Katharina die Große

Kaiserin Katharina II. „die Große“

Die spätere Kaiserin Katharina die Große wurde am 02. Mai 1729 in Stettin als Prinzessin Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst geboren. Sie war die Tochter eines preußischen Fürsten aus einer eher unbedeutenden Linie der Askanier.

„Ich war nie eine Schönheit.“

Ihre ehrgeizige Mutter strebte eine Hochzeit mit einer großen Dynastie an. Dafür ließ sie von der jungen Prinzessin ein geschöntes Portrait malen.

Katharina die Große
Katharina die Große um 1780 gemalt von einem Nachahmer von Giovanni Battista Lampi. (gemeinfrei)

Die russische Kaiserin Elisabeth I. fand Gefallen an dem Bild des damals erst 15 Jahre alten Mädchens. Daraufhin wurde eine Ehe mit dem Sohn und Thronfolger Peter III. arrangiert.

Am Hof angekommen, setzte Prinzessin Sophie sofort alles dran, russischer als alle Russen zu werden. Sie lernte nachts die Sprache, was ihr enorme Sympathien einbrachte. Zur Hochzeit änderte sie ihren Rufnamen in „Katharina“, was im damaligen Kontext eine sehr charmante Verneigung vor ihrem neuen Umfeld war.

Nur das Verhältnis zu Peter III. blieb stets unterkühlt und die Ehe acht Jahre lang kinderlos. Statt das Bett zu teilen, ließ der Thronfolger seine Frau nachts lieber vor der Tür als uniformierte Wache stehen.

Nachdem Peter III. zum Kaiser von Russland wurde, drohte Katharina die Verbannung oder Schlimmeres. Die energische Dame griff erneut zur Uniform und konnte mit Hilfe ihres Liebhabers Grigori Orlow zunächst die Garde und schließlich das gesamte Militär auf ihre Seite ziehen.

Katharina die Große putschte gegen ihren Ehemann und der Staatsstreich gelang. Sie wurde Alleinherrscherin und Peter III. ermordet.

Als Kaiserin entwickelte sich Katharina die Große zu einer ambivalenten Figur. Einerseits präsentierte sie sich sehr geschickt als fürsorgende „Mutter von Russland“ und schuf kulturelle Highlights wie die Ermitage in St. Petersburg.

Ihr offizielles Vorbild war Peter der Große und auch sie wollte als innovative und aufgeklärte Monarchin gelten. Exemplarisch kann man den Wechsel von über 800 Briefen mit dem Philosophen Voltaire und ihre Kontakte zu Diderot nennen.

Aber andererseits bestätigte Katharina die Große für ihren autokratischen Machterhalt beispielsweise auch die gesetzliche Leibeigenschaft zu Gunsten des Adels. Sie hatte mit massiven Unruhen und sogar Aufständen zu kämpfen.

Sophie – Prinzessin von Anhalt-Zerbst

Das Fürstentum von Anhalt-Zerbst entstand 1396 und wurde von einer Nebenlinie der Askanier regiert. Das ist ein bis heute existierendes Geschlecht aus dem sächsischen Hochadel, deren ältester bekannter Vertreter ein Graf aus dem 10. Jahrhundert war.

Die Prinzessin Sophie war eine Tochter von Christian August, der als relativ armer Fürst im preußischen Militär ein Zubrot verdienen musste. Er arbeitete sich jedoch sehr erfolgreich von einem kleinen Posten in der Garde hoch.

„Mein Vater, den ich weniger häufig sah, hielt mich für einen Engel.“

Der Vater der späteren Kaiserin von Russland war dann beispielsweise am Spanischen Erbfolgekrieg in den Niederlanden dabei. Später wurde er als Ritter in den Schwarzen Adlerorden aufgenommen, die höchste Vereinigung dieser Art in Preußen.

Elisabeth I. von Russland
Kaiserin Elisabeth I. von Russland im Jahr 1760 gemalt von Charles André van Loo. (gemeinfrei)

Am 16. Mai 1742 wurde Christian August von König Friedrich dem Großen sogar zum Generalfeldmarschall ernannt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hatten die von Anhalt-Zerbst einen guten Draht zu den Hohenzollern.

Für die netzwerkende Mutter der Prinzessin war das eine Steilvorlage. Sie versuchte deshalb eine besonders vorteilhafte Ehe für die Tochter zu verhandeln.

Neben der guten Beziehung zum König von Preußen war ein verwandtschaftlicher Draht zu Kaiserin Elisabeth I. von Russland sehr praktisch.

