Erzengel

Erzengel – die Heerführer Gottes ✡ ✝ ﷲ

Erzengel sind im Judentum, Christentum und dem Islam die höchsten Engel und zählen damit zu den Geistwesen. Während die „normalen“ Engel als Heerscharen Gottes nur jeweils einem Prinzip unterstehen, können Erzengel mehrere Prinzipien in sich vereinigen und haben deshalb eine Führungsrolle.

Drei Erzengel
Die drei Erzengel: Michael (links) und Gabriel (rechts) flankieren Raphael (Mitte) und den Jungen Tobias (Maler: Francesco Botticini / Lizenz: gemeinfrei)

Während die Engel der Gnade nur gnadenvoll und die Engel der Strenge nur streng sind, können die Erzengel unterschiedliche Werte vertreten.

Damit empfehlen sie sich auch für besondere Aufträge wie die Vertreibung von Luzifer aus dem Paradies durch Michael als Anführer der himmlischen Heerscharen.

Die unterschiedlichen Religionen kennen jedoch meist jeweils nur drei oder vier Erzengel. Es gab auch immer wieder die Verehrung einer 7er-Gruppe beispielsweise auf Grundlage des Buches Tobit im Alten Testament, in dem sich der Erzengel Raphael vorstellt als:

„… einer von den sieben heiligen Engeln, die das Gebet der Heiligen emportragen und mit ihm vor die Majestät des heiligen Gottes treten.“

Die Namen der Erzengel sind dabei künstliche Wortbildungen und verfügen jeweils über eine Bedeutung. Eine Auswahl ist:

  • Mētātor – „der Vermesser“
  • Mīkā’īl – „Wer ist wie Gott“
  • Gavri-el – „Meine Kraft ist Gott“
  • Rafa’el – „Gott hat geheilt“
  • Ūrīʾēl – „Mein Licht ist Gott“
  • Izrāʾīl – „Hilfe von Gott“

Der Glauben an Engel beziehungsweise Erzengel wird dabei auch besonders von der breiten Bevölkerung getragen. Wissenschaftler sehen hierfür vor allem zwei Gründe: Zum einen haben geflügelte Boten der Götter eine sehr lange Tradition wie zurück bis ins alte Ägypten oder nach Babylon.

So könnte man Parallelen zum Gott Thot sehen, der bereits Jahrtausende vor Christi Geburt die Schwangerschaft einer Königin beziehungsweise die kommende Geburt eines Thronfolgers verkündet hat.

Zwischenzeitlich war Thot dann als griechischer Hermes und später als römischer Merkur tätig, bis er als der Erzengel Gabriel die Jungfrau Maria über ihre Empfängnis in Kenntnis setzte.

Aber zum anderen bietet der Glauben an Engel auch Raum für „Hausgötter“ in einer monotheistischen Glaubenswelt. Nicht nur in griechisch-römischen oder keltisch-germanischen Kulturräumen, sondern auch bei den vor-islamischen Arabern kannte man Hausgötzen. Der dahinter stehende spirituelle Bedarf vieler Menschen wird zumindest in manchen Glaubensströmungen nun von Engeln gedeckt.

„Wir dürfen uns die Schutzengel nicht so naiv vorstellen. Die Schutzengel schützen uns nicht vor der Krankheit, vor dem Unfall oder vor dem Tod, aber ganz bestimmt in der Krankheit und im Unfall und im Tod. Sie schützen unseren innersten Kern. Dieser innerste Kern kann auch durch den Tod nicht zerstört werden.“

(Anselm Grün – Benediktiner und Angelologe)

Zumindest im Christentum sind direkte Gebete an Engel für Christen jedoch eigentlich tabu. Der Apostel Johannes wollte beispielsweise während seiner Vision von der Apokalypse einen Engel anbeten und wurde von diesem zurecht gewiesen: „Und ich fiel vor ihn zu seinen Füßen, ihn anzubeten. Und er sprach zu mir: Siehe zu, tu es nicht! Ich bin dein Mitknecht und deiner Brüder, die das Zeugnis Jesu haben. Bete Gott an!“

Metatron – der König

Der Metatron ist ein Erzengel in der jüdischen, christlichen und islamischen Mythologie. Er wird dreimal im Talmud erwähnt und führte beispielsweise das Volk Israel beim Exodus aus Ägypten. Er hat eine besondere Bedeutung für Esoteriker.

