Bernhard von Clairvaux

Bernhard von Clairvaux – Kirchenlehrer

Bernhard von Clairvaux wurde um 1090 in der Nähe von Dijon im Osten des heutigen Frankreich geboren. Er gilt als einer der Gründer der Zisterzienser. Dieser Orden breitete sich rasant in Europa aus. Bereits um 1300 verfügten sie über 750 Niederlassungen.

Bernhard von Clairvaux und die anderen Gründungsfiguren des Zisterzienserordens
Figurengruppe mit Bernhard von Clairvaux (ganz links) und den drei anderen Gründungsfiguren des Zisterzienserordens (pixabay)

Bernhard von Clairvaux gehörte jedoch nicht tatsächlich zur ersten Generation. Aber er baute eine sehr wichtige Primärabtei der Zisterzienser auf.

Von Primärabteien aus wurden dann weitere Standorte gründet oder übernommen. So entwickelte sich in kurzer Zeit ein weit gefächertes Netz. Denn die Niederlassungen standen auch im intensiven Austausch.

Die Zisterzienser breiteten sich auch deshalb so schnell aus, weil insbesondere neu gegründete Niederlassungen von Anfang an wirtschaftlich arbeiten mussten. Das war im Grundgesetz des Ordens, der Carta Caritas, juristisch fixiert.

Dabei arbeiteten die Brüder in ihren weißen Mönchskutten mit einer Art Filialsystem. Sie entsandten aus ihrem Mutterkloster und den Primärabteien Gruppen von zwölf Mönchen mit einem Abt an ihrer Spitze. Diese bauten dann eigenständig Tochterklöster auf. Meist hatten sie dabei jedoch entscheidende Hilfe von Laienbrüdern, die als Facharbeiter tätig waren.

Doch Bernhard von Clairvaux war nicht nur der Abt einer wichtigen Primärabtei. Er war auch ein bedeutender Mystiker und Kirchenlehrer des Mittelalters. Seine Werke waren weit verbreitet und befassten sich häufig mit Maria, der Mutter Gottes.

Heute kennt man noch 1.500 Schriften aus seiner Hand. In dieser Rolle wurde er zum letzten großen Reformator der christlichen Kirche vor der Zeit von Martin Luther.

Aber Bernhard von Clairvaux entwickelte sich in seinem Eifer auch zu einem zentralen Befürworter von militärischen Maßnahmen gegen Menschen mit einer anderen religiösen Identität. Er gehörte dann schließlich zu den geistigen Mentoren der Templer. Dieser Ritter-Orden wurde im Jahr 1118 gegründet.

Darüber hinaus hatte Bernhard von Clairvaux auch Verwandtschaft bei den Templern und pflegte weitere freundschaftliche Beziehungen zu Rittern. Als einflussreicher Kleriker argumentierte er für einen Sündenerlass von Kreuzfahrern, die bei der Ausübung ihres Mordhandwerks selbst zu Tode kommen. Heutzutage würde man ihn in Deutschland für solche Sprüche wegen Volksverhetzung anklagen.

„Ein Ritter Christi tötet mit gutem Gewissen und stirbt dann noch ruhiger!“ (Zitat)

Er forderte den Wendenkreuzzug, den Heinrich der Löwe gegen die ost-elbischen Slawen im Jahr 1147 führte. In diesem zeitlichen Umfeld forderte Bernhard von Clairvaux auch den Zweiten Kreuzzug. Dieser dauerte zwei Jahre lang bis 1149 und musste nach schweren Niederlagen abgebrochen werden.

Im Jahr 1153 verstarb Bernhard von Clairvaux in seiner Primärabtei. Diese befindet sich in der Nähe der französischen Stadt Troyes im Nord-Osten des heutigen Frankreich. Bereits 1174 erfolgte die Heiligsprechung. In der Darstellung wird er mit zahlreichen Attributen geschmückt:

  • Bibel
  • Stab (eines Bischofs)
  • Passionsinstrumente
  • Weißer Mönchshabit mit Kapuze
  • Bienenkorb (erst seit 16. Jahrhundert)
  • Lactatio (Milchabsonderung der Mutter Gottes)

Abstammung des adligen Klerikers

Bernhard von Clairvaux wurde um 1090 geboren. Er war der dritte Sohn von Tescelin de Fontaine, einem Adeligen aus Burgund.