Die Kaiserin war nicht nur eine Verwandte, sondern auch die Mutter des russischen Thronfolgers. Dieser Großfürst Peter Fjodorowitsch, besser bekannt als Peter III., war wiederum ein Cousin zweiten Grades der jungen Sophie.

Vermählung mit Großfürst Peter III.

Im Jahr 1743 wurde die Ehe zwischen der Prinzessin Sophie von Anhalt-Zerbst und dem Thronfolger vereinbart. Auf dem Weg nach Russland machte das junge Mädchen noch Halt in Berlin und lernte Friedrich den Großen persönlich kennen.

Katharina die Große
Portrait von Katharina der Großen aus dem Jahr 1745 gemalt von Louis Karavak. (gemeinfrei)

Mit 14 Jahren kam sie im Januar 1744 an und bemühte sich sofort und sehr aktiv um ihre Integration in das neue Umfeld. Besondere Anerkennung erwarb sie sich durch das nächtliche Erlernen der Sprache.

Schon bald konnte die charmante junge Dame auf russisch parlieren und erwarb sich große Sympathien. Zu ihrer Hochzeit mit Peter III. konvertierte sie zum orthodoxen Glauben und firmierte fortan unter dem Namen „Katharina“.

Der neue Vorname war eine schwungvolle und vielschichtige Anspielung auf eine bedeutende Namensschwester: Kaiserin Katharina I. war selbst nämlich ebenfalls nicht aus Russland gekommen, sondern war wie die nun vormalige Sophie von Anhalt-Zerbst ursprünglich eine Ausländerin.

Eine weitere Parallele war, dass Katharina I. ebenfalls aus einem sehr viel niedrigeren Stand kam: Dafür war sie aber die große Liebe von Peter dem Großen und nebenbei auch die Mutter der damals regierenden Kaiserin Elisabeth.

Nach dem Tod von Peter I. im Februar 1725 regierte Katharina I. noch weitere zwei Jahre. Zwei Jahrzehnte später war sie deshalb natürlich vielen Menschen noch im Gedächtnis. Insofern war diese Namensänderung von Sophie zu Katharina in symbolischer Hinsicht enorm aufgeladen.

Damit endeten jedoch die Gemeinsamkeiten. Auf Katharina II. wartete zunächst kein erfülltes Leben. Die Eheleute konnten sich gegenseitig nicht abhaben. Es wird bezweifelt, dass der Bund jemals auch im Schlafgemach geschlossen wurde.

Affäre mit Sergei Saltykow

Für Katharina die Große müssen die erste Jahre am russischen Hof sehr langweilig gewesen sein. Der goldene Käfig bot zwar viele Abwechselungen: Sie nahm sehr rege an sozialen Veranstaltungen teil, knüpfte Kontakt und beschäftigte sich intensiv mit politischer Philosophie.

Aber die junge Frau stand unter der strengen Beobachtung durch ihre Schwiegermutter. Da sie mit ihrem Mann nicht in einer ehelichen Umarmung zusammenfand, fehlten die mütterlichen Aufgaben.

Darüber hinaus fehlte dem Reich nach langen Ehejahren immer noch eine Erbe, was für die damalige Großfürstin Katharina II. wahrscheinlich sehr unangenehm war. Ob sie dann im Laufe der Zeit einfach nur eine längere Leine bekam oder gezielt verführt wurde, ist bis heute ein Teil der Legenden.

Der attraktive Graf Sergei Saltykow fand jedoch schließlich einen Weg in die nächste Nähe zur Großfürstin. Am 01. Oktober 1754 kam Paul I. auf die Welt und wurde zumindest offiziell auch von Peter III. als legitimer Nachfolger anerkannt.

Affäre mit Stanislaus Poniatowski

Mit dem polnischen Gesandten Stanislaus Poniatowski ließ Katharina die Große einen weiteren Mann für viele Jahre in ihre Gemächer. Es handelte es sich bei dieser Person um einen der wichtigsten Aufklärer seiner Zeit.

Stanislaus Poniatowski
Stanislaus II. August Poniatowski gemalt von Marcello Bacciarelli im Jahr 1793. (gemeinfrei)

Neben der privaten Beziehung entwickelte sich aus dem Kontakt auch ein politisches Bündnis. Katharina die Große stützte den Edelmann und trug zu dessen Wahl zum König von Polen und Großfürsten von Litauen im Jahr 1764 bei.

Doch auch in diesem Verhältnis sollte sich noch die realpolitische Distanz der späteren Kaiserin von Russland zu den Idealen der Aufklärung zeigen.

Sie torpedierte seine späteren Versuche einer Überwindung der gesellschaftlichen Spannungen und beteiligte sich an der Spaltung von Polen im Jahr 1772.

