Baphomet – Idol der Templer

Baphomet von Éliphas Lévi
Baphomet von Éliphas Lévi aus dem Jahr 1856 (gemeinfrei)

Baphomet oder auch Bafomet ist ein Dämon, der angeblich von den Templern verehrt wurde.

Er tauchte erstmals als „Idol“ in der Anklageschrift der Templerprozesse ab 1307 auf. In Südfrankreich bekannten sich einige der Ritter unter der Folter zur Verehrung von Baphomet.

Dabei entstanden grobe Beschreibungen des Götzen. Belastbare Nachweise für eine Anbetung von Baphomet durch die Templer hat es jedoch nie gegeben.

In der Neuzeit erlebte Baphomet als okkulte Figur eine Wiedererweckung. Der französische Diakon Éliphas Lévi nutzte das angebliche Idol der Templer als Symbol für seine „wahre Religion“.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts nahm der Atheist Léo Taxil die Figur wieder auf. Mit fiktiven Berichten unterstellte er den Freimaurern, dass sie bei Schwarzen Messen den Baphomet anbeten.

Schließlich ließ der Papst einen Konvent zu dem Thema mit mehr als 30 Kardinälen sowie weiteren mehr als 700 Priestern einberufen. Léo Taxil lüftete seinen Schwindel und bedankte sich für die kostenlose Publicity der Kirche für seine Publikationen.

Schließlich wurde Baphomet in der Walpurgisnacht 1966 von dem Atheisten Anton LaVey erneut wiederbelebt. Der gründete die Church of Satan und nutzte ein Bild von Baphomet als Siegel.

Baphomet & Templerprozesse (1307-12)

Freitag, der 13. für die Templer

König Philipp IV. von Frankreich entschied am 14. September 1307 für die Verhaftung der Templer. So wollte er an das Vermögen des reichen Ordens gelangen. Dafür informierte er zunächst alle Vasallen und Beamten seines Landes.

Die zeitgleichen Verhaftungen aller Templer fand am Freitag, den 13. Oktober 1307 statt. Laut dem königlichen Schreiben standen sie unter dem dringenden Verdacht der Häresie.

Sie hätten sich ehrlos verhalten und gegen kirchliches Recht verstoßen. König Philipp IV. nannte auch Punkte der Anklage, die sich auf frevelhafte Zeremonien der Templer bezogen:

  • 3x Jesus Christus verleugnet
  • 3x auf das Kreuz gespuckt
  • 3x Kuss (A***, Nabel, Mund)
  • Gelübde zur Homosexualität

Außerdem hätten sie Gott verlassen und Dämonen angebetet. Zugleich wurden mit den Briefen auch die Exkommunikation der Templer veröffentlicht.

Verhöre & Folter durch Inquisition

Die Verhaftungswelle gegen die angeblichen Anbeter von Baphomet war ein großer Erfolg. Alleine in Paris fasste man 138 Ordensbrüder. Den legendären Schatz der Templer fanden die Schergen des Königs jedoch nicht.

Wenige Tage später wurde auch die Inquisition eingeschaltet. Am Ende der Befragungen und Folter sollte es zahlreiche Geständnisse geben.

Am 24. Oktober 1307 begann das Verhör von Jacques de Molay, dem 23. Großmeister des Ordens. Die Befragung leitete der dominikanische Inquisitor Guillaume Imbert.

Der wandte ein planmäßiges Verfahren an. Die noch erhaltenen Protokolle der Verhöre von Templern in Paris ähneln sich sehr. Diesselben Personen äußerten sich jedoch noch in weiteren Verfahren auf andere Art und Weise.

Einmischung von Papst Clemens V.

Papst Clemens V.
Papst Clemens V. (gemeinfrei)

Der Papst protestierte jedoch bereits am 27. Oktober 1307 gegen das Vorgehen des französischen Königs. Vor allem ging es ihm um die Einziehung der Güter der Templer.

Daraufhin kam es aus ungeklärten Gründen zu einem öffentlichen Auftritt von Jacques de Molay. Der bestätigte öffentlich die vorgeworfenen Verbrechen.

Darüber hinaus verfasste de Molay nun selbst einen Brief. Er forderte alle Templer auf, die Vorwürfe zu gestehen. Möglicherweise wollte er seine Ordensbrüder vor weiterer Folter schützen.

