Marcus Tullius Cicero

Marcus Tullius Cicero – Senator

Marcus Tullius Cicero wurde am 3. Januar 106 v. Christus geboren. Er avancierte zu einem der größten Redner des antiken Rom. Als Politiker gelang ihm eine herausragende Karriere.  Von seinem Umfeld erhielt er für seine persönliche Art den Spitznamen: „Die Kichererbse“

Lebenslauf von Cicero

Statue von Marcus Tullius Cicero
Marcus Tullius Cicero (pixabay)

Cicero wurde als Kind gut ausgebildet. Als Schüler hatte er Grammatik, Rhetorik und Philosophie. Er verstand sich auf das Übersetzen und die Dichtkunst. Später absolvierte Marcus Tullius Cicero auch eine Bildungsreise nach Athen und Rhodos.

Der spannende Lebenslauf von Marcus Tullius Cicero begann bereits in frühen Jahren. Im gesellschaftlichen Gefüge des alten Rom war er ein Homo Novus, ein „Neu-Reicher“ aus dem Stand der römischen Ritter.

Doch als begnadeter Redner gelang ihm der Aufstieg bis an die Spitze des Establishments. Als konservativer Politiker kämpfte er für die römische Republik. Dabei zeigte er immer wieder seine große Bewunderung für bedeutende Figuren der Geschichte wie Quintus Fabius Maximus.

Doch Marcus Tullius Cicero musste die letzten Bürgerkriege um das sterbende System erleben. Schließlich wurde der einstige Aufsteiger auf der Flucht getötet.

Beginn der Karriere beim Militär

Im Alter von 17 Jahren wurde Cicero in den Militärdienst eingezogen. Seinem Stand entsprechend begann er als Militärtribun. Der junge Mann  erwies sich als sehr fähig und kommandierte später ganze Stäbe. Dennoch quittierte Marcus Tullius Cicero den Dienst so früh es ging.

„Keine Festung ist so stark, dass Geld sie nicht einnehmen könnte.“

Auch bei zivilen Tätigkeiten zeigte er seine Talente. Alle öffentlichen Ämter des Cursus Honorum erreichte er bereits im jeweiligen Mindestalter. So gelang ihm später auch der gesellschaftliche Aufstieg in den Rang der römischen Senatoren.

Doch sein Leben fällt in die Zeit der großen Konflikte zwischen der Oberschicht, den Optimaten, und der breiten Bevölkerung, den Popularen.

Er selbst inszenierte sich als einen leidenschaftlichen Vertreter der alten Ordnung. Erst später gefundene Briefe zeigen ein anderes Bild.

Cicero und der Diktator Sulla

Marcus Tullius Cicero erlebte als junger Mann im Jahr 88 v. Christus die Übernahme der Macht durch Lucius Cornelius Sulla. Er und seine Familie überlebten im Verborgenen die blutigen Umstürze. Cicero zog jedoch keine politischen Konsequenzen aus diesen persönlichen Erfahrungen.

Er nutzte sogar den Umsturz und seine Folgen als Aufhänger, um seine Redekunst öffentlich zu zeigen. Er hielt eine Rede zu Gunsten des Optimaten. Er verurteilte zwar den blutigen Umsturz. Aber er betonte bei dieser Ansprache vor allem, dass die Stärkung des römischen Senats im Sinne der alten Ordnung sei.

Marcus Tullius Cicero als Anwalt

Marcus Tullius Cicero nahm 81 v. Christus unerwartet eine Tätigkeit als Gerichtsredner auf. Sein erster Fall war praktisch schon gelaufen, da wurde er noch als Anwalt bestellt. Er konnte jedoch erreichen, doch noch gehört zu werden. Anschließend hielt er eine überragende Rede und gewann diesen ersten Fall.

Marcus Tullius Cicero war später als Anwalt u.a. auch in einem Mordfall tätig. Ein Sohn hatte angeblich seinen Vater getötet haben. Das Problem war, dass es Verwicklungen mit dem mächtigen Sulla gab.

Er fand eine feinsinnige Unterscheidung. Er verteidigte seinen Mandanten ohne den Diktator anzugreifen. Der Senat entschied für Cicero. Er hatte den Fall gewonnen.

Marcus Tullius Cicero nutzte den prominenten Fall für seinen persönlichen Werdegang. Er ließ Kopien der Rede verbreiten, um noch bekannter zu werden.

Beginn der politischen Karriere

Nach seinen ersten Erfolgen als Anwalt gewann Marcus Tullius Cicero noch weitere Fälle. Er verteidigte beispielsweise Titus Annius Milo – pro Milone. Das war ein Politiker der mit seinem Gefolge einen anderen Politiker auf der Via Appia erschlagen hatte. Es wurde ihm gedankt und er konnte wichtige Beziehungen aufbauen.

Diese wiederum öffneten ihm Türen zu höheren Ämtern im Römischen Reich. Auch fand er eine passende Ehefrau. Sie stammte aus einer reichen Familie und war mit dem alten Adelsgeschlecht der Fabier verwandt.

