Römische Päpste

Das Papsttum – Gottes Stellvertreter

Das römische Papsttum ist das Amt des obersten Bischofs der Christenheit. Die Amtsinhaber sehen sich als Nachfolger des Apostels Petrus und berufen sich auf dessen Autorität.

Das Symbol und Wappen der Päpste
Das Symbol der Päpste (pixabay)

Dieser hatte zum innersten Zirkel um Jesus gehört. Vom Sohn Gottes war er persönlich zu dessen Stellvertreter auf Erden ernannt worden.

Bereits in der Spätantike entwickelten sich die Päpste zu einflussreichen Personen. Im Mittelalter wurden sie dann sogar zu realpolitischen Machtfaktoren in Europa. Sie verfügten über eigene Territorien in Italien und konnten in der Weltpolitik mitbestimmen.

Heute sind sie die Oberhäupter der größten Weltreligion mit 2,26 Milliarden Anhängern.

„Sie sind die einzigen Hochgestellten, die sich nicht zu verteidigen brauchen; sie haben Untertanen doch regieren sie nicht; ihre Staaten werden nicht verteidigt und ihnen doch nicht genommen.“

Der Fürst – Niccolo Machiavelli (1513)

Der Täufer und seine Anhänger

In den ersten Jahrzehnten nach Christi Geburt gab es in Palästina einen einflussreichen Propheten mit einer großen Anhängerschaft. Seine Name war Johannes der Täufer.

Diesem gelang es, eine jüdische Sekte an den Ufern des Jordans zu gründen. Zu seinen Anhängern gehörte später auch Jesus. Die Gruppe wurde zur Keimzelle für die erste christliche Gemeinde in Jerusalem.

Apokalypse und jüngstes Gericht

Die Apokalypse war das zentrale Thema des Täufers und seiner Anhänger. Der Begriff bedeutet aus dem alt-griechischen übersetzt soviel wie Enthüllung des göttlichen Wissens.

Diese würde sich in Form eines individuelle Endgerichtes vollziehen und eine ewige Zeitenwende einläuten. Nach Johannes der Täufer waren bereits zahlreiche Boten dieser Endzeit eingetroffen und er fand vor allem in den ländlichen Gegenden viele Zuhörer.

Satan – der Verführer und Ankläger

Das jüngste Gericht wurde zum wichtigsten Element der Apokalypse. Dabei handelt es sich laut der Prophezeiungen um eine finale Entscheidung, bei der die Gerechten von den Ungerechten getrennt werden.

„Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch, was ihr einem dieser Geringsten nicht getan habt, habt ihr auch mir nicht getan. Und diese werden hingehen zur ewigen Strafe, die Gerechten aber in das ewige Leben.“ (Mt 25,45-46)

Doch Satan, ein gefallener Engel aus dem Alten Testament, versucht stets, die Menschen zu schlechten Taten zu verlocken. Darüber hinaus ist Satan der Ankläger während des jüngsten Gerichtes und nennt alle Sünden.

„Seid nüchtern, wacht! Euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlingen kann. Dem widersteht standhaft durch den Glauben […].“ (1.Petrus 5,8-9)

Erlösung durch Christus

Unter den Anhängern von Johannes war auch ein charismatischer junger Mann mit dem Namen: Jesus von Nazaret. Dieser hatte der Überlieferung nach zwölf Jahre lang die Schriften studiert und war so zu einem Rabbiner geworden.

Mit 28 Jahren wurde Jesus dann im Jordan getauft, was den Christen als Schlüsselmoment für sein in Erscheinung treten gilt. Schon nach kurzer Zeit hatte er eine eigene Schar von Jüngern um sich gesammelt.

Prophezeiung des Opfers

Johannes der Täufer wurde nur wenig später vom römischen Stadthalter enthauptet. Aufgrund der dünnen Quellenlage sind die Hintergründe nicht ganz klar. Jedoch galt ein gewaltsamer Tod auch als Bestätigung der Echtheit eines Propheten.

„Jerusalem, Jerusalem, das da tötet die Propheten und steinigt, die zu ihm gesandt sind!“ (Lk 13,34)

Deshalb erhielten die Botschaften des Täufers nach dessen Tod einen hohen Schub an Popularität. Jesus hingegen war der erklärte Nachfolger in diesem Umfeld von Gläubigen und ging vollends in seiner Rolle als Messias auf.

Es gelang ihm, die Masse der kopflosen Anhänger des Täufer hinter sich zu ziehen. Darüber hinaus übernahm er drei zentrale Merkmale der Prophezeiungen seines Vorgängers:

  1. Die Endzeit hat bereits begonnen und das jüngste Gericht naht. (Lk 12,49)
  2. Der Umkehrruf des Täufers birgt Hoffnung. (Lk 12,50)
  3. Er selbst wird ebenfalls einen gewaltsamen Tod sterben.  (LK 13,33)

In der Wahrnehmung seiner Anhänger würde Jesus als Messias für die Sünden aller Menschen durch einen gewaltsamen Tod am Kreuz büßen. Im Glauben an ihn liegt dann auch für jeden Menschen der Schlüssel zur Erlösung.

