Augustinus

Augustinus von Hippo – Kirchenvater

Augustinus von Hippo wurde am 13. November 354 n. Christus geboren. Nach wilden Jugendjahren wurde er zu einem der vier lateinischen Kirchenlehrer der Spätantike.

Ein Fensterbild des Hl. Augustinus von Hippo in einer Kirche
Fensterbild von Augustinus (pixabay)

In dieser Rolle verfasste Augustinus zahlreiche Schriften und schuf neue theologische Konzepte für das frühen Christentum. Seine Texte sind in großen Teilen erhalten. Die wissenschaftliche Quellenlage zu Augustinus ist insgesamt außerordentlich gut. Er gehört zu den am besten erforschten Persönlichkeiten der Antike.

Augustinus hatte einen heidnischen Vater und eine christliche Mutter. Doch er wurde erst durch ein Bekehrungserlebnis zum überzeugten Christen. Dank seiner Intelligenz und Redegewandtheit entwickelte er sich dann zu einem der wichtigsten Theologen des frühen Christentums.

Aber seine Lebenszeit war von der einsetzenden Völkerwanderung geprägt. Bereits im Jahr 410 n. Christus wurde Rom von den Goten geplündert. Die damalige Welt schien wie aus den Angeln gehoben. Aus diesen traumatischen Erfahrungen heraus verfasste Augustinus seine wichtigste Schrift: Vom Gottesstaat.

Darüber hinaus erlebte Augustinus die Etablierung des römischen Papsttums. Er pflegte auch sehr gute Beziehungen zur Führung des römischen Reiches. Dies förderte seinen Aufstieg zum Anführer der Christen in Nord-Afrika. Dort erlebte er jedoch den Einmarsch der Vandalen.

Schließlich verstarb Augustinus am 28. August 430 n. Christus im hohen Alter von 75 Jahren im heutigen Annaba (Algerien). Aber nicht nur seine Theologie, sondern auch seine politische Philosophie wirken bis heute nach.

Leben von Augustinus bis zur Bekehrung

Intelligenz und Eloquenz

Augustinus wuchs in ärmlichen Verhältnissen als Sohn eines Bauern in Numidien auf. Seine Mutter hieß Monica. Sie kam aus einem Berber-Stamm und war bereits zum Christentum konvertiert.

Der junge Augustinus wurde deshalb christlich erzogen. Zu seiner Zeit taufte man jedoch die Kinder noch nicht. Dieser Brauch und die zugehörige Lehre von der Erbsünde wurde erst von ihm selbst etabliert. 

Augustinus von Hippo wuchs mit zwei Geschwistern auf, einem Bruder und einer Schwester. Seine Muttersprache war das Lateinische. Er ging in seinem Heimatort Thagaste zur Schule und lernte dort auch die Grundlagen der griechischen Sprache.

Schon als Junge fiel Augustinus sehr positiv durch seine Cleverness und Eloquenz auf. Er wurde deshalb zur Universität in eine Nachbarstadt geschickt. Anschließend durfte er Rhetorik in Karthago studieren.

Studienjahre in Karthago

Mit seinem Hauptfach befand sich der junge Mann auf dem Weg zu einer Karriere als Anwalt. Inhaltlich befasste sich Augustinus während seiner Zeit in Karthago beispielsweise mit den Schriften des Marcus Tullius Cicero.

Aber Augustinus ließ es sich während seiner Studienzeit in Karthago auch gut gehen. Er wusste, wie man feiert. Bald ging er auch eine uneheliche Beziehung ein, die schnell Nachwuchs hervorbrachte.

Erste theologische Schritte

Erstmalig befasste er sich in diesen Jahren intensiv mit der Bibel. Doch Augustinus konnte am Alten Testament kein gutes Haar lassen und wandte sich in religiösen Fragen verstärkt dem Manichäismus zu.

Der Manichäismus war eine monotheistische Strömung in der Spätantike sowie im frühen Mittelalter. Askese und das Streben nach „Reinheit“ standen im Mittelpunkt dieser Glaubenslehre, die Augustinus bereits von seinem Vater kennengelernt hatte.

