Karl der Große

Karl der Große – König der Franken

Karl der Große wurde wahrscheinlich am 2. April 747 oder 748 geboren. Er war ab dem Jahr 768 ein fränkischer König und erhob sein germanisches Reich zur europäischen Großmacht auf Augenhöhe mit Byzanz.

Karte von den militärischen Expeditionen von Karl dem Großen und der Expansion des Frankenreiches.
Die Expansion des fränkischen Reiches unter Karl dem Großen (ODbL)

Seine Erfolge machten ihn zum bekanntesten Vertreter der Karolinger. Dabei war seine Dynastie erst durch den Einfluss des Großvaters Karl Martell sowie seines Sohnes Pippin dem Jüngeren im Jahr 751 n. Christus zur Königslinie der Franken geworden.

Im Jahr 768 n. Christus verstarb dann König Pippin der Jüngere, der Vater von Karl dem Großen. Dieser teilte sein Reich zwischen Karl und seinem Bruder Karlmann auf. Eigentlich sollte dies ein politischer Coup werden, der die Brüder zur Kooperation zwingen sollte.

Die Brüder waren jedoch sehr verstritten, aber bevor es zum offenen Bruch kam, verstarb Karlmann. Karl beerbte seinen Bruder und konnte so das gespaltene Frankenreich unter seiner Führung wiedervereinigen. Aus dieser Machtposition heraus vergrößerte er das Reich immer mehr.

Neben seinen militärischen Verdiensten machte sich Karl dann besonders um die Kirche, aber auch die Kultur verdient. Er ließ zahllose Klöster und Abteien errichten und förderte die Verbreitung von Wissen in seinem Reich.

Zu Weihnachten 800 n. Christus wurde Karl der Große in Rom sogar zum ersten Kaiser nach der römischen Kaiserzeit gekrönt. So legte er bereits früh den Anspruch der fränkischen Könige auf die Funktion als weltliches Oberhaupt der Christenheit.

Karl der Große wurde bereits zu Lebzeiten als Pater Europae – Vater Europas bezeichnet. Doch er verstarb am 28. Januar 814 in Aachen. Sein Reich sollte in dieser Form nicht mehr lange Bestand haben, sondern in einen östlichen, einen mittleren und einen westlichen Teil zerfallen.

Die Herrschaft von Karl dem Großen (768 bis 814)

Die Machtbasis der Karolinger

Bevor die Familie von Karl die Königswürde übernahm, wurde das fränkische Reich von den Merowingern regiert. Diese Linie existierte bereits zu Zeiten des Römischen Reiches.

Unter der Führung von Chlodwig I. hatten die Franken die letzte römische Provinz in Gallien überfallen und so das Reich gegründet. Doch diese Dynastie war stets abhängig von Adeligen im Reich gewesen.

Die Zersetzung der königlichen Macht im fränkischen Reich hatte die Entwicklung der Position des Hausmeiers gefördert. Dort, in den Händen der Karolinger, bündelten sich die tatsächlichen Fänden der Macht, während die merowingischen Könige in ihrem Reich immer weniger zu sagen hatte.

Schließlich kam es zu einer Anpassung an die Realitäten und man übertrug der Familie von Karl auch die formale Königswürde. Deshalb konnten sich Karl Martell, Pippin der Jüngere, Karl der Große und auch sein Bruder Karlmann als die echten Machtfaktoren im Reich auch auf einen breiten Rückhalt in der fränkischen Aristokratie verlassen.

Der Konflikt mit Karlmann (bis 771 n. Chr.)

Das größte Problem des jungen Karl war die eigene Familie. Entsprechend der Tradition des fränkischen Erbrechts wurden beim Erbe alle Söhne bedacht. Deshalb wurde das Reich von Karls Vater Pippin dem Jüngeren mit dessen Tod in zwei Teile gerissen.

Einen Teil des fränkischen Reiches erbte Karl, während der andere Teil an seinen jüngeren Bruder Karlmann ging. Dabei hatte der Vater König Pippin eine Besonderheit in die Teilung eingewoben.

Die wertvollste Region des Reiches – Aquitanien – wurde in ebenfalls gespalten. Außerdem waren auch die Verbindungswege innerhalb der Reich, insbesondere in dem Teil von Karl, sehr ungünstig durch dies Teilung.

