Kaiser Caracalla

Caracalla – Marcus Aurelius Severus Antoninus

Caracalla war von 211 bis 217 der römische Kaiser. Bereits seit 197 regierte er als Mitkaiser seines Vaters Septimius Severus, dem Begründer der severinischen Dynastie.

Caracalla Büste
Büste von Caracalla im Archäologischen Museum von Neapel (Foto: shakko / CC-BY-SA 3.0)

Nach dem Tod des Vaters teilte sich Caracalla die Herrschaft anfangs mit seinem Bruder Geta. Dieser wurde jedoch noch im Jahr des Herrschaftsantritts ermordet und seine Anhänger massakriert.

Carcalla wird zwar noch nicht den „Soldatenkaisern“ aus der Mitte des 3. Jahrhunderts zugeordnet. Er zeigte jedoch vergleichbare Charakterisika wie brutales Vorgehen, Fokussierung auf militärische Belange und Begünstigung von Soldaten.

Bei der Armee war Caracalla deshalb sehr beliebt. Der zeitgenössische Blick der römischen Senatoren war hingehend extrem negativ.

Während der Vorbereitung eines Feldzuges gegen die Parther wurde Caracalla dann aus seinem engsten Kreis heraus ermordet. Schlüsselfigur des Attentats war ein Präfekt der Prätorianer.

Der Anschlag wurde von dem Evocatus Iulius Martialis in der Garde des Kaisers ausgeübt. Caracalla verübte gerade seine Notdurft, als ihn der Dolch traf.

Jugend von Lucius Septimius Bassianus

Caracalla wurde am 04. April 188 im heutigen Lyon unter dem Namen Lucius Septimius Bassianus geboren. Sein Vater war Septimius Severus, der damalige Statthalter der Provinz Africa.

Ausrufung von Septimius Severus zum Kaiser

Elf Monate nach Caracalla wurde sein Bruder und späterer Mitregent Publius Septimius Geta geboren. Die beiden waren sich später spinnefeind.

Kaiser Commodus
Kaiser Commodus als Hercules – Büste im Kapitolinischen Museum in Rom (Foto: Ricardo André Frantz / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Caracalla soll aber ein angenehmes Kleinkind gewesen sein. Auf Anweisung von Kaiser Commodus mussten er und seine Geschwister jedoch als Geiseln in Rom bleiben.

Der Hintergrund war, dass der Vater Septimius Severus 191 den Befehl über die Legionen am römischen Limes an der unteren Donau in Pannonien erhielt. Der paranoide Kaiser wollte sich so vor einem Putsch schützen.

Er wurde dennoch am 31. Dezember 192 im Bad von dem Athleten Narcissus erdrosselt. Den Attentäter warf man den wilden Tieren in der Arena zum Fraß vor und es begann das sogenannte „Zweite-Vier-Kaiserjahr“.

Das Römische Reich stürzte in eine politische Krise, während die Staatsfinanzen ohnehin bereits ruiniert waren:

  • Pertinax wurde umgehend zum Nachfolger des ermordeten Kaisers ausgerufen. Mit Sparmaßnahmen machte er sich jedoch bei den Prätorianern unbeliebt. Nachdem er einige Soldaten wegen Verschwörung hinrichten ließ, wurde er aus den Reihen seiner Garde heraus bereits am 28. März 193 ermordet.
  • Didius Julianus wurde anschließend als Meistbietender von der Garde zum Kaiser ernannt. Er wurde jedoch in den Provinzen gar nicht erst anerkannt und genoss auch sonst keinerlei Respekt. Am 66. Tag im Amt tötete ihn ein Attentäter des Senats.
  • Septimius Severus war bereits im April in Carnuntum in Oberpannonien von seinen Legionen zum neuen Kaiser ausgerufen worden. Seine Erhebung beschleunigte den Niedergang von Didius Julianus. Zwischenzeitlich erhob sich jedoch auch noch ein anderer Gegenkaiser.
  • Pescennius Niger hatte sich ebenso schon im April als Statthalter von Syrien als neuer Kaiser ausrufen lassen. Dabei baute er auf ein Bündnis mit dem römischen Statthalter von Britannien sowie dem Partherkönig.

Im Bürgerkrieg zwischen Caracallas Vater Septimius Severus hatte Pescennius Niger militärisch jedoch von Anfang an die schlechtere Position. Die Zahl seiner Legionen und deren Qualität blieb deutlich hinter den Kräften von Severus zurück.