Doch im Jahr 383 n. Christus kam es zu einer Begegnung zwischen Augustinus und einem manichäistischen Bischof. Es folgte ein theologischer Diskurs, der sehr enttäuschend für den gewandten Denker war.

So wendete sich Augustinus Schritt für Schritt von seinem heidnischen Glauben ab. Doch es kam erst noch zu einer weiteren Wendung seines Schicksals.

Begegnung mit Bischof Ambrosius

Augustinus war sehr beliebt und knüpfte immer wieder wertvolle Kontakte. Dank der Empfehlung eines römischen Präfekten wurde er im Jahr 384 n. Christus an den Hof des römischen Kaisers nach Mailand gerufen.

Dort sollte er als eine Art Regierungssprecher die Politik des Kaisers in öffentlichen Reden kommunizieren. Eigentlich war Augustinus gerufen worden, da er sich bisher stark gegen das aufstrebende Christentum positioniert hatte.

Doch in Mailand geriet er unter den Einfluss des charismatischen Bischofs Ambrosius. Dieser wird ebenfalls zu den antiken Kirchenlehrern gezählt.

Bekehrungserlebnis des Augustinus

Die widersprüchlichen Einflüsse, das Leben fernab der Heimat und die politischen Veränderungen seiner Zeit stürzten Augustinus schließlich in eine schwere Krise. Das seelische Leiden des talentierten Denkers nahm solche Auswüchse an, dass er seine Tätigkeit am Kaiserhof beendete.

Er beschloss auch dem weltlichen Genuss zu entsagen und sich in eine Klausur bei einem Freund zu begeben. In einem Zustand der völligen Verzweifelung machte Augustinus am 15. August 386 n. Christus einen Spaziergang im Garten seines Gastgebers.

Schließlich wollte er eine Pause machen und ließ sich im Schatten eines Feigenbaumes nieder. Daraufhin erschien ihm ein Junge mit einer Schriftrolle und forderte Augustinus auf: „Nimm, lies!“.

Es handelte sich um Auszüge aus den Briefen des Apostels Paulus:

„Lasst uns ehrbar leben wie am Tage, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Unzucht und Ausschweifung, nicht in Hader und Neid sondern zieht an den Herrn Jesus Christus und sorgt für den Leib nicht so, dass ihr den Begierden verfallt. Den Schwachen im Glauben nehmt an und streitet nicht über Meinungen.“ Röm 13,13–14 und Röm 14,1

Kirchenvater in der Spätantike

Taufe von Augustinus und erste Streitschriften

Nach dem Bekehrungserlebnis unter dem Feigenbaum in Mailand begab sich Augustinus zusammen mit seinem unehelichen Sohn zu einem Landgut eines weiteren Freundes in der Nähe des Comer Sees. Dort ließ er sich am Osterfest des Jahres 387 n. Christus taufen.

Bald darauf begann Augustinus erste Streitschriften gegen andere christliche Splittergruppen zu formulieren. Ab 391 n. Christus weilte Augustinus wieder in Afrika und gründete ein Kloster in der Stadt Hippo. Dies sollte seinen Beinamen prägen – Augustinus von Hippo.

Goten plündern Rom 410 n. Christus

Das Jahr 410 n. Christus sollte für die bekannte Welt rundum das Mittelmeer jedoch zum Wendepunkt werden. König Alarich I. führte die Westgoten nach Italien und plünderte Rom. Dies war jedoch nicht nur ein militärisches und wirtschaftliches Desaster.

Rom hatte auch eine bedeutende Rolle im früh-christlichen Gründungsmythos um den Apostel Petrus. Mit dem Fall der geistigen und weltlichen Hauptstadt geriet für viele Menschen die Welt aus den Fugen. Augustinus verfasste unter diesem Eindruck sein wichtigstes Schriftwerk.

De civitate Dei – 22 Bücher über den Gottesstaat

Vor dem Hintergrund des Falls von Rom schrieb Augustinus von Hippo sein Hauptwerk. Er entwickelte die Idee vom Gottesstaat mit seinem Gegenpol, dem irdischen Staat. Damit sind jedoch keine realen Staatsformen gemeint.