Da sich die Brüder jedoch überhaupt nicht leiden konnten, hatten die Franken insgesamt einen erheblichen Machtverlust erlitten. Bald kam es zu einem Aufstand, bei dem Karl ganz offen von seinem Bruder verraten wurde, da ihm dieser eine versprochene militärische Unterstützung nicht schickte.

Doch Karl der Große erwies sich schon bei diesem Aufstand der Aquitanier als ein fähiger Militär. Er konnte sich durchsetzen und seine politische Position gegenüber Karlmann deutlich stärken.

Bevor es jedoch zu einem endgültigen Showdown zwischen den Brüder kommen konnte, verstarb Karlmann im Jahr 771 n. Christus sehr überraschend im Alter von 20 Jahren. In der Folge konnte Karl der Große des Erbe übernehmen und die beiden Teile des fränkischen Reiches konnten friedlich vereint werden.

Der Langobardenfeldzug (772/73 n. Chr.)

Die Familie des verstorbenen Bruders Karlmann floh nach dessen Tod in das Reich der Langobarden in Norditalien. Da sich Karl der Große von den legitimen Erben seines Bruders bedroht fühlte, rüstete er bald nach der Reichseinigung für einen Feldzug nach Italien.

rex Francorum et Langobardorum

Obwohl die Franken formal noch mit den Langobarden verbündet waren, versammelte Karl der Große im Jahr 772 n. Christus seine Armee bei der Stadt Genf. Er fürchtete jedoch zurecht, dass er mit seinen Truppen in den Alpen leicht in einen Hinterhalt geraten könnte.

Deshalb entschloss er sich, seine Armee in zwei Korps aufzuteilen, die getrennt die Alpen überqueren sollten. Dabei antizipierte Karl den Ort der zu schlagenden Schlacht genau richtig, da sich ein Gefecht aus dem Jahr 756 n. Christus wiederholen sollte.

Während Karl sich mit seinen Abteilungen auf einer westlichen Route gen Italien aufmachte, kam das zweite Korps auf einer östlichen Route durch die Berge. Die Langobarden konnte so in ihren Stellungen im Susatal bei Turin in die Zange genommen werden.

Die Langobarden mussten sich deshalb in aller Eile in die stark befestigte Stadt Verona zurückziehen. Die Franken setzten nach und konnten die Langobarden dort sowie in der Stadt Pavia durch Belagerungen einkesseln.

Doch die Langobarden gaben sich auch nicht einfach geschlagen. Pavia widerstand neun Monate lang gegen die Truppen von Karl dem Großen. Dieser hingegen nutzte seine Zeit in Italien auch, um das Bündnis mit dem Papst in Rom persönlich zu bekräftigen.

Noch am Tag der Kapitulation der letzten Langobarden ernannte sich Karl der Große zu deren König. Außerdem hatte er dem Vatikan im Rahmen der Pippinischen Schenkung auch Güter von seinen Gegnern in Mittelitalien zugesagt.

Die Sachsenkriege (772 bis 804 n. Chr.)

Noch im Jahr des Langobardenfeldzuges begann eine fast 30jährige Phase der Sachsenkriege in Mitteleuropa. Fast jährlich fanden in dieser Zeit Kriegszüge statt, die sowohl einen militärischen wie auch einen religiösen Charakter hatten.

Schon Karl Martell und Pippin der Jüngere hatten kleinere Expeditionen in das angrenzende Gebiet der Sachsen unternommen. Diese lebten in einem lockeren Verbund von Siedlungen und Stämmen im heutigen Mittel- und Norddeutschland.

Die Franken hatten bereits zu Beginn des 8. Jahrhunderts zur Sicherung ihrer Gebiete auch Burgen angelegt wie beispielsweise bei Fritzlar oder bei Marburg. In den Grenzgebieten kam es auch permanent zu Streitigkeiten zwischen Franken und Sachsen.

Im Jahr 772 n. Christus zog Karl der Große dann in einer sehr erfolgreichen militärischen Kampagne durch das Gebiet der Sachsen. Dabei konnte er mit seinen Truppen bis zur Irminsul, einem heiligen Baum und zugleich dem wichtigsten Versammlungsplatz der heidnischen Sachsen vorstoßen.

Als siegreicher Feldherr der Christenheit ließ Karl der Große die Irminsul fällen. Nach dem Glauben der Druiden hätte deshalb die Welt einstürzen müssen. Da aber nichts passierte, fühlten sich die Franken in ihrem Handeln bestärkt.

