Kaiser Tiberius

Kaiser Tiberius – der Ungeliebte

Tiberius war der zweite römische Kaiser. Er war ein Adoptivsohn von Augustus und diente ihm als erfolgreicher Feldherr. Nach dessen Tod im Jahr 14 n. Christus war Tiberius dann als testamentarischer Nachfolger vorgesehen. Auch der Senat lud ihn ein, diesen Posten zu übernehmen.

Büste von Kaiser Tiberius im Vatikan
Kaiser Tiberius im Vatikan (pixabay)

Bis zu seinem Tod im Jahr 37 n. Christus führte Kaiser Tiberius dann das römische Imperium. Dabei erwies er sich als ein sehr guter und vor allem auch als ein sparsamer Verwalter des Reiches. Die Konsolidierung der römischen Provinzen machte in dieser Zeit sehr große Fortschritte.

Doch es liegen auch viele Schatten auf der Regierungszeit von Tiberius. Mit zahllosen Prozessen gegen Bürger und Senatoren machte er sich viele Feinde. Besonders anrüchig wurden dann seine angeblichen Ausschweifungen auf Capri. Darüber hinaus verschoben sich während seiner Herrschaft auch machtpolitische Gleichgewichte.

Die Prätorianer wurden zum realen Machtfaktor. Kaiser Tiberius musste schließlich sogar zum Schutz vor seinen Leibwächtern die römische Stadtwache einschalten. Neben Angehörigen aus dem römischen Senat ließ er auch eine Reihe von Mitgliedern aus seiner Familie töten.

Mit dieser Außenwirkung war Kaiser Tiberius der politische und auch der private Ziehvater des jungen Caligula. Dieser sollte schließlich seine Nachfolge antreten und das erste große Negativbeispiel der römischen Kaiserzeit bilden.

Frühe Jahre des Tiberius

Familiäre Abstammung

Der spätere Kaiser Tiberius war der leibliche Sohn eines claudischen Senators. Dieser stellte sich nach dem Tod von Gaius Julius Caesar hinter die Mörder.

Damit wuchs der Junge zunächst auf der Flucht vor Octavian auf, dem späteren ersten Kaiser des römischen Reiches. Doch dieser liebte die Mutter von Tiberius – Livia Drusilla.

Der Vater wurde zur Scheidung gezwungen, als Livia mit ihrem zweiten Sohn schwanger war. Das Kind erhielt den Namen Drusus und entwickelte sich zum Liebling des Herrschers.

Im Alter von neun Jahren hielt Tiberius die Grabrede für seinen Vater. Damit rückte er in der römischen Gesellschaft an dessen Stelle und es fiel auch der Blick der Öffentlichkeit auf den Knaben. Der Stiefvater nahm dies zum Anlass, seinen Einfluss auf Tiberius zu erhöhen.

Erste Schritte der Karriere

Bereits als Teenager durfte Tiberius an einem Triumphzug teilnehmen. Mit 25 Jahren wurde er zum Quaestor ernannt. Dabei handelte es sich um das erste Amt in der Laufbahn eines Senators.

Wenige Jahre später erhielt Tiberius seine ersten militärischen Aufgaben. Als Militärtribun begleitet er den Kaiser während eines Feldzuges in Spanien.

Im Jahr 20 v. Christus hatte Tiberius sein erstes Kommando während eines Krieges in Armenien. Dabei gelang ihm auch ein großer diplomatischer Erfolg. Er konnte Feldzeichen zurückholen, die die römische Armee nach schweren Niederlagen unter Marcus Antonius und Marcus Crassus verloren hatte.

Im Jahr 16 v. Christus begleitete er den Kaiser als Prätor nach Gallien. Damit hatte Tiberius eine weitere Stufe auf der zivilen Karriere erklommen. Vor Ort reformierte er die Verwaltung.

Eroberung von Raetien und Pannonien

Ab 15 v. Christus bestimmten weitere Feldzüge das Leben von Tiberius. Zusammen mit seinem jüngeren Bruder Drusus verbrachte er zunächst zwei Jahre mit der Eroberung von Raetien.

Dabei handelte es sich um Gebiete im nördlichen Alpenvorland. Die Region erstreckte sich bis zum Schwarzwald und den Bodensee. Begrenzt waren die Gebiete durch Donau und Inn. Im Jahr 13 v. Christus hatte Tiberius als Konsul wieder eine zivile Aufgabe.

