Alexander I.

Kaiser Alexander I. von Russland

Alexander I. Pawlowitsch Romanow wurde 23. Dezember 1777 in St. Petersburg geboren. Er war ein Enkel von Katharina der Großen und regierte Russland während der napoleonischen Kriege.

Als Kind war Alexander I. das beständige Ziel von Demütigungen durch seinen kaiserlichen Vater, der am 23. März 1801 mit seiner eigenen Schärpe erdrosselt wurde. Ohne eine nachweisliche Verbindung zu den Attentätern wurde der junge Mann anschließend ungehindert zum neuen Monarchen.

Zar Alexander I.
Kaiser Alexander I. von Russland gemalt im Jahr 1809 von Stepan Schtschukin. (gemeinfrei)

Alexander I. war als Zar beziehungsweise genauer als Kaiser von Russland eigentlich vor allem an der Innenpolitik interessiert. Er konsolidierte den Staatshaushalt und investierte in die Bildung der breiten Bevölkerung.

Kaiser Alexander I. von Russland ist bis heute jedoch vor allem für seine Rolle in den Kriegen gegen Napoleon Bonaparte bekannt. In der Schlacht bei Austerlitz erlitt er als unerfahrener Befehlshaber im Jahr 1805 eine schwere Niederlage.

Als Politiker zeigte Alexander I. dann jedoch eine gewisse Weitsicht. Er führte nie wieder Truppen persönlich im Feld.

Vielmehr setzte Alexander I. fortan auf erfahrene Offiziere. Vielfach handelte es sich dabei um hohe Militärs aus Preußen. Ein besonders bekanntes Beispiel war Carl von Clausewitz.

Während des Russlandfeldzuges von Napoleon im Jahr 1812 setzten seine Generale dann auf die strategische Tiefe Russlands und auf verbrannte Erde. Durch kluge Rückzuge konnte sein Feldmarschall Kutusow im „Vaterländischen Krieg“ die Versorgungslinien der Grande Armée bis zum Kollaps überdehnen.

„Hunger ist schlimmer als das Schwert.“ (Vegetius)

Aber auch politisch ließ Alexander I. seinen jugendlichen Idealismus hinter sich. Vor allem in seinen späteren Regierungsjahren wurde er zum konservativen Hardliner. Der Kaiser führte die Zensur von Publikationen sowie die Kontrolle der Einfuhr von Büchern ein. Ein erklärtes Ziel seiner Repressionen waren die Freimaurer.

Romanows – zweite Zarendynastie

Russland wurde im 9. Jahrhundert von dem legendären Großfürsten Rurik gegründet, der einem schwedischen Wikingergeschlecht entstammte. Der erste Siedlungsraum lag um die Stadt Nowgorod.

Von dort aus eroberte Oleg der Weise als zweiter Großfürst aus dem Geschlecht der Rurikiden die Region um Kiew. Seitdem spricht man auch von den „Kiewer Rus“.

Anastassija und Iwan der Schreckliche

Der legendäre Großfürst Iwan der Schreckliche aus dem Geschlecht der Rurikiden ließ dann 16. Jahrhundert seinen weltlichen Titel durch die orthodoxe Kirche aufwerten. Die Herrscher von Russland bezeichneten sich fortan als „Zaren“.

Peter der Große
Peter I. der Große im Jahr 1717 gemalt von Jean-Marc Nattier. (gemeinfrei)

Der neue Titel hatte vor allem eine kulturelle Bedeutung. Moskau sollte nach der Eroberung von Konstantinopel durch die Osmanen als „Drittes Rom“ zum Zentrum des orthodoxen Glaubens werden. Deshalb wurde sehr bewusst eine symbolische Verknüpfung zum alten Titel der oströmischen Kaiser hergestellt.

Dieser Iwan IV. heiratete noch 1547, dem Jahr seiner Zaren-Krönung, Anastassija Romanowa. Das war die Tante des Ahnherrn der zweiten großen Zaren-Dynastie, der Romanows.

Die Familie gehörte zum hohen russischen Adel. Fortan positionierten sie sich in der nächsten Nähe zum Thron und bekamen schließlich die Chance auf einen dynastischen Wechsel.

