Oliver Cromwell

Oliver Cromwell – Lordprotektor

Oliver Cromwell wurde am 25. April 1599 in Huntingdon geboren. Anfangs war er nur ein Abgeordneter des Parlaments. Doch im Widerstand gegen die absolutistischen Ansprüche von König Karl I. Stuart wurde er zum Feldherrn des republikanischen Parlamentsheeres.

Oliver Cromwell Porträt
Oliver Cromwell um 1656 (Maler: Samuel Cooper / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Nach dem Bürgerkrieg schwang sich Oliver Cromwell selbst zum Regenten auf. Als „Lordprotektor“ war er zwar kein gekrönter König. Cromwell übte aber eine vergleichbare Macht aus und verwandelte England zeitweise sogar in eine Militärdiktatur.

Sein Lebenswerk wird auch deshalb zwiespältig beurteilt. Oliver Cromwell gilt in der englischen Bevölkerung zwar bis heute als einer der größten Briten aller Zeiten.

Für andere war er aber ein Königsmörder und Tyrann. Sein Vorgehen gegen Katholiken insbesondere in Irland hatte sogar genozidalen Charakter.

Des Weiteren etablierte Oliver Cromwell eine dynastische Erbfolge. Sein Sohn Richard Cromwell wurde Nachfolger als Lordprotektor.

Richard Cromwell gab diese Position jedoch nach wenigen Monaten freiwillig auf und ging ins Exil nach Frankreich. Letztlich kam wieder das Haus Stuart an die Macht.

Abstammung von Oliver Cromwell

Oliver Cromwell war der Sohn des Landadeligen Robert Cromwell und konnte auf eine ansehnliche Familiengeschichte blicken:

  • Väterlicherseits war er ein Ur-Großneffe von Thomas Cromwell, dem Lordsiegelbewahrer von König Heinrich VIII. Tudor. Dieser hatte zeitweise extrem viel Einfluss am Hof, wurde jedoch schließlich hingerichtet.
  • Mütterlicherseits war Oliver Cromwell mit dem Haus Stuart entfernt verwandt.

Die Familie von Oliver Cromwell war während der Zeit von eben jenem Thomas Cromwell zu großem Reichtum gekommen. Sie hatten nach der Abspaltung der englischen Kirche von der Auflösung von Klöstern, der „Dissolution of the Monasteries“ von 1536 bis 1541, profitiert.

Der Großvater von Oliver Cromwell hatte jedoch viele Erben. Das einstmals sehr große Vermögen wurde aufgeteilt. Doch der spätere Lordprotektor verbrachte seine Jugend immer noch in auskömmlichen Verhältnissen, ohne aber reich gewesen zu sein:

„I was by birth a gentleman, living neither in considerable height, nor yet in obscurity.“

Student der University of Cambridge

Oliver Cromwell besuchte als Kind zunächst die Huntingdon Grammar School. Als Student wechselte er an das Sidney Sussex College der University of Cambridge.

Sidney Sussex College
Sidney Sussex College um 1690 (Urheber: David Loggan / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Das College war damals erst wenige Jahre alt und hatte ein streng protestantisches Profil. Oliver Cromwell verließ die puritanische Einrichtung unmittelbar nach dem Tod seines Vaters ohne Abschluss.

Historiker spekulieren, dass Oliver Cromwell anschließend an einem der Inns of Court tätig war. Das waren die vier Anwaltskammern, deren Mitglieder vor Gericht plädieren durften.

Einer anderen Überlegung nach kehrte Oliver Cromwell heim nach Huntingdon. Seine Mutter war verwitwet und die sieben Schwestern noch unverheiratet. Möglicherweise wurde er dort gebraucht.

Ehe mit Elizabeth Bourchier (1620)

Oliver Cromwell heiratete am 22. August 1620 mit Elizabeth Bourchier die Tochter eines reichen Lederwaren-Händlers. Damit wurde der spätere Lordprotektor Teil eines einflussreichen Netzwerkes von Unternehmern.

Aus der Ehe gingen darüber hinaus neun Kinder hervor:

  1. Robert (1621–1639)
  2. Oliver (1622–1644)
  3. Bridget (1624–1662)
  4. Richard (1626–1712)
  5. Henry (1628–1674)
  6. Elizabeth (1629–1658)
  7. James (1632 – 1632)
  8. Mary (1637–1713)
  9. Frances (1638–1720)

Erste Wahl in das englische Parlament

1628 wurde Oliver Cromwell für Huntingdonshire in das englische Parlament gewählt. Noch im selben Jahr begab er sich in ärztliche Behandlung wegen verschiedener Beschwerden, darunter auch Depressionen.