Die Mutter stammte aus dem Haus Montbard, dass die burgundischen Herzöge stellte. Der Onkel von Bernhard von Clairvaux war André de Montbard, ein Gründungsmitglied und 5. Großmeister des Templerordens.

Bernhard wuchs deshalb zunächst als junger Edelmann auf. Er kämpfte auch als Ritter bei Turnieren. Aber mit etwa 22 Jahren verabschiedete er sich vom weltlichen Werdegang.

Mit einem Großteil seiner Familie trat er in das Kloster Cîteaux ein. Das war das Mutterkloster des erst kurz zuvor im Jahre 1098 ins Leben gerufenen Ordens der Zisterzienser.

Aufstieg des Ordens der Zisterzienser

Die Ziesterzienser waren von einem Benediktiner gegründet worden. Sie folgten sehr wortgetreu den Lehren des Jesus von Nazareth. Das bedeutete, dass sie vor allem große Angst vor dem jüngsten Gericht hatten.

Ihre Interpretationen der Regeln des Heiligen Benedikt, die Regula Benedicti aus dem 6. Jahrhundert, waren sehr streng. Gebet und Arbeit (ora et labora) bestimmten das Leben eines Angehörigen des Ordens.

Darüber hinaus verachteten die Zisterzienser den Sittenverfall in den zeitgenössischen Klöstern. Dennoch stellten sie bis zum Aufstieg des charismatischen Bernhard von Clairvaux nur eine sehr kleine Splittergruppe dar.

Die weiß gekleideten Ordensbrüder und -schwestern hatten den Anspruch, von der eigenen Arbeit leben zu können. Sie verzichteten deshalb nach Möglichkeit auf den Kirchenzehnt von den Bauern in ihrem Gebiet.

Damit grenzten sich die Zisterzienser sehr deutlich von anderen Klöstern ab. Diese Einstellung machte sie nach außen hin sehr glaubwürdig. Außerdem war der Orden damit vor allem für tatsächlich religiöse Menschen besonders attraktiv.

Der Orden expandierte dann wie bei einer Zellteilung. So bald ein Kloster die kritische Größe erreicht hatte, wurden ein Abt und zwölf Mönche ausgesandt.

Diese gründeten dann an einem meist schon ausgesuchten Standort ein weiteres Klöster. Noch zu Lebzeiten des heiligen Bernhard waren bereits 300 Abteien entstanden.

Der Orden der Zisterzienser umfasste zu diesem Zeitpunkt etwa 11.000 Mönche und Laienbrüder. Die Gemeinschaft existiert auch noch wie vor. Die alte Blütezeit ist zwar längst vergangen.

Aber dennoch kann der Orden mit etwa 1.600 Mönchen und 800 Nonnen inzwischen auf eine über 900-jährige Geschichte ohne Unterbrechung zurückblicken. (Zahlen von 2005)

Saeculum Obscurum – „Dunkles Jahrhundert“

Die Entwicklung der Zisterzienser und der Erfolg des Bernhard von Clairvaux hatte jedoch eine lange Vorgeschichte. Mit dem Niedergang der Karolinger im 9. Jahrhundert war es nämlich auch im Christentum zu einem Verfall gekommen.

Die Abtei von Cluny
Abtei von Cluny (pixabay)

Aus kirchlicher Sicht begann dann mit dem Mord an Papst Johannes VIII. im Jahr 882 ein „dunkles Jahrhundert“, das Saeculum Obscurum.

Mit dem Begriff „dunkles Jahrhundert“ ist sogar ein Zeitraum von 164 Jahren gemeint. Das Papsttum und zahlreiche Klöster durchliefen eine tiefe moralische Krise.

