Marcus Licinius Crassus

Marcus Licinius Crassus – der Reiche

Marcus Licinius Crassus wurde 115 oder 114 v. Christus geboren. Er galt als der reichste Mann in Rom und war ein einflussreiches Mitglied des römischen Senats.

Beispielsweise laut Marcus Tullius Cicero trug er deshalb den Beinamen „dives“ – der Reiche. Zweifellos erbte Marcus Crassus ein großes Vermögen und nutzte auch jede Chance, um sich persönlich zu bereichern.

Auf seiner eigenen Ämterlaufbahn wurde Marcus Licinius Crassus im Jahr 73 v. Christus zum Prätor ernannt. Ein Jahr später konnte er auch militärischen Ruhm im Kampf gegen Spartakus erringen. In der Folge gelang ihm die Wahl zum Konsul.

Ein Jahrzehnt später machte Crassus dann als Geldgeber des Triuumvirats mit zwei prominenten Figuren der untergehenden römischen Republik gemeinsame Sache:

Auf einem Feldzug gegen die Parther führte Marcus Licinius Crassus schließlich sechs Legionen im Jahr 53 v. Christus in eine vernichtende Niederlage. Er selbst und seinen Sohn wurden dabei getötet.

Aufstieg einer römischen Dynastie

Ur-Ahn des Marcus Licinius Crassus

Die Familie von Marcus Licinius Crassus gehörte seiner Zeit zum hohen Adel des alten Rom. Die älteste Erwähnung eines Angehörigen des Gens Licini war er ein Konsulartribun in den Jahren 400 und 396 v. Christus mit dem Namen Publius Licinius Calvus Esquilinus.

Tribuni militum consulari potestate

Dabei handelte es sich um eine Sonderform des Ranges eines Militärtribunen aus der Zeit der frühen römischen Republik. Es waren „Militärtribune mit konsularischer Gewalt“.

Diese wurden in den Jahren von 444 bis 367 v. Christus anstatt der Konsuln gewählt. Der politische Hintergrund war, dass in dieser Zeit viele schwere Kämpfe zu führen waren.

Durchbruch der Licinier

Anstelle von zwei Konsuln aus der Oberschicht wurden deshalb für jedes Jahr insgesamt sechs solcher Konsulartribune gewählt. Diese konnten auch aus niederen Schichten der Gesellschaft stammen.

Während der zweiten Amtszeit des Ur-Ahns von Marcus Licinius Crassus stammten sogar vier Konsulartribune aus den Reihen der Plebejer. Die höchste Gewalt lag in diesem Jahr jedoch bei Marcus Furius Camillus.

Der Politiker und General galt für seine ruhmreiche Karriere und großen militärischen Erfolge als der „zweite Gründer Roms“. Er war in diesem Jahr und insgesamt sogar fünfmal als römischer Diktator eingesetzt worden.

Für die Nachwelt erlangte Marcus Camillus später auch besondere Bedeutung für seine Vertreibung der Gallier unter Brennus nach der Plünderung von Rom im Jahr 387 v. Christus. Diese hatten die ganze Stadt bis auf das Capitol eingenommen.

Doch während der zweiten Amtszeit des Ur-Ahns von Marcus Licinius Crassus suchte dieser angeblich einen Konflikt mit Camillus. Es ging um die Beute aus der Plünderung der Stadt Veji. Nach Titus Livius soll die Intervention des Konsulartribuns zur Verteilung der Güter an die Bevölkerung geführt haben.

Seit diesen Tagen soll das Geschlecht der Licinier deshalb in hohem Ansehen gestanden haben. Die wissenschaftliche Prüfung hat jedoch zahlreiche Fehler und auch unplausible Angaben in diesem Gründungsmythos der Familie von Marcus Licinius Crassus ergeben.

Unterlinie der Licinii Crassi

Die Familie des Marcus Licinius Crassus erhielt im 2. Punischen Krieg einen weiteren Schub an Bedeutung. Besonders vorteilhaft für die Dynastie war dabei, dass Hannibal Barkas jahrelang mit seinen Truppen in Italien stand. Dabei fügte er der römischen Armee zahlreiche vernichtende Niederlagen zu.

Mit Publius Licinius Crassus Dives stellte die Dynastie ab dem Jahr 212 v. Christus den Pontifex Maximus, den obersten Priester. In dieser bedrohlichen Zeit erhielt der Mann aufgrund seiner klerikalen Funktion deshalb auch eine besonders hohe Aufmerksamkeit. Darüber hinaus war er mit Scipio Africanus befreundet.

In den folgenden Jahren wurde er noch zum Zensor und später zum Konsul gewählt. Mit diesem Publius Licinius Crassus Dives hatte sich eine neue Unterlinie der Licinii etabliert – die Licnii Crassi.