In seinem ursprünglichen Wahldistrikt kam es jedoch wohl auch zu Streitigkeiten. Oliver Cromwell verkaufte den Großteil seiner Güter und zog nach St Ives in Cambridgeshire.

Es folgten einige turbulente Jahre. Oliver Cromwell bestritt seinen Lebensunterhalt nur noch mit der Haltung von einigen Schafen und verkaufte die Eier von Hühnern. Zeitweise plante er die Auswanderung nach Connecticut.

Zweite Wahl in das englische Parlament

Ende der 1630er Jahre erbte Oliver Cromwell ein kleines Vermögen von einem Onkel. In der Folge stabilisierte sich seine Situation.

Er überschritt wieder eine wichtige Einkommensgrenze, die für die Zugehörigkeit zum Landadel (= Gentry) notwendig war. Das waren etwa 300 £ im Jahr.

1640 wurde Oliver Cromwell für den Bezirk Cambridge erneut in das Parlament gewählt. Er verdankte diesen politischen Erfolg wohl der Patronage von mächtigen Freunden.

In den kommenden zwei Jahren baute er enge Beziehungen zu einer Gruppierung von Aristokraten auf, die sowohl im Unter- wie auch im Oberhaus vertreten waren. Diese Leuten planten Reformen, um den König stärker zu kontrollieren.

Englische Bürgerkriege (1639 bis 1653)

Die englischen Bürgerkriege oder auch Wars of the Three Kingdoms waren eine Serie von militärischen Konflikt zwischen Royalisten und Republikanern. Von 1638 bis 1653 beteiligten sich etwa 15 % bis 20 % der männlichen Bevölkerung an den Kämpfen:

  • Bishops‘ Wars von 1639 bis 1640.
  • Irish Confederate Wars von 1641 bis 1653.
  • First English Civil War von 1642 bis 1646.
  • Second English Civil War von 1648.
  • Third English Civil War von 1649 bis 1651.
  • Cromwellian conquest of Ireland von 1649 bis 1653.

Während dieser Kriege der drei Königreiche starben etwa 4 % der Gesamtbevölkerung. In Anteilen gemessen waren die Konflikte verlustreicher als der Erste Weltkrieg von 1914 bis 1918 mit einer Quote von 2,23 %.

Allgemein gilt, dass der absolutistische Herrschaftsanspruch von Karl I. von England zu den Spannungen führte. Zum Funken am Pulverfass wurde ein Konflikt mit der Kirche von Schottland.

Erster und Zweiter Bischofskrieg (1639 bis 1640)

Noch unter König Jakob I. Stuart, englisch James I. Stuart, war das Verhältnis zwischen Krone und Kirche relativ gut. Vor allem das Einsetzen von Bischöfen war ein kooperatives Wechselspiel.

Aber der thronfolgende Sohn Karl I. Stuart versuchte als König, ihm treue Bischöfe mit seiner Macht durchzusetzen. Dies führte dann schon zu großen Widerständen.

Im Jahr 1637 wollte Karl I. Stuart dann auch noch die englische Liturgie in Schottland erzwingen. In der Folge kam es zu ersten Aufständen im Norden der britischen Hauptinsel.

1638 entschied sich Karl I. Stuart deshalb zu einem militärischen Vorgehen. Um Zeit zu gewinnen, rief der König eine erste Generalversammlung der schottischen Kirche und des schottischen Parlamentes ein. Dort wurden jedoch nur Beschlüsse gegen seine Vorstellungen gefasst.

Der König baute nun eine Armee auf und marschierte 1639 nach Norden. Die Bischofskriege begannen:

  • Erster Bischofskrieg: Im Sommer 1639 traf eine 20.000 Mann starke Armee von Karl I. Stuart in Berwick-upon-Tweed auf eine überraschend gut organisierte Streitmacht der Schotten. Keine Seite wollte angreifen. Deshalb einigte man sich auf einen Friedensschluss sowie eine zweite Generalversammlung zur Klärung der Streitfragen.
  • Zweite Generalversammlung: Die zur Klärung der Streitfragen eingerufene Versammlung bestätigte jedoch erneut die Beschlüsse der ersten Generalversammlung. Darüber hinaus sagte sich das schottische Parlament von der Kontrolle durch den englischen König los. Nun nutzte auch das englische Parlament die Chance und stellte hohe Forderungen an Karl I. Stuart.
  • Zweiter Bischofskrieg: König Karl I. setzte wieder auf den militärischen Weg. Sein Berater Thomas Wentworth trieb mit allen Mitteln Gelder ein, um eine Armee aufzustellen. Das Heer hatte jedoch nur eine geringe Moral und wenig Kampfkraft. Die Schotten überquerten den Fluss Tweed und schlugen den Feind in die Flucht.