In den folgenden Wochen verhandelten Clemens V. und Philipp IV. von Frankreich. Die Gespräche endeten am 22. November mit dem Erlass einer päpstlichen Bulle.

Mit der Pastoralis Praeminentie adressierte der Papst alle christlichen Herrscher. Er ordnete die Verhaftung der Templer und aller ihrer Güter an.

Es war nicht der erste Griff von Clemens V. nach den Schätzen des reichen Ordens. Im August 1307 war er mit dem Versuch gescheitert, die Templer und die Johanniter zu vereinigen.

Nun sah er seine Chance, das Verfahren wegen Häresie gegen den Orden an sich zu ziehen. Er entsandte zwei Kardinäle und enthob die Inquisitoren. Letztlich sollte er damit sogar Erfolg haben. Die Immobilien der Templer fielen nach der offiziellen Auflösung des Ordens an die Johanniter und blieben damit in kirchlicher Hand.

Drittes Verfahren von Poitiers 

Der Großmeister und andere Templer widerriefen nun jedoch ihre bisherigen Geständnisse. Deshalb kam es 1308 zu dem nun schon dritten Prozess gegen den Orden und sie blieben auf Burg Chinon eingekerkert.

Burg Chinon Foto
Burg Chinon an der Loire (Franck Badaire / CC-BY-SA 3.0)

Für diesen „Prozess von Poitiers“ wählten Handlanger des französischen Königs 72 Templer aus. Die stellte man dann vor ein kirchliches Gericht.

Von den Verhören sind 33 Protokolle überliefert. In vielen Fällen bestätigten diese ausgewählten Templer nun wieder die alten Geständnisse.

Diese neue Kehrtwende hatte einen juristischen Hintergrund: Man hoffte auf die Aufhebung der Exkommunikation.

Der Papst setzte anschließend jedoch vor allem die Inquisition wieder ein. Die Verurteilung einzelner Templer sollte nach einem kanonischen Verfahren laufen, deren Verantwortung bei Kardinälen und den örtlichen Bischöfen lag.

Die Verfolgung der Templer verlief dann regional jedoch sehr unterschiedlich. Der deutsche König Albrecht I. von Habsburg ignorierte die Anweisung weitgehend.

In England verliefen die Prozesse gegen die Templer unter Edward II. ebenfalls relativ glimpflich. Das galt auch für Irland. Doch vor allem im Süden von Frankreich ging man immer schärfer gegen die Templer vor.

Baphomet und die 88 Anklagen

Die Inquisition sammelte alle Aussagen von Templern und formulierte eine lange Liste von insgesamt 88 Anklagen. Damit fand die Verehrung von Baphomet ihren Einzug in die offiziellen Prozesse.

Neben der Verleugnung Christi und der Schändung des Kreuzes wurde die Verehrung eines „Idols“ zum wesentlichen Teil der Vorwürfe. Die Beschreibung von Baphomet entlehnte sich dabei stark aus biblischen Motiven.

Beispielsweise wurde Baphomet wahlweise als Mann mit Bart und weiblichen Brüsten beschrieben. Die Templer sollen ihn als Antichrist oder sogar wie die Ketzer als bösen Weltenschöpfer (Demiurg) verehrt haben.

Verfluchung des Papstes

Das Verfahren gegen den Templerorden als Organisation blieb päpstliche Aufgabe. Am 26. November 1309 führte man Jacques de Molay einer päpstlichen Kommission in Paris vor.

Jacques de Molay auf dem Scheiterhaufen
Hinrichtung von Jacques de Molay (gemeinfrei)

Der verweigerte jedoch die Aussage und wollte nur noch direkt von Clemens V. angehört werden. Auch im folgenden März 1310 noch blieb der Großmeister bei dieser Position. Eine solche Begegnung sollte jedoch nie stattfinden.

Am 12. Mai 1310 brannten dann die ersten Scheiterhaufen: 54 Templer hatten den Orden gegenüber der päpstlichen Kommissionen verteidigt. Sie wurden umgehend angeklagt und als rückfällige Häretiker verbrannt.

Am 22. März 1312 löste Clemens V. den Orden offiziell auf. Die Immobilien der legendär reichen Gemeinschaft fielen an die Johanniter.