Ab 12 v. Christus leiteten die beiden Brüder erneut gemeinsam einen Feldzug. Diese Kampagne zielte auf die Eroberung von Pannonien. Das Gebiet liegt im Westen des heutigen Ungarn. Als Provinz sollte die Region eine strategische Schlüsselposition erhalten.

Die Römer nutzten Pannonien sowohl für offensive Aktionen wie beispielsweise die späteren Dakerkriege unter Kaiser Trajan. Aber die Region war auch bei der Verteidigung gegen wandernde Stämme von großer Bedeutung.

Tod des Bruders Drusus

Unter den beiden Brüdern hatte der amtierende Kaiser Augustus stets den deutlich jüngeren Drusus vorgezogen. Doch dieser hatte während des Feldzugs im Jahr 9 v. Christus in Pannonien einen tödlichen Reitunfall.

Tiberius führte nach der Beerdigung seines Bruders in Rom den Feldzug erfolgreich zu Ende. Doch die Frage der Nachfolge des amtierenden Kaisers wurde zu einer akuten Problematik.

Freiwilliges Exil auf Rhodos

Nach dem Ende seiner militärischen Aufgabe zog sich Tiberius deshalb für ganze sieben Jahre in ein freiwilliges Exil auf Rhodos zurück. Der Hintergrund war wohl, dass er auch nach dem Tod von Drusus nicht die Gunst des Kaisers erhielt.

Vielmehr adoptierte Kaiser Augustus die beiden Söhne seiner geliebten Schwester Julia:

  1. Gaius Caesar
  2. Lucius Caesar

Als designierter Nachfolger wurde schließlich Gaius Caesar bestimmt. Doch beide Söhne der Julia sollten noch vor dem Kaiser sterben. Nur durch diese insgesamt drei Tode sollte letztlich doch der ungeliebte Tiberius zum kaiserlichen Nachfolger werden.

Tiberius im Germanenkrieg

Immensum Bellum in Germanien

Im Jahr 1 n. Christus kam es im römisch besetzten Teil Germaniens zu einer großen Erhebung von Stämmen. Diese Auseinandersetzungen gingen als Immensum Bellum, als „gewaltiger Krieg“, in die römische Geschichte ein.

Karte des Feldzuges von Tiberius im Augusteischen Germanenkrieg
Feldzug des Tiberius im Germanenkrieg (ODbL)

Dabei ist weder der konkrete Auslöser des Aufstandes bekannt, noch weiß man genau, welche Stämme beteiligt waren. Zunächst lag die Verantwortung für die Kämpfe gegen die germanischen Krieger bei einem erfahrenen Feldherrn mit dem Namen Vicinius.

Ab 4 n. Christus übernahm der spätere Kaiser Tiberius der Oberbefehl. Zunächst kümmerte er sich an der süd-gallischen Küste um den Aufbau einer Flotte für spätere Operationen auf der Elbe. Im späten Sommer übernahm er den Befehl über die Legionen am Rhein.

Obwohl die Jahreszeit bereits fortgeschritten war, rückte Tiberius noch 4 n. Christus bis tief ins Innere von Germanien vor. Zunächst bekämpfte er Cananefaten, Chattuarier und Brukturer in Belgien und den Niederlande.

Anschließend konnte er die Cherusker im heutigen Mittel-Deutschland wieder in das römische Bündnissystem aufnehmen. Sehr wahrscheinlich bezog Tiberius dann mitten in Germanien bei Paderborn ein Winterlager. Dieses Römerlager Anreppen wurde 1968 entdeckt.

Im Frühjahr des Jahres 5 n. Christus stieß Tiberius mit seinen Truppen bis an die Elbe vor. Dort vereinigten sie sich mit den Verbänden der Flotte. Diese waren in der Zwischenzeit die Kanalküste entlang und dann die Elbe hinauf gefahren.

Das gemeinsame Manöver der beiden Teilstreitkräfte war zeitlich perfekt abgestimmt und gilt als strategischer Höhepunkt des Feldzuges. Die leichten Kriegsschiffe kontrollierten nun den Wasserweg und riegelten damit eine ganze Region ab.

Parallel säuberten die römischen Legionären die Räume westlich der Elbe. Anschließend galt der Feldzug des Tiberius nach Germanien als erfolgreich abgeschlossen. Es deutete sich ein dauerhafter Zugriff der Römer auf diese Region an.