In dieser Phase erklärten sich 45 Päpste zum Nachfolger von Petrus. Davon wurde ein Drittel abgesetzt. Ein weiteres Drittel endete im Exil, im Kerker oder wurde ermordet.

Während die päpstliche Zentralgewalt in dieser tiefen Krise war, nahmen es auch viele Mönche in den Klöstern nicht mehr so genau mit den Vorschriften. Unter tatsächlich religiösen Menschen führte dies jedoch zu einer starken Gegenbewegung. Ein Zentrum wurde das Kloster Cluny in Burgund.

Reform von Cluny als erste Gegenbewegung

Vom Kloster Cluny in Burgund ging seit Abt Berno (919 – 925) eine reformatorische Bewegung aus. Dort konzentrierte man sich wieder verstärkt auf mönchische Traditionen. Der Trend wurde von seinem Nachfolger fortgesetzt und fand schließlich eine weitere Verbreitung.

Diese cluniazenische Reform rückte vier Kerngedanken in den Fokus:

  1. Strenge Beachtung der Regeln des Heiligen Benedikt
  2. Größte Gewissenhaftigkeit beim täglichen Gottesdienst
  3. Vertiefung der Frömmigkeit des einzelnen Mönchs
  4. Erinnerung an die Vergänglichkeit des Irdischen

Die Reform von Cluny ging von benediktinischen Mönchen aus. Diese gewannen um den Wechsel des Jahrtausends auch in Rom zunehmend an Einfluss beispielsweise durch die Person von Hildebrand.

Dieser entwickelte als Papst Gregor VII. ab 1073 aus der Reform der Klöster auch eine Reform der Kirche. Diese sind als gregorianische Reformen bekannt geworden. Ihre Hauptziele waren die Bekämpfung von:

  1. Simonie – Kauf und Verkauf von geistlichen Ämtern
  2. Nikolaitismus – Sexuelle Freizügigkeit unter Priestern
  3. Laieninvestitur – Besetzung geistlicher Ämter durch Nicht-Geistliche

Gründung der Zisterzienser im Mutterkloster Cîteaux 

Im Jahr 1098 gründete der Benediktiner-Abt Robert von Cîteaux das Kloster Cîteaux etwa 25 km süd-westlich von Dijon in Burgund. Das Kloster wurde zunächst nur als „Novum Monasterium“, als „Neues Kloster“ bezeichnet.

Es gab keine teure Ausstattung oder wertvolle Sakralgegenstände. Auf baulichen Schmuck wurde verzichtet. Die Räume wurden im Winter nicht beheizt. Die Mönche verbanden auch später bauliche Einfachheit und Funktionalität mit monumentaler Größe und legten dabei hohen Wert auf die Raumwirkung.

Doch bis zum Beitritt des Bernhard von Clairvaux im Jahr 1112 blieb die Gemeinschaft noch relativ unbekannt. Auf den Gründer folgten bis dahin zwei weitere Äbte. Letzterer verlieh dem Orden schließlich auch eine eigene Verfassung – die Carta Caritas.

Diese Verfassung wurde im Jahr 1119 von Papst Calixtus II. anerkannt. In der Mitte des 12. Jahrhunderts wurde sie nochmal überarbeitet. Doch als juristisches Dokument genießt die Carta bis heute Anerkennung. Darin ist vor allem geregelt, dass materielle Belastungen durch Neugründungen von Abteien verboten waren.

Gründung von Kloster Clairvaux als Primärabtei

Mit dem Eintritt von Bernhard von Clairvaux in den Orden erlebten die Zisterzienser ihren ersten großen Aufschwung. Aufgrund seiner familiären und freundschaftlichen Beziehungen stieg die Popularität der Gemeinschaft im Adel.

Doch auch für die einfache Bevölkerung war der Orden interessant. So erhielt das Kloster Cîteaux immer mehr personellen Zulauf.

Bereits im Jahre 1115 wurde der etwa 25-jährige Bernhard mit einer großen Aufgabe betraut. Er und zwölf weitere Mönche, darunter sein älterer Bruder Gerhard, wurden ausgesandt.

