Heinrich IV. (HRR)

Heinrich IV. – römisch-deutscher Kaiser

Heinrich IV. war ein römisch-deutscher Kaiser aus dem Geschlecht der Salier. Er wurde am 11. November 1050 geboren und bereits im Alter von drei Jahren zum Mitkönig seines Vaters erhoben.

Heinrich IV. ruht im Dom zu Speyer
Im Dom zu Speyer fand Heinrich IV. seine letzte Ruhe. (pixabay)

Es kam deshalb bereits sehr früh zu Spannungen zwischen Heinrich IV. und der Aristokratie des Reiches. Diese eskalierten dann nach dem Tod seines Vater Heinrich III. im Jahr 1056. Danach übernahm zunächst seine Mutter, die Kaiserin Agnes, zusammen mit einem Sub-Regenten die Herrschaft für ihren minderjährigen Sohn.

Bis zu der Volljährigkeit von Heinrich IV. versuchten die Großen des Reiches deshalb rücksichtslos, ihren Einfluss und ihre Macht auszuweiten. Damit legten sie aber auch die Grundlage für schwere persönliche Konflikte, die dann insbesondere die Frühphase seiner mündigen Herrschaft als deutscher König prägten.

Darüber hinaus war die Regierungszeit von Heinrich IV. von schweren Konflikten mit dem Papsttum gezeichnet. Gleich zwei historische Auseinandersetzungen fallen in diese Zeit:

  • Investiturstreit
  • Gang nach Canossa

Heinrich IV. gehörte deshalb zu den umstrittensten Herrschern des Mittelalters. Gleich zweimal wurde der Kirchenbann über ihn verhängt. Auch die jüngere Forschung hat bis heute keine einheitliche Bewertung formulieren können.

Doch die Masse an negativer Berichterstattung zu seiner Person wird als Indiz gewertet, dass zu seiner Zeit das politische Klima sehr belastet war. Es erhoben sich sogar zwei seiner Söhne gegen ihn.

Seine letzten Lebensjahre verbrachte er im Kampf um die Herrschaft. Am 7. August 1106 starb Heinrich IV. in Lüttich im heutigen Belgien.

Zunächst erhielt er ein ehrenvolles Begräbnis. Doch wegen eines Kirchenbanns wurde Heinrich IV. wieder exhumiert und in ungeweihter Erde bestattet. Erst fünf Jahre nach seinem Tod fand er ab dem 7. August 1111 im Dom zu Speyer seine letzte Ruhe.

Abstammung und Jugend von Heinrich IV.

Sohn von Heinrich III. und Kaiserin Agnes

Heinrich IV. war ein Sohn aus der zweiten Ehe seines Vaters mit Agnes von Poitou. Sie war eine Tochter des Herzogs von Aquitanien und gebar im Jahr 1050 mit Heinrich IV. endlich den lange ersehnten männlichen Nachfolger.

Als Taufpate wurde Abt Hugo von Cluny bestimmt. Damit wollte das salische Königshaus ein öffentliches Bekenntnis zu den cluniazensischen Reformen erbringen, die wieder Zucht und Ordnung in die Klöster des Mittelalters bringen sollten.

Mit der Wahl des Hugo von Cluny sollte eigentlich eine gute Beziehung von Heinrich IV. zum Klerus vorprogrammiert werden. Dieser Wunsch der Eltern sollte sich jedoch nicht erfüllen.

Darüber hinaus war die Stimmung im Reich sehr aufgeheizt. Die dynastische Herrschaftsfolge war politisch gefährdet. Deswegen wurde Heinrich IV. bereits 1153 im Alter von drei Jahren von seinem Vater zum Mitkönig erhoben.

Die Großen des Reiches wurden gezwungen, dem Kleinkind die Treue zu schwören. Dabei erlaubten sich die Fürsten jedoch eine historische Einschränkung des Eides. Dieser gelte nur, „wenn er ein gerechter Herrscher werde“.

