Quintus Fabius Maximus

Quintus Fabius Maximus – der Zauderer

Quintus Fabius Maximus Verrucosus Cunctator wurde um 275 v. Christus geboren. Er war ein Senator und Feldherr der römischen Republik. In der schwersten Phase des Zweiten Punischen Krieges entwickelte er als militärischer Führer eine Hinhalte-Strategie, die entscheidend für das Überleben der Republik wurde. Doch Neider verpassten ihm Jahre später dafür den spöttischen Beinamen: der Zauderer.

„Wie soll ich jemanden besiegen, der nicht zugibt, besiegt worden zu sein.“

(Hannibal Barkas über den Zauderer)

Quintus Fabius Maximus verhinderte, dass die Karthager nach den römischen Niederlagen am Ticinus, bei Trebia, den Trasimenischen Seen und später nach Cannae die Hauptstadt Rom einnehmen konnte. Dabei erwies er sich als brillanter Abwehrstratege.

„Ein einziger Mann hat uns durch sein Zögern den Staat wiederhergestellt. Denn irgendwelches Gerede ging ihm nicht über das Wohl der Allgemeinheit. Im Nachhinein glänzt sein Ruhm daher jetzt noch mehr.“ (Zeitgenosse über den Zauderer)

Quintus Fabius Maximus verwickelte seinen Gegner in ein langfristiges Katz-und-Maus-Spiel. Scipio Africanus gewann damit Zeit, in Spanien eine neue Machtbasis aufzubauen. So konnte Roms langer Arm die feindliche Hauptstadt Karthago schließlich über die iberische Halbinsel hinweg bedrohen.

Hannibal Barkas musste deswegen letztlich seinen Feldzug gegen Rom abbrechen. Auf Anweisung der Regierung in Karthago verließ er schließlich Italien und kehrte mit seiner Armee in die Heimat zurück. In diesem geo-strategischen Spiel hatte Quintus Fabius Maximus im richtigen Moment das Tempo entscheidend verzögert.

Doch Quintus Fabius Maximus war auch einer der erfolgreichsten Politiker seiner Zeit. Er wurde fünfmal zum Konsul gewählt und zweimal zum Diktator ernannt. Eine solche herausragende Karriere war aber nur möglich, weil er aus einer der mächtigsten Familien stammte. Er gehörte zu den Fabii. Das war eine der fünf gentes maiores, der Uradel des alten Rom.

Aufgrund seiner bedeutenden Erfolge wurde Quintus Fabius Maximus von zahlreichen antiken Autoren behandelt. Die älteste Quelle stammt von Polybios. Aber auch spätere Autoren wie Marcus Tullius Cicero beschäftigten sich mit dieser entscheidenden Figur aus dem Zweiten Punischen Krieg.

Doch Quintus Fabius Maximus sollte den finalen Sieg über die Karthager nicht mehr erleben. Er verstarb im hohen Alter von 72 Jahren im Jahr 203 v. Christus nur wenige Monate vor dem Sieg von Scipio Africanus in der Schlacht von Zama.

Werdegang des adeligen Fabiers

Die Gens Fabia – eine der Gentes Maiores

Das Geschlecht der Fabier gehörte zu den fünf ältesten Patriziergeschlechtern des alten Rom. Zu Beginn des 5. Jahrhunderts v. Christus hatten sie laut der legendären Überlieferung eine führende Rolle in der jungen Republik.

Die Familie des Quintus Fabius Maximus war bereits zu diesem Zeitpunkt eng mit der Expansion des jungen Römischen Reiches verwoben. Vor allem im Kampf gegen die etwa 20 km nördlich liegende etruskische Stadt Veji taten sich die Fabier besonders hervor.

In den blutigen Auseinandersetzungen über die Herrschaft in Mittel-Italien verloren angeblich 300 Mitglieder der Familie ihr Leben. Dieser Blutzoll führte zu einem zeitweisen Verlust an Bedeutung.

