Otto von Bismarck

Otto von Bismarck – der Lotse

Otto von Bismarck wurde am 1. April 1815 als zweiter Sohn eines Rittmeisters in Schönhausen geboren. Er gehörte zum Uradel der Altmark und pflegte zeitlebens ein aristokratisches Gebaren. Über die Mutter hatte Bismarck jedoch auch bürgerliche Wurzeln.

Aus diesem Ursprung erklärt sich vielleicht sein besonderes Verständnis für die Politik. Als gewiefter Staatsmann machte Bismarck eine steile Karriere und realisierte seinen Traum von einem vereinten Deutschland.

Otto von Bismarck prägte die deutschen Geschichte für Jahrzehnte und war die treibende Kraft hinter der Vorherrschaft Preußens. Jenseits der aggressiven Politik zur Einigung des Reiches suchte der große Lotse jedoch auch mit viel Feingefühl die diplomatische Absicherung in einem Gefüge von Bündnissen.

Als Reichskanzler setzte Otto von Bismarck auch in der Innenpolitik neue Maßstäbe. Zur Abwehr einer erstarkenden Sozialdemokratie führte er das erste deutsche Sozialversicherungssystem ein. Die Kirche schwächte er durch die Zivilehe.

Doch als Kaiser Wilhelm II. die Nachfolge seines Vaters antrat, verlor auch Bismarck als Vertreter einer vergangen Zeit an Bedeutung. Im Jahr 1890 reichte er deshalb verbittert sein Entlassungsgesuch ein.

Die Öffentlichkeit reagierte erleichtert. Auch politisch setzte nun endgültig die Wende ein. Auf den defensiven Strategen folgte der unerfahrene General Leo von Caprivi als Reichskanzler. Die Katastrophen des 20. Jahrhunderts begannen sich in der Ferne abzuzeichnen.

Aber Otto von Bismarck sollte den Untergang seines Lebenswerks nicht mehr erleben. Er verstarb am 30. Juli 1898. In Anerkennung für seine Leistungen wurde ihm ein prächtiger Sarkophag und ein Mausoleum gestiftet. Die Nachwelt errichtete ihm darüber hinaus mehr als 200 Denkmäler.

Ausbildung und Beruf

Schule und Studium

Der junge Otto von Bismarck wurde bereits im Alter von sechs Jahren auf ein Internat nach Berlin geschickt. Der Alltag war von Drill und nationalem Gedankengut geprägt. Dabei zeigte er bereits früh einen großen Widerwillen gegen Fremdbestimmung.

Dank seiner rhetorischen Fähigkeiten gelang es ihm, in der Schule zu bestehen. Durch Fleiß glänzte er jedoch nicht. Mit 17 Jahren nahm der junge Bismarck dann ein Studium der Rechtswissenschaften auf. Während dieser Zeit schloss er sich einer schlagenden Verbindung an und blieb zeitlebens ein überzeugter Burschenschaftler.

Otto von Bismarck wechselte im Jahr 1833 wieder nach Berlin und legte dort sein erstes Staatsexamen ab. Im Anschluss war er kurz für die Justiz tätig, wechselte dann aber in die öffentliche Verwaltung. Er wurde jedoch gefeuert, nachdem er über den genehmigten Urlaub hinaus mit einer Freundin seiner Freundin wochenlang durch Europa reiste.

„Ich will aber Musik machen, wie ich sie für gut erkenne, oder gar keine.“

Otto Bismarck hatte in diesen stürmischen Jahren dann auch Probleme mit Geld. Die Ausgaben für Frauen und Casinos sprengten sein damaliges Budget. Er versuchte noch einmal an seinen bisherigen Beruf anzuknüpfen. Dann entschied er sich jedoch schließlich lieber für einen Lebensweg jenseits des Hamsterrades.

Militärdienst

Otto von Bismarck trat zunächst im Alter von 33 Jahren den Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger an. Dieser Weg in den Streitkräften stand nur Personen mit einem höheren Schulabschluss offen und bildete häufig den Ausgang für eine Karriere als Reserveoffizier.

Der junge Bismarck kam zunächst zum Garde-Jäger-Bataillon in Teupitz. Dann wurde er zum Jäger-Bataillon Nr. 2 nach Greifswald versetzt. Diese Zeit nutzte er jedoch weniger für die Vorbereitung eines militärischen Werdegangs.