Marbod und die Markomannen

Den Römern war es im Jahr 5 n. Christus jedoch noch nicht gelungen, die Markomannen erneut zu unterwerfen. Dabei handelte es sich um einen suebischen Stamm, der ursprünglich am Main ansässig war. Nach einer Niederlage gegen Drusus waren sie nach Böhmen ausgewichen.

Tiberius versammelte deshalb 6 n. Christus eine Streitmacht von zwölf Legionen und zog erneut nach Germanien. Etwa 70.000 Mann hatte er versammelt. Doch der Angriff musste abgebrochen werden, weil in Pannonien Aufstände ausbrachen.

Mit Publius Quinctilius Varus übernahm ab 7 n. Christus ein neuer Statthalter die Region. Dieser legte eine „schärfere Gangart“ vor und bemühte sich, die gewonnenen Gebiete in Germanien in eine römische Provinz zu verwandeln.

Aufstand unter Arminius

Doch im Jahr 9 n. Christus erhob sich erneut eine Rebellion in Germanien. Unter der Führung von Arminius wurden vier Legionen in der Varusschlacht vernichtet. Damit hatten die Römer jedoch nicht nur ihre erste große Niederlage im Augusteischen Germanenkrieg erlebt. 

Karten von der Varusschlacht - Die Römer folgten der Lippe bevor es zur Varusschlacht nördlich von Osnabrück kam.
Karte der Varusschlacht (ODbL)

Die aufständischen Germanen griffen in der Folge zahlreiche weitere Standorte an. Die Römer wurden damit zum Rückzug hinter den Rhein gezwungen. Dabei gingen jedoch nicht nur die Gebiete verloren.

Die Römer konnten über viele Jahre hinweg keine ernsthaften Offensiven in der Region mehr ausführen. Nach der Schlacht wurde der Kopf des Varus als Geschenk zu Marbod geschickt. Dieser lehnte ein Bündnis mit den Cheruskern jedoch ab.

Erneutes Kommando am Rhein

Nach der schweren Niederlage im Jahr 9 n. Christus erhielt Tiberius wieder das Kommando am Rhein. Die Germanen bildeten jedoch keine einheitliche Front, so dass er ab 12 n. Christus erste militärische Erfolge vermelden konnte.

Ab 14 n. Christus operierte mit Nero Claudius Germanicus ein weiterer Feldherr aus dem Kaiserhaus in Germanien. Dieser konnte gegen die Chaten und die Marser in Mittel-Deutschland größere Erfolge erzielen.

Im folgenden Sommer sollte es noch eine Flottenoperation an der Ems geben. Aber dann kam es zu einer weiteren schweren Niederlage von vier Legionen in der großen Schlacht von pontes longi (wohl bei Kalkriese).

Tiberius – Roms zweiter Kaiser

Im September des Jahres 14 n. Christus verstarb Kaiser Augustus. Tiberius war zu diesem Zeitpunkt der unbestrittene Nachfolger. Darüber hinaus hatte der erste Kaiser des römischen Reiches ein entsprechendes Testament zur Regelung seiner Nachfolge hinterlassen.

Antritt der Herrschaft

Vor dem Senat wurde das Testament geöffnet. Das formal höchste Gremium des römischen Reiches trat daraufhin mit der Bitte an Tiberius heran, dass Prinzipat, die Kaiserwürde, zu übernehmen.

Die Zurückhaltung von Tiberius wurde ihm jedoch hoch angerechnet. Der Regierungsantritt begann aus Sicht des römischen Senats deshalb verheißungsvoll. Obwohl die Institutionalisierung der Kaiserwürde nicht selbstverständlich war, beugten sie sich auch in der Folge vor dem neuen Machthaber.

Doch beim Militär hatten sich große Widerstände aufgebaut. Die Soldaten beschwerten sich über den harten Dienst und den niedrigen Sold. In Pannonien kam es zu einer Meuterei und in Germanien verweigerten mehrere Legionen den Treueid.

Germanicus wurde sogar zum Staatsstreich aufgefordert. Doch er blieb loyal gegenüber Kaiser Tiberius. Er deeskalierte die Situation sogar durch zahlreiche Versprechungen und Geldgeschenke an seine Soldaten. Aber die Position von Tiberius beim Militär blieb dauerhaft geschwächt.