Stanislaus Poniatowski gab seine philosophischen Ambitionen jedoch keinesfalls auf. Am 03. Mai 1791 ließ er vom polnischen Parlament die erste aufgeklärte Verfassung Europas mit einer Gewaltenteilung von Exekutive und Legislative verabschieden.

Coup d’Etat – der Staatsstreich von 1762

Ob Katharina die Große den späteren Staatsstreich gegen ihren Ehemann von langer Hand geplant hatte, ist unbekannt. Klar ist jedoch, dass sie beginnend mit ihrer engagierten Integration in das höfische Umfeld über viele Jahre hinweg die notwendigen Voraussetzungen schuf.

Affäre mit Grigori Orlow

Graf Grigori Orlow war ein sehr attraktiver Mann, der als russischer Offizier im Siebenjährigen Krieg kämpfte. Nach einer Verwundung in der Schlacht von Zorndorf am 25. August 1758 wechselte er zur Garde.

Großfürstin Katharina II.
Großfürstin Katharina II. gemalt von Alexei Antropow vor dem Jahr 1762. (gemeinfrei)

Er fiel Katharina der Großen ins Auge und sie machte ihn zu ihrem neuen Liebhaber. Jenseits seines privaten Engagements für das Wohlbefinden der damaligen Großfürstin sollte Grigori Orlow zu einer Schlüsselfigur bei ihrem Aufstieg zur Kaiserin von Russland werden.

Denn auch sein Bruder Alexei Orlow war ein Offizier der Garde. Gemeinsam konnten sie später den entscheidenden Einfluss auf die kaiserlichen Wachen und in dieser Dynamik auf das ganze Militär ausüben.

Darüber hinaus sollte Grigori Orlow zeitlebens ein Verehrer von Katharina der Großen bleiben. Während der Moskauer Pestrevolte von 1771 erwies er sich erneut als entscheidende Stütze ihrer Herrschaft. Er schlug den Aufstand nieder, reorganisierte das Gesundheitswesen und wurde dafür hoch dekoriert.

Putsch gegen den Ehemann

Am 05. Januar 1762 starb Elisabeth I. sehr überraschend. Dann machte Peter III. bereits seinen ersten schweren Fehler: Er alberte während der Trauerzeit für seine Mutter öffentlich herum, was ihm persönlich sehr übel genommen wurde.

„Jeder Mann ist ein Manuskript, das erst korrigiert werden muss.“

Dennoch wurde Peter III. zunächst zum neuen Kaiser von Russland erhoben. Dann machte er seinen zweiten schweren Fehler: Er verzichtete auf die traditionelle Zaren-Krönung, die eine Kontinuität der Herrschaft zurück bis zu Iwan dem Schrecklichen symbolisierte. Der verwestlichte Titel als Kaiser hingegen war zu diesem Zeitpunkt noch sehr neu und gerade einmal vier Jahrzehnte alt.

Katharina die Große in Uniform
Katharina die Große in der grünen Uniform der Garde gemalt im Jahr 1762 von Vigilius Eriksen. (gemeinfrei)

Als Monarch machte Peter III. dann gleich den dritten schweren Fehler: Zu dieser Zeit tobte noch der Siebenjährige Krieg in Europa und er verhandelte aus persönlicher Sympathie für Preußen einen für Russland unvorteilhaften Frieden mit Friedrich dem Großen. Damit disqualifizierte er sich vor allem aus Sicht des Militärs.

Seiner Linie treu bleibend, machte Peter III. dann umgehend den vierten und letztlich tödlichen Fehler: Er verlieh seiner Geliebten demonstrativ einen Orden, der Angehörigen der herrschenden Familie vorbehalten war. In der Symbolsprache der damaligen Zeit war das quasi eine Verlobung mit einer neuen Frau.

Katharina die Große stand damit vor der Wahl, entweder zu handeln oder unterzugehen. Sie entschied sich für den proaktiven Ansatz und zog sich wieder eine Uniform der Garde. Den Faustriemen für den Degen soll sie von ihrem späteren Liebhaber Grigori Potemkin erhalten haben.

Währenddessen ließ ihr damalige Affäre Grigori Orlow die Regimenter antreten ließ. Mit einer flammenden Rede zog Katharina die Große zunächst diese Einheiten auf ihre Seite. In der Folge schloss sich auch die Führung der Armee ihrer Sache an.

Anschließend machte sie dem Klerus einige Versprechen und erhielt so den Segen der Kirche. Dem weltlichen Adel sagte Katharina die Große den Erhalt feudaler Privilegien zu.

