Michail Bakunin

Michail Bakunin – russischer Anarchist

Michail Alexandrowitsch Bakunin wurde am 30. Mai 1814 im Dorf Prjamuchino im Westen von Russland geboren. Die Bakunins waren alter russischer Adel und gehörten zur aristokratischen Oberschicht im Zarenreich.

Foto von Michail Bakunin
Michail Bakunin (Bild-Link: Wikipedia)

Auf dem Landgut der Familie von Michail Bakunin arbeiteten etwa 500 Leibeigene. Dennoch war die Familie ursprünglich westlich und liberal orientiert. Außerdem waren die Bakunins sehr gut vernetzt und empfingen viele Besucher auf ihrem Familiensitz.

Aufgrund ihrer politischen Beziehungen wurde die Familie Bakunin jedoch in den Dekabristenaufstand von 1825 verwickelt. Dabei hatten rebellische Offiziere den Eid auf Zar Nikolaus I. verweigert. Damit wollten sie eine konstitutionelle Monarchie nach englischem Vorbild erzwingen.

Der Dekabristenaufstand scheiterte jedoch und die Rädelsführer wurden gehängt. Um möglichen Repressionen zuvor zu kommen, bekundete der Vater von Michail Bakunin seine absolute Loyalität gegenüber dem Zaren. Für den Sohn bedeutete dies Militärdienst. Im Alter von 14 Jahren wurde er als Kadett eingezogen. 

Doch Michail Bakunin entwickelte eine Abscheu gegen das Militär und die autokratische Herrschaft des Zaren. Ab dem Jahr 1840 beteiligte er sich an zahllosen Revolutionen in ganz Europa. Er lernte dabei die großen Sozialisten und Kommunisten seiner Zeit kennen wie beispielsweise Karl Marx.

„Man setze den aufrechtesten Revolutionär auf einen Thron, und er wird zum schlimmsten Diktator.“ (Michail Bakunin)

Wegen seiner Aktivitäten musste Michail Bakunin acht Jahre im Gefängnis verbringen. Zeitweise war er an eine Kerkerwand geschmiedet. Darüber hinaus lebte er vier weitere Jahre in der Verbannung in Sibirien. Dort gelang ihm eine spektakuläre Flucht über Japan, San Francisco, Panama-Stadt und Boston bis zurück nach Europa.

Vor allem für Polen und Italien wurde er dann wieder politisch aktiv. Michail Bakunin stand dabei auch mit dem italienischen Guerilla Guiseppe Garibaldi in Kontakt.

Michail Bakunin wurde schließlich eine führende Figur der Anarchistischen Bewegung. In dieser Rolle entwickelte er die Idee des Kollektivistischen Anarchismus und gehörte zu den Gründern der Antiautoritären Internationale.

Aus gesundheitlichen Gründen musste er sich jedoch schließlich aus der Politik zurückziehen. Im Alter von 62 Jahren verstarb Michael Bakunin am 1. Juli 1876. Sein Grab auf dem Bremgartenfriedhof in Bern kann heute noch besucht werden.

Militärdienst des Michail Bakunin

Artillerie-Schule in Sankt Petersburg

Michail Bakunin kam mit 14 Jahren als Kadett zur Artillerie-Schule nach Sankt Petersburg. Dort wurde er zum Offizier ausgebildet.

Doch der junge Bakunin zeigte bereits früh eine starke Ablehnung des militärischem Gehabes. Darüber hinaus war er jedoch noch nicht auffällig. Schließlich wurde er zum Leutnant befördert.

Polnischer Aufstand und Desertation

Mit dem Wiener Kongress von 1814/15 hatte Polen seine Unabhängigkeit verloren. Etwa eineinhalb Jahrzehnte später kam es deshalb zum Novemberaufstand von 1830/31.

„Im Namen Gottes für unsere und eure Freiheit“ (Leitspruch der Polen)

Dieser große Aufstand der Polen scheiterte jedoch. Im darauffolgenden Jahr wurde Michael Bakunin als Leutnant in die Region geschickt und konnte die Brutalität des russischen Militärs selbst erleben.

Mit 21 Jahren meldete sich Michail Bakunin schließlich krank und entfernte sich von der Truppe. Einer Verfolgung wegen Fahnenflucht konnte er sich dank der Fürsprache von Verwandten jedoch entziehen.

Akademische Karriere des Rebellen

Nach seinem Dienst im russischen Militär entschied sich Michail Bakunin gegen eine Rückkehr in den familiären Betrieb. Stattdessen ging er nach Moskau und arbeitete zunächst als Lehrer für Mathematik, um seine Lebensunterhalt zu bestreiten.