Doch es war nur der Beginn von drei blutigen Jahrzehnten. In den Kämpfen waren die Sachsen unter der Führung von Widukind dabei keinesfalls hoffnungslos unterlegen. Es gab auch keine waffentechnische Überlegenheit seitens ihrer Feinde.

„Wenn sich jemand ungetauft verbergen will und es verschmäht, zur Taufe zu kommen, sterbe er des Todes.“

(Aus dem Blutgesetz von Karl dem Großen)

Doch der fränkische König konnte sehr viel mehr Truppen stellen. Außerdem kontrollierte er die Burgen. Langfristig konnten sich die Aufständischen nicht behaupten.

Aber bis zum Jahr 802 n. Christus flackerten die Kämpfe immer wieder erneut auf. Letztlich wurden die Sachsen jedoch brutal, aber erfolgreich christianisiert. Die Bistümer Paderborn, Verden,  Münster, Bremen, Minden und Osnabrück waren hierfür von besonders wichtiger Bedeutung.

Der Spanienfeldzug (778 n. Chr.)

Trotz der fortwährenden Sachsenkriege ließ sich Karl der Große ab dem Jahr 778 n. Christus auf ein Abenteuer in Spanien ein und zwar gegen das Emirat Cordoba ein. Dabei handelte sich um ein islamisches Kalifat im Süden des Landes.

Doch es gab innerhalb des Emirats eine starke Opposition, die sich an Karl den Große wandte und sich gleich auch vorsorglich unterwarf. Der fränkische König nahm dies zum Anlass, militärisch auf angebliche Überfälle durch Muslime zu reagieren und den Norden von Spanien anzugreifen.

Er teilte seine Heer und ließ Pamplona und Saragossa zugleich angreifen. Während die erste Belagerung erfolgreich verlief, scheiterte die zweite Angriffsspitze. Insgesamt hatte sich Karl der Große wohl völlig verkalkuliert.

Doch er sollte noch einen zweiten großen Fehler machen. Nachdem er seine geringen Erfolgsaussichten erkannt hatte, ließ er wohl aus Frust und auch aus ökonomischen Gründen die Stadt Pamplona schleifen.

Aber die Basken sollten ihre Chance auf Rache noch erhalten. Als sich das fränkische Heer zurückzog, kam es zu einer schweren Attacke auf die Nachhut, die wohl komplett aufgerieben wurde und sogar ihren Kommandeur verlor.

Die Unterwerfung Bayerns (ab 787 n. Chr.)

Die Bayern hatten bereits unter den Merowingern erhebliche Freiheiten. Zu Zeiten von Karl dem Großen war das Land ein Herzogtum unter der Kontrolle des Agilolfingers Tassilo. Dieser herrschte in quasi-souveräner Manier, was dem übergeordneten König der Franken ein Dorn im Auge war.

Im Jahr 787 n. Christus wurde Tassilo dann nach Worms vorgeladen, um sich Karl dem Großen formal zu unterwerfen. Dieser ließ sich jedoch einfach entschuldigen und bat in Rom um Vermittlung. Doch der Papst stellte sich voll auf die Seite des fränkischen Königs.

Karl der Große reagierte mit einigen militärischen Vorstößen gegen Bayern. Ein Jahr später folgte dann eine weitere Vorladung. Dieses mal folgte Tassilo, weil ihm auch in der Heimat der Rückhalt fehlte.

Daraufhin wurde der bayerische Herzog mit seiner Familie festgesetzt. Es kam zu einem Schauprozess und Tassilo wurde von Karl dem Großen in die lebenslange Klosterhaft verbannt.

Bayern konnte zwar einige Privilegien erhalten, wurde in der Folge jedoch vollständig in das fränkische Reich eingegliedert.

Die Awarenkriege (ab 791 n. Chr.)

Die Awaren waren ein slawisches Reitervolk, die als Nachfolger der Hunnen in der pannonischen Tiefebene siedelten. Diese Region liegt schwerpunktmäßig im heutigen Rumänien und Ungarn. Sie bildeten eine Art Puffer zwischen dem fränkischen und dem byzantischen Reich, den beiden Großmächten dieser Zeit.