Zarin und Kaiserin von Russland

Am 9. Juli 1762 machte Katharina die Große dann den äußerst cleveren Zug, sich zunächst als Zarin ausrufen zu lassen. Der Posten war ja Dank der Missachtung alter Zeremonien durch Peter III. zumindest aus traditionalistischer Sicht ohnehin vakant.

Anschließend ritt sie in Uniform mit den Regimentern der Garde nach Schloss Peterhof, um ihren Ehemann als Kaiser von Russland abzusetzen. Das war eine Residenz etwa 25 Kilometer westlich von St. Petersburg. Peter III. konnte zunächst flüchten, kehrte jedoch später freiwillig zurück und unterzeichnete seine Abdankung.

An diesem Tag ließ sich Katharina die Große sofort selbst zur Kaiserin von Russland krönen. Peter III. wurde gefangen genommen und dann wohl von Alexei Orlow auf eine nicht näher bekannte Art und Weise getötet.

Katharina die Große – aufgeklärte Autokratin

Katharina die Große präsentierte sich zeitlebens als eine Person, die der Aufklärung sehr offen gegenüber stand. Exemplarisch kann man ihre ganz besondere Sympathie für Stanislaus Poniatowski nennen.

Denis Diderot
Denis Diderot gemalt im Jahr 1767 von Louis-Michel van Loo. (gemeinfrei)

Weitere Beispiele für ihr demonstratives Auftreten als aufgeklärte Monarchin sind Diskussionen über Gewaltenteilung mit führenden Philosophen wie Voltaire oder Diderot. Hinsichtlich der Religion erließ sie 1773 ein Toleranzedikt, von dem nur Juden ausgenommen wurden.

In ihrem Profil als Herrscherin über Russland stellte sich Katharina die Große jedoch als eine Vertreterin der romanowschen Autokratie dar: Die reale Politik zielte auf den Erhalt und den Ausbau der persönlichen Macht. Vor allem der Adel erlebte als Stütze der kaiserlichen Herrschaft eine erhebliche Aufwertung.

Man kann ihr persönlich jedoch zugestehen, dass der Regierungsbetrieb vor allem von Pfadabhängigkeiten geprägt war. Auch ein absoluter Herrscher bewegt sich innerhalb schmaler Handlungskorridore. Eine utopische Systemtransformation hätte „nur“ zu einem systemischen Schock und dem Totalversagen des Staates geführt.

Volksschulen und Ermitage (1764)

Katharina die Große investierte wie ihre Vorgänger in die schulische und kulturelle Entwicklung der breiten Bevölkerung. Ab 1764 ließ sie Volksschulen, Gymnasien und Fachschulen für Ingenieure einrichten.

Darüber hinaus begann sie mit dem Aufbau der Ermitage in St. Petersburg. Bis heute handelt es sich dabei um eines der weltweit bedeutendsten Museen für Kunst.

Russische Türkenkriege (ab 1768)

Katharina die Große führte bis zum Ende ihrer Herrschaft zwei jeweils mehrjährige Kriege gegen das Osmanische Reich. In der nummerischen Ordnung handelte es sich um den Fünften und den Sechsten Russischen Türkenkrieg.

Den wesentlichen Erfolg errang Katharina die Große sehr früh: Sie behauptete einen dauerhaften Zugang zum Schwarzen Meer. Bereits 1770 errang die russische Flotte einen entscheidenden Sieg gegen die osmanische Marine.

Die Krim wurde 1783 annektiert. Katharina die Große initiierte in der Folge eine Neugründung von Sewastopol. Damit legte sie den Grundstein für die außerordentliche militärische Bedeutung der Hafenstadt.

Aber auch gen Westen machte sie territoriale Fortschritte: Die Besetzung des Fürstentums Moldau fiel beispielsweise in ihre Zeit.

Pestwelle und Pestrevolte (1771)

Die russische Gesellschaft während der Zeit von Katharina der Großen war tief gespalten. Einer sehr wohlhabenden und gebildeten Oberschicht stand eine große, teils in Leibeigenschaft vegetierende Unterschicht gegenüber.

Im November 1770 brach dann eine mörderische Pestwelle in einem Krankenhaus in der Nähe von Moskau aus. Katharina die Große nahm die Warnungen zunächst nicht ernst und ließ erst Monate später Maßnahmen gegen die Pandemie ergreifen:

  • Eine Sperrzone von 30 Kilometern wurde um Moskau gezogen.
  • Der Handel mit Lumpen wurde verboten.
  • Öffentliche Bäder wurden geschlossen.
  • Versammlungsverbote wurden entlassen.

Dennoch sollte Moskau letztlich die Hälfte seiner Bevölkerung wegen der Seuche verlieren. Auch andere Städte wie Kiew waren betroffen. Schätzungen gehen von insgesamt etwa 120.000 Toten aus.