„si rector iustus futurus esset“

Tatsächlich kam es jedoch im selben Jahr zu einer Rebellion, die vor allem von süd-deutschen Fürsten getragen wurde:

  • Konrad I. (Herzog von Bayern)
  • Gebhard III. (Bischof von Regensburg)
  • Welf III. (Herzog von Kärnten)
  • Gottfried III. (Herzog von Lothringen)

Der Aufstand scheiterte jedoch, weil Konrad I. und Welf III. im Jahr 1055 plötzlich verstarben. Doch damit waren die Konflikte keinesfalls befriedet, als auch Heinrich III. im darauffolgenden Jahr von dieser Welt ging.

Nach dem Tod ihres Mannes verteidigte Kaiserin Agnes die Ansprüche ihres damals noch minderjährigen Sohnes auf den Königsthron. Sie konnte in ihrer Rolle als Königsmutter jedoch nicht zu einer lenkenden Kraft an der Spitze des Heiligen Römischen Reiches werden.

Staatsstreich von Kaiserswerth 1062

Unter der Führung des Erzbischof Anno II. von Köln kam es im Jahr 1062 dann zu einer erneuten Aktion gegen die salische Dynastie. Anfang April hielten sich Heinrich IV. und Kaiser Agnes in der Pfalz Kaiserswerth im heutigen Düsseldorf auf.

Nach dem gemeinsamen Festmahl zeigte Anno II. dem damals elf-jährigen König ein prachtvolles Schiff auf dem Rhein. Sobald der minderjährige Monarch das Schiff betreten hatte, legte dieses vom Ufer ab.

Heinrich IV. hüpfte daraufhin wohl aus Angst vor einer Gewalttat in den Rhein und wäre fast ertrunken. Graf Ekbert von Meißen sprang dem Jungen jedoch nach und zog ihn wieder an Bord.

Die Entführer begaben sich dann zusammen mit ihrem Opfer nach Köln. Von dort aus forderten sie erfolgreich von Kaiserin Agnes die Herausgabe der Reichsinsignien. Damit hatten sie sowohl den rechtmäßigen König wie auch die Zeichen seiner Herrschaft in ihrer Gewalt.

Von da an kontrollierte die Clique der Entführer die Reichspolitik. Doch für Anno II. von Köln liefen die Dinge dann doch nicht ganz wie geplant.

An seiner statt konnte sich Erzbischof Adalbert von Hamburg-Bremen als bevorzugter Berater von Heinrich IV. positionieren. Zwischen den beiden Klerikern entstand eine erbitterte Feindschaft.

Heinrich IV. – König von Gottes Gnaden

Schwertleite des jungen Mannes 1065

Im März 1065 empfing Heinrich IV. die Schwertleite. Dabei handelte es sich um einen germanischen Brauch zur Initiation von jungen Männern als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft.

Zentral war die Umgürtung mit dem Schwert. Außerdem erhielten die jungen Männer häufig auch ihre ersten Sporen. Im Laufe der späteren Jahrhunderte entwickelte sich aus diesem Ritus der bekanntere Ritterschlag.

Nach dieser Zeremonie der Schwertleite war Heinrich IV. nun der mündige und rechtmäßige deutsche König. Quasi als erste Amtshandlung zog er sein Schwert und ging auf Erzbischof Anno II. von Köln los. Seine Mutter konnte nur mit Mühe einen Mord verhindern.

Besonderer Profiteur war jedoch der hinterlistige Erzbischof Adalbert von Hamburg-Bremen. Dieser nutzte seinen Einfluss bei König Heinrich IV. für eigene Interessen. Noch im selben Jahr gab es deshalb erheblichen Widerstand gegen diese beiden Protagonisten aufgrund ihrer „offenkundig tyrannische[n] Herrschaft“.

Bereits im Januar 1066 wurde Heinrich IV. jedoch von anderen Fürsten gezwungen, seinen Berater zu entlassen. Drei Jahre später konnte Erzbischof Adalbert jedoch wieder in den engsten Kreis um den König zurückkehren.

Eskalation von inneren Konflikten

Die Jahre nach Regierungsbeginn von Heinrich IV. waren von einem pikanten Versuch geprägt, seine damalige Ehefrau zu verlassen. Nur unter Androhung des Kirchenbanns ließ der junge König von diesem Vorhaben ab.

