Attila

Attila der Hunnenkönig (5. Jhd.)

Attila war in der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts n. Christus der König der Hunnen. Das kriegerische Reitervolk war aus den alten Siedlungsräumen gen Westen gezogen. Dabei löste sie einen Migrationsdruck aus, der zu einer europaweiten Völkerwanderung führte.

Die Hunnen kamen von jenseits des Schwarzen Meeres stürmten unter der Führung von Attila bis nach Frankreich und Italien.
Karte der Wanderung der Hunnen von 375 bis 452 n. Chr. sowie der Angriffe von Attila (ODbL).

Zahllose germanische Völker wichen den Hunnen und gaben ihrerseits den Druck auf das zerfallende römische Reich weiter. Schon zu Beginn des Jahrhunderts litt die italienische Halbinsel unter marodierenden Goten.

Im eiskalten Winter von 406/7 n. Christus fiel eine weitere wichtige Grenze des weströmischen Reiches. Die Vandalen überquerten den Rhein und plünderten in Gallien. Schließlich nahmen sie erst Spanien und dann sogar den Norden von Afrika ein.

Doch mit Attila erhob sich ein besonders energischer König der Hunnen. Unter seiner Führung entwickelten die Reiterhorden ihre größte räumliche Ausdehnung. Er führte zahlreiche blutige Feldzüge und war eine zentrale Figur der Völkerwanderungszeit.

Darüber hinaus entwickelte sich der Königshof von Attila zu einem der wichtigsten Zentren seiner Zeit. Zahlreiche große Persönlichkeiten des gesamten Jahrhunderts wuchsen als Geiseln bei den Hunnen auf und lernten sich dort persönlich kennen.

Außerdem bildete Attila sehr wahrscheinlich die historische Vorlage für König Etzel aus der Nibelungen-Saga.

Die Völkerwanderung ab 375 n. Christus

Die Hunnen waren ein nomadisches Volk aus Zentralasien. Die genaue Herkunft des Volkes kann jedoch nicht verortet werden. Heutige Staaten in dieser Region sind Kasachstan, Kirgisistan, Usbekistan, Tadschikistan oder auch Turkmenistan.

Etwa ab 375 n. Christus setzten sich die Hunnen aus ihren angestammten Gebieten in Bewegung. Sie fegten wie ein Sturm nach Osteuropa hinein. Dabei vertrieben sie jedoch zahllose Goten. Diese wiederum zogen in Richtung des römischen Reiches.

Doch die Hunnen stießen noch weiter vor und ließen sich schließlich im Bereich des heutigen Rumänien und der ungarischen Tiefebene nieder. Ihr Schwerpunkt lag nördlich der Donau. Dies war bis dahin der Siedlungsraum der Vandalen gewesen.

Insgesamt setzten sich binnen weniger Jahrzehnte zahllose Stammesverbände mit Kind und Kegel in Bewegung. Das stabilere oströmische Reich konnten den Migrationsdruck jedoch größtenteils in Richtung des weströmischen Reiches ablenken.

Deshalb setzten schon früh die ersten Angriffe ein, nicht nur auf Gallien, sondern auch auf das italienische Mutterland des römischen Reiches. Bereits in den frühen Jahren des 5. Jahrhunderts konnten insbesondere die gotischen Verbände mehrfach in den reichen Norden der Halbinsel eindringen.

Im Jahr 410 n. Christus wurde dann auch die ewige Stadt Rom geplündert, erstmals wieder nach mehr als 800 Jahren. Doch auch die Hunnen standen in einem ambivalenten Verhältnis zu den Römern. Meist waren beide Seiten an einer Zusammenarbeit interessiert.

Aufbau des Hunnenreiches an der Donau

Die Hunnen waren ein lockerer Verbund von Nomaden. Ihre besondere strategische Stärke war die hohe Mobilität der berittenen Krieger. Darüber hinaus verfügten die Kompositbögen des Reitervolkes über eine hohe Durchschlagskraft, vor allem wenn die Pfeile vom Rücken eines galoppierenden Pferdes abgefeuert wurden.

Doch mit der Beweglichkeit der Hunnen ging auch ihre größte Schwäche einher. Sie waren nicht in der Lage, sich ausreichend selbst zu versorgen, wie es niedergelassene Völker können.

