Evangelist Markus

Markus – Apostelschüler und Evangelist

Der Evangelist Markus war laut der Apostelgeschichte ein Schüler des Apostels Paulus. Sein christliches Symbol ist der Löwe.

Karte der Orte der Missionsreisen von Paulus
Apostel Paulus und seine Reisen zur Missionierung (ODbL)

Als Begleiter und Mitarbeiter des Völkerapostels soll er an dessen erster Missionsreise beteiligt gewesen sein. Diese führte über Zypern in den Süden der heutigen Türkei.

In der Wahrnehmung der Gläubigen erfährt Markus als Verfasser des nach ihm benannten Markusevangeliums eine sehr hohe Wertschätzung. Ganz besondere Verehrung erfährt er in Venedig. Die Stadt hat sogar den Löwen, sein Symboltier, in ihr Wappen aufgenommen.

Darüber hinaus wird er auch als Heiliger verehrt. Ihm werden zahlreiche Wunder zugeschrieben – darunter beispielsweise die Rettung eines Maurers, der von einem Arbeitsgerüst fiel. Sein Tag ist in der katholischen, evangelischen und anglikanischen Kirche der 25. April. 

Aber Markus spielt auch in der wissenschaftlichen Betrachtung der Evangelisten eine sehr bedeutende Rolle. Unter literaturkritischen Gesichtspunkten hat sich die Zwei-Quellen-Theorie entwickelt. Diesem Ansatz zu Folge diente das Markusevangelium als Vorlage für weitere Evangelien. 

Matthäus und Lukas haben ihre Evangelien vor allem auf dieser Grundlage wie auch auf Basis einer unbekannten Sammlung von Sprüchen verfasst – der Logienquelle Q. Diese Sammlung lag dem Evangelisten Markus jedoch nicht vor.

Wegen der Verteilung der Inhalte kann jedoch von einem Primat des Markusevangeliums gegenüber den beiden folgenden Evangelien gesprochen werden. Aufgrund von fragmentarischen Hinweisen und Unstimmigkeiten in der Theorie wird jedoch auch über ein geheimes Markusevangelium spekuliert. 

Erst das vierte der kanonischen Evangelien von Johannes hat wieder einen eigenständigen Charakter. Deshalb spielt der Evangelist Markus sowohl unter religiösen wie auch unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten eine herausragende Rolle. 

Markus als biblische Figur

Bei Markus handelt es sich um eine der Figuren aus dem Neuen Testament, die Jesus von Nazaret selbst nicht mehr erlebt hatten. Jemand wie er taucht aber dennoch in der Bibel auf, weil der christliche Messias seinen Aposteln einen Auftrag hinterlassen hatte. Deswegen endet das Neue Testament auch nicht mit der Himmelfahrt und die Zeugnisse aus der Frühphase der Religion erhalten eine biblische Legitimation.

Es ergeben sich zahlreiche neue und sehr bedeutsame Rollen. Bei deren Besetzung durch konkrete Personen vor allem Lese- und Schreibfähigkeiten gefragt waren. Der spätere Evangelist Markus bot dies und er konnte darüber hinaus auch als Übersetzer arbeiten. Dank dieser praktischen Fähigkeiten taucht Markus laut der traditionellen Überlieferung mehrfach in den Handlungssträngen auf. 

Markus in der Apostelgeschichte

Markus erscheint erstmals in der Apostelgeschichte im zwölften Abschnitt. Die Szene wird eingeleitet durch eine Hinrichtung. König Herodes lässt den Apostel Jakobus der Ältere durch das Schwert töten. Zeitlich einzuordnen ist dieses Ereignis zwischen 41 und 44 n. Christus:

„Um diese Zeit legte der König Herodes Hand an einige von der Gemeinde, sie zu misshandeln. Er tötete aber Jakobus, den Bruder des Johannes, mit dem Schwert. Und als er sah, dass es den Juden gefiel, fuhr er fort und nahm auch Petrus gefangen.“ Apg 12,1-3

Dabei handelt es sich auch um eine Schlüsselzene in der Geschichte des Apostels Simon Petrus. Dieser wird nach der Hinrichtung ebenfalls gefangen genommen. Aber er weiß sich dank größter Courage gegen die Anschuldigungen zu wehren.