Vielmehr besuchte Otto von Bismarck die landwirtschaftliche Akademie an der Universität Greifswald. Dort bildete er sich in agrarwissenschaftlichen Fragen fort und bereitete sich auf ein Leben auf den familiären Gütern vor.

Gutsverwalter

Nach seinem Militärdienst kehrte Otto von Bismarck heim. Zusammen mit seinem älteren Bruder verwaltete er die Besitzungen und zeigte sich als talentierter Betriebs- und Landwirt.

Während dieser Zeit konnte er sich als Privatier ganz seinen Neigungen hingeben. Otto von Bismarck beschäftigte sich mit Philosophie, Literatur und Kunst. Er ging auf die Jagd und genoss das Feiern mit seinen Standesgenossen. Aber nichts davon konnte ihn nachhaltig fesseln.

Ein konservativer Politiker im 19. Jhd.

Anfang in der Kommunalpolitik

Der ältere Bruder von Bismarck wurde im Jahr 1841 zum Landrat gewählt. Auch ihn selbst zog es bald in die Kommunalpolitik. Fünf Jahre später erhielt er sein erstes Amt als Deichhauptmann einer Kommune in Sachsen-Anhalt, die damals an einem Arm der Elbe lag.

„Die Sache ergreift mich viel mehr als ich dachte.“

Binnen kürzester Zeit entbrannte in Otto von Bismarck die Leidenschaft zum politischen Geschäft. Er machte sich schnell einen Namen und positionierte sich klar gegen die liberale Märzrevolution in diesem Jahr.

Er betätigte sich propagandistisch gegen den neuen Geist und ließ sogar kurzzeitig Bauern bewaffnen. Eine solche Unterstützung wurde jedoch vom kommandierende General in Potsdam abgelehnt. Die Miliz wurde daraufhin wieder entwaffnet.

Außerdem gründete er noch das Junkerparlament. Das war eine Vereinigung von adeligen Grundbesitzern, die sich einen passenden Namen gaben: „Verein zur Wahrung der Interessen des Grundbesitzes und zur Förderung des Wohlstands aller Klassen“.

Einstieg in die Landespolitik

Mit seiner politischen Agitation machte sich Otto von Bismarck viele Freunde im nächsten Umfeld um den preußischen König. Doch auf den höheren Ebenen hielt man ihn erst für zu extrem.

Statt auf einen Ministerposten rückte Bismarck im Jahr 1849 zunächst in den preußischen Landtag auf. Dort fungierte er als lautstarkes Sprachrohr der Ultrakonservativen. Neben seiner Ablehnung des Parlamentarismus dominierte bereits in diesen Jahren die Frage der nationalen Einigung sein Denken.

Dabei präsentierte er sich als knallharter Realpolitiker, der Macht und Interessen bewusst abwägte und sich entsprechend verhielt. Jedoch öffneten sich in dem noch relativ unerfahrenen Bismarck auch neue Horizonte. Schleichend entfernte er sich von rein konservativen Überzeugungen und entwickelte einen technokratischen Blickwinkel.

Beförderung in die Bundespolitik

Im Jahr 1851 erhielt die politische Karriere des Otto von Bismarck ihren entscheidenden Schub. Er hatte sich soweit empfohlen, dass der Politiker und General der Infanterie Leopold von Gerlach sich für ihn beim König einsetzte.

Bismarck wurde als Abgesandter Preußens zum Bundestag nach Frankfurt geschickt. Es handelte sich dabei um den wichtigsten Posten in der Außenpolitik des Königreichs. In dem Gremium waren die deutschen Bundesstaaten versammelt. Den Ton gab zu dieser Zeit das mächtige Österreich an.

Deshalb war es zunächst seine vorrangige Aufgabe, eine Ebenbürtigkeit herzustellen. Hierfür ließ er ein regelrechtes Feuerwerk an Provokationen auf den österreichischen Abgesandten niedergehen.

Otto von Bismarck scheute sich auch nicht davor, den Bundestag mit allen Tricks lahm zu legen. So demonstrierte er die Grenzen des österreichischen Einflusses und setzte seine Gegner immer weiter unter Druck.