Die Bedeutung von Metatron ist nicht klar umrissen. Aber manchen Strömungen gilt er als höchster Erzengel, weil er den Willen Gottes an weitere Erzengel wie Michael und Gabriel kommuniziert.

Islamische Darstellung des Metatron aus dem 14. Jahrhundert (Urheber: Nasir al-Din Rammal / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Der jüdische Mystiker Elisa ben Abuja, den man auch als „der Andere“ kennt, nahm seine Macht durch eine besondere Symbolsprache war: Als einziges Wesen darf dieser eine Engel in der Gegenwart Gottes sitzen.

Der Metatron wird darüber hinaus in der islamischen Tradition mit Krone und Lanze dargestellt. Er gilt als Prinz der Welt, Statthalter des Himmels und König der Engel. Eine Göttlichkeit seines Wesens wird jedoch bestritten.

Metatron wurde wie auch Gabriel von Gott bestraft. Beide erhielten für Fehler die Pulsa deNura. Das sind 60 Hiebe mit einem brennenden Stock.

Der Islam kennt den Erzengel auch als ein Geistwesen, das sich in Jesus von Nazareth manifestiert hat. Die göttliche Verehrung von Jesus durch Christen ist deshalb aus islamischer Sicht einer der Frevel.

In der Serubbabel-Apokalypse wird der Metatron hingegen mit dem deutlich bekannteren Michael gleichgesetzt.

Michael – der Soldat

Der Erzengel Michael wird bereits in der hebräischen Bibel erwähnt. Er soll ganz aus Wasser bestehen und findet sich in der Glaubenstradition von Judentum, Christentum und Islam. Der Apostel Johannes erhob ihn schließlich sogar zum Bezwinger von Satan:

„Da entbrannte im Himmel ein Kampf; Michael und seine Engel erhoben sich, um mit dem Drachen zu kämpfen. Der Drache und seine Engel kämpften, aber sie hielten nicht stand und sie verloren ihren Platz im Himmel. Er wurde gestürzt, der große Drache, die alte Schlange, die Teufel oder Satan heißt und die ganze Welt verführt; der Drache wurde auf die Erde gestürzt, und mit ihm wurden seine Engel hinabgeworfen.“

Erzengel Michael
Erzengel Michael bezwingt Satan. (Maler: Raffael / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Michael gilt als Anführer der himmlischen Heerscharen und ist Schutzpatron der Soldaten. Seit dem Sieg von Otto dem Großen auf dem Lechfeld gegen die Ungarn im Jahr 955 ist der Erzengel auch Patron der Deutschen.

Doch Erzengel Michael wurde schon in zahllosen Situation als ein besonderer Schutzengel angesehen. Bereits im 1. Buch Henoch wird er als Beschützer Israels beschrieben. Später soll er dann zweimal Konstantinopel gerettet haben.

Während des 100-jährigen Krieges wurde er für die Franzosen sogar in zweifacher Hinsicht zu einem bedeutenden Symbol. Nach den anfänglichen Erfolgen der Engländer in der Normandie hielt ausgerechnet der ihm geweihte Mont St. Michel etwa 20 Jahre lang der vielleicht längsten Belagerung der Geschichte stand.

Die erfolgreiche Verteidigung des Mont St. Michel beruhte zwar eher auf dem Wechsel von Ebbe und Flut um die Gezeiteninsel. Das verhinderte sowohl Land- wie auch Seeangriffe auf den Standort.

Aber die symbolische Bedeutung der Behauptung des Felsen war außerordentlich hoch und das Kloster wurde später vom französischen König reicht beschenkt. Dann soll der Erzengel auch noch Jeanne d’Arc erschienen sein. Die Jungfrau von Orleans brachte dann die strategische Wende im 100-jährigen Krieg zu Gunsten der Franzosen.

Gabriel – der Bote

Der Erzengel Gabriel wird zusammen mit Michael häufig als „Engelspaar“ dargestellt. Im Gegensatz zu diesem besteht Gabriel jedoch vollständig aus Feuer.

Erzengel Gabriel
Christliche Darstellung des Erzengels Gabriel von 1501 (Maler: Pinturicchio / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Gabriel ist als Erzengel eine der bedeutendsten Figuren in den Religionen. Er wird bereits in der hebräischen Bibel erwähnt und auch der christliche Evangelist Lukas widmet sich ihm.

