten Panzertruppen schnell bis Charkow vordringen und die Stadt erneut einnehmen.

Die Rote Armee verlor dabei insgesamt fast 90.000 Mann. Die Ostfront hingegen wurde für ein Jahr stabilisiert.

Konflikt mit Hitler und Entlassung

Nachdem sich das Blatt im Russlandfeldzug gewendet hatte, traten auch die Widersprüche zwischen dem Offizier und dem Regime hervor. Während sich Erich von Manstein als ein sehr fähiger Stratege des Rückzugs erwies, erhielt er von Adolf Hitler teils völlig absurde Befehle.

Im März 1944 wendete sich Erich von Manstein schließlich eindeutig gegen eine Anweisung. Er befahl der 1. Panzerarmee, einen Rückzug anzutreten. So entgingen mehr als 200.000 Mann einer Einkesselung.

Adolf Hitler war jedoch außer sich. Am 30. März 1944 wurde Erich von Manstein als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Süd entlassen. Ihm wurden die Schwerter zum Eichenlaub des Ritterkreuzes verliehen und man versetzte ihn in die Führerreserve.

Der General und das NS-Regime

Erich von Manstein galt als große Hoffnung des Widerstands um Stauffenberg gegen das NS-Regime. Man weiß, dass er im Widerspruch zum Führer stand und er wurde von den Verschwörern auch angesprochen. Erich von Manstein verstand sich jedoch als unpolitischen Soldaten, der sich auf seine Aufgabe zu konzentrieren hat. Diese Position wiederholte er auch in Bezug auf die Kriegsverbrechen in von ihm eroberten Gebieten. Er lehnte eine Beteiligung am Attentat auf Hitler mit den Worten ab: „Preußische Feldmarschälle meutern nicht!“.

Kriegsverbrechen und der Nürnberger Prozess

Erich von Manstein wurde wegen Kriegsverbrechen angeklagt. In den von ihm eroberten Gebieten wurden die so genannten Einsatzgruppen der SS aktiv. Diese führten ethnische Säuberungen durch. Er bestritt vor Gericht eine konkrete Kenntnis der Aufgaben und Taten dieser Einsatzgruppen. Er bemühte sich im nachhinein, die Wehrmacht aus diesen Verbrechen heraus zu halten.

„Ich bin fest entschlossen, die Ehre der deutschen Armee zu verteidigen!“ (Erich von Manstein, Zitat)

Aber es gibt Zeugenaussagen, die ihn belasten. Ein damaliger Hauptmann aus dem Stab von Erich von Manstein berichtete, dass er Zeuge von Erschießungen war und dies meldete. Der Hauptmann sagte weiter aus, dass Erich von Manstein ihn harsch in seine Schranken wies. Er befahl ihm explizit, nie wieder über die Arbeit der SS-Einsatzgruppen oder andere Kriegsverbrechen zu sprechen.

In den Nürnberger Prozessen wurde Erich von Manstein wegen Kriegsverbrechen angeklagt. Da Kriegsgefangene über keine finanziellen Mittel verfügen durften, gab es eine Spendenaktion zur Finanzierung seiner Verteidigung. Der erste Spender war Churchill, der sich auch später nochmal für Erich von Manstein stark machen sollte.

Dem Feldmarschall wurden vor allem Duldungen von Kriegsverbrechen aber auch ein Befehl angelastet, der seine Truppen auf Verbrechen gegen Juden einstimmte.  Die erste Verurteilung lautet 18 Jahre. Die Kriegsgefangenschaft wurde ihm zunächst nicht angerechnet. Die Haft wurde mehrfach verkürzt und auf Drängen von Churchill wurde Erich von Manstein 1953 entlassen.

Im Dienste der Bundesrepublik

Rehabilitierung und Aufbau der Bundeswehr

Erich von Manstein wurde auf Bestreben des Amt Blank in den Aufbau der Bundeswehr einbezogen. 1956 referierte er vor dem Verteidigungsausschuss des Bundestages. Er wurde nicht de jure in ein neues militärisches Amt berufen. Aber de facto hatte er großen Einfluss und wurde von der Bundeswehr bzw. der damaligen politischen Führung der Bundesrepublik Deutschland gehört.

Ein wesentlicher Grund für das besondere Engagement von Winston Churchill und die Verwendung von Erich von Manstein für die Bundeswehr dürfte in der gemeinsamen Bedrohung durch den Kommunismus gelegen haben.

Später würdigte ihn die Bundeswehr mit einer Ehrenformation und einem großen Zapfenstreich. Zu seinem 80. und seinem 85. Geburtstag erschien jeweils die gesamte Spitze der Bundeswehr, um Erich von Manstein zu gratulieren.