Im Anschluss verhinderte er Reformen des Bundestags. Als die Österreicher in einem Konflikt mit Russland den Bündnisfall ausriefen, gelang es Bismarck sogar, die Mobilisierung der Bundestruppen zu verhindern.

Diplomatischer Dienst

Doch Otto von Bismarck legte in Frankfurt ein sehr eigenwilliges Vorgehen an den Tag. Damit provozierte er in den eigenen Reihen Widerspruch. Ausgerechnet mit seinem großen Fürsprecher Leopold von Gerlach geriet er in einen schweren Konflikt.

Darüber hinaus verloren die Konservativen gegen Ende der 1850er Jahre ohnehin an Einfluss. Dies ging auch zu Lasten eines Politikers wie Otto von Bismarck. Daraufhin wurde er in den diplomatischen Dienst versetzt. Faktisch kam dies einer Degradierung gleich.

Man schickte ihn zunächst nach St. Petersburg und dann nach Paris. Doch Otto von Bismarck nutzte diese Zeit, um sich konsequent auf höhere Staatsämter vorzubereiten. In diesem Zusammenhang baute er auch erste internationale Kontakte auf.

In diese Phase fällt darüber hinaus sein letztes großes Liebesabenteuer. Er hatte eine Affäre mit einer russischen Fürstin, die mit einem belgischen Abgesandten verheiratet war. Bei einem romantischen Ausflug mit seiner Geliebten wären sie jedoch fast ertrunken. Ein Leuchtturmwärter musste sie retten.

Ministerpräsident und Außenminister

Ernennung durch den König

Im März 1862 kam es zum preußischen Verfassungskonflikt. Die liberalen Kräfte im Parlament blockierten die finanziellen Mittel für eine dringend notwendige Reform des Militärwesens. Seit den Befreiungskriegen und der Preußischen Heeresreform von 1807 hatte sich nämlich nicht mehr viel getan.

Preußen drohte insbesondere im Vergleich mit Österreich ins Hintertreffen zu geraten. Deshalb löste König Wilhelm I. das Parlament auf. Bei den Neuwahlen verbuchte die liberale Fortschrittspartei große Gewinne.

In dieser verfahrenen Situation sah Wilhelm I. zunächst seine einzige Chance in einem Rücktritt zu Gunsten seines Sohnes. Doch der Kriegsminister General Albrecht von Roon sah in der Ernennung von Bismarck als Ministerpräsidenten eine letzte Chance, den regierenden Monarchen zu retten.

„Gefahr im Verzuge. Beeilen Sie sich!“

Mit einem Telegramm rief man Otto von Bismarck nach Berlin, der nach einer 25-stündigen Zugfahrt eintraf. Der König zögerte noch, doch er war von dem kämpferischen Bismarck sehr angetan. Dieser gelobte absolute Loyalität, dass er die Heeresreform durchsetzen und nicht abdanken werde.

Daraufhin wurde Otto von Bismarck zum preußischen Ministerpräsidenten und Außenminister ernannt. Aus dem vertraulichen Charakter der Ernennung erwuchs im Laufe der Zeit ein so enges Verhältnis, dass Bismarck über weite Strecken völlig frei handeln konnte.

Eisen-und-Blut-Rede

Die ersten Monate nach der Ernennung waren sehr schwierig. Otto von Bismarck hatte schon große Probleme, überhaupt ein Kabinett aufzustellen. Fast alle Minister der ersten Stunde erwiesen sich als unfähig.

Die Liberalen beharkten ihn mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Daraufhin wollte er ihnen weitreichende Angebote machen und ein politisches Bündnis vorschlagen. Seine Botschaft komprimierte er in einer Rede. Diese Ansprache kam beim Publikum jedoch völlig anders an.

„Nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden […] – sondern durch Eisen und Blut.“

Die Liberalen und auch weite Teile der Öffentlichkeit überhörten die inhaltlichen Zugeständnisse. Nur das Schlagwort von „Eisen und Blut“ verhaftete sich im Bewusstsein. Die politischen Konflikte verschärften sich danach weiter.

Die Lückentheorie

Otto von Bismarck wechselte daraufhin seinen Ansatz. Opponierende Kräfte bekämpfte er von da an mit aller Härte. Argumentativ berief er sich dabei auf seine „Lückentheorie“. Der zufolge war ein fundamentaler Konflikt zwischen Krone und Parlament verfassungsrechtlich nicht geregelt.

