Otto III.

Otto III. – Kaiser der Jahrtausendwende

Otto III. war der Sohn des frühverstorbenen Otto II., einem Herrscher des ost-fränkischen beziehungsweise römisch-deutschen Reiches. Er wurde im Sommer des Jahres 980 geboren und bereits im Alter von drei Jahren in Aachen zum König gesalbt.

Kaiser Otto III.
Kaiser Otto III. vom Meister der Reichenauer Schule um 1000 (Lizenz: gemeinfrei)

Nach dem Tod des Vaters wurde für das kleine Kind zunächst Heinrich der Zänker als nächster männlicher Verwandter zum Vormund ernannt. Doch bereits nach einigen Monaten wurde Otto III. seiner Mutter Theophanu und der Großmutter Adelheid von Burgund übergeben.

Das Reich verwalteten in den Jahren bis zur Mündigkeit von Otto III. dann die beiden Kaiserinnen. Ab 996 entwickelte sich der junge König zum eigenständigen Herrscher.

Er knüpfte an die politische Nähe der Ottonen zum Heiligen Stuhl an. Bereits zu Beginn seiner Regierungszeit konnte Otto III. mit Gregor V. einen eigenen Kandidaten als römischen Papst installieren.

Von diesem wurde Otto III. im Gegenzug umgehend zum Kaiser gekrönt. Durch seine besondere Nähe zur Kirche wurde er jedoch auch immer wieder in die Machtkämpfe um das Papsttum hineingezogen.

Kaiser Otto III. starb dann wie sein Vater ebenfalls sehr früh und unerwartet. Nach starkem Fieber schied er am 23. oder 24. Januar 1002 in Castel Paterno dahin. Zeitgenossen vermuteten eine Vergiftung, was jedoch nicht belegt ist.

Sohn von Otto II. und Theophanu

Otto III. wurde im Sommer 980 während einer Reise seines Vaters von Nimwegen nach Aachen geboren. Er war der einzige Sohn aus der Ehe von Otto II. mit Theophanu, hatte aber noch drei Schwestern.

Königswahl auf dem Hoftag zu Verona

Kaiser Otto II. erlitt im Jahr 982 eine schmähliche Niederlage im Süden von Italien. In der Schlacht bei Colonna wurden seine Truppen von Sarazenen vernichtend geschlagen.

Kaiser Otto II.
Otto II. als römisch-deutscher Kaiser (Quelle: Registrum Gregorii / Lizenz: gemeinfrei)

Dennoch konnte der Vater im folgenden Jahr die Krönung seines damals erst drei Jahre alten Sohnes durchsetzen. Auf dem Hoftag zu Verona wurde zunächst die Königswahl abgehalten.

Es handelte sich dabei um die einzige Wahl eines deutschen Königs auf italienischem Boden. Auch deshalb haftete Otto III. lange der Ruf an, er sein kein echter deutscher Herrscher.

Anschließend wurde das kleine Kind nach Aachen gebracht, um dort die Königsweihe von den Erzbischöfen aus Mainz und Ravenna zu erhalten.

Doch parallel verstarb sein Vater Otto II. im Alter von nur 28 Jahren überraschend in Rom an der Malaria. Zugleich erhoben sich die Slawen gegen die Zentralgewalt und es brachen wechselhafte Zeiten an.

Mündel von Heinrich dem Zänker

Der kleine Otto III. wurde nach dem frühen Tod seines Vaters dem nächsten männlichen Verwandten als Mündel übergeben. Dabei handelte es sich um den bis dato internierten Herzog von Bayern, den man besser als Heinrich den Zänker kennt.

Heinrich der Zänker
Herzog Heirich II. von Bayern – „der Zänker“ (Quelle: Regelbuch von Niedermünster in Regensburg / Lizenz: gemeinfrei)

Otto III. und Heinrich der Zänker hatten mit Heinrich I. einen gemeinsamen Vorfahren. Doch der bayrische Herzog hatte sich wiederholt gegen die ottonische Herrschaft gestellt und wurde deshalb zuletzt in Utrecht gefangen gehalten.

Erst nach dem Tod von Otto II. wurde er überhaupt erst aus der Haft entlassen und erhielt dann sogleich die Vormundschaft über das kleine Kind seines politischen Gegners. Doch Heinrich der Zänker erkannte wohl, dass sein eigener Rückhalt unter den Großen des Reiches nicht für eine Machtergreifung reichte.