Dieser Pontifex Maximus und spätere Konsul war auch die erste Person aus der Dynastie des Marcus Licinius Crassus, die den Beinamen „der Reiche“ trug. Er hatte das Vermögen geerbt. Wie jedoch dieses Geld erzeugt wurde oder in welchem Wirtschaftszweig die Licinii Crassi tätig waren, scheint unbekannt zu sein.

Die neue Unterlinie stellte dann über die Strecke des 2. Jahrhunderts v. Christus eine Reihe von Konsuln. Der ungeheure Reichtum der Familie konnte dabei über mehrere Generationen hinweg erhalten bleiben.

An der Seite von Sulla

Der Vater von Marcus Crassus war 97 v. Christus ein Konsul der römischen Republik. In den Wirren des Bürgerkrieges hatte er sich auf die Seite von Lucius Cornelius Sulla gestellt und blieb dieser Linie treu.

Ein Anhänger des Gaius Marius erschlug im Jahr 87 v. Christus deshalb den Bruder von Marcus Licinius Crassus. Der Vater nahm sich in diesem Zusammenhang ebenfalls das Leben. Damit rückte der junge Aufsteiger als Oberhaupt der Familie nach.

Marcus Crassus – ein antiker Oligarch

Der junge Marcus Licinius Crassus konnte nach dem Tod des Vaters und des Bruders aus Rom fliehen. Er zog sich nach Spanien zurück und baute dort eine eigene kleine Armee auf.

Daraufhin schloss er sich Lucius Cornelius Sulla an und kämpfte an dessen Seite im Bürgerkrieg. Dabei konnte Marcus Crassus als Offizier einige Verdienste erringen.

Doch seine wahre Begabung lag in der Vermehrung von Geld. Einer Legende zufolge floh er mit 300 Talenten aus Rom. Am Ende seiner Laufbahn besaß er 7.100 Talente.

(Ein Talent ist eine sehr alte Maßeinheit verschiedener Kulturen. Übersetzt bedeutet es soviel wie „Traglast eines Mannes“. Grob geschätzt handelt es sich bei einem römischen Talent, das zugleich auch 100 Libra entspricht, um etwa 32,5 kg.)

Crassus und die Proskriptionen

Im Jahr 83 v. Christus konnten die Optimaten schließlich die Macht in Rom erringen. In der Folge errichtete Sulla seine Diktatur und es kam zu zahlreichen politischen Verfolgungen – den Proskriptionen.

Dabei wurden Namen öffentlich „ausgeschrieben“. Dies entsprach der Ächtung im römischen Recht. Die betroffenen Personen konnten straflos getötet werden. Eigentlich sollte das Vermögen in einem solchen Fall an den Staat fallen.

Marcus Licinius Crassus gehörte dabei zu jenen Anhängern des Diktators, die das System zu ihrem eigenen Vorteil nutzten. Dabei soll Crassus so rücksichtlos vorgegangen sein, dass er das persönliche Missfallen von Sulla erregte.

Diese persönlichen Bereicherungen im Zuge der Proskriptionen hinterließen tiefe Wunden in der römischen Gesellschaft. Mit dem Ende des einen Bürgerkrieges wurde bereits die Basis für den nächsten Bürgerkrieg gelegt.

Sklaven als billige Fachkräfte

Marcus Licinius Crassus war jedoch auch sehr geschickt darin, legale Geschäfte zu betreiben. Er ließ beispielsweise Sklaven zu Facharbeitern fortbilden.

Diese bot er dann als billige Konkurrenz zu freien Handwerkern an. Doch seine Handwerker hatten darüber hinaus auch die Aufgabe, im Wechselspiel mit der privaten Feuerwehr von Marcus Licinius Crassus zu funktionieren.

Private Feuerwehr

Im alten Rom kam es regelmäßig zu Bränden. Diese vernichteten auch immer wieder ganze Stadtviertel. Die Vigiles als erste öffentlich-kommunale Feuerwehren wurden erst unter Kaiser Augustus aufgebaut.

Doch während der späten Republik betrieben private Anbieter wie Marcus Licinius Crassus die Feuerwehren. Diese gingen dabei äußerst robust gegen Konkurrenten vor.

Es kam zu Straßenschlachten zwischen den privaten Feuerwehren, um sich lukrative Aufträge zu sichern. Eine weitere Methode war das Erpressen der Immobilien-Besitzer vor dem Löschen der Brände.

Crassus soll dabei soweit gegangen sein, dass er seine Handwerker gezielt als Brandstifter einsetzte. In anderen Fällen sicherte seine private Feuerwehr den Folgeauftrag zur Renovierung für die Handwerker.

Für Marcus Licinius Crassus ergab sich so ein lukratives Wechselspiel seiner beiden Wirtschaftszweige. Doch der Oligarch strebte auch nach politischer Macht.