Deshalb würde sich, nach Bismarck, eine solche Lücke in der Verfassung automatisch durch das Primat des Monarchen füllen. Er wollte sich selbst mit diesem Ansatz einen Freibrief ausstellen und ging dafür auch mit größter Leidenschaft zur Sache.

Schließlich forderte er sogar den Vorsitzenden der Fortschrittspartei, Rudolf Virchow, einen Pathologen von Weltrang, zum Duell heraus. Dieser lehnte jedoch mit dem Argument ab, dass dies keine zeitgemäße Form der Regelung von Konflikten mehr sei.

Österreich suchte einen Nutzen aus der geschwächten Stellung von Bismarck und damit auch der Preußen im Bund. Doch im Jahr 1864 kam es zu einem internationalen Ereignis, dass den angezählten Otto von Bismarck politisch retten sollte.

Die Deutschen Einigungskriege

Während der Deutsche Bund sich über eine Reform zerstritt und die Opposition immer mehr Druck machte, starb König Friedrich VII. von Dänemark. Damit wurde die Zukunft der Herzogtümer Schleswig und Holstein zum Top-Thema.

Aufgrund von innenpolitischem Druck unterschrieb der dänische Thronfolger in der Folge eine fatale Verfassung. Diese verletzte in Bezug auf Schleswig und Holstein ein internationales Abkommen der europäischen Großmächte, das Londoner Protokoll von 1852.

Entscheidend war, dass Holstein zum deutschen Bund gehörte, aber vom dänischen Königshaus regiert wurde. Dank dieser Verflechtung begann für Otto von Bismarck eine ganz neue Ära.

Deutsch-Dänischer Krieg (1864)

Als die dänische Krise Fahrt aufnahm, entschied sich Otto von Bismarck dezidiert gegen eine explizite Strategie. Er ging ganz bewusst mit einem situativen Ansatz an die Krise heran und errechnete sich davon die besten Chancen.

Nach einem diplomatischen Geplänkel kam es zunächst im Winter 1863 zur Bundesexekution gegen Holstein. Bundestruppen besetzten das Gebiet und der militärische Konflikt mit Dänemark war los getreten.

Mitte Januar des Jahres 1864 stellten Preußen und Österreich zusammen ein Ultimatum an Dänemark. Sie forderten eine Rückkehr zum Londoner Protokoll. Die beiden Großmächte folgten dabei jedoch eigenen Interessen. Sie hatten für dieses Vorgehen nicht die Rückendeckung der anderen deutschen Staaten.

Am 1. Februar 1864 marschierten dann preußische und österreichische Truppen gemeinsam in Schleswig ein. Den Oberbefehl hatte der preußische Generalfeldmarschall Friedrich von Wrangel. Beide Seiten planten ursprünglich eine Entscheidungsschlacht um das legendäre Danewerk. Eine Verteidigungslinie, die bereits seit dem frühen Mittelalter existierte.

Doch die dänische Armee zog sich aus Angst vor einer Vernichtung vorzeitig zurück. Aber auf der Halbinsel Sundewitt in der Ostsee kam es dann zu Kämpfen. Dort verschanzten sich dänische Verbände und konnten den Preußen etwa sechs Wochen lang widerstehen.

Nach mehreren Anläufen kam es zum erfolgreichen Sturm, wobei knapp 5.000 Dänen fielen. Dieser Verlust an Territorium und Personal wurde dann zum Wendepunkt des ersten Einigungskrieges. Jütland konnte nicht mehr verteidigt werden und wurde bis Mitte Juni vollständig besetzt.

Die Dänen mussten unter sehr ungünstigen Bedingungen in Verhandlungen treten. Der Friede von Wien beendete den Krieg zum 30. Oktober 1864. Ansonsten wären wohl weitere Besetzungen erfolgt.

Otto von Bismarck hatte bei diesem Friedensschluss jedoch die Chance, gleich drei Herzogtümer ganz legal für Preußen zu annektieren. Auch innenpolitisch hatte er sich mit einem derartigen Erfolg sehr gefestigt.