Heinrich der Zänker scheute den militärischen Konflikte mit den Parteigängern der Mutter Theophanu und der Großmutter Adelheid von Burgund des kleinen Jungen. Am 29. Juni 984 wurde Otto III. deshalb an die beiden Kaiserinnen übergeben.

Herrschaft der zwei Kaiserinnen

Ab 985 führte zunächst vor allem Kaiserin Theophanu die Regierungsgeschäfte. Die Zeit blieb weitgehend frei von großen Konflikten.

Aber vor allem die Missionierung der Slawen erlitt große Rückschläge. Sächsische Heere führten in den kommenden Jahren deshalb eine Reihe von Feldzügen gegen die Elbslawen.

Unter dem religiösen Deckmantel suchten die Sachsen nach neueren Erkenntnissen jedoch vor allem Beute. 986 war Otto III. im Alter von sechs Jahren erstmals bei einem solchen Kriegszug dabei.

989 übergab Theophanu die Kontrolle über die Verwaltung von Italien an ihren Vertrauten Johannes Philagathos, den damaligen Erzbischof von Piacenza und späteren Papst. Eine dezidierte Linie in der Italienpolitik ist anhand der wenigen vorhandenen Quellen jedoch nicht erkennbar.

Theophanu verstarb im Jahr 991 im Beisein von Otto III. in Nimwegen. Da er immer noch nicht mündig war, übernahm nun Adelheid von Burgund, seine Großmutter und Witwe von Otto dem Großen, das Ruder.

Regierungsjahre von Kaiser Otto III.

Der junge Otto III. wuchs über Jahre hinweg in die Verantwortung als Monarch hinein. Man hatte ihn als kleines Kind zum König gesalbt und er beurkundete bereits als Minderjähriger einige Schenkungen.

Inthronisierung von Papst Gregor V.

Als erste eigenständige Unternehmungen von Otto III. gelten seine Italienzüge ab 996. Im März diesen Jahres brach er von Regensburg nach Süden auf:

  • In Verona traf der König aus Deutschland auf den Dogen von Venedig und führte das traditionell gute Verhältnis der Ottonen zur Seerepublik fort.
  • Bei Pavia verhandelte Otto III. mit einer römischen Gesandtschaft über die Ernennung des nächsten Papstes. Er ging jedoch nicht auf die Vorstellungen des städtischen Adels um den Präfekten Crescentius ein.
  • In Ravenna ernannte der König stattdessen seinen Verwandten und Hofkaplan Bruno von Kärnten als neuen römischer Papst. Am 21. Mai 996 wurde dieser dann als Gregor V. gekrönt.

Während Otto der Große sich noch ein Veto bei der Papstwahl erkämpfen musste, konnte sein Enkel Otto III. nun sogar einen eigenen Kandidaten auf dem Stuhl Petri platzieren.

Kaiserkrönung im Jahr 996

Otto III. Kaiserkrönung
Kaiserkrönung von Otto III. durch Papst Gregor V. (Urheber: unbekannt / Lizenz: gemeinfrei)

Der neue Papst Gregor V. krönte nur kurz drauf seinen Gönner Otto III. zum neuen Kaiser. Damit hatten sich die Verwandten erfolgreich diese beiden höchsten Positionen ihrer mittelalterlichen Welt zugeschoben.

Kaiser Otto III. kehrte dann im Juni 996 nach Norden zurück. Besondere Ereignisse aus den folgenden Wochen sind nicht überliefert.

Aber schon im September wurde Gregor V. vom stadt-römischen Adel um Crescentius vertrieben. Daraufhin kam es zur Erhebung von Johannes XVI. als Gegenpapst.

Doch der neue Kaiser des Heiligen Römischen Reiches priorisierte zunächst die Sicherung der östlichen Gebiete seines Reiches. Im Sommer 997 führte er einen erneuten Feldzug gegen Elbslawen.

Belagerung der Engelsburg

Erst im Dezember 997 zog Otto III. wieder nach Italien, um seinen Papst zu stützen. Die Größe des Heeres ist unbekannt. Der deutsche Kaiser wurde jedoch von sehr vielen Amtsträgern begleitet.

Während seiner Abwesenheit ließ sich Kaiser Otto III. von seiner Tante Mathilde, der Äbtissin von Quedlinburg vertreten. Das war eine Enkelin der Heiligen Mathilde von Quedlinburg.

