Harald III. Hardråde – der letzte Wikinger

Harald III. Hardrade – „der Harte“ – wurde 1015 geboren. Er war ein Halbbruder von Olav dem Heiligen, einem norwegischen König, der in der Schlacht von Stiklestad erschlagen wurde. Das Reich fiel daraufhin zunächst an Dänemark.

Harald Hardrade Fensterbild Kirkwall Cathedral
Harald Hardrade – König von Norwegen (Colin Smith / CC-BY-SA 3.0)

Der damals erst 15 Jahre alte Harald Hardrade floh dann erstmal nach Schweden. Von dort aus zog es ihn weiter gen Osten nach Nowgorod und dann tiefer in das Reich der Kiewer Rus.

Auf den Handelsrouten der schwedischen Wikinger verschlug es ihn bis nach Byzanz. Dort diente er in der legendären Warägergarde, der Leibwache der Kaiser und machte Karriere als Offizier.

1042 kehrte Harald Hardrade als reicher Mann zurück in das nordische Großfürstentum am Dnepr. Er heiratete mit Elisabeth von Kiew eine Tochter des Herrschers aus dem Haus der Rurikiden.

Ab 1045 versuchte er seinen Anspruch auf den norwegischen Thron durchsetzen. Als König Magnus der Gute zwei Jahre später verstarb, konnte sich Harald Hardrade schließlich als König von Norwegen etablieren. Die inneren Machtkämpfe zur Durchsetzung seiner Herrschaft zogen sich jedoch noch deutlich länger hin.

Nachdem aber am 05. Januar 1066 der englische König Edward der Bekenner starb, verbündete sich Harald Hardrade im folgenden Thronstreit mit dem adeligen Toste Godwinson. Das war ein Bruder von Harald Godwinson, der ebenfalls die Krone beanspruchte.

Mit angeblich etwa 300 Schiffen segelte Harald Hardrade schließlich nach England und landete in der Nähe von York. Dort gewann er zunächst die Schlacht bei Fulford.

In der entscheidenden Schlacht von Stamford Bridge wurde Harald Hardrade jedoch getötet. Mit seiner gescheiterten Invasion begünstigte er allerdings den letztlich erfolgreichen Angriff von Wilhelm dem Eroberer.

In der letzten großen Schlacht des Jahres 1066 bei Hastings hatten die Angelsachsen nicht mehr ausreichende Reserven. Sie erlitten eine Niederlage, Harald Godwinson wurde getötet und die normannische Besetzung von England begann.

Die Folgen für die norwegischen Wikinger waren jedoch katastrophal. Nach dem Tod von Harald Hardrade in der Schlacht an der Stamford Bridge wurde das Königreich Norwegen unter seinen beiden Söhnen aufgeteilt.

Die Brüder verbrachten ihre Zeit jedoch mit Kämpfen gegeneinander. Es kam nie wieder zu großen Angriffen, weswegen das Jahr 1066 auch als das Ende der Wikingerzeit gilt.

Harald Hardrade im Osten

Harald Hardrade war ein Halbbruder von König Olav dem Heiligen von Norwegen. Der wurde in der Schlacht von Stiklestad im Jahr 1030 erschlagen.

Das war eine der bekanntesten Schlachten der norwegischen Geschichte: Der Kontext lag in der Christianisierung, obwohl zwei letztlich mehrheitlich christliche Heere aufeinander trafen. Die politischen Folgen waren jedoch erheblich, weil nicht nur der König erschlagen wurde, sondern Norwegen in der Folge an Dänemark fiel.

Der damals erst 15 Jahre alte Harald Hardrade floh anschließend zunächst nach Schweden. Von dort aus folgte er der Route nach Osten und kam über Nowgorod ins das Reich der Kiewer Rus.

Dort war man längst mit den Wikingerschiffen über die Flüsse bis zum Schwarzen Meer vorgestoßen und stand im Austausch mit Byzanz. Der junge Harald Hardrade zog bis dorthin weiter und begann eine Karriere im Dienst der Kaiser am Bosporus.