Crassus gegen Spartakus

Im Jahr 83 v. Christus war Marcus Licinius Crassus zum Prätor gewählt worden. Damit hatte er bereits eine sehr bedeutende Stufe der Ämterlaufbahn erklommen.

Nur wenig später kam es zu einer Erhebung in einer Gladiatorenschule in Capua. Unter der Führung von Spartakus tobte ab 82 v. Christus der 3. Römische Sklavenkrieg in Italien.

Nach einer Reihe von peinlichen Niederlagen wurde der Oberbefehl auf Marcus Licinius Crassus übertragen. Dieser konnte die Sklaven zurückdrängen und in der Schlacht von Lukanien schließlich besiegen.

Im späteren Verlauf des Feldzuges erhielt Marcus Crassus dabei Unterstützung von seinem späteren Bündnispartner. Aus Spanien war Gnaeus Pompeius Magnus herbeigeeilt und erwischte mit seinen Legionen die letzten Überlebenden.

Als Mahnung ließ Marcus Crassus dann 6.000 gefangene Sklaven entlang der Via Appia zwischen Capua und Rom ans Kreuz schlagen. Bei einer gleichmäßigen Verteilung auf einer Straßenseite entsprach dies einem Kreuz alle 30 bis 35 Meter.

Für die beiden erfolgreichen Generäle wurde der Sieg bei Lukanien zum politischen Sprungbrett. Ein Jahr später wurde sie zusammen die Konsuln der römischen Republik.

Marcus Crassus – der Triumvir

Doch Marcus Licinius Crassus gelang es nicht, einen dauerhaften Einfluss von besonderem Rang aufzubauen. Fünf Jahre nach seinem Konsulat wurde er zwar zum Zensor ernannt. Aber trotz seiner wirtschaftlichen und militärischen Erfolge stockte das Wachstum der politischen Macht von Crassus.

Triumvirat mit Cäsar und Pompeius

Einige Jahre später ergab sich für Marcus Crassus jedoch eine ganze neue Chance, seinen politischen Einfluss weiter auszubauen. Ein ehrgeiziger Aufsteiger suchte einen Geldgeber für seine Kandidatur für eine Amtszeit als Konsul – Gaius Julius Caesar.

Auf dessen Initiative hin schloss sich auch ein alter Bekannter und zugleich der erfolgreichste General dieser Zeit dem Bündnis an. Zusammen mit Gnaeus Pompeius Magnus bildeten sie das 3er-Bündnis, das Triumvirat. In sich vereinigten sie die drei wichtigsten Sphären der römischen Republik:

  • Politik
  • Militär
  • Geld

In der Forschung spricht man dabei vom Ersten Triumvirat. Fast zwei Jahrzehnte später gab es dann nämlich noch ein anderes Männer-Bündnis in einer anderen Besetzung.

Das Bündnis von Marcus Crassus mit Pompejus und Cäsar war erfolgreich. Die Wahl für das Jahr 60 v. Christus zum Konsul gelang. Obwohl der junge Gaius Julius Caesar mit seinem politischen Talent zunächst nur als Gesicht des Bündnisses fungieren sollte, entwickelte er später in Gallien schnell eine eigene Machtbasis.

Bei zwei Treffen in Ravenna und Lucca im Jahr 56 v. Christus wurde das Triumvirat deshalb verlängert. Nun ging es darum, die Wahl von Crassus und Pompejus als Konsuln zu erzielen.

Cäsar wiederum sollte weitere fünf Jahre lang, in Gallien als Prokonsul seine Interessen verfolgen können. Doch bereits drei Jahre später kam es nach dem Tod von Marcus Crassus im Partherkrieg im Jahr 53 v. Christus auch zum Ende dieses ersten Triumvirats.

Tod im Krieg gegen die Parther

Nachdem Marcus Licinius Crassus im Jahr 55 v. Christus zum Konsul gewählt worden war, wollte er seinen militärischen Ruhm steigern. Er versuchte in diesem Bereich mit seinen legendären Partnern gleichzuziehen.

Er begann deshalb umgehend mit der Rekrutierung von Truppen. Dabei musste Marcus Licinius Crassus gegen den Widerstand des Senats und der breiten Bevölkerung ankämpfen. Darüber hinaus zeigte das anvisierte Partherreich keinerlei Aggressionen.

Deshalb begann der Feldzug erst im Jahr 54 v. Christus. Ursprünglich führte Marcus Crassus wohl sieben Legionen und weitere Hilfstruppen über die Provinz Syrien gegen das Reich der Parther im heutigen Irak und Iran.

Zunächst überquerten sie den Euphrat und konnten weit vorstoßen. Dabei ließ Marcus Crassus einen Teil seiner Truppen als Besatzungskräfte zurück. Ein wesentlicher Grund für diese schnellen Erfolge war jedoch, dass der neue König Orodes II. seine Herrschaft noch nicht vollständig konsolidiert hatte.