Marcus Tullius Cicero bereitete mit seiner Arbeit als Anwalt planmäßig den politischen Werdegang vor. Das erste wichtige Amt war die Quästur. Die Wahl in diese Position gelang ihm dann auch auf Anhieb.

Marcus Tullius Cicero wurde eine Region in Sizilien zugewiesen. Er ließ sich vor Ort nicht korrumpieren. Das wirkte sich sehr vorteilhaft auf seinen Ruf aus.

Reden gegen Gaius Verres

Marcus Tullius Cicero blieb sich auch später treu. Er vermied es einfach, in Fragen involviert zu werden, die ihn belasten könnten. Für Korruption war er aber insgesamt wenig empfänglich.

Marcus Tullius Cicero wurde daraufhin einige Jahre nach seiner Quästur mit der Anklage gegen Gaius Verres betreut. Die Anklage lautete:

  • eigennützige Politik
  • Geldgier
  • Korruption
  • Erpressung
  • Mord

Cicero ging ein hohes politisches Risiko ein, als er die Anklage in diesem Fall übernahm. Verres hatte mächtige Freunde. Marcus Tullius Cicero zeigte aber seinen Mut. Man gab ihm 110 Tage zur Vorbereitung.

Er brauchte nur 50 Tage. Dann hielt er seine Rede gegen Verres. Diese war so fulminant, dass dieser aufgab und freiwillig ins Exil ging. Anschließend ließ er sein Material vervielfältigen, um seinen Ruhm zu steigern. Ein solcher Erfolg brachte ihm später wichtige Spenden ein, die Marcus Tullius Cicero für seine weitere Laufbahn als Politiker brauchte.

Wahl zum römischen Konsul

Marcus Tullius Cicero war im Jahr 66 v. Christus zum Prätor gewählt worden. Damit hatte er bereits die zweithöchste Stufe in der öffentlichen Laufbahn erklommen.

Cicero erhielt den Vorsitz über einen Gerichtshof für Erpressungen. Damit wurde er teil der größeren Politik. Auch auf diesem Posten bewährte er sich. Deshalb bemühte sich Cicero im Jahr 64 v. Christus um die Wahl zum Konsul.

Das war das höchste Amt der römischen Republik und bildete den krönenden Höhepunkt einer Karriere. Politisch näherte sich Marcus Tullius Cicero deswegen auch den Popularen an.

Sein wichtigster Konkurrent war Lucius Sergius Catilina. Dieser wollte die Wahl manipulieren. Doch Cicero konnte auf Basis von Gerüchten das Vorgehen von Catilina publik machen.

Die Öffentlichkeit glaubte den Vorwürfen von Marcus Tullius Cicero. Er wurde daraufhin im Juli 64 v. Christus zum Konsul gewählt. Es soll einer der größten Tage in seinem Leben gewesen sein.

Verschwörung des Catilina

Im Jahr des Konsulats von Marcus Tullius Cicero kam es dann zur Verschwörung des Catilina. Dieser wollte es nach der missgeglückten Fälschung der Wahlen zum Konsul mit einem Staatsstreich versuchen.

Marcus Tullius Cicero erfuhr durch die Geliebte eines Mitverschwörers davon. Er wollte den Staatsnotstand ausrufen und gegen Catilina vorgehen. Dieser erschien jedoch trotz der Gerüchte bei einer Senatssitzung. Cicero versuchte es mit einer improvisierten Enthüllungsrede:

„Wie lange, Catilina, willst Du noch unsere Geduld missbrauchen?“

Die Rede zeigte Wirkung und offenbarte, dass Catilina im Senat isoliert war. Alle rückten von ihm ab und er verließ Rom. Marcus Tullius Cicero stand jedoch vor einem Dilemma. Er wusste von einer Verschwörung in Rom. Mehr aber auch nicht.

Cicero konnte den weiteren Verschwörern jedoch eine Falle stellen. Schließlich gelang die Verhaftung. Der Senat entschied, dass die Gefangenen ohne Gerichtsverhandlung hingerichtet werden. Die fünf Männer wurden erdrosselt.

Es war der politische Zenit von Cicero. Für seine Niederschlagung der Verschwörung des Catilina wurde ihm sogar der Titel pater patriae, Vater des Vaterlandes verliehen.

Diese Hinrichtung machte ihn jedoch angreifbar. Unter seinem Konsulat hatte es einen schweren Verstoß gegen die Vorschriften gegeben. Auch wenn es geständige Verschwörer waren, hätte es einen Prozess geben müssen.

Dies wurde ihm später noch zum Verhängnis und er musste deshalb noch zeitweise ins Exil ausweichen. Catilina hingegen wurde in Gallien von zwei konsularischen Armee gestellt und geschlagen. Dabei fiel er.

Republikanischer Senator

Nach seiner Zeit als Konsul war Marcus Tullius Cicero noch ein streitbarer Republikaner. Dabei pflegte er viele persönliche Feindschaften wie beispielsweise zu Marcus Antonius.

Außerdem erlebte Cicero natürlich auch Gaius Julius Caesar. Dieser erhob sich zunächst zum Diktator auf Zeit und dann im Jahr 44 v. Christus zum Diktator auf Lebenszeit (dictator perpetuus).