Als Stellvertreter für einen regierungsunfähigen Vertreter der Rurikiden übernahm 1613 mit Zar Michael I. der erste Romanow den russischen Thron. Zu einer weiteren Neuerung kam es unter Peter dem Großen.

Ab 1721 wurde auch der verwestlichte Titel als „Kaiser von Russland“ geführt und entwickelte sich zur dominierenden Bezeichnung. Die Romanows sollten dann über Nebenlinien bis zur Revolution von 1917 den Herrscher des Landes stellen.

Alexander Pawlowitsch Romanow

Der Vater des späteren Kaisers Alexander I. gilt als Kind der außerehelichen Leidenschaft von Katharina der Großen und ihrem ersten Liebhaber Sergei Saltykow. Dieser Paul I. wurde 1754 geboren und war ein lange ersehnter Sohn.

Kaiser Paul I.
Kaiser Paul I. von Russland mit seiner Schärpe gemalt von Stepan Schtschukin. (gemeinfrei)

Jenseits der amourösen Legenden wurde Paul I. offiziell als Thronfolger anerkannt. Seine Mutter konnte ihn jedoch nicht leiden. Er selbst wurde später dann auch ein schlechter Vater für Alexander I., den er regelmäßig und gerne demütigte.

Für Alexander I. empfand Katharina der Große jedoch viel Zuneigung. Sie versuchte gegen Ende ihres Lebens den geliebten Enkel statt ihren Sohn als Nachfolger zu installieren.

Dies misslang jedoch und nach dem Tod der berühmten Kaiserin im Jahr 1796 folgte Paul I. auf den Thron. Er hatte jedoch auch außerhalb der Familie zahllose Feinde und sah sich permanent von Anschlägen bedroht.

Trotz aller Maßnahmen gelang 1801 in seinem hoch gesicherten Winterpalais schließlich ein Attentat. Paul I. wurde von Offizieren erdrosselt: mit seiner eigenen Schärpe.

Als Sohn und nun ungehinderter Thronfolger soll Alexander I. nicht direkt in den Mord involviert gewesen sein. Man geht jedoch von einer stillschweigenden Zustimmung zur Absetzung seines kaiserlichen Vaters aus.

Inwiefern die doch recht spezielle Methode der Absetzung von Paul I. vorher abgestimmt war, ist nicht bekannt. Der Tyrannenmord hatte zumindest keine Konsequenzen für die Beteiligten. Ganz im Gegenteil: Der Drahtzieher August von Bennigsen wurde später sogar zu einem der wichtigsten Generale in den napoleonischen Kriegen.

Ehe mit Louise von Baden

Im Alter von 15 Jahre war Alexander I. mit der Prinzessin Louise von Baden verheiratet worden. Die Ehe war unglücklich, brachte jedoch zwei Kinder hervor, die allerdings früh verstarben.

Nach dem Tod von Alexander I. im Jahr 1825 übernahm mit Nikolaus I. ein jüngerer Bruder die Regentschaft.

Alexander I. und Napoleon Bonaparte

Alexander I. war vor allem innenpolitisch orientiert. Neben handfesten Reformen der Verwaltung und des Bildungswesens sticht dabei besonders sein sich wandelndes Verhältnis zum Liberalismus hervor.

Napoleon Bonaparte
Kaiser Napoleon Bonaparte gemalt von Jacques-Louis David im 1812. (gemeinfrei)

Als junger idealistischer Monarch sprach er sich beispielsweise gegen die Leibeigenschaft aus. Im späteren Verlauf seiner Herrschaft entwickelte sich Alexander I. jedoch zu einem reaktionären Denker.

Doch bestimmend für seine Regentschaft waren nicht russische Fragen, sondern der Aufstieg und Fall von Napoleon Bonaparte.

Ein bedeutender Aspekt war dabei das Verhältnis von Alexander I. zu Preußen und der Freundschaft zu dessen König. Bereits im Jahr nach seinem Regierungsantritt schloss er ein enges Bündnis.

Alexander I. wurde so zu einem entscheidenden Partner in den Koalitionskriegen. Während des Russlandfeldzuges von 1812 musste er auch auf eigenem Gebiet bestehen.