Römische Gemeinde

Das Papsttum beruft sich in seiner Tradition auf die Nachfolge des Apostels Simon Petrus. Dieser war der erste unter den zwölf Juden, die Jesus als seine Jünger um sich scharte. Außerdem wurde er vom Messias als Nachfolger auf Erden bestimmt.

„Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen.“

Im Kreise der zwölf Apostel war er ein Sprachrohr und eine Führungsfigur gewesen. Er wurde zum Bekenner und Sprecher für seinen Messias. Die Historizität dieser Ereignisse darf jedoch bestritten werden.

Frühe Päpste (384 bis 604 n. Chr.)

Siricius – der erste Papst von Rom

Die Geschichte des Papsttums als machtvolle Institution beginnt mit Siricius, dem Bischof von Rom in den Jahren von 384 bis 399 n. Christus. Er war noch zu Lebzeiten von Kaiser Konstantin dem Großen geboren worden und hatte bereits Karriere als Kleriker gemacht.

Damals hatte die christliche Kirche aber noch viele abweichende Strömungen und Bischöfe. Solche inneren Streitfragen konnten auch nicht im Rahmen des ersten Konzils von Nicäa gelöst werden. Darüber hinaus belastete das auseinanderdriften des ost- und des weströmischen Teils auch die Integrität der Glaubensgemeinschaft.

Doch Siricius erwies sich als ausgesprochener Machtpolitiker. Er ließ sich zum Oberhaupt der Kirche wählen und setze sich im Spiel der Mächte von den anderen Bischöfen ab. Es wurde zwar sogar ein Gegenpapst ausgerufen, jedoch erhielt Siricius die weltliche Unterstützung des römischen Kaisers.

Sircius zeigte auch noch in weiteren Fragen einen ausgesprochenen Führungswillen:

  • Er führte die Eigenbezeichnung als „Papst“ von „papa“ – lat. für „Vater“ ein. Dieser Ehrentitel wurde jedoch auch noch von anderen hohen Klerikern geführt. Erst 200 Jahre später wurde der Begriff zur Amtsbezeichnung des Bischofs von Rom.
  • Als erster Papst erließ Siricius zahlreiche Dekrete zur Liturgie. Außerdem bekräftigte er das Zölibat.

Der Titel des Pontifex Maximus

In der Mitte des 5. Jahrhunderts erhielt das römische Papsttum eine erhebliche institutionelle Aufwertung. Die Hunnen waren unter Attila eingefallen. Sie drangen bis tief in das weströmische Reich ein. Erst im Juni des Jahres 451 n. Christus wurden sie in der Schlacht bei den Katalaunischen Feldern geschlagen.

Im November diesen Jahres traten etwa 500 hochrangige Kleriker in einem ökumenischen Konzil zusammen. Vor dem Hintergrund innerer Spaltungen sowie heidnischer Bedrohungen formulierten sie aber nicht nur ein erweitertes Glaubensbekenntnis.

Die Patriarchen beanspruchten auch vom damaligen Kaiser Gratian den Titel des obersten Priesters von Rom – lat. Pontifex Maximus. Dieses Amt geht bis tief in die Urzeit der römischen Republik zurück.

Bereits seit dem 3. Jahrhundert v. Christus war der Posten zum wichtigen Baustein im römischen Staatswesen geworden. Die formale Aufgabe war die Ober-Aufsicht über alle religiösen Kulte im Reich. Ursprünglich wurde der Pontifex Maximus per Wahl bestimmt.

Mit der Machtergreifung von Kaiser Augustus wurde der Titel jedoch Teil der obligatorischen Amtsbezeichnung für die Herrscher von Rom. Unter den vielen Ehrentiteln der Kaiser hatte die Rolle des Pontifex Maximus immer wieder eine sehr große Bedeutung. Sie wurde häufig als Brücke benutzt, um die Person des Kaisers näher an das Göttliche heranzurücken.

Mit dem Verlust dieses Ehrentitels starb deshalb auch ein Stück des Mythos um das römische Imperium und seine Kaiser. Dafür kam es zu einem Transfer dieser symbolischen Macht auf den christlichen Bischof von Rom.

Gregor der Große

Gregor der Große stammte aus einer sehr einflussreichen Familie. Diese hatte bereits zwei Kaiser in Westrom hervorgebracht. Auch in Ostrom gehört der Clan zur aristokratischen Oberschicht. Gregor selbst strebte zunächst eine weltliche Karriere an.

Dann entschied er sich wohl aufgrund fehlender Perspektiven für den Weg als Mönch. Er stieg innerhalb der kirchlichen Hierarchie bis zum Berater seines Vorgängers auf und wurde schließlich selbst zum Papst gewählt.

Als Papst Gregor I. veröffentlichte er zahlreiche Schriften. Außerdem entsandte viele Missionare und brachte neuen Schwung in das Papsttum. Einige Forscher glauben sogar, dass er der tatsächliche Schöpfer der Regeln des Benedikt von Nursia war. Darüber fixierte er viele Regeln und positionierte sich in politischen Fragen:

  • Er befürwortete die gewaltsame Bekehrung von Heiden.
  • Almosen wurden zu einem Gott dargebrachten Geschenk erklärt.
  • Der Begriff „Papst“ wurde zur exklusiven Amtsbezeichnung für den Bischof von Rom.
  • Die benediktinischen Regeln wurde für die gesamte christliche Kirche als verbindlich erklärt.