Gaius Gracchus

Gaius Gracchus – römischer Volkstribun

Gaius Sempronius Gracchus wurde im Jahr 153 v. Christus geboren. Er war ein römischer Politiker zur Zeit der Republik und der jüngere Bruder von Tiberius Gracchus. Er selbst wurde zweimal in das Amt des römischen Volkstribuns gewählt.

Schaubild der römischen Ritter als niederen Adel in der Gesellschaft
Gaius Gracchus war ein römischer Ritter der Republik

Gaius Gracchus und sein Bruder waren Populare. Damit bezeichnete man jene politische Strömung im alten Rom, die sich für die Unterschicht einsetzte – die sogenannten Plebejer.

Die Gracchen waren so bedeutsam in der römischen Geschichte, weil sie selbst zum Stand der römischen Ritter gehörten. Deshalb sind Gaius Gracchus und sein älterer Bruder wichtige Symbole für den Kampf gegen eine korrupte Oberschicht. Noch im 20. Jahrhundert haben vor allem sozialistische Regime diesen Mythos gepflegt.

Historisch gesehen waren die beiden Gracchen jedoch wahrscheinlich überhaupt keine Kämpfer gegen die Oligarchie ihrer Zeit. Vielmehr handelten die beiden Brüder wohl aus sehr eigennützigen Motiven und kamen dafür auf schreckliche Weise zu Tode.

Während Tiberius von einem Mob erschlagen und in den Tiber geworfen wurde, ließ sich Gaius Gracchus am Ende auf der Flucht im Jahr 121 v. Christus von einem Sklaven töten. Doch mit dem Auftritt der Gracchen auf der politischen Bühne des alten Rom begann der endgültige Niedergang der Republik.

In der Folge entbrannte der Kampf zwischen Marius und Sulla. Doch auch diese Akteure konnten mit ihren Bürgerkriegen die römische Republik nicht mehr stabilisieren. Die einfache Bevölkerung war dabei nur ein Spielball in den Machtkämpfen der Oberschicht.

Kurzzeitig konnte Gaius Julius Caesar die politische Macht an sich reißen. Doch erst etwa 100 Jahre nach Gaius Gracchus sollte mit der Erhebung von Kaiser Augustus diese Phase der inneren Spannungen enden.

Die frühen Jahre des jungen Gaius Gracchus

Militärdienst in Nord-Afrika

Gaius Gracchus begann seine Karriere als Militärtribun in Nord-Afrika. Ein solcher tribunis militum war ein Stabsoffizier in einer römischen Legion. Auf einer solchen Position begannen viele junge Adlige des alten Rom ihre Karriere.

Er diente in Numantia unter seinem Schwager Scipio Aemilianus. Der junge Gaius Gracchus dürfte eine gewisse Aufmerksamkeit genossen haben. Er hatte nämlich einen sehr prominenten Vorfahren. Er war ein Enkel von Scipio Africanus.

Dieser hatte Hannibal Barkas im Zweiten Punischen Krieg in der Schlacht von Zama besiegt. Damit war Scipio zur militärischen Legende geworden und hatte die Vorherrschaft von Rom im Mittelmeer endgültig durchgesetzt.

Das Talent für militärische Fragen hatte Scipio jedoch nicht an seine beiden Enkel, die Gracchen, weitergegeben. Weil die römische Gesellschaft jedoch größten Wert auf die familiäre Abstammung legte, konnten Nachfahren wie Gaius Gracchus von diesem Prestige dennoch profitieren.

Gaius Gracchus erlebte zusammen mit seinem Bruder und dem Historiker Polybios schließlich sogar den Untergang von Karthago im Dritten Punischen Krieg. Aber es war letztlich die Politik, die das Leben des Gaius Gracchus schon früh bestimmen sollte.

Politischer Erbe des toten Bruders

Er war selbst erst 20 Jahre alt, als sein Bruder Tiberius in Rom ermordet wurde. Damit erbte Gaius Gracchus nicht nur das Vermögen, sondern auch die politische Macht und die Verbindungen der Familie.

