Gaius Gracchus

Gaius Gracchus – römischer Volkstribun

Gaius Sempronius Gracchus (* 153 v. Chr.; † 121 v. Chr.) war ein römischer Politiker zur Zeit der Republik. Er war der jüngere Bruder von Tiberius Gracchus und zweimal römischer Volkstribun. Sie waren „Populare“ und setzen sich politisch für die Unterschicht (= Plebejer) ein.

Die Gracchen waren römische Ritter und stehen als Symbol für den Kampf gegen eine korrupte Oberschicht. Dies ist jedoch wahrscheinlich eine falsche Einschätzung. Die Brüder handelten wohl auch aus sehr eigennützigen Motiven und kamen auf schreckliche Weise zu Tode. Während Tiberius von einem Mob erschlagen und in den Tiber geworfen wurde, ließ sich Gaius Gracchus am Ende auf der Flucht von einem Sklaven töten.

Erst 100 Jahre später sollte mit der Erhebung von Kaiser Augustus diese Phase der inneren Spannungen enden.

Die frühen Jahre des jungen Gaius

Gaius Gracchus begann seine Karriere als Militärtribun in Nord-Afrika. Er diente dort unter seinem Schwager. Der junge Mann dürfte eine gewisse Aufmerksamkeit genossen haben, denn es handelte sich beim ihm zufälligerweise auch um den Enkel von Scipio Africanus.

Dieser hatte Hannibal Barkas im Zweiten Punischen Krieg besiegt und war zur militärischen Legende geworden. Sein Talent für militärische Fragen hatte Scipio jedoch nicht an seine beiden Enkel, die Gracchen, weitergegeben.

Gaius Gracchus erlebte zusammen mit seinem Bruder und Polybios sogar den Untergang von Karthago im Dritten Punischen Krieg. Aber es sollte ohnehin die Politik sein, die das Leben des Gaius Gracchus schon früh bestimmen sollte.

Er war auch erst 20 Jahre alt, als sein Bruder Tiberius in Rom ermordet wurde. Damit erbte er nicht nur das Vermögen, sondern auch die politische Macht und die Verbindungen der Familie.

Gaius Gracchus begann die Politik und den Kampf seines Bruders gegen Teile der Oberschicht aufzunehmen. Das große Anliegen der beiden Brüder war eine landwirtschaftliche Reform, die einen Teil der reichen Familien aus dem alten Rom hart getroffen hätte.

Es ging ihnen um eine Umverteilung des landwirtschaftlichen Eigentums. Die gesamtgesellschaftlichen Verhältnisse waren nämlich über einen langen Zeitraum hinweg in eine bedrohliche Schieflage geraten. Weite Teile der Bevölkerung waren stark verarmt. Jedoch muss angemerkt werden, dass ausgerechnet die Vermögensgrundlagen der Sempronier eben nicht von der Agrarreform betroffen war.

Vielmehr liegt der Verdacht nahe, dass das Amt des Volkstribuns auch für Konflikte innerhalb der Oberschicht instrumentalisiert wurde.

Das erste Volkstribunat

Gaius Sempronius Gracchus erstes Volkstribunat war im Jahr 123 vor Christus. Er ging ähnlich vor wie sein älterer Bruder zehn Jahre zuvor. Er nutzte sein Recht, die römische Volksversammlung einberufen zu können.

Aber er missachtete das Gebot, sich als Volkstribun mit den Senatoren inhaltlich abstimmen zu müssen. Weil er dennoch einige Reformen durchsetzen konnte, machte er sich viele Feinde in der Oberschicht.

Es gelang ihm bspw. eine Kommission zur Verteilung des Grundbesitzes zu reaktivieren. Auch die Preise für Getreide in der Hauptstadt konnte er einer Kontrolle unterwerfen. Die drückende Last auf den Schultern der breiten Bevölkerung nahm ab. Aber er suchte sich noch mehr Verbündete.

Der junge Gracchus setzte sich nämlich auch für Soldaten ein. Die Zahl der Dienstjahre und die Anzahl der Einsätze wurden begrenzt. Durch die Reformen begann die Vereinheitlichung der Ausstattung der römischen Legionäre. Das war eine große finanzielle Befreiung. Die Entwicklung hatte auch tatsächlich dauerhaften Bestand und setzte sich bis zur Heeresreform des Gaius Marius fort.

Gaius Gracchus erkannte aber durchaus, dass der Einfluss der Bevölkerung nicht reichen würde, um die gesellschaftlichen Verhältnisse grundlegend zu ändern. Deswegen versuchte er auch den niedrigsten Stand im Adel, die Ritter, mit seiner Politik zu gewinnen. Diese sollten bestehende Privilegien behalten und weitere Rechte hinzu gewinnen.

Das zweite Volkstribunat

Gaius Gracchus´ zweites Volkstribunat war bereits im Jahr darauf. Das verstieß ebenfalls gegen römisches Recht. Amtsträger mussten zwischen zwei Posten mindestens eine Amtszeit pausieren, um eine Strafverfolgung zu ermöglichen. Aber die wählende Versammlung setzte sich über dieses Gebot hinweg und so kam es zum Rechtsbruch.

Die politischen Feinde von Gaius Gracchus, die Optimaten, hatten jedoch Glück im Unglück. Der zweite Volkstribun im Jahr 122 vor Christus war ihnen gewogen. Dieser verfügte genau wie Gaius und schon sein Bruder über ein erhebliches demagogisches Talent und nahm den politischen Kampf auf.

Gaius Gracchus wurde nun politisch mit den eigenen Waffen bekämpft. Während dieser zweiten Amtszeit nahm sein politischer Einfluss deshalb auch deutlich ab. Der Versuch nach Ende dieser Zeit ein drittes Mal in Folge zum Volkstribun gewählt zu werden, scheiterte dann auch.

Der Verlust der strafrechtlichen Immunität als Amtsträger war ein großes Problem für Gaius Gracchus. Schon während der Wahlversammlung kam es zu einem Handgemenge. Dabei wurde sogar ein Liktor getötet.

Der Tod des Liktors war eine ideale Vorlage für die politischen Gegner der Gracchen und sie nutzten ihre Chance. Man ließ den Staatsnotstand ausrufen. Gaius Gracchus konnte zwar noch aus Rom fliehen, aber ließ sich dann auf der Flucht von einem Sklaven töten. Später kam auch den ruhmreiche Konsul Marcus Flaccus zu Tode.