Trotz anfänglicher Erfolge der Gegenseite errangen Truppen von Septimius Severus bereits Ende 193 n. Christus die Vorentscheidung. Im Laufe des nächsten Jahres konnte sich der Vater von Caracalla zunächst bei Nicäa durchsetzen und später die Verteidigungslinie von Pescennius Niger im Taurusgebirge in der heutigen Türkei brechen.

Im Jahr 194 kam es zur Entscheidung in der Schlacht bei Issos. Der als Feldherr wohl recht untalentierte Pescennius Niger verlor dort weitere 20.000 Mann.

Er konnte dann zwar noch fliehen, doch bei seinen einstigen Verbündeten in Antiochia wurde er schließlich getötet. Man schlug seinen Kopf ab und sandte ihn als Entschuldigung zu Septimius Severus.

Ernennung zum Mitkaiser seines Vaters

Septimius Severus gab sich ab 195 als Adoptiv-Sohn von Kaiser Mark Aurel aus. Das war zwar reine Fiktion, doch er wollte zumindest nach außen hin an die damals sehr respektierte Tradition der „Adoptivkaiser“ anknüpfen.

Caracalla wurde anschließend zum Adoptiv-Enkel ernannt und erhielt entsprechend einen neuen Namen: Marcus Aurelius Severus Antoninus. Damit wurde er in das Geschlecht der Antonine aufgenommen, sein Bruder Geta hingegen allerdings nicht.

Septimius Severus
Septimius Severus – Vater von Caracalla (Foto: Bibi Saint-Pol / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Noch im Jahr 195 oder spätestens 196 wurde Caracalla zum „Caesar“ erhoben. Damit ernannte man ihn zum designierten Nachfolger seines Vaters.

In der Folge brach erneut einen kurzer Bürgerkrieg mit dem römischen Statthalter von Britannien mit den Namen Clodius Albinus aus. Den Konflikt hatte man wenige Jahre zuvor noch knapp vermeiden können, doch ein früher Sieg von Septimius Severus beendete die Auseinandersetzung auch schnell wieder.

Seit dem Frühjahr 197 wurde Caracalla als designierter Kaiser und Teilhaber an der Herrschaft bezeichnet. Im Jahresverlauf begleitete er seinen Vater auf einen Feldzug gegen die Parther.

Die Erhebung zum „Augustus“ erfolgte dann 198. Damit erhielt Caracalla die gesamten kaiserlichen Vollmachten. Als immer noch kleiner Junge hatte er aber natürlich ein geringeres Ansehen (auctoritas) als sein gestandener Vater und hätte sich nicht gegen diesen durchsetzen können.

Aber die formalen Vorrausetzungen waren geschaffen, dass Caracalla als Mitkaiser seines Vaters in seine Aufgaben hineinwachsen konnte. Der jüngere Bruder Geta wurde währenddessen zum Caesar ernannt und war damit an zweiter Position der Thronfolge installiert worden.

Jugendjahre und Konflikte mit Geta

Caracalla wurde im April 202 mündig und gegen seinen Willen mit Publia Fulvia Plautilla, der Tochter eines Präfekten der Prätorianer, verheiratet. Er hasste seine Frau und den Stiefvater.

Elagabal Büste
Büste von Elagabal im Capitolinischen Museum (Foto: José Luiz / CC-BY-SA 3.0)

Nur drei Jahre später ließ Caracalla sie durch eine Verschwörung beseitigen. Angeblich wollte er den Stiefvater sogar persönlich erschlagen, der dann jedoch von einen Zenturio getötet wurde.

Publia Fulvia Plautilla hingegen wurde auf die Insel Lipari nördlich von Sizilien verbannt. Neben der Ablehnung seiner Ehefrau entwickelte Caracalla in der Jugend auch einen ausgeprägten Hass auf seinen Bruder Geta. Die Schlichtungsversuche des Vaters blieben letztlich vergebens.

Elagabal, der später als unehelicher Sohn von Caracalla ausgegebene Nachfolger, stammte aus der Familie der Frau von Septimius Severus.

Herrschaft von Caracalla als Kaiser

Septimius Severus starb am 04. Februar 211 in Eboracum, der heutigen Stadt York. Nach seinem Tod traten zunächst wie vom Vater vorgesehen die Brüder Caracalla und Geta die Nachfolge an.

Sie führten anfangs relativ einvernehmlich die laufenden militärische Konflikte zu einem Ende. Zur Stabilisierung der Grenze zu Kaledonien fixierten sie beispielsweise den alten Wall von Kaiser Hadrian erneut als Grenze des Reiches.