Zunächst suchte Gaius Gracchus den Einstieg in eine zivile Laufbahn. Seinen ersten Posten hatte er im Jahr 126 v. Christus als Quaestor auf Sardinien. In dieser Rolle war er ein enger Mitarbeiter des örtlichen Konsuls.

Doch Gaius Gracchus begann schließlich die Politik und den Kampf seines Bruders gegen Teile der Oberschicht aufzunehmen. Das große Kern-Anliegen der beiden Gracchen war eine landwirtschaftliche Reform.

Es ging ihnen um eine Umverteilung des landwirtschaftlichen Eigentums. Die gesamtgesellschaftlichen Verhältnisse waren nämlich über einen langen Zeitraum hinweg in eine bedrohliche Schieflage geraten.

Weite Teile der Bevölkerung waren stark verarmt. Jedoch muss angemerkt werden, dass ausgerechnet die Vermögensgrundlagen der Sempronier eben nicht von der Agrarreform betroffen war.

Vielmehr liegt der Verdacht nahe, dass das Amt des Volkstribuns auch für Konflikte innerhalb der Oberschicht instrumentalisiert wurde. Die Agrar-Reform der Gracchen hätte nämlich einen bestimmten Teil der reichen Familien aus dem alten Rom hart getroffen.

Parallel stützen sie sich selbst wie auch befreundete Dynastien auf andere Wirtschaftszweige. Da die ökonomische Kraft entscheidend für die Größe und Stärke der eigenen Klientel war, handelte es sich bei dieser angeblich so Plebjer-freundlichen Reform wohl vielmehr um einen politischen Coup. Das Ziel war eine substantielle Verschiebung der tieferliegenden Machtverhältnisse im Staat.

Das erste Volkstribunat

Gaius Sempronius Gracchus erstes Volkstribunat war im Jahr 123 vor Christus. Er ging ähnlich vor, wie bereits sein älterer Bruder zehn Jahre zuvor. Er nutzte für seine politische Agitation das Recht seines Amtes, die römische Volksversammlung einberufen zu können.

Dabei missachtete Gaius Gracchus jedoch sehr bewusst ein gewohnheitsmäßiges Gebot. Eigentlich mussten sich Volkstribune vor einer solchen Versammlung mit den Senatoren inhaltlich abstimmen. Der junge Mann verstieß jedoch bewusst gegen diese Konvention.

Politik für das einfache Volk

Durch ein solches Vorgehen konnte Gaius Gracchus der Volksversammlung Vorschläge machen, die sonst gar nicht bis zur Abstimmung gekommen wären. Mit diesem politischen Trick konnte er zunächst einige Reformen durchsetzen. Aber mit einem solchen Verhalten machte er sich auch viele Feinde in der Oberschicht:

  • Es gelang Gaius Gracchus beispielsweise, eine Kommission zur Verteilung des Grundbesitzes zu reaktivieren.
  • Außerdem gelang es dem jungen Volkstribun, die Preise für Getreide in der Hauptstadt einer staatlichen Kontrolle zu unterwerfen.

Damit hatte Gaius Gracchus bereits an wichtigen Stellschrauben der Gesellschaft zu Gunsten der einfachen Bevölkerung gedreht. Die drückende Last auf den Schultern der breiten Bevölkerung nahm ab. Aber der gewiefte Politiker suchte sich noch weitere Verbündete:

  • Der junge Gaius Gracchus setzte sich nämlich auch für Soldaten ein. Die Zahl der Dienstjahre und die Anzahl der Einsätze wurden begrenzt.
  • Durch die Reformen begann auch die Vereinheitlichung der Ausstattung der römischen Legionäre. Dabei handelte es sich ebenfalls um eine große Entlastung für die einfachen Leute. Die Männer waren bis zu diesem Zeitpunkt nicht nur gezwungen, den Militärdienst zu leisten. Die Legionäre mussten ursprünglich auch noch ihre eigene Ausrüstung bezahlen.