Offizier der Warägergarde

Die Warägergarde war eine nordische Elite-Einheit zum Schutz der byzantinischen Kaiser. Sie entstand im Jahr 988 mit der Entsendung von 6.000 Mann durch einen Fürsten der Kiewer Rus zum Schutz von Basileios dem Bulgarentöter.

Harald Hardrade diente dann seiner Zeit in Byzanz gleich unter mehreren Kaisern. In der Warägergarde hatte er zunächst den Rang eines Manglabites, womit er bereits ein hervorgehobenes Mitglied war.

Für seine Beteiligung an einem erfolgreichen Feldzug gegen den Bulgarenaufstand von 1040/41 wurde Harald Hardrade zum Spatharokandidatos befördert, einem Offizier der Warägergarde.

König Harald III. von Norwegen

1042 kehrte Harald Hardrade als reicher Mann in das Fürstentum der Rurikiden am Dnepr zurück. Dort heiratete er mit Elisabeth von Kiew die Tochter von Großfürst Jaroslaw dem Weisen.

Nachfolger von Magnus I.

Harald III. Hardrade Münze
Münze von König Harald III. Hardrade von Norwegen (C. I. Schive / gemeinfrei)

Das dänische Haus der Jellinge hatte zuletzt unter der Führung von Knut dem Großen über ein nordisches Großreich geherrscht. Mit dessen Tod am 12. November 1035 zerfiel dieses Imperium der Wikinger.

Als zentraler Nachfolger kristallisierte sich Magnus der Gute zunächst als König von Norwegen heraus. Das war ein Sohn von Olav dem Heiligen und damit auch der Neffe von Harald Hardrade.

Ab 1042 regierte Magnus der Gute über Dänemark, nachdem er dort einmarschierte und zahlreiche Kämpfe gewonnen hatte. Sein zentraler Gegner in dieser Phase war der dänische Sven Estridsson aus dem Haus der Jellinge, einem Urenkel von Harald Blauzahn.

1047 hatte Magnus der Gute einen tödlichen Reitunfall und das Großreich zerfiel wieder. Sven Estridsson wurde König in Dänemark und Harald Hardrade in Norwegen.

Als norwegischer König ließ er Münzen mit seinem Angesicht prägen. Aber vor allem führte Harald Hardrade viele Kriegszüge innerhalb seines Reiches, um sein Heer zu unterhalten und Privilegien von einzelnen Regionen abzubauen.

1050 führte Harald Hardrade die Zerstörung von Haithabu im heutigen Schleswig-Holstein an. In der Folge floh Sven Estridsson nach Schweden und scheiterte mit zahlreichen Attacken gegen den norwegischen König.

Darüber hinaus hatte Harald Hardrade seine Konflikte mit der Kirche. Er setzte Bischöfe ein, die nicht geweiht waren und nutzte Opfergaben zur Finanzierung seiner Armee.

Gründung von Oslo

Zur Zeit von Harald Hardrade lag der Meeresspiegel etwa vier bis fünf Meter niedriger. Der heutige Oslo-Fjord war damals eine breite Bucht, die für Schiffe gut erreichbar war.

Obwohl spätestens unter Harald Blauzahn auch ein militärischer Stützpunkt dort errichtet wurde, gilt Harald Hardrade dennoch als Gründer der heutigen Hauptstadt von Norwegen.

Harald „der Harte“ in England

Von 1042 bis zu seinem Tod am 05. Januar 1066 regierte Edward der Bekenner als angelsächsischer König von England. Nach seinem Ableben entbrannte ein blutiger Thronstreit.

In drei großen Schlachten kämpften der Earl of Wessex Harald Godwinson, der norwegische König Harald Hardrade und der Herzog der Normandie Wilhelm der Eroberer um den Thron.

Dieses Triell dreier Fürsten wurde jedoch auch maßgeblich von einem Bruderzwist geprägt. Es war nämlich mit Toste Godwinson der Bruder des Earl of Wessex, der Harald Hardrade nach England holte, um selbst Earl zu werden.