Aber vor allem begannen sich die inneren Konflikte im Reich zu verschärfen. Exemplarisch war die Absetzung des sächsischen Adeligen Otto von Nordheim. Dieser wurde von Egno I. von Konradsburg, einem Angehörigen des niederen Adels beschuldigt, den König ermorden zu wollen.

Heinrich IV. soll jedoch selbst hinter dieser Anklage gesteckt haben. Er bestand gegen den Protest der Großen des Reiches auf einem Zweikampf zwischen Egno und Otto.

Doch Otto von Nordheim weigerte sich. Er wurde dafür in unbegrenzte Beugehaft genommen. Das verstieß jedoch gegen das Gewohnheitsrecht und forderte vor allem den sächsischen Adel heraus.

In der Folge errichtete König Heinrich IV. vermehrt Burgen in sächsischen Gebieten. Diese Burgen besetzte er mit Ministerialen aus Schwaben. Das wurde von den Sachsen als weitere Bedrohung ihrer Freiheit wahrgenommen.

Ein besonderer Dorn im Fleisch der Sachsen war die Harzburg im Landkreis Goslar. Dorthin ließ Heinrich IV. dann auch noch die Gebeine seines verstorbenen Bruders und eines früh verstorbenen Sohnes bringen. Damit wollte er ein Zeichen setzen für seine dauerhafte Präsenz.

Nach mehreren Beschwerden lud Heinrich IV. dann den sächsischen Adel im Jahr 1073 zu Verhandlungen nach Goslar. Sie fanden sich auch pünktlich ein, wurden dann jedoch angeblich gar nicht erst empfangen.

Ihrer Darstellung nach zog es Heinrich IV. vor, seine Zeit mit dem Würfelspiel zu verbringen. Die Adligen sollen währenddessen die ganze Nacht vor der Tür gewartet haben.

Schließlich sei ihnen von einem Höfling mitgeteilt worden, dass der König die Pfalz durch einen anderen Ausgang bereits verlassen habe. Die gekränkten Edelleute schworen Rache für diese Demütigung.

Sachsenkrieg des salischen Königs

Nach der Eskalation der Spannungen in Goslar riefen die Sachsen eine Versammlung des Stammes für Ende Juli 1073 ein. Sie verbündeten sich gegen ihren Monarchen und versammelten eine Streitmacht, die gegen die Harzburg zog.

Zunächst musste sich Heinrich IV. zurückziehen. Doch dann machten die Sachsen einen schweren Fehler. Aufständische Bauern zerstörten die Harzburg und schändeten dabei die Gräber des Bruders und des Sohnes ihres Königs.

Dieser Frevel löste eine breite Welle der Unterstützung im Hochadel der übrigen Reichsgebiete aus. Heinrich IV. konnte deshalb ein großes Heer mobilisieren.

In der Schlacht bei Homburg an der Unstrut fügte Heinrich IV. am 9. Juni 1075 den aufständischen Sachsen eine schwere Niederlage zu. Ein zweiter Feldzug im Herbst desselben Jahres führte zum endgültigen Sieg.

Die Anführer des Aufstandes mussten sich unterwerfen. Doch erneut brach Heinrich IV. mit einer Konvention seiner Zeit. Er bestrafte die Unterlegenen auch nach ihrer Unterwerfung, indem er die adeligen Rädelsführer inhaftieren ließ.

Investiturstreit mit Papst Gregor VII.

Mit dem Niedergang der Karolinger im 9. Jahrhundert hatte auch ein Verfall des Christentums eingesetzt. Aus kirchlicher Sicht begann dann mit dem Mord an Papst Johannes VIII. im Jahr 882 ein „dunkles Jahrhundert“, das Saeculum Obscurum.

Vom Kloster Cluny ging ab dem 10. Jahrhundert eine Reform-Bewegung von besonders gläubigen Mönchen aus. Der Einfluss dieser cluniazensischen Reform wuchs im folgenden Jahrhundert immer stärker, bis deren Vertreter auch im Vatikan an die Macht kamen.

Von besonderer Bedeutung sollte der Mönch Hildebrand werden. Dieser wurde 1073 zum Papst gewählt. Er gab sich den Namen Gregor VII. und hatte das Amt bis zum seinem Tod im Jahr 1085 inne.