Diese Reform des Militärwesens hatte dann auch tatsächlich einen dauerhaften Bestand. In Kombination mit einer ganzen Reihe an weiteren Änderungen wird die Entwicklung unter dem Begriff der Heeresreform des Gaius Marius zusammengefasst.

Insgesamt handelte es sich hierbei jedoch vor allem um eine Reaktion auf äußere Bedrohungen. Das alte Rom wurde zum Ende des 2. Jahrhunderts v. Christus nämlich von germanischen Kriegern der Kimbern und Teutonen bedroht. Außerdem führten sie Kämpfe in Süd-Frankreich gegen eine gallische Allianz.

Anreize für den niederen Adel

Gaius Gracchus erkannte aber durchaus, dass der Einfluss der Bevölkerung nicht reichen würde, um die gesellschaftlichen Verhältnisse grundlegend zu ändern. Deswegen versuchte er auch den niedrigsten Stand im Adel, die Ritter, mit seiner Politik zu gewinnen.

Die römischen Ritter sollten bestehende Privilegien behalten und weitere Rechte hinzu gewinnen. Damit wendete Gaius Gracchus eine politische Strategie an, die in der Geschichte des alten Roms immer wieder verfolgt wurden. Im großen Gegensatz zwischen der Unter- und der Oberschicht sollte dieser dritte Stand das Zünglein an der Waage sein.

Das zweite Volkstribunat

Ämterfolge und Rechtsbrüche

Gaius Gracchus´ zweites Volkstribunat war bereits im Jahr darauf. Mit dieser Folge verstieß er erneut gegen römisches Recht. Amtsträger mussten zwischen zwei Posten mindestens eine Legislaturperiode pausieren.

Der Hintergrund war, dass ein Amtsträger im Römischen Reich über strafrechtliche Immunität verfügte. Die Zwangspause sollte deshalb eine Verfolgung von korrupten Politikern ermöglichen. Aber die wählende Volksversammlung setzte sich über dieses Gebot hinweg und so kam es zum Rechtsbruch.

Checks and Balances im alten Rom

Die politischen Feinde von Gaius Gracchus, die Optimaten, hatten jedoch Glück im Unglück. Der zweite Volkstribun im Jahr 122 v. Christus war ihnen gewogen. Dieser Marcus Livius Drusus der Ältere verfügte genau wie Gaius und schon sein Bruder über ein erhebliches demagogisches Talent.

Der Optimat nahm den politischen Kampf auf. Gaius Gracchus wurde nun mit den eigenen Waffen bekämpft. Marcus Drusus schlug nicht weniger als die Gründung von zwölf Kolonien für je 3.000 Personen vor. Heutzutage würde man von sozialem Wohnungsbau sprechen.

Im Laufe seiner zweiten Amtszeit nahm der politische Einfluss von Gaius Gracchus deshalb auch stark ab. Er versuchte dann noch ein drittes Mal in Folge zum Volkstribun gewählt zu werden. Dieser Versuch scheiterte jedoch.

Verlust der Immunität und Freitod

Der Verlust der strafrechtlichen Immunität als Amtsträger war ein großes Problem für Gaius Gracchus. Schon während der Wahlversammlung kam es zu einem Handgemenge.

Dabei wurde sogar ein Liktor getötet. Dabei handelte es sich um die offiziellen und auch bewaffneten Personenschützer von hohen Amtsträgern. Die Liktoren stellten auch eine der Vorgängerorganisationen der späteren Prätorianer-Garde dar.

Der Tod des Liktors war eine ideale Vorlage für die politischen Gegner der Gracchen und sie nutzten ihre Chance. Man ließ den Staatsnotstand ausrufen.

Gaius Gracchus konnte zwar noch aus Rom fliehen. Aber ließ sich dann wohl aus Verzweifelung auf der Flucht von einem Sklaven töten.