Viele Mitglieder der Jerusalemer Ur-Gemeinde finden zu diesem Zeitpunkt einen Platz im Haus des späteren Evangelisten Markus. Bei Lukas wird er als „Johannes, der den Beinnamen Markus hat,“ bezeichnet. Er war als konvertierter Judenchrist wohl bereits fest in die junge Glaubensgemeinschaft integriert.

Missionsreise mit Paulus 

In dieser Phase kamen der Apostel Paulus und sein Begleiter Barnabas nach Jerusalem. Letzterer und Markus waren Vettern. Der spätere Evangelist schloss sich ihnen an. 

Es war den Ur-Christen nämlich gelungen, eine Gemeinde in der Stadt Jerusalem zu etablieren. Nun wollten sie entsprechend ihres Auftrages die Missionierung geographisch weiter ausdehnen.

Die Apostelgeschichte berichtet, dass die drei Reisenden zunächst in Salamis auf Zypern predigten. Dort kam es dann zu einer wunderhaften Auseinandersetzung mit einem bösen Zauberer.

Dieser wurde von Paulus verflucht und erblindete auf der Stelle. Der Statthalter der Insel war Zeuge der Szene und konvertierte daraufhin zum Christentum.

Markus begleitete Paulus und seinen Vettern Barnabas dann noch bis zur Südküste der heutigen Türkei. Sie suchten antike Orte im Raum der heutigen Stadt Antalya auf. Dort trennte sich Markus von ihnen und kehrte nach Jerusalem zurück.

Markus im Ersten Petrusbrief

Im ersten Petrusbrief taucht erneut eine Figur namens Markus auf. Es ist zwar strittig, ob es sich dabei um den Johannes Markus aus der Apostelgeschichte handelt. Die traditionelle Überlieferung sieht es jedoch als gegeben an. Diese beiden Figuren und auch der Evangelist Markus sollen identisch ist:

„Es grüßt euch die Miterwählte in Babylon und Markus, mein Sohn.“ 1.Petr 5,13

Babylon steht dabei wahrscheinlich als Bild für Rom. Aus dieser Stelle im Petrusbrief wurde dann auch gefolgert, dass das Markusevangelium in Rom entstanden sein muss. 

Rezeption durch frühe Kirchenväter

Die Bedeutung von Markus als Evangelist wird dann in den ersten Jahrhunderten von mehreren Kirchenväter behandelt:

  • Papias von Hierpolis verfasste seine Werke um 100 n. Christus und sammelte darin mündliche Überlieferungen. Er nennt Markus als Übersetzer für Paulus
  • Eusebius von Caesarea hatte seine Schöpfungsphase in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts und verfasste eine Kirchengeschichte – die Historia Ecclesiastica. Er bezeichnete Markus als Verfasser des Evangeliums und als eine Person die gebeten wurde, mündliche Überlieferungen schriftlich zu fixieren.
  • Hieronymus überarbeitete und übersetzte die Chronik des Eusebius von Caesarea. Darüber hinaus verfasste er mit seiner De viris illustribus eine Darstellung von 135 einflussreichen christlichen Autoren von Petrus bis ins frühe 5. Jahrhundert.

Das Markusevangelium

Entstehungsort und Datierung

Obwohl der Beleg im ersten Petrusbrief nur sehr dünn ist, gilt Rom als Entstehungsort des Markusevangeliums. Dort soll Markus dem Apostel als Übersetzer geholfen haben.

Die zeitliche Einordnung ist dagegen sehr viel komplizierter. Jedoch wird ein Abschnitt im 13. Kapitel des Evangeliums so interpretiert, dass der Evanglist Markus die Christenverfolgung unter Kaiser Nero überlebt haben muss.