König Karl I. Stuart musste nun das englische Parlament um Gelder anbetteln. Die Abgeordneten konnten dem Monarchen im Gegenzug weitere Rechte abtrotzen. Zentral war das neue Recht, die Arbeit der Minister zu kritisieren.

Die Probleme mit den Schotten konnten anschließend durch die Anerkennung der Beschlüsse der Generalversammlungen sowie einige Adelstitel bereinigt werden. Doch nun war der Grundstein für einen Bürgerkrieg in England gelegt.

Irische Konföderationskriege (1641 bis 1653)

Doch zunächst kam es im Oktober 1641 zu einer Rebellion in Irland. Eigentlich war geplant, dass die wenigen englischen Soldaten auf der grünen Insel überfallartig besiegt werden.

Doch ein Informant verriet den Plan und es kam kurz nach Beginn der Aktionen zur Verhaftung von zwei Schlüsselfiguren. In der Folge geriet die irische Rebellion außer Kontrolle. Es folgten diverse Massaker an den verhassten Engländern, darunter vor allem auch Zivilisten.

Karl I. von England
König Karl I. von England (Maler: Anthony van Dyck / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Katholiken und Protestanten brachten sich zu Tausenden um. Die Gewalt wurde noch stärker angeheizt, weil das englische Parlament entschied, dass keine Gefangenen gemacht werden sollen.

König Karl I. entsandte deshalb 1642 eine große Armee nach Irland. Im Gegenzug wurde die irische Konföderation ausgerufen. Dafür erhielten die Iren Unterstützung von Frankreich, Spanien und sogar dem römischen Papst.

Die Konföderierten nutzten ihre Chance jedoch nicht. Sie ließen sich bis 1646 auf Verhandlungen über eine irische Unabhängigkeit ein.

Im August 1649 landete dann Oliver Cromwell mit der New Model Army in Irland. Vor allem dank seiner Artillerie konnte er in zahlreichen Gefechten die Insel zurückerobern.

Der Krieg der drei Königreiche war in Irland extrem blutig. Heutige Schätzungen gehen von etwa 200.000 Toten bei einer Gesamtbevölkerung von damals 1,5 Millionen Menschen aus.

Erster Englischer Bürgerkrieg (1642 bis 1646)

Spätestens ab dem Jahr 1640 herrschte im englischen Parlament die breite Meinung vor, dass König Karl I. Stuart mit seiner Herrschaftspraxis zu weit ging. Die Konflikte mit den schottischen Clans und in Irland führten dann zur entscheidenden Schwächung seiner Position.

Auslöser: Große Remonstranz von 1641

Im Jahr 1641 kam es zur „Großen Remonstranz“. Den Begriff Remonstration gibt es bis heute. Damit bezeichnet man das Recht eines Beamten, einem Vorgesetzten eine Gegenvorstellung zu einer Entscheidung vorzulegen.

Die Große Remonstranz der englischen Parlamentarier vom 23. November 1641 enthielt 204 Artikel. Diese listeten alle Verfehlungen von Karl I. Stuart seit seinem Amtsantritt im Jahr 1625 auf.

Der englische König setzte daraufhin wieder auf Gewalt. Am 04. Januar 1642 besetzte er mit 400 Bewaffneten das Parlament.

Karl I. Stuart wollte eigentlich fünf Rädelsführer verhaften lassen, die waren aber bereits geflohen. Dieser offene Verfassungsbruch löste Unruhen in London aus und der erste englische Bürgerkrieg begann.

Erste Kampagne von 1642

Zu Beginn des ersten englischen Bürgerkrieges gingen beide Seiten von einem schnellen Sieg durch eine große Entscheidungsschlacht aus. Doch zunächst kam es nur zu kleineren Gefechten im Süden von England.

König Karl I. verfügte schließlich über eine Armee von etwa 15.000 Mann. Diese bestand hauptsächlich aus Fußsoldaten, die häufig nur mit Knüppeln oder Sensen bewaffnet waren.

Dennoch waren die Royalisten immer noch besser ausgestattet und trainiert. Sie konnten jedoch auch nach mehreren Schlachten die Hauptstadt London nicht einnehmen und nutzten fortan Oxford als Hauptquartier:

  • Am 23. September 1642 wurde die Schlacht von Powick Bridge geschlagen. Dabei starben etwa 40 Rebellen.
  • Am 23. Oktober 1642 kam es zu einem Unentschieden in der Schlacht von Edge Hill. Es starben jeweils etwa 500 Personen.
  • Am 13. November 1642 trennten sich die Parteien nach der Schlacht von Turnham Green erneut ohne klaren Sieger mit jeweils etwa 50 Toten.