Deutsch-Deutscher Krieg (1866)

Preußen hatte den größten Vorteil aus dem deutsch-dänischen Konflikt gezogen. Doch die Frage, wer im deutschen Bund den Ton angibt, war noch lange nicht geklärt. Ursprünglich folgte Otto von Bismarck einigen Gedankenspielen, die eine Koalition mit Österreich auf Augenhöhe vorsahen.

Doch in Bismarck reifte nach der dänischen Krise früh die Ansicht, dass die Entscheidung besser über einen Krieg zu suchen sei. Parallel begann er, sowohl auf König Wilhelm I. einzuwirken, wie auch Österreich im deutschen Bund zu isolieren.

Von großem Vorteil war, dass sich die Österreicher in jeglicher Hinsicht überlegen fühlten. Im Zusammenhang mit einer bilateralen Regelung aus dem deutsch-dänischen Krieg bezüglich der Aufteilung von Gebieten, gelang Otto von Bismarck die entscheidende Provokation.

Er ließ preußische Truppen in Holstein einmarschieren. Österreich prangerte diesen Schritt als verbotene Selbsthilfe an. Der Bundestag entschied zu ihren Gunsten und ordnete die Mobilmachung der Bundestruppen gegen Preußen und seine Verbündeten an.

„Getrennt marschieren – vereint schlagen!“

Man füllte sich sicher, da die nummerische Überlegenheit eindeutig war. Doch Otto von Bismarck hatte ein Ass im Ärmel, den Chef des Generalstabes Helmuth von Moltke, den großen Schweiger.

Da es ein abgekartetes Spiel war, hatten sich die Preußen sehr gut vorbereitet. Alle Streitkräfte waren innerhalb von 48h nach Kriegsbeginn mobilisiert und wurden an die Front verschoben. Hierfür standen den Preußen sieben Eisenbahnlinien zur Verfügung.

Die Österreicher und ihre Verbündeten hatten, auch dank der diplomatischen Intrigen von Bismarck, nur eine Eisenbahnlinie, um Truppen ins Hauptkampfgebiet zu verlagern. Ihren Höhepunkt fand diese militärische Strategie in der Schlacht von Königgrätz am 3. Juli 1866.

Der Meister-Stratege Helmuth von Moltke führte persönlich etwa 220.00 Mann gegen etwa 215.000 Mann in die Schlacht. Während die Preußen nur etwa 9.000 Ausfälle zu beklagen hatten, waren es auf der Gegenseite etwa 43.000 Mann, die getötet, verwundet oder gefangen genommen wurden.

Bereits nach sieben Wochen musste Österreich nachgeben. Die Auseinandersetzung mit Preußen hatte in einer politischen und militärischen Blamage geendet. Die Kleindeutsche Lösung unter der Führung Preußens zeichnete sich erstmals am Horizont ab.

Deutsch-Französischer Krieg (1870/71)

Dem großen Ziel des Otto von Bismarck, der Einigung der deutschen Staaten, stand jedoch immer noch eine süd-deutsche Opposition gegenüber. Bayern und Württemberg verweigerten sich dem preußischen Führungsanspruch.

In dieser Situation kam ein Putsch in Spanien wie gelegen. Der Thron war vakant. Otto von Bismarck drängte daraufhin einen Prinz aus dem Haus der Hohenzollern, der preußischen Dynastie, sich zu bewerben.

Der französische König fürchtete einen solchen Machtgewinn seiner deutschen Nachbarn sowie eine mögliche Umklammerung. Da er sich für die stärkere Partei hielt, forderte er das Haus Hohenzollern zum dauerhaften Verzicht auf den spanischen Thron auf.

Der preußische König Wilhelm I. lehnte dies ab und beauftragte Otto von Bismarck damit, die Presse zu informieren. Dieser erwies sich erneut als ein Meister der Rhetorik. Die ursprüngliche Mitteilung kürzte er etwas.

Die neue Tonalität dieser Emser Depesche war eine Beleidigung für die Franzosen. Daraufhin erklärte Frankreich wunschgemäß den Krieg. Preußen war scheinbar im Recht. Noch dazu griffen die Franzosen etwa zwei Wochen später am 02. August 1870 mit sechs Divisionen das damals preußische Saarbrücken an und nahmen die Stadt ein.