  • Der Gottesstaat (civitate dei) ist ein Zustand, den ein gläubiger Christ in seinem Inneren finden kann, wenn nach den Geboten Gottes gelebt wird.
  • Im Gegensatz dazu ist der irdische Staat (civitate terrena) das teils gottgewollte Chaos des täglichen Lebens.

Die Vorstellung vom Gottesstaat ist dabei stark abhängig vom philosophischen Wahrheitsbegriff des Augustinus. Diesbezüglich orientierte er sich an der Mathematik als einem Vorbild für ideale Wahrheiten. Diese sind sowohl notwendig wie auch ewig.

Die Überlegung von Augustinus war deshalb, einen geschützten Raum zu schaffen. Nur in diesem inneren Refugium kann man seiner Erkenntnis nach zum „Bürger im Gottesstaat“ werden. Den notwendigen äußeren Schutz für die Realisierung einer solchen Glaubenslehre konnten die Christen seiner Zeit jedoch nicht gewährleisten.

Wanderung der Vandalen nach Nord-Afrika

Karte der Wanderung der Vandalen von 400 bis 455 n. Chr.
Der Zug der Vandalen (ODbL)

Mit der Plünderung Roms durch die Goten hatte die Völkerwanderung jedoch nur einen Auftakt erlebt. Auch die Vandalen hatten ihre große Reise bereits angetreten. Schon in den ersten Jahren des 5. Jahrhunderts n. Christus hatten die germanischen Krieger große Teile des nördlichen Spanien eingenommen.

In nur etwa zehn Jahren war es Ihnen gelungen, sich durch die iberische Halbinsel bis nach Gibraltar vorzukämpfen. Dort angekommen, spähten die Germanen alsbald sehnsüchtig über die Meerenge. In wenigen Jahrzehnten wurde die Landmacht zu einem seefahrenden Volk.

Unter der Führung von Geiserich gelang den Vandalen dann das Meisterstück. Sie bauten eine Flotte, die groß genug war, um den Stamm ins reiche Nord-Afrika übersetzen zu lassen. Von dort aus zogen sie an der Küste entlang gegen Karthago. Dabei plünderten die Vandalen zahlreiche Ortschaften und bedrohten die christlichen Gemeinden.

Augustinus von Hippo war zu diesem Zeitpunkt die Führungsfigur der Christen in Nord-Afrika. Er sah sich verantwortlich für deren Seelen. Doch militärisch war den Vandalen nichts entgegen zu setzen.

Unter der Führung Ihres Königs eroberten sie die gesamte Nord-Küste. Sie entwickelten dort jedoch keinen eigenen Staat. Vielmehr passten sich die Vandalen dem regionalen Leben an. Sie verschmolzen binnen weniger Generationen mit den Einheimischen.

Theologische Beiträge von Augustinus

Lehre von der Erbsünde und ihre Widersprüche

Die letzten persönlichen Zeugen des Jesus von Nazaret waren gegen Ende des 1. Jahrhunderts verstorben. Doch parallel hatte das Christentum begonnen, sich erst in der Stadt Jerusalem, dann in der Provinz Judäa und schließlich in der ganzen Welt auszubreiten.

Karte der Orte an denen der Apostel Paulus von 46 bis 57 n. Christus missionierte.
Apostel Paulus und seine Reisen zur Missionierung (ODbL)

Aber der christliche Glaube war in dieser Phase noch keine ausdefinierte Religion. Vielmehr mussten die frühen Bischöfe in theologischen Diskussionen die inhaltlichen Lücken füllen und offene Fragen beantworten. Aufgrund der räumlichen Verteilung der jungen Gemeinden konnten sich die Beteiligten häufig nur Briefe schreiben.

Eine besondere Herausforderung sah man in der Frage, wie denn eigentlich die Seele in den Körper eines Menschen kommt. In der Antike entwickelten sich hierzu zwei Erklärungsansätze: 

  • Tertullian beschrieb erstmals in der Mitte des 2. Jahrhunderts den Generatianismus. Diese Lehre besagt, dass die Seele bei der Zeugung durch den Samen des Vaters übertragen wird.
  • Laktanz hingegen argumentierte etwa 150 Jahre später hinsichtlich eines Kreatianismus. Diese Idee besagt, dass die menschliche Seele im Moment der Zeugung von Gott neu erschaffen wird. Diese Interpretation hat sich als offizielle Lehrmeinung durchgesetzt und begründet beispielsweise auch das häufig thematisierte Abtreibungsverbot.