Die kleine Truppe gründete in der Champagne ein weiteres Kloster, das Kloster Clairvaux. Die Anlage existiert bis heute. Seit der Französischen Revolution wird das Kloster jedoch als Strafanstalt genutzt.

Doch im Mittelalter entwickelte sich das Kloster Clairvaux unter der Führung von Bernhard in einem rasanten Tempo. Insgesamt sollten 83 Tochterklöster alleine von dieser Niederlassung aus gegründet werden.

Unter diesen Tochterklöstern fand sich beispielsweise auch das Kloster Savigny. Dieses wiederum generierte weitere 75 Tochterklöster. Im Zuge der Expansion konnte man auch die Arbeitskräfte und mit ihnen das handwerkliche Fachwissen planvoll verteilen.

Diese Art der Expansion der Zisterzienser setzte sich von Frankreich aus in alle Himmelsrichtungen fort. Ihr Netzwerk aus Klöstern und Abteien erreichte Irland & Schottland, Schweden, Polen, den Balkan, Sizilien, Spanien und überspannte dabei natürlich auch alle Länder, die sich innerhalb dieses Spinnennetzes befanden.

Zisterzienser als mittelalterliche Kapitalisten

Die Angehörigen des Ordens des Bernhard von Clairvaux waren jedoch nicht einfach nur besonders fleißig. Aufgrund der Carta Caritas entwickelte der Orden zahlreiche Eigenschaften, die der wirtschaftlichen Entwicklung der Glaubensgemeinschaft sehr zuträglich waren:

  • Der Orden strebte die Internationalisierung an. Sie hatten Klöster von Spanien bis nach Skandinavien und von Irland bis nach Ungarn.
  • Die einzelnen Tochterklöster spezialisierten sich auf besonders ertragreiche Arbeiten. Dabei nutzten sie die regionalen Vorteile im jeweiligen Umland aus. Beispielsweise wurde Wolle schwerpunktmäßig auf den britischen Inseln produziert und von dort aus an andere Standorte verteilt.
  • Die Zisterzienser mussten aufgrund ihrer Liturgie ohnehin einen sehr strengen Zeitplan einhalten. Deshalb wurden in den Klöster Uhren angebracht. So konnten sie aber auch die Arbeitsprozesse zeitlich besser strukturieren.
  • Aufgrund der hohen Sittlichkeit in der Frühphase des Ordens zogen die Zisterzienser auch viele nicht-geistliche Arbeitskräfte als Laienbrüder an. Diese erbrachten einen hohen wirtschaftlichen Mehrwert und machten die Klöster unabhängiger von externen Dienstleistern.
  • Eine weitere Besonderheit waren die großen Teichanlagen, die vielerorts angelegt wurden. So konnten die Klöster umfangreiche Fischzucht betreiben.

Gerade in den östlichen Regionen leistete der Zisterzienserorden einen sehr wichtigen Beitrag zur Landerschließung. Doch die Zisterzienser waren auch talentierte Erfinder:

  • Die Brüder des heiligen Bernhard von Clairvaux entwickelten einen neuen Pflug sowie innovatives Geschirr für Zugtiere.
  • Sie führten die Dreifelderwirtschaft ein und konnten damit insgesamt die landwirtschaftlichen Erträge verfünffachen.
  • Zur Verarbeitung all dieser Überschüsse entwickelten die Zisterzienser die drehbare Bock-Windmühle. Diese kann man in den Wind drehen und ist damit viel effizienter als eine starre Windmühle.
  • Mit Hilfe einer Vorstufe der doppelten Buchführung schufen die Zisterzienser unter der Führung des Bernhard von Clairvaux neue Standards in der Verwaltung.
  • Den weiß gekleideten Mönchen war die verbale Kommunikation in fast allen Bereichen ihres Lebens verboten. Deshalb entwickelten sie eine Gebärdensprache mit fast 200 Zeichen.