Studium an der Moskauer Universität

Der junge Rebell begann aber auch ein Studium der Philosophie an der Universität von Moskau. Außerdem schloss er sich einem literarischen Zirkel um den Philosophen Nikolai Stankewitsch an. Michail Bakunin wurde in diesen Jahren von einigen Denkern ganz besonders geprägt:

  • Immanuel Kant
  • Johann Gottlieb Fichte
  • Friedrich Wilhelm Schelling
  • Georg Wilhelm Friedrich Hegel

Während seines Studiums an der Moskauer Universität übersetzte Michail Bakunin eine Reihe von Schriften deutscher Philosophen in die russische Sprache. Darunter fanden sich bedeutende Werke wie:

  • Goethes Briefwechsel mit einem Kinde von Bettina von Armin
  • Die Anweisung zum seligen Leben von Fichte
  • Gymnasialreden von Georg Wilhelm Friedrich Hegel

Michail Bakunin und Hegel

Von Hegel war Michail Bakunin ganz besonders fasziniert. Dank seines intensiven Studiums entwickelte er sich zu einem führenden Kenner des deutschen Philosophen in ganz Russland.

Seine besonderen Kenntnisse der Schriften von Hegel prägte schließlich auch eine bedeutende Freundschaft: In dem Sozialisten Alexander Herzen fand Bakunin einen Mitbewohner während dieser Zeit in Moskau und einen finanziellen Förderer für einen späteren Aufenthalt in Berlin.

Als Revolutionär im 19. Jahrhundert

Gesinnungswandel in Berlin

Dank der Unterstützung von Alexander Herzen begab sich Michail Bakunin im Jahr 1840 nach Berlin. Dort wollte er sich auf eine Professur an der Moskauer Universität vorbereiten.

Doch in Berlin veränderte sich Michail Bakunin. Nach zwei Jahren schrieb er an seinen Bruder, dass er nicht mehr nach Russland zurückkehren werde. Während einer späteren Zeit in Haft beschrieb Bakunin selbst diesen Gesinnungswandel:

„Im übrigen aber heilte mich Deutschland selbst von der philosophischen Krankheit, an der es litt; als ich mit den metaphysischen Fragen näher vertraut wurde, überzeugte ich mich ziemlich rasch von der Nichtigkeit und Eitelkeit der ganzen Methaphysik: ich suchte Leben in ihr, aber sie ist langweilig, wirkt tödlich; ich suchte Taten, sie aber ist die absolute Untätigkeit. Ich gab die Philosophie preis und ergab mich der Politik.“

Einen ganz besonderen Einfluss hatte sein Kontakt zu Ludwig Feuerbach. Dieser gehörte mit seiner Idealismus- und Religionskritik zu den zentralen Figuren des Vormärz. Damit bezeichnet man den Vorlauf der Märzrevolution von 1848/49.

Darüber hinaus baute Michail Bakunin enge Verbindungen zu Junghegelianern auf. Dabei handelte es sich um Schüler des verehrten Philosophen. Schließlich lernte er mit Arnold Ruge auch einen bedeutenden Herausgeber kennen.

Unter dem Pseudonym Jules Elysard verfasste Michail Bakunin schließlich einen bedeutenden Artikel. Vor allem der dialektische Schlusssatz sollte ihn unter Revolutionären berühmt machen:

„Die Lust der Zerstörung ist zugleich eine schaffende Lust!“

Flucht nach Zürich und erste Verurteilung

Aufgrund einer zunehmenden Repression flüchtete Michail Bakunin zusammen mit dem befreundeten Georg Herwegh über das Königreich Sachsen nach Zürich. Dort konnte er als politischer Emigrant ein sicheres Asyl finden. Außerdem hatte sich in der Schweiz ein wichtiger Verlag für radikale Schriften aus Deutschland etabliert.

Durch einen Kontakt über Georg Herwegh stand Michail Bakunin in der Schweiz auch in Verbindung mit dem kommunistischen Theoretiker Wilhelm Weitling. Er stimmte dessen Gesellschaftsentwurf jedoch keinesfalls zu, sondern formulierte eine scharfe Kritik.

Doch Weitling wurde in Zürich verhaftet. Der Jurist und Freimaurer Johann Caspar Bluntschli führte die Untersuchung durch. In seinem umfassenden Bluntschli-Bericht tauchte auch der Name von Michail Bakunin auf, so dass er erstmals in das Visier der Obrigkeit geriet.

Der russische Botschafter forderte Michail Bakunin zur sofortigen Rückkehr nach Russland auf. Doch er weigerte sich und floh nach Brüssel. Dafür wurde ihm in Abwesenheit der Adelstitel aberkannt und außerdem verurteilte man Bakunin zu Zwangsarbeit in Sibirien.