Doch am nächsten Tag standen 320.000 deutsche Soldaten an der Front und schlugen den Angriff zurück. Die Fähigkeiten bei der Mobilmachung und die Potentiale der Eisenbahn waren erneut unterschätzt worden. Eine Welle der nationalen Begeisterung ging durch das Land.

Preußen erhielt volle Unterstützung durch die anderen deutschen Staaten. Wieder war es Helmuth von Moltke, der seine Gegner erfolgreich ausmanövrierte. Frankreich wurden innerhalb von drei Tagen gleich drei schwere Niederlagen zugefügt.

Ihren Höhepunkt fand diese Erfolgsgeschichte bereits nach vier Wochen in der Schlacht von Sedan. Dort konnte der große Schweiger die Franzosen am 01. und 02. September 1870 mit einer nummerischen Überlegenheit von 3:2 vernichtend schlagen.

Nach dieser Schlacht standen Frankreich nur noch etwa 100.000 Mann zur Verfügung und der Weg nach Paris war frei. Daraufhin kollabierte der französische Staat. Der König flüchtete ins Exil. Aufgrund dieser politischen Wirren zog sich der formale Friedensschluss noch bis zum Sommer hin.

Gründung des Kaiserreiches (1871)

Nach dem Sieg bei Sedan war die ersehnte Reichsgründung für Otto von Bismarck zum Greifen nahe. Österreich blieb außen vor. Die Kleindeutsche Lösung wurde möglich, nachdem es ihm gelang, Bayern und Württemberg zur freiwilligen Aufgabe ihrer Souveränität zu bewegen. Dafür erhielten sie Reservatrecht.

Dabei kam Bismarck ein Vorteil sehr zu Gute. Den prunksüchtigen und verschwenderischen König Ludwig II. von Bayern konnte man mit Mitteln aus dem hannoveranischen Welfenfonds sehr leicht bestechen.

Als größtes Hindernis auf den letzten Metern zur Gründung eines neuen Kaiserreiches sollte jedoch der eigene König Wilhelm I. werden. Dieser fürchtete bis zuletzt einen schleichenden Verlust an Bedeutung für das preußische Königshaus unter dem Dach eines deutschen Kaiserreiches. Aber es gelang Bismarck, seinen König in die gewünschte Richtung zu schubsen.

Hohe Bedeutung kam der genauen Wortwahl der Kaiserproklamation zu. Diese fand im Spiegelsaal von Versailles am 18. Januar 1871 stand. Seine Hoheit wie auch die Fürsten hatten sowohl mit der Formulierung „Deutscher Kaiser“ wie auch mit der Formulierung „Kaiser von Deutschland“ ihre Probleme.

Noch am Morgen der Proklamation war diese Frage ungeklärt. Doch der Großherzog von Baden fand eine passende Formel: „Hoch auf Kaiser Wilhelm“. Im letzten Moment war diese Klippe umschifft worden.

Otto von Bismarck hatte den Höhepunkt seiner Macht und zugleich auch das wichtigste Ziel seines politischen Lebens erreicht. Für seine Verdienste wurde er in den Stand der Fürsten erhoben und erhielt den Sachsenwald, ein äußerst ertragreiches Forstgebiet.

Bismarck – der eiserne Reichskanzler

Das neue Kaiserreich wurde eine konstitutionelle Monarchie und erhielt eine Verfassung, die sich in ihrer Form am Norddeutschen Bund orientierte. An der Spitze des politischen Tagesgeschäft entstand eine ganze neue Position – das Amt des Reichskanzler.

Über seine Aufgaben für Preußen hinaus wurde Otto von Bismarck nun auch zum Reichskanzler ernannt. Noch viel mehr als in Kaiser Wilhelm I. sah man in Bismarck den Pater Patriae, den Gründer des Reichs.

„Es ist nicht leicht unter einem solchen Kanzler Kaiser zu sein.“

In Fragen der Tagespolitik konnte er sich deshalb in aller Regel gegen seinen Monarchen durchsetzen. Sowohl in der Außenpolitik wie auch im Inneren zog er dabei Linien, die nicht nur Deutschland sondern auch Europa gestalteten.

Außen- und Bündnispolitik

In der Zeit nach den Einigungskriegen strebte Otto von Bismarck die internationale Absicherung des neuen Kaiserreiches an. Darüber hinaus sah er die permanente Gefahr, dass Deutschland aufgrund seiner geographischen Lage schnell in eine Vielzahl von Konflikten hineingezogen werden würde.

