Bernhard von Clairvaux

Bernhard von Clairvaux – Prediger

In der ersten Hälfte des 12. Jhds. gab es in Frankreich einen sehr mächtigen Prediger, Bernhard von Clairvaux. Er gründete eine bedeutende Primärabtei der Zisterzienser und baute einen mächtigen Orden auf. Er war der letzte große Reformator der christlichen Kirche vor Martin Luther.

Leben und Wirken des heiligen Bernhard

Bernhard von Clairvaux wurde 1090 in Burgund geboren. Er war der dritte Sohn des „Ritters mit dem roten Haar“ und mütterlicherseits mit der Herzogslinie verwandt. Er wuchs als junger Edelmann auf und kämpfte als Ritter bei Turnieren.

Aber mit 22 Jahren verabschiedete er sich vom weltlichen Werdegang. Mit einem Großteil seiner Familie trat er in das Kloster Cîteaux ein. Das war das Mutterkloster des erst kurz zuvor im Jahre 1098 ins Leben gerufenen Ordens der Zisterzienser.

Der Zisterzienserorden

Die Ziesterzienser waren von einem Benediktiner gegründet worden. Sie folgten den Worten des Jesus von Nazaret, verachteten den Sittenverfall in den Klöstern und fürchteten das jüngste Gericht. Aber anfangs waren sie nur eine kleine radikale Splittergruppe. Ihre Interpretation der Regeln des Heiligen Benedikt, die Regula Benedicti aus dem 6. Jhd., war sehr streng. Gebet und Arbeit (ora et labora) bestimmten ihr Leben.

Bernhard von Clairvaux war zwar kein Gründungsmitglied, wird jedoch als größter Heiliger und geistiger Führer des Ordens verehrt. Die Gemeinschaft erlebte nach ihrer Blütephase einen Niedergang, aber hat bis heute überlebt. Ca. 1.600 Mönche und 800 Nonnen sind in ihren Reihen (Stand: 2005).

Die weiß gekleideten Ordensbrüder und -schwestern wollten neben ihren religiösen Pflichten auch arbeiten und sich selbst ernähren. Sie verzichten soweit es möglich war auf den Kirchenzehnt von den Bauern in ihrem Gebiet. Damit grenzten sie sich deutlich von dem Verhalten anderer Klostern in der Region bzw. überhaupt in der Epoche ab.

Bete und wirtschafte

Für tief religiöse Menschen und vor allem auch für Bauern war der sehr strenge und fleißige Zisterzienserorden vom Kloster Cîteaux eine ungemein attraktive Organisation. Die Brüder und Schwestern erhielten nach und nach immer mehr Zulauf. Vor allem die vielen Laien-Brüdern, die tatkräftig arbeiteten, aber sonst nichts zu sagen hatten, würden sich als treibende Kraft für die Entwicklung des Ordens erweisen.

Schon bald sollte die Expansion des kapitalistischen Ordens unter der Führung von Bernhard von Clairvaux an Fahrt aufnehmen. Als durchschlagende Reformbewegung und bedeutenden Wirtschaftsmacht sollte der Orden über Jahrhunderte hinweg die Entwicklung Europas mitbestimmen. Der Schlüssel zu ihrem Erfolg lag in der radikalen Konsequenz ihres Denkens und Handelns.

Sie breiteten sich schnell aus, weil sich jedes Kloster der Zisterzienser von Anfang an wirtschaftlich selbst tragen konnte. Das war ein Grundgesetz des Ordens. Dabei arbeiteten die weißgekleideten Brüder mit einer Art Filialsystem. So bald sich eine Filiale der Mutterabtei gut entwickelt hatte, wurde sie zur Primärabtei und gründete selbst neue Filialen.

Ein junger Abt in einem jungen Orden

Zeichnung von einem Zisterziensermönch aus dem Orden von Bernhard von Clairvaux
Bernhard von Clairvaux und die Zisterziensermönche waren weißgekleidet. Die Lilie schmückt das Wappen des Ordens

Bereits im Jahre 1115 wurde dem jungen Bernhard viel Verantwortung übertragen. Mit ihm und seinen Verwandten war der Aufschwung in den Orden gekommen. So wurde er ausgesandt, um in der Champagne ein weiteres Kloster, das Kloster Clairvaux, für die weißgekleideten Mönche zu gründen.

Er verstand es, sein Kloster und den ganzen Orden aufzubauen. Mit Charisma und Redegewandtheit begeisterte er die Menschen für seine Ideen. Schon bald eilte ihm sein Ruf voraus und er wurde ein weithin bekannter Abt. Und es waren nicht nur einfache Leute, sondern auch Adelige, die es mehr und mehr zu den Zisterziensern zog.

Einfachheit war das oberste Credo. Die Lage der Räumlichkeiten war auf kurze Wege zwischen Schlaf-, Gebets- und Arbeitsstätten angelegt. Nichts sollte die Brüder und Schwestern ablenken. Dennoch schufen sie riesige Anlagen und Kirchen.

Im Kloster Clairvaux sowie in allen Klöstern des Ordens gab es keinen Schmuck, keine Annehmlichkeiten. Im Winter wurde immer nur ein Raum beheizt. Nicht einmal Jesus-Kreuze, sondern nur Marien-Statuen waren in den Kirchen der strengen Mönche erlaubt.