Sehr wichtig wurde dabei die Fluktuation von militärischen Eliten. Nach der Niederlage von Preußen gegen Napoleon im Jahr 1806 wechselten viele Offiziere in die russische Armee.

Ein besonders bekanntes Beispiel war Carl von Clausewitz. Für Alexander I. war der preußische General an zahlreichen Schlachten beteiligt und brachte es bis zum Stabschef eines Korps.

Schlacht bei Austerlitz (1805)

Am 01. Oktober 1805 errang Horatio Nelson in der Schlacht bei Trafalgar den entscheidenden Seesieg gegen Napoleon. Statt der geplanten Invasion der britischen Inseln wandte sich der Kaiser der Franzosen in einer rasanten Geschwindigkeit gegen seine kontinentalen Gegner.

Schlacht bei Austerlitz
Karte der Schlacht bei Austerlitz gegen 9 Uhr morgens erstellt von der United States Military Academy. (gemeinfrei)

Kaiser Alexander I. wollte im Bündnis mit Österreich den Vormarsch stoppen. Die riesigen Armeen sollten sich schließlich bei Austerlitz im heutigen Tschechien begegnen.

Napoleon traf mit einem Teil seines Heeres vor den Russen und Österreichern ein. Er konnte in relativer Ruhe das Schlachtfeld einschätzen und entschied sich für eine brillante Falle.

Der Kaiser der Franzosen überließ seinen Gegnern die zentrale Anhöhe auf dem Gelände, den sogenannten Pratzen. Der noch recht unerfahrene Alexander I. besetzte daraufhin mit seinen österreichischen Verbündeten den Hügel. Man hielt sich für numerisch und taktisch überlegen.

Doch Napoleon ließ in Gewaltmärschen weitere Truppen herbeiführen. Französische Divisionen rückten dann getarnt durch den Morgennebel des 02. Dezember 1805 bis an den Fuß des Pratzen vor.

Damit überraschte er Alexander I. und die Österreicher nicht nur, sondern unterlief auch die Distanz für den effektiven Einsatz von Artillerie. Praktisch im Handstreich zerschlug Napoleon das feindliche Zentrum. Um 9 Uhr morgens war die Schlacht bei Austerlitz bereits entschieden.

Nach dieser Niederlage übernahm Kaiser Alexander I. nie wieder den direkten Oberbefehl über ein Heer. Stattdessen überließ er diese Rollen künftig den erfahrenen Generalen.

Frieden von Tilsit (1807)

Nach der Niederlage in der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 war Preußen vorläufig von Napoleon geschlagen. Dann musste auch Alexander I. einen entscheidenden Rückschlag hinnehmen.

General von Bennigsen
General Levin August von Bennigsen gemalt im Jahr 1820 von George Dawe. (gemeinfrei)

In der Schlacht bei Friedland erlitt ein russisch-preußisches Heer unter dem Befehl des Generals von Bennigsen am 14. Juni 1807 eine schwere Niederlage. In der Folge bot Kaiser Alexander I. ohne weitere Rücksprache mit Preußen Verhandlungen an.

Im Frieden von Tilsit wurde Anfang Juli 1807 dann ein Frieden zwischen Preußen und Russland sowie Frankreich geschlossen. Dem preußischen König Friedrich Wilhelm III. blieb hierbei jedoch nur die Rolle eines Statisten, was die besondere Stellung von Alexander I. verdeutlichte:

Die Verhandlungen wurden sehr symbolisch auf Booten in der Mitte der Memel abgehalten. Der Fluss bildete die Demarkationslinie zwischen den Mächten. Während Alexander I. mit Napoleon verhandelte, musste der preußische König am Ufer das Ergebnis des Treffens abwarten.

Mit dem Frieden von Tilsit endete der Vierte Koalitionskrieg. Das vor allem für Preußen niederschmetternde Ergebnis führte jedoch zu weitreichenden Reformen unter Generalen wie Gerhard von Scharnhorst. Zunächst wurden Preußen und Russland jedoch Verbündete von Frankreich.

Russlandfeldzug (1812)

Zu Beginn des Jahres 1809 begannen die Aktionen des Duke of Wellington auf der iberischen Halbinsel gegen Napoleon. Dies trug zu einem Aufstand in Spanien gegen die Franzosen bei, was Österreich zur Kriegserklärung gegen Frankreich bewegte.