Oliver Cromwell war an den Kämpfen von 1642 kaum beteiligt. Seine militärische Erfahrung begrenzte sich anfangs auf die Führung lokaler Milizen.

Im Laufe des Jahres 1642 stellte Oliver Cromwell eine berittene Einheit auf. Zur Schlacht von Edge Hill im Oktober kamen sie jedoch zu spät.

Zweite Kampagne von 1643

Im zweiten Jahr des ersten englischen Bürgerkriegs änderten sich die Vorzeichen. Beide Parteien stellten sich nun auf einen längeren Konflikt ein.

Karte englischer Bürgerkrieg
Karte des englischen Bürgerkriegs von 1642 bis 1645 (Urheber: unbekannt / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Die Royalisten befestigten ihr Lager in Oxford. Man führte Friedensverhandlungen. Jedoch warben beide Parteien parallel auch um Unterstützung durch Iren und Schotten.

Im Süd-Westen konnten die Parteigänger von Karl I. Stuart dann einige Erfolge erzielen. Sie besetzten Cornwall und eroberten Bristol für ihre Sache.

Oliver Cromwell war in diesem Jahr vor allem in East Anglia aktiv und auch sehr erfolgreich. Am 28. Juli 1643 erlebte er in der Schlacht von Gainsborough sein erstes großes Gefecht und wurde anschließend zum Colonel befördert.

Beide Kriegsparteien hatten in diesem Jahr aber große Probleme mit der Koordinierung ihrer Maßnahmen. Dennoch gelang es den Royalisten im Spätsommer, die Hauptstadt London zu bedrohen.

Am 20. September 1643 wurden die Royalisten zurückgeworfen. Auch im Osten von England waren die Truppen des Parlamentes erfolgreich. Deutlich zeichnete sich nun ein langer und blutiger Konflikt ab.

Dritte Kampagne von 1644

Das Jahr 1644 begann vielversprechend für die Parlamentarier. Gemeinsam mit schottischen Verbündeten organisierten sie sich im Committee of both Kingdoms.

Ab dem 03. Februar belagerte Alexander Leslie, 1st Earl of Leven, die Stadt Newcastle um Kohlevorkommen zu sichern. Die Belagerung sollte sich dann jedoch bis Oktober hinziehen.

Alexander Leslie Porträt
Alexander Leslie, 1st Earl of Leven (Maler: unbekannt / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Am 29. März 1644 errangen die Parlamentarier einen Sieg in der Schlacht bei Cheriton im Süden von England. Zwei Wochen später folgte ein weiterer Sieg in der Schlacht bei Selby. Die Schotten belagerten nun auch York.

Die Parlamentarier waren dann im Mai schon auf dem Marsch gen Oxford. Doch das Kriegsglück wendete sich. Auf der Cropredy Bridge kam es am 29. Juni 1644 zu einem demoralisierenden Sieg der Royalisten.

Unter der Beteiligung von Oliver Cromwell trafen sich am 02. Juli 1644 in der größten Schlacht des ersten englischen Bürgerkrieges zwei Armeen in der Schlacht von Marston Moor. Die Parlamentarier errangen einen großen Sieg und hatten das Momentum wieder auf ihrer Seite.

Aber die Royalisten konnten im Spätsommer ihre Position erneut stärken. Sie hatten jedoch Probleme mit der Finanzierung, weil sie von dem System der Steuererhebung abgeschnitten waren. Deshalb setzten sie in ihren Gebieten Vigilanten ein, um sich mit Nachschub zu versorgen.

Die Parlamentarier litten hingegen unter internen Spaltungen. Im Gegensatz zu Oliver Cromwell befürworteten manche eine diplomatische Lösung des Konfliktes. Darüber hinaus wurde nun der Aufbau einer professionellen Armee besprochen, der New Model Army.

New Model Army – Parlamentsarmee

Als New Model Army bezeichnete man die Armee des Parlaments, die zu Beginn des Jahres 1645 einsatzbereit war. Der erste Oberbefehlshaber hieß Thomas Fairfax. Die Soldaten waren Freiwillige und in der Regel Puritaner.

Das besondere an der New Modell Army war, dass der soziale Stand keinen Einfluss auf die Kommandogewalt hatte. Das war ein zentraler Unterschied zu den sonstigen Armee der damaligen Zeit.

Oliver Cromwell
Oliver Cromwell nach der Schlacht von Naseby (Maler: Charles Landseer / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Die Infanterie bestand zu zwei Dritteln aus Musketieren. Die übrigen Soldaten waren Pikeniere.

Oliver Cromwell erhielt schon 1645 den Befehl über die Reiterei. Die Kavallerie bestand aus Kürassieren und Arkebusierreiter.