Tod des Germanicus

Kaiser Tiberius wählte eine konservative Außenpolitik und beendete die riskanten Offensiven von Germanicus. Im Jahr 16 n. Christus wurde dieser nach Rom gerufen und anschließend weiter in den Osten des Reiches geschickt.

In Kappadokien, in der heutigen Türkei, erkrankte und verstarb Germanicus jedoch. Umgehend kamen Gerüchte auf, es hätte sich um einen Giftmord gehandelt. Konkret verdächtigt wurde die Frau des römischen Statthalters Gnaeus Calpurnius Piso von Syrien.

Als tatsächlichen Hintermann sah die Öffentlichkeit aber Kaiser Tiberius. Dieser veranlasste deshalb eine Anklage gegen den Statthalter. Der Vorwurf lautete auf Hochverrat.

Piso verfügte jedoch über viele Freunde im Senat. Diese stellten sich während des Prozesses hinter ihn. Aber wenige Tage vor der Urteilsverkündung beging der Angeklagte Selbstmord.

Innenpolitik und Verwaltung

Schaubild der römischen Ritter als niederen Adel in der Gesellschaft
Schaubild der römischen Ritter in der Gesellschaft.

Kaiser Tiberius bemühte sich zunächst nicht nur um ein gutes Verhältnis zum Senat. Er pflegte auch die Beziehung zu den römischen Rittern. Diese stellten in der damaligen Gesellschaft nicht nur den niederen Adel.

Sie bildeten das Rückgrat der römischen Wirtschaft. Außerdem stellten die Ritter zahlreiche Amtsträger in der Verwaltung wie auch im Militär.

Die Politik von Kaiser Tiberius zielte auf eine Konsolidierung des Imperiums. In den Provinzen baute er die Verwaltung aus und verlängerte häufig auch die Amtszeit von Statthaltern, um mehr Kontinuität zu ermöglichen.

Kaiser Tiberius ging sehr sparsam mit den staatlichen Finanzen um und zwang dem ganzen Reich ein Sparprogramm auf. Er ließ nur wenige Tempel errichten und verzichtete auf weitere Prunkbauten.

Lediglich den militärischen Straßenbau trieb Kaiser Tiberius voran. Besondere Schwerpunkte dieser infrastrukturellen Maßnahmen waren:

  • Nordafrika
  • Spanien
  • Gallien
  • Balkan

Doch bei Notfällen investierte Kaiser Tiberius sehr großzügig in den Wiederaufbau. Nach Bränden, Überschwemmungen oder Erdbeben gewährte er immer wieder Spenden in Millionenhöhe sowie Steuererlässe.

Seinem Nachfolger hinterließ Kaiser Tiberius eine prall gefüllte Staatskasse mit etwa 2,7 Milliarden Sesterzen. Grob auf Basis des Goldpreises umgerechnet, entspricht dies etwa der dreifachen Summe in Euro (Stand: 2019).

Prozesse wegen Majestätsbeleidigung

Das römische Recht kannte mit der laesa maiestas eine sehr schwammige Regelung für Majestätsbeleidigungen. Die Verhandlungen fanden vor dem Senat statt. Die Urteile konnten auf Enteignung, Verbannung oder auch Tod lauten.

Noch zu Beginn der Regierung von Kaiser Tiberius kam es nur selten zu entsprechenden Vorwürfen. Doch ab dem Jahr 24 n. Christus stieg die Zahl sprunghaft an.

Viele Prozesse wegen Majestätsbeleidigung gelten zwar als klassisches Verhalten eines Tyrannen. Doch die neuere Forschung betont, dass dies zunächst vor allem ein Zeichen für den Rückhalt von Kaiser Tiberius im Senat war.

Außerdem entwickelte sich ein Denunziantentum unter den Senatoren. Konkurrierende Familien entdeckten das Instrument für ihre Machtkämpfe. Doch mit dieser Entwicklung ebnete sich auch der Weg zu der tragischen Unterwürfigkeit gegenüber späteren Despoten.

Komplott des Lucius Aelius Seianus

Nach seiner Machtübernahme hatte Kaiser Tiberius die beiden Positionen an der Spitze seiner Prätorianer-Garde neu besetzt. Zunächst ernannte er Lucius Seius Strabo, den er ab 15 n. Christus auch als Präfekt für Syrien einsetzte.