Dieser Fünfte Koalitionskrieg spielte sich ohne Beteiligung von Russland ab und endete mit einer Niederlage von Österreich. Damit fiel das Reich der Habsburger als Pufferstaat zwischen Napoleon und Alexander I. weg.

Napoleons Rückzug Gemälde
Napoleons Rückzug aus Moskau gemalt im Jahr 1851 von Adolf Northern. (gemeinfrei)

Der Einmarsch der französischen Truppen begann in der Nacht des 24. Juni 1812 in Litauen. Von dort aus stieß Napoleon über Smolensk direkt in Richtung Moskau vor.

Kaiser Alexander I. war militärisch zwar unterlegen. Er konnte jedoch in der breiten Bevölkerung eine patriotische Begeisterung für diesen „Vaterländischen Krieg“ auslösen.

Zum großen Ärger von Napoleon stellten sich die Russen unter dem Oberbefehl von Feldmarschall Michail Kutusow jedoch keiner epischen Endschlacht. Stattdessen nutzten sie die strategische Tiefe des riesigen Landes, um die Versorgungslinien der Grande Armée zu überdehnen. Eine besondere Rolle spielten berittene Kosaken, die die französische Logistik permanent bedrohten.

Die französische Armee konnte am 07. September 1812 bei Borodino zwar ein großes Gefecht gewinnen und anschließend weiter vordringen. Aber während sich der russische Winter näherte, und es sollte ein besonders kalter Winter werden, hinterließen die Russen nur verbrannte Erde. So konnte sich die feindliche Armee nicht aus dem Land ernähren.

Selbst als Moskau in die Hände der Franzosen fiel, schreckten Alexander I. und seine militärische Führung nicht zurück. Sie brannten die Stadt nieder, um Napoleon und seinen Soldaten das sichere Dach über dem Kopf zu nehmen.

„Jetzt beginnt meine Kampagne.“ (Alexander I.)

Letztlich musste die ausgehungerte und auch materiell unterversorgte Grande Armée unverrichteter Dinge durch Schnee und Schlamm nach Hause stapfen. Doch nun war die Stunde von Alexander I. gekommen, dessen Generale auf gezielte Attacken setzten.

Ende Oktober und Anfang November musste Napoleon Bonaparte schmerzhafte Niederlagen auf seinem Rückzug von Moskau nach Smolensk hinnehmen. Auch weitere Rückzugsgefechte bei Krasnoi und an der Beresina gingen verloren.

Am 14. Dezember 1812 rettete sich Napoleon mit dem kläglichen Rest seiner Grande Armée über die Memel. Alexander I. hatte in diesem Krieg etwa 150.000 Mann verloren, die Franzosen eine halbe Million.

„Der Zauber ist gebrochen.“ (Alexander I.)

Wiener Kongress (1814/15)

Nach der strategischen Niederlage gegen Alexander I. war Napoleon angezählt. Während die Bedrohung aus dem Osten weiter bestand, machte der Duke of Wellington auf der iberischen Halbinsel große Fortschritte.

Fürst von Metternich
Clemens Wenzel von Metternich gemalt im Jahr 1815 von Thomas Lawrence. (gemeinfrei)

Die Leitung des Wiener Kongresses lag bei Clemens Wenzel von Metternich. Die Mächte verhandelten über eine Ordnung nach Napoleon. Der österreichische Außenminister und Staatsmann entwickelte sich dabei für Alexander I. zum größten Gegenspieler.

Die kritischen Streifragen zwischen Österreich, Preußen und Russland drehten sich vor allem um Polen. Kaiser Alexander I. scheiterte dabei mit seinem Plan, das Land auf ein kleines Königreich um Warschau unter russischer Kontrolle zu reduzieren.

In dieser Kombination wurde auch der Umgang mit Sachsen zu einem Problem, weil die beiden Gebiete in Personalunion regiert wurden. Zeitweise musste man sogar mit einem Krieg unter den Alliierten rechnen.

Die Herrschaft der 100 Tage ab dem 01. März 1815 von Napoleon trug jedoch erheblich zur Einigung bei. Immerhin musste man ihm dann noch sehr zügig die finale Niederlage bei Waterloo zufügen.