Ermordung von Geta und seinen Anhängern

Caracalla und Geta führten jedoch getrennte Hofstaate. Sie schirmten sich sorgfältig voneinander ab, ohne jedoch ihre Einflussbereiche beispielsweise durch eine Reichsteilung eindeutig abzugrenzen.

Publius Septimius Geta
Büste von Publius Septimius Geta im Pushkin Museum (Foto: shakko / CC-BY-SA 3.0)

Auch ihre jeweiligen Anhängerkreise waren nicht klar strukturiert. Weder Bevölkerung, noch Senat, Militär oder Garde hatten einen klaren Favoriten, so dass sich im Laufe des Jahres die Angst vor einem umfassenden Bürgerkrieg breit machte.

Caracalla eröffnete schließlich den Showdown. Er bat die gemeinsame Mutter, ein Treffen mit Geta im kaiserlichen Palast zu arrangieren.

Nach Cassius Dio wurde Geta dann in den Armen seiner Mutter erschlagen, die dabei ebenfalls eine Verletzung davon trug. Caracalla hat sich wohl auch selbst an diesem Brudermord handfest beteiligt.

Das von ihm verwendete Schwert ließ er später im Serapeum von Alexandria weihen. Über Geta wurde anschließend eine gründliche damnatio memoriae verhängt. Sogar Münzen mit seinem Bildnis wurden eingeschmolzen.

Der Mord am eigenen Bruder stellte dennoch einen unerhörten Tabubruch dar. Das Image von Caracalla erholte sich nie wieder. Durch reiche Geldgeschenke konnte er sich jedoch die Treue der Garde und der Legionen sicher.

Wo das Zuckerbrot nicht half, griff Caracalla zur Peitsche. Nach Cassius Dio sollen trotzdem noch etwa 20.000 Anhänger von Geta im Nachspiel zu dessen Ermordung ebenfalls getötet worden sein.

Terror des neuen Alleinherrschers

Als neuer Alleinherrscher ging Caracalla dabei nicht nur brutal gegen Einzelne vor, sondern griff auch zu kollektiven Strafmaßnehmen. So wurden zahllose und auch unbeteiligte Personen misshandelt oder getötet.

Darunter waren auch Prominente. Caracalla ließ beispielsweise zwei echte Nachkommen von Mark Aurel hinrichten. Trotz dieser Einzelfälle in der Oberschicht wurden jedoch nur relativ wenige römische Senatoren getötet.

Die Repressionen richteten sich schwerpunktmäßig gegen Personen niederen Standes. Ein gängiges Schema war, mit Hilfe von Spitzeln entweder echte oder auch fingierte Vorwürfe zu erheben, um eine Anklage und Verurteilung zu ermöglichen.

Zeitweise führte die Terrorherrschaft von Caracalla jedoch auch zu Revolten in der Hauptstadt. Außerhalb von Rom agierte er teils aber sogar noch sehr viel aggressiver.

Bei einem Besuch in Alexandria ab Dezember 215 fühlte sich Caracalla von der Bevölkerung verspottet. Anschließend soll es zu einem tagelangen Massaker gekommen sein. Selbst zufällige Besucher von außerhalb fielen dem Gemetzel zum Opfer.

Eine vergleichbare Szene spielte sich bei einem Wagenrennen ab. Als die Menge über seinen favorisierten Lenker lachte, befahl Caracalla seinen Soldaten den Angriff. Die Szene entwickelte sich zu einem wahllosen Blutbad an den Zuschauern des Rennens.

Constitutio Antoniniana – neues Bürgerrecht

Eine große Neuerung unter Kaiser Caracalla war die Erweiterung des römischen Bürgerrechts auf alle freien Personen im Reich. Dies hatte wohl zunächst einen propagandistischen Zweck.

Caracalla präsentierte sich nach dem Brudermord und dem Staatsterror als integrativer Herrscher. Tatsächlich hatte diese neue „Constitutio Antoniniana“ jedoch wohl noch einen ganz anderen Sinn.

Parallel erhöhte Caracalle nämlich auch die Steuern für römische Bürger. Mit der Erweiterung des Bürgerrechts stieg die Zahl der Steuerpflichtigen für die erhöhten Abgaben.

Finanzen und Münzreform: „Antoninian“

Caracalla hatte nämlich von Anfang an mit großen strukturellen Problemen zu kämpfen. Ein wesentlicher Punkt waren die rasant wachsenden Personalkosten für das Militär.