Ansprache von Heidenchristen

Das Christentum war als Religion nicht gänzlich neu erfunden worden. Vielmehr hatte es sich aus dem Judentum entwickelt. Bei der Missionierung von jüdischen Personen hatten die Früh-Christen deshalb den Vorteil, dass sie sich auf gemeinsame Gebote und Schriften berufen konnten.

Der Evangelist Markus hingegen adressierte Heidenchristen. Diesen war häufig sogar der Monotheismus als Form der Religion fremd. An zahlreichen Stellen muss er deshalb einen Brauch an sich erst erklären. Auch zentrale Begriffe mussten von ihm mühsam übersetzt werden.

Die Sprache und den Stil hält der Evangelist Markus dabei sehr einfach und schlicht. Er bemüht sich insbesondere die menschliche Seite von Jesus in vielen Facetten darzustellen.

Inhaltliche Traditionen

Bibelwissenschaftler konnten zahlreiche inhaltliche Traditionen identifizieren, die der Evangelist Markus übernommen hat. Teilweise standen ihm wohl sogar komplette Geschichten als Vorlage zur Verführung. 

Dies gilt beispielsweise für eine Beschreibung der Passion Christi. Diese Episode wurde zusammen mit Darstellungen der Endzeit bereits in Jerusalem von der Ur-Gemeinde zusammengestellt. Die Beiträge des Evangelisten Markus lassen sich jedoch nicht mehr vollständig identifizieren. 

Darüber hinaus weist das Markusevangelium vor allem auch den Einfluss verschiedener Denktraditionen auf. Dies weist darauf hin, dass der Autor inhaltlich sehr unbefangen arbeiten konnte. Dennoch besteht der Verdacht, dass das Markusevangelium nachträglich gekürzt wurde, um unliebsame Passagen über Jesus zu streichen.

These vom geheimen Evangelium

Es gibt zwei Gründen, wegen denen angenommen wird, dass es ein geheimes Markusevangelium gibt oder zumindest gegeben hat:

  1. In der literaturkritischen Betrachtung aller kanonischen Evangelien hat sich die Zwei-Quellen-Theorie durchgesetzt. Diese ist zwar allgemein anerkannt, weist im Detail jedoch Schwächen auf. Eine der Hypothesen zur Korrektur ist, dass Markus tatsächlich ein umfassenderes Evangelium verfasste, dass Matthäus und Lukas als Vorlage zur Verfügung stand. Diese Version muss dann nachträglich auf das kanonische Format gekürzt worden sein.
  2. Im Jahr 1958 wurde angeblich ein Brief von Clemens von Alexandria gefunden. Der archäologische Fund wurde jedoch nie unabhängig geprüft und gilt inzwischen wieder als verschollen. Es liegen nur Fotos dieser Handschrift vor. Inhaltlich geht es dabei um Antworten des Kirchenvaters auf Fragen zu Zitaten aus dem Markusevangelium. Clemens gibt die Auskunft, dass sich der Evangelist Markus nach seinem Aufenthalt in Rom nach Alexandria begab und dort sein Werk fortsetzte. Das geheime Markusevangelium würde sich auch in der Bibliothek befinden. Doch die Sekte des Karpokrates hätte sich mit magischen Künsten eine Kopie angeeignet und diese verfälscht. Den nachgefragten Zitaten sei deshalb kein Glauben zu schenken. 

Mehrheitlich wird jedoch davon ausgegangen, dass der Evangelist Markus tatsächlich eine Ur-Version geschaffen hat, die nicht mehr überliefert ist. Diese ursprüngliche Fassung, der Ur-Markus, wurde zunächst erweitert und schließlich in einer leicht gekürzten Version verbreitet. 

Bezüglich des angeblichen Briefes des Clemens von Alexandria scheint es bei genauerer Betrachtung nicht von Bedeutung zu sein, ob der archäologische Fund echt war. Denn Clemens von Alexandria gilt für sich genommen als unzuverlässige Quelle.