Doch mit Quintus Fabius Maximus Rullianus brachte die Familie gegen Ende des 4. Jahrhunderts v. Christus erneut eine sehr bedeutende Figur hervor. Dieser wurde fünfmal zum Konsul gewählt und tat sich bei den Kämpfen gegen Samniten hervor.

Bei den Samnitenkriegen ging es um die Vorherrschaft über Kampanien im Süden von Rom. In der Schlacht von Sentium im Jahr 295 v. Christus konnte Quintus Fabius Maximus Rullianus auf seinem Flügel durchbrechen und damit die Entscheidung erzwingen.

Drei Beinamen für Quintus Fabius

Dass es sich bei Quintus Fabius Maximus jedoch keineswegs um eine unumstrittene Person handelte, zeigen die Beinamen:

  • Maximus heißt aus dem Lateinischen übersetzt der Große. Diesen Beinnamen hatten sich bereits drei Ahnen des Quintus Fabius verdient, darunter sowohl sein Vater wie auch sein Großvater. Diese trugen den Quintus Fabius Maximus Gurges, weil sie offenbar „verschwenderisch“ waren. Außerdem trug auch der genannte Quintus Fabius Maximus Rullianus aus den Samnitenkriegen diesen besonderen Beinamen. Die Bezeichnung taucht erst später beispielsweise bei Cicero auf, also etwa 150 Jahre später.
  • Verrucosus heißt aus dem Lateinischen übersetzt der Warzige. Dieser Beiname wurde erstmals von Marcus Tullius Cicero verwendet und bezieht sich lediglich auf eine kleine Warze über der Lippe.
  • Cunctator heißt aus dem Lateinischen übersetzt der Zauderer. Auch dieser letzte Beiname entstand erst lange nach dem Tod des Staatsmannes und bezog sich auf dessen hinhaltende Kriegsführung gegen Hannibal.

Quintus Fabius wurde zu seinen Lebzeiten also nicht als „der große, warzige Zauderer“ bezeichnet. Dennoch stellte die spätere Titulierung mit gleich drei Beinamen eine ganz besondere Art der Anerkennung dar, die nur sehr wenigen Römern zuteil wurde.

Zivile Karriere des jungen Aristokraten

Quintus Fabius Maximus begann seine zivile Karriere im 237 v. Chr. als Quästor. Das war die niedrigste Stufe einer senatorischen Ämterlaufbahn. Später wurde er Ädil und schließlich fünfmal Konsul sowie zweimal Diktator.

Die Prätur, die zweithöchste Stufe, könnte Quintus Fabius Maximus übergehen. Ein solcher Sprung in der Karriere war jedoch keinesfalls ein einmaliges Ereignis in der Geschichte Roms. Der Hintergrund war häufig, dass es nur sechs Posten für Prätoren im republikanischen Rom gab. Aus diesem Mangel heraus konnte Einzelpersonen diese Karrierestufe immer wieder überspringen.

Der Cursus Honorum des Quintus Fabius Maximus wies jedoch auch eine echte Besonderheit auf. Trotz der Sperrfrist von zehn Jahren nach einem Konsulat, wurde er einmal bereits nach vier Jahren wieder gewählt.

Diese Wiederwahl ist ein starkes Indiz für das hohe Ansehen seiner Person in der römischen Gesellschaft. In anderen Fällen wie beispielsweise bei Gaius Gracchus konnte ein solcher Rechtsbruch auch tödlich enden.

Außerdem hatte Quintus Fabius Maximus auch Aufgaben als Priester. Er war sehr lange als Augur tätig und wurde im Laufe seiner Karriere auch zum Pontifex Maximus gewählt.

Quintus Fabius Maximus als römischer General

Krieg gegen Ligurer in Nord-Italien

Quintus Fabius Maximus war bereits während seines ersten Konsulats im Jahr 233 v. Christus als militärischer Führer gefragt. In der Po-Ebene fügte er den Ligurern eine herbe Niederlage zu. Diese zwang den Stamm, sich in die Alpen zurückziehen. Dafür erhielt der noch relativ junge Staatsmann bereits seinen ersten Triumphzug in Rom.