Auswahl späterer „Antoninianii“ bis in die 2. Hälfte des 3. Jahrhunderts (Foto: M123 / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Bereits sein Vater hatte den Sold der römischen Legionäre und Gardisten deutlich angehoben. Caracalla erhöhte von diesem Niveau aus gerechnet die Zahlungen um weitere 50 %.

Die extremen Kosten konnte er wiederum nur durch Abgaben der produktiven Teile der Bevölkerung bewältigen. Damit entzog er der Volkswirtschaft viel Kapital für Investitionen.

Die Folge war eine wirtschaftliche Negativ-Spirale. Am Ende setzte Caracalla durch eine Münzreform auf die Abwertung der römischen Währung.

Er ließ die ersten „Antoninianii“ prägen. Der zeitgenössische Name dieser Münzen ist nicht bekannt. Sie wurden im Jahr 214 als Zahlungsmittel eingeführt.

Es handelte sich um eine Silbermünze, die zwei Denare Münzwert hatte, jedoch nur über den Metallgehalt von eineinhalb Denaren verfügte.

Errichtung der Caracalla-Thermen

Wahrscheinlich schon ab dem Jahr 206 wurde mit dem Bau von Thermen begonnen, die unter Kaiser Caracalla zehn Jahre später fertigstellt wurden. Aufgrund zahlreicher Erweiterungen wurden die Arbeiten jedoch wohl erst 235 endgültig abgeschlossen.

Caracalla-Thermen Innenansicht
Zeichnung einer Innenansicht der Caracalla-Thermen (Urheber: Abel Blouet / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Es waren die bis dato größten, eintrittsfreien öffentlichen Bäder in Rom. Man hatte sie in einer eher ärmlichen Gegend erbaut, wohl um die Beliebtheit der römischen Kaiser in den unteren Schichten zu verbessern.

Die imposante Anlage hatte eine enorme Fläche von etwa 337 × 328 Metern. Besonders anspruchsvoll war, dass Ingenieure überhaupt erst auf unebenem Grund einen planierten Bauplatz schaffen mussten.

Die Wasserversorgung der Caracalla-Thermen erfolgte über einen Seitenarm der Aqua Marcia. Dabei handelte es sich um den drittlängsten Aquädukt der Stadt, der bereits in der Mitte des 2. Jahrhunderts v. Christus errichtet worden war.

Der zentrale Raum der Caracalla-Thermen hatte eine 35,08 Meter weite Kuppel, die größte der damaligen Welt. Aber die Anlage verfügte auch über Gymnastik- und Versammlungsräume sowie über Bibliotheken und Friseure.

Verschwörung des Macrinus und Tod

Caracalla brach im Frühjahr 215 nach Antiochia auf, um eine Expansion des Reiches nach Osten vorzubereiten. Er entwickelte in dieser Zeit die Marotte, sich immer mehr in eine Nachfolge von Alexander dem Großen zu stellen.

Marcus Opellius Macrinus
Büste von Marcus Opellius Macrinus im Kapitolinischen Museum (Foto: Jbribeiro1 / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Caracalla imitierte äußerlich den großen Eroberer und titulierte sich gegenüber dem Senat als dessen Reinkarnation. Angeblich ließ er sogar 16.000 Legionäre als makedonische Phalanx aufstellen.

Dank seiner Hinterlist brachte Caracalla auch zunächst einige Provinzfürsten im Osten unter seine Kontrolle. Ein militärischer Vorstoß nach Armenien scheiterte jedoch.

Dann wollte er einen Bürgerkrieg der Parther nutzen, um das Römische Reich in dieser Richtung zu erweitern. Auf der Reise stieg er am 08. April 217 von seinem Pferd, um sich zu erleichtern.

Der Gardist Iulius Martialis näherte sich Caracalla, als dieser seine Notdurft verrichtete und stach ihn nieder. Der Attentäter selbst wurde dann sofort von einem loyalen Leibwächter mit einer Lanze getötet.

Aber zwei Tribune der Prätorianer waren schon herbei geilt. Sie vollendeten das Mordwerk an Caracalla im Auftrag ihres Präfekten Marcus Opellius Macrinus.

Jener Macrinus ließ sich dann wenige Tage später als neuer Kaiser ausrufen. Er konnte sich jedoch im Konflikt mit Caracallas angeblich unehelichem Sohn Elagabal nicht behaupten. Macrinus wurde schon 15 Monate später nach einer militärischen Niederlage auf der Flucht getötet.