Die Historikerin Barbara Frale fand zu diesen Vorgängen eine handschriftliche Notiz von Clemens V. im Geheimarchiv des Vatikan. Daraus geht hervor, dass der Papst von der Schuld der Templer nicht überzeugt war.

Die Oberen des Ordens waren aber nach wie vor in Haft. Man hielt sie inzwischen in der Burg Gisor gefangen. Eine Gruppe von Kardinälen trat zusammen, um sie endgültig zu verurteilen.

Am 18. März 1314 verkündeten sie auf dem Platz vor Notre Dame eine lebenslange Haftstrafe für die führenden Templer. Jacques de Molay und der Ritter Geoffroy de Charnay protestierten.

Daraufhin wurden auch sie als rückfällige Häretiker zum Tode verurteilt. Beide brannten noch am selben Abend. Die letzten Worte von de Molay sollen ein Fluch über Clemens V. gewesen sein. Der starb einen Monat später.

Baphomet in der modernen Rezeption

Éliphas Lévi und die „wahre Religion“

In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Baphomet wieder aufgegriffen. Der französische Okkultist Éliphas Lévi zeichnete einen Dämon mit Ziegenkopf, Hörnern und weiblichen Brüsten.

Ein Hintergrund war, dass Éliphas Lévi zwar ausgebildeter Theologe, aber vor allem ein Anhänger des frühen Sozialismus als „wahre Religion“ war. In dieser Rolle sah er sich in der Tradition von Gnostikern, Katharern, Templern und anderen häretischen Strömungen.

Die Darstellung von Baphomet aus der Feder von Éliphas Lévi verband dabei zahlreiche Widersprüche wie Gut und Böse, Mensch und Tier oder auch Mann und Frau.

Schwarze Messen der Freimaurer

Baphomet Freimaurer
Baphomet während einer Schwarzen Messe der Freimaurer nach Léo Taxil (gemeinfrei)

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts tauchte Baphomet auch als Symbol der Freimaurer auf. Hintergrund waren die Schwindeleien von Léo Taxil.

Das war ein Atheist der schon eine Schmähschrift über Papst Pius IX. veröffentlicht hatte. Léo Taxil publizierte dann zwischen 1885 und 1897 zahlreiche angebliche Details über die Zeremonien der Freimaurer.

Auf Basis von fiktiven Zeugenaussagen griff er den androgynen Baphomet auf. Diese Berichte über Schwarze Messen erhielten schließlich die Aufmerksamkeit des Fürstbischofs von Trient.

Im Auftrag von Papst Leo XIII. richtete der Fürstbischof ein Konzil mit 36 Kardinälen und mehr als 700 weiteren Priestern zu dem Thema aus. Am 19. April 1897 deckte Leo Taxil seinen Schwindel um Baphomet selbst auf und bedankte sich bei dir Kirche für die kostenlose Publicity.

Symbol der Church of Satan

Baphomet-Siegel Church of Satan
Baphomet-Siegel der Church of Satan (GTRus / CC-BY-SA 3.0)

In der Walpurgisnacht des Jahres 1966 gründete Anton Szandor LaVey die Church of Satan. Die Lehre der neuen Religion beruht auf seinem Grundlagenwerk.

Diese Satanische Bibel besteht aus vier Büchern: Satan, Luzifer, Belial und Leviathan. Als Siegel verwendete er das Zeichen Baphomets.

Die Church of Satan gibt es bis heute. Sie ist zentralistisch aufgebaut und untersteht einem männlichen und einem weiblichen Hohepriester.

Ihren Hauptsitz hat die Church of Satan im Bezirk Hell’s Kitchen in Manhattan. Sie beten jedoch keinen bösen Gott an. Vielmehr handelt es sich bei dieser Gruppierung um hedonistische Atheisten, für die der abrahamitische Satan eine Inspiration zum Lustgewinn ist.

„Individuen, die erkennen, wie die Welt wirklich funktioniert – statt in einer Phantasie verloren zu sein, in der sie eine Art von Retterfigur wären – erkennen normalerweise, dass Idealismus (wie die Welt zu verändern) weniger wichtig ist als das Prinzip, zu bekommen, was man selbst will. Diese letztere Position sollte eine offensichtliche Entwicklung speziell für Satanisten sein, da wir unser Verständnis nicht verbergen, dass Satanisten dazu tendieren, einsame Wölfe und keine Herdentiere zu sein.“

(aus Church of Satan Policy on Politics)

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