Unter Karl dem Großen kam es zu zwei großen Kriegen gegen das Reich der Awaren. Die erste Invasion starteten die Franken im Jahr 791 n. Christus. Der zeitgenössische Mönch Einhard beschrieb den Angriff in seiner Vita Karoli Magni als größte militärische Aktion des Königs nach dem Sachsenkrieg.

Die erste Aktion im Jahr 791 n. Christus war von einer so großen Militärmacht begleitet, dass die Awaren schlicht zurückwichen. Die Franken waren aber auf Flüsse als Transportwege für ihr Material angewiesen. Für das Reitervolk war es entsprechend leicht, dem konzentrierten Schlag zu entgehen.

Aufgrund dieser Erfolge plante Karl der Große eine weitere Kampagne. Kriege gegen die heidnische Awaren eigneten sich auch sehr gut, um sich als Beschützer der Christenheit zu positionieren. Im Jahr 796 n. Christus gelang es dann schließlich mit einem weiteren Angriff den legendären Awarenschatz zu erbeuten.

Der Anführer der Awaren unterwarf sich daraufhin. Das Reich zerfiel zusehends. Aber vor allem war Karl der Große nun mit sehr viel Kapital ausgestattet, um seine politischen und wirtschaftlichen Interessen voranzutreiben. Mit diesen Gelder wurde auch die Residenz in Aachen geschaffen.

Die Kaiserkrönung Karls (800 n. Chr.)

Ab dem Jahr 799 n. Christus spielte das Schicksal Karl dem Großen in die Hände. In Rom war das Machtgefüge ins Rutschen geraten und es kam zu einem Attentat auf den Papst. Dieser flüchtete nach Paderborn zum Frankenkönig.

Karl der Große ließ sich nicht zweimal um Hilfe bitten. Er gab dem Heiligen Vater eine Streitmacht mit. Dieser konnte noch im selben Jahr nach Rom zurückkehren. Im Jahr 800 n. Christus begab sich der König dann selbst in die ewige Stadt.

Am 1. Weihnachtsfeiertag, dem 25. Dezember 800 n. Christus wurde das Amt der römischen Kaiser durch seine Krönung in Alt St. Peter erneuert. Weitere Details der Vorgänge sind jedoch auch für die moderne Forschung noch schleierhaft.

Man kann jedoch davon ausgehen, dass Karl der Große mit aller Kraft auf diese Kaiserkrönung hingearbeitet hatte, um sein Reich und seine Herrschaft mit einem ideologischen Unterbau zu versehen.

Die Karolingische Bildungsreform

In den erweiterten Landen von Karl dem Großen waren zahlreiche Klöster und Abteien entstanden, die Wissensschätze pflegen und ausbauen konnten. Darüber hinaus verfügte Karl der Große über ein wirtschaftlich florierendes Reich und die Beute des Awarenschatzes.

Der neu ernannte Kaiser selbst war ein gebildeter Mann und hatte vor allem einen wichtigen Berater – Alkuin, einen britischen Gelehrten aus der Nähe von York. Dieser trieb im Auftrag des fränkischen Königs eine Bildungsreform voran.

in nomine patria et filia et spiriti sancti

Das erste wesentliche Ziel war es, dass sogenannte Vulgär-Latein zurückzudrängen. Selbst diejenigen, die des Schreibens mächtig waren, konnten sich zu Zeiten von Karl dem Großen kaum noch präzise artikulieren, weshalb Alkuin eine entsprechende correctio förderte.

Außerdem wurde eine Hofbibliothek aufgebaut. Diese wurde auch stetig erweitert. Darüber hinaus wurden die Klöster St. Gallen, Reichenau, St. Emmeran, Mondsee, Fulda und weitere vornehmlich mit dem Auftrag gegründet, die schriftlichen Schätze zu erhalten und auszubauen.

Zur Vervielfachung beispielsweise von antiken Schriften wurden zahlreichen Scriptorien gebildet. In diesen Schreibstuben von Karl dem Großen saßen dann vor allem angelsächsische Mönche und kopierten Texte für die Franken von Hand. Diese tauschte man wiederum zur weiteren Multiplikation zwischen den einzelnen Standorten aus.

Außerdem entwickelten die Mönche die karolingische Minuskel, eine Schriftart mit Klein-Buchstaben. Diese zeichnet sich durch eine besondere Klarheit der Zeichen aus und dient einem einfachen Textbild zur besseren Lesbarkeit der Inhalte.