Für Heinrich IV. wurde diese „Zuchtrute Gottes“ zum großen Gegenspieler. Denn im Jahr 1075 erließ Gregor VII. insgesamt 27 Leitsätze, die Dictus Papae:

  1. Dass die römische Kirche vom Herrn allein gegründet worden ist.
  2. Dass allein der römische Papst mit Recht universal genannt wird.
  3. Dass er allein Bischöfe absetzen und wieder einsetzen kann.
  4. Dass sein Gesandter auf einem Konzil den Vorrang vor allen Bischöfen hat, auch wenn er einen niedrigeren Weihegrad hat, und dass er gegen sie ein Absetzungsurteil fällen kann.
  5. Dass der Papst Abwesende absetzen kann.
  6. Dass wir mit von ihm Exkommunizierten unter anderem nicht in demselben Haus bleiben dürfen.
  7. Dass es allein ihm erlaubt ist, entsprechend den Erfordernissen der Zeit, neue Gesetze zu erlassen, neue Gemeinden zu bilden, ein Kanonikerstift zur Abtei zu machen und umgekehrt, ein reiches Bistum zu teilen und arme zu vereinigen.
  8. Dass er allein die kaiserlichen Herrschaftszeichen verwenden kann.
  9. Dass alle Fürsten nur des Papstes Füße küssen.
  10. Dass in den Kirchen allein sein Name genannt wird.
  11. Dass dieser Name einzigartig ist auf der Welt.
  12. Dass es ihm erlaubt ist, Kaiser abzusetzen.
  13. Dass es ihm erlaubt ist, bei dringender Notwendigkeit Bischöfe von einem Sitz zum anderen zu versetzen.
  14. Dass er jeden beliebigen Kleriker aus allen Diözesen weihen kann.
  15. Dass ein von ihm Geweihter einer anderen Kirche vorstehen, aber ihr nicht dienen kann; und dass er von einem anderen Bischof keinen höheren Weihegrad annehmen darf.
  16. Dass keine Synode ohne sein Geheiß universal genannt werden darf.
  17. Dass kein Rechtssatz und kein Buch ohne seine Autorisierung für kanonisch gilt.
  18. Dass sein Urteilsspruch von niemandem widerrufen werden darf und er selbst als einziger die Urteile aller widerrufen kann.
  19. Dass er von niemandem gerichtet werden darf.
  20. Dass niemand es wage, jemanden zu verurteilen, der an den apostolischen Stuhl appelliert.
  21. Dass die wichtigen Streitfragen jeder Kirche an ihn übertragen werden müssen.
  22. Dass die römische Kirche niemals in Irrtum verfallen ist und nach dem Zeugnis der Schrift niemals irren wird.
  23. Dass der römische Bischof, falls er kanonisch eingesetzt ist, durch die Verdienste des heiligen Petrus unzweifelhaft heilig wird, nach dem Zeugnis des heiligen Bischofs Ennodius von Pavia, dem viele heilige Väter beistimmen, wie aus den Dekreten des heiligen Papstes Symmachus hervorgeht.
  24. Dass es auf sein Geheiß und mit seiner Erlaubnis Untergebenen erlaubt ist Klage zu erheben.
  25. Dass er ohne Synode Bischöfe absetzen und wieder einsetzen kann.
  26. Dass nicht für katholisch gilt, wer sich nicht in Übereinstimmung mit der römischen Kirche befindet.
  27. Dass er Untergebene vom Treueid gegenüber Sündern lösen kann.

Diese 27 Leitsätze waren politischer Sprengstoff. Denn seit den Zeiten des Frankenreichs galt die Tradition, dass Könige die Äbte und Bischöfe in ihren Gebieten selbst einsetzten.

Aufgrund der hohen wirtschaftlichen Bedeutung vieler Abteien und Bistümer war die Kontrolle über diese Ämter mit sehr viel real-politischer Macht verbunden. Außerdem richteten sich die Leitsätze auch gegen die Souveränität des römisch-deutschen Kaisertums.

