Paul Ekman

Paul Ekman & non-verbale Kommunikation

Paul Ekman ist ein amerikanischer Psychologe, der am 15. Februar 1934 in Washington D.C. geboren wurde. Er forscht zur non-verbalen Kommunikation und hat zusammen mit Wallace Friesen die erste Fassung des Facial Action Coding System (FACS) entwickelt.

Dieses Kodierungssystem für Gesichtsbewegungen ist inzwischen eine weltweit verbreitete Methode, um Gesichtsausdrücke zu beschreiben. Vor allem für die Psychologie der Emotionen ist dieses Grundlagenwerk besonders wertvoll.

Laut Paul Ekman können Geheimdienstler mit dieser Methode Mikroexpressionen identifizieren. Diese dauern nur etwa 1/5 bis 1/25 einer Sekunde, aber können dennoch mit einer Erfolgsquote von 96 % richtig interpretiert werden.

Das Facial Action Coding System von Paul Ekman kann beispielsweise ein echtes von einem falschen Lächeln nach einem Kompliment unterscheiden. Aber das Muster bildet auch die Basis für Special Effects in einigen Hollywood-Filmen wie Avatar.

Man sollte jedoch beachten, dass sich die Methode von Paul Ekman nur auf emotionale Gesichtsausdrücke bezieht. Etwa 70 % der Gesamtheit aller Ausdrücke wie auch die Sprache des restlichen Körpers bleiben außen vor.

Aber gerade in der Psychoanalyse ist das FACS sehr wertvoll, um den Ablauf von Mimiken schriftlich festhalten zu können. Darüber hinaus wird die Methode von Paul Ekman auch von der CIA, dem FBI und Sicherheitsfirmen genutzt.

Akademischer Werdegang

Paul Ekman begann sein Studium an der University of Chicago und wechselte dann später an die New York University. Seinen Doktor machte er ihm Jahr 1958. Daraufhin diente er für zwei Jahre als leitender Psychologe bei der U.S. Army auf einem Stützpunkt in New Jersey.

Nach seiner Dienstzeit führte Paul Ekman diverse Forschungen durch. Diese wurden beispielsweise von der National Science Foundation oder dem National Institute of Mental Health gefördert.

Im Jahr 1972 erhielt er dann einen Ruf an die University of California. Bis zu seiner Emeritierung als Professor im Jahr 2004 blieb Paul Ekman an diesem Lehrstuhl an der sonnigen Westküste tätig.

Anerkennung und Trivia

Die Werke von Paul Ekman sind bis heute äußerst erfolgreich und populär. Im Jahr 2009 wurde er sogar vom Time Magazine zu den einhundert einflussreichsten Personen der Welt gewählt.

Schließlich nahm man sein Leben sogar als Vorlage für die Serie „Lie to me“. In der Serie entlarvt der Psychologe Dr. Cal Lightman erfolgreich Lügen. Während der Dreharbeiten war Paul Ekman als Berater am Set.

Noch dazu hatte er die Ehre, mit dem Dalai Lama insgesamt 40 Stunden lang über die Gefühle der Menschen sprechen zu können. Paul Ekman bezeichnete diesen Kontakt als einen der Wendepunkt in seinem Leben.

Dennoch reduzierte er auch ganz offen das Potential seiner Methoden. Die Ursachen für Gefühle kann man damit nämlich nicht erkennen. Auch Gedanken kann man mit seinem Facial Action Coding System nicht lesen.

Facial Action Coding System (FACS)

Methodischer Ursprung

Im Jahr 1978 veröffentlichten Paul Ekman und Wallace Friesen die erste Version des Facial Action Coding System (FACS). Die Methode war jedoch nicht komplett neu aufgesetzt, sondern bezog sich auf eine Publikation aus dem Jahr 1969. Darin hatte der schwedische Anatom Carl-Herman Hjortsjö das menschliche Gesicht und die Mimik beschrieben.

46 Bewegungseinheiten

Die Psychologen konzentrierten sich bei der Entwicklung des Facial Action Coding Systems zunächst auf physiologische Eigenschaften des Menschen. Dies hat den Hintergrund, dass Mimik ja mechanisch durch die Gesichtsmuskulatur erzeugt wird und entsprechend abhängig ist.

Die Gesichtsmuskulatur wiederum ist eine Gruppe, die aus 26 Muskeln besteht. Diese steuern Funktionen wie das Öffnen und das Schließen des Mundes. Außerdem bewegen sie die Haut über das Gesicht, so dass eben eine Mimik entsteht.

Das besondere am Gesicht ist jedoch, dass Muskeln direkt unter der Haut liegen und nur teilweise für Gelenke zuständig sind. Darüber hinaus hat das menschliche Gesicht eine Achsensymmetrie. Deshalb kommen mimische Muskeln meist doppelt vor.