Außerdem verfügten sie über ein Regiment Dragoner. Das waren berittene Fußsoldaten.

Oliver Cromwell hatte zwar keine militärische Ausbildung. Doch er war ein charismatischer Anführer und setzte seine Reiter sehr aggressiv ein.

In den kommenden Schlachten führte er die Kavallerie mit hoher Disziplin in engen Formationen. Er suchte kleine Geplänkel, in denen er die Überlegenheit gewinnen und behaupten konnte.

Oliver Cromwell gestattete seinen Reitern in der Regel keine Verfolgungen. Dafür sammelte er schnell seine Truppen, um in kurzen Abständen viele Angriffe mit geballter Macht führen zu können.

Außerdem hatte die New Model Army eine „Forlorn Hope“-Kompanie, eine Kompanie der verlorenen Hoffnung. Das waren Freiwillige, die besonders gefährliche Aufgaben übernahmen.

Vierte Kampagne von 1645

Das Jahr 1645 begann mit Friedensverhandlungen. Diesen scheiterten jedoch, was Leuten wie Oliver Cromwell zusätzlichen Rückhalt einbrachte.

Militärisch folgte ein Schlagabtausch an unterschiedlichen Frontabschnitten. Am 14. Juni 1645 errang die New Model Army in der Schlacht von Naseby einen deutlichen Sieg für die Parlamentarier.

Die Royalisten verloren dabei nicht nur einen großen Teil ihrer besten Truppen. Auch der Tross mit dem persönlichen Gepäck und der Korrespondenz von König Karl I. Stuart wurden erbeutet.

In der Schlacht bei Langport erlitten die Royalisten am 10. Juli 1645 erneut eine schwere Niederlage. Im September wurde Berkeley Castle eingenommen und Oliver Cromwell eroberte Basing House sowie Winchester.

In der Schlacht bei Rowton Heath im September wurden die Reste der royalistischen Kavallerie zerschlagen. Im Winter wurde König Karl I. dann in Oxford eingeschlossen und belagert.

Letzte Gefechte von 1646

Am 16. Februar und am 12. März gewann die New Model Army zwei kleinere Gefechte. Die letzte Schlacht des ersten englischen Bürgerkriegs fand am 21. März 1646 in Stow-on-the-Wold statt.

Das Parlament erließ eine Art Amnestie für Royalisten, die bis zum 01. Mai 1646 die Seiten wechseln wollten. In der Zwischenzeit nahm die New Model Army noch verbliebene Städte wie Barnstaple und Exeter ein.

Ende April flüchtete König Karl I. in Verkleidung aus Oxford. Nach etwa einer Woche wurde er von dem schottischen Kommandeur David Leslie gefangen. Die meisten Royalisten kapitulierten daraufhin.

Das letzte Widerstandsnest der Royalisten war Harlech Castle in Wales. Dort gab man den Kampf erst am 13. März 1647 auf.

Politisches Zwischenspiel (1647 bis 1648)

Anfang 1647 fiel Oliver Cromwell aus gesundheitlichen Gründen zunächst für einen Monat aus. Als er in die Politik zurückkehrte, waren die Parlamentarier zerstritten.

Viele sprachen sich für eine Wiedereinsetzung von Karl I. als konstitutionellem Monarch aus. Ein weiterer Streitpunkt war die noch ausstehende Bezahlung der Soldaten der New Model Army.

In der Folge kam es zu langen Verhandlungen. Viele Kompromisse wurden formuliert. Auch Oliver Cromwell hätte einem Vorschlag zugestimmt, doch letztlich konnten nie alle zufrieden gestellt werden.

Darüber hinaus spalteten sich die Parlamentarier immer stärker. Im Jahr 1648 sah Karl I. dank schottischer Royalisten erneut eine Chance, mit Gewalt zurück an die Macht zu kommen. Der zweite englische Bürgerkrieg brach aus.

Zweiter Englischer Bürgerkrieg (1648)

Im April 1648 erlangten die schottischen „Engagers“ die Mehrheit im Parlament. Das war eine Gruppierung, die auf Vereinbarungen mit König Karl I. Stuart setzte.

Schlacht bei Preston Karte
Oliver Cromwell siegte in der Schlacht von Preston (Urheber: Jlorenz1 / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Am 21. Mai 1648 kam es dann auch in Kent zu einer Revolte im Namen des Königs. Während ein Teil der parlamentarischen Armee unter Thomas Fairfax die Rebellen im Süden vernichtete, zog Oliver Cromwell nach Norden.

Er war nun erstmals der Oberbefehlshaber einer Armee. Sein Heer umfasste 9.000 Mann. In der zweiten Hälfte des August 1648 stellte er die schottischen Engagers in der Schlacht bei Preston und errang einen überragenden Sieg.