Im Anschluss an die Kämpfe gegen die Ligurer soll es zu einem diplomatischen Schlagabtausch mit Karthago gekommen sein. Den Puniern wurde unterstellt, die eigentliche Provokateure hinter diesem Krieg gewesen zu sein. Die Ligurer waren zu diesem Zeitpunkt eigentlich bereits unterworfen und hatten in den Jahre zuvor der römischen Armee schon Hilfstruppen gestellt.

Angriff des Hannibal Barkas auf Rom

Der Zweite Punische Krieg begann mit einem provozierten Überfall auf die spanische Stadt Sagunt durch punische Truppen. Zum genauen Verlauf der Ereignisse gibt es widersprüchliche Quellen. Doch Quintus Fabius Maximus soll zu einer Mission gehört haben, die anschließend noch letzte diplomatische Gespräche mit Karthago führte.

Für Hannibal Barkas stellte sich die Situation jedoch anders dar. Die Punier fürchteten eine maritime Großoffensive von Rom über das Mittelmeer gegen Karthago. Eine solche Attacke hätte im Jahr 219 v. Christus nicht abgewehrt werden können. Deshalb entschied sich der junge Feldherr für einen Schachzug, der den Verlauf des Zweiten Punischen Krieges bestimmen sollte.

Um den Angriff über das Mittelmeer abzuwenden, entschied sich der Feldherr von Karthago für einen Gewaltmarsch. Durch einen Landangriff auf Nord-Italien sollten die Kräfte der Römer gebunden werden. Dieser Teil seiner Rechnung ging auch tatsächlich auf.

Nach der legendären Überquerung der Alpen kam es ab 218 v. Christus zu einer Serie von katastrophalen Niederlagen. Dabei verloren die Römer jedoch nicht nur Männer und Material. Auch wichtige Bundesgenossen fielen von ihnen ab.

Nach der Schlacht an den Trasimenischen Seen wurde Quintus Fabius Maximus zum Diktator ernannt. Damit erhielt den alleinigen Oberbefehl über die römischen Truppen.

Strategie von Quintus Fabius Maximus Verrucosus

Nachdem gleich zwei römische Armeen an den Trasimensichen Seen vernichtet wurden, entschied sich Quintus Fabius Maximus für eine Strategie der Vermeidung von großen Schlachten. So wollte er Zeit gewinnen, um die römischen Streitkräfte wieder zu verstärken.

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Strategie von Quintus Fabius Maxiumus gegen Hannibal (ODbL)

Zu diesem Zweck ließ er seine verbliebenen Verbände die karthagische Armee flankieren, die sich entlang der Adria-Küste nach Süden bewegte. Den Apennin nutzten die Römer nun als eine Art geologischen Schutzschild, um einen Durchbruch der Karthager nach Rom zu verhindern.

Quintus Fabius Maximus begleitete Hannibal auf diese Art mit vier Legionen. Dabei ließ er zu, dass Samnium und dann Campanien geplündert wurden. Die römischen Legionäre lieferten sich dabei nur kleine Scharmützel mit den Karthagern. Dieses Manöver funktionierte aber vor allem deshalb, weil Hannibal inzwischen große Teile seiner schweren Infanterie verloren hatte.

Dennoch erinnert diese Strategie des Römers an die Guerillas des 20. Jahrhunderts wie beispielsweise unter der Führung von Mao Zedong. Dieser verlor in der Defensive auch mehr ca. 90 % seiner Truppen. Beide Generäle nutzten jedoch die zur Verfügung stehenden Räume sehr intensiv. So wurden unerwünschte Feindkontakte vermieden. Stattdessen ließ man sich nur auf solche Gefechte ein, die relativ sicher im Ausgang waren.

Quintus Fabius Maximus zeigte dabei ein großes Verständnis für die Vor- und Nachteile eines Geländes. Entsprechend teilte er seine Truppen auf. Dabei ging er durchaus auch soweit, beispielsweise die leichte und die schwere Infanterie komplett zu trennen. Er versah die Verbände mit ihren jeweiligen Fähigkeiten auch mit sich unterscheidenden taktischen Aufträgen. Dafür nutzte der römische General angepasste Formationen.