Jahre in Paris und Streit mit Karl Marx

Ab dem Jahr 1844 lebte Michail Bakunin in Paris. Dort befand sich das damalige Zentrum des europäischen Radikalismus. Anfangs hatte er intensive Kontakte zu dem Kreis der Herausgeber des sozialistischen Wochenblatts Vorwärts.

So entstand auch die erste Verbindung zwischen Michail Bakunin und Karl Marx. Die Diskussionen zwischen den beiden Vordenkern endeten jedoch mehrfach im Streit. Bakunin konzentrierte sich deshalb in seinen Publikationen auf die Kritik am russischen Zaren und dessen Autokratie.

Zum Gedenken des Aufstandes der Polen hielt Michail Bakunin im Jahr 1847 eine bedeutende Rede: „Wie Russland wirklich ist!“ Damit wuchs zwar seine Bekanntheit, jedoch forderte Russland die Ausweisung von Bakunin aus Frankreich. Er floh daraufhin erneut nach Brüssel.

Entwicklung zum Berufsrevolutionär

Nur ein Jahr nach seiner Ausweisung kam es zum Sturz des Königs Louis-Philippe I. und zur Proklamation der Zweiten Französischen Republik. Michail Bakunin kehrte zurück und beteiligte sich an dieser Februarrevolution von 1848.

Der politische Philosoph machte sich in Frankreich jedoch nicht nur Freunde. Seinem Vorschlag, die Revolution im russischen Teil von Polen zu unterstützen, wurde von der provisorischen Regierung nur zu gerne entsprochen.

„Am ersten Tag der Revolution ist er [Michail Bakunin] einfach unbezahlbar, doch am nächsten Tag muss man ihn erschießen.“ Marc Caussidière, 1848

Die republikanische Regierung gab ihm 2.000 Francs, Pässe und man schickte ihn auf die Reise. Michail Bakunin begab sich zunächst nach Frankfurt am Main und traf dort seinen alten Freund Arnold Ruge.

Bakunin konnte diesem zwar zu einem Platz in der Nationalversammlung verhelfen. Aber seinem Vorschlag zur Unterstützung der polnischen Revolutionäre wurde nicht entsprochen.

Michail Bakunin reiste daraufhin alleine über Posen nach Breslau. Als er dort ankam, hatte die preußische Armee den Aufstand der Polen bereits niedergeschlagen.

Daraufhin schloss sich Michail Bakunin der Deutschen Demokratischen Legion um Georg Herwegh an. Diese wollte den Heckeraufstand in Baden unterstützen. Bei dieser Legion handelte es sich um radikal-demokratische Freischärler, die in großen Teilen ursprünglich Handwerker waren.

Doch auch diese Bewegung scheiterte. Die Freischärler wurden vom Militär des Königreichs Württemberg am 27. April 1848 besiegt. Michail Bakunin begab sich nachdem Scheitern dieser Badischen Revolution nach Prag.

Im Juni 1848 beteiligte er sich dann am Aufstand der Tschechen. Diese wehrten sich gegen die Herrschaft der österreichischen Habsburger. Doch die Erhebung wurde nach fünf Tagen von Truppen unter dem Befehl des Stadtkommandanten besiegt.

Das Jahr 1848 endete dann mit der Niederschlagung des Wiener Oktoberaufstandes mit einer letzten großen Enttäuschung. Dennoch publizierte Michail Bakunin einen weiteren Aufruf an Slawen und Deutsche zum Widerstand gegen die herrschenden Kräfte.

Haft in europäischen Festungen

Im Frühjahr 1849 gehörte Michail Bakunin schließlich zu den Führungsfiguren des Aufstands in Dresden. Das Ziel war die Durchsetzung einer sächsischen Republik.

Luftbild der Festung Königstein im Elbsandsteingebirge süd-östlich von Dresden
Festung Königstein süd-östlich von Dresden (pixabay)

Der sächsische König Friedrich August II. musste zunächst fliehen. Fast kampflos übernahmen die Revolutionäre die Stadt Dresden. Michail Bakunin hatte dabei die militärische Führung inne. Darüber hinaus war er ein Berater der provisorischen Regierung.

Doch Preußen hatte binnen einer Woche eine große Streitmacht versammelt und war gegen Dresden marschiert. Die Revolutionäre zogen sich nach Chemnitz zurück und wurden dort schließlich verhaftet.