Augustinus von Hippo positionierte sich zwar nicht eindeutig in diesem Konflikt. Jedoch nutzte er den Generatianismus, um eine zentrale Grundlage des christlichen Glaubens zu entwickeln:

„Per unum hominem peccatum intraverit in mundum, et per peccatum mors et ita in omnes homines pertransiit, in quo omnes peccaverunt.“

Der Kirchenvater Augustinus verknüpfte in seiner Theologie eine Passage aus der Vulgata mit der Vorstellung von der Weitergabe der Seele von Vater auf Kind. Das bedeutet, dass seit Adam und Eva die Sünde von Generation zu Generation übertragen wird.

„Durch einen Menschen [Adam] ist die Sünde in die Welt gekommen und durch die Sünde der Tod und ist so auf alle Menschen übergegangen: in ihm [Adam] haben alle gesündigt.“

Obwohl die katholische Kirche die theologische Basis der Erbsünde seit langer Zeit ablehnt, handelt es sich seit Augustinus bei dieser Lehre dennoch um einen tragenden Pfeiler der Religion. Aus institutioneller Sicht ist dies auch sehr vorteilhaft, weil alle Gläubigen in eine permanente Abhängigkeit gezwungen werden.

Selbst Martin Luther, als großer Kritiker von unlauteren Praktiken der römischen Kirche, war ein radikaler Verfechter eines Verständnisses von Sünde im Sinne des Augustinus von Hippo. Seine „Theologie des Kreuzes“ und auch die heutige Kirche der Protestanten sieht die Sündenerkenntnis als einzigen Weg zum Heil.

Bedeutungswandel der christlichen Taufe

Durch den Einfluss von Johannes dem Täufer hatte die Taufe als symbolischer Akt bereits für die Ur-Christen eine hohe Bedeutung. Der Gläubige bekannte sich mit dieser Zeremonie öffentlich zu Gott und seinen Geboten. Dadurch wurde man dann auch ein Mitglied der Gemeinschaft der Gläubigen.

Dabei muss man berücksichtigen, dass den Ur-Christen von der jüdischen Priesterschaft Häresie vorgeworfen wurde. Ihre Anführer wurden verfolgt und teilweise sehr brutal hingerichtet. Insofern hatte die Taufe als öffentliches Bekenntnis zu einer solchen Gruppierung ursprünglich einen ganz eigenen Kontext.

Doch mit dem Aufkommen der Lehre von der Erbsünde wandelte sich auch der Sinn der Taufe. Das Aufnahmeritual für Erwachsene wurde zu einem Reinigungsritual, dass alle Menschen aufgrund ihrer Abstammung von Adam und Eva benötigen.

Seit dem Wirken des Kirchenvaters Augustinus von Hippo werden deshalb die christlichen Kinder vorsorglich bald nach der Geburt getauft. Diese Regelung stärkte nebenbei aber ebenfalls die Kirche als Institution, weil der Nachwuchs von Mitgliedern der Gemeinden seitdem automatisch rekrutiert wird.

De Trinitate – Über die Dreieinigkeit

Im frühen Christentum hatten sich zur Frage der Göttlichkeit von Jesus unterschiedliche Positionen herausgebildet. Die Strömung der Arianer sah ihn beispielsweise als Menschen. Dies brachte ihnen später den Vorwurf der Häresie ein.

Im Jahr 325 n. Christus wurde deshalb auf dem 1. ökumenischen Konzil das trinitarische Glaubensbekenntnis von Nicäa formuliert:

„Ich glaube an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer alles Sichtbaren und Unsichtbaren. Und an den einen Herrn Jesus Christus, den Sohn Gottes, […] Gott aus Gott, Licht aus Licht, wahrer Gott aus wahrem Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater…“

Augustinus von Hippo verfasste mit De Trinitate zu diesem Thema sein dogmatisches Hauptwerk. Mit seinem Werk entwickelte der Kirchenvater die Frage der Göttlichkeit von Jesus weiter. Jahrzehnte nach seinem Tod wurde das Werk von Papst Leo dem Großen aufgegriffen.