Das weit verzweigte Netzwerk der Standorte überwachten sie dann von den Primärabteien aus. Die Kontrollen der Tochterklöster führten die Visitatoren durch.

„Man könnte sagen, die Zisterzienser sind auf allen Gebieten ein Optimierungs-Orden. Die Zisterzienser wollen nicht nur in rein religiösen Fragen, in der Frömmigkeit, die Besten sein, sondern auf allen Gebieten. Dies führt dazu, dass sie das Ziel haben, dieses ganze Wirtschaftssystem, dieses Imperium, dass sie um sich herum aufbauen, immer effizienter machen zu wollen. […] Da kennen sie dann auch keine Rücksicht.“

(Stefan Weinfurter, Professor für Mittelalterliche Geschichte)

Aufstände in den Klöstern des Ordens

Dass aber auch der Orden der Zisterzienser kein Hort der Seligkeit war, zeigte die Geschichte um Gerhard, dem sechsten Abt von Clairvaux. Dieser ging als erster Märtyrer der Zisterzienser in die Annalen der Glaubensgemeinschaft ein.

Sein Tod war allerdings denkbar trivial. Abt Gerhard von Clairvaux kam bei einem Kontrollbesuch im Kloster Igny ums Leben. Er wurde von einem Ordensbruder getötet, dem er eine Disziplinarstrafe angedroht hatte.

Alleine im 13. Jahrhundert kam es zu über 100 Aufständen in den Klöstern der Zisterzienser. Häufig waren Konflikte mit den Laienbrudern die Ursache. Diese wurden in der Gemeinschaft nämlich als Menschen zweiter Klasse behandelt.

Ein Beispiel ist das bis heute bekannte Kloster Eberbach mit seinen edlen Weingütern:

  • 1200 – Aufstand der Laienbrüder
  • 1238 – Aufstand der Laienbrüder
  • 1241 – Aufstand der Laienbrüder und Abt Rimund wird schwer verwundet.
  • 1261 – Abt Werner wird von einem Laienbruder erschlagen.
  • 1290 – Disziplinarische Maßnahmen gegen Laienbrüder

In der Folge kam es zu einem Stopp der Aufnahme von Laienbrüdern. Die Zisterzienser mussten deshalb wieder Bauern für sich arbeiten lassen und den Zehnt nehmen. Dies führte zum Niedergang des Ordens des heiligen Bernhard von Clairvaux.

Heiliger Bernhard als Kirchenlehrer im Mittelalter

Dr. Honigmaul – Von der Mutter Gottes genährt

Bernhard von Clairvaux war ein außerordentlich talentierter Prediger. Der Legende nach war es die heilige Maria persönlich, die ihm etwas Muttermilch zu trinken gab (Lactatio). Auf diesem Wege verlieh sie ihm ein göttliches Sprachtalent. Weniger schmeichelhaft war sein Spitzname: „Dr. Honigmaul“

Doch seiner Rhetorik folgten sowohl geistige wie auch weltliche Herren. Bernhard von Clairvaux wurde deshalb im Laufe der Zeit sehr einflussreich. Schließlich war er zu einer Art grauen Eminenz im Schatten des Papstes aufgestiegen.

Doch Bernhard von Clairvaux versuchte nie tatsächlich zum Papst ernannt zu werden oder diesen obsolet zu machen. Besonders bekannt ist er sogar dafür, dass er zahlreiche angebotene Posten ablehnte.

Vielmehr übte er im Auftrag des Papstes beispielsweise hohen Druck auf den französischen König hinsichtlich des Zweiten Kreuzzuges aus. Zu diesem Zweck übergab er ihm öffentlich ein Kreuz. Dieses Motiv ist dann in der Kunst vielfach verarbeitet worden.

Gründung des Templer-Ordens

Bernhard von Clairvaux wuchs als junger Ritter auf. Zwar hatte er sich dem Leben als Mönch verschrieben, aber dennoch waren ihm militärische Fragen keinesfalls fremd.