Die weiteren Brennpunkte dieses zweiten englischen Bürgerkrieges in Cornwall, Lincolnshire, Northamptonshire und North Wales kollabierten dann sehr schnell. Nur in Essex und South Wales kam es zu heftigeren Kämpfen.

Doch Karl I. Stuart hatte den Bogen nun endgültig überspannt. Die Forderung nach einem Verfahren und der Hinrichtung des Königs fand bei vielen wie auch bei Oliver Cromwell großen Zuspruch.

Der Hinrichtungsbefehl wurde von 59 Personen unterzeichnet. Oliver Cromwell stand an dritter Stelle. Am 30. Januar 1649 wurde Karl I. enthauptet und anschließend in Windsor neben dem Grab von Heinrich VIII. bestattet.

Lordprotektor of the Commonwealth

Nach der Exekution von Karl I. wurde das Commonwealth of England ausgerufen. Die exekutive und legislative Gewalt lag bei einem kleinen Parlament, das als „Rump“ bezeichnet wurde.

Die verbliebenen Royalisten organisierten sich währenddessen in Irland neu. Oliver Cromwell wurde mit einem Feldzug gegen diese „Confederate Catholics“ beauftragt.

Bei der Vorbereitung der Kampagne hatte es Oliver Cromwell jedoch auch mit politischen Konflikten zu tun. Die „Levellers“, Befürworter der sozialen Gleichheit, wurden sehr populär.

Oliver Cromwell lehnte eine Egalisierung des gesellschaftlichen Standes jedoch ab. Die Folge waren viele Debatten und auch Meutereien in der Armee.

Rückeroberung Irlands (1649 bis 1653)

Im August 1649 kam Oliver Cromwell mit der New Model Army in Irland an. Mit einer Reihe von Belagerungen konnte er die Kontrolle wiederherstellen:

  • Belagerung von Drogheda: Mit 18.000 Mann und schweren 48-Pfund-Kanonen belagerte Oliver Cromwell zunächst die Stadt Drogheda an der irischen Ost-Küste. Die Verteidiger zählten nur 3.000 Mann. In einem Sturmangriff wurde die Stadt eingenommen. Anschließend kam es zu einem Massaker, bei dem alle feindlichen Soldaten und auch die katholischen Priester der Stadt ermordet wurden. Oliver Cromwell verlor nur 150 Mann.
  • Belagerung von Wexford: Im Oktober 1649 folgte die nächste ebenso erfolgreiche Belagerung. 6.000 Soldaten der New Model Army mit schweren Kanonen und Mörsern griffen Wexford mit einer Garnison von 4.800 Mann an. Oliver Cromwell ließ die Stadt zunächst beschießen und führte dann Verhandlungen. Während der Gespräche stürmten seine Soldaten aus unbekannten Gründen die Stadt. Hunderte Soldaten und etwa 1.500 Zivilisten wurden massakriert. Wexford war anschließend so zerstört, dass man die Stadt weder als Winterquartier noch als Hafen nutzen konnte.
  • Belagerungen von Waterford: Diese Stadt wurde zunächst Ende 1649 und dann nochmal im Sommer 1650 belagert. Die erste Belagerung schlug fehl, weil ein Versorgungsweg nicht abgeschnitten werden konnte und weitere Verstärkung nach Waterford kam. Bei der zweiten Belagerung wurde die Stadt so schwer beschossen, dass sie schließlich kapitulierte. Insgesamt fielen auf beiden Seiten mehrere tausend Soldaten. Hinzu kamen Verluste durch Hunger und Krankheiten.
  • Belagerung von Clonmel: Im April und Mai 1650 belagerte Oliver Cromwell die Stadt Clonmel. Die Stadt wurde sehr gut von einem Veteranen des 30-jährigen Krieges verteidigt. Oliver Cromwell hingegen hatte schon den Befehl erhalten, nach England zurückzukehren. Dort formierten sich wieder Royalisten. Er entschied sich in der Eile für einen Sturmangriff. Der war zwar erfolgreich, führte jedoch auch zu hohen Verlusten. Es war der blutigste Tag in der Geschichte der New Modell Army. 1.500 englische Soldaten wurden getötet und Hunderte verletzt.
  • Schlacht von Scarrifholis: Am 21. Juni 1650 versuchten die Iren, die New Model Army in einer Feldschlacht zurückzuschlagen. Die unerfahrene Armee erlitt trotz großer Überzahl eine blutige Niederlage, während die Engländer kaum Verluste hatten. Anschließend folgten weitere Belagerungen von schwer befestigten Städten.
  • Belagerungen von Limerick: Henry Ireton, ein Stellvertreter von Oliver Cromwell, belagerte Limerick zweimal. Der erste Versuch im Oktober 1650 musste aufgrund von schlechtem Wetter schnell abgebrochen werden. Die zweite Belagerung war sehr gut vorbereitet. Aus zwei vorgelagerten Stellungen, Ireton’s Fort und Cromwell’s Fort, bombardierte die New Model Army die Stadt. Dort kam es aufgrund von Hunger und Pest schließlich zu Meutereien. Ein Teil der Garnison richtete ihre Kanonen nach innen und erzwang die Kapitulation.
  • Belagerung von Galway: Oliver Cromwell kehrte nach seinem Erfolg im dritten englischen Bürgerkrieg nach Irland zurück. Im August 1651 begann er die Belagerung von Galway, die unter einem Stellvertreter noch bis zum Mai 1652 fortgesetzt wurde. Die Stadt war in den Jahren zuvor umfassend befestigt worden und machte es Angreifern sehr schwer. Doch Hunger und Pest zwangen Galway letztlich in die Knie.