Im Jahr 451 n. Christus wurde auf dem 4. ökumenischen Konzil die Arbeit von Augustinus für die Formulierung des Glaubensbekenntnis von Chalcedon verwendet:

„Wir folgen also den heiligen Vätern und lehren alle einmütig, einen und denselben Sohn zu bekennen, unseren Herrn Jesus Christus. Derselbe ist vollkommen in der Gottheit und derselbe vollkommen in der Menschheit, derselbe wirklich Gott und wirklich Mensch aus einer vernünftigen Seele und einem Körper. Er ist dem Vater wesensgleich nach der Gottheit und derselbe uns wesensgleich nach der Menschheit, in jeder Hinsicht uns ähnlich, ausgenommen die Sünde.“

Ewige Qualen in der Hölle

Im Evangelium des Matthäus taucht der theologische Begriff „Äon“ auf. Das Wort steht sowohl für Leben beziehungsweise Lebenszeit wie auch für Ewigkeit.

„Und diese werden weggehen zur ewigen Strafe, die Gerechten aber zum ewigen Leben.“ Mt 25,46

In der Diskussion dieser Passage des Evangeliums kam die Frage auf, ob ewige Qual in der Hölle eine verhältnismäßige Strafe für zeitlich begrenztes Fehlverhalten sein kann. Augustinus von Hippo löste auch dieses Problem rhetorisch gekonnt mit einem Hinweis auf seine Lehre von der Erbsünde.

Da der Mensch ewiges Übel in sich trägt, ist auch eine ewige Strafe in der Hölle eine adäquate Endlösung. In diesem Zusammenhang äußerte sich Augustinus von Hippo auch zur Funktion eines Gerichtes wie des Jüngsten Gerichtes. Eine solche Institution kann seiner Theologie zu Folge nur strafenden, aber keinen reinigenden Charakter haben.

Judenhetze – Ihr habt Christus getötet!

Augustinus von Hippo attackierte über Jahrzehnte hinweg Juden und hinterließ zahlreiche Quellen. Er forcierte den Vorwurf des Mordes von Christus und verfasste im hohen Alter die Predigt: Gegen die Juden.

„In euren Vätern habt ihr Christus getötet.“

Zur rhetorischen Aufwertung seiner Hetze verwendete Augustinus zahlreiche Bilder, Vergleiche und ganze offene Beleidigungen. Der christliche Kirchenvater bezeichnete jüdische Menschen beispielsweise als Wölfe, Sünder, Mörder, triefäugige Schar oder als aufgerührten Schmutz.

Philosophische Themen des Augustinus

Wahrheitsbegriff

In seinen frühen Jahren war Augustinus stark vom Skeptizismus geprägt. Der Begriff der Wahrheit begleitete ihn zeitlebens und fand seine Basis in der unzweifelhaften Existenz des Denkenden. Das cogito ergo sum von René Descartes nahm er damit voraus.

Die Wahrheit war für Augustinus eine Notwendigkeit und hatte vor allem auch einen ewigen Charakter. Die Mathematik stellte deshalb für ihn eine Vorbildfunktion für ideale Wahrheiten dar.

„Suche nicht draußen! Kehre in dich selbst zurück! Im Innern des Menschen wohnt die Wahrheit. […] [D]er Verstand schafft die Wahrheit nicht, sondern findet sie vor.“

Aufgrund des steten Wandels der äußeren Welt und der damit verbundenen Unzuverlässigkeit von Erkenntnissen kann die Wahrheit deshalb nur im Verstand gefunden werden.

Zeitverständnis

Augustinus von Hippo hatte ein Verständnis von Zeit, dass wesentlich von subjektiven Komponenten geprägt war und nur die Gegenwart kannte:

  • Die Vergangenheit ist eine gegenwärtige Erinnerung.
  • Die Zukunft ist eine gegenwärtige Erwartung.

Dennoch ist die Zeit nach Augustinus von Gott geschaffen. Damit ist sie auch für ihn ein Teil der physischen Welt. Dennoch unterschied sich der Kirchenvater damit grundsätzlich vom objektiven Zeitverständnis, dass bereits von Platon geprägt wurde.