Deswegen mussten sowohl Attila wie auch seine Vor- und Nachfolger ihren Kriegern stets Gratifikationen bieten. Diesen Erwartungsdruck der hunnischen Krieger gaben ihre Anführer in Form von Erpressungen an ihre Nachbarn weiter.

Wenn die Nachbarvölker der Hunnen, wie beispielsweise das west- und das oströmische Reich, in Frieden leben wollten, mussten sie Schutzgelder an die Hunnen abtreten. Sobald solche Zahlungen ausblieben, kam es meist sehr schnell zu Angriffen auf die betreffenden Nachbarn.

Die Hunnen waren deshalb nie in der Lage, ein ausgeprägtes Staatswesen zu errichten. Ihre Gebiete erreichten unter Attila zwar ihre größte Ausdehnung, doch das Hunnenreich fiel schon bald nach seinem Tod in sich zusammen.

Für die Hunnenkönige bedeutete dies ein stetiger Erfolgsdruck. Ihre Stellung beruhte auf militärischem und politischem Erfolg. Wenn dieser ausblieb, litt auch die Stellung des Anführers.

Dennoch waren sowohl Konstantinopel wie auch der weströmische Kaiserhof in Mailand, später Ravenna, an guten Beziehungen zu den Hunnen interessiert. Wesentliche Teile der römische Elite lebten dort zumindest zeitweise als Geiseln.

Attila und Bleda (ab 434 n. Chr.)

Die Hunnen waren ein zersplittertes Volk. Doch dem Onkel von Attila gelang es, große Verbände zu vereinen. Nach dessen Tod im Jahr 434 n. Christus übernahmen Attila und sein älterer Bruder Bleda die Führung und gingen diesen Weg weiter.

Doch die Brüderliebe der beiden Hunnen ging am Ende doch nicht so tief. Im Jahr 445 n. Christus ließ Attila seinen Bruder Bleda ermorden. Der Name des Getöteten überlebte jedoch.

Die ungarische Version von Bleda heißt Buda und wurde zum Namensgebers der ehemaligen Stadt Buda, heute Budapest.

Attila als Alleinherrscher (ab 445 n. Chr.)

Nachdem sich Attila an die Spitze des kriegerischen Volkes gestellt hatte, zeigten sich schnell seine Ambitionen. Zu den Römern und insbesondere zum Heermeister Flavius Aëtius pflegte er zunächst gute Beziehungen.

Dieser sorgte auch dafür, dass die Römer zuverlässig ihre Zahlungen an die Hunnen entrichteten. Doch schon bald nahm Attila auch Kontakt zu Geiserich auf, dem König der Vandalen. Dieser machte es den Römern ebenfalls sehr schwer.

Der germanische Volksstamm hatte nämlich die getreidereiche Provinz in Nordafrika eingenommen und bedrohte das Reich von Westen her. Auch das Verhältnis zum oströmischen Reich wurde zusehends problematischer.

Krieg in Griechenland (ab 447 n. Chr.)

Konstantinopel weigerte sich schließlich, weitere Zahlungen an die Hunnen zu leisten. Deshalb kam es schon 447 n. Christus zum offenen Krieg. Dabei gelang es Attila, bis tief nach Griechenland vorzustoßen.

Attila zeigte seine Begabung als Feldherr und fügte dem oströmischen Reich eine schwere Niederlage zu. Die Hunnen ließen eine Spur der Verwüstung hinter sich und versklavten die örtliche Bevölkerung.

Konstantinopel musste schließlich einem schmählichen Frieden zustimmen. Die Vereinbarung sah die Lieferung von einer einmaligen Summe sowie regelmäßigen Zahlungen an Gold vor.

Der Erfolg war vor allem auch mit sehr viel Prestige verbunden. Attila erreichte mit diesem Sieg über das oströmische Reich den Höhepunkt seiner Macht.

Krieg in Gallien (451 n. Chr.)

Nach seinen Erfolgen in Griechenland waren Attila und die Hunnen bereit für mehr. Ab dem Jahr 449 n. Christus kam es zu diplomatischen Spannungen zum weströmischen Reich, wobei die historischen Gründe nicht eindeutig belegt sind.

Auf jeden Fall kam es zum Bruch zwischen Attila und seinem alten Kontaktmann, dem römischen Heermeister Flavius Aëtius. Ab dem Jahr 451 n. Christus zogen die Hunnen plündernd durch Germanien und Gallien.