Kaiser Hadrian ließ die Engelsburg errichten (Foto bei Nacht).
Kaiser Hadrian ließ die Engelsburg als Mausoleum errichten. (pixabay)

Sobald das kaiserliche Heer vor Rom erschien, flüchtete Crescentius in die Engelsburg. Nach langer Belagerung konnte die Anlage von Kaiser Otto III. eingenommen werden.

Für den Präfekten Crescentius nahm die Geschichte ein übles Ende. Er wurde auf einen Turm geführt und vor der johlenden Menge enthauptet.

Dann warf man den Korpus in die Tiefe und hängte anschließend die Leiche an den Füßen an einem Galgen auf. Der Gegenpapst wurde geblendet und man riss ihm die Zunge heraus.

Kaiser Otto III. blieb noch bis 999 in Italien, um die Verhältnisse nach seinen Vorstellungen zu sortieren. In dieser Zeit absolvierte er nach heftiger Kritik an dem brutalen Vorgehen allerdings auch eine Wahlfahrt zur Buße.

Zuletzt verstarb der ottonische Papst Gregor V. an einer Erkrankung. Daraufhin inthronisierte Otto III. mit Silvester II. erneut einen Vertrauten aus seinem Umfeld auf dem Stuhl des heiligen Petrus.

Pilgerreise und Akt von Gnesen

Anfang 1000 pilgerte Kaiser Otto III. zum Grab des Märtyrers Adalbert von Prag. Der war von heidnischen Pruzzen erschlagen und anschließend in Gnesen im heutigen Polen bestattet worden.

Der Kaiser zog barfuß in die Stadt ein und errichtete dem Märtyrer einen Altar. In diesem Zusammenhang kam es auch zu weitreichenden politischen Entscheidungen.

Kaiser Otto III. ließ im Akt von Gnesen eine Kirchenprovinz gründen. Darüber hinaus erhöhte er den Rang des dortigen Herzogs Boleslaw, der dann ab 1025 auch offiziell der erste König von Polen war.

Boleslaw bekam noch dazu eine Kopie der Heiligen Lanze geschenkt. Im Gegenzug erhielt Kaiser Otto III. einen Arm von der Leiche des Adalbert von Prag als Reliquie.

Aufstände in Tivoli und Rom

Gegen Ende des Jahres 1000 zog Otto III. wieder nach Rom. Während die Anfangszeit noch friedlich verlief, kam es nach dem Jahreswechsel zunächst in Tivoli zu einem Aufstand gegen den Kaiser.

Unter dem Druck der Belagerung von Tivoli unterwarf sich die Stadt aber dem Willen des Kaisers. Im selben Monat kam es allerdings noch zur Ausstellung einer bemerkenswerten Urkunde.

Kaiser Otto III. rechnete schonungslos mit der bisherigen Politik vieler Päpste ab. Er wies die Konstantinische Schenkung zurück, übergab jedoch aus seiner kaiserlichen Autorität heraus acht Grafschaften an die römische Kirche.

Im Machtspiel mit dem Heiligem Stuhl war der Kaiser in dieser Zeit der alles dominierende Taktgeber. Die Schonung von Tivoli führte nur leider zu einer Revolte der städtischen Römer.

In einer bewegenden Rede soll Kaiser Otto III. die Römer jedoch von seiner Liebe zu der Stadt überzeugt haben. Bewegt von seinen rührenden Worten ergriffen die Städter zwei Rädelsführer und schlugen sie übel zusammen.

Tod und Nachfolge von Otto III.

Die Ratgeber von Kaiser Otto III. fürchteten dennoch weitere Gefahren. Er zog sich deshalb aus Rom zurück und rief nach militärischer Verstärkung aus dem Reich. Diese traf jedoch nur sehr zögerlich ein.

Im Januar 1002 wurde Kaiser Otto III. dann plötzlich schwer krank. Er bekam starkes Fieber und verstarb am 23. oder 24. Januar in Castel Paterno. Der zeitgenössische Bischof von Paderborn ging in seiner Vita Meinwerci von einer Vergiftung aus.

Der Tod von Kaiser Otto III. wurde zunächst geheim gehalten, weil sich sein Umfeld in Italien von Feinden bedroht sah. Erst nach dem Eintreffen der Verstärkung zog man sich geschlossen in den Norden des Reiches zurück.

Als Nachfolger kam mit Heinrich II. ein Vetter von Otto III. an die Macht. Es war der Sohn von Heinrich dem Zänker und er sollte der letzte deutsche Herrscher aus dem sächsischen Geschlecht der Liudolfinger werden.