Michail Bakunin wurde daraufhin auf die Festung Königstein im Elbsandsteingebirge etwa 30 km süd-östlich von Dresden verbracht. Sein ursprüngliches Todesurteil wurde in eine lebenslange Haftstrafe verwandelt.

Russland verlangte erneut seine Auslieferung. Im Juni 1850 wurde Bakunin deshalb zunächst nach Prag gebracht und dort in der Burg festgesetzt.

Im darauffolgenden Jahr kam er nach Olmütz. Dort schmiedete man ihn an eine Kerkerwand. Nachrichten von seinem Tod gingen durch die europäische Presse.

Am 17. Mai 1851 betrat Michail Bakunin als Gefangener erneut seine russische Heimat. Nach der Auslieferung durch Österreich wurde er zunächst in St. Petersburg in der Peter-und-Paul-Festung inhaftiert.

Nach drei Jahren verlegte man Bakunin in die Schlüsselburg östlich von Sankt Petersburg. Aufgrund von schlechter Ernährung erkrankte der Revolutionär dort an Skorbut.

Verbannung nach Sibirien und Flucht

Nach dem Tod von Zar Nikolaus im Jahr 1855 kam es zu einer Amnestie für politische Gefangene. Doch der folgende Zar Alexander II. strich Michail Bakunin persönlich von dieser Liste.

Die lebenslange Haftstrafe wurde bestätigt. Wiederholte Gnadengesuche seiner Familie führten jedoch schließlich zu einer Umwandlung der Strafe in eine Verbannung nach Sibirien.

Zunächst brachte man ihn nach Tomsk im Westen von Sibirien. Dort lernte er seine spätere Frau Antonia Kwiatkowska kennen. Im darauffolgenden Jahr 1858 wurde er nach Irkutsk in Ost-Sibirien deportiert.

Aber Michail Bakunin war keinesfalls ein gebrochener Mann. Er knüpfte zahlreiche Kontakte zu Dekabristen und andere Verbannten.

Im Jahr 1861 durfte Michail Bakunin auf eine Forschungsreise zum Fluss Amur. Dort konnte er seinen Bewachern entkommen und gelangte mit Hilfe eines amerikanischen Klippers nach Japan.

Über Yokohama, San Francisco, Panama-Stadt und Boston erreichte Michail Bakunin gegen Ende 1861 wieder Europa. In London traf er sich dann mit seinem alten Gönner Alexander Herzen.

Mit Karl Marx gab es trotz zahlreicher Streitigkeiten in London ebenfalls einen erneuten Kontakt. Zeitweise wurde die Beziehungen freundschaftlicher. Michail Bakunin übersetzte dann auch das Manifest der Kommunistischen Partei erstmals ins Russische.

Vom Sozialismus zum Anarchismus

Die spektakuläre Flucht von Michail Bakunin hatte seine Bekanntheit weiter gesteigert. Für konservative und monarchistische Kräfte wurde er zu einem der großen Feindbilder seiner Zeit.

Der umtriebige Revolutionär nutzte seine Prominenz erneut zum Aufbau von Kontakten insbesondere zu Exil-Polen. Darüber hinaus knüpfte er Beziehungen zu Giuseppe Garibaldi.

Als 1863 der Januaraufstand in Polen ausbrach, versuchte Michail Bakunin von Stockholm aus über Kopenhagen einzureisen. Dies scheiterte jedoch ebenso sehr wie Aufstandsbewegung.

Gründung der „Internationalen Bruderschaft“

Garibaldi war ein italienischer Guerillaführer, der sich auch für die Einigung Italiens einsetzte. Ab 1864 hatte Michail Bakunin dann seinen Wohnsitz in dem süd-europäischen Land.

In Italien gründete Michail Bakunin mit Hilfe seiner Bekanntschaften die „Internationale Bruderschaft“. Damit legte er den Grundstein für die später sehr einflussreiche Bewegung der italienischen Anarchisten.

Im Jahr 1865 bezeichnete sich Michail Bakunin dann erstmals in einer italienischen Zeitung als Anarchist. Zwei Jahre später begab sich der Berufsrevolutionär nach Genf.

„Anarchie ist Sozialismus und Freiheit in einem. Freiheit ohne Sozialismus besteht aus Privilegien und Sozialismus ohne Freiheit bedeutet Gewalt und Unterdrückung.“

In Genf beteiligte sich Bakunin am Gründungskongress der „Internationalen Liga für Frieden und Freiheit“. Dort wurde er zwar in das Zentralkomitee gewählt. Er scheiterte jedoch mit dem Versuch, die Liga zu radikalisieren.

Erste Internationale Arbeiterassoziation

Bereits 1864 hatte Karl Marx in London die Erste Internationale Arbeiterassoziation gegründet. Dabei handelte es sich um eine Versammlung teils sehr unterschiedlicher Strömungen.