Dafür entwickelte Bismarck eine ausgeklügelte Bündnispolitik. Primär wollte er verhindern, dass Deutschland in einen fatalen Zwei-Fronten-Krieg geraten kann. Hierfür formuliert er das Ideal einer Gesamtsituation, „in welcher alle Mächte außer Frankreich unser bedürfen und von Koalitionen gegen uns durch ihre Beziehungen zueinander nach Möglichkeit abgehalten werden.“

Seine außenpolitischen Vorstellungen ähnelten einem Modell von Planeten mit fünf Gestirnen: Deutsches Reich, Frankreich, Italien, Österreich-Ungarn und Russland. Die Beziehungen dieser kontinental-europäischen Akteure sollte man aus der ursprünglichen Sicht des Otto von Bismarck möglichst defensiv und risikoavers gestalten.

Doch im Laufe seiner Amtszeit unterlagen diese Sichtweisen wie auch die Reichweite seines Handelns einer Wandlung. Zeitweise befürwortete Otto von Bismarck sogar einen gewissen Imperialismus. Dies hatte jedoch lediglich das vorrangige Ziel, einen „Keil“ zwischen anglophile Mitglieder der Königsfamilie und England zu treiben.

Innen- und Sozialpolitik

Die Verhältnisse im Inneren wurden immer stärker von dem aufstrebenden Liberalismus und den Arbeiterbewegungen geprägt. Nach der Gründung des neuen Kaiserreiches suchte Otto von Bismarck deshalb zunächst die Zusammenarbeit mit den liberalen Kräften im vereinigten Deutschland.

Doch die Grenzen der Zusammenarbeit waren beim Militärwesen, insbesondere beim Haushalt, schnell erreicht. Darüber hinaus etablierte sich die katholische Zentrumspartei als Konkurrenz im konservativen Lager.

Unter diesem politischen Druck von allen Seiten ging Otto von Bismarck mit einem Kulturkampf in die Offensive. Zahlreiche Gesetze wurden gegen die Kirche erlassen. Mit der Einführung der Zivilehe versetzte Bismarck den Katholiken dann einen besonders schmerzhaften Hieb.

Doch die katholischen Wähler ließen sich von Bismarck nicht wirklich erpressen. Im Gegenteil, sie formierten sich um ihre Partei. Doch ein neuer Papst in Rom sowie eine pragmatische Führung von Verhandlungen machten aus der Zentrumspartei im Verlauf der späten 1880er Jahre einen politischen Partner.

Diese Wandlung bei Bismarck spielte sich auch vor dem Hintergrund einer erstarkenden Sozialdemokratie ab. Mit den Sozialistengesetzen zückte Otto von Bismarck dann ein politisches Breitschwert und ging gegen alle Vereine, Versammlungen und Schriften aus dem linken Spektrum vor.

Nur Abgeordnete mit parlamentarischer Immunität waren vor dieser Repressionspolitik geschützt. Doch die Verfolgungen forderten keine Todesopfer und die Politiker durften auch weiterhin kandidieren. Ein wirtschaftlicher Aufschwung in den 1890er Jahren entschärfte die sozialen Spannungen dann etwas.

Der Lotse geht von Bord

Das Kaiserreich war 20 Jahre nach seiner Gründung zu einer kraftvollen Großmacht herangewachsen. Die inneren Konflikten gingen zurück und die Bevölkerung wie auch die Mächtigen sehnten sich nach einer aggressiveren Außenpolitik.

Nachdem im Jahr 1888 mit Wilhelm II. auch ein neuer Kaiser den Thron bestiegen hatte, geriet die unantastbare Stellung von Bismarck ins Wanken. Darüber hinaus wollte sich der aufstrebende Monarch auch nicht von dem alten Berater seines Vaters hinein reden lassen.

Man entzog ihm sukzessive das Vertrauen. Dann wurde Otto von Bismarck im März 1890 politisch endgültig fallen gelassen. Daraufhin trat er zurück. Die Presse würdigte ihn mit der Karrikatur eines Lotsen, der von Bord geht. Bis heute hat sich dieses Bild von Bismarck als dem Großen Steuermann der Deutschen erhalten.