„Im sechsten Monat aber wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt von Galiläa, mit Namen Nazareth, gesandt, zu einer Jungfrau, die einem Mann namens Josef, aus dem Haus Davids, verlobt war, und der Name der Jungfrau war Maria.“

Der Erzengel Gabriel gilt als wichtigster Erklärer von Visionen und Bote von Gott. Im Christentum kommt ihm die Rolle als Verkünder der jungfräulichen Empfängnis von Maria zu. In der symbolischen Bildsprache übergibt er dabei einen Blumenzweig.

Aber auch im Islam hat Ǧibrīl eine ganz besondere Bedeutung. Er diktierte dem Propheten Mohammed das Wort Gottes, den Koran.

Raphael – der Heiler

Der Erzengel Raphael wird im Buch Tobit im Alten Testament erwähnt. Er ist ein Heiler und Schutzengel, weswegen ihm besondere Verehrung durch Esoteriker zu teil wird.

Erzengel Raphael (Isrāfīl) – Islamische Darstellung aus dem 13. Jahrhundert (Maler: Zakariya al-Qazwini / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Vor allem seine Fürsorge für den Jungen Tobias prägt seine Bild in der jüdisch-christlichen Welt. Der Erzengel warnte ihn zunächst vor einem Raubfisch und schützte Tobias auch vor einem Skorpion.

Anschließend erklärt er die Zubereitung von Heilmitteln. Damit kann Tobias einen Dämon vertreiben und die Blindheit seines Vaters heilen. Im Neuen Testament oder dem Koran wird der Erzengel Raphael namentlich jedoch nicht mehr genannt.

Als Erzengel Isrāfīl spielt er aber dennoch eine Rolle in der muslimischen Welt. Über seine Fähigkeiten als Heiler hinaus wird er vor allem auch mit Musik in Verbindung gebracht.

Er wird die Trompete zweimal am Tag des Jüngsten Gerichts blasen und singt zu Ehren Gottes mit tausenden Stimmen in unzähligen Sprachen.

Uriel – das Licht

Den Erzengel Uriel kennt man aus rabbinischen Schriften. Im Christentum wurde er jedoch nur von östlichen Kirchen ohne historische Unterbrechung als vierter Erzengel angerufen.

Darstellung des Erzengels Uriel in der St John’s Church in Wiltshire in England (Urheber: James Powell / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Die römische Kirche hat dagegen ein wechselhaftes Verhältnis zu Uriel. Gregor der Große zählte ihn beispielsweise noch zu den vier Erzengeln.

Die kanonische Anerkennung wurde Erzengel Uriel aber auf dem Konzil von 745 unter Papst Zacharias genommen. Dies hatte den zeitgenössischen Grund, dass die römische Kirche sogenannten „Engelkulte“ zurückdrängen wollte.

Uriel zählt jedoch zweifellos zu dem etwas weiteren Kreis von sieben Engeln, die Gott am nächsten stehen. Seine Anerkennung als Erzengel hatte jedoch auch in der römischen Kirche viele Fürsprecher, die im Laufe des Mittelalters für seine Rehabilitation kämpften.

Im Islam verschmelzen die Erzengel Raphael und Uriel zu Isrāfīl, der am Tag des Jüngsten Gerichts zweimal die Trompete blasen wird.

Azrael – der Tod

Azrael ist der vierte Erzengel im Islam. Seine Rolle als Todesengel wird im Koran beschrieben. Im Betriebsalltag ist es zunächst seine Aufgabe, die Namen von allen Neugeborenen in einem Buch zu notieren.

Erzengel Azrael
Erzengel Azrael – der Engel des Todes (Künstlerin: Evelyn De Morgan / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Zum Ende des Lebens streicht Erzengel Azrael die Namen aus der Liste und trennt so die Seelen von den Körpern der Menschen, aber auch von Dschinns und Dämonen:

„Abberufen wird euch der Engel des Todes, der mit euch betraut ist, hierauf werdet ihr zu eurem Herrn zurückgebracht.“

Die Vorstellung von einem Engel, der die Seele über die Schwelle des Todes begleitet, findet sich aber nicht nur im Islam. Auch der christliche Benediktiner-Mönch Amselm Grün geht davon aus, dass jedem Menschen von Gott ein Engel als Begleiter bis über den Tod hinaus an die Seite gestellt wird.