Aber Marcus Crassus hatte bereits zwei schwere Fehler gemacht. Er hatte nur 4.000 Kavalleristen mitgebracht, um ein Reitervolk zu besiegen. Dann schwächte er seine Hauptstreitmacht durch die Verteilung von Besatzungstruppen.

Im Winter stieß deshalb noch sein Sohn Publius Lincinius Crassus mit 1.000 keltischen Reitern zu ihm. Doch er würde letztlich nur auf Befehl seines hochmütigen Vaters sterben.

Der parthische König Orodes II. hingegen konnte die Wintermonate sehr viel besser nutzen und große Kavallerieverbände aufbauen. Außerdem zeigte der neue König der Parther viel Weisheit. Er übertrug den Oberbefehl von sich auf den Kriegsherrn Surena.

Im Frühjahr des Jahres 53 v. Christus verweigerte Surena dann dem vorrückenden Marcus Crassus zunächst die Entscheidungsschlacht. Dafür attackierten große Reiter-Verbände die verteilten Besatzungstruppen.

Schlacht von Carrhae († 53 v. Christus)

So lockte Surena mit nur 10.000 Reitern die römische Armee in eine offene, wüstenartige Gegend. Im Süden der Türkei, etwa 30 Kilometer vom heutigen Harran entfernt, kam es dann zur Schlacht von Carrhae.

Sechs Legionen bildeten daraufhin ein Karee in der Wüste. Die quadratische Formation hatte eine Kantenlänge von jeweils 12 Kohorten, als die Parther über sie herfielen. Die erste Welle, einen Frontal-Angriff der schweren parthischen Kavallerie konnten sie noch abwehren.

Dann fiel Marcus Crassus auf eine Rückzugsbewegung von Surena herein. Er gab seinem Sohn auf dem rechten Flügel einen fatalen Befehl: Publius Lincinius Crassus setzte mit acht Kohorten sowie Reitern und Bogenschützen nach.

Sie ließen sich vom Hauptverband trennen, wurden eingekesselt und aufgerieben. Der schwer verletzte Sohn ließ sich von einem Sklaven töten. Die Parther zirkulierten daraufhin mit ihrer Bogen-Kavallerie bis zur Nacht um den Rest der römischen Formation. Zu diesem Zweck ließ Surena wohl mit 1.000 Kamelen permanent weitere Pfeile an die Front bringen.

Marcus Licinius Crassus hatte am ersten Tag wohl etwa 10.000 Ausfälle zu beklagen. Er soll völlig apathisch gewesen sein. Seine Offiziere befahlen daraufhin den Rückzug im Schutz der Dunkelheit nach Carrhae und zwar ohne die Verwundeten.

Die Zurückgelassenen wurden am nächsten Tag von den Parthern getötet. Dasselbe Schicksal ereilte vier Kohorten, die in der Nacht den Anschluss an die Hauptstreitmacht verloren hatten. Im Schutz von Carrhae entschied Marcus Crassus dann für den weiteren Rückzug.

Doch von einem verräterischen Führer wurde die römische Armee in eine Falle gelockt. Surena bot Marcus Licinius Crassus daraufhin Verhandlungen an. Dieser gab nur auf Drängen seiner Soldaten nach.

Noch im Vorfeld der Verhandlungen kam es jedoch zu einer persönlichen Auseinandersetzung zwischen dem römischen Feldherrn und einem parthischen Soldaten. Marcus Licinius Crassus und seine Offiziere wurden daraufhin getötet.

Am Ende des Feldzuges waren 20.000 römische Soldaten tot und weitere 10.000 Mann in Gefangenschaft. Nur ein Viertel kam zurück, darunter auch der spätere Verschwörer und Tyrannenmörder Gaius Cassius Longinus.

Aber es gingen auch viele Feldzeichen verloren. Sie konnten erst Jahrzehnte später von Kaiser Tiberius zurückgeholt werden. Doch auch Surena hatte nichts von diesem Sieg gegen eine vierfache Übermacht. König Orodes II. ließ den mächtigen General nach seinem Sieg vorsichtshalber hinrichten.

Liciniergrab an der Porta Salaria

In den Jahren 1885/6 gab es einen sehr bedeutenden archäologischen Fund zu Marcus Licinius Crassus. Das Familiengrab der Dynastie wurde an der Porta Salaria an der aurelianischen Stadtmauer in Rom gefunden.

Das Liciniergrab enthielt unter anderen Gegenständen sehr bedeutende Büsten. Insgesamt 13 Portrait-Köpfe aus Marmor wurden gefunden.

Darunter befindet sich auch das vermutete Haupt von Marcus Licinius Crassus. Die Funde werden in der Ny Carlsberg Glyptotek in Kopenhagen ausgestellt.