Aufgrund der blutigen Eroberungen kapitulierten jedoch auch zahlreiche Städte gleich vor Oliver Cromwell und der New Model Army. Doch auch nach dem Fall von Galway war der Krieg in Irland noch nicht beendet.

Die Iren attackierten noch bis 1653 in kleinen Einheiten die verhassten Eroberer. Die Guerillas beendeten ihren Aktionen erst nach der Zusicherung, dass die Kämpfer das Land straffrei verlassen durften.

Dritter Englischer Bürgerkrieg (1649 bis 1651)

Während Oliver Cromwell in Irland einen extrem blutigen Feldzug führte, kam es in England erneut zu einem militärischen Konflikt. Dieser dritte englische Bürgerkrieg wurde von Karl II. Stuart ausgelöst, dem Sohn des exekutierten Königs.

Am 30. Januar 1649 wurde Karl II. von Royalisten unter anderem zum schottischen König ausgerufen. Es entwickelte sich ein Krieg zwischen England und dem nördlichen Nachbarn.

Karl II. Stuart Porträt
Karl II. Stuart um 1660 (Maler John Michael Wright / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Oliver Cromwell wurde aus Irland zurückgerufen und zum Lord-General ernannt. Im Sommer 1650 marschierte er mit 10.000 Fußsoldaten und 5.000 Reitern in Richtung Edinburgh.

Die Zahl seiner Gegner war größer, doch sie waren schlechter trainiert. Oliver Cromwell hatte dafür Probleme mit dem Nachschub.

Im Laufe des August 1650 kam es zu zahlreichen Operationen um Edinburgh, die keine Seite endgültig für sich entscheiden konnte. Oliver Cromwell zog sich nach Dunbar zurück und war zu diesem Zeitpunkt etwa 2:1 unterlegen, doch sehr viel motivierter.

Am 03. September 1650 errang Oliver Cromwell in der Schlacht bei Dunbar einen bedeutenden Sieg gegen einen ausmanövrierten Gegner. Bei etwa gleicher Truppenstärke auf beiden Seiten starben nur ein paar Dutzend Engländer.

Die Schotten hatten große Verluste zu beklagen: 300 bis 500 Tote, etwa 1.000 Verwundete und etwa 5.000 Gefangene. In der Folge konnte Oliver Cromwell mit Leichtigkeit den Süden von Schottland besetzen.

Darüber hinaus erhielt er Verstärkung aus England. In der Schlacht von Inverkeithing am 20. Juli 1651 errang der parlamentarische General John Lambert einen weiteren großen Sieg.

Nun versuchte die royalistische Armee den Ausbruch nach Süden. Karl II. träumte wohl von einer Eroberung Londons. Die Schotten marschierten nach England und wurden erst am 03. September 1651 in der Schlacht bei Worcester gestellt.

Oliver Cromwell errang bei Worcester den entscheidenden Sieg des dritten englischen Bürgerkrieges. Schottland wurde zum Vasallenstaat und unterlag fortan dem Kriegsrecht.

Entlassung des Rump Parliament (1653)

Oliver Cromwell Karikatur
Zeitgenössische Karikatur von Oliver Cromwell (Urheber: unbekannt / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Nach dem Ende der Bürgerkriege brachen neue politische Konflikte in England auf. Als Problem wurde beispielsweise angeführt, dass ein Monarch als bindendes Element für alle Interessensgruppen nun fehlte.

Oliver Cromwell versuchte vergeblich, die unterschiedlichen Strömungen und eine tolerante Kirche zu vereinen. Darüber hinaus sollte nach seiner Vorstellung ein regierender Rat von 40 Personen aus der Armee und dem Parlament entstehen.