Heinrich IV. war zwar noch nicht zum römisch-deutschen Kaiser gekrönt worden. Er strebte dies jedoch an. Deshalb versammelte er loyale Bischöfe um sich und schrieb einen verhängnisvollen Brief:

„Heinrich, nicht durch Anmaßung, sondern durch Gottes gerechte Anordnung König, an Hildebrand, nicht mehr Papst, sondern falscher Mönch. […] du hast unsere Demut für Furcht gehalten und dich daher nicht gescheut, dich sogar gegen die uns von Gott verliehene königliche Gewalt zu erheben; […] Ich, Heinrich, durch die Gnade Gottes König, sage dir zusammen mit allen meinen Bischöfen: Steige herab, steige herab!“

Exkommunikation des Königs

Am 28. September 1075 kam es dann zur ersten Machtprobe zwischen Heinrich IV. und dem Papst. Der König ernannte mit einem Kleriker namens Tebald den Erzbischof von Mailand.

Es folgten weitere Entscheidungen über die Erzbistümer von Ferno und Spoleto. Daraufhin schrieb Gregor VII. nun ebenfalls einen Brief. Dabei handelte es sich zunächst nur um eine vertrauliche Mahnung, die mit der Aufforderung zum Gehorsam versehen war.

Das Schreiben erreichte Heinrich IV. am Neujahrstag 1076, als dieser seine Erfolge und die Feiertage in Goslar zelebrierte. Darüber hinaus hatte er soeben seinen zwei-jährigen Sohn Konrad zum Mitkönig wählen lassen. Dies war ein besonderer Ausdruck seiner innen-politischen Stärke zu diesem Zeitpunkt.

Heinrich IV. war jedoch keinesfalls bereit, die gebotene Diskretion des Konfliktes zu wahren. Er beantwortete zusammen mit den Erzbischöfen von Mainz und Trier sowie 24 weiteren Bischöfen öffentlich den Brief das Papstes. Dabei wurden zahlreiche Vorwürfe gegen Gregor VII. formuliert.

Neben den inhaltlichen Angriffen auf den Papst war das Schreiben auch gespickt mit diplomatischen Tiefschlägen. Die Grußformeln ließ man weg und Gregor VII. wurde mit seinem Taufnamen Hildebrand angesprochen. Am Ende wurde die alte Forderung wiederholt:

„Ich Heinrich, durch die Gnade Gottes König, sage dir zusammen mit allen meinen Bischöfen: Steige herab, steige herab!“

Der Papst reagierte am 22. Februar 1076 mit der Exkommunikation von Heinrich IV. und entband alle Christen von ihren Treueiden ihm gegenüber. Er räumte dem König jedoch noch eine letzte Frist zur Umkehr bis zum 1. August 1076 ein.

Aber die Erzbischöfe von Mainz und Trier wurden mit sofortiger Wirkung abgesetzt sowie exkommuniziert. Die anderen Verbündeten des Königs im Klerus wurden je nach Fall ebenfalls aus der Kirche geworfen oder zumindest nach Rom zitiert.

Damit hatte Papst Gregor VII. erfolgreich die Substanz des Bündnisses gegen ihn attackiert. Nach Ostern begann die Unterstützung für Heinrich IV. nach und nach zu kollabieren.

Darüber hinaus erhoben sich nun auch wieder süd-deutsche Fürsten gegen ihn. Zusammen mit sächsischen Vertretern trafen sich die Adligen am 16. Oktober 1076 in der Stadt Trebur. Dort stellten sie Heinrich IV. ein Ultimatum, um sich von dem Kirchenbann zu befreien. Andernfalls drohe die Wahl eines Gegenkönigs.

Gang nach Canossa im Jahr 1077

In dieser prekären Situation reagierte Heinrich IV. jedoch mit einem brillanten Konter. In einer offenen Verhandlung war er zu diesem Zeitpunkt Gregor VII. zwar klar unterlegen. Außerdem drängte die Frist der Fürsten.

Aber Heinrich IV. wusste das Kirchenrecht selbst zu instrumentalisieren. Er bat den Papst einfach um Vergebung seiner Sünden. Als Christ dürfte Gregor VII. ihm dies nicht verweigern.