Darüber hinaus mühte sich Quintus Fabius Maximus um die diplomatischen Kontakte zu den keltischen Bundesgenossen. Parallel zu seinem militärischen Ansatz wollte der römische General vor allem auch den Nachschub an Kämpfern und Proviant für seine Feinde bedrohen.

Der Höhepunkt dieser Strategie sollte sein, dass die Karthager schließlich in Campanien eingekesselt werden können. Hannibal durchschaute jedoch schließlich diesen Ansatz. Durch eine Gegenbewegung konnte er sich der Einkesselung entziehen.

Politische Konsequenzen der Strategie der Vermeidung

Dass Quintus Fabius Maximus absichtlich die Plünderung von römischen Gebieten zuließ, hatte ihm bereits große Kritik eingebracht. Als Hannibal dem Kessel entkam, konnte sich der Zauderer politisch nicht mehr halten. Die zeitlich begrenzte Diktatur endete ohne Verlängerung.

Dabei muss man jedoch auch beachten, dass Quintus Fabius Maximus ein extrem machtbewusster Mensch war. Er schreckte nicht davor zurück, sich politische Feinde zu machen. Nach Plutarch demütigte er beispielsweise während seiner Zeit als Diktator den verbliebenen Konsul in der Öffentlichkeit.

Quintus Fabius Maximus verfügte in dieser Rolle nämlich über eine höhere Anzahl an Liktoren. Eines Tages begegnete er dann mit seiner Eskorte dem verbliebenen Konsul in den Straßen von Rom. Per Anweisung befahl er dem Konsul, alle seine Liktoren zu entwaffnen, die Insignien abzulegen und ihm als Privatperson den Respekt zu erweisen.

Nach dem Ende seiner Diktatur wurde Quintus Fabius Maximus deshalb regelrecht degradiert. Man verweigerte ihm zunächst den angemessen Befehl über eine Legion im Rang eines Legaten. Stattdessen musste er fortan als Militärtribun dienen, so als ob er ein junger Mann am Anfang seiner Karriere sei.

Die hochmütige römische Aristokratie forderte darüber hinaus nun ein offensives Vorgehen gegen die Karthager. Deshalb marschierten die Legionen am 02. August diesen Jahres in die größte Niederlage ihrer Geschichte. In der Schlacht von Cannae (216 v. Chr.) fielen ca. 70.000 toten Römern. Weitere 10.000 wurden gefangen genommen.

Rehabilitierung und erneute Wahlen zum Konsul

Quintus Fabius Maximus war ab 215 v. Christus in Apulien wieder als Kommandeur im Dienst. Dabei setzte der Zauderer wieder auf eine defensive Strategie der Ermattung.

214 v. Christus erreichte Quintus Fabius Maximus schließlich den Höhepunkt seiner Macht. Er wurde erneut in das Amt des Konsuls gewählt. Dabei soll er in seiner Doppelfunktion als Augur die Wahl im eigenen Sinne manipuliert haben.

Eroberung der Stadt Tarent

Im weiteren Verlauf des Zweiten Punischen Krieges erzielte der römische General jedoch auch einen bedeutenden offensiven Erfolg. Quintus Fabius Maximus sollte 209 v. Christus als Konsul die Stadt Tarent angreifen. Andere römische Feldherrn lenkten Hannibal und seine Hauptarmee ab. So konnte er die Stadt mit seinen Truppen einschließen.

In geheimen Gesprächen bestach Quintus Fabius Maximus eine kleine Gruppe innerhalb der Stadt. Diese öffneten dann heimlich die Tore. Nach dieser „Eroberung“ von Tarent ließ er aber alle Verräter hinrichten.

Quintus Fabius Maximus wollte sein Vorgehen verschleiern und verkündete einen sauberen Sieg. Die Beute und etwa 30.000 Sklaven kamen der Staatskasse und seinen Soldaten zu Gute.