Der republikanische Marcus Tullius Cicero stand dem ablehnend gegenüber. Persönlich befürwortete er den Anschlag an den Iden des März im Jahr 44 v. Christus auf den römischen Diktator.

Bürgerkrieg und Tod

Gemeinsam mit Brutus und Cassius floh Cicero anschließend auch aus Rom. Doch er wurde dann in den Wirren des folgenden Bürgerkrieges getötet. Marcus Tullius Cicero wurde am 7. Dezember 43 v. Christus von Offizieren erschlagen.

Als Staatstheoretiker erlebte er die Epoche der römischen Kaiser deshalb nicht mehr. Vielmehr war Marcus Tullius Cicero ein Inbegriff des republikanischen Rom.

Staatstheoretische Werke von Cicero

Sammlung der Briefe des Marcus Tullius Cicero
Briefe des Marcus Tullius Cicero (pixabay)

Marcus Tullius Cicero hinterließ viele Werke zu Philosophie und Rhetorik. In Brutus beschreibt er den römischen Stil zu Diskutieren. Seine Werke werden im (Latein-)Unterricht behandelt. Er wird sehr unterschiedlich bewertet.

John Stuart Mill lobte seine Vorbereitung für den Prozess gegen Catelina als vorbildlich. Die Vier Catilinarischen Reden wurde von ihm selbst veröffentlicht. Theodor Mommsen und andere sehen in Cicero eher einen windigen Opportunisten. Seine Philosophie und sein politischer Ansatz wäre substanzlos.

de re publica – Über das Gemeinwesen

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Marcus Tullius Cicero – De Re Publica

Marcus Tullius Cicero verfasste de re publica – Über das Gemeinwesen. Dieses Hauptwerk ist mit seiner Dialogform der Philosophie von Platon nachempfunden.

Marcus Tullius Cicero lässt in diesem fiktiven Gespräch jedoch Römer aus der politischen Praxis zu Wort kommen. Dies bildet einen großen Unterschied zu dem alten Griechen, bei dem sich Philosophen unterhalten.

Der Zeitpunkt der fiktiven Diskussion von Cicero liegt eine Generation vor seiner Lebenszeit. Die Runde trifft sich drei Tage lang im Haus des Enkels von Scipio Africanus. Dieser ist auch der Mittelpunkt der Diskussion.

Marcus Tullius Cicero findet zu einer Definition des Staates:

„Der Staat ist also die Sache des Volkes; das Volk aber ist nicht jede Vereinigung von Menschen, welche auf irgendeine Weise geschlossen wurde, sondern es ist diejenige Vereinigung einer Menschenmenge, welche basierend auf ihrer Übereinstimmung in den Rechtsvorstellungen und auf ihrer Gemeinsamkeit des Vereinigungsnutzens zusammengeschlossen wurde.“

Die Ursache der Vereinigung von Menschen sah Marcus Tullius Cicero in einem natürlichen Herdentrieb. Er befasste sich anschließend wie schon Platon, Aristoteles und Polybios mit dem Kreislauf der Verfassungen.

Außerdem beschäftigte sich Marcus Tullius Cicero auch mit der zweiten zugehörigen Frage, der Frage nach dem besten Herrscher. Solche Gedanken wurden später von Niccolo Machiavelli aufgegriffen.

Marcus Tullius Cicero ging auch von den sechs Grundtypen der Herrschaft aus. Er plädierte deutlich für eine Mischverfassung. Diese enthalten die besten Tugenden der guten Systeme:

Das ideale Beispiele war Rom selbst mit den Konsuln (monarchisch), Senat (aristokratisch) und der Bürgerversammlung (demokratisch).

Briefe des Marcus Tullius Cicero

Im 14. Jahrhundert wurden knapp 900 Briefe von Marcus Tullius Cicero wiederentdeckt. Die Schreiben lösten unter den Bewunderern des Republikaners jedoch eine große Enttäuschung aus.

Die Inhalte offenbarten eine historische Figur, die dem selbst geförderten Image nicht gerecht wird. Vor allem in Bezug auf seine Rolle als Verteidiger der römischen Republik eröffneten diese Briefe von Marcus Tullius Cicero einen neuen Blickwinkel.

Rhetorische Mittel von Cicero

Marcus Tullius Cicero bereitete sich immer intensiv vor. Außerdem konnte er gemäß seiner Selbstdarstellung die eigene Stimmung sehr gut wechseln: Von Ironie zu Empörung zu betont sachlich. Darüber hinaus soll er eine mächtige Stimme gehabt haben.

Das machte es schwer, sich rhetorisch auf ihn einzustellen. Er wiederum hatte unterschiedliche Angriffswinkel, um seine sehr gute Vorbereitung ausspielen zu können.

„Ich habe in Erfahrung gebracht, dass…“ soll eine seiner gefürchteten Redewendungen gewesen sein. Seine Gegner zuckten angeblich schon bei diesen Worten zusammen.

Er war aber auch sehr talentiert darin, kritische Punkte anzusprechen. Marcus Tullius Cicero war dazu in der Lage, ohne dabei Namen zu nennen oder in anderen Hinsicht offensiv zu werden.