Der formale Anspruch wurde dann aus einem Erbe von Knut dem Großen abgeleitet, der über das nordische Großreich geherrscht hatte.

Der norwegische König brach deshalb mit bis zu 300 Schiffen auf. Nach einem Zwischenstopp auf den Orkney Inseln landete Harald Hardrade im September 1066 in der nähe von York.

Die Hauptstreitkraft der Angelsachsen unter Harald Godwinson eilte daraufhin in einem Gewaltmarsch vom Süden in den Norden von England. Die erste große Schlacht sollten sie jedoch verpassen.

Schlacht bei Fulford

Die überlieferten Details zur Schlacht bei Fulford sind zumindest teils widersprüchlich. Relativ klar ist jedoch, wer sich gegen wen stellte und was die Folgen waren.

Die Brüder Morcar (Earl of Northumbria) und Edwin (Earl of Mercia) mobilisierten ihre Aufgebote und stellten sich den Norwegern zur Schlacht, bevor die angelsächsische Unterstützung unter Harold Godwinson in der Region eintraf.

In der Schlacht bei Fulford am 20. September 1066 etwa drei Kilometer südlich von York trafen dann etwa 8.000 Krieger unter dem Befehl von Harald Hardrade auf etwa 5.000 Mann unter Edwin und Morcar.

Die zahlenmäßig überlegenen Nordmänner konnten sich wohl noch dazu auf einer Anhebung auf dem Schlachtfeld positionieren und ließen sich dort von den Angelsachsen attackieren. Der Angriff soll auf dem rechten Flügel von Edwin eröffneten worden sein.

Dort gewannen die Angelsachsen gegen Harald Hardrade zunächst an Boden. Dies sollte sich jedoch als fatal verweisen. Die Norweger konnten durch eine Verlagerung der Truppen ihre Linie stabilisieren.

Diese Offensive der englischen Verteidiger führte so zu einer Überdehnung ihrer Linie, die in einer Zerschlagung der Streitkraft mündete. Damit gewann Harald Hardrade zunächst die Region um York, doch die eigentliche Entscheidung sollte fünf Tage später fallen.

Schlacht von Stamford Bridge

Harald Hardrade unterschätzte dramatisch das Tempo von Harald Godwinson. Als fünf Tage nach der Schlacht bei Fulford das angelsächsische Heer in der Nähe von York auftauchte, war den Norwegern zunächst gar nicht klar, wer das überhaupt war.

Die Armee von Harald Hardrade war zu diesem Zeitpunkt sogar auf zwei Lager verteilt. Eine große Abordnung war nämlich zur Sicherung der Schiffe an der Küste abgestellt.

Obwohl Harald Hardrade eigentlich meinte, den Überraschungseffekt auf seiner Seite zu haben, wurde er durch den Gewaltmarsch der Angelsachsen auf dem falschen Fuß erwischt. Er stellte sich dann wohl aus Angst um seine Reputation zur Schlacht von Stamford Bridge.

Doch zunächst hatte Harald Hardrade das Glück auf seiner Seite: Ein Wikinger stellte sich auf der Stamford Bridge dem feindlichen Heer entgegen. Selbst die Angelsachsen berichten, dass er 40 Krieger tötete, bevor er niedergestreckt werden konnte.

So hatten die Norweger zumindest etwas Zeit gewonnen, um sich zur Schlacht aufzustellen. Der genaue weitere Verlauf ist unklar, war jedoch sehr blutig und brachte Harald Hardrade und Tostig Godwinson den Tod. Je nach Quelle starb der König der Norweger durch einen Pfeil oder durch einen Stich in den Hals.

Doch auch die Tage von Harald Godwinson waren gezählt. Nur drei Wochen später fand er selbst den Tod in der Schlacht bei Hastings und Wilhelm der Eroberer ging als großer Sieger aus dem Jahr 1066 hervor.

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