Das Facial Action Coding System konzentriert sich deshalb auf Bewegungen. Solche werden nämlich nicht nur durch einzelne Muskeln, sondern meist durch Gruppen von Muskeln ausgelöst.

Diese Muskelgruppen fassten Paul Ekman und Wallace Friesen wiederum zu Action Units zusammen. Insgesamt könnten die Psychologen 46 solcher Bewegungseinheiten identifizieren.

10.000 Gesichtsausdrücke

Nach Paul Ekman kann man auf auf Grundlage dieser Action Units mehr als 10.000 unterschiedliche Gesichtsausdrücke identifizieren. Diese Zahl ist auch nicht von kulturellen Prägungen abhängig, sondern gilt universell für die gesamte Menschheit.

„Ich habe alle gesehen. Ich bin bis Papua-Neuguinea und auf alle Kontinente gereist. Es gibt keinen Ausdruck, den ich nicht kenne.“

– Paul Ekman –

Diese außerordentliche hohe Zahl ergibt sich aus den vielen Möglichkeiten zur Kombination von Muskeln. Darüber hinaus ist auch nicht jeder Gesichtsausdruck gleich stark ausgeprägt.

5 Stärken des Ausdrucks

Über die Identifikation eines Gesichtsausdrucks hinaus, kann man mit dem Facial Action Coding System von Paul Ekman auch die Stärke eines Ausdrucks codifizieren. Ganz allgemein wird mit fünf Stufen gearbeitet.

Die Anwendung kann sich bei unterschiedlichen Bewegungsgruppen unterscheiden. Meist gilt jedoch die einfache Regel:

  • Stärke A: an der Wahrnehmungsgrenze oder angedeutet
  • Stärke B: gut sichtbar
  • Stärke C: deutlich sichtbar
  • Stärke D: ausgeprägt
  • Stärke E: individuelles Maximum

7 Basisemotionen

In der praktischen Arbeit mit der Methode konnte Paul Ekman sieben Basisemotionen identifizieren. Das sind Emotionen, die in allen Kulturen verstanden werden und auch über universale Gesichtsausdrücke verfügen.

Diese sieben Basisemotionen und ihre Ausdrücke sind:

  1. Wut: zusammengezogene Augenbrauen; angehobene obere Augenlider; angespannte untere Augenlider; zusammengepresste Lippen.
  2. Freude: angehobene Wangen; angehobene Mundwinkel.
  3. Trauer: angehobene innere Augenbraue; zusammengezogene Augenbraue; herabgezogene Mundwinkel.
  4. Ekel: Rümpfen der Nase, herabgezogene Mundwinkel; nach unten gezogene Unterlippe.
  5. Verachtung: angehobene Mundwinkel; eingezogene Mundwinkel.
  6. Angst: angehobene innere Augenbraue; angehobene äußere Augenbraue; zusammengezogene Augenbrauen; weit geöffnete Augen; angespannte untere Augenlider; gespannte Lippen; leicht geöffneter Mund.
  7. Überraschung: angehobene innere und äußere Augenbrauen; weit geöffnete Augen; leicht geöffneter Mund.

Kritiken an Paul Ekman

Paul Ekman hat jedoch im Laufe der Zeit auch einige Kritiker hervorgerufen. Dabei stehen sowohl seine wissenschaftlichen Methoden wie auch die Verwertung seiner Ergebnisse zur Debatte.

Wissenschaftliche Defizite

Das Problem mit den Forschungsergebnissen von Paul Ekman ist, dass er seine Studien nicht qualitativ überprüfen lässt. In der Psychologie hat sich hierfür die Peer-Review-Methode etabliert. Das bedeutet, dass ein gleichrangiger Fachkollege als unabhängiger Gutachter eine Qualitätssicherung durchführt.

Darüber hinaus sind im wissenschaftlichen Diskurs erhebliche Zweifel aufgekommen, ob der Ansatz von Paul Ekman in der Praxis überhaupt funktionieren kann. Im Jahr 2010 wurde er deshalb in einem Nature News-Artikel massiv angegriffen.

Ökonomische Verwertung

Paul Ekman hat auch bei Fragen der wirtschaftlichen Verwertung seiner Forschungen Kritik verursacht. Hintergrund ist seine Firma, die Paul Ekman Group. Diese bietet weltweit Seminare für Gesichtserkennung an.

Mehrfach beschuldigten ihn Menschenrechtsorganisationen, dass seine Schulungen von Sicherheitspersonal der Diskriminierung Vorschub leisten würde. Paul Ekman verteidigt sich jedoch mit dem Argument, dass seine Arbeit vor Fehlurteilen schützen soll.