Zur politischen Eskalation führte jedoch das Verbot von Bestattungen und Leichenzügen innerhalb der Stadtgrenzen. Damit wurden den Toten faktisch die Ruhe in geweihter Erde verweigert.

Für die einfache, oft abergläubische Bevölkerung war diese Maßnahmen ein ungeheurer Frevel. Es kam zu einer Erhebung: die „Moskauer Pestrevolte“.

Das war jedoch kein organisierter Aufstand. Aber die geballte Wut auf Autoritäten eskalierte bis hin zum Mord am Erzbischof, der von einer aufgebrachten Menge zu Tode geprügelt wurde.

Der Moskauer Kreml konnte gegen die rebellierende Bevölkerung nur mit Kanonen verteidigt werden. Katharina die Große entsandte deshalb schließlich eine Armee aus St. Petersburg unter dem Befehl ihres alten Liebhabers Grigori Orlow.

Mit vier Regimentern sowie einem großen Stab an Ärzten hatte die Mission drei Ziele: Rädelsführer ausschalten, das Gesundheitswesen reorganisieren und die öffentliche Ordnung wiederherstellen.

Grigori Orlow erwies sich dabei als sehr guter Organisator und wurde dafür später auch hoch dekoriert. Er teilte die Stadt in 14 Sanitärbezirke, richtete neue Behandlungsräume ein und konnte vor allem einen Ring an Kontrollposten um die Stadt zu ziehen.

Reformen der Verwaltung (1775)

1775 realisierte Katharina die Große mit Hilfe von Graf Sievers eine bedeutende Verwaltungsreform des Reiches. Sie wandte sich dabei jedoch gegen den Trend der Zeit und auch der Stoßrichtung von vergleichbaren Maßnahmen durch Peter den Großen.

Statt den Einfluss des Adels auf staatliche Strukturen zurückzudrängen, erweiterte Katharina die Große den Kreis der Einflussfelder. Beispielsweise übergab sie das Bildungs- und Gesundheitswesen an lokale Eliten.

Affäre mit Grigori Potemkin

Grigori Potemkin war der Legende nach ein Wachtmeister der Garde während des Staatsstreichs von 1762. Er soll gesehen haben, dass Katharina die Große noch keinen Faustriemen an ihrem Degen hatte. Er gab ihr seine Schlinge, die einen Verlust der Waffe im Kampf verhindern soll.

Grigori Potemkin
Grigori Potemkin gemalt im Jahr 1790 von Johann Baptist Lampi. (gemeinfrei)

Als besonders gut aussehender Mann fiel er Katharina der Großen umgehend ins Auge. Nach dem Putsch berief sie ihn als Hofmarschall. Er machte dann eine steile Karriere im Militär:

Grigori Potemkin wurde General, dann Oberbefehlshaber der Armee, schließlich sogar Großadmiral der Flotte und sammelte dabei natürlich auch jede Menge Orden.

Als Minister und Generalgouverneur wurde er für die südlichen Provinzen zuständig. Einer Legende nach soll er Katharina der Großen bei Reise durch die Gegend einige Dörfer aus Pappe gezeigt haben, um Erfolge bei der Besiedlung vorzutäuschen.

Daher stammt das Sprichwort von den „Potemkinschen Dörfern“. Damit bezeichnet man die Vorspiegelung von falschen Tatsachen mit Hilfe von Attrappen oder ähnlichem.

Diesen Sprichwort wird ihm jedoch nicht gerecht. Historiker halten Potemkin sogar für einen außerordentlich erfolgreichen Gouverneur, der seine Provinzen weit voranbrachte.

Letzte Affäre und Tod (1796)

Katharina die Große verlor als Herrscherin in ihren späten Jahren an Dynamik und Einfluss. Mit fortschreitendem Alter wurden ihre Männer allerdings immer jugendlicher.

Ihr letzter Liebhaber Fürst Platon Subow war fast 40 Jahre jünger. Er hätte nicht nur ein Sohn sein können, sondern sollte später noch maßgeblich an der Ermordung ihres tatsächlichen Sohnes und Nachfolgers Paul I. beteiligt sein.

Das erlebte Katharina die Große jedoch nicht mehr. Sie starb am 17. November 1796 in St. Petersburg. Als Todesursache wurde ein Schlaganfall angegeben. Sie hätte sich eigentlich ihren Enkel Alexander I. als direkten Nachfolger gewünscht. Die Krone fiel jedoch an den ungeliebten Sohn Paul, der 1801 mit der eigenen Schärpe erdrosselt wurde.