Straßburg, Worms, Mainz, Köln, Trier, Metz, Reims und Paris gingen unter dem Ansturm des Hunnenkönigs in Flammen auf. Erst die Stadt Orléans konnte sich erfolgreich gegen eine Belagerung wehren.

In der Zwischenzeit war es Flavius Aëtius gelungen, ein kleines Wunder zu fabrizieren. Trotz aller Defizite konnte er ein römisches Heer zu organisieren.

Mit der Unterstützung von gotischen und fränkischen Hilfstruppen gelang schließlich der große Überraschungssieg in der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern.

Doch die Römer konnten mit diesem Sieg die endgültige Niederlage ihres weströmischen Reiches nur noch verzögern. Es war ein Merowinger, der die Franken in die Schlacht führte und für seine Dienste mit römischen Waffen ausgestattet wurde.

Dieser Machtgewinn ermöglicht es nur 35 Jahre später, dass Frankenreich auf dem Gebiet der letzten römischen Provinz in Gallien zu gründen. Aber auch unmittelbar war den Römern nicht mehr groß geholfen.

Die Schlacht war so verlustreich, dass das weströmische Reich militärisch praktisch nicht mehr reagieren konnte. Die Konsequenz zeigte sich schon bald und Westrom war nun endgültig auf germanische Krieger angewiesen, um dass Heimatland zu verteidigen.

Krieg in Italien (452 n. Chr.)

Nach der Niederlage gegen Flavius Aëtius in Gallien gab sich Attila nämlich nicht geschlagen. Schon im folgenden Jahr attackierte er Italien direkt. Die Römer waren so geschwächt, dass sie die strategischen Engpässe zur Halbinsel nicht mehr verteidigen konnten.

Die Stadt Aquileia fiel sofort in die Hände des Hunnenkönigs. Auch der Vormarsch in die Poebene konnte nicht gestoppt werden. Neben Mailand fielen auch die Städte Bergamo, Padua und Verona.

Doch der Angriff der Hunnen verlor im relativ dicht besiedelten Italien schnell an Wucht. Außerdem soll es ein Gespräch zwischen Attila und dem damaligen Papst gegeben haben. Angeblich brachte dieser den Hunnenkönig dazu, sich zurückzuziehen.

Aber die tatsächliche Entwicklung war wohl eine andere. Die Hunnen hatten während ihres Feldzuges nach Italien nämlich unter großen Versorgungsproblemen und Seuchen zu leiden. Tatsächlich dürfte es außerhalb der militärischen Möglichkeiten von Attila gewesen sein, in Italien noch ernsthaft Schaden anzurichten.

Umgekehrt war es für die Römer wohl sehr attraktiv, die Hunnen mit einer Zahlung von Lösegeld möglichst schnell aus dem Land befördern zu können. Entsprechend kann man von einem finanziellen Deal ausgehen, der zum Ende des Krieges in Italien führte.

Aber die Römer fanden keine mehr Ruhe mehr. Nur drei Jahre später würden die Vandalen in Italien einfallen und Rom plündern. Nur drei Jahrzehnte später würde mit Odoaker der erste Germane in Italien herrschen.

Tod von Attila & Folgen (453 n. Chr.)

Im Jahr 453 n. Christus verstarb der Hunnenkönig Attila in seiner Hochzeitsnacht. Die Glückliche war eine germanische Nebenfrau namens Ildico. Der Legende nach erlitt Attila in der Nacht einen Blutsturz.

Aufgrund eines exzessiven Lebens und vor allem in Kombination mit einem lebenslangen Konsum von rauen Mengen Alkohol können in der Bauchwand und der Speiseröhre lebensgefährliche Blutungen entstehen, die Attila angeblich zum Verhängnis wurden.

Dem steht entgegen, dass Attila von Zeitgenossen als asketischer Mensch beschrieben wurde, was den Verdacht auf Vergiftung aufwarf. Sein Erbe sollte jedoch keinen Bestand haben.

Nur kurz nach dem Tod von Attila zersetzte sich sein Reich. Weniger wichtige Anführer aus der Zeit des großen Hunnenkönigs gründeten schnell eigene Machtzentren und splitterten sich ab.