Darüber hinaus konnte eine solche Szene im Winter 1076/77 sehr gut inszeniert werden. Während der Tross von Heinrich IV. unter denkbar schwierigen Bedingungen über die Alpenpässe kam, floh der Papst regelrecht, um eine persönliche Begegnung zu vermeiden.

Auf der Burg Canossa wurde Gregor VII. dann drei Tage lang gewaltlos belagert. König Heinrich IV. soll dabei barfuß im Büßergewand im Schnee vor der Burg gefleht haben.

Mit diesem Drama vom 25. bis zum 28. Januar 1076 wollte er seine totale Unterwerfung darstellen. Deshalb spricht man heute noch vom sprichwörtlichen „Gang nach Canossa“.

Tatsächlich dürfte es sich bei dieser Szene jedoch um ein sehr geschicktes Manöver des salischen Königs gehandelt haben. Viele seiner weltlichen Gegner waren sehr unglücklich über diese unerwartete Wendung der Geschichte.

Im März 1077 wurde deshalb mit Rudolf von Rheinfelden dennoch ein Gegenkönig gewählt. Dieser stellte Heinrich IV. dann drei Jahre lang vor große militärische Probleme. Doch auch dieser Herausforderung blieb er noch gewachsen.

Zenit und tiefer Fall von Kaiser Heinrich IV.

Später Triumph gegen Papst Gregor VII.

Papst Gregor VII. erlitt nach dem Gang nach Canossa weitere politische Niederlagen. Er hatte sich nicht nur mit einer Prophezeiung unglaubwürdig gemacht, dass Heinrich IV. bis 1080 untergehen würde.

Kaiser Hadrian ließ die Engelsburg errichten (Foto bei Nacht).
Hadrian ließ die Engelsburg als Mausoleum errichten. (pixabay)

Er hatte auch den unterlegenen Rudolf von Rheinfelden anerkannt. Das machte ihn angreifbar.

Die „Zuchtrute Gottes“ hatte noch dazu mit einer stärker werdenden Opposition innerhalb des Klerus zu kämpfen. Im Juni 1080 kam es dann auf der Synode in Brixen zur Wahl eines Gegenpapstes, der sich den Namen Clemens III. gab.

Darüber hinaus wurde ein kanonisches Verfahren gegen Gregor VII. eingeleitet. Dieser exkommuniziert hingegen König Heinrich IV. im Jahr 1080 erneut.

Heinrich IV. zog anschließend mehrfach gegen Rom. Im Jahr 1084 gelang die Eroberung der Stadt, nachdem sich nun auch 13 Kardinäle gegen den autoritären Stil des Papstes gestellt hatten. Gregor VII. floh daraufhin in die Engelsburg.

Kaiserkrönung durch Gegenpapst 1084

Auf einer Synode am 21. März 1084 wurde der autoritäre Gregor VII. schließlich sogar selbst exkommuniziert. Am Ostersonntag krönte der Gegenpapst Clemens III. dann Heinrich IV. zum römisch-deutschen Kaiser.

Damit hatte dieser den Zenit seiner Macht erreicht. Die Normannen in Süd-Italien standen jedoch noch an der Seite des abgesetzten Papstes. Sie eroberten Rom dann im Mai 1084 zurück. Heinrich IV. musste daraufhin flüchten.

Die Normannen befreiten Gregor VII. zwar, doch sie plünderten dabei auch Rom. Deshalb musste auch er sich nun zurückziehen. Im darauffolgenden Jahr verstarb er am 25. Mai in Salerno.

Gegenkönigtum des Sohnes Konrad

Die 1080er und 1090er Jahre waren erneut von großen inneren Spannungen geprägt. Auch die Konflikte mit den Sachsen eskalierten wieder.

Heinrich IV. konzentrierte sich in dieser Zeit verstärkt auf den nördlichen Teil seines Reiches. Deshalb hatte der Kaiser seinen Sohn Konrad als Mitkönig in Italien eingesetzt.

Doch der neue Papst Urban II. konnte Konrad für sich gewinnen. Er bot ihm sogar die Kaiserkrone an. Der Sohn von Heinrich IV. ließ sich dann tatsächlich im Jahr 1093 in Mailand zum König erheben.