Die „vollständige Emanzipation der Arbeiterklasse“ war jedoch das gemeinsame Ziel. Dennoch war die Organisation bereits in ihrer Frühphase von schweren Grabenkämpfen geprägt.

Die Auseinandersetzungen wurden jedoch nicht nur in den Gremien geführt. Im Umfeld von Bakunin etablierte sich Sergei Netschajew, der heimlich Briefe entwendete, um diese später gegen den Revolutionär zu verwenden.

Weitere Revolutionen in Europa

Noch im Jahr 1868 brach die Septemberrevolution in Spanien aus. Michail Bakunin verfasste hierfür einen Aufruf an die Arbeiter von Spanien. Außerdem bereitete er eine Agitationsreise vor, die ein Anarchist aus dem Umfeld von Garibaldi für ihn durchführte.

Im Herbst 1870 beteiligte sich Bakunin persönlich am Aufstand von Lyon. Dieser war ausgebrochen, nachdem sich die französische Niederlage im Deutsch-Französischen Krieg abzeichnete. Die Bewegung wurde jedoch binnen eines Monats niedergeschlagen.

Michail Bakunin zog sich daraufhin in die Schweiz zurück. Dort schrieb er seine Briefe an einen Franzosen zur aktuellen Krise. Darin betonte er die Bedeutung der Allianz von Arbeitern und Bauern.

Gründung der Antiautoritären Internationale

Die inneren Konflikte in der Ersten Internationalen Arbeiterassoziation führten letztlich zum Bruch. Die „Antiautoritären“ waren nicht bereit, sich der Führung des Generalrats um Karl Marx und Friedrich Engels in London zu beugen.

Michail Bakunin beteiligte sich noch an der Gründung einer neuen, der Antiautoritären Internationale. Doch anschließend begann sein Rückzug aus der Öffentlichkeit.

Letzte Schriften und Tod

Im Jahr 1873 verfasste Michail Bakunin das Werk Staatlichkeit und Anarchie. Die Schrift wurde in hoher Auflage nach Russland geschmuggelt.

Dort beeinflusste das Werk von Bakunin die Narodniki. Dabei handelte es sich um eine sozialrevolutionäre Bewegung, deren terroristischer Arm später den Zar Alexander III. mit einer selbstgebauten Handgranate töten würde. Ein ebenfalls sehr wichtiger Vertreter der Bewegung war Alexander Iljitsch Uljanow, der ältere Bruder von Lenin.

Im Jahr 1874 kam es zum Aufstand in Bologna, an dem Michail Bakunin trotz gesundheitlicher Probleme noch teilnehmen wollte. Die Carabinieri konnten jedoch im Vorfeld viele Rädelsführer verhaften. Die verbliebenen Aufrührer wurden von militärischen Einheiten zur Kapitulation gezwungen.

Michail Bakunin hatte unerkannt in die Schweiz entkommen können. Doch sein gesundheitlicher Zustand verschlechterte sich in der folgenden Zeit. Am 1. Juli 1876 starb der Berufsrevolutionär und wurde in Bern beigesetzt.

Das Grab des Anarchisten kann noch heute besucht werden. Es befindet sich auf dem Bremgartenfriedhof in der Abteilung 9201 und trägt die Nummer 68.

Im Jahr 2016 wurde die Plakette auf dem Grabstein ersetzt: „Wer nicht das Unmögliche wagt, wird das Mögliche niemals erreichen.“

Philosophie des russischen Revolutionärs

Theorie des kollektivistischen Anarchismus

Im Jahr 1866 entwickelte Michail Bakunin seine Theorie zum Staat, den Produktionsmitteln und dem Privat-Eigentum entscheidend weiter. Im Wesentlichen ging es bei seinem Anarchokollektivismus um die Abschaffung von eben diesen.

Der Staat wird auf die Organisation der Betriebsmittel reduziert. Diese wiederum befinden sich im kollektiven Besitz. Die einzelnen Arbeiter werden dann entsprechend ihrer Arbeitszeit vergütet.

Damit stellte er sich gegen den Anarchokommunismus. Dieser sah auch eine Abschaffung der Gehälter vor. Waren sollen in diesem Modell lediglich nach den Bedürfnissen verteilt werden.

Strittig ist jedoch, ob die Theorie vom kollektivischen Anarchismus nicht auf einen anderen Denker zurückgeht. Im selben Jahr wie Michail Bakunin hatte sich der Kommunist Johann Most ebenfalls der Anarchie zugewandt und vergleichbare Vorschläge gemacht.