Der Orden expandierte wie bei einer Zellteilung. So bald eine Kloster die kritische Größe erreicht hatte, wurden ein Abt und zwölf Brüder ausgesandt. Diese suchten nach einem günstigen Standort und gründeten dann dort ein weiteres Klöster. Noch zu Lebzeiten des heiligen Bernhard waren bereits 300 Abteien entstanden mit 11.000 Mönchen und Laien-Brüdern.

Eine Wirtschaftsmacht erhebt sich

Bernhard von Clairvaux verstand es, die Klöster wirtschaftlich zu spezialisieren und auf Eigenbetrieb umzustellen. Dafür waren eben besonders die Laien-Brüder mit ihrem handwerklichen Wissen und Können von zentraler Bedeutung. Entscheidend war der hohe Zulauf, den die Glaubensgemeinschaft erhielt.

Diese Art der Expansion der Zisterzienser setzte sich von Frankreich aus im Zentrum in alle Himmelsrichtungen fort. Ihr Netzwerk aus Klöstern und Abteien erreichte Irland & Schottland, Schweden, Polen, den Balkan, Sizilien, Spanien und überspannte dabei natürlich auch alle Länder, die sich innerhalb dieses Spinnennetzes befanden. Arbeitskräfte und vor allem auch Know-How wurde systematisch verteilt.

Gerade in den östlichen Regionen leistete der Zisterzienserorden einen sehr wichtigen Beitrag zur Landerschließung. Die Brüder des heiligen Bernhard erfanden einen neuen Pflug sowie innovatives Geschirr für Zugtiere. Auch führten sie die Dreifelderwirtschaft ein und konnten damit die landwirtschaftlichen Erträge insgesamt verfünffachen. Zur Verarbeitung all dieser Überschüsse entwickelten die Zisterzienser die Bock-Windmühle. Diese kann man genau in den Wind drehen und ist damit viel effizienter als eine starre Windmühle.

Mit Hilfe einer Vorstufe der doppelten Buchführung schufen die Zisterzienser unter der Führung von Bernhard von Clairvaux neue Standards in der Verwaltung. Das weitverzweigte Netzwerk der Standorte überwachten und optimierten sie mit Hilfe eines zentralen Controllings und sogenannten „Visitatoren“.

Der hönigsüße Prediger – Von der Mutter Gottes genährt

Bernhard von Clairvaux war ein außerordentlich talentierter Prediger. Der Legende nach war es die heilige Maria persönlich, die ihm etwas Muttermilch zu trinken gab und auf diesem Wege ein göttliches Sprachtalent verlieh. Er wurde auch „Dr. Honigmaul“ genannt.

Seinen Argumenten folgten geistige und weltliche Herren. Der politische, wirtschaftliche und theologische Einfluss des redegewandten Predigers nahm immer weiter zu. Schließlich war er zu einer Art grauen Eminenz im Schatten des Papstes aufgestiegen.

Die Gründung des Templer-Ordens

Bernhard von Clairvaux wuchs als junger Ritter auf. Zwar hatte er sich dem Leben als Mönch verschrieben, aber dennoch waren ihm militärische Fragen keinesfalls fremd. Er sah das Schwert als notwendiges Mittel, um die Christenheit zu schützen und den Glauben zu verbreiten. Dafür leistete er einen wichtigen Beitrag zur Gründung des Templer-Ordens.

Entscheidend war es, das göttliche Gebot: „Du sollst nicht töten“, theologisch auszuhebeln. Ansonsten würde einem militärischem Orden der Christenheit natürlich die Zweckbestimmung fehlen.

Der argumentative Winkelgriff des heiligen Bernhard war es, den Geltungsbereich für die religiösen Norm enger zu fassen. „Dr. Honigmaul“ warb erfolgreich dafür, dass dieses christliche Gebot eben nur für Menschen gilt, die an den christlichen Gott glauben.

In der Konsequenz wandelte sich das Verhältnis eines Christen zu einem Ungläubigen vom Gebot des „Du sollst nicht töten.“ in eine Aufforderung: „Du sollst töten.“. So schuf Bernhard von Clairvaux in der damaligen Welt eine juristische Basis für den rasanten Aufstieg des Templer-Ordens.

Der Aufruf zum 2. Kreuzzug

Bernhard von Clairvaux nutzte seinen Einfluss, um im Namen Gottes und im Auftrag des Papstes zum 2. Kreuzzug gegen die Heiden aufzurufen. Jerusalem sollte von den Ungläubigen befreit werden. In zahllosen Schriften und Predigten argumentierte der wortgewandte und einflussreiche Theologe für den Kampf.

„Ein Ritter Christi tötet mit gutem Gewissen und stirbt dann noch ruhiger!“

Der heilige Bernhard war der zentrale Propagandist im Aufruf zum 2. Kreuzzug. Selbst dem König von Frankreich übergab er persönlich ein Kreuz, als symbolische Aufforderung in das heiligen Land zu ziehen. In ganz Europa entfachte ein Sturm der Begeisterung: Deus lo vult – Gott will es!

„Alles was die Wand bepisst, nahm das Kreuz…“

(Zeitgenosse über den Aufruf des Bernhard von Clairvaux)

Der 2. Kreuzzug scheiterte jedoch im Jahr 1149 mit einer verheerenden Niederlage bei Damaskus. Jegliche Kritik an ihm, wiess Bernhard von Clairvaux mit Hinweis auf die Sünden der Kreuzfahrer strikt zurück. Deren Vergehen während des 2. Kreuzzuges müssen seiner Meinung nach der tatsächliche Auslöser für eine in Gottes Augen anscheinbar verdiente Niederlage gewesen sein.