Außerdem heiratete Konrad die Tochter des normannischen Königs. In den folgenden Jahren war Heinrich IV. deshalb weitgehend handlungsunfähig. Nur durch zahlreiche Zugeständnisse an andere Akteure könnte er sich aus der misslichen Lage befreien. Dazu zählten:

  • Umfassende Handelsprivilegien für Venedig
  • Erblichkeit des welfischen Herzogtums von Bayern
  • Gründung des staufischen Herzogtums von Schwaben

Erst ab 1095 konsolidierte sich die Herrschaft von Heinrich IV. wieder. Entscheidend war das mächtige Bündnis der drei Dynastien: Salier, Staufer und Welfen.

Drei Jahre später konnte er dann endlich die breite Zustimmung der Fürsten des Reiches zur Enterbung seines Sohnes Konrad erzielen. Im Jahr 1099 wurde dann der zweite Sohn als Heinrich V. zum Nachfolger gekrönt. Dieser musste jedoch schwören, sich niemals mit Gewalt gegen seinen Vater zu erheben.

Gegenkönigtum des Sohnes Heinrich

Im Jahr 1101 verstarb Konrad sehr früh. Sein Bruder Heinrich V. stand nun endgültig als Alleinerbe des alternden Vaters fest. Einige Fürsten des Reiches nutzten die Chance, um einen neuen Familienstreit zu provozieren.

Heinrich V. ließ sich überzeugen, dass er noch zu Lebzeiten von Heinrich IV. die Krone ergreifen müsse. Eine reguläre Königswahl könne er nach den Verbrechen seines Vaters nicht mehr gewinnen.

An Weihnachten 1104 erhob sich der Sohn Heinrich an der Spitze einer Koalition von jungen Fürsten gegen den Vater. Der Papst sicherte ihm sogar die Absolution zu, falls er sich als gerechter und gottesfürchtiger Monarch erweisen sollte.

Das Jahr 1105 war dann von zahlreichen Kampfhandlungen geprägt. Im Herbst diesen Jahres wollten Vater und Sohn den Zwist in einer Entscheidungsschlacht klären.

Eine epische Schlacht wurde jedoch von den Fürsten verhindert. Immerhin waren es auch ihre Truppen, die dabei verheizt worden wären.

In einer rührenden Geste mit Tränen und Umarmung einigten sich Vater und Sohn auf eine friedliche Lösung. Heinrich IV. zog sich daraufhin auf die Burg Böckelheim zurück.

Dort wurde er umgehend gefangen gesetzt. Heinrich IV. bezeichnete das Verhalten des Sohnes als „ruchlosen Verrat“. Doch er gab die Reichsinsignien heraus. Am 31. Dezember 1105 verzichtete er formal auf die Krone.

Am 5. Januar 1106 wurde Heinrich V. zum König gewählt. Der Erzbischof von Mainz übergab ihm die Reichsinsignien. Damit war der Übergang der Herrschaft formal korrekt vollzogen.

Letzte Kämpfe von Heinrich IV.

Im Februar 1106 konnte Heinrich IV. jedoch aus der Gefangenschaft entkommen. Zunächst organisierte er mit einigen Erfolgen den Widerstand gegen die Herrschaft seines Sohnes.

Doch im Sommer diesen Jahres verstarb Heinrich IV. in Lüttich. Zunächst wurde er in geweihter Erde ehrenvoll bestattet. Nur wenige Tage später holte man seine Leiche jedoch aus dem Grab, weil der zweite Kirchenbann aus dem Jahr 1080 noch nicht aufgehoben war.

Sein Sohn Heinrich V. hatte jedoch Erbarmen. Er ließ seinen Vater einige Wochen später erneut exhumieren und nach Speyer bringen. Der Bischof untersagte jedoch eine Beerdigung, so dass der Sarkophag fünf Jahre lang unbeerdigt in einer Kapelle stand.

Erst nach dieser langen Zeit konnte der Sohn die Aufhebung des Kirchenbanns über Heinrich IV. erwirken. Am 7. August 1111 kam der Sarkophag in die Krypta des Doms zu Speyer. Dort fand er seine letzte Ruhe.