Der heilige Bernhard sah das Schwert als notwendiges Mittel, um die Christenheit zu schützen und den Glauben zu verbreiten. Dafür leistete er einen wichtigen Beitrag zur Gründung des ritterlichen Templer-Ordens. Er war bei der Synode von Troyes im Jahr 1127 dabei und verfasste deren Regelwerk.

Bernhard von Clairvaux spielte dabei als anerkannter Kleriker sogar eine ganz besondere Rolle. Das göttliche Gebot: „Du sollst nicht töten!“ musste nämlich theologisch ausgehebelt werden. Ansonsten wäre ein militärischer Orden des Christentums undenkbar.

Doch der heilige Bernhard fand einen argumentativen Winkelgriff. Er fasste einfach den Geltungsbereich für dieses göttliche Gebot enger. Er warb erfolgreich dafür, dass dieses Gebot eben nur auf gläubige Christen anzuwenden sei. Vergleichbar mit der Rhetorik moderner Extremisten schuf er noch dazu eine Opferrolle:

„Die Guten verdanken es den Bösen, dass sie Kämpfen müssen […].“ (Zitat)

In der Konsequenz wandelte sich das Verhältnis eines Christen zu einem Ungläubigen vom Gebot des „Du sollst nicht töten!“ in eine Aufforderung: „Du sollst töten!“

Im Jahr 1139 wurde der Templer-Orden dann als erster geistlicher Ritter-Orden anerkannt.

Missionsreise gegen die Katharer

Bernhard von Clairvaux begab sich 1145 auf eine Missionsreise gegen Häretiker im Süden von Frankreich. Dort waren die Menschen vermehrt zu Katharern geworden. Der Name bedeutet soviel wie „die Reinen“.

Diese Ketzer sahen Gott in einem ebenbürtigen Kampf mit dem Teufel. Damit verstießen die Katharer jedoch gegen die kanonische Lehre von der dreifaltigen Gottheit.

In der Offenbarung des Johannes ist darüber hinaus beschrieben, wie Satan als unterlegenes Wesen im Zuge des Jüngsten Gerichtes vernichtet wird. Das widersprach dem „radikalen Dualismus“ der Katharer.

Bernhard von Clairvaux erkannte die Katharer jedoch wohl nach wie vor als Christen an. Er sprach sich nämlich in seinen Sermones super Cantica Canticorum Nr. 65 für eine gewaltfreie Widerlegung ihrer Lehren aus.

Aufruf zum Zweiten Kreuzzug

Bernhard von Clairvaux nutzte seinen Einfluss nach Kräften. Im Namen Gottes und im Auftrag des Papstes rief er zum Zweiten Kreuzzug gegen die Muslime auf. Die heiligen Stätten des Christentums in Jerusalem sollten befreit werden.

In zahllosen Schriften und Predigten argumentierte der wortgewandte Theologe für die militärische Auseinandersetzung. Der heilige Bernhard war der zentrale Stimmungsmacher für den Zweiten Kreuzzug.

Selbst dem König von Frankreich übergab Bernhard von Clairvaux persönlich ein Kreuz. Dies war die symbolische Aufforderung gegen die Muslime zu ziehen. Aber auch der englische König und der deutsche König wurden unter Druck gesetzt. Tatsächlich gelang es dem heiligen Bernhard, im christlichen Europa eine Kriegsbegeisterung auszulösen.

„Alles was die Wand bepisst, nahm das Kreuz…“

(Zeitgenosse über den Aufruf des Bernhard von Clairvaux)

Der Zweite Kreuzzug scheiterte jedoch im Jahr 1149 mit einer verheerenden Niederlage bei Damaskus. Doch Bernhard von Clairvaux wiess mit Hinweis auf die Sünden der Kreuzfahrer jede Kritik an ihm zurück. Wie schon Pontius Pilatus wusch auch er seine Hände in Unschuld.

Die Sünden der Kreuzfahrer müssten seiner Meinung nach der tatsächliche Auslöser für eine in Gottes Augen scheinbar verdiente Niederlage gewesen sein.