Doch diese Initiativen scheiterten. Deshalb löste er am 20. April 1653 das Rump Parliament mit der Unterstützung von 40 Musketieren auf. Außerdem ließ er den zeremoniellen Streitkolben, das Symbol der parlamentarischen Macht, entfernen. Angeblich fielen dabei die Worte:

„You are no Parliament, I say you are no Parliament; I will put an end to your sitting.“

In der Folge setzte Oliver Cromwell eine noch kleinere Versammlung ein. Diese wurde spöttisch als Barebone’s Parliament bezeichnet.

Oliver Cromwell als Lordprotektor (1653 – 1658)

Am 16. Dezember 1653 wurde Oliver Cromwell als Lordprotektor des Reiches vereidigt. Mit diesem neuen Amt war er nun das Oberhaupt der Regierung und der Verwaltung. Im Prinzip wurde er damit ein König, es fehlte nur die Krone.

Als Lordprotektor konnte Oliver Cromwell nun auch das Parlament einberufen oder auflösen. Darüber hinaus erhielt er das stattliche Einkommen von 100.000 £ pro Jahr.

Oliver Cromwell erklärte die „Heilung“ des zerrissenen Landes zu seinem Ziel. Obwohl er zwar eine revolutionäre Regierung führte, waren die tatsächlichen Reformen der Gesellschaft überschaubar.

König Edwards Stuhl
König Edwards Stuhl – Krönungsstuhl der englischen König mit dem gestohlenen Stone of Scone (Bild: Kjetil Bjørnsrud / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Die nach wie vor bestehende gesellschaftliche Struktur sowie das Justizwesen stellten die alte Ordnung im Wesentlichen wieder her. Die Steuern wurden etwas gesenkt und Oliver Cromwell sicherte auch umgehend die Unterwerfung der überseeischen Besitzungen.

Im Parlament gewannen jedoch schnell die Revolutionäre wieder die Mehrheit. Deshalb löste Oliver Cromwell sein erstes Parlament auch schon am 22. Januar 1655 wieder auf.

Ein Aufstand von Royalisten im März 1655 führte zur Aufteilung von England in 15 Militärdistrikte. Diese waren jeweils einem Major General unterstellt, die wiederum nur gegenüber Oliver Cromwell verantwortlich waren.

Diese Major Generals zogen auch die Steuern ein. Ihre Herrschaft dauerte jedoch nur ein Jahr bis zur Konstituierung eines neuen Parlaments durch Oliver Cromwell im September 1656.

Sein zweites Parlament bot Oliver Cromwell im Jahr 1657 sogar die Krone an. Nach sechs Wochen Bedenkzeit lehnte er jedoch ab.

Bei einer erneuten Vereidigung als Lordprotektor thronte er dennoch im Parlament auf dem englischen Krönungsstuhl aus dem Jahr 1296. Außerdem verwendete Oliver Cromwell nun eine königliche Robe sowie Schwert und Zepter.

Tod und posthume Exekution (1658)

Oliver Cromwell starb am 03. September 1658. Vielleicht war eine Marlaria die Ursache oder eine Blutvergiftung wegen Nierensteinen. Sein Sohn Richard trat die Nachfolge an.

Doch Richard Cromwell hatte nicht den notwendigen Einfluss bei der Armee und im Parlament. Er dankte bereits im April 1659 ab und begab sich ins Exil nach Frankreich.

Dafür kehrte Karl II. aus dem Exil zurück und wurde ab 1660 doch noch König von England. Im folgenden Jahr kam es dann zur späten Rache an Oliver Cromwell.

Oliver Cromwell Totenmaske
Totenmaske von Oliver Cromwell in Warwick Castle (Foto: Chris Nyborg / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Am 12. Jahrestag der Exekution von Karl I. wurde der Körper von Oliver Cromwell exhumiert. Selbiges tat man mit den Überresten des damals anklagenden Juristen John Bradshaw sowie dem alten Stellvertreter Henry Ireton.

Die Leichname wurde in Ketten gelegt und dann gehängt. Anschließend schnitt man Oliver Cromwell noch den Kopf ab und spießte diesen auf einen Pfahl.

Bis 1685 wurde der Kopf von Oliver Cromwell vor Westminister Hall ausgestellt. Anschließend fand der Schädel die letzte Ruhe in der Alma Mater seines alten Besitzers, dem Sidney Sussex College der University of Cambridge.

Manche glauben jedoch, dass der Leichnam von Oliver Cromwell von Anfang an in Sicherheit gebracht wurde. Selbst wenn tatsächlich die echten Überreste exhumiert wurden, bestehen dennoch Zweifel an der offiziellen Horrorstory um den aufgespießten Schädel.