Wenig später wurde mit Lucius Aelius Seianus dessen leiblicher Sohn zum zweiten Präfekten der Garde ernannt. Der Vater verließ daraufhin Rom, um in Syrien sein Amt auszuüben. So hatte der aufstrebende Seianus faktisch alleine das Kommando über die mächtige Leibgarde.

Die Prätorianer waren darüber hinaus der einzige militärische Verband in Rom. Die Legionen durften die Hauptstadt hingegen nicht betreten. Deshalb bildete die Garde einen Schlüssel für Staatsstreiche. Aus diesem Grund hatte man die einzelnen Kohorten zunächst dezentral in und um Rom stationierte.

Doch Kaiser Tiberius ließ sich von Seianus überzeugen, dass die Garde eine große Kaserne benötigt – das Castra Praetoria. Im Laufe der Zeit erhielt der ehrgeizige Präfekt auch immer größere Kontrolle über die persönlichen Zugänge zum Kaiser.

Damit war Lucius Aelius Seianus lange Zeit die graue Eminenz hinter Kaiser Tiberius. Außerdem wurde er zum Sprachrohr des Militärs, während sich der Senat als institutionelles Gegengewicht innerlich zerfleischte.

Im Jahr 31 n. Christus wurde Seianus sogar zum Konsul ernannt. Damit schien er eigentlich unangreifbar. Inzwischen war er sogar mit Livilla verlobt, der ältesten Tochter des Drusus.

Doch plötzlich wurde der zweitmächtigste Mann Roms gestürzt. Kaiser Tiberius befahl dem Kommandeur der Vigiles, der Stadtwache, einem Mann names Quintus Naevius Macro, den Präfekten seiner Leibgarde zu verhaften. Selbst den einfachen Angehörigen der Einheit wurde misstraut.

Der Senat verurteilte Seianus und seine Familie wegen Verrats zum Tode. Da es als Frevel gegolten hätte, dessen jungfräuliche Tochter zu töten, wurde dies erst noch vergewaltigt und dann hingerichtet. Doch Quintus Naevius Marco machte Karriere, er wurde zum Nachfolger von Seianus.

Alterssitz auf Capri

Der Alterssitz von Kaiser Tiberius war auf Capri mit seinen steilen Klippen.
Klippen von Capri (pixabay)

Kaiser Tiberius war bereits 55 Jahre alt, als er bis an die Spitze des römischen Reiches aufstieg. Mit zunehmendem Alter begann er sich eine Residenz auf der Insel Capri aufzubauen. Dort standen ihm zahlreiche Residenzen zur Verfügung, in den es zu sagenhaften Orgien gekommen sein soll.

Die Villa Jovis, das Haus des Jupiter, stach besonders hervor. Das Gebäude lag auf der Spitze einer Klippe. Es erstreckte sich über acht Stockwerke und hatte eine Fläche von etwa 7.000 Quadratmetern. Darüber hinaus verfügte die Villa über einen Signalturm zur Kommunikation mit Rom mit einer Höhe von etwa 130 Metern.

Drei antike Schreiber beschreiben Kaiser Tiberius als einen alten Greis, der dort seine pädophilen Fantasien auslebte:

  • Cassius Dio
  • Sueton
  • Tacitus

Angeblich ließ sich der alte Mann beim Schwimmen unter Wasser von seinen kleinen Fischlein anknabbern. Darüber hinaus soll Kaiser Tiberius mit sadistischem Vergnügen andere Menschen gequält haben. Unliebsame Personen ließ er wohl vorzugsweise einfach von den Klippen werfen.

Doch die genannten Autoren wollten wohl vorrangig eine interessante Geschichte erzählen. Sie bedienten stereotype Erwartungshaltungen und berichteten halb fiktive Stories.

Unter archäologischen Gesichtspunkten offenbart der Alterssitz von Kaiser Tiberius hingegen einen grundsätzlich eher administrativen Charakter. Die tatsächlichen Ereignisse auf Capri bleiben deshalb im Dunkeln.

Am 16. März 37 n. Christus starb Kaiser Tiberius in Misenum bei Neapel als ein höchst unbeliebter Herrscher. Durch zahllose Prozesse gegen Senatoren und Bürger sowie durch hohe Steuern hatte er sich inzwischen alle Sympathien verspielt. Hoffnungsvolle Blicke